Archiv der Kategorie: Predigten

Predigt über Amos 5,21-24

Predigt am 11.2.18 von Andreas Hansen über Amos 5,21-24

„Liebe Gemeinde, ihr wollt dass ich ein falscher Prophet bin! Ich soll nichts sagen, was euch stört. Ich soll lieber die Unwahrheit sagen. Aber das geht nicht.“ So hat der große Theologe Karl Barth einmal eine Predigt begonnen.
„Ihr wollt, dass ich ein falscher Prophet bin.“ Das ist schon fast eine Beschimpfung der Gemeinde, nicht wahr? Es ging darum, dass die falschen Propheten den Leuten nach dem Mund reden, dass sie die unbequeme, böse Wirklichkeit verschweigen und lieber Fake-News vom Frieden verbreiten. Aber das geht nicht. Gott stört den falschen Frieden. Er lässt nicht zu, dass wir uns die Welt schönreden. Darum muss sein Prophet stören. In Gottes Namen schreit der Prophet Amos im Tempel: (Amos 5,21-24)

 Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen.  Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder;  denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

 Stellen Sie sich mal vor, jemand würde in diesem Ton in unseren Gottesdienst reden!
Amos fliegt raus. Der Oberpriester beschwert sich beim König über ihn. Er verbietet Amos weiter zu reden im Heiligtum des Königs – so sagt er. Aber ist es nicht Gottes Tempel und Heiligtum? Gott redet dazwischen, aber der Priester sagt: „Raus mit dem Störenfried!“ Mir fiel dazu ein Gedicht von Kurt Marti ein:

„Der ungebetene Hochzeitsgast

Die Glocken dröhnen ihren vollen Ton
und Photographen stehen knipsend krumm.
Es braust der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn.
Der Pfarrer kommt! Mit ihm das Christentum.

Die Damen knien im Dome schulternackt,
noch im Gebet kokett und photogen,
indes die Herren konjunkturbefrackt,
diskret auf ihre Armbanduhren sehn.

Sanft wie im Kino surrt die Liturgie
zum Fest von Kapital und Eleganz.
Nur einer flüstert leise „Blasphemie!“
Der Herr. Allein. Ihn überhört man ganz.“

Das hätte Amos gefallen. Nur dass er nicht flüstert, er brüllt. Amos stört das Fest von Kapital und Eleganz. Hören Sie, was er sonst noch sagt: Die eleganten Damen nennt er fette Kühe (4,1). Er ruft zur Umkehr: „Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben könnt, so wird der HERR bei euch sein, wie ihr rühmt.“ (4,14) Damals bereichern sich der König und eine dünne Oberschicht auf Kosten vieler. Sie treiben die Armen in die Schuldsklaverei und leben selbst in Saus und Braus. Amos wettert gegen das Unrecht: „Sie treten den Kopf der Armen in den Staub und drängen die Elenden vom Weg. “ (2,6) „Ihr unterdrückt die Armen und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn. Ihr bedrängt die Gerechten, nehmt Bestechungsgelder und unterdrückt die, die kein Geld haben“ (5,11). Viele Menschen werden immer ärmer und elender. Und auch die Priester im Tempel profitieren von dem Unrecht.
Im Namen Gottes stört Amos. Gott stört. König und Priester wollten ihn nicht hören. Aber die Worte von Amos stehen bis heute in der Bibel.
Amos kritisiert einen Gottesdienst, der Gott widerspricht. Da wird nicht Gott verehrt, sondern wir sehen nur uns selbst. Da wird nicht auf Gott gehört, denn es darf nichts gesagt werden,   was uns infrage stellt. Da entsteht nicht Gemeinschaft, sondern Trennung. So wird Gottesdienst in sein Gegenteil verkehrt: Ein Beruhigungsmittel, Selbstbestätigung, Blasphemie, Gotteslästerung. Im schlimmsten Fall wäre das ein Versuch, uns Gott vom Leib zu halten, ihn zum harmlosen Greis zu machen, der zu allem nur freundlich nickt. Karl Barth wusste, dass wir uns gerne einen Gott zurechtmachen. Darum begann er: „Ihr wollt, dass ich ein falscher Prophet bin.“

Ich glaube nicht, dass unsere Gottesdienste Gott zuwider sind, dass ihn unsere Feiern und Gebete ärgern, dass ihn unser Gesang nervt. Gott will unseren Gottesdienst. Gott will, dass wir uns zu ihm wenden.  Er hört, was wir von Herzen singen und beten. Er hört auch den kläglichen Gesang oder die Gebete, für die wir keine Worte finden. Aber Gott will vor allem selbst etwas zu uns sagen. Wir sollen hören, wirklich hören.
So viele Worte rauschen an uns vorbei und berühren uns gar nicht – im gleichen Moment haben wir sie vergessen. Gott meint es ernst mit uns, wie eine Mutter, wie ein Freund, wie ein Mensch, der uns liebt. Was ein solcher Mensch sagt, ist uns wichtig, berührt und bewegt uns. So sollen wir hören.
Und Gott ist noch viel mehr als ein liebevoller Mensch. Das altmodische Wort Ehrfurcht entspricht der Haltung, die Gott verdient. Was er uns sagt, müssen wir unbedingt hören, ehrfürchtig, weil es wichtig und heilig für uns ist. Menschen verdienen keine Ehrfurcht, ganz gleich, welches Amt sie haben. Aber Gott, der das Leben schenkt, Gott, der Ewige, der Einzige, ihm begegnen wir mit Ehrfurcht. Wenn du betest, sollst wissen vor wem du stehst.
Eine ehrfürchtige Haltung vor Gott erniedrigt uns nicht, im Gegenteil: Gott erhebt uns und würdigt uns, dass wir ihm antworten.

Das hört nicht an der Kirchentür auf.
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Was Amos kritisiert, klingt bedrückend aktuell: Mächtige Kapitaleigner spekulieren mit Ackerland in Afrika und treiben Menschen in Hunger und Not. Wie Sklaven schuften Arbeiter in den Kleiderfabriken für unsere Importe. Waffen aus Deutschland helfen Unterdrückern und Kriegstreibern. In der globalisierten Welt sind wir alle verstrickt in weltweites Unrecht. Wir sind immer bereit, die Schuld bei anderen zu suchen. „Die da oben“ müssten etwas tun. Wir können ja zumindest versuchen, den Menschen neben uns gerecht zu werden.

Gerechtigkeit ist das, was wir zu einem guten Miteinander brauchen: Dass alle leben können und keiner untergeht, keiner dem anderen den Platz nimmt, keiner den anderen unterdrückt. Gerecht ist nach biblischem Verständnis das, was einer funktionierenden Gemeinschaft dient. 
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Das ist zuerst eine ungeheuer anspruchsvolle Forderung. Aber es ist auch ein Versprechen: Wo ein Bach nie versiegt, gibt es eine zuverlässige Quelle. Gott selbst ist die Quelle von Recht und Gerechtigkeit.
Gott verspricht: Meine Gerechtigkeit hört nicht auf. Meine Gemeinschaft mit euch zerbricht nicht. Gott ermöglicht uns Gerechtigkeit. Gott heilt zerbrochene Gemeinschaft.
Jeder Gottesdienst hat darum Teile, die auf Umkehr zielen, auf eine Rückkehr in die Gemeinschaft  mit Gott und untereinander.
Gott will unseren Gottesdienst.
Gott will, dass wir an die Quelle kommen, Gemeinschaft erfahren, gestärkt werden.
Wir sollen sein Recht und seine Gerechtigkeit kennen. Gott würdigt uns, dass wir vor ihm stehen dürfen, dass wir ihm antworten.

Amen

schwach und doch stark – Predigt über 2.Kor12,1-10

Predigt am 4.2.18 von Andreas Hansen über 2.Kor 12,1-10

Angeberei finde ich unerträglich. Wie peinlich ist das, wenn ein Präsident sich immer wieder als den besten aller Zeiten preist! Wie mühsam ist überhaupt die ganze Angeberei in der Politik!
Andrerseits gehört Klappern zum Handwerk. Man muss sich gut verkaufen, sonst gilt man nichts. Das lernt ihr schon in der Schule, wenn ihr eine Präsentation vorbereitet.
So geht es auch Paulus. Er muss sich rühmen. Die Gemeinde in Korinth hat große Apostel erlebt, beeindruckende, mitreißende Prediger, vom Geist Gottes erfüllte Frauen und Männer. Wenn sie von ihren Gotteserfahrungen sprechen, schweigt die Gemeinde ehrfürchtig. Sie verstehen es, Hoffnung zu wecken. Zum Greifen nah scheint die Erlösung, Befreiung von allem Leid, ein Licht der Erkenntnis, das alle Rätsel durchdringt. So muss ein Apostel sein! Eine starke Persönlichkeit, voll Gewissheit. Ein Mensch, der den Weg zu Gott weisen kann, ein Leitstern des Glaubens. Aber Paulus?  Paulus ist eine Enttäuschung! Wie kläglich steht er da! Wie unsicher ist sein Auftreten, wie schwach seine Rede! Und der will ein Apostel sein?! Hat er überhaupt eine Ahnung von Gottes Geist und Gottes Kraft?

2 Korinther 12,1-10

Ich bin – wie gesagt – gezwungen, mich selbst zu rühmen.  Eigenlob nützt zwar nichts; trotzdem will ich nun noch auf Visionen und Offenbarungen vonseiten des Herrn zu sprechen kommen.
Ich kenne einen Menschen in Christus, der – es ist jetzt vierzehn Jahre her – bis in den dritten Himmel versetzt wurde. Ob er dabei in seinem Körper war, weiß ich nicht; ob er außerhalb seines Körpers war, weiß ich genauso wenig; Gott allein weiß es. Auf jeden Fall weiß ich, dass er ins Paradies versetzt wurde (ob in seinem Körper oder ohne seinen Körper, weiß ich – wie gesagt – nicht; nur Gott weiß es) und dass er dort geheimnisvolle Worte hörte, Worte, die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht. Im Hinblick auf diesen Menschen will ich mich rühmen;  an mir selbst jedoch will ich nichts rühmen – nichts außer meinen Schwachheiten. Wenn ich wollte, könnte ich mich sehr wohl auch mit anderen Dingen rühmen, ohne mich deshalb zum Narren zu machen; denn was ich sagen würde, wäre die Wahrheit. Trotzdem verzichte ich darauf, weil ich nicht möchte, dass jemand eine höhere Meinung von mir hat als die, die er sich selbst bilden kann, wenn er sieht, wie ich lebe, und hört, was ich lehre. Ich verzichte darauf, weil diese Offenbarungen etwas ganz Außerge-wöhnliches darstellen. Gerade deshalb nämlich – um zu verhindern, dass ich mir etwas darauf einbilde – ist mir ein Leiden auferlegt worden, bei dem mein Körper wie von einem Stachel durchbohrt wird: Einem Engel des Satans wurde erlaubt, mich mit Fäusten zu schlagen, damit ich vor Überheblichkeit bewahrt bleibe. Dreimal habe ich deswegen zum Herrn gebetet und ihn angefleht, der Satansengel möge von mir ablassen. Doch der Herr hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.«  Daher will ich nun mit größter Freude und mehr als alles andere meine Schwachheiten rühmen, weil dann die Kraft von Christus in mir wohnt. Ja, ich kann es von ganzem Herzen akzeptieren, dass ich wegen Christus mit Schwachheiten leben und Misshandlungen, Nöte, Verfolgungen und Bedrängnisse ertragen muss.
Denn gerade dann, wenn ich schwach bin, bin ich stark.

 Paulus wird in Korinth heftig angegriffen und verspottet. Wir würden von Mobbing sprechen. Seine Arbeit und seine Person werden in Frage gestellt. Darauf antwortet Paulus nun und erzählt sehr persönlich von seiner Erfahrung mit Gott. Er gibt mit seinen geistlichen Erlebnissen nicht an.
Wir verstehen nicht, was er meint, wenn er vom dritten Himmel schreibt oder auch von einem Engel Satans, der ihn mit Fäusten schlägt. Paulus versteht das selbst nicht ganz. Er schreibt von sich wie von einem anderen: „Ich kenne einen Menschen in Christus.“ Er weiß nicht, ob er außer sich war, ob er seinen Leib verlassen hat, in Ekstase war. Er war im Paradies und hörte geheimnisvolle, unsagbare Worte, die kein Mensch sagen kann. Man spürt einen Hauch von Erlösung, ein himmlisches Glück. Dies Erlebnis hat Paulus für immer geprägt.
Paulus beschreibt vorsichtig, ehrfürchtig, was ihm widerfahren ist. Er achtet und wahrt das Geheimnis Gottes. Er maßt sich nicht an, mit seinem geistlichen Höhenflug zu prahlen. Denn zugleich wird er hart an seine Grenzen erinnert.   Er meinte fast, er habe seinen sterblichen Körper verlassen, da bringt ihn ein Stachel im Fleisch zurück auf den Boden. Es ist, als ob man im glücklichsten Moment  plötzlich von Zahnschmerzen geplagt wird oder kurz vor einem großen wichtigen Fest einen Migräneanfall erleidet und keinen Schritt gehen kann. Wir wissen nicht, was Paulus plagt, vielleicht Rheuma oder Gallenkoliken oder auch, nicht weniger schmerzhaft, eine Depression, ein Stachel in seiner Seele.
Vergeblich betet Paulus um Heilung. Er muss mit seinem Leiden weiterleben. Und er muss mit seiner Schwäche zurechtkommen.
Ich finde es tröstlich, dass auch für einen wie Paulus nicht alles glatt und gut geht. Unser Leben bleibt in vielem unvollkommen, unfertig. Wir erleben Brüche und wir tragen Narben. Der gnädige Gott trägt uns. Jesus hilft den Verlorenen auf.
Liebe Gemeinde, von geistlichen Höhenflügen oder ekstatischen Gotteserfahrungen höre ich eher selten. Aber ich begegne Menschen, die mit einer Schwäche leben müssen. Ein Mensch wird krank, und auf einmal sieht sein Leben ganz anders aus. Ein Mensch wird von seinem Partner oder seiner Partnerin belogen und verlassen und trägt schwer an diesem Bruch. Ein Mensch schafft eine Prüfung nicht und muss seinen Lebenstraum loslassen. Alte Menschen erzählen auch von Erfahrungen im Krieg und auf der Flucht, die sie immer noch plagen. Aber Menschen, die ganz unten waren, haben gerade da erfahren, wie Gott sie trägt – auch das höre ich oft.
Wir genießen es nicht etwa, schwach zu sein. Wir erklären Leiden oder Schwäche nicht zu etwas Gutem. Wo immer das möglich ist, kämpfen wir dagegen und tun alles dafür, dass wir in Gottes Namen Schwäche und Leid überwinden. Aber es ist nicht immer möglich. Wir stoßen an Grenzen. Mit mancher Schwachheit oder Last müssen wir einfach weiterleben. Paulus kann seine Schwäche akzeptieren. Paulus rühmt sich sogar seiner Schwachheit, „weil dann die Kraft von Christus in mir wohnt.“
Aber Paulus kann das wohl erst im Nachhinein  erkennen. Mitten im Schmerz rufen wir wie der Psalmbeter: „Wo bist du Gott? Hast du mich vergessen?“ Oder wie im Lied: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr, fremd wie dein Name sind mir deine Wege.  … Ich möchte glauben, komm du mir entgegen!“ Erst später dürfen wir vielleicht erkennen, wie nah Gott uns war, als wir schwach und allein waren.
„Gerade dann, wenn ich schwach bin, bin ich stark.“ Das klingt paradox, widersinnig. Ich verstehe Paulus so: „Dann, wenn ich ganz unten war und nicht mehr weiter wusste, hat Gott mir Kraft gegeben.“ Und ich würde weiter sagen: „Selbst dann, wenn ein Mensch wirklich am Ende seiner Möglichkeiten ist, lässt Gott ihn nicht allein.“
Dietrich Bonhoeffer bekannte, „Gott will uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“
„Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.“
Gott selbst geht den Weg der Schwachheit. Das klingt absurd, denn Gott stellen wir uns doch stark und mächtig vor. Gott verzichtet in Jesus Christus auf die Stärke. Er ist machtlos und angegriffen. Er leidet und stirbt am Kreuz. Gott schenkt Leben, indem er selbst sein Leben lässt. Gott geht den unteren Weg.
Die Leute in Korinth greifen Paulus an. Sie werfen ihm vor, dass er kein rechter Apostel ist, schwach und ohne Charisma. Da erzählt er ihnen, was er an der Grenze des Sagbaren erleben durfte. Himmel und Erde haben sich berührt. Es bleibt ihm selbst ein Geheimnis. Aber Paulus bekennt auch, wie seine eigene Schwachheit ihn plagt und zu Boden wirft.
„Ich kenne einen Menschen in Christus“. In Christus – so umschreibt er seine Existenz. In Christus vermag er sich zu rühmen. In Christus kann aus Schwachheit Stärke wachsen.
Wir sind in Christus, liebe Gemeinde. Christus verbindet sich mit uns in der Taufe. Christus schenkt sich uns im Abendmahl. Christus sagt uns ein gutes Wort: „Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt in der Schwachheit zu ihrem Ziel.“ Amen

geschenkt – Predigt über Mt 20,1-16 am 28.1.2018

Predigt am 28.1.18 von Andreas Hansen über Mt20,1-16

Da stehen sie in der morgendlichen Kälte am Brunnen auf dem Marktplatz. „Was wird dieser Tag bringen?“ Ein Gutsherr kommt auf sie zu. „Ich habe Arbeit für euch. Ein Denar für den Tag? – der übliche Lohn. Geht in den Weinberg! Es gibt viel zu tun.“
Ein langer Tag beginnt. Zwölf Stunden Arbeit. Ein Denar ist nicht viel, in heutiger Kaufkraft vielleicht 20 Euro – davon kommt eine Familie gerade so rum. Mühsam verdientes Geld.
Wie beginnen Sie einen langen Tag oder eine schwere Aufgabe? Der Anfang ist schwer. Ich mache eine Liste, überlege, teile die Arbeit in Schritte, hake ab, was geschafft ist und versuche nichts zu vergessen.
Wer engagiert ist wie, wohl die meisten von uns, wird sich zu denen zählen, die den ganzen Tag reichlich zu tun haben. Nur stehen wir morgens eher am Bahnhof oder im Stau nach Freiburg und wir verdienen mehr als ein Tagelöhner damals.

Es ist schon warm morgens um neun. Andere Arbeiter stehen auf dem Markt. „Der Tag hat mies begonnen. Haben wir überhaupt noch eine Chance?“ Der Herr kommt und schickt sie in seinen Weinberg. Er verhandelt nicht über den Lohn. Sie müssen nehmen, was sie bekommen –  besser als mit leeren Händen heimzugehen.
Manchmal geht von Anfang an alles schief. Lohnt sich die Mühe überhaupt? Nicht immer haben wir die Kraft, aus einer verfahrenen Situation noch das Beste zu machen.
Da bewundere ich das Durchhaltevermögen der Koalitionsverhandler.

In der ärgsten Mittagshitze hängen ein paar Leute am Brunnen herum. Sie sind wie erschlagen von der Hitze und ihrem Frust. Ein vergeblicher Tag. Was ist, wenn wir morgen auch nichts finden? Aber der Besitzer des Weinbergs kommt wieder und gibt auch ihnen Arbeit.
Sie erinnern mich an die vielen Jungen, die jahrelang nur Praktikumsplätze bekommen, oder kleine befristete Stellen. In Griechenland haben fast 40% der Jungen unter 25 keine Arbeit, in Spanien 38%, in Italien 32%. Was haben sie für Perspektiven?

Eine Stunde vor Feierabend, fünf Uhr. Auf dem Markt stehen die übrig Gebliebenen. „Niemand hat uns eingestellt.“ Was  für eine deprimierende Feststellung. Wie nutzlos müssen sie sich vorkommen. Aber auch sie schickt der Gutsherr noch in seinen Weinberg. Das lohnt sich doch gar nicht mehr.
Manche Leute verlieren den Mut noch einmal neu zu beginnen. Zu oft haben sie sich vergeblich bemüht. Sie geben es auf. Sie bleiben die Verlierer, die Abgehängten.

Täglich erleben die Tagelöhner im Gleichnis die Herausforderung sich zu behaupten und die Unsicherheit, was der Tag wohl bringt. Der Druck kann enorm sein, sowohl bei den sogenannten Leistungsträgern ganz oben, als auch bei denen ganz unten, die keiner braucht: Habe ich Chancen? Bin ich gut genug? Kann ich meinen Platz finden? Lohnt sich die Anstrengung? Und auch eine Portion Glück gehört dazu. Ähnlich gehen wir in neue Lebenssituationen: eine neue Aufgabe, neue Beziehungen, auch Abschiede, ein Umzug, eine neue Lebensphase. Gelingt uns der Schritt? Lohnt sich die Mühe?

Nun lässt der Gutsherr seine Arbeiter auszahlen. Tagelöhner müssen täglich ihren Lohn erhalten. Und nun kommt die Überraschung:
Leistung muss sich lohnen, sagen wir. Wer viel arbeitet, verdient einen guten Lohn. Wir wollen belohnt werden. Es kann uns tief verletzen, wenn unsere Anstrengung missachtet wird. Ich gebe etwas und will dafür entsprechende Anerkennung. Dieses Denken, diese Haltung steckt tief in uns und bestimmt uns, wo wir gehen und stehen. Stimmt der Lohn nicht, empfinden wir das als großes Unrecht. Wehe, wir fühlen uns übergangen oder missachtet!
Einen ganzen Denar bekommen die, die nur eine Stunde gearbeitet haben.
Einen Denar bekommen sie alle!
Geht denn das?
„Wir haben den ganzen Tag geschuftet und was ist der Dank? Die da, die fast nichts getan haben, bekommen genauso viel wie wir. Gemeinheit!“ Und nun werden sie auch noch getadelt: „Machst du ein böses Gesicht, weil ich gütig bin?“
Der Gutsherr bringt uns ganz durcheinander. Natürlich gönnen wir jedem sein Auskommen, aber Leistung muss sich doch lohnen.
Nein, der Gutsherr Gott setzt das Prinzip Lohn   für Leistung außer Kraft. Er besteht auf seiner Freiheit zu schenken. „Mein Freund, ich tue dir kein Unrecht.“
Wir haben große Mühe mit dem, was er tut, denn wir haben verinnerlicht, dass wir nur dann belohnt werden, wenn wir etwas bringen.
Aber Gott sagt: „Von mir werdet ihr beschenkt, weil ich euch beschenken will. Ihr seid mir lieb und wert, ob ihr viel leisten könnt oder wenig. Ich schenke euch das Leben und was ihr braucht, aber schuldig bin ich euch nichts.“
Das ist ein himmlisches Lohnbüro. Gott gibt mehr als wir verdienen. Er beschenkt uns alle. Er gibt ja auch denen, die viel leisten können, Begabung und Kraft dazu.
Gott nennt uns Freunde; er macht uns zu seinen Freunden. Wir sind Gott lieb wie Freunde. Ohne Gegenleistung sind wir reich beschenkt. Unser Leistung-und-Lohn-Denken greift zu kurz. Wir werden anderen und auch uns selbst niemals gerecht, wenn wir nur darauf sehen, was einer leistet und sich leisten kann.

Was heißt das für uns, wenn wir unseren Markt-Wert testen, wenn wir unsere Chancen ausloten, und wenn wir Neues beginnen und den Schritt ins Ungewisse wagen? Was heißt es, wenn wir um Lohn verhandeln und Anerkennung verlangen?
Natürlich erleben wir nach wie vor den Druck und die Herausforderung, den Frust, wenn wir uns vergeblich anstrengen und auch die Freude über Erfolge, Lohn und Anerkennung.
Aber das ist nicht alles und das ist nicht entscheidend.
Der Wert und die Würde unseres Lebens hängen nicht an dem, was wir verdienen. Sie sind uns zugesagt von Gott, geschenkt.
Jesus spricht von der Güte Gottes.
Himmlisch frei und groß ist seine Güte.
Er schenkt viel mehr als wir je verdienen können. Seine Freiheit färbt auf uns ab.
Gott schenke uns auch das Vertrauen und die Freiheit, uns auf Unbekanntes und Neues einzulassen.

Der Friede Gottes, der unser Verstehen weit übersteigt, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Predigt über 1.Kor 2,1-10

Predigt am 14.1.18 von Andreas Hansen über 1.Kor 2,1-10

1.Korinther 2,1-10 (Zürcher Übersetzung)

Liebe Brüder und Schwestern, auch ich bin, als ich zu euch kam, nicht mit großartigen Worten und abgründiger Weisheit dahergekommen, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte beschlossen, bei euch nichts anderes zu wissen außer das eine: Jesus Christus, und zwar den Gekreuzigten.
Auch kam ich in Schwachheit und mit Furcht und Zittern zu euch, und meine Rede und meine Verkündigung baute nicht auf kluge Überredungskunst, sondern auf den Erweis des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht in der Weisheit der Menschen, sondern in der Kraft Gottes gründe.
Von Weisheit aber reden wir im Kreis der Vollkommenen – jedoch nicht von der Weisheit dieser Weltzeit noch der Herrscher dieser Weltzeit, die zunichte werden. Wir reden vielmehr von der Weisheit Gottes, der verborgenen, so wie man von einem Geheimnis redet; diese hat Gott vor aller Zeit zu unserer Verherrlichung bestimmt. Sie hat keiner der Herrscher dieser Weltzeit je erkannt, denn hätten sie sie erkannt, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.
Vielmehr verkündigen wir, wie geschrieben steht, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und was in keines Menschen Herz aufgestiegen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.
Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; der Geist nämlich ergründet alles, auch die Tiefen Gottes.

In meiner Ausbildungszeit in Gengenbach lernte ich einen Manager kennen. Er schrieb ein Buch über seine Erfahrungen. Darin steht:
„Zeit zum Erfolg: Wir wünschen uns gegenseitig immer das, was uns stark macht, unabhängig, überlegen und siegreich. Was passierte wohl, wenn ich einem sagte: Ich wünsche Ihnen im kommenden Jahr Situationen der Schwachheit und ein paar Misserfolge, damit Sie nachdenklich werden?
… Die Stunden der Wahrheit finden nicht statt auf den sonnigen Gipfeln des Glücks und des Erfolges, sondern weiter unten im Schatten.“
Wir sind verliebt in den Erfolg. Zu den Starken, zu den Siegern wollen wir gehören. Keiner will im Schatten stehen. Keiner will ein Verlierer sein, ein looser. Der Erfolg zählt. Das nennt Paulus die Menschenweisheit, Weisheit der Welt. Es ist gut, wenn wir fleißig und engagiert sind, uns Ziele stecken und mit ganzem Herzen bei der Sache sind. Es ist schön, wenn jemand Erfolg hat, z.B. in seinem Beruf. Es tut gut, wenn wir anerkannt sind. Aber das ist nicht alles.
Es gibt in jedem Leben auch Schatten. Jede und jeder von uns erfährt irgendwann seine Grenzen und erlebt, wie leicht Erfolge verblassen und wie schnell sie bedeutungslos werden können.
Wer einzig den Erfolg sieht, für wen nur der Sieg zählt, wer immer nur großartig sein will, der ist ein armer Tropf.  Dem muss man tatsächlich wünschen, dass er einmal auf die Nase fällt, damit er anfängt nachzudenken.
Vielleicht brauchen wir erfolgsverwöhnten Deutschen die schwierige Regierungsbildung. Hoffentlich erkennen die Verhandler, dass es nicht um ihren persönlichen Erfolg geht oder den ihrer Parteien. Kein Koalitionsvertrag wird alle Probleme lösen. Wir alle müssen aufpassen, dass wir nicht die Menschen im Schatten übersehen werden, die, die keine Wohnung finden, die, die sich nicht durchsetzen, die Schwachen, die Opfer.
Paulus denkt nach über seine Gemeinde in Korinth. „Warum tue ich mir das an? Wenn ich nur dran denke, wie sie übereinander herfallen und einander sogar vor Gericht verklagen! Sie betrügen ihre Frauen und Männer und schrecken vor keiner Verfehlung zurück. Sie sind grenzenlos selbstgerecht, rücksichtslos, egoistisch. Sie verehren den Reichtum, den Erfolg. Sie verachten die Armen und verspotten die Liebe Christi. Warum tue ich mir das an? Ist meine Predigt nicht sinnlos? Und doch weckt Gott Glauben in dieser gottlosen Stadt. Und doch muss ich ihnen vom Jesus erzählen, von der Liebe Gottes, vom Gekreuzigten und seiner Auferstehung.“
Wir sind verliebt in den Erfolg. Aber wenn nur der Erfolg zählt, dann sind wir arm dran. Dann müssten viele Menschen über ihrem Leben verzweifeln. Gott sei Dank, das ist nicht so. Die Schattenseiten machen unser Leben nicht wertlos und schlecht. Das Unglück, das einem Menschen, oder ganzen Ländern, widerfährt, die Last, die viele tragen müssen, verstehen wir nicht. Es ist richtig, wenn wir uns nach Kräften dagegen wehren. Aber auch wenn wir einen Misserfolg oder ein Leid hinnehmen und ertragen müssen, kann unser Leben erfüllt und froh sein.
Vorhin haben wir gesungen: „In dir ist Freude, in allem Leide, o du süßer Jesu Christ  …“ und „Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod…“ Mitten in Leid und Unglück strahlt eine Freude auf. Sie kommt in diesem Lied leicht daher wie ein Tanz. Mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen.
Paulus schreibt davon, dass in seiner Gemeinde Geist und Kraft sichtbar wurden. Viele Menschen sagen: Der Glaube gibt mir Kraft. Ohne die Kraft von Gott könnte ich mein Leben nicht meistern. Sie wissen sich gestärkt, gehalten, getröstet. Sie schauen auf Jesus, auf sein Kreuz.
Paulus wollte in Korinth nichts wissen, nichts weitersagen als allein Jesus, den Gekreuzigten. Das Kreuz ist ein Hinrichtungsort. Am Kreuz wurden Menschen entwürdigend und grausam zerstört.  Das Kreuz ist ein Ort, wo alles vernichtet wird und sinnlos erscheint. Ausgerechnet an diesen schrecklichen Ort der Verzweiflung geht Jesus. Ausgerechnet da sollen wir Kraft bekommen. Am Kreuz gibt Gott eine Antwort auf Schuld und Scheitern und Leid. Er geht selbst auf die Schattenseite des Lebens. Gott widerspricht unserem Glauben an den Erfolg und die Stärke. Er kommt als Mensch zu uns, verletzlich und schwach.
Vor 500 Jahren, 1518, kam Luther nach Heidelberg, um mit seinen Gegnern zu diskutieren. Viele süddeutsche Gelehrte waren von diesem Gespräch tief beeindruckt. Luther formulierte eine Theologie des Kreuzes und stellte sie der Theologie der Herrlichkeit gegenüber. Er sagte: „Es ist gewiss, dass der Mensch an sich selbst verzweifeln muss, um geeignet zu werden, die Gnade Gottes zu erlangen.“ Und: „Der Theologe der Herrlichkeit nennt das Böse gut und das Gute böse; der Theologe des Kreuzes nennt die Dinge beim Namen.“
Am Kreuz, wo nur Tod und Scheitern zu sehen ist, wo Jesus verspottet wird und vernichtet scheint, da siegt die Liebe Gottes, da sehen wir Hoffnung für unser Leben.
„In dir ist Freude, in allem Leide…“
Von einem Geheimnis redet Paulus. Nur Eingeweihte dürfen Geheimnisse sehen und können verstehen, was für die anderen verborgen bleibt. Gott lässt uns schon jetzt sehen und glauben, was der Welt verborgen ist. Nur den Glaubenden, denen, die Gott lieben, erschließt sich, was kein Auge je gesehen hat, kein Ohr je vernommen, kein Herz je erfasst. Gott ist nicht ein Geheimniskrämer, der sich listig versteckt und die Leute herumrätseln lässt. Und doch muss Gott selbst uns aufschließen, dass wir in Jesus seinen Sohn erkennen, dass das Kreuz für uns zum Zeichen seiner Liebe wird.

Ihm, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, dürfen wir uns anvertrauen mit unsere Erfolgen und Misserfolgen, mit unserer Freude und mit all den ungeklärten Fragen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Seht, welch eine Liebe! , Predigt über 1.Joh 3,1-5

Predigt am 25.12.17 von Andreas Hansen über 1.Joh 3,1-5

Vor der Predigt singen wir Ich steh an deiner Krippen hier EG 37, 1-4

1.Joh 3,1-5

Seht doch, wie groß die Liebe ist, die uns der Vater erwiesen hat: Kinder Gottes dürfen wir uns nennen, und wir sind es tatsächlich! Doch davon weiß die Welt nichts; sie kennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.
Ja, liebe Freunde, wir sind Gottes Kinder, wir sind es hier und heute. Und das ist erst der Anfang! Was darin alles eingeschlossen ist, ist uns vorläufig noch nicht enthüllt. Doch eines wissen wir: Wenn Jesus in seiner Herrlichkeit erscheint, werden wir ihm gleich sein; denn dann werden wir ihn so sehen, wie er wirklich ist.
Wer diese Hoffnung hat – eine Hoffnung, die ganz auf Jesus ausgerichtet ist – hält sich von jeder Sünde fern, um so rein zu sein wie er. Wer sündigt, lehnt sich damit gegen Gottes Ordnungen auf; Sünde ist ihrem Wesen nach Auflehnung gegen Gott. Und ihr wisst, dass Jesus in dieser Welt erschienen ist, um die Sünde der Menschen wegzunehmen.

 Aufgeregt und ungeduldig wartet das Kind auf den Heiligen Abend. Die Eltern bringen geheimnisvolle Pakete zum Christbaum. Wann endlich ist es soweit? Ob sie sich freuen über mein Geschenk? Müssen wir wirklich zuerst noch singen?
Haben Sie das früher auch so erlebt? Schön ist es, beschenkt zu werden, zu schenken. Aufregend ist das Warten, das Auspacken. „Schaut mal – wie schön!“
Wie war das, als wir Kinder waren? Oh, es gab manchmal auch Streit und Enttäuschung – wir sind ja an Weihnachten keine besseren Menschen.

„Seht doch, wie groß die Liebe des Vaters ist!“
Wir werden beschenkt mit dem Jesuskind.
Seht doch! Kommt her, schaut es euch an! Wie die Hirten damals. Wie die weitgereisten Sterndeuter.
An deiner Krippe stehe ich und staune, dass du „mein“ werden willst, dass du mein Leben teilst, mein Freund wirst. Überwältigend schön ist das Geschenk. Ich kann mich nicht satt sehen. „Seht, wie groß die Liebe ist!“ An Weihnachten sagt Gott: Ihr seid meine Kinder, geliebte Kinder, beschenkte Kinder, Schwestern und Brüder Jesu. Jesus kommt für euch. Ihr gehört an die Krippe. Seht ihn nur an!
Aber die Bescherung ist noch nicht fertig.  Johannes weiß: „das ist erst der Anfang! Was darin alles eingeschlossen ist, ist uns vorläufig noch nicht enthüllt.“ Das Geschenk der Kindschaft wird sich uns noch viel weiter erschließen.

Aber ehrlich gesagt: Wir sind uns noch gar nicht im Klaren, ob wir dieses Geschenk überhaupt wollen. Will ich ein Kind sein? Vielleicht ist mir das zu kindlich. Ich will doch erwachsen sein. Selbst bestimmen.
Vielleicht will ich nicht Bruder oder Schwester Jesu sein – was hab ich mit dem zu tun?
Vielleicht fällt es mir schwer an Gott zu glauben,  ihn Vater zu nennen, seine Liebe zu sehen.
Manchen von uns wird es so gehen – zumindest hat jede und jeder von uns Menschen im Blick, die zögern, wenn sie das hören und sich nicht als Kinder Gottes sehen.
Manche sagen, ihr redet von Liebe und seid auch nicht besser als alle anderen. Ihr redet vom lieben Gott, aber ich verstehe ihn nicht.
Jede und jeder kennt auch Zeiten, in denen uns Gott fast ein Fremdwort geworden ist.
Wir entfernen uns schließlich auch von unseren Müttern und Vätern und gehen eigene Wege, obwohl die Eltern es ja nur gut mit uns meinen. Auch Jesus hat sich recht grob von seiner Mutter losgesagt, damals, als sie ihn von seinem Weg abbringen wollte.

An Weihnachten sagt Gott: Ihr seid meine Kinder. Ich habe euch lieb. Gott wirbt um unsere Antwort. Denn das ist das Wesen der Liebe, dass sie nicht ohne den Geliebten sein will.
Gott will, dass wir seine Liebe erkennen. Er rechnet durchaus mit unserem Zögern. „Seht doch, wie groß die Liebe ist, die uns der Vater erwiesen hat: Kinder Gottes dürfen wir uns nennen, und wir sind es tatsächlich! Doch davon weiß die Welt nichts; sie kennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.“
Die Welt weiß nichts von Gott. Das kann man wohl sagen.
Die Welt kennt am besten ihren Profit, ihre Macht. Die Welt schreit: Wir zuerst! Wir wollen unser Land groß machen. Da werden Wahrheit und Recht verhöhnt. Da wird rücksichtslos Krieg entfacht. Die eigene Nation oder Religion wird verherrlicht und alle anderen verachtet oder unterdrückt. Die Welt glaubt nur an sich, auch wenn sie den Namen Gottes im Mund führt und ihn missbraucht. Die Welt weiß nichts von Gott. Sie kennt Jesus nicht. Seine Liebe ist ihr fremd.
Aber, liebe Gemeinde, wir sind ja Teil der Welt. Wir kennen den Egoismus, die Rechthaberei, die Habgier und die Bosheit bei uns selbst. Gott wird uns auch darum fremd, weil wir nichts von ihm wissen wollen, weil wir seiner Liebe widersprechen.
Seht doch, wie groß die Liebe ist, dass Gott uns dennoch seine Kinder nennt, dass er uns annimmt als seine Kinder, dass er uns liebt und will, obwohl wir ihm so oft widersprechen. Wir sind Kinder Gottes in einer gefährdeten Welt. Gott liebt uns und findet sich mit dem Widerspruch nicht ab. Gott liebt uns und sieht schon jetzt in uns Töchter und Söhne, die seinem Sohn Jesus entsprechen.
Gott liebt sogar, die Welt, die nichts von ihm wissen will. Er liebt sie so sehr, dass er in die Welt kommt und ihre ganze Last erträgt.

Am Christbaum hängen traditionell Äpfel – die Christbaumkugeln erinnern daran. Auf vielen alten Bildern von Maria mit dem Jesuskind sind Äpfel dargestellt. So malte Lucas Cranach sein liebes Christkind mit einem Apfel in der kleinen Hand. (die Gemeinde sieht das Bild auf dem Blatt zum Gottesdienst) Der Apfel gilt als Sinnbild der Liebe und der Schönheit. Er steht für Vollkommenheit, Überwindung des Todes und Rettung durch Christus, wegen seiner runden Form auch für die Ewigkeit und für die Erde.
Der Apfel erinnert aber auch an Adam und Eva und die Sünde, den Widerspruch gegen Gott, die Trennung von Gott. Der Mensch will sein wie Gott. Er vergöttert sich selbst und missachtet Gott. Er verachtet und verletzt seinen Mitmenschen und wendet sich auch so von Gott ab.
Das Kind hat einen Apfel in der Hand. „Jesus ist erschienen, um die Sünde der Menschen wegzunehmen.“ Jesus überwindet die Trennung. Aus dem Sündenapfel wird ein Symbol für die Überwindung der Sünde. Einen Liebesapfel hält uns das Kind entgegen: Nimm, was ich dir schenke!  Seht doch, wie groß die Liebe ist! Gottes Liebe erträgt nicht Hass und Gier und Menschenverachtung. Er überwindet sie.
Macht es wie Gott: werdet Mensch!
Die Bescherung ist noch nicht fertig.
Es ist eine wunderbare Hoffnung, dass wir Jesus so sehen werden, wie er wirklich ist, und dass wir ihm gleichen werden, so liebevoll, so herrlich menschlich.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Freundlichkeit und Menschenliebe, Titus 3,4-7

Predigt am 24.12.17 von Andreas Hansen über Titus 3,4-7

Predigt im Gottesdienst zur Christvesper

Wie kommt Gott zu uns? Wie erfahren wir das Wunder? In gleißendem Licht und lautem Jubel, dass wir erschrecken wie die Hirten? Oder still, geheimnisvoll, wie „ein Ros aus einer Wurzel zart“ entspringt?
Ein Mann erfuhr, dass Gott zu ihm kommen wollte. „Zu mir?“ schrie er. „In mein Haus?“ Er rannte durch alle Zimmer, er lief die Treppen auf und ab, kletterte zum Dachboden hinauf, stieg in den Keller hinunter. Er sah sein Haus mit anderen Augen. „Unmöglich“ schrie er. „In diesem Sauhaufen kann man niemanden empfangen. Alles verdreckt. Alles voller Gerümpel. Kein Platz zum Ausruhen. Keine Luft zum Atmen.“ Er riss Fenster und Türen auf. „Brüder! Freunde!“ rief er. „Helft mir aufräumen – irgendeiner! Bitte schnell! Es ist dringend.“
Er begann sein Haus zu kehren. Durch dicke Staubwolken sah er, dass ihm einer zu Hilfe gekommen war. Sie schleppten das Gerümpel vor´s Haus, schlugen es klein und verbrannten es. Sie schrubbten Treppen und Böden. Viele Kübel Wasser brauchten sie um die Fenster zu putzen. Und immer noch klebte der Dreck an allen Ecken und Enden. „Das schaffen wir nie!“ schnaufte der Mann. „Das schaffen wir!“ sagte der andere. Sie plagten sich den ganzen Tag.
Als es Abend geworden war, gingen sie in die Küche und deckten den Tisch. „So“ sagte der Mann, „jetzt kann er kommen, mein Besuch. Jetzt kann Gott kommen. Wo er nur bleibt?“ „Aber ich bin ja da“ sagte der andere und setzte sich an den Tisch. „Komm und iss mit mir!“

Gott ist schon da. Das  ist wunderbar! Lange bevor wir unser Haus und unser Leben aufgeräumt haben, ist Gott bei uns. Gott ist bei uns, so wie wir sind. Im Brief an Titus finden wir ein Loblied darüber:  Gott kommt als Freund zu uns.

Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unseren Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unserer Hoffnung.      

Gottes Freundlichkeit und Menschenliebe kommt. In einem kleinen, verletzlichen Kind kommt Gott zu uns. Er teilt unsere Bedürftigkeit. Er ist selbst angewiesen auf Freundlichkeit und bedürftig nach Liebe. Jesus lebt und fühlt wie wir. Er erlebt wie wir die dunkle Seite, Ablehnung und Hass. Er fragt wie wir: „Warum ist das Böse in der Welt? Warum gibt es so großes Leid?“ Und er bittet: „Dein Reich komme! Bewahre uns, Gott, vor dem Bösen, vor der Versuchung!“
Weihnachten macht uns dünnhäutig, verletzlich. Die dunkle Seite sehen wir heute umso deutlicher. Die Sehnsucht ist umso größer nach „Frieden auf Erden und unter den Menschen, die Gott liebt“. Krieg, Unrecht, Menschenverachtung herrschen  in vielen Ländern. Streit und Bosheit erleben wir auch ganz nah bei uns. Zu uns, so, wie wir sind, kommt Gott in Jesus.
Jesus wendet sich allen Menschen zu, denen, die Hass und Ablehnung erfahren, und auch denen, die verstrickt sind in Schuld und Böses. Jesus nimmt sie an wie ein Freund, die Geplagten und die, die auf falsche Wege geraten sind.
Gott ist der große Menschenfreund. Er wird nicht mehr von uns weggehen. Das Böse behält nicht das letzte Wort. Das letzte Wort über die Welt und uns hat Gott in seiner Freundlichkeit und Liebe. Durch seine Gnade werden wir gerecht.
Wir sind aufgenommen in den Kreis seiner Freunde. Gott ist unser Freund, nicht weil wir gute oder bessere Menschen wären, sondern weil er gut zu uns ist, barmherzig.
„Freuet euch mit hellem Schalle, dass er uns so hoch geacht´, sich mit uns befreundt gemacht.“(EG 34) Freude über Freude, Christus wehret allem Leide, Wonne über Wonne, Christus ist die Gnadensonne.
Gott macht sich mit uns befreundt.
Die Sonne geht auf. Über der Welt scheint sein Licht. Über unserem Leben scheint die Gnadensonne.

Das Erscheinen Jesu und der Grund unseres Glaubens gehören zusammen. Gottes Kommen hat ein weltgeschichtliches Datum, die Geburt Jesu. Und wir haben ein Datum in unserer Lebensgeschichte, an dem uns zugesagt wurde: „Zu dir ist Jesus gekommen.“ In der Taufe wird uns das zugesprochen.   Für uns, für mich ist Gott Mensch geworden. Zu uns, zu mir kommt Gott wie ein Freund. Gott schaut mich an und kennt meinen Namen.
In diesem Kind schaut Gott mich an. Gott ruft mich bei meinem Namen. Freundlich und liebevoll sieht er mich an. Ich gehöre zu diesem Kind: egal, was vorher war, egal, was andere von mir denken, egal, wie unzufrieden ich mit mir selbst bin.
Nun darf ich mich selbst und andere ansehen,    wie ich angesehen bin: freundlich, liebevoll.
Ein Lied des Glaubens schreibt der Autor des Titusbriefes. Seine Begeisterung über die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes ist so groß, dass er seinen Satz immer weiter ausdehnt und erst nach vier Versen einen Punkt machen kann. Der Hauptsatz in diesem Ungetüm von Satz heißt:     „Er machte uns selig. Er hat uns gerettet.“ Gott kommt wie ein Freund.
Er schreckt nicht zurück vor dem Gerümpel in unserem Haus, vor unseren Altlasten, all dem, was wir achtlos und lieblos getan haben.
Jesus macht uns heil, damit unser Leben Leben sein kann, egal, was ist, gleichgültig, was vorher war. Jesus kommt zu uns wie ein Freund. Wir stehen an seiner Krippe und staunen: „Mein“ will Jesus werden, mein Freund, unser Freund. Er ist bei uns. Wie schön ist das!

Amen

So wahr Gott lebt, Predigt am 1.Advent über Jer 23,5-8

Predigt am 3.12.17 von Andreas Hansen über Jer 23,5-8

Vor der Predigt singen wir EG 4 Nun komm, der Heiden Heiland

Das Karussell dreht sich. „Noch eine Runde!“ Kinder strahlen, Eltern zahlen und freuen sich über ihre Kinder. Es riecht süß und nach Glühwein. Weihnachtsmarkt. Selbstgebasteltes, ein Los für den guten Zweck, Geschenkideen, viele Kerzen.
Manch einer hat schon mittags zu viel getrunken. Wer weiß, was er vergessen will. Ein Nikolaus verteilt Geschenke. Geschäfte wollen Kunden locken. Und doch: Einfach schenken, das ist stark. Da war doch diese Tüte: „Brot für die Welt“.
Ein Sehnsuchtsort ist der Weihnachtsmarkt: Frieden, Gemeinschaft, Stimmung – aber auch hier können Gewalt und Konflikte hereinbrechen.

„Nun komm, der Heiden Heiland!“ „Komm, o mein Heiland, Jesu Christ!“ Wir singen uns in den Advent hinein.
Wir singen von dem, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern. Er ist schon in die Welt gekommen, und wir singen doch: „Komm!“ Denn wir sehnen uns nach Frieden, Heil.
Wir hören das Evangelium: Jesu kommt nach Jerusalem. „Hosianna dem Sohn Davids!“ Menschen jubeln voll Hoffnung. Licht leuchtet auf.
Wir erinnern an den, der gekommen ist. Wir hoffen auf den, der kommt. So feiern wir Advent.
Eine Strophe des Adventsliedes von Luther lautet: „Dein Krippen glänzt hell und klar, die Nacht gibt ein neu Licht dar. Dunkel muss nicht kommen drein; der Glaub bleibt immer im Schein.“
Darum bitten wir: Komm in unser Dunkel, Gott. Unsere Welt braucht dich. Wir brauchen dich und dein Licht.

Um Licht und Hoffnung in dunkler Zeit geht es in unserem Predigttext. Der Prophet Jeremia erlebt vor 2600 Jahren, wie Jerusalem erobert und verwüstet wird. Der Tempel ist zerstört und ausgeraubt. Es sieht so elend aus, wie die Kriegsbilder, die wir aus unseren Tagen kennen.
Der letzte Nachkomme Davids auf dem Königsthron wird geblendet und verschleppt, seine Söhne ermordet. Es ist aus mit dem Haus David. Viele aus Juda und Jerusalem leben jetzt in der Verbannung in Babylonien.
Jeremia hatte den Untergang vorausgesehen. Für die Regierenden war er ein unbequemer Mahner. Wie heute Putin oder Erdogan haben sie den lästigen Störenfried zum Schweigen gebracht. Beinahe hätte es Jeremia das Leben gekostet.
Aber nun sagt er denen, die in Jerusalems Ruinen leben, und den Verbannten in Babylon Gutes.     Ich lese Jeremia 23,5-8

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will.  Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein,  mit dem man ihn nennen wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.
Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.

Mitten in Gewalt und Unrecht erwartet Jeremia Gerechtigkeit von Gott. Mitten im Leid spricht er von Hilfe. Einem Volk in Ruinen sagt er: Ihr werdet sicher wohnen. Den Verbannten in der Fremde verheißt er Heimkehr.
„Der Glaub bleibt immer im Schein“ – Jeremia sieht Licht in der finstersten Zeit.
Mit dem Haus David ist es aus, aber Jeremia sagt: Gott erweckt dem David einen gerechten Spross. Da ist neues Leben, wo alles tot war. Da wächst etwas Neues wie ein Spross aus einem abgeschlagenen Baumstumpf. So wahr Gott lebt, es wird geschehen!

Israel glaubt an den lebendigen Gott. Immer wieder, am schlimmsten im letzten Jahrhundert, wurde Gottes Volk geplagt, verfolgt, verbannt, ermordet. Dass sie immer noch leben ist ein Wunder. Der Glaube hat sie erhalten, der Glaube, den auch Jeremia hier bekennt: Gott lebt. Er wird Gerechtigkeit schaffen. Wir sollen leben und sicher wohnen. Israel wartet und hofft, dass Gott das Dunkel durchbricht, dass der Messias kommt, der gerechte Spross.
Vorlage quer

Die Krankenhausseelsorge hat dieses Bild zu  ihrem Zeichen gemacht. Ein Spross mit einer Blüte wächst aus einem abgeschlagenen Stumpf. Kranke sind oft wie herausgerissen aus dem normalen Leben. Schmerz und Angst verengen den Blick. Das kleine Bild ist ein Bekenntnis: Gott lebt. So wahr Gott lebt, unser Leben ist nicht aussichtslos. Auch im finsteren Tal ist Gott da.
Das Kreuz deutet an: Unser Leben und auch unser Sterben ist umgeben und gehalten von Gott. In Jesus Christus kommt er in unser Leben und teilt auch die dunkelsten Stunden.

Was zuerst dem Volk Gottes gesagt ist, lesen wir Christen mit Blick auf Jesus Christus. Gott lebt – das glauben wir gemeinsam, Juden und Christen. Der lebendige Gott schafft Leben, wo wir nur auswegloses Dunkel sehen. Uns unterscheidet der Glaube an Jesus. Wir sagen: „So wahr Jesus lebt, der am Kreuz gestorben ist, werden wir leben und sicher wohnen.“

Jeremia tröstet nicht nur, er fordert auch heraus. Jeremia bleibt der Mahner und Störenfried. Der Spross, der Sohn Davids, ist gerecht. Sein Name ist „Gott ist unsere Gerechtigkeit“. Seine Gerechtigkeit umfasst alle Menschen. Sie gilt nicht nur für eine Gruppe von Auserwählten, nicht allein für Juden, nicht allein für uns.
Er mahnt zum Frieden mitten in unserer Welt, in Syrien, Jemen, der Ukraine, in Nordkorea, In Israel und Palästina. Mit Krieg und Gewalt und Terror findet er sich nicht ab.
Er mahnt zu Gerechtigkeit für die 65 Millionen Flüchtlinge und über 800 Millionen Hungernden.  Mit Überfluss hier und Elend dort findet er sich nicht ab.
Wir sehnen uns nach Frieden, Gemeinschaft, Heil und müssen selbst umkehren von Unfrieden und Unrecht. Wir warten auf den, dessen Name Gerechtigkeit ist. Gott kommt in diese dunkle Welt. Ein Spross, neues Leben, mehr als wir verstehen.
So wahr Gott lebt, er kommt zu uns in Jesus Christus. Amen

 

Ewigkeitssonntag, Predigt über Hebr 11+12

Predigt am 26.11.2017 von Andreas Hansen über Hebr 11,1+2.8-10;12,1+2

Viele von uns haben in den letzten Monaten vertraute, nahe Menschen im Sterben begleitet. Wir versuchen etwas für den Sterbenden zu tun und können doch nur da bleiben, nahe sein. Wie an einer Grenze in ein fremdes Land sind wir. Die Sterbenden gehen ihren eigenen Weg, fort von uns. Unsere Verstorbenen sind uns im Herzen noch nah und doch entzogen.
Der Abschied fordert uns heraus, überfordert uns.
Sind wir einander gerecht geworden? Was war? Was bleibt? Was können wir hoffen?
Auch der eigene Weg wird uns fremd. Wohin gehen wir?
In diesem Jahr ist meine Mutter gestorben. Ich erlebe diese Gefühle und Fragen, so wie ich es zu beschreiben versuche. Jeder Mensch ist in dieser Situation ganz persönlich herausgefordert.
Und doch hilft die Gemeinschaft des Glaubens. Das erlebe ich ganz stark. Wir glauben nicht allein. Andere beten und singen, hören und feiern mit uns. Viele sind uns im Glauben vorausgegangen. Viele gehen mit uns auf dem Weg. Wir sind mit ihnen verbunden. Sie helfen uns, uns an Jesus zu halten, ihn nicht loszulassen, wie wir es in der Choral-Kantate gehört haben. Glauben ist nicht so sehr ein Gefühl in meinem Herzen, sondern eine Kraft, eine Kraft, die uns gemeinsam bewegt und hoffen lässt.

Ich lese dazu Verse aus dem Hebräerbrief. Auf dem Blatt finden Sie den Text zum Mitlesen: Hebräerbrief 11,1+2.8-10; 12,1+2
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.
Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, an einen Ort zu ziehen, den er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen im Land der Verheißung wie in einem fremden Land und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.
(es werden noch viele andere Glaubenszeugen genannt)
Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.

Martin Buber schreibt: „Mich dünkt es etwas Ungeheures zu sein, dass einmal ein wandernder Aramäer – die biblische Tradition nennt ihn Abram – den von seiner Umwelt angenommenen Glauben verlor und den Glauben an den Einen gewann,   der kein Naturgott war.
Ein Gott, dem man vertraut, weil man von ihm angeredet worden ist. Ein Gott, der einem sagt, dass er einen führt. Aber wohin führt er einen? Nicht wohin man wollte. Er schützt, wie er schützen will. Er führt, wohin er einen schickt. Er macht einen zum Nomaden des Glaubens.“
Abraham lässt sich rufen. Er macht sich auf den Weg ohne das Ziel zu kennen. Er bleibt weiterhin bereit aufzubrechen. Er lebt im Zelt. Glauben ist die Kraft aufzubrechen, loszulassen, eine Fremde und ein Fremder zu bleiben, die Fragen und die Ungewissheit auszuhalten. Glauben ist die Kraft, sich Gott anzuvertrauen.
Wir müssen in unserem Leben immer wieder loslassen und einen neuen Schritt gehen. Umzug, Prüfung und neue Arbeit, Beginn einer Beziehung, Geburten, Trennungen, Abschiede – viele Schritte in Neuland, oft leidvoll und schwer.
Wir leben nicht in Zelten. Wir sind oft nicht bereit loszulassen. Wir klammern uns an Menschen, Habseligkeiten, Überzeugungen und Gewohnheiten. Dass es anders sein kann, dass wir anders leben könnten, können wir uns nur schwer vorstellen.
Altwerden ist zum Beispiel ein Weg, auf den die meisten sich nur mühsam einlassen. Trauer ist so ein schwerer Schritt.
Gott ruft uns: „Mach dich auf den Weg!“ Wir sind oft nicht bereit und erleben dann doch, wie Gott uns die nötige Kraft schenkt. Gerade die schwersten Strecken lehren uns viel. Wenn es gut geht, lernen wir uns Gott anzuvertrauen. 
”Nun sich das Herz zu dir erhoben und nur von dir gehalten weiß” so haben wir am Anfang gesungen.
Wir bleiben auch als Gemeinde auf dem Weg. Gerade bereiten wir uns auf die Visitation vor.    Der Kirchengemeinderat hat sich letztes Wochenende mit dem Instrument Kirchenkompass beschäftigt – in welche Richtung gehen wir weiter? Wie antworten wir auf aktuelle Herausforderungen?
Auch unsere Politiker sehen sich gerade vor ganz neue Fragen gestellt. Auch ihnen wünschen wir Gottvertrauen, Weisheit und Kraft.

„Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Oder mit Klaus Bergers Übertragung: „Glauben besteht darin, dass ein Stück des Erhofften als geheime Kraft schon wirklich ist.“ Das Erhoffte ist schon ein Stück wirklich. Glauben ist eine vorausweisende, bewegende Kraft. Glauben öffnet uns für die Zukunft Gottes.
Abraham wartet auf die Stadt Gottes.
Wir fragen nach dem Leben angesichts von Leid und Tod. „Ich habe Angst, das weißt du wohl, weil ich nur dieses Leben sehe und möchte doch dein Leben schauen. Ich bitte, Herr, hilf mir vertrauen.“ Gemeinsam glauben wir. Gemeinsam bekennen wir unsere Schwäche, bitten wir um Glauben und erleben wir, wie Gott uns aufhilft. Noch sehen wir nur dieses Leben, so zerbrechlich. Wir gehen durchs finstere Tal der Trauer und bitten Gott: Sei da bei uns, sein uns nah.
Noch spüren wir schmerzhaft unsere Begrenztheit, oder wie Abraham die ungewisse Fremde. Der Hebräerbrief nennt es einen Kampf, der uns bestimmt ist. Es ist ein mühsamer Weg. Wir sind noch nicht am Ziel. Aber wir gehen nicht allein. Wir haben viele Zeugen des Glaubens, eine „Wolke von Zeugen“. Wir stehen in einer langen Kette derer, die mit uns glauben. Dazu gehören Menschen wie Abraham, die getrost, getragen vom Glauben leben und sterben dürfen. Aber dazu gehören auch die, die wie Hiob durch Zweifel und tiefes Leid hindurch müssen.
„Dabei blicken wir zu Jesus auf, der den Zug aller Glaubenden durch die Geschichte hin anführt bis in den Himmel hinein.“ – so formuliert Klaus Berger. „Jesus lass ich nimmer nicht … Alles ist auf ihn gericht, meinen Jesum lass ich nicht.“ „Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.“
Wir dürfen von uns wegsehen, hin zu dem, der uns den Weg bereitet, der Leid und Schuld und Tod überwindet. Wir sehen auf Jesus. Der bringt uns ans Ziel, in die Stadt Gottes, ins Leben.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Predigt über Jona 3, 22.11.17 Buß-und Bettag

Predigt am 22.11. 17 von Andreas Hansen über Jona 3

Abendgottesdienst zum Buß- und Bettag, mit Konfirmanden und Flötenkreis gestaltet

Jona 3

Glauben Sie und glaubt Ihr, dass einer von einem Fisch verschluckt wird, und nach drei Tagen spuckt ihn der Fisch an Land, als wäre nichts gewesen? Glaubt Ihr das?
„Erzähl doch keine Märchen!“, denkt Ihr wohl.
Ihr habt recht: das ist märchenhaft. Fast eine Art Märchen ist das biblische Buch von Jona, dem widerspenstigen Propheten.
Gott fragt uns: Glaubt Ihr, dass das Unglaubliche wahr wird? Glaubt Ihr, dass abgrundtief böse Menschen umkehren? Glaubt Ihr, dass die Welt eine Chance hat?
Mal ehrlich: Glauben Sie und glaubt Ihr, dass wir die Klimakatastrophe noch abwenden können? Oder haben wir uns längst damit abgefunden?
Glaubt Ihr, dass eines Tages Frieden im Nahen Osten einkehrt, dass Christen, Juden, Muslime und alle anderen dort gemeinsam leben können?
Glaubt Ihr, dass zerfallende Staaten wie Venezuela oder Simbabwe wieder auf die Füße kommen?
Glaubt Ihr, dass wir Hass und Eifersucht, Gewalt und Unrecht überwinden? Oder haben wir uns mit all dem Bösen einfach abgefunden?
Denkt nur, wenn wir uns streiten – wie gemein und rechthaberisch wir sein können. Denkt nur, wenn wir etwas haben wollen – wie rücksichtslos und gierig wir manchmal sind.
Zum Bösen fielen Euch Konfis viele Stichworte ein: Glaubt Ihr, dass wir es besiegen, auch das Böse in uns besiegen? Woran glaubt Ihr? Woran glauben wir?

Ich will euch sagen, woran Gott glaubt: Gott glaubt an uns. Gott glaubt, dass wir die Welt besser machen können. Gott glaubt nicht an das Böse, sondern an eine bessere Welt. Sie ist nicht unverbesserlich und verloren.
Die Klimakatastrophe will Gott abwenden, die Kriege beenden, den Hass begraben, unsere unseligen Streitereien, unsere Habgier überwinden. Daran glaubt Gott. Das will er durch uns schaffen.
Ist das nicht märchenhaft schön?
Darum bekommen wir die märchenhafte Geschichte von Jona und der großen bösen Stadt Ninive erzählt. Gott will, dass wir glauben.
Jona, dieser alte Sauertopf, bekommt eine zweite Chance. Das ist schon etwas Besonderes, denn wir sind nicht leicht bereit, anderen eine zweite Chance zu geben. Jona will die böse Stadt nicht warnen. Geschieht ihnen doch recht, wenn sie untergehen! Nein, mit Ninive will er nichts zu tun haben.
Jona läuft davon. Er will vor Gott fliehen – wie einfältig! Was für eine wunderbare Geduld hat Gott, dass er einen wie diesen Jona noch einmal losschickt: Geh und sag ihnen, was die Stunde geschlagen hat!
Gehorsam, aber ohne viel Eifer erledigt Jona jetzt seinen Auftrag. Die Stadt des Bösen ist riesig und mächtig wie heutige Megastädte mit Slums und No-go-Areas. Jona ist da recht verloren. Aber dann geht ein Ruck durch die Stadt. Sogar der bösartige Assyrerkönig wird davon erfasst. Alle beten und fasten und legen die Zeichen ihres Reichtums ab.
Ninive, die Hauptstadt des Bösen, die ganze Völker verschlungen und Länder ausgelöscht hat, Ninive kehrt um. Alle Leute in Ninive wenden sich Gott zu und sind bereit sich zu ändern.
Das ist sagenhaft schön, wie ein Märchen. 
Gott glaubt nicht an das Böse, sondern an eine bessere Welt. Wenn alle mitmachen, können wir die Klimakatastrophe abwenden, Frieden schließen und den Hunger in der Welt besiegen. Wenn alle Beteiligten umkehren, kann der Streit und die Rechthaberei in unseren Beziehungen aufhören. Im Großen wie im Kleinen kann so vieles besser werden.
Die Leute von Ninive sehen: Jona hat Recht. Was wir tun, ist böse. Es ist fünf vor Zwölf. Wir müssen umkehren.
Und sie hoffen darauf, dass Gott Gutes will:      „Wer weiß: Gott könnte umkehren, es könnte ihm leidtun, und er könnte sich abkehren von seinem glühenden Zorn. Dann gehen wir nicht zugrunde.“

Vieles in der Geschichte von Jona klingt wie ein Märchen. Aber hier ist der Kern: Der ist nicht märchenhaft, sondern die Mitte unseres Glaubens.
Gott will Gutes für seine Schöpfung und für uns. Mit dem Bösen, mit Gewalt und Unrecht findet sich Gott nicht ab. Er wendet sich uns zu, damit wir nicht zugrunde gehen.
Gott sendet seine Propheten. Gott kommt selbst zu uns in Jesus, seinem Sohn. Er setzt sich dem Bösen aus. Leid und Schuld  erträgt er, damit uns keine Macht der Welt von seiner Liebe trennen kann.
Glaubt es nur, dass Gott wahr macht, was wir nicht verstehen!
Glaubt es nur, dass Gott sich nicht mit Unrecht und Leid und Bösem abfindet, dass er sogar den Tod besiegt!

Der  Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus, Jesus.  Amen

Du sollst ein Segen sein, Predigt 1.Mose 13,1-12

Predigt am 5.11.17 von Andreas Hansen über 1.Mose 13,1-12

Vor der Predigt werden zwei Kinder getauft - der eine Taufspruch ist 1.Mose 12,2: Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein

1.Mose 13,1-12

„Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ So sagt Gott zu Abraham – am Anfang wird er noch Abram genannt. Und Abraham glaubt Gott und auch Sara, seine Frau, glaubt. Miteinander machen sie sich auf den Weg. Denn zuerst sagt Gott: „Geh, wohin ich dich sende.“

Abraham und Sara sind Ur-Eltern des Glaubens für Juden, Christen und Muslime. Glauben heißt für sie wie für uns: Sie wissen nicht, wohin ihr Weg geht, aber Gott geht mit ihnen. Sie vertrauen Gott, trotz der Ungewissheit. Gott will sie segnen. Gott will Gutes für Abraham und Sara. Sie sollen ein Segen sein. Durch sie sollen auch andere Gutes erfahren.
Nun hat Abraham schon einiges an Segen erfahren. Er ist angekommen in dem Land, wohin Gott ihn geführt hat. Er ist reich: Gold, Silber und vor allem Vieh, Schafe, Ziegen, Kamele.
Aber jetzt fangen die Probleme an. Denn viele Schafe, Ziegen und Kamele brauchen viel Weide und Wasser. Eine Schar von Knechten und Mägden sorgt für die Tiere, verarbeitet Milch und Wolle, Felle und Fleisch. Aber auch Lot, Abrahams Neffe hat Schafe, Ziegen, Kamele, die ebenfalls Weide und Wasser brauchen und von einer Menge von Knechten und Mägden versorgt werden.
Tag für Tag drängeln sich die Herden an den Wasserstellen. „Schert euch fort! Wir waren zuerst da.“ „Stimmt ja gar nicht. Und außerdem ist unser Herr, Abraham. Der hat das Sagen.“ Auch auf dem Markt gibt es Streit, wessen Ware besser ist, wer die guten Kunden beliefern darf und wer zu billig verkauft. „Und das Land konnte es nicht ertragen, dass sie beieinander wohnten; denn ihre Habe war groß.“
„Was ist denn mit euch los?“ fragt Abraham, als seine Leute mit verbundenen Händen und blauen Flecken daher humpeln. „Lots Knecht waren wieder mal frech. Aber denen haben wir´s gezeigt!“
„Was habt ihr?! So geht es nicht weiter!“ Abraham erinnert sich, dass Gott auch gesagt hat: „Du sollst ein Segen sein.“
So bittet Abraham seinen Neffen in sein Zelt. „Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder.“

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ – so sagt es Paulus. „Vertrau darauf, dass Gott uns segnet! Sei ein Segen für andere!“
Wem gehört das Land: Katalanen oder Spanieren? Die reichen Katalanen haben Angst, übervorteilt zu  werden. Die sture Regierung in Madrid pocht auf ihr gutes Recht. So geht es doch nicht weiter.
Wer hat angefangen mit Unrecht und Gewalt: Israel oder die Palästinenser? Seit Jahrzehnten wird der Hass geschürt und immer wieder brechen Unruhen aus. So kann man doch nicht leben.
Verrückte Verbrecher rasen auf wehrlose Menschen los und bringen möglichst viele um.    Sie sagen, sie morden im Namen Gottes. Wie können wir sie zur Besinnung bringen?
„Unser Land ist an seiner Belastungsgrenze. Mehr Fremde verkraften wir nicht. Die nehmen uns alles weg.“ Müssen wir wirklich um unser Land fürchten? Dürfen wir uns abfinden damit, dass Europa eine Festung wird?
Die Wut explodiert, damals zwischen den Leuten von Abraham und Lot und bis heute, im Großen und im Kleinen. Wir sind einander oft im Weg: egoistisch, selbstgerecht, rücksichtslos, gemein.
In jeder Ehe, unter Geschwistern, Parteifreunden, Kollegen, in Schulklassen und Kirchengemeinden erleben wir, wie wir uns entzweien.
Aber wir sollen ein Segen sein. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“

Gott traut uns das Gute zu. Obwohl wir immer wieder nur uns selbst sehen, obwohl wir so oft Angst haben zu kurz zu kommen, obwohl so viel Böses in der Welt geschieht, traut Gott uns das Gute zu.
„Geh, wohin ich dich sende. Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Obwohl wir Gott widersprechen, will er Gutes für uns tun und Gutes durch uns wirken.
Abraham ist ganz und gar kein Heiliger. Eben noch war er ganz schön mies zu seiner Frau. (nachzulesen in Gen 12) Aber jetzt handelt er wie ein Mensch, der Gott vertraut.
„Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir, Lot. Wir sind doch Brüder. Wir finden einen Weg. Du darfst entscheiden, ob du in das Land unten am Fluss willst oder in die Berge willst.“
Abraham lässt Lot die Wahl, obwohl er der Ältere und Mächtigere ist. Er lässt sich auch darauf ein, auf Vorteile zu verzichten. So können sie in Frieden leben. Abraham hat keine Angst, den Kürzeren zu ziehen. „Gott hat mich gesegnet. Gott wird mich segnen. Ich gehe meinen Weg mit ihm.“

Wir wollen uns am liebsten absichern, gegen alles, was uns passieren kann. Wir klammern uns an das, was wir haben. Vielleicht ist, wie bei Abraham, das ein Problem, dass wir viel haben.
Aber Abraham hat gelernt loszulassen, neu anzufangen, ins Ungewisse zu gehen. Er vertraut darauf, dass Gott ihn segnen will und er für andere ein Segen sein kann.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen