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Christen – Predigt über Gal 2,16+19-21

Predigt am 12.8.18 von Andreas Hansen über Gal 2,16+19-21

Vor der Predigt werden drei Kinder getauft - einer Taufsprüche ist Gal 3,26: Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus

„Sie nennen euch Christen.“
„Ach wirklich?“ Paulus ist überrascht. Das hört er zum ersten Mal. Christianoi, Christusleute, das passt, denkt er.
„Und wo finde ich die Christen?“ Er bekommt eine Wegbeschreibung und sucht, bis er in der großen Stadt Antiochia in Syrien das Haus findet, in dem die Gemeinde sich trifft. Petrus ist schon da. Er ist aus Jerusalem gekommen. Paulus freut sich, ihn nach vielen Jahren wieder zu sehen.
Dann sitzen sie miteinander am Tisch und essen, alle zusammen, Sklaven und Freie, Männer und Frauen, Juden und Nichtjuden aus vielen Völkern.
„Hast du gehört, Petrus, hier nennen sie uns Christen. Das passt zu unserer Gemeinde, nicht wahr?“ „Ja, wir alle glauben, Jesus ist der Christus.“ „Und nun tragen wir seinen Namen.“
Aber dann kommen andere Leute aus Jerusalem. Jakobus, der Bruder des Herrn schickt sie. Auf einmal ist Petrus anders. Er setzt sich nur mit Juden an einen Tisch. Sie essen nicht mehr mit den Nichtjuden. Sie wollen, dass alle die Sabbatgebote halten.
Da stellt Paulus ihn zur Rede: „Das kannst du nicht machen, Petrus! Wir alle sind doch jetzt Christen. Christus  hat uns befreit und zu Gott gebracht. Aber jetzt kommt ihr und wollt, dass wir alle Juden werden? So geht es nicht!“
Aus einer kleinen Gruppe am Rand des Judentums wird eine neue Religion. Der Streit zwischen den Judenchristen und den Heidenchristen und später zwischen Juden und Christen ist im NT oft zu spüren. In Jahrhunderten haben wir Christen über die Juden unendliches Leid gebracht.
Ohne die Wurzeln im jüdischen Glauben können wir Jesus, Paulus und das Christentum nicht verstehen. Während die Juden uns Christen nicht brauchen.
Damals musste Paulus die neu entstehende Gemeinde der Christen schützen. Ein paar Jahre später begegnet ihm der Konflikt wieder in der Provinz Galatien – das ist etwa bei Ankara.

Paulus schreibt im Brief an die Galater: Gal 2,16+19-21 (NGÜ):
Aber wir wissen, dass der Mensch nicht durch das Befolgen von Gesetzesvorschriften für gerecht erklärt wird, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus. Darum haben auch wir unser Vertrauen auf Jesus Christus gesetzt, denn wir möchten vor Gott bestehen können, und das ist – wie gesagt – nur auf der Grundlage des Glaubens an Christus möglich, nicht auf der Grundlage der Gesetzeserfüllung. Niemand steht durch das Befolgen von Gesetzesvorschriften vor Gott gerecht da. .

In Wirklichkeit jedoch habe ich mit dem Gesetz nichts mehr zu tun; ich bin durch das Urteil des Gesetzes dem Gesetz gegenüber gestorben, um von jetzt an für Gott zu leben; ich bin mit Christus gekreuzigt.
Nicht mehr ich bin es, der lebt, nein, Christus lebt in mir. Und solange ich noch dieses irdische Leben habe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mir seine Liebe erwiesen und sich selbst für mich hingegeben hat.
Ich weise Gottes Gnade also nicht zurück, denn das Gesetz  kann uns nicht dazu verhelfen, vor Gott gerecht dazustehen. Wäre es anders, dann hätte Christus nicht sterben müssen.

Verrückt sieht er aus mit seinen Ringen im Ohr und in der Nase und den Tatoos auf den Armen. Aber die Alten im Heim lieben ihren Karli. Mit großer Geduld und Freundlichkeit ist er für sie da. Sein seltsames Outfit stört sie schon lang nicht mehr. Sie freuen sich über den hilfsbereiten jungen Mann. Er bringt seine Leute auch zum Gottesdienst, schiebt Rollstühle, schlägt Gesangbücher für sie auf, ist da, wenn jemand mal raus muss. Er singt nicht mit und sitzt eher unbeteiligt da. Vermutlich hat er keine Ahnung und war sonst noch nie im Gottesdienst.
Aber eines Tages geht er zum Pfarrer und sagt: Ich will getauft werden. Darauf ist der Pfarrer nicht gefasst. Noch weniger auf Karlis Begründung: „Das find ich toll, wie Jesus sich um die Leute kümmert und ihnen hilft, mit ihrem Leben zurechtzukommen. Das ist cool. So will ich das auch machen.“ Der Pfarrer sieht ihn an: so ein komischer Vogel! geht das so einfach? Der passt überhaupt nicht in unsere Gemeinde. Aber dann fällt dem Pfarrer Paulus  ein: Sklaven und Freie, Männer und Frauen, Judenchristen und Christen aus den Völkern – alle sind durch Christus ein neuer Mensch geworden, alle haben Christus angezogen, alle glauben an Jesus Christus und wollen ihm folgen – darauf kommt es an.
„Schön“, er lacht Karli an und ist doch irritiert von seinem Nasenring. Karli grinst. Der Pfarrer sagt: „Die Christen waren schon immer ein bunter Haufen. Aber alle sind wir durch Jesus Gottes Kinder. Wann etwa soll die Taufe sein?“

Wer ist Gott recht? Wer kann vor ihm bestehen? Wenn wir genau hinschauen: Keiner. Keine und keiner von uns ist gut genug, heilig genug. Wir erschrecken, zu was für Grausamkeiten Menschen fähig sind. So sind wir doch nicht! Und verletzen im nächsten Augenblick einen Mitmenschen, weil wir unbedingt recht haben wollen, uns durchsetzen, zurückschlagen oder einfach egoistisch handeln.
Wir widersprechen dem Gebot, unseren Mitmenschen und so auch Gott und uns selbst zu lieben. Wir wenden uns ab von Gott – Sünde ist das. Nein, bestehen können wir nicht vor Gott.
Aber Gott wendet sich dennoch uns zu. In Jesus Christus ist er ganz bei uns und will uns bei sich. Wir sind Gott recht, weil er uns will. Er schenkt uns Gemeinschaft. Er lädt uns ein. Wir müssen nichts tun, nur seine Einladung annehmen und ihm vertrauen. Paulus schreibt: „ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mir seine Liebe erwiesen und sich selbst für mich hingegeben hat.“

Paulus erträgt es nicht, wenn Petrus plötzlich nichts mehr mit den Nichtjuden zu tun haben will. Und er wird in seinem Brief an die Galater grob, weil sie den Glauben an Jesus Christus verfälschen und verraten. Er schimpft: „Wir sind Christen. Christus ist die Tür zu Gott. Außer Christus brauchen wir nichts. Wer etwas anderes lehrt und meint, das Befolgen von Geboten bringt uns zu Gott, der soll verdammt sein.“
So wütend und hart ist Paulus in seinem Brief.

Wir sind Christen. Wir sind ein bunter Haufen, aber wir gehören zusammen durch Jesus Christus. Wir sind nicht besser als andere, aber wir vertrauen auf Christus und versuchen, ihm zu folgen. Wir sind Christen und glauben, dass wir Gott recht sind, weil Gott uns in Christus seine Liebe schenkt.
Paulus schreibt auch: „Nicht mehr ich bin es, der lebt, nein, Christus lebt in mir.“ Wir sind eins mit Christus, Gottes geliebte Kinder. Amen

Sex – Predigt über 1.Kor 6,12-20

Predigt am 22.7.18 von Andreas Hansen über 1.Kor 6,12-20

Wir haben einen besonderen Predigttext. Paulus schreibt an die Christen in Korinth über Sex und Prostitution. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Vieles, was in Korinth üblich war, verurteilt er. Aber er ist überhaupt nicht leibfeindlich oder prüde. Paulus kennt seine Bibel: da gibt es die erotischen Liebeslieder im Hohelied Salomos und viele schöne Liebesgeschichten, freilich auch Geschichten von sexueller Gewalt und Ehebruch, Eifersucht, usw. Nichts, was uns Menschen bewegt, ist Gott fremd. Darum geht es in der Bibel oft um das Thema Nr1. Sex ist so schön und birgt zugleich die Gefahr, dass wir einander wehtun und schaden. Paulus schreibt über Sex. Er schreibt als Jude, der von seiner Bibel geprägt ist, und er schreibt an Griechen, die ganz andere Vorstellungen haben. Und er schreibt vor fast 2000 Jahren. Wir sehen heute manches anders. Ich lese 1.Korinther 6,12-20 (Neue Genfer Übersetzung).

»Alles ist mir erlaubt!« Wer so redet, dem antworte ich: Aber nicht alles, was mir erlaubt ist, ist auch gut für mich und für andere. – »Alles ist mir erlaubt!«  Aber es darf nicht dahin kommen, dass ich mich von irgendetwas beherr-schen lasse. Ihr sagt: »Das Essen ist für den Magen da und der Magen für das Essen, und dem einen wie dem anderen wird Gott ein Ende bereiten.« Einverstanden, aber das heißt noch lange nicht, dass wir mit unserem Körper machen können, was wir wollen. Der Körper ist nicht für die Unmoral da, sondern für den Herrn, und der Herr ist für den Körper da und sorgt für ihn. Und genauso, wie Gott den Herrn von den Toten auferweckt hat, wird er durch seine Macht auch uns vom Tod auferwecken und unseren Körper wieder lebendig machen. Wisst ihr nicht, dass ihr zum Leib Christi gehört und dass damit auch euer Körper ein Teil seines Leibes ist? Soll ich denn nun, indem ich mich mit einer Prostituierten einlasse, Christus das wegnehmen, was einen Teil seines Leibes ausmacht, und es zu einem Teil ihres Leibes machen? Niemals! Überlegt doch einmal: Wer sich mit einer Prostituierten einlässt, wird mit ihr eins; sein Körper verbindet sich mit ihrem Körper. Es heißt ja in der Schrift: »Die zwei werden ein Leib sein.« Wer sich hingegen mit dem Herrn verbindet, wird eins mit ihm; sein Geist verbindet sich mit dem Geist des Herrn. Lasst euch unter keinen Umständen zu sexueller Unmoral verleiten! Was immer ein Mensch für Sünden begehen mag – bei keiner Sünde versündigt er sich so unmittelbar an seinem eigenen Körper wie bei sexueller Unmoral. Habt ihr denn vergessen, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist? Der Geist, den Gott euch gegeben hat, wohnt in euch, und ihr gehört nicht mehr euch selbst. Gott hat euch als sein Eigentum erworben; denkt an den Preis, den er dafür gezahlt hat! Darum geht mit eurem Körper so um, dass es Gott Ehre macht!

Korinth ist eine große, bunte Hafenstadt. Am Tempel der Liebesgöttin Aphrodite arbeiten Hunderte von Tempeldirnen. Sex mit Sklavinnen und Sklaven ist normal. Hier kann sich jeder nach Lust und Laune austoben. „Paulus, du hast doch gesagt: Uns ist alles erlaubt. Ja, diese Freiheit passt zu uns in Korinth.“
Moment mal! Konnte sich wirklich jeder austoben und vor allem jede Frau? Ich glaube nicht, dass die Sklaven und die Tempeldirnen diese Freiheit so toll fanden. Sexuelle Unterdrückung war für Paulus kein Thema. Uns heute fällt auf, wie sehr er von den Vorstellungen seiner Zeit geprägt ist.
„Alles ist erlaubt“? – „Ja“, sagt Paulus, „aber nicht alles ist auch zuträglich.“ Die griechischen Christen in Korinth messen dem Körperlichen einfach keine Bedeutung bei. Der Leib ist für sie nur eine Hülle, mit der man tun kann, was man will. Griechen denken: „Was nur äußerlich geschieht, kann doch nicht schaden. Was ich esse, ob ich Sport treibe, ob ich Sex habe – das alles ist nur körperlich und der Körper wird zerfallen. Wichtig ist der Geist. Mein Leib ist bedeutungslos. Er ist eher ein Gefängnis für mein wahres Ich. Darum kann ich den Leib und alles Leibliche verachten. Was ich mit meinem Körper anstelle, auch Sex, berührt mich gar nicht wirklich.“ Darum meinen die Leute in Korinth auch: „Es spielt keine Rolle, ob wir zu den Dirnen gehen. Das ist doch nur ein körperlicher Akt, wie Essen und Trinken.“
Hier prallen die Kulturen aufeinander. Hier muss der jüdisch denkende Paulus widersprechen: „Es ist nicht bedeutungslos, was wir mit unserem Körper machen. Körper und Seele sind untrennbar eins. Sex ist kein seelenloses, äußerliches Tun. Leib und Geist und Seele sind eine Einheit.“
An diesem Punkt finde ich Paulus richtig gut und auch modern. Wir alle erfahren, wie eng unser seelisches und unser körperliches Befinden verbunden sind. Viele machen zum Beispiel Karate oder Yoga: Beide betonen, wie eng Körper und Seele aufeinander wirken. Sie können einander beflügeln oder auch lähmen. Wie wir atmen, essen, uns bewegen – was wir mit unserem Körper tun, das macht uns aus, auch als Person. Wir haben nicht nur einen Leib, wir sind Leib. Gott hat uns unseren Leib gegeben.
Paulus kann den Leib also nicht verachten oder gering schätzen. Und das umso weniger, als Gott in Jesus Mensch geworden ist, leibhaftig wie wir.
Das bedeutet nun nicht, dass wir ins Gegenteil verfallen und einen Kult um der Körper treiben. Wir schätzen den Leib als Gabe von Gott und alles, was wir durch ihn genießen. Aber wir müssen nicht um jeden Preis gesund, sportlich und schön sein.
Auch hier gilt die Freiheit eines Christenmenschen: Wir sind von Gott angenommen, gerechtfertigt, auch in unserem leiblichen Sein. Unseren Körper mit seinen Maßen und Möglichkeiten dürfen wir als Gabe von Gott genießen. Wir sollen ihn nicht vernachlässigen oder schädigen, aber wir stehen auch körperlich nicht unter Leistungsdruck.
Darum achten wir Sexualität und Zärtlichkeit als wunderbare Gabe Gottes. Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir einen Menschen zärtlich beschenken, verwöhnen, annehmen und einander größte Nähe gewähren. Paulus erinnert an den Schöpfungsbericht: Die zwei werden ein Leib. Das ist für Paulus schön und keineswegs zu verachten.
Sex wurde in der Geschichte der Christen oft verteufelt. Sexuelle Lust wurde nur als Sünde betrachtet. Sünde ist die Gier, die nur haben und beherrschen will, den anderen gebraucht und keine wirkliche Nähe zulässt.
Aber Sexualität, das Sich-einander-Schenken, Begehren und Lust, ist für Paulus gut und schön. Die Liebenden sind einander einmalig nahe. Sie werden eins. Sie werden ein Teil des anderen. Bert Brecht  dichtete: „Der, den ich liebe, hat mir gesagt, dass er mich braucht. Darum gebe ich auf mich acht, sehe auf meinen Weg und fürchte von jedem Regentropfen, dass er mich erschlagen könnte.“ Die Liebenden brauchen einander. Sie sind einander unersetzlich, kostbar, und darum achten sie auch auf sich selbst.
Liebe verträgt keine Leichtfertigkeit und Unverbindlichkeit.
Liebe braucht Treue, Hingabe, Ehrlichkeit und gegenseitige Achtung.
Für Paulus steht unser Verhältnis zu Gott auf dem Spiel, wenn wir unseren Leib missbrauchen. Als Leib gehören wir uns nicht selbst. Als Leib sind wir in Beziehungen. Die Liebenden werden eins. Für Paulus ist das sogar ein Bild für unsere Beziehung zu Jesus Christus. Er redet von Zärtlichkeit, Begehren und Lust in einem Atemzug mit der Einheit im Leib Christi: „unser Körper ist ein Teil des Leibes Christi“
Daraus folgt für Paulus: „Ihr könnt nicht zu den Dirnen gehen und so tun, als berührte es euch nicht. Ihr irrt euch und ihr schadet euch. Wer sich mit einer Dirne einlässt, stört die Beziehung zu Christus.“
Ich würde noch allgemeiner sagen: „Ihr schadet euch selbst, wenn ihr Sex ohne Liebe und Treue habt, wenn ihr einander nicht wirklich nah sein wollt. Wer Sex ohne wirkliche Beziehung hat, verfehlt, was Gott uns schenkt. Er widerspricht der Liebe Gottes.“
„Habt ihr denn vergessen, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist? Der Geist, den Gott euch gegeben hat, wohnt in euch, und ihr gehört nicht mehr euch selbst. Gott hat euch als sein Eigentum erworben; denkt an den Preis, den er dafür gezahlt hat! Darum geht mit eurem Körper so um, dass es Gott Ehre macht!“
Mit unserem Leib können wir Gott verherrlichen. Wunderbar: Unser Körper, so unvollkommen, verletzlich und hinfällig wie er ist, kann Gott preisen. Mit unserem Leib können wir Gott verherrlichen. Und zu unserem Leib gehört auch Zärtlichkeit, Begehren, Lust. Sexualität ist eine wunderbare Gabe Gottes.
Das Hohelied Salomos schwärmt: „Kein Wasser kann die Glut der Liebe löschen und keine Sturzflut schwemmt sie je hinweg. Wer meint, er könne solche Liebe kaufen, der ist ein Narr, er hat sie nie gekannt!“

Amen

ein Schatz, Ansprache im Gottesdienst für Klein und Groß mit Kinderchor über Mt 13,44 und Jer 29,13f

Predigt am 8.7.18 von Andreas Hansen über Mt 13,44

Der Kinderchor singt das Musical Der Schatz im Acker

Lesung vor dem Kindermusical: Wir fragen nach Gott. Er antwortet durch den Propheten Jeremia und sagt:

Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn  ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. (Jer 29,13f)

Gott will sich von uns finden lassen.
Kennt Ihr das Spiel?: Kleine Kinder verstecken sich. Sie lachen, wenn wir sie finden. Von diesem Spiel können sie gar nicht genug kriegen. Es ist schön, so wunderschön: Mama strahlt, wenn sie mich entdeckt. So und noch viel mehr freut sich Gott, wenn wir ihn suchen und finden. Vom Finden redet auch Jesus. Er erzählt eine Geschichte vom Finden. Er sagt: Gott hat einen wunderschönen Schatz für euch. Das Himmelreich ist wie ein Schatz.

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besaß, und dafür den Acker kaufte. (Mt 13,44)

Nach dem Musical: Das Himmelreich ist wie ein Schatz. Jesus erzählt so, dass die Leute ihn verstehen. Die meisten seiner Zuhörer sind einfache Leute vom Land. Sie müssen schwer arbeiten. Viele sind arm und werden immer ärmer. Die Steuern sind hoch. Viele arbeiten als Knechte für andere. „Oh, einen Schatz zu finden – das wäre toll!“ Sie stellen sich vor, wie es geschieht: „Du ziehst deinen Pflug über den Acker. Auf einmal geht es nicht weiter. Der Pflug stößt auf etwas Hartes und bleibt hängen, bestimmt ein großer Stein. Der muss weg. Also nimmst du die Schaufel und gräbst. Ja, da ist was. Noch ein paar Schaufeln Erde, dann siehst du: Oh, ein Krug aus Ton. Weiter schaufeln, dann kannst du ihn bewegen, rüttelst ihn frei, hebst ihn hoch – ist der schwer, dieser Krug! –  du stellst ihn neben das Loch und kratzt, bis er sich er sich öffnen lässt, und da: Silbermünzen! Ein ganzer Krug voll Silber! Was für ein Fund! Was für ein Glück!“ So stellen sie sich einen Schatz vor.
Ob Jesus so einen Schatz meint? Aber Jesus ist ja genauso arm wie sie selbst.   Der hat keinen Krug voll Silber oder Gold.
„Was für einen Schatz meinst du, Jesus? Was ist so kostbar, dass einer alles dafür gibt?“
Petrus und Andreas stehen daneben und sagen: „Wir haben ja auch alles gegeben. Unsere Boote haben wir stehen gelassen und sogar unsere Familie zurückgelassen.“
Jesus sagt: „Und was habt ihr gefunden?“
„Dich haben wir gefunden. Oder hast eher du uns gefunden?“
Da lacht Jesus: „Und jetzt, seid ihr genauso  arm wie vorher?“
„Nein, reich sind wir.“

Später werden sie Jesus Sohn Gottes und Jesus Christus nennen. Er ist so voller Liebe und Leben. Durch ihn haben sie entdeckt: wir sind kostbar für Gott; wir sind Gottes Kinder.  Gott ist unser guter Vater. Das Himmelreich ist hier, bei Jesus. Niemals mehr wollen sie das verlieren.
Jesus selbst kann auf wunderbare Weise Menschen finden. Jesus entdeckt die Menschen, die sich verstecken und den anderen etwas vormachen, so als ob sie eine Maske tragen. Jesus sieht die Menschen, die sich vor lauter Gier nach Macht oder Erfolg selbst vergessen. Jesus sieht auch die, die sich selbst nichts zutrauen, und die, denen wir nichts Gutes zutrauen. Jesus freut sich über die Menschen, die er findet, und er freut sich über die, die ihn entdecken. Er sagt zu seinen Jüngern: „Auch ihr sollt Menschen finden. Ihr sollt ihnen zeigen, dass Gott sie liebt. So ist das Himmelreich bei euch.“

Der Mann, von dem Jesus erzählt, gibt alles für den Schatz. Wir Christen glauben: Der Glaube an Jesus Christus ist der allergrößte Schatz. Wir haben, entdeckt, wie sehr Gott uns liebt. Das macht uns glücklich und frei. Nie wollen wir diesen Schatz verlieren. Es gab Menschen, die sind lieber gestorben als den Glauben aufzugeben. Sie haben wirklich alles gegeben. Gestern vor 494 Jahren starb hier in Kenzingen ein Mann, der für seinen Glauben bestraft wurde. Er hieß Ernst Lauterwald und war Stadtschreiber. In den Jahren 1522 bis 1524 folgten viele in Kenzingen den Lehren Martin Luthers. Sie hatten einen befreienden Glauben gefunden und wollten ihn um keinen Preis wieder verlieren. Dann wurden diese Lutheraner vertrieben und Lauterwald sogar zum Tod verurteilt. Wie gut, dass wir Christen uns heute nicht mehr so streiten!

Ein Mensch findet einen Schatz.
Er ist glücklich. Er gibt alles dafür.
Der Schatz ist Jesus selbst. Er schenkt uns die Liebe Gottes. Glauben und Freiheit finden wir bei ihm.
Diesen Schatz wollen wir niemals verlieren. Wir sind reich, auch und gerade wenn wir viel geben. Amen

Flagge zeigen? – Predigt über 1.Petrus 3,15

Predigt am 24.6.18 von Andreas Hansen

Haltet Christus in euren Herzen heilig.  Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt.

Das ist mir heilig: Ein Ring von meiner Liebsten und die Zeit mit ihr, das Bild von Kindern und Enkelin, Freunde und auch mein Beruf – vielleicht auch ein wenig: mein Rad, meine Lieblingskünstler, Musik und Natur – ach nein, so ganz heilig vielleicht doch nicht. Was halte ich heilig? Was ist mir heilig?
Welche fünf Dinge würde ich mitnehmen auf die berühmte Insel? „Stell dir dein Leben vor ohne, ohne die Dinge, Tätigkeiten und Beziehungen, die so wichtig sind!“ Was erfüllt mich so, dass ich meine: ohne das kann ich nicht leben?
Was begründet mein Leben?
Der Heidelberger Katechismus fragt: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“, und gibt die Antwort: „Dass ich mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin …“
Was bleibt, ist Jesu Beziehung zu mir, seine Beziehung. Ich kann alles verlieren. Ich kann beraubt werden. Meine Lieben können mich verlassen. Mein Leib, meine Seele und mein Verstand können zerbrechen. Aber die Beziehung Jesu zu mir bleibt, bleibt, selbst wenn ich sterbe.  Der Grund meines Lebens liegt nicht in mir selbst, sondern außerhalb meiner selbst. Ich bin geliebt von Gott in Jesus Christus. Ich bleibe in Gottes Liebe. Das ist mein Trost in allem. Das halte ich heilig. Darum will ich Christus in meinem Herzen heilig halten.
Ich denke nicht oft daran. Oft ist mir das viel zu groß und weit weg. Andere und kleinere Dinge sind mir nah: Ärger über ein Missgeschick, eine Dummheit oder eine Unfreundlichkeit, Freude über einen Scherz, ein Lächeln oder ein gutes Mittagessen, schlechter Schlaf oder ein Wehwehchen oder schöne Musik. Meist besteht das Leben aus den vielen Kleinigkeiten.
Aber manchmal geht es drum und dann muss das Große und Heilige gesagt sein: „Haltet Christus in euren Herzen heilig!“

Petrus rät uns: Zeigt Flagge!
Wer in diesen Wochen Flagge zeigt, macht deutlich: Ich fiebere mit, wenn meine Mannschaft spielt. Sicher, es ist nur ein Spiel, aber jetzt kommt es drauf an, jetzt geht es um Sieg oder Niederlage. Viele schließen sich mit ein, identifizieren sich mit den Elf auf dem Platz: wir spielen, wir gewinnen oder wir verlieren.
Zeigt Flagge! „Seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt.“
Bereit sein sollen wir immer.
Aber wann heben wir unsere Flagge als Christen? Wann wird es ernst? Wann sind wir gefragt unsere Hoffnung als Christen zu zeigen?

Drei Punkte will ich nennen.
In der Begegnung mit Glaubenden aus anderen Religionen: Ich will Muslimen, Juden, Buddhisten mit Respekt begegnen. Ich will sie niemals beleidigen und ihre Freiheit achten. Ich will verstehen, was ihren Glaube ausmacht. Ich will unterscheiden zwischen denen, die Religion für ihre Zwecke benutzen und denen, die einfach von ihrem Glauben erfüllt sind. Aber dann will ich in diesem Gespräch auch sagen, warum ich an Jesus Christus glaube: Gott begegnet uns in dem Menschen Jesus. Gott leidet mit uns und für uns. Nichts kann uns von seiner Liebe trennen, nicht einmal der Tod. Den nahen, liebenden, leidenden, vergebenden Gott sehen wir, glauben wir in Jesus Christus.

Flagge zeigen will ich, wenn Unrecht geschieht: 1945 schrieben die Vertreter der Kirchen über ihre Schuld: „Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Nur wenige Christen hatten es gewagt, den Verbrechen des Staates in Deutschland zu widersprechen. Dietrich Bonhoeffer dagegen meinte schon 1933: Kirche muss Kirche für andere sein. Wer fromm ist, muss auch politisch sein.  Er sah eine letzte mögliche Aufgabe der Kirche darin, Widerstand gegen den Staat zu leisten, wenn er ein Unrechtssystem ist, „nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.“
Kirche für andere, Kirche auf der Seite der Opfer – wir weisen auf die Not hin, versuchen Leidenden beizustehen, geraten aber ganz schnell auch in die politische Diskussion über Flüchtlinge, Altersarmut, Fragen der Medizinethik und so weiter. Und in der Nachfolge Jesu können wir nur für das Leben, für die Menschen, für die Wahrheit reden und handeln.
Wenn wir Flagge zeigen für Gerechtigkeit, Freiheit  und Frieden, stehen wir neben Nichtchristen und Andersgläubigen. Sie haben das gleiche Ziel.  Wir wollen „Auskunft geben über die Hoffnung, die in uns ist“, die Hoffnung, die Jesus Christus uns schenkt. Wir glauben, dass jeder Mensch von Gott geliebt ist, eine Chance verdient, gegen Unrecht geschützt werden muss.

Schließlich reden wir von unserer Hoffnung als Christen, wenn andere neben uns Trost und Hoffnung nötig haben. Unsere Hoffnung ist gefragt, wenn ein Mensch neben uns mit seinen Fragen nicht weiter kommt.
Ich weiß auch nicht, warum ein lieber Mensch oder gar ein Kind unheilbar krank wird und stirbt. Ich verstehe Gott auch nicht, wenn Unglück viele Menschen trifft. Vielleicht kann ich meine Hoffnung nur ausdrücken, indem ich mit ihnen schweige oder klage: „Mein Gott, warum?“ Unrecht und Leid in der Welt bedrücken mich. Ungelöste Konflikte, Hass und Streit belasten mich. Ich werde damit nicht einfach fertig.
Und doch haben wir eine Hoffnung in Jesus Christus: Dass er das Leid der Welt und jedes Leid eines Menschen kennt und mitträgt.
Dass er auf die Schuld und Gewalt antwortet – er lässt sich selbst zum Opfer machen.
Dass auch er geschrien hat: „Mein Gott!“ und die tiefste Verzweiflung durchlitten hat.
Und dass Jesus auferstanden ist, dass Hoffnung ist, wo nach menschlichem Ermessen alles zu spät ist.

„Haltet Christus in euren Herzen heilig. Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt.“ Unsere Hoffnung ist gefragt. Amen

Brot, das nicht satt macht, Predigt über Jes 55,1-5

Predigt am 10.6.18 von Andreas Hansen über Jes 55,1-5

Gott spricht durch Jesaja, den Propheten:

Ach! Alle ihr Durstigen! Kommt zum Wasser! Auch wer kein Geld hat: Kommt! Kauft und esst! Ohne Geld. Ganz umsonst! Wein und Milch. Warum zahlt ihr für Nicht-Brot; gebt euer Sauer-Verdientes für Nicht-Sättigendes? Warum…? Hört doch auf mich – das ist gute Speise! Das ist ein Festschmaus für eure Seele. Macht eure Ohren auf, kommt zu mir! Hört, dann werdet ihr aufleben!
Ich will mit euch einen bleibenden Bund schließen auf die verlässlichen Gnadenzusagen an David. Siehe: Zum Zeugen für die Völker mache ich ihn, zum Fürsten und Gebieter von Völkern. Siehe: Volk, das du nicht kennst, rufst du; Volk, das dich nicht kennt – zu dir laufen sie um des Herrn, deines Gottes, willen und des Heiligen Israels; denn er verherrlicht dich.

Kennen Sie Metzingen? Outlet-City? Die kleine Stadt besteht zur Hälfte aus Outlet-Centern der angesagten Marken. Im Urlaub waren wir in der Nähe und sind bei schlechtem Wetter nach Metzingen gefahren: Wir sind ganz schnell vor dem ungeheuren Rummel geflüchtet. Täglich kommen Tausende nach Metzingen, aus ganz Deutschland, der Schweiz, ja aus der ganzen Welt. Man sagt, die Ware sei extra für das Outlet-center gefertigt. Und trotzdem lockt die Aussicht auf billige Schnäppchen Massen an. Das Geschäft muss laufen. Fast jeder schleppt etliche Plastiktüten voll Ware mit sich. Wir sollen kaufen, kaufen, kaufen.

Gott geht auf den Markt. Wie ein Marktschreier preist er an, was er zu bieten hat. „Hoj!“ schreit er. „Ach!“, es ist eigentlich ein Klageruf, mit dem er die Aufmerksamkeit weckt: „He, kauft Leute!“ Er ruft. Er preist an. Aber er spielt nicht mit im Spiel um den größten Profit. Er will seine Waren verschenken! „Auch wer kein Geld hat: Kommt! Kauft und esst! Ohne Geld.“ Wo gibt es denn das?  Das widerspricht den Gesetzen des Marktes. Man bekommt nichts geschenkt. Wir erleben es täglich: Was wir bringen und leisten, zählt. Unsere Arbeit, unser Können, unser Geld. Wir bekommen nur etwas, wenn wir was zu bieten haben. Wer nichts leistet und wer sich nichts leisten kann, steht am Rand.
„Alle ihr Durstigen! Kommt zum Wasser!“ Gott verschenkt Wasser. Auch ein neues Wort haben wir im Urlaub kennengelernt: Wissen Sie, was eine Hüle ist? Ganz oben auf der schwäbischen Alb gibt es Dörfer ohne Quellen. Aus dem Teich, der Hüle trank Mensch und Vieh – die Qualität des Wassers war unerträglich. Nur weit unten im Tal gab es frisches Wasser. Vor 120 Jahren gingen sie zum König nach Stuttgart und verlangten eine Wasserleitung. „Mir dädet´s scho no drinke, aber ´s Vieh weigert sich.“
In vielen Ländern ist Wasser ein kostbares Gut. Menschen stehen Schlange und zahlen viel für trinkbares Wasser.
Gott ruft: „Auch, wer kein Geld hat, kommt!“ Umsonst gibt Gott Wasser und Brot, elementare Lebensmittel, ohne die es nicht geht. Gott bietet auch Wein und Milch, den Glanz des Lebens.
Gott lockt und wirbt. Gott sieht, was wir brauchen. Er will es uns geben. Aber uns fällt es schwer, uns einfach beschenken zu lassen.
„Man bekommt nichts geschenkt.“ Davon sind wir zutiefst überzeugt. Wir sind geprägt vom Gesetz des Marktes, Kunden, die für ihr gutes Geld ordentlich bedient werden wollen.
Ich will es noch deutlicher sagen: Wir glauben an Geld und Profit – so funktioniert unsere Welt, und so wird sie untergehen, wenn wir nicht wach werden und der Logik der Habgier widersprechen – überall in der Welt können wir doch sehen, was sie anrichtet.
Gott ruft wie ein Marktschreier, aber Gott widerspricht der Logik des Kaufens und Verkaufens, Gott widerspricht dem Immer-mehr-haben-Wollen.
Man bekommt nichts geschenkt? Doch! Das, was wirklich zählt, können wir nur geschenkt bekommen und selbst schenken: Reich sind wir, wenn wir Zuwendung, Vertrauen, Wertschätzung geben und empfangen. Reich sind wir durch das, was Gott uns schenkt. Das Leben selbst und alle seine Farben und Klänge sind uns geschenkt.
„Warum zahlt ihr für Nicht-Brot?“ fragt Gott sein Volk. So fragt auch der Prophet Jesaja – es war eine Zeit des Umbruchs, die Menschen verwirrt und haltlos, ängstlich und gierig nach Leben. Jesaja verspottet die selbst gezimmerten Götterbilder seiner Zeitgenossen.
„Warum zahlt ihr für Nicht-Brot?“ könnte man auch heute fragen. Warum gebt ihr so viel für das, was nicht satt macht?   Menschen suchen ihr Glück und Heil in dem,  was sie selbst schaffen oder einkaufen. Ihre Seele bleibt hungrig. Gott widerspricht dem Gesetz des Kaufens und dem Gesetz der Leistung und der ganzen selbstsüchtigen Angst, zu kurz zu kommen. Gott will, dass wir nicht am Leben vorbei leben.  Was wir wirklich zutiefst brauchen, was unseren Hunger und Durst nach Leben stillt, das will er uns geben, das kann uns nur Gott selbst geben. Darum wirbt er so eindringlich: „Hört doch auf mich – das ist gute Speise! Das ist ein Festschmaus für eure Seele. Macht eure Ohren auf, kommt zu mir! Hört, dann werdet ihr aufleben!“ Wir sollen durch Worte gesättigt werden. Können Worte so viel bewirken? Ja, ganz sicher: Freundliche Worte eines Menschen, der mir wichtig ist, machen mich froh. Gute Worte eines Menschen, den ich liebe, sind ein Glück. Wie viel Mut und Kraft zum Leben ist dann erst in Worten von Gott! – sie können sogar Leid und Tod überwinden. „Hört, dann werdet ihr aufleben!“ Dem Hören ist die Gabe des Lebens verheißen.
Gott sagt: „Ich will mit euch einen bleibenden Bund schließen auf die verlässlichen Gnaden-zusagen an David.“ Ein Bund: Bei unserer Taufe hat Gott einen Bund mit uns geschlossen. Als wir konfirmiert (oder gefirmt) wurden, sagten wir: Wir bleiben mit Gott im Bund. Gott gibt ein Versprechen, wie er es David, dem König, gegeben hat. Mit Gott im Bund sind wir wie Königskinder. Wir sind Menschen, die sich etwas zutrauen dürfen.
David steht für die Hoffnung auf eine gerechte und gute Welt. David ist der Friedenskönig, nach dem sich die Menschen sehnten und sehnen. Jesus haben sie den Sohn Davids genannt. Menschen, die ihn hörten, sind aufgelebt. Einer sagte zu ihm: Du hast Worte des ewigen Lebens.
„Ach! Alle ihr Durstigen! Kommt!“ Gott wirbt um sein Volk. Gott ruft uns. Er ist sich nicht zu schade, auf den Markt zu gehen. Er will uns Leben geben, Leben in Fülle, in Frieden, in Gerechtigkeit. Er schenkt, was so lebensnotwendig ist wie Wasser, wie Brot. „Ich bin das Brot des Lebens“, sagt Jesus. Das Leben können wir nicht kaufen. Wir bekommen es geschenkt. Jesus gibt uns sich selbst.
Wir sind wie Königskinder. Wir sind reich. Amen

Alles in Christus – Predigt zum Sonntag Trinitatis über Epheser 1,3-14

Predigt am 27.5.18 von Andreas Hansen über Eph 1,3-14

im Gottesdienst wird das Bild Auferstehung von Alfred Manessier (1948 ) gezeigt

„ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Irgendwann hat das jemand zu uns gesagt, zu Ihnen und zu mir, und uns Wasser über den Kopf gegossen. Wir sind getauft im Namen des dreieinigen Gottes – unser Name ist zusammen mit Vater, Sohn und Heiliger Geist genannt – wir sind verbunden mit Gott.  
Ich weiß, wann ich getauft wurde, denn meine Mutter hatte an dem Tag Geburtstag und es war  damals der erste Adventssonntag. Aber natürlich weiß ich das nur, weil man es mir erzählt hat. Ich war viel zu klein, um mich zu erinnern. Den meisten von Ihnen wird es ähnlich gehen, aber wir wissen doch, dass wir getauft wurden. Also: Ich gehöre zur Gemeinde. Ich gehöre zu Jesus Christus. Jesus steht an meiner Seite,   was auch geschieht.
Der Predigttext für diesen Sonntag ist ein Lied für Getaufte. Er lobt Gott über alles. Gott hat uns so wunderbar viel Gutes geschenkt. Lassen Sie uns das Loblied gemeinsam im Wechsel sprechen:

Ein Loblied im Epheserbrief (1,3-14),  übersetzt von Klaus Berger und Christiane Nord

Lobend wollen wir uns zu Gott wenden. Er ist der Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat sich uns zugewandt mit allem Segen vom hohen Himmel her, indem er Jesus sandte.
Denn er hat uns zu seinem Eigentum gemacht gemeinsam mit Christus von Anbeginn der Welt.
Heilig sollten wir sein und ohne Makel vor seinem Angesicht. Voll Liebe wollte er immer schon, dass wir seine Kinder werden.
Das ist sein erklärter Wille. Denn er will, dass wir seine herrliche Gnade loben, die er uns geschenkt hat in seinem Sohn, den er liebt.
Durch seinen Sohn sind wir befreit. Er war bereit, durch seinen grausamen Tod für uns die Freiheit zu erkaufen. So wurden unsere Verfehlungen vergeben.
Denn reich ist die Gnade, die Gott über uns ausgeschüttet hat. Voll Weisheit und Klugheit hat er uns wissen lassen seinen geheimen Willen.
Das hat er beschlossen und bestimmt um seines Sohnes willen. So hat er festgelegt, was sein wird, wenn alle Zeit abgelaufen ist.
Und alles sollte mit Christus ein Haupt und seinen Sinn bekommen, alles im Himmel und alles auf Erden.
Zusammen mit Christus wurden auch wir zu Erben eingesetzt. Denn dazu hat er uns von Anfang an bestimmt. Und was er will, das tut er auch.
Er will, dass die Menschen im Blick auf uns, die wir schon lange auf den Messias hofften, seine Herrlichkeit lobpreisen.
Auch ihr seid dem Messias verbunden. Weil ihr zu ihm gehört, habt ihr die Botschaft vernommen, die Halt gibt, das Evangelium, das euch rettet.
Weil ihr zu ihm gehört, seid ihr gläubig geworden und habt den heiligen Geist empfangen.
Durch ihn sollt ihr wohlbehalten sein, bis Gott seine Verheißungen wahr macht.
Der Heilige Geist ist ein Pfand für unser künftiges Erbe.
Durch dieses Pfand sind wir freigekauft und werden Gottes Eigentum, so dass die Menschen mit Blick auf uns seine Herrlichkeit lobpreisen. Amen

Es kann einem schwindlig werden, nicht wahr, bei dieser Fülle. Lesen Sie noch einmal in Ruhe – ich halte meinen Mund.

Stellen Sie sich vor: Das alles ist im griechischen Urtext ein einziger Satz, ein Satzungetüm. Das Herz ist voll und der Mund fließt über. Wir sind überfordert, der Fülle von Gedanken zu folgen.
Das Lied umspannt die ganze Welt, Himmel und Erde, Ursprung und Ziel, alles. Es ist wie eine große Bewegung, ein Strom, eine Kraft. Sie geht aus von Gott von Anbeginn der Welt. Und sie führt zu Gott, zum Lob seiner Herrlichkeit. Jesus Christus war schon immer da. Es ist dieselbe Liebe, in der Gott ja sagt zu seiner Schöpfung, Leben schenkt und alles ins Sein ruft. Und es ist dieselbe Liebe, die in Jesus Mensch wurde, zu uns kommt und uns erlöst. Von der Schöpfung bis zum Ziel strömt alles aus der Liebe, die wir in Jesus Christus erkennen.
Alles sollte mit Christus ein Haupt und seinen Sinn bekommen, alles im Himmel und auf Erden, alles wird zusammengefasst in Christus.
Einen weiten Kreis umspannt das Loblied, viel weiter als wir überhaupt denken können. Und zugleich beschreibt es, dass wir in diese  große Bewegung eingefügt sind durch Jesus Christus. Wir sind erwählt und erlöst. Wir werden erben, teilhaben an Gottes Herrlichkeit und wir haben als Unterpfand schon jetzt den Heiligen Geist. Das alles geschieht in Christus. In ihm berühren sich Himmel und Erde. Er verbindet uns mit Gott.
Ist das nicht viel zu großartig beschrieben? Verliert das Lied die Wirklichkeit aus dem Blick? Alles erfüllt und getragen von Gottes Liebe. Wir sehen von Ostern her, in Christus gleichsam eine neue Dimension von Wirklichkeit. Leben ist nicht vergeblich, sondern sinnvoll und hoffnungsvoll, denn hinter allem steht Gottes Ja. Das Licht von Ostern vertreibt alles Dunkel. Durch Jesus Christus sind wir in das warme, helle Osterlicht getaucht. Wir sind getauft. Wir gehören zu ihm.
Alles sollte mit Christus ein Haupt und seinen Sinn bekommen, alles im Himmel und auf Erden, alles wird zusammengefasst in Christus.
Unsere Welt fällt auseinander in Gegensätze, die unüberbrückbar scheinen. Da leben Menschen in Gaza und sagen: es ist ein Gefängnis, in das uns der Staat Israel sperrt – seit 70 Jahren herrscht Unrecht über uns. Darum drängen sie verzweifelt gegen die Grenze an und nehmen sogar Tote und Verletzte in Kauf. Auf der anderen Seite Israel: Immer wieder werden wir aus Gaza beschossen. Terroristen kommen von dort in unser Land. Sie wollen uns vernichten – wir müssen uns wehren. Unrecht gegen Unrecht – wird das je eine Lösung finden? Finden wir einen Ausweg aus unseren unseligen Konflikten? Man könnte verzweifeln über die Unversöhnlichkeit.
Unsere Welt fällt auseinander, weil Egoismus regiert. Der neue Nationalismus, das „Wir-zuerst“, der rücksichtslose Verbrauch von Ressourcen – immer toben sich egoistische, habgierige, macht-hungrige Interessen aus. In unserem Umfeld ganz nah sind wir nicht besser: Wie viele Familien sind heillos zerstritten, weil es etwas zu erben gab. Man könnte verzweifeln über die Rücksichtslosigkeit. Jeder sieht nur auf seinen Vorteil. Vor dem, was wir anrichten verschließen wir die Augen.
Viele verzweifeln wirklichund sagen: „Die Welt ist schlecht. Man kann nichts machen. Alles ist sinnlos.“
Nein! In Gottes Namen Nein! Diese Welt, Gottes Welt, fällt nicht einfach in den Abgrund. Unser Leben, uns von Gott geschenkt, ist nicht sinnlos.
In Konflikten, in Scheitern und Schmerz, in unserem Versagen und unserer Schuld, in Krankheit, Unglück, Tod, in allem ist dennoch Gottes Liebe der Grund dieser Welt und dieses Lebens, sind wir durch Christus von Anbeginn der Welt in Gottes Liebe.
Alles sollte mit Christus ein Haupt und seinen Sinn bekommen, alles im Himmel und auf Erden, alles wird zusammengefasst in Christus.
Für mich zeigt das Osterbild von Manessier etwas von der größeren Kraft Christi, in die alles hineingezogen wird. Gott ist größer als meine Vorurteile, viel größer als mein enger Horizont, größer als meine und unser aller Schuld, größer auch als die Mächte des Bösen und des Todes.
Die Christen damals in Ephesus standen eher am Rand der Gesellschaft. Aber ihnen sagt Paulus: wir sind von Gott erwählt, jede und jeder etwas ganz Besonderes für ihn, geliebt, so wie wir jedes unserer Kinder lieben, Kinder Gottes. Und: Wir sind erlöst. Wir haben sehr nötig, dass Gott sich gnädig zu uns wendet. Das geschieht: Gott nimmt uns an. Gott heilt die zerrissene Welt. Das meinen wir, wenn wir im Glaubensbekenntnis sagen „Jesus sitzt zur Rechten Gottes, von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ Ein gnädiges Gericht erhoffen wir durch ihn. Einen weiten Bogen zieht das Loblied. Es mag uns schwindlig werden dabei. Wir entsprechen doch so überhaupt nicht diesen hohen Begriffen. Das ist sozusagen nicht unsere Welt. Wir sind schwach im Glauben. Wie sollen wir tatsächlich in diesem Licht Gottes bestehen? Da sagt das Lied zu uns, zu den Getauften:  Wir werden Gottes Herrlichkeit erben. So zu erben ist eine feine Sache. Gott bindet sich an uns. Gott hat zu seinen Erben gemacht.
Manchmal spüren wir jetzt schon etwas von der Kraft, die uns zuwächst, von Glauben, Liebe und Hoffnung. Der Heilige Geist ist uns in der Taufe versprochen. Gott hilft unserem schwachen Glauben auf.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Halleluja. Amen

Pfingstpredigt über 1.Kor 2,12-16

Predigt am 20.5.18 von Andreas Hansen über 1.Kor 2,12-16

Pfingsten
Es ist ein Wort ergangen, das geht nun fort und fort. (Lied vor der Pred EG 586)  Gott spricht in diese Zeit hinein: Unwiderstehlich, begeisternd, treffend.
So haben wir gesungen, liebe Gemeinde. So muss es damals in Jerusalem gewesen sein. Auf einmal können die Jünger reden. Die Angst ist verschwunden. Einfache Leute ziehen mit ihren Worten alle in den Bann. Viele sind so überzeugt, dass sie sich taufen lassen.
Der Heilige Geist begeistert, bewegt, überzeugt, er schafft Klarheit, Erkenntnis und Einsicht. Der Geist führt in die Wahrheit. Menschen verstehen, obwohl sie verschiedene Sprachen sprechen.
Wie sehr wünschen wir uns Verständigung! Verständigung zwischen den Religionen, Verständigung zwischen den Völkern, Frieden, Verständigung in festgefahrenen Beziehungen.
Viele reden nur, um sich durchzusetzen, ihre Macht zu zeigen, Recht zu haben. Es geht ihnen nicht darum zu verstehen und zu verbinden. Worte wie Sprengsätze jagen sie durch die Medien.
Wir feiern heute das Fest des Heiligen Geistes, ein Fest des Verstehens. Hören wir den für heute vorgeschlagenen Predigttext. Paulus schreibt im 1.Korintherbrief:

Wir aber haben diesen Geist erhalten – den Geist, der von Gott kommt, nicht den Geist der Welt. Darum können wir auch erkennen, was Gott uns in seiner Gnade alles geschenkt hat. Und wenn wir davon reden, tun wir es mit Worten, die nicht menschliche Klugheit, sondern der Geist Gottes uns lehrt;  wir erklären das, was Gott uns durch seinen Geist offenbart hat, mit Worten, die Gottes Geist uns eingibt. Ein Mensch, der Gottes Geist nicht hat, lehnt ab, was von Gottes Geist kommt; er hält es für Unsinn und ist nicht in der Lage, es zu verstehen, weil ihm ohne den Geist Gottes das nötige Urteilsvermögen fehlt. Wer hingegen den Geist Gottes hat, ist imstande, über alle diese Dinge angemessen zu urteilen, während er selbst von niemand, der Gottes Geist nicht hat, zutreffend beurteilt werden kann. Es heißt ja in der Schrift: »Wer hat jemals die Gedanken des Herrn ergründet? Wer wäre je imstande, ihn zu belehren?« Wir jedoch haben den Geist Christi bekommen, sodass uns seine Gedanken nicht verborgen sind. 1.Kor 2,12-16

Die Jünger können sagen, was sie durch Jesus erkannt haben: Klar, überzeugend, begeisternd. Viele verstehen. Andere aber sagen: „die sind ja betrunken, schon am frühen Morgen!“ Nur wer von Gott angerührt ist, erkennt ihn. Für viele ist Jesus nichts als ein Mensch, ein besonderer Mensch, beeindruckend, mutig, liebevoll, konsequent, vielleicht auch ein Spinner, aber nur ein Mensch.
Für uns ist Jesus Gottes Sohn, der Weg zu Gott,  die Wahrheit seiner Liebe, das Leben, das den Tod besiegt.
An Pfingsten verstehen die Jünger und später  viele Menschen, was für menschliche Klugheit nicht zu verstehen ist. Paulus unterscheidet den Geist der Welt, menschliche Klugheit von Gottes Geist. Gottes Geist erschließt einen neuen Raum, eine größere Wirklichkeit, ein weiteres Verstehen.
„Wir haben den Geist Gottes erhalten“, schreibt Paulus. Ist das nicht ein wenig vermessen? Getrauen Sie sich zu sagen: „Ich habe den Heiligen Geist oder den Geist Christi“?
Ich möchte Sie ermutigen: Wir können erkennen, was Gott uns durch Jesus geschenkt hat. Wir haben den Heiligen Geist, denn er wirkt in uns Glauben, Hoffnung und Liebe. Wir haben den Heiligen Geist, obwohl unser Glaube oft schwach ist, obwohl wir zuweilen verzagt sind und obwohl wir immer wieder auch lieblos und hart sind. Das ist kein Widerspruch, sondern gerade das Große: Gott wirkt in uns, obwohl wir so sind, wie wir sind.
Gott verwandelt unsere engen Grenzen in Weite. Wie Petrus und die anderen wachsen wir, der Geist erschließt Neues.
Paulus streitet in Korinth mit Leuten, die behaupten: „Wir sind die einzigen wahren Christen.“ Paulus sagt zu ihnen: „Es genügt, dass wir Jesus Christus kennen und dass wir wissen, was Gott uns mit ihm geschenkt hat.“  Wir müssen keine Superchristen sein. Wir müssen nur auf Christus sehen. Lassen wir uns nicht verunsichern! Ja, wir haben den Geist Gottes erhalten, denn wir wissen, wie sehr Gott uns liebt. Das genügt.
Alle unsere Pfingstlieder sind freilich Bittlieder. Wir bitten um Gottes Geist. Wir vertrauen, dass Gott uns seinen Geist schenkt. Wir verfügen nicht über Gottes Geist. Jede Überheblichkeit ist fehl am Platz.
Einer sagt zu Jesus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Das kann ich gut verstehen. Wir haben den Geist Gottes und wir bitten doch um den Geist. In dieser Spannung bleiben wir.

„Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Glaubenden! Komm, Heiliger Geist, verwandele die Welt!“ Auf einmal verstehen Menschen ganz unterschiedlicher Sprachen, was Gott ihnen sagt.
Ich hoffe für uns heute auf ein Pfingstwunder, dass Verständigung möglich wird, dass wir die Vorurteile und Urteile über den anderen hinter uns lassen, dass wir einander als Mitmenschen erkennen.
Da erzählt einer von schwierigen Erfahrungen mit Flüchtlingen und schon bricht ein Shitstorm über ihm los und er wird in die rechte Ecke gestellt. Da wirbt einer um Verständnis für die Not einer Familie, die um ihre Angehörigen in Syrien bangt, und schon wird ihm vorgehalten, was straffällige Jugendliche aus Nordafrika getan haben. So oft wollen wir einander nicht verstehen!
Da halten Israelis und Palästinenser einander Gewalttaten vor: Ihr habt angefangen, schreien sie beide, und so bringt das Unrecht immer neues Unrecht hervor.
Da machen wir einander Vorwürfe und brechen einen Streit vom Zaun. Das geschieht immer wieder an der gleichen Stelle und wieder platzen die alten Wunden auf und stinken schon. Wir wissen, es führt zu nichts, und tun es doch.
Ich hoffe auf ein Pfingstwunder, auf viele Pfingsterlebnisse, auf Verständigung und Wahrhaftigkeit, auf Versöhnung trotz allem, auf gerechten Ausgleich für die Opfer. Ich hoffe, dass der Geist Christi unsere Welt verwandelt und erneuert.
Und ich glaube, wir Christen haben einen besonderen Auftrag von unserem Herrn und in seinem Geist, uns für Verständigung einzusetzen.
Pfingsten ist ein Fest des Verstehens. Der Glaube will verstehen. Wir rechnen damit, dass die Wirklichkeit sehr viel komplexer ist als unser Denken und unsere Vernunft. Wir hoffen, dass Gott, der uns das Leben schenkte, seine Schöpfung, diese Welt liebt und sie niemals loslässt. Gottes Geist wirkt in uns und manchmal springt ein kleines Fünkchen Erkenntnis über und macht uns staunen: Was für eine schöne Welt trotz allem Übel! Was für ein wunderbares Leben trotz allem Leid! Was für eine große Liebe Gottes zu seiner Schöpfung und zu uns, seinen Geschöpfen!

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Du stellst meine Füße auf weiten Raum, Predigt zur Konfirmation

Predigt am 13.5.18 von Andreas Hansen über Ps 31,9

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Euer Motto. Gott schenkt mir Freiheit. Seit eurem Gottesdienst im Februar hängt das Mobile mit euren Füßen hier in der Kirche. Ein Dreivierteljahr reicht nicht aus um auszuloten, welche Freiheit Gott uns schenkt. Aber vielleicht seid Ihr auf den Geschmack gekommen das herauszufinden.
Glaube an Jesus heißt: Gott nimmt mich an. Ich muss nichts aus mir machen. Ich muss nicht cool, erfolgreich, perfekt sein.
„Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum. Ich darf sein, so wie ich bin.“ Was mich angreift, macht mein Herz eng: Das blöde Gerede von anderen, die Angst, nicht gut genug zu sein, Streit und Traurigkeit, Hetze und Stress, Misserfolg und Ablehnung – vieles kann mich geradezu lähmen und eng machen.
Weiter Raum heißt: Ich kann umgehen mit dem, was mich angreift. Es macht mir zu schaffen, aber es macht mich nicht fertig. Weil ich in einem tiefen Sinn frei bin: geliebt, angenommen, stark, frei. Gott hat mir das Leben geschenkt. Gott sagt ja zu meinem Leben. Das ist stärker als alles.
Was mich eng macht, verliert seinen Schrecken.
Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Ihr selbst habt den Psalm übertragen – ich zitiere ein paar Sätze, die Ihr für den Gottesdienst im Februar geschrieben habt: „Herr, ich vertraue dir, bitte hilf mir, dass ich nicht mehr verletzt werde.   Du bist stark und willst mir den richtigen Weg zeigen. Du willst mich vor den Menschen schützen, die mir Böses antun wollen. Ich freue mich, dass du mir beistehst in den schweren Situationen. Du schenkst mir Mut und Vertrauen.“

Mut und Vertrauen brauchen wir – weiten Raum. Da ist Tina. Sie nimmt sich vor, ein Fest zu feiern. Eine große Sache soll es werden. Sie stellt es sich schön vor: mit ihren Freunden, mit guter Stimmung, Musik, Tanz, ihr Fest. Sie überlegt und plant. Aber dann ist so ein Stress in der Schule. Sie hat keine Zeit und muss jede Minute lernen. Wenn sie an die Arbeiten denkt, bekommt sie Bauchweh. Ihr Fest muss warten. Tina erzählt einer Freundin von ihrem Plan und erlebt eine üble Enttäuschung. Die macht sich lustig über ihre Idee. „Tina Partystar“ schreibt sie unter ein peinliches Bild von ihr und stellt es ins Netz. Sie hat Angst: Was denken die anderen jetzt über mich? „Lass es sein mit dem Fest. Das schaffst du nicht! Du holst dir nur noch mehr Ärger.“ meint der Vater. Aber die Mutter sagt: „Versuch es! Jetzt erst recht.“ Und so lädt Tina schließlich doch ein zu ihrem Fest. Ein paar Freunde helfen ihr. Sie schmücken den Raum, sorgen für Musik, die Mutter für etwas zu essen. Als es soweit ist, ist Tina total aufgeregt. Aber dann kommen alle, die sie eingeladen hat. Die Stimmung ist super. Allen gefällt es. Niemand macht Ärger. Und Tina ist glücklich und stolz über ihr Fest. Sie hat es geschafft.
Weiter Raum: „Ich kann eigene Schritte tun, mir selbst etwas zutrauen, meinen Weg finden. Ich kann auch verkraften, wenn etwas misslingt, wegstecken, was enttäuschend ist. Ich bekomme die nötige Kraft.“
Ich wünsche Euch sehr, dass Ihr so etwas erlebt, dass Ihr selbst etwas bewegen könnt und es euch zutraut. Und ich wünsche euch, dass euer Leben zumindest hin und wieder wie ein Fest ist, leicht, fröhlich und hoch gestimmt.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.  „Du“ – Gott ist ein Gegenüber, ein Du. Der Psalmbeter oder die Beterin freut sich über Gott wie über einen Freund. Mit einem Freund kann ich reden. Er lässt mich gelten, auch wenn wir nicht der gleichen Meinung sind. Er will wissen, wie es mir geht. Ich muss ihm nichts vormachen. Natürlich ist Gott noch ganz anders als ein Freund. Wie einen lieben Vater sollen wir Gott anreden, sagt Jesus. Wie eine Mutter will ich euch trösten, heißt es auch einmal von Gott. Oder Propheten sprechen davon, dass Gott wie ein eifersüchtiger Liebhaber um sein Volk wirbt. Das alles sind nur Versuche zu beschreiben, wie Gott ist, wie er zu uns kommt. Immer ist da eine Beziehung, ein Gegenüber, ein Du, nicht nur ein Begriff.
Viele sagen: „Ich glaube schon irgendwie an Gott, an eine höhere Macht.“ Vielleicht stellen sie sich Gott vor wie einen riesengroßen Magneten. Da ist eine Kraft, die einfach immer wirkt. Und wir sind im Kraftfeld. Aber so ein Magnet ist kalt und leblos.   Zu dem kann ich nicht du sagen. Gott ist lebendig, leidenschaftlich, liebevoll.    Martin Luther nannte ihn einmal einen glühenden Backofen voll Liebe. Er will, dass ich lebe. Er, oder sie, spricht mich an – und wartet dringend auf meine Antwort.
Ich wünsche Euch sehr, dass Ihr dieses Du wagt, dass Ihr beten könnt – darin lebt die Beziehung. Ich wünsche Euch, dass Ihr erlebt, wie befreiend, wie gut es ist, wirklich von Herzen sagen zu können: „Du bist mir wie ein Freund, wie Vater und Mutter, wie Liebe. Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

Der weite Raum bedeutet Freiheit. Wer ist frei? Einer lässt seine Freundin sitzen und sagt: „Ich hab keine Lust mehr. Du nervst. Ich brauch meine Freiheit.“ Solche Typen, die so reden und handeln, gibt es. Sie kann froh sein, dass sie ihn los ist, nicht wahr? Dieser Typ ist rücksichtslos, gemein und vor allem egoistisch – frei ist anders; der weite Raum ist anders.
Sicher gehört dazu auch die Freiheit nein zu sagen, wenn etwas in die falsche Richtung läuft, noch einmal neu und anders zu beginnen.
Wer ist frei? Frei ist, wer sich getraut ja zu sagen: Ja zu einer Aufgabe, ja zu einer Beziehung, ja zu Verantwortung. Denn dann muss ich mich einsetzen. Dann schaue ich nicht nur auf mich und wozu ich gerade Lust habe, sondern auf die Sache und die Menschen, für die ich mich einsetze. Zum Beispiel, wenn sich alle über einen lustig machen, laut zu sagen: Das ist nicht recht, dass   ihr ihn mobbt. Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“
Frei ist, wer sich getraut, sich zu entscheiden.
Ich wünsche euch die Freiheit ja zu sagen, ja zu guten Zielen, für die ihr euch einsetzt, ja zu Menschen, für die ihr euch entscheidet, und auch ja zum Glauben an Gott und zur Gemeinschaft der Glaubenden.
Verlasst euch darauf! Es ist wahr: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Amen

Ruhe für unsere Seele , Predigt über Mt 11,25-30

Predigt am 29.4.18 von Andreas Hansen über Mt 11,25-30

Gottesdienst zum Konfirmationsjubiläum

Vor fünfzig Jahren, am 4. April 1968 wurde Martin Luther King ermordet. Er sagte in einer Rede kurz vor seinem Tod: „Gewiss, ich habe immer an einen persönlichen Gott geglaubt, aber früher bedeutete er mir kaum mehr als eine metaphy-sische Kategorie. Gott ist mir in den vergangenen Jahren fast greifbar wirklich geworden. Inmitten äußerer Unruhe empfand ich innere Ruhe. Wenn Furcht und Verzweiflung meine Mühen zunichtemachen wollten, verwandelte Gott die Müdigkeit und Verzweiflung in die Spannung neuer Hoffnung.“
Das wünschen wir uns: innere Ruhe inmitten äußerer Unruhe, die Spannung neuer Hoffnung, die Erfahrung von Gott greifbar nahe.
Und noch ein Jubiläum: vor genau 500 Jahren, Ende April 1518, war Martin Luther in Heidelberg und diskutierte darüber, dass wir Gott nur in dem gekreuzigten Jesus erkennen, nicht in Macht und Herrlichkeit. Im Gekreuzigten ist Gott uns nah und schenkt innere Ruhe, Hoffnung und Glauben.
Darum geht es heute, liebe Jubilarinnen und Jubilare, liebe Gemeinde, dass wir in Gott Glauben, Hoffnung, Ruhe finden, dass wir uns rufen lassen und stärken, konfirmieren lassen durch Jesus.
Martin Luther King empfindet es als Geschenk, dass Gott ihm fast greifbar wirklich geworden ist. Auch Martin Luther betont: Nicht aus eigener Kraft kann ich glauben, sondern durch Gottes Gnade wirkt der Heilige Geist in mir.
Staunend sehen wir in unserem Leben, wieviel Gutes uns geschenkt wurde, wie Gott uns gerade in schweren Wegstrecken nahe war und ist.

Unser Predigttext ist ein Lied. Jesus singt.
Erstaunlich ist: Er singt, nachdem er gerade viel Ärger hatte. Die Leute halten den asketischen Johannes den Täufer für besessen. Doch über Jesus, der gerne feiert, sagen sie: „Er ist ein Fresser und Weinsäufer“. Jesus ärgert sich über ihre engen Herzen, wenn sie schimpfen: „Er ist ein Freund von Zöllnern und Sündern.“ Jesus will gerade die Sünder auf den Weg zu Gott bringen. Er beklagt sich über seine Galiläer, die nicht verstehen wollen. Schlimmer als die Leute von Sodom nennt er sie. Das alles steht in Kapitel Elf des Matthäusevangeliums. Und dann? Dann fängt Jesus an zu singen. Er hört auf zu schimpfen. Er öffnet den Mund und lobt Gott. Hören wir Mt 11,25-30:
Zu der Zeit rief Jesus aus, (gemeint ist die Zeit, als so viel Ärgerliches geschah): Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.
Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
Alles ist mir übergeben von meinem Vater,  und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Gott ist spürbar nahe. Gott gibt sich zu erkennen. Gott offenbart sich. Gott rührt die Herzen an.
Der Ärger verblasst hinter der Freude über Gottes Nähe. Jesus singt. Er preist den Vater dafür, dass er das Evangelium nicht den Klugen, sondern den Unmündigen offenbart. Die Klugen stehen sich oft selbst im Weg. Sie wollen nichts von Gott wissen. Sie denken: „Ich komme auch ohne Gott aus. Die Menschen erfinden ihren Gott, wie sie ihn gerade brauchen. Gott kann mir keiner beweisen.“ Die Unmündigen und Kinder staunen. Sie öffnen einfach ihre Hände und lassen sich beschenken. Sie vertrauen. Ihnen offenbart sich Gott. Sicher kennen auch sie und wir alle Zweifel und Fragen: Warum wird ein lieber Mensch krank? Warum gibt es so viel Leid und Böses?
Aber doch staunen wir: dass unser Herz schlägt, dass so viel Leben und Schönes ist, dass wir lieben und geliebt werden. Wir staunen und danken. Unsere Lasten sind nicht fort, aber leichter sind sie. Sie verlieren ihre alles beherrschende Härte.
Glaube heißt nicht, dass wir auf die Vernunft und das Denken verzichten. Aber es geschieht mehr, als wir erklären können. Es kann sein, dass Gott fast greifbar wirklich wird. Gott gibt seinen Geist, dass Glaube entsteht. Ein Funke springt über wie zwischen zwei Menschen, die sich verlieben. Gott offenbart sich. Er begegnet uns in dem Menschen Jesus. Ihm können wir vertrauen. Da werden wir nicht gehemmt und beschränkt,  sondern frei und zuversichtlich und stark.

„Ich preise dich, Vater.“ Jesus singt das Evangelium, dass er eins ist mit dem Vater, dass wir durch ihn Gott erkennen. Er will, dass uns die Augen aufgehen, dass der Funke überspringt: Gott ist nah. Gott kommt zu uns in Jesus.
Auf den Gekreuzigten und Auferstandenen sollen wir sehen. Kein Leid, keine Schuld, nicht einmal der Tod kann uns trennen von der Liebe Gottes.
Dann ruft Jesus: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken – wörtlich: ich werde euch Ruhe geben – und dann noch einmal: So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Martin Luther King schrieb: „Inmitten äußerer Unruhe empfand ich innere Ruhe. Wenn Furcht und Verzweiflung meine Mühen zunichtemachen wollten, verwandelte Gott die Müdigkeit und Verzweiflung in die Spannung neuer Hoffnung.“ Was uns unruhig macht und zur Verzweiflung treibt, ist nicht einfach weg, aber wir können freier und zuversichtlicher damit umgehen.
Ich höre Sie und mich selbst innerlich seufzen: „Das wäre schön, wenn ich im Streit nicht die Beherrschung verlieren würde, wenn ich ruhig bliebe, nicht verletzt, nicht verletzend.“ Oder: „Das wäre schön, wenn ich mit dem, was mir Angst macht, anders umgehen könnte.“ Oder: „Wenn ich nur Kraft genug hätte für das, was mich immer wieder bis an die Grenze bringt und so ermüdet.“ Wie gern hätten wir die Spannung neuer Hoffnung, Ruhe für unsere Seele! Wie weit sind wir manchmal davon entfernt.

„Kommt her zu mir!“, ruft Jesus. Er lädt uns ein. Er kennt unsere Lasten. „Kommt her zu mir! Lernt von mir!“
So viel wie Jesus, können wir wohl kaum tragen. Und doch ist seine Last leicht. Er weiß, er ist nicht allein.

Bleib bei uns, Jesus, bleib bei uns, hilf uns mit deiner Zuversicht, deinem Vertrauen, deiner Liebe, dass wir Ruhe finden für unsere Seele. Amen

„Bausachen“ – Predigt über 2.Kor 4,16-5,1

Predigt am 22.4.18 von Andreas Hansen über 2.Kor 4,16-5,1

2.Kor 4,16-5,1: Wir werden nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.

Wer ein Haus hat, dem geht die Arbeit nie aus. Unsere Häuser in Deutschland sind stabil und solide gebaut – „wie für die Ewigkeit“, so sagt man. In anderen Ländern, z.B. in den USA wird leichter, provisorischer gebaut. Das Bedürfnis nach soliden Häusern hatte die Nachkriegsgeneration, weil sie viele Trümmer wegräumen mussten. Das Bedürfnis kennen viele Menschen. Die Städte in Syrien sehen heute so aus wie deutsche Städte nach dem Krieg. Auch in Israel hat das Bauen eine besondere und sehr umstrittene Bedeutung.
Ein festes Haus, ein sicheres Zuhause ist für viele Menschen ein Traum. Schon Kinder bauen begeistert Spielhäuser. Die Sehnsucht nach bleibender Geborgenheit steckt tief in uns. Und doch sind unsere Häuser vergänglich, nur auf Zeit angelegt, wie wir selbst.
Meine Frau und ich, wohnten einmal in einem neuen schönen Haus – aber im Treppenhaus waren die Wände noch nicht verputzt und das Geländer war eine wackelige Holzkonstruktion. Viele Jahre blieb das Haus so unfertig, obwohl die Besitzer fleißige und Ordnung liebende Menschen sind. Ihr Haus blieb eine Baustelle. Anderes war ihnen wichtiger. Heute bewundere ich diese Geduld und diese Freiheit, etwas unvollkommen zu lassen, noch dazu ein so schönes Haus.
Kennen Sie den Drang alles ganz richtig und perfekt zu machen, wie für die Ewigkeit zu bauen? Gründlich soll alles geschehen und möglichst makellos dastehen: Nicht nur das Haus, auch die berufliche Laufbahn, unser Körper, unser Ansehen.
Aber das geht ja gar nicht. Wir mühen uns vergeblich, fertig zu werden, perfekt zu sein oder Häuser zu bauen, die ewig stehen. Unsere Häuser und vieles mehr in unserem Leben bleibt unfertig und unvollkommen wie eine Baustelle. Manches, wovon wir träumten, haben wir nicht erreicht. Wir schließen Kompromisse. Mit manchen Konflikten müssen wir leben, weil es keine Lösung gibt. Wir stoßen an Grenzen. Zum Beispiel unser Körper zeigt uns Grenzen. Wir müssen Einschränkungen und Rückschritte hinnehmen. Vollkommen ist weder unser Haus, noch unser Lebenshaus. Es muss immer wieder renoviert, gestützt, gestärkt, „konfirmiert“ werden.
Paulus vergleicht unser irdisches Haus, unser Leben mit einem Zelt – Luther übersetzt „Hütte“ – da steht Zelt. Ein paar Stangen, Planen, Stricke – die muss man immer wieder neu verankern gegen den Wind und den Regen – ein Zelt fällt im Sturm in sich zusammen – ein Zelt kann leicht abgebrochen und weggebracht werden. So ist unser Leben.
So erlebt Paulus sein eigenes Schicksal. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Er fühlt sich verbraucht und erschöpft. Er hat schon so viel Enttäuschungen, Angriffe, Rückschläge und Prügel einstecken müssen. Paulus ist krank oder behindert – er deutet es nur an. Sein Lebenshaus ist nicht perfekt. Es hat Risse und Schäden. Es ist zerbrechlich wie ein leichtes Zelt. Trotzdem ist Paulus keineswegs resigniert. Seine Kräfte nehmen ab.
Aber er sagt: Davon lasse ich mich nicht klein kriegen. „Wir werden nicht müde.“ Denn Paulus erlebt gleichzeitig eine ganz andere, gegensätzliche Entwicklung. Er schreibt: „wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert – gleichzeitig wird das, was ich zukünftig sein werde, auf unsichtbare Weise schon jetzt ganz neu in mir begründet und wächst mit jedem neuen Tag.“ Paulus erlebt in sich ein Wachstum, ein Neu- und Starkwerden, eine Hoffnung. Je schwächer er äußerlich wird, desto offener wird er für das Neue, das Gott ihm schenkt und das Jesus in ihm wirkt. Er ist immer enger mit Jesus verbunden. So kann er sagen, er sei  in Jesus Christus. Wenige Verse nach unserem Textabschnitt steht: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
In Christus und das heißt von Ostern her wird alles neu. Von Ostern her gewinnt das Leben. Wir stöhnen noch unter der Last der Vergänglichkeit. Wir erschrecken noch vor dem Tod und haben Angst vor Abschied, Leid und Schmerzen. Paulus aber schreibt: Unsere Trübsal, unsere Bedrängnis wiegt leicht – viel schwerer ist die unfassbare Fülle ewiger Herrlichkeit, die Gott uns schenkt.
Stellen Sie sich vor: Da sitzen Tod und Leben auf einer Wippe. Der Tod macht sich breit mit all seiner düstern Last und lässt grinsend das Leben in der Luft zappeln. Aber das Leben wird schwer und schwerer. Und der dürre Tod wird durch die Luft geschleudert. Das ist unsere Hoffnung seit Ostern: Das Leben hat das größere Gewicht. Es besiegt den Tod. Gott hat schon entschieden: Für das Leben.
Dreimal steht in unserem Text das Wort ewig. Wir können allenfalls ahnen, was ewig und Ewigkeit bedeuten mag. Ewig ist größer, wie eine andere Dimension. Jesus gibt uns die Hoffnung auf ewiges Leben. Der Glaube ist schon berührt von der Ewigkeit Gottes. Gottes Ewigkeit umgibt unser zerbrechliches Lebenshaus. Sie scheint in unser Leben hinein. Paulus erfährt Tag für Tag, dass Gott ihn aufbaut, dass das Leben schwerer wiegt.
Und er hofft auf das ewige Haus, von Gott erbaut, nicht mit Händen gemacht. Unser Lebenshaus gleicht einer Baustelle. Manches ist nicht fertig oder gehörte schon längst renoviert. Und doch fällt in die Zimmer ein herrliches wunderbares Licht. Gottes Ewigkeit umgibt unser Leben.
Wir können das Unfertige und Unvollkommene stehen lassen, den Karrierewunsch, der sich nicht erfüllt hat, den Traum, der ein Traum blieb, die Belastung, das Zerbrechen von Beziehungen, etwas, was unser Leben einschränkt. Gottes Ewigkeit umgibt unser Leben. Schon als Gott uns schuf, zeigte die Waage auf Leben. Er hat sich für uns entschieden.
Wir können frei sein von der Angst Leben zu verpassen, frei von der Angst zu kurz zu kommen, frei von der Angst um uns selbst. Gott schenkt uns ein Ahnen von Ewigkeit, Licht, das in unser Lebenshaus fällt. In der Liebe, die uns bewegt, in allem, was wir liebevoll tun, erfahren wir, was Ziel und Sinn unseres Lebens ist.„Wir haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.“

Der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen