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Predigt zu Jes 2,1-5 Andreas Hansen 21.7.24

So viel Glauben und Hoffnung richtet sich auf Jerusalem, auf den Zion. Hier war der Tempel, die geistliche Mitte des Volkes Gottes. Hier, an den Resten der Tempelmauer beten Juden noch heute voll Inbrunst. Oben, auf dem Tempelberg steht eines der wichtigsten Heiligtümer der Muslime und nicht weit davon ist auch der Ort, wo Jesus am Kreuz starb und die Grabeskirche. Ein Ort, aufgeladen mit Bedeutung, ein Ort, um den es Kriege und Kreuzzüge gab und gibt.

Hören wir, welche Hoffnung Jesaja mit dem Zion und mit Jerusalem verbindet: Jes 2
In einer Vision sah Jesaja, der Sohn des Amoz, wie es Juda und Jerusalem ergehen wird: Es werden Tage kommen, da steht der Berg mit dem Haus des Herrn felsenfest. Er ist der höchste Berg und überragt alle Hügel. Dann werden alle Völker zu ihm strömen. Viele Völker machen sich auf den Weg und sagen: »Auf, lasst uns hinaufziehen zum Berg des Herrn, zum Haus, in dem der Gott Jakobs wohnt! Er soll uns seine Wege lehren. Dann können wir seinen Pfaden folgen.« Denn von Zion her kommt Weisung, das Wort des Herrn geht von Jerusalem aus. Er sorgt für Recht unter den Völkern. Er schlichtet Streit zwischen mächtigen Staaten. Dann werden sie Pflugscha-ren schmieden aus den Klingen ihrer Schwerter. Und sie werden Winzermesser herstellen aus den Eisenspitzen ihrer Lanzen. Dann wird es kein einziges Volk mehr geben, das sein Schwert gegen ein anderes richtet. Niemand wird mehr für den Krieg ausgebildet. Auf, ihr Nachkommen Jakobs, lasst uns schon jetzt im Licht des Herrn leben!

Was für eine Hoffnung! Der Krieg wird verlernt, weil alle nur noch Frieden lernen, weil alle zu Gott kommen und seiner gerechten Weisung folgen. Was für eine wunderbare Hoffnung!
Aber ist das wahr? Dürfen wir so hoffen, oder machen wir uns etwas vor? Streit und Krieg überall in der Welt. Kriege in Syrien, im Sudan, im Jemen, in der Ukraine – es hört nicht auf. Krieg auch in Israel, dem Land der Heiligen Schrift. Seit Putins Überfall auf die Ukraine denken auch friedensbewegte Menschen hierzulande um. Sie befürworten die Unterstützung der Ukraine mit Waffen, Aufrüstung, mehr Waffen, mehr Soldaten auch bei uns.
In unserer Kirche und in unserer Gemeinde stehen zwei Positionen unvereinbar einander gegenüber. Die einen sagen: Jesajas Worte sind ein Auftrag an die Menschen, alle Waffen niederzulegen. Wenn wir Jesus folgen, dürfen wir uns nicht mit Gewalt wehren. Lieber lassen wir uns Unrecht antun, als selbst Unrecht zu begehen.
Die anderen sagen, und zu ihnen tendiere auch ich: Wir dürfen nicht Unrecht und Gewalt geschehen lassen. Wir müssen die Ukraine auch mit Waffen unterstützen. Und wir müssen uns selbst, unser Land, Demokratie, Recht und Freiheit schützen. Um des Friedens willen müssen wir jetzt „kriegstüchtig“ werden, wie Pistorius sagt. Das ist schlimm und gefährlich und doch nötig.
Wie sind dann Jesajas Worte zu verstehen?

Es werden Tage kommen, da steht der Berg mit dem Haus des Herrn felsenfest. Ausgerechnet Jerusalem! Die Stadt war immer wieder und sie ist auch heute umstritten und hart umkämpft.
Wer die Hebräische Bibel aufschlägt, findet Jesaja direkt nach den Königsbüchern. Am Schluss von 2. Könige steht die Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Babylonier 586 vor Chr. Dann folgt Jesaja wie eine Antwort von Gott auf Krieg und Verwüstung. Jesaja setzt mit heftiger Kritik an Unrecht und Abwendung von Gott ein. Wie konnte die treue Stadt nur zur Hure werden? (1,21) und die Mächtigen beschimpft er als Sodom und Gomorra (1,10).
Aber dann folgt die Verheißung für Zion. Viele Völker machen sich auf den Weg und sagen: „Auf, lasst uns hinaufziehen zum Berg des Herrn.“ Da suchen und finden sie Gottes Thora, seine Gerechtigkeit und seinen Frieden. Trotz allem, was Jesaja anklagen muss, verkündet er Gottes Heil. Obwohl die Stadt und der Tempel in Trümmern liegen, ist sie der Ort der Hoffnung. Krieg und Gewalt behalten nicht das letzte Wort.
Nach der Katastrophe des 2. Weltkrieges waren sich viele einig: das wollen wir nie wieder, und sie gründeten die UNO. Man muss beklagen, wie schwach und blockiert die Vereinten Nationen heute sind. Aber es gibt keine Alternative dazu, dass sich alle Völker verständigen und miteinan-der zur Lösung der Probleme unseres Planeten wirken. Es muss und wird eine Verständigung geben unter denen, die heute Feinde sind.
Es wird eine Zeit nach dem Krieg kommen.
Es werden Tage kommen – wann, so fragen wir.
Wann endlich wird das Zerstören und der Hass, die Lügen und die Feindschaft aufhören?
Jesaja sagt uns Gottes Wort: Es werden Tage kommen – vertraut darauf! Mitten in einer Welt voll Krieg feiern wir schon jetzt den Frieden Gottes und wir hören nicht auf um Frieden zu beten.
Und wenn wir jetzt Waffen schmieden und auch einsetzen, dann wissen wir, dass wir uns schuldig machen und dass es nicht dabei bleiben kann. Es muss und wird eine Zeit nach den Waffen geben. Keine und keiner kann sich jetzt heraushalten und frei von Schuld bleiben. Keine und keiner wird dem Anspruch Gottes gerecht. Und doch verheißt uns Gott Frieden – wunderbar!

In Jesajas Worten höre ich auch, wie eng Frieden und Gerechtigkeit zusammenhängen. Die Völker kommen zum Zion, weil das Wort des Herrn von Jerusalem ausgeht. Frieden wird es geben, wenn wir auf Gott hören, wenn wir Gott achten und jeden Mitmenschen und auch Gottes Schöpfung achten. Wir sind dann schnell dabei, auf andere zu zeigen: „Die Mächtigen, die Kriegstreiber, die großen Umweltsünder, ich doch nicht!“ Und wir sind schnell dabei, es uns bequem zu machen: „Was können wir schon tun! Es wird doch alles immer schlimmer!“
Jesaja aber rüttelt an unserer bequemen Selbstgerechtigkeit und auch an der bequemen Resignation. Auf, lasst uns schon jetzt im Licht des Herrn leben! Wie die Völker einander zurufen: Auf, gehen wir zum Berg Gottes!, wann immer das sein wird, die kommenden Tage, so drängt uns Jesaja schon jetzt: Auf! Bleibt nicht sitzen in eurer Klage! Bleibt nicht stehen in eurem Unrecht! Auf, kehrt um zum Gott des Friedens und der Gerechtigkeit! Lebt schon jetzt in seinem Licht!
Amen

Gottesdienst zur Vernissage der Kunstausstellung mit Predigt 2.Kor 4,6-10 Andreas Hansen

Orgelvorspiel
Lied 390 Erneure mich, o ewigs Licht
Votum
Gruß
Der 2.Sonntag nach Ostern heißt traditionell Sonntag vom guten Hirten. Wir haben in Kenzingen noch eine andere Tradition und eröffnen an diesem Sonntag die Kunst-Ausstellung. Willkommen zu diesem besonderen Gottesdienst, besonders Ihnen, Herr Mauthe.
Wir beten Psalm 80 … nach dem Psalm singen wir aus dem blauen Liederbuch Nr 59 Im Dunkel unsrer Nacht

Ps 80, Übertragung Huub Osterhuis, KV: Gem

Hirte der ganzen Erde, höre.
Du, der du uns beisammenhältst und anführst,
erschein uns, sei unser Sichtbarer.
Lass unsere Augen deine Herrlichkeit sehen.
Fahr fort, uns zu befreien.

Lass dies nun der Wendepunkt sein:
dass wir suchen deine Augen,
dass du suchst unser Gesicht.

Du von Legionen Engeln:
Wendest du dich ab, beleidigt,
versteckst du dich in Wolken und Nebel?

Tränenbrot habe ich gegessen,
Tränenbecher getrunken.

Feinde lachen uns aus.
Die Nachbarn haben genug davon.

Lass dies nun der Wendepunkt sein:
dass wir suchen deine Augen,
dass du suchst unser Gesicht.

Da war in Ägypten ein Weinstock.
Den hast du ausgegraben
mit eigner Hand.
Andere Völker hast du vertrieben,
um ihn zu pflanzen, hier.
Du hast für ihn den Boden gelockert,
dass er wurzeln konnte
und blühen überall hin.
Sein Schatten fällt über die Berge,
seine Ranke umranken die Zedern –
seine Äste ragen zum blauen Meer,
seine Zweige zum großen Fluss.

Warum wurde seine Umzäunung zerstört?
Dass der, der vorbeikommt, in plündert,
wilde Schweine ihn fressen?

Lass dies nun der Wendepunkt sein:
dass wir suchen deine Augen,
dass du suchst unser Gesicht.

Schau nieder vom Himmel und tu was,
dass dein Weinstock erblühe,
der Steckling, den du gepflanzt hast,
den du wie ein Kind gehegt hast.
Mach voran, uns zu befreien.

Lass dies nun der Wendepunkt sein:
dass wir suchen deine Augen,
dass du suchst unser Gesicht.

Liedruf Neue Lieder 59 Im Dunkel unsrer Nacht

Du, Gott, Vater und Mutter.
Wir suchen nach Ermutigung und Trost.
Was wir in der Welt sehen, erschreckt uns,
Gewalt und Unrecht.
Wehre den Unmenschen, die sich nicht kümmern
um das Leid, das sie anrichten.
Wehre uns, wenn wir rücksichtslos
über unsere Mitmenschen
und über deine Schöpfung hinweggehen.
Du, Gott, weichst nicht aus.
Du bist an den düstersten Orten,
im ausweglosen Leid,
bei den Opfern von Gewalt.
Du stirbst am Kreuz, und du lebst.
In dieser Zeit mit all ihren Schrecken
feiern wir dich, du Gott des Lebens.
Amen

Liedruf NL 59

Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß.
Ein Scherbenhaufen, das bin ich!

(Ps 31,13)

„Was fühlen Sie bei dem Bild?“,
so fragten Sie uns, Herr Mauthe, als ich Ihr Bild zum ersten Mal sah – das war am 24. Oktober.
Es war Ihr jüngstes Werk, wenige Tage vor unserem Treffen entstanden – um den 7.10. 2023.
Ich sehe das Bild in unserer Zeit.
Ich sehe abwehrende Hände,
Schutz suchende Hände.
Ich empfinde eine Unruhe, ein Getrieben-Sein,
Angegriffen-Sein, Schmerz, Angst.
Ich sehe Wunden, getrocknetes Blut, Schrecken.

Ich empfinde aber auch Lebendigkeit,
sehe ein lichtes, hoffnungsvolles Gelb,
weiße Zeichen,
die Sinn und Geborgenheit verheißen,
etwas, das sich dem Schrecken entgegenstellt,
Zeichen für einen guten Weg.

Musik

Ich begegne dem Bild jetzt in unserer Kirche
und denke an das Zeichen über unserer Kirchentür, das Wappen des Franziskus, seine Hand und die Hand Christi, seine Annäherung an den leidenden Christus, wie umgekehrt Christus sich ganz auf das Leid der Welt einlässt, ihren Schmerz erträgt
und bei den Leidenden ist.
Vor 365 Jahren haben sie an unserer Kirche gebaut.
Versetzen wir uns in die Zeit damals:

„Steine bringe ich. Steine für Kenzingen. Schwer ist mein Wagen. Jedes Mal habe ich Sorge, ob ich es über die Elz schaffe. Aber es ist gut Steine hierher zu bringen. Steine aus einem Ort, der wüst daliegt – kaum erinnert dort noch etwas an das Leben. Steine von der Kirche in Nidingen für eine neue Kirche in Kenzingen. Völlig verwüstet war auch unsere Stadt bis vor kurzem. Nach dem großen Brand stand kaum noch ein Haus. Fast alle waren tot oder geflohen, vor Hunger, Gewalt und Tod.
Wir fragten: Kann hier je wieder Leben sein?
Wir fragten: Wo ist Gott?
Aber jetzt bringe ich Steine, Steine für die Mönche.
Sie haben einen Baumeister, einen Zimmermann, Mönche auf der Baustelle. Und sie haben einen Plan für eine neue Kirche, einen guten Ort.
Ich habe gesehen, woran der Steinmetz gerade arbeitet, ein Schlussstein für das Eingangsportal.
Das Wappen von Franziskus. Christus ist uns nah in all dem Elend unserer Zeit. Gott ist hier.
Es muss wieder Frieden geben.
Wir werden in Frieden leben.“

Liedruf Neue Lieder 11 Christus, dein Licht

Wir hören 2. Korinther 4, 6-10, Paulus schreibt:
Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«, der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen.
Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz
wie zerbrechliche Gefäße, denn es soll deutlich werden, dass die alles überragende Kraft,
die in unserem Leben wirksam ist, Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt.
Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein, und doch werden wir nicht erdrückt.
Oft wissen wir nicht mehr weiter,
und doch verzweifeln wir nicht.
Wir werden verfolgt und sind doch nicht verlassen; wir werden zu Boden geworfen
und kommen doch nicht um.
Auf Schritt und Tritt erfahren wir am eigenen Leib, was es heißt, am Sterben Jesu teilzuhaben.
Aber gerade auf diese Weise soll auch sichtbar werden, dass wir schon jetzt, in unserem irdischen Dasein, am Leben des auferstandenen Jesus teilhaben.

Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß, klagt die Beterin oder der Beter im Psalm (Ps 31,13).
Paulus hat Verfolgung, Unglück, Krankheit und Leid erfahren. Von allen Seiten dringen Schwierig-
keiten auf uns ein. Wir werden zu Boden gewor-fen. Erst im Rückblick kann er sehen, dass es doch weiterging, als er nicht mehr weiterwusste. Im Dunkel seiner Nacht begegnet er Jesus, der das Dunkel teilt. Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß und sehe auf den zerschlagenen Herrn am Kreuz. Wir wollen das Dunkel und die Menschen im Dunkel wahrnehmen, nicht vertrösten, nicht vertuschen. Wir wollen und sollen wach sein und sehen, was in unserer Zeit geschieht. Klage, Ungeduld, Enttäuschung, Wut – nichts muss verschwiegen werden. Gott hat unser Dunkel geteilt. Trotz Krieg und obwohl viele die Hoffnung auf Versöhnung verlieren, beten und bitten wir weiter um Frieden.
Wir hoffen: es bleibt nicht finster.
Im Dunkel unsrer Nacht entzündet Gott das Feuer.
Gott, der Schöpfer, hat gesagt: Licht soll aufstrahlen. Er lässt es in unseren Herzen hell werden. Wir erkennen seine Herrlichkeit in Jesus Christus. Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz wie zerbrechliche Gefäße

Ein Schatz in irdenen Gefäßen, eine große Spannung. Wir erschrecken über unsere Grenzen und halten uns doch an der Hoffnung fest.
Wir sind frustriert, aber wir resignieren nicht.
Wir sind angegriffen, aber wir spüren, dass Gott bei uns ist.
Wir sind erschöpft und bekommen doch Kraft.
Paulus spricht von einer Kraft, die sogar den Tod überwindet. In ihm ist eine große, mächtige Kraft – er beherrscht sie nicht, aber sie erhält ihn.
Mitten in Misserfolg und Scheitern gibt Gott die Kraft nicht aufzugeben, einen neuen Versuch zu wagen.
Mitten in verletzenden Angriffen gibt Gott die Kraft einen friedlichen Weg zu suchen.
Mitten in Krankheit und Leid gibt Gott die
Kraft zu vertrauen und einander liebevoll beizustehen.
Mitten im Sterben und Trauer schenkt Gott
uns die Hoffnung auf Leben.
Gerade dann ist Jesus ganz nah bei uns.

Das leuchtende helle Gelb auf Ihrem Bild ist für mich ein Hoffnungszeichen. Gott lässt es in unseren Herzen hell werden – trotz allem.
Keine Macht der Welt kann uns trennen von der Liebe Gottes. Und so lese ich auch die weißen Zeichen – sie verbergen das Dunkle nicht, aber erscheinen wie ein guter hoffnungsvoller Plan.
Wir sind verbunden mit Jesus am Ostermorgen.
Er trägt noch die Wundmale, aber er lebt und wir sollen leben.
Amen

EG 410 Christus, das Licht der Welt

Sie konnten wieder aufbauen, was so verwüstet war,
dass niemand sich einen Neuanfang vorstellen konnte.
Du hast Menschen die Kraft dazu gegeben, Gott,
nach Krieg und Zerstörung neues Leben,
nach furchtbarer Gewalt dennoch Versöhnung,
nach besinnungslosem Hass dennoch Frieden.
Darauf warten und hoffen wir auch jetzt
für Israel, für die Geiseln und ihre Angehörigen,
für die Menschen in Gaza,
für die Ukraine,
für den Sudan.
Bringe Licht in unsere Dunkelheit,
Hilfe für die Menschen in Not und Elend.
Wehre den Gewalttätern,
stärke die, die sich für Frieden einsetzen.

Wir bitten dich für die Menschen, die sich fühlen wie zerbrochen. Hilf ihnen wieder auf, schenk ihnen Hoffnung und Mut und die Gewissheit: Du bist bei uns.

Wir bitten für unsere Kranken,
für die, die gerade Schweres zu verkraften haben,
für die Überforderten und für die Verzweifelten.
Wir bitten für unsere Kinder und Enkel, für unsere Konfis in den letzten Wochen vor der Konfirmation, für die Kinder in Kindergarten und Schule.
Wir bitten für unsere Eltern und Großeltern, für die Alten,
für die, die spüren, wie ihre Kräfte abnehmen, für die, die allein sind.

Wir bitten dich für unsere Gemeinde und deine Kirche, dass wir dein Licht bezeugen, dass Menschen hier Gemeinschaft und Hoffnung erfahren.
Bewahre uns, du Gott des Lebens.

Vaterunser

EG 564, 1+2 Christus ist auferstanden

Segen
Orgelnachspiel

Predigt über Mk 4,26-29 und Gottesdienst am 4.2.24

EG 197 Herr, öffne mir die Herzenstür
Votum
Gruß

Gott, dein Wort ist eine Leuchte für meinen Fuß
und ein helles Licht auf meinem Lebensweg.

Neue Lieder 147 Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

Du treuer Gott, auf dich ist Verlass.
Niemals machst du leere Versprechen.
Dein Wort gibt uns Trost und Gewissheit.
Du sprichst uns an.
Du zeigst uns den Weg.
Mach uns bereit auf dich zu hören.

Du weißt, wie oft wir abgelenkt sind.
Vieles dringt auf uns ein.
Viele Stimmen verlangen Gehör.
Der Lärm in uns ist groß.
Mach uns bereit dir von Herzen zu vertrauen.
Du kennst unsere Sorgen, Probleme lassen uns nicht los, wir kreisen um uns selbst.
Gib uns Weisheit für das, was wirklich zählt.
Hilf uns gerecht und gut zu leben.
Sei bei uns Gott, in deinem Geist.
Mach uns bereit deinem Gebot zu folgen.

Gott, dein Wort ist eine Leuchte für meinen Fuß
und ein helles Licht auf meinem Lebensweg.

NL 147 Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

Lesung Jesaja 55,6-11:
Sucht den Herrn, jetzt ist er zu finden!
Ruft zu ihm, jetzt ist er nahe!
Der Frevler soll seinen Lebensweg ändern!
Wer Böses im Sinn hat, soll seine Pläne ändern
und zum Herrn, unserem Gott zurückkehren!
Der wird Erbarmen mit ihm haben
und ihm reichlich Vergebung schenken.
So lautet der Ausspruch des Herrn:
Meine Pläne sind anders als eure Pläne
und meine Wege anders als eure Wege.
Wie weit entfernt ist doch der Himmel von der Erde!
So fern sind meine Wege von euren Wegen
und meine Pläne von euren Plänen.
Regen oder Schnee fällt vom Himmel und kehrt nicht dahin zurück, ohne die Erde zu befeuchten. So lässt er die Pflanzen keimen und wachsen. Er versorgt den Sämann mit Samen und die Menschen mit Brot.
So ist es auch mit dem Wort, das von mir ausgeht:
Es kehrt nicht wirkungslos zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will. Was ich ihm aufgetragen habe, gelingt ihm.

Dank sei dir, Gott, für das Wort des Lebens. Amen

Credo 022

NL 158 Ich sage ja

Wenn Jesus erzählt, hören die Leute gespannt zu. So muss es gewesen sein. In Scharen kommen die Menschen um Jesus zu hören.
Sie vergessen alles, wenn er erzählt. Sie sehen Bilder vor sich, Bilder vom Reich Gottes, vom Himmel. Hören Sie! Sehen Sie! Markus 4,26-29:

Danach sagte Jesus: »Mit dem Reich Gottes ist es wie bei einem Bauern. Er streut die Körner auf das Land, dann legt er sich schlafen und steht wieder auf – tagaus, tagein. Die Saat geht auf und wächst – aber der Bauer weiß nicht, wie das geschieht. Ganz von selbst bringt die Erde die Frucht hervor. Zuerst den Halm, dann die Ähre und zuletzt den reifen Weizen in der Ähre. Wenn das Getreide reif ist, schickt er sofort die Erntearbeiter los, denn die Erntezeit ist da.«

Zuerst sehe ich ein Weizenfeld vor mir, volle reife Ähren. Dort, wo vorher kahle, gepflügte Felder waren mit groben, schweren Erdklumpen, da wogt jetzt ein Weizenfeld und leuchtet in der Sonne. Die meisten können sich damals nur Gerstenbrot leisten. Weizenbrot ist Luxus.
Gottes Reich ist schön wie Weizen, ein Fest.

Dann fällt mir ein Bilderbuch ein. Meine Tochter hat wie ich ein Faible für Bilderbücher. Dieses Buch hat sie gefunden und mir geschenkt. „Die große Frage“ von Wolf Erlbruch. Die Frage lautet: „Warum bin ich auf der Welt?“. Ich muss bei dem, was Jesus erzählt, gleich an dieses Bild denken: „sagt der Gärtner: Um Geduld zu haben, bist du auf der Welt.“ Ist er nicht herrlich, der Gärtner, wie er sich auf seine Schaufel stützt, sich vielleicht einfach die Sonne auf den Rücken scheinen lässt und ganz entspannt wartet.

Ohne Zutun des Bauern geht die Saat auf und wächst – automatä steht da im griechischen Text, von selbst. Von selbst wächst das Reich Gottes.
Der schlafende Bauer ist provozierend, schon damals, heute umso mehr, wenn Bauern über 14-Stunden-Tage und 7-Tage-Wochen reden. Kommt es wirklich von selbst, das Reich Gottes?
Und ein drittes Bild habe ich: Der schlafende Jesus. Wenige Verse nach dem Gleichnis berichtet Markus von dem Jüngern im Sturm. Ihr Boot droht unterzugehen und Jesus schläft hinten im Boot auf einem Kissen. Die Jünger sind in Panik: „Ist es denn die Möglichkeit! Wir gehen unter, und du schläfst!“ Jesus steht auf, ruft in den tobenden Sturm und es wird wie von selbst still. „Habt ihr immer noch keinen Glauben?“
Immer hat sich die Kirche und haben sich Glaubende mit den Jüngern im Sturm identifi-ziert. So geht es uns, wenn die Probleme so riesengroß werden und wir glauben: wir gehen unter. Lässt Gott uns alleine? Hat Jesus es sich hinten im Boot bequem gemacht? Er sagt: „Ich bin bei euch. Vertraut mir! Es ist gut.“

Jesus erzählt vom Reich Gottes. Er ist überzeugt, ganz nah ist das Reich Gottes, der Himmel. Es ist schön, wie das Weizenfeld, wie ein Festmahl, wie Frieden und Gerechtigkeit, wie das Leben selbst. Von selbst geht die Saat auf und wächst und bringt Halm und Ähre hervor und am Ende steht ein herrliches Feld zu Ernte bereit.
Von selbst? Automatisch?
Stimmt ja gar nicht!
Die Bauern wissen genau, was im Boden und im Samenkorn geschieht. Sie analysieren den Boden und schaffen optimale Bedingungen. Sie pflügen, eggen, säen, düngen, bewässern, züchten die richtige Saat, schützen die Pflanzen vor Schädlingen. Dabei folgen sie den Richtlinien von Pflanzen. und Tierschutz, stellen die nötigen Anträge, kümmern sich um die Vermarktung – Von selbst geht da sehr wenig! Der gemütliche Gärtner ist ein Trugbild. Vieles macht den Bauern das Leben schwer. Sie protestieren bei uns und in vielen Ländern Europas gegen die Politik, die sie als bauernfeindlich beklagen. Der Klimawandel erschwert Jahr für Jahr ihre Arbeit. Wie soll das weitergehen?
Und wie den Bauern geht es vielen. Ohne viel Arbeit und Engagement geht es nirgends. IT-Fachleute, Handwerker, Ärztinnen, Lehrerinnen, Erzieherinnen, Pflegende, Polizisten – wo wir auch hinschauen, stehen Menschen unter Druck und haben das Gefühl: es geht nicht weiter.
Außerdem: Die Zeiten sind aufgewühlt. Bei vielen herrscht Krisenstimmung. Sie sehen Verderben und Unheil kommen. Wird sich die gute Saat behaupten gegen die, die Hass schüren und Ängste anfachen?
Jesus begegnet den Endzeitängsten seiner Zeit. Auch damals sind die Sorgen und der Druck riesig. Da spricht Jesus von der Saat, die von selbst wächst. Und da schläft er mitten im Sturm ruhig und voll Vertrauen.
Gottes Reich kommt.
Was Gott sagt, kommt ans Ziel.
Das steht fest für Jesus.
Jesus weiß wohl, der Bauer muss viel tun, bis der Weizen wächst und gedeiht. Er übertreibt mit Absicht: Ihr seid es nicht, die Gottes Reich schaffen. Wenn ihr an den Halmen zieht, wachsen sie nicht besser, sie verwelken.
Aber natürlich sollt ihr Steine wegschaffen, Unkraut hacken, bewässern.
Jesus weckt Hoffnung: „Gottes Reich kommt. Es ist ganz nah.“ Aber zugleich ruft Jesus zu Frieden und Gerechtigkeit: „Glaubt an das Evangelium und kehrt um!“
Die Hoffnung ist zugleich aktiv und passiv.
Vertrauen heißt nicht, die Hände in den Schoß legen und Unrecht einfach geschehen lassen.
Dietrich Bonhoeffer wehrte sich in der Zeit der Diktatur gegen eine vermeintlich fromme Ergebenheit und Passivität. Berühmt ist sein Satz: Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.
Wenn es Zeit ist, schickt der Bauer sofort die Erntearbeiter, damit das reife Korn nicht verdirbt.
Aktiv und passiv ist die Hoffnung.
Mit ganzem Herzen engagieren sich Menschen in ihrem Beruf, an ihrem Platz, als Bäuerin, als Arzt, in der Politik und wo auch immer. Wir erleben dabei neben viel Frust auch Erfolge und Sinn.
Wir legen die Hände nicht in den Schoß, aber wir wissen auch: Wir haben das Gelingen nicht in der Hand.
Gott sät guten Samen. Gott gibt die Erde, die Schöpfung, das Leben und das gute Ziel.
Was Gott sagt, wird geschehen.
Gottes Reich kommt.
Es ist an uns, zu hören und zu vertrauen.
Amen

NL 190 Schenke mir Gott ein hörendes Herz

Dein Reich komme. Wir nehmen Brot und Wein als Zeichen von dir und wir danken dir, dass dein Reich kommt, auch zu uns. Gib uns Geduld und Zuversicht, gib uns Mut und Geistesgegenwart für dein Reich unter uns.
Dein Reich komme, Herr, Frieden für die geplagte Welt, Hoffnung für alle, die nicht wissen, wie es weitergehen kann, Kraft für die, die unter großem Druck stehen, neuen Mut für die, die enttäuscht und müde sind.
Dein Reich komme auch durch uns, dass wir an unserem Platz erkennen und tun, was nötig ist, dass wir keinen Menschen übersehen und keinen missachten.
Wir danken dir für dein Wort, du unser Gott. Amen

Vaterunser

EG 198 Herr, dein Wort, die edle Gabe

Segen

Lukas 22,31-34.54-62 Predigt und Gottesdienst zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, Andreas Hansen

EG 617,1-3+6 Kommt herbei
Votum
Gruß

„Ruft ihm zu, der uns befreit“ – Gott befreit uns von menschenverachtenden Haltungen. Wir feiern diesen Gottesdienst im Gedenken an die Opfer des National-sozialismus. Noch immer ist unfassbar, was im Namen unseres Volkes und durch zahllose Deutsche geschah. Noch immer ist erschreckend, dass so viele das Unrecht bejaht haben oder gleichgültig blieben.
Mit dem Spruch „Nie wieder ist jetzt“ wird heute gegen Antisemitismus demonstriert, gegen Hass und Gewalt.
Wir gedenken der Opfer damals und wir bitten für heute,
dass wir wach genug sind und das Richtige tun.
Beten wir Psalm 143, einen Bußpsalm:

Herr, erhöre mein Gebet,
vernimm mein Flehen um deiner Treue willen,
erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen,
und geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht;
denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.
Denn der Feind verfolgt meine Seele
und schlägt mein Leben zu Boden,
er legt mich ins Finstere
wie die, die lange schon tot sind.
Und mein Geist ist in mir geängstet,
mein Herz ist erstarrt in meinem Leibe.
Ich gedenke an die früheren Zeiten;
ich sinne nach über all deine Taten
und spreche von den Werken deiner Hände.
Ich breite meine Hände aus zu dir,
meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.
Herr, erhöre mich bald, mein Geist vergeht;
verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
dass ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren.
Lass mich am Morgen hören deine Gnade;
denn ich hoffe auf dich.
Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll;
denn mich verlangt nach dir.
Errette mich, Herr, von meinen Feinden;
zu dir nehme ich meine Zuflucht.

Ehr sei dem Vater ..

»Nie wieder Auschwitz«, haben wir gesagt.
Wir haben es ernst gemeint.
Wir haben uns um angemessenes Erinnern bemüht.
Wir wollten besser sein als unsere Väter und Mütter.
Wir würden nicht wegsehen und schweigen.
Und jetzt?
Kyrie eleison, rufen wir. Gott, hab Erbarmen mit uns.
EG 178.12

Wir sind ratlos angesichts von so viel offenem Hass
auf jüdische Menschen in unserem Land und dem Hass, der sich auf Israel richtet.
Wir haben unterschätzt, welche Mächte und Gewalten am Werk sind, denen wir so wenig entgegensetzen können.
Kyrie eleison, rufen wir. Gott, hab Erbarmen mit uns.
EG 178.12

Gott, du weißt: wir täuschen uns über uns selbst.
Wir wollen die schmerzliche Wahrheit oft nicht sehen.
Wir nehmen Unrecht, das uns nicht selbst betrifft,
nicht ernst genug.
Hilf uns, dass wir umkehren!
Kyrie eleison, rufen wir. Gott, hab Erbarmen mit uns.
EG178.12

Die ihre Missetaten leugnen,
denen wirdʼs nicht gelingen;
die sie bekennen und umkehren,
die werden Barmherzigkeit erlangen.
(Sprüche 28,13)

EG 299,1-3 Aus tiefer Not

Barmherziger Gott.
Das Licht deiner Wahrheit
weckt aus Verzweiflung,
bringt verborgene Schuld an den Tag,
führt zum Widerspruch
gegen Menschenverachtung und Terror.
Breite unter uns
deine heilsame Klarheit aus.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert in Ewigkeit.
Amen.

Als Lesung hören wir auf Verse aus Psalm 22.
Ein Mensch klagt Gott sein schreckliches Leid.
Auch Jesus hat mit diesen Worten gebetet.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
»Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«
Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;
du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.
Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,
du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
…. mein Herz ist in meinem Leibe
wie zerschmolzenes Wachs.
Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe,
und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub.
… Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Amen

EG 235

Wir Christinnen und Christen können uns nicht neutral verhalten, wenn Menschen ausgegrenzt, verachtet, verfolgt oder Opfer brutaler Gewalt werden. Wir müssen uns an ihre Seite stellen.
In unserer Geschichte haben wir lange geschwie-gen zum Antisemitismus, ja Christen und christliche Theologen haben wesentlich zum Hass gegen Juden beigetragen.
Wir wollen umkehren.
Wir bereuen und bekennen, was geschehen ist. Und wir wehren uns heute gegen jede Form von Antisemitismus und völkischen Nationalismus.
Der Predigttext für den Gedenktag 27. Januar
sind in diesem Jahr Abschnitte in Lukas 22.
Jesus und seine Freunde sitzen zum letzten Mal zusammen. Sie sind in Jerusalem und feiern das Passahfest. Spannung liegt in der Luft: Was kommt jetzt? Was wird Jesus tun? Was wird aus uns? Jesus sagt:
»Simon, Simon! Sieh doch: Der Satan hat sich von Gott erbeten, euch durchzusieben wie den Weizen! Aber ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhört. Wenn du dann wieder zu mir zurückgekehrt bist, sollst du deine Brüder und Schwestern stärken.« Petrus entgegnete Jesus: »Herr! Ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen – ja, sogar mit dir zu sterben!« Aber Jesus erwiderte: »Das sage ich dir, Petrus: Noch bevor heute der Hahn kräht, wirst du dreimal abstreiten, dass du mich kennst.«
Später in dieser Nacht geschieht es
Die Männer nahmen Jesus fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohepriesters. Petrus folgte in einiger Entfernung. In der Mitte des Hofes brannte ein Feuer, um das sich einige Leute ver-sammelt hatten. Petrus setzte sich mitten unter sie. Ein Dienstmädchen sah Petrus dort im Schein des Feuers sitzen. Sie musterte ihn aufmerksam und sagte: »Der da war auch mit ihm zusammen!« Petrus stritt das ab und sagte: »Ich kenne ihn gar nicht, Frau!« Kurz darauf sah ihn jemand anderes und sagte: »Du gehörst auch zu denen!« Aber Petrus erwiderte: »Mensch, ich doch nicht!« Etwa eine Stunde später behauptete ein anderer: »Ganz bestimmt gehört er zu denen! Er kommt doch auch aus Galiläa.« Aber Petrus stritt es wieder ab: »Mensch, ich weiß überhaupt nicht, wovon du sprichst.« Im selben Moment, während er noch redete, krähte ein Hahn. Der Herr drehte sich um und blickte Petrus an. Da erinnerte sich Petrus an das, was der Herr zu ihm gesagt hatte: »Noch bevor heute der Hahn kräht, wirst du dreimal abstreiten, mich zu kennen.« Und Petrus lief hinaus und weinte bitterlich.

Simon ist zu hundert Prozent sicher, dass er immer zu Jesus halten wird. Schon wenige Stunden später streitet er ab, dass er zu Jesus gehört.
„Ich kenne ihn gar nicht.“ Fast wie von selbst kommen seine Antworten. Simon ist auf einmal ein anderer, von Angst beherrscht.
Dass er dazu fähig ist! Aber wer mag von sich behaupten, dass er unter großem Druck nicht doch seine Überzeugung über Bord wirft? Wer kann sagen: „Das würde mir nie passieren!“?
Ich hoffe, dass wir ein freies Land bleiben, dass wir nie genötigt werden die Wahrheit zu verleugnen, und dass wir nie Angst haben müssen zu sagen, was unsere Meinung ist.
Wer getraut sich heute in Russland die Wahrheit zu sagen? Und viele andere Länder setzen ihre Bürger unter immer mehr Druck. Viele Menschen sind „im Sieb des Satans“. Dies Bild benutzt Jesus. Sie werden geschüttelt und geprüft.

„Was wird aus uns?“, fragen sich die Jünger damals. Petrus weiß ja, dass Jesus in Gefahr ist.
Als Jesus dann verhaftet wird, laufen sie alle weg. Auch Petrus schleicht nur vorsichtig zum Haus des Hohepriesters. Schon beim ersten Verdacht, dass er zu Jesus gehört, leugnet er.
„Was wird aus uns?“, mussten sich Juden in Deutschland spätestens ab 1938 fragen. Ihre Nachbarn wollten nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Beim Friedhof steht der Gedenkstein für die 1940 nach Gurs verschleppten Juden. Die Mitbürger schauten weg, als das Unrecht geschah. Die Kirche hat bis auf wenige Ausnahmen geschwiegen.
Und heute fragen wieder Juden in Deutschland: Was wird aus uns in diesem Land? Müssen Juden heute in Deutschland Angst haben?
Was wird aus Israel? Die Hamas hat das Land so grausam überfallen und schießt weiter mit Raketen. Immer wieder wird Israel zum Beenden des Krieges aufgefordert, ohne zu erwähnen, dass die Hamas Israel auslöschen will und die Bevölkerung Gazas als Schutzschild benutzt. Der Krieg muss enden. Israel und Palästina, beide brauchen Sicherheit.
Die falsche Politik Israels ist kein Grund Juden anzugreifen.

Auf vielen Kirchtürmen erinnert der Hahn an Petrus. Wir haben keinen Grund selbstsicher zu verkünden: „Das wird uns nie passieren!“ Wir wollen unser Bestes versuchen und hoffen, dass wir, wenn es darauf ankommt, die Wahrheit sagen.
Wie Petrus hat die Kirche ihren Herrn verleugnet, als sie zur Verschleppung und zum Mord an Juden und vielen anderen geschwiegen hat.
In diesen Tagen hören wir von Fällen von sexualisierter Gewalt in unserer Kirche und Diakonie. Wieder hat die Kirche versagt.
Auf allen Ebenen müssen wir wachsamer sein, damit nicht wieder Unrecht geschieht. Wenn doch Menschen Gewalt erleiden, muss unsere Kirche zuerst das Leid der Betroffenen sehen.
Wie Petrus müssen wir die Wahrheit über uns ertragen.
Zum Glück haben die Evangelisten vom Versagen des Petrus erzählt und es nicht verschwiegen. Jesus betet für Simon Petrus, dass sein Glaube nicht aufhört. Jesus wartet auf Petrus, dass er umkehrt.
Als Petrus zum dritten Mal leugnet, dreht Jesus sich um und sieht ihn an. In diesem Moment erkennt Petrus, was er getan hat. Er erschrickt tief über sich selbst. Weinend läuft er davon.
Die Wahrheit schmerzt.
Jesus sieht ihn an. Ihre Blicke treffen sich.
Jesus wird geschlagen und später verurteilt
und gekreuzigt. Petrus rettet seine Haut.
Petrus weiß: Jesus hat sich umgewandt zu mir. Er hat mich angesehen. Jetzt kann ich die Wahrheit über mich ertragen. Ich kann umkehren zu den anderen und ihnen von mir und Jesus erzählen.
Jesus hat Simon Petrus nicht verurteilt
oder fallen gelassen. Jesus wendet sich uns zu.
Gottes Liebe ist größer als unser Herz.
Amen

Neue Lieder 170 Kreuz, auf das ich schaue

Gott, wir denken an die vielen, unfassbar vielen Toten, die im Nationalsozialismus ermordet worden sind.
Wir denken daran, was Verblendung, Hass, Rassismus,
Menschenverachtung angerichtet haben und auch heute anrichten, an die unvorstellbare Gewalt, die durch Deutsche und im Namen unseres Volkes geübt wurde.
Hilf uns wachsam zu sein, der Hetze und der Gewalt zu wehren und die zu schützen, die heute angegriffen werden.
Wir denken an so viele, die verletzt und untröstlich sind in Israel und Gaza. So viele Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt, die in Angst leben. Bring du Heilung und schenke allen neue Perspektiven. Stärke die, die sich einsetzen für Frieden zwischen Israelis und Palästinensern und wehre denen, die immer weiter Terror und Hass fördern und kein Interesse am Leid der Menschen haben.

Wir denken an die Not der Betroffenen von sexualisierter Gewalt. Hilf uns umzukehren, wachsam zu sein gegen ungute Machtstrukturen und Abhängigkeitsverhältnisse. Hilf uns, die Schwächen unserer Institution Kirche und unsere eigenen Fehler zu sehen und neu anzufangen.

Wir denken an unsere Kranken, an die, die Trauernden, an die von Sorge und Angst Geplagten. Nimm dich ihrer und unser aller an, Gott. Bewahre und behüte uns.

Vaterunser

EG 171 Bewahre uns, Gott

Segen

2.Könige 5, Predigt im Gottesdienst am 21.1.24, Andreas Hansen

Gottesdienst am 3.Sonntag nach Epiphanias 24

72,1-3+5 O Jesu Christe, wahres Licht
Votum
Gruß
Wir feiern Christus, das wahre Licht.
Wir hoffen, dass er uns und alle Menschen „erleuchtet“,
dass er Licht bringt, wo Orientierungslosigkeit herrscht.

Ps 33
Der Herr schaut vom Himmel
und sieht alle Menschenkinder.
Von seinem festen Thron sieht er auf alle,
die auf Erden wohnen.
Der ihnen allen das Herz geschaffen hat,
achtet auf alle ihre Werke.
Einem König hilft nicht seine große Macht;
ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft.
Rosse helfen auch nicht; da wäre man betrogen;
und ihre große Stärke errettet nicht.
Siehe, des Herrn Auge sieht auf alle, die ihn fürchten,
die auf seine Güte hoffen,
dass er ihre Seele errette vom Tode
und sie am Leben erhalte in Hungersnot.
Unsre Seele harrt auf den Herrn;
er ist uns Hilfe und Schild.
Denn unser Herz freut sich seiner,
und wir trauen auf seinen heiligen Namen.
Deine Güte, Herr, sei über uns,
wie wir auf dich hoffen.

Ehr sei dem Vater

Ursprung des Lichts, schöpferische Macht,
von deinem Atem leben alle Menschen,
von deinem Hauch umweht.
Unabweisbar bist du da –
wie der Sauerstoff in unseren Lungen.
So selbstverständlich bist du da,
dass wir handeln,
als wären wir aus uns selbst geboren.
Wir treten auf in deiner Schöpfung,
als wären wir nicht Geschöpfe deines Atems.
Lass uns spüren, dass du es bist,
der uns am Leben hält.
Erbarme dich unser.

Kyrie

Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und die Freude im Herzen erblühen.
Ehre sei Gott in der Höhe …

272 Ich lobe meinen Gott

Paulus schreibt an die Christen in Rom. Er will unbedingt dorthin und von Rom aus weiter bis ans Ende der damals bekannten Welt. Er geht in die Zentren und will Gemeinden gründen und stärken. Alle Menschen sollen das helle Licht des Evangeliums von Jesus Christus kennen lernen. Paulus geht dabei fast immer in jüdische Gemeinden, denn er ist Jude und versteht Jesus vom Alten Testament her. Paulus schreibt:

Denn ich schäme mich nicht für das Evangelium, die Gute Nachricht. Sie ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt – an erster Stelle die Juden, dann auch die Griechen.
Denn durch die Gute Nachricht wird Gottes Gerechtigkeit offenbar. Das geschieht aufgrund des Glaubens und führt zum Glauben.
So steht es schon in der Heiligen Schrift: »Aufgrund des Glaubens wird der Gerechte das Leben erlangen.«

Gelobt seist du, Gott, für das Evangelium,
die Kraft, die uns selig macht und uns rettet.
Halleluja

Credo

Neue Lieder 190 Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz

Wenn ein ganz Großer stirbt, wird er noch einmal gefeiert, Franz Beckenbauer, der Kaiser, oder Wolfgang Schäuble, der große Staatsmann.
Neben ihnen sehen andere winzig aus.
Wir haben keine Königin und keinen König, aber wir verehren die Großen, die Stars, manchmal auch die gekrönten Häupter.
Unser Predigttext erzählt von so einem Großen, eine schöne Geschichte im 2.Buch der Könige im AT, eine Geschichte von Großen und Kleinen.
Israel ist klein, ein Zwerg neben den mächtigen Nachbarn in Ägypten und im Norden, die das kleine Land dazwischen oft unterdrückt haben.
Aber Israel kennt den wahren, den einzigen Gott.
Ich lese Stück für Stück und erzähle dazu. 2.Kö 5:

Naaman war der Heerführer des Königs von Aram. Sein König schätzte ihn sehr und hielt große Stücke auf ihn. Denn der Herr hatte bewirkt, dass er für Aram siegreich war. Er war ein Kriegsheld, litt aber an Aussatz.

Naaman ist wörtlich „ein Mann des Angesichts“. Er darf dem syrischen König direkt ins Gesicht sehen und muss nicht gebeugt vor ihm stehen oder knien. Er ist ein Held, ein Star. Wichtige Siege hat General Naaman errungen – aber Naaman ist aussätzig. Mit einem Wort schrumpft der große Held auf ein menschliches Maß. Unter seiner Uniform juckt es ihn. Eine Schuppenflechte ist wohl gemeint, nicht eine tödliche Krankheit, aber man kann sich vorstellen, wie ihn das gequält hat.
Über Kranke lacht man nicht, aber ein klein wenig Schadenfreude über den Feind könnte in der Erzählung vielleicht doch mitschwingen.

Die Aramäer überfielen das Land Israel immer wieder. Einmal hatten sie ein junges Mädchen verschleppt, das jetzt im Dienst von Naamans Frau stand. Dieses Mädchen sprach zu ihrer Herrin: »Ach, wäre mein Herr doch beim Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz heilen.«

Die Nachbarn werden überfallen um sich Sklaven zu besorgen. Wie ein wehrloses Mädchen vor einem Krieger, so steht das kleine Israel vor Aram, Syrien. Aber das kleine Mädchen weiß Bescheid.
Vielleicht hat sie gerade die feine Herrin gebadet und gesalbt, als die ihr anvertraut hat, dass die Haut ihres Mannes so eklig entzündet und schuppig ist. Die Krankheit macht ihr Angst und ihn plagt sie. Die Kleine sagt: Sie wüsste schon, wer helfen könnte. Mutig ist sie. Sie getraut sich einfach zu sagen, was sie glaubt.
Soll der berühmte Naaman auf die kleine Sklavin aus Israel hören? Kann er sich auf das einlassen, was sie glaubt? Er muss schon sehr verzweifelt sein, dass er es versucht.

Da ging Naaman zu seinem Herrn und König und berichtete ihm: »Das und das hat das Mädchen aus Israel gesagt.« Darauf sagte der König von Aram: »Geh dorthin! Ich werde dir ein Schreiben mitge-ben. Es ist für den König von Israel bestimmt.« Naaman ging los und nahm Geschenke mit: 340 Kilogramm Silber, 6000 Goldmünzen und zehn kostbare Kleider.

Naaman bittet seinen König um Krankenurlaub. Er will dem Rat eines feindlichen Sklavenmädchens folgen. Der König aber macht aus der Reise eine Staatsaktion. Er schreibt einen Befehl und lässt ein protziges Geschenk packen – man ist schließlich wer! Der mächtige König Syriens kennt Gott nicht. Er meint wohl, Israels König kann dem Propheten und damit Gott einfach Befehl erteilen. Er irrt sich.

So kam er zum König von Israel und übergab ihm das Schreiben. Darin stand: »Wenn du dieses Schreiben erhältst, weißt du: Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt, damit du ihn von seinem Aussatz heilst.« Als der König von Israel das Schreiben gelesen hatte, zerriss er seine Kleider. Er sagte: »Bin ich denn Gott? Kann ich töten oder lebendig machen? Da schickt dieser mir einen Mann, den ich vom Aussatz heilen soll! Merkt ihr es? Er sucht nur einen Anlass für Krieg!«
Elischa, der Gottesmann, hörte davon, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte. Deshalb schickte er eine Botschaft zum König: »Warum hast du deine Kleider zerrissen? Naaman soll zu mir kommen. Dann wird er erkennen, dass es in Israel einen Propheten gibt!«

Beinahe gibt es Krieg, weil der König von Syrien so ein Angeber ist und der König von Israel so voller Misstrauen. Wir fürchten zu Recht die Machthaber unserer Tage, die so von sich eingenommen sind, so verblendet von ihrer Macht.
Aber selbst der Größte hat keine Macht über Leben und Gesundheit. Der Israelit spricht es aus, aber er kommt nicht auf die Idee, den Propheten Gottes zu rufen. Elischa muss selbst auf ihn zu gehen.

So kam Naaman mit Pferden und Wagen zu Elischa und hielt vor der Tür seines Hauses. Elischa schickte einen Boten zu ihm hinaus: »Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird deine Haut gesund und du giltst wieder als rein.« Doch Naaman wurde zornig. Er wollte weggehen und sagte: »Ich dachte, er selbst kommt zu mir heraus und stellt sich vor mich hin. Dann ruft er den Namen des Herrn an, seines Gottes, erhebt seine Hände und betet in Richtung des heiligen Ortes. Und so heilt er mich vom Aussatz. Abana und Parpar, die Flüsse von Damaskus, sind die nicht viel besser als alle Gewässer Israels? Dann hätte ich mich gleich dort waschen können, um wieder gesund zu werden!« Voller Zorn drehte er sich weg und wollte gehen.

Was für eine Frechheit! Naaman platzt vor Zorn. Er bekommt den Gottesmann nicht einmal zu Gesicht. Er steht mit seinem prächtigen Gefolge vor Elischas Haus. Aber der schickt ihm sozusagen die Sprechstundenhilfe mit einem Rezept.
Dabei ist er doch ein Privatpatient von ganz besonderer Bedeutung. Für ihn müsste der Prophet alle Register seiner Kunst ziehen. Elischa aber ordnet ein Bad an. Naaman soll in den Jordan hinab steigen, ein trübes Rinnsal im Vergleich zu den Flüssen von Damaskus!

Da traten seine Diener an ihn heran und sagten zu ihm: »Herr, was wäre gewesen, wenn der Prophet etwas Großes von dir verlangt hätte? Hättest du es dann nicht getan? Doch er sagte nur: ›Wasch dich und du wirst gesund.‹ Warum tust du das dann nicht?« Also stieg er doch zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie es der Gottesmann gesagt hatte. Da wurde seine Haut gesund wie die Haut eines Kindes, und er galt wieder als rein.

Wieder sind die Diener klüger als Naaman und retten die Szene. Erstaunlich ist nur, dass der große Feldherr auf seine Diener hört.
Er steigt von seinem Wagen.
Er legt seine Waffen und seine Kleider ab.
Er zeigt seine kranke Haut. So stapft er zum Jordan hinunter und nimmt ein Bad.
Und tatsächlich: rein wie ein kleines Baby kommt Naaman aus dem Fluss. Nicht nur seine Haut ist geheilt und wie neu, der ganze Mensch hat eine Wandlung erlebt.

Darauf kehrte er wieder zum Gottesmann zurück, zusammen mit seinem ganzen Gefolge. Er trat vor ihn hin und sagte: »Nun weiß ich, dass es nirgendwo einen Gott gibt außer in Israel. Er ist der einzige Gott auf der ganzen Welt.

Dem syrischen Feldherrn wird viel zugemutet.
Er steht nicht mehr groß und unangreifbar da, sondern verletzlich und klein. Die Wahrheit wird Naaman zugemutet. Er lässt sich nur mühsam darauf ein. Schritt für Schritt muss er seinen Größenwahn loswerden.
So sind wir.
Wir wollen gerne groß dastehen und wir bilden uns gerne ein, dass wir mit eigener Kraft alle Probleme bewältigen.
Die Wahrheit ist, dass wir Gott brauchen.
Keinen Schritt könnten wir gehen ohne ihn.
Am Ende ist Naaman befreit. Er erkennt Gott.
Es ist nur ein Gott, der Ewige, der Einzige.
Naaman bekommt ein menschliches Maß.
Er sieht sich selbst vor Gott, er gibt Gott die Ehre und dankt für sein Leben.
Sehen wir uns selbst als Menschen vor Gott,
befreit von Größenwahn und Verzweiflung!
Gott schenkt uns unsere Gaben, unser Leben und unser Ziel.
Das kleine Israel darf den großen Gott verkündigen. Israel hat seinen Glauben nicht für sich allein.
Gott ist auch der Gott der Feinde.
Der syrische Heerführer lernt das erste Gebot.
Er lernt, sich in allem zuerst auf Gott zu verlassen,
nicht auf seine Waffen, nicht auf die Macht von Königen.
Worauf verlassen wir uns in dieser Zeit der vielen Krisen und Bedrohungen?
Worauf verlassen wir uns in den Zeiten von Erfolg und Glück und in Zeiten, wenn Not und Leid uns bedrängen?
Das kleine israelische Sklavenmädchen und der Prophet Elischa verlassen sich ganz auf Gott.
Beide haben sogar den Mut vor den Mächtigen den Mund aufzumachen und von ihrem Glauben zu erzählen.
Ich möchte den berühmt-berüchtigten Satz von Angela Merkel zitieren und ergänzen: Wir schaffen das mit Gottes Hilfe.
Mit Gottes Hilfe schaffen wir es, die Demokratie in unserem Land und in Europa zu verteidigen. Mit Gottes Hilfe schaffen wir Frieden und Versöhnung.
Auf Wunderheilungen setzen wir nicht, aber darauf, dass Gott immer und in allem bei uns ist.
Er schenkt uns das Leben und will uns segnen. Amen

Singen wir ein Lied aus Israel voll Hoffnung auf Frieden.
Neue Lieder 183 Nächstes Jahr, du wirst sehn

Menschen der Hoffnung sind wir durch dich, Christus, unser Bruder und unser Herr.
Wir hoffen auf Gerechtigkeit und bitten für alle, denen Unrecht geschieht, die unter Missachtung und Mobbing leiden, denen das Nötige zum Leben fehlt, die ausgebeutet werden, die sich nicht wehren können gegen Lügen.
Wir hoffen auf Frieden und bitten für alle, die unter Krieg und Gewalt leiden, die verletzt sind, die verwaist und hilflos sind, die ihre Wohnung verlieren und flüchten müssen.
Wir hoffen auf deinen Segen und bitten für die, die Unglück, Leid und Krankheit verkraften müssen,
die Schmerzen leiden, die traurig und allein sind.
Menschen der Hoffnung sind wir durch dich, Christus.
Wir hoffen auf sinnvolles, verantwortliches Handeln
für die Schöpfung, für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft, in unserer Stadt, im Kreis unserer Familie,
in deiner Kirche.
Lass uns leben und handeln aus der Hoffnung, die du uns schenkst. Behüte uns und unsere Lieben.

Vaterunser

171 Bewahre uns, Gott

Segen

Galater 4,4-7 Predigt im Christvespergottesdienst 23, Andreas Hansen

Ein Kind wird geboren und eine neue Zeit beginnt. Alles dreht sich ab jetzt um das Baby. Stolz werden Fotos vom Kind gezeigt. „Sieht sie nicht aus wie die Mama?“ Na, ich erkenne das nie. Die Eltern haben zu wenig Schlaf.
Die Geschwister sind erfreut oder verstört.
Die ganze Familie muss sich neu sortieren.

Ein Kind wird geboren, aber viele Kinder der Erde stehen schon bei ihrer Geburt auf der Seite der Verlierer, Neugeborene im Krieg, auf der Flucht, ohne Chance. Auch in unserem Land bekommen zu viele Kinder zu wenig Aufmerksamkeit – Pisa zeigt es wieder. Für viele Kinder ist keine neue Zeit in Sicht, das gleiche Elend immer weiter.

Wir feiern die Geburt des Kindes damals in Bethlehem. Der Gegensatz könnte nicht größer sein zwischen dem kläglichen Ereignis: in einer Notunterkunft geboren, ein Futtertrog als Bett, die Verhältnisse der Eltern nicht ganz klar,
und andrerseits der universalen Bedeutung: ein neues Zeitalter, das Himmel und Erde bewegt, jubelnde Engelscharen.

Wir feiern mit der Geburt Jesu eine neue Zeit,
die wirkliche Zeitenwende, denn nichts ist nachher mehr, wie es vorher war.
Die Familie Gottes sortiert sich neu.
Heute bekommen wir gesagt, wo wir hingehören.
Das Kind macht uns zu Kindern Gottes.
Wir feiern unseren eigenen Geburtstag als Christin und als Christ.
Den Predigttext für diese Christvesper gibt uns der Apostel Paulus. Lange vor den Evangelien schreibt er seine sehr knappe Version von Weihnachten: Als es an der Zeit war, sandte Gott seinen Sohn.
Er wurde von einer Frau geboren und lebte unter dem Maßstab des Gesetzes, um die freizukaufen, die auch unter dem Maßstab des Gesetzes lebten und um aus uns seine Kinder zu machen. Weil ihr nun seine Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt. Der ruft, wenn wir beten: „Abba, Vater!“
Du bist also kein Sklave mehr, sondern ein mündiges Kind. Wenn du aber Kind bist, dann bist du auch Erbe. Dazu hat Gott dich bestimmt.

(Galater 4, 4-7 übersetzt mit Hilfe der Übertragung von Klaus Berger und mit der Basisbibel)

Gott wird Mensch und eine neue Zeit beginnt.
Der Sohn Gottes macht uns zu Kindern Gottes.
Wir sind durch die Taufe mit Jesus verbunden.
Wir gehören zur Familie Gottes.
Paulus schreibt nicht über die Umstände der Geburt Jesu. Er erwähnt nicht einmal den Namen seiner Mutter.
Paulus ist nur wichtig, was Jesus für uns tut.
Wie wirkt sich Weihnachten für uns aus?
Gott macht uns ein kostbares Geschenk:
Jesus macht uns zu Gottes Kindern.
Gott schenkt uns einen großen Schatz an Vertrauen, Freiheit und Hoffnung.
Genau diese Gaben haben wir bitter nötig in dieser düsteren Zeit:
Vertrauen in aller Unsicherheit,
Freiheit statt Angst,
Hoffnung trotz der Sorgen.

Kinder Gottes haben wie Jesus ein tiefes Vertrauen zu Gott, eine enge Beziehung. Jesus nennt Gott „Abba, Papa.“ Er lebt im Gespräch mit Gott. Gott ist ihm täglich und immer nah. Zu seiner leiblichen Familie geht Jesus manchmal auf Distanz. Aber unbedingt verlässt er sich auf den Vater im Himmel.
Gott schenkt uns das Leben.
Gott ist für uns ein vertrautes Gegenüber.
Gott meint es gut mit uns. Auch in den schwersten Zeiten wissen wir: „Ich bin dein Kind, Gott, du liebst mich und hältst mich.“ Gottes Geist ruft in uns: „Abba, Vater!“

Kinder Gottes haben wie Jesus eine große Freiheit. Jesus geht auf Menschen zu, ohne Vorbehalte, ohne Scheu. Jesus nimmt die engen Vorstellungen seiner Zeit nicht ernst. Kinder und Frauen zählen für ihn. Er geht gerade zu denen, die ausgegrenzt werden, zu fragwürdigen Leuten. Das wichtigste Gebot ist für ihn Nächstenliebe.
Wir sind angenommen. Gott nimmt uns an. Wir müssen niemandem beweisen, dass wir gut sind. Menschen verurteilen einander. Die Welt ist zunehmend polarisiert, geteilt in Gruppen, die einander als Gegner ansehen. Jeder lebt in seiner Blase, misstraut den anderen, hat Angst vor ihnen, versteht sie nicht einmal.
Das haben wir nicht nötig. Jesus macht uns zu freien Menschen. Kinder Gottes sind frei andere anzunehmen, sie nicht zu verurteilen, sie nicht zu fürchten und nicht als Feinde zu sehen.

Kinder Gottes haben wie Jesus eine starke Hoffnung.
Jesus verkündet das Reich Gottes.
In einer Zeit großer Krisen, in Besatzung, Ausbeutung, Aufruhr und Terror setzt Jesus auf Gottes Gerechtigkeit und Frieden. In seinen Augen ist das Reich Gottes schon mitten unter uns und es wächst unaufhaltsam wie Weizen.
Mitten in Kriegsgeschrei, in Klage und Entsetzen hören wir die Botschaft des Weihnachtsengels, hoffen wir auf den Frieden Gottes. Was wir in den Nachrichten hören, ist schlimm, bedrängt uns. Aber dennoch beten wir um Frieden für die Welt und für Gottes Schöpfung. Gott gehört die Erde, nicht denen, die alles an sich reißen und über Leichen gehen. Wir trauen Gott zu, dass er uns Menschen zur Umkehr bewegt. Die Hoffnung treibt uns. Jeder kleine Schritt für Versöhnung und Frieden zählt.

Vertrauen – Freiheit – Hoffnung.
Ein Kind wird geboren und eine neue Zeit beginnt.
Jesus macht uns zu Gottes Kindern.
Das Vertrauen der Kinder trägt uns, was auch geschieht.
Die Freiheit der Kinder Gottes immunisiert uns gegen den Hass und gegen die Angst.
Die Hoffnung der Kinder Gottes treibt uns und lässt uns nicht resignieren
Einen großen Schatz schenkt uns Gott.
Nehmen wir sein Geschenk an! Amen

Predigt Röm 7,14-25a und Gottesdienst 5.11.23

Neue Lieder 158 Ich sage Ja
Votum
Gruß
„Eine Welt voll Hunger, Angst und Leid“, und
„trotz Hass, Gewalt und Menschenlist“ ist Gott uns
in Jesus zum Freund und zu Bruder geworden.
Wir kommen zu Gott, unserem Freund.
Wir bringen zu ihm das Elend der Welt
und auch das woran wir selbst leiden.
Wir tun das mit Psalm 143.

Herr, erhöre mein Gebet,
vernimm mein Flehen um deiner Treue willen,
erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen,
und geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht;
denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.
Denn der Feind verfolgt meine Seele
und schlägt mein Leben zu Boden,
er legt mich ins Finstere
wie die, die lange schon tot sind.
Und mein Geist ist in mir geängstet,
mein Herz ist erstarrt in meinem Leibe.
Ich gedenke an die früheren Zeiten;
ich sinne nach über all deine Taten
und spreche von den Werken deiner Hände.
Ich breite meine Hände aus zu dir,
meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.
Herr, erhöre mich bald, mein Geist vergeht;
verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
dass ich nicht gleich werde denen,
die in die Grube fahren.
Lass mich am Morgen hören deine Gnade;
denn ich hoffe auf dich.
Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll;
denn mich verlangt nach dir.
Errette mich, Herr, von meinen Feinden;
zu dir nehme ich meine Zuflucht.

Ehr sei dem Vater

Gott soll doch hören! Verzweifelt ruft die Beterin oder der Beter. Für Huub Oosterhuis ist der Feind in mir selbst. Er überträgt den Psalm:

Fordere mich nicht. Frag nichts.
Ich bin ein Verfolgter,
einen Feind hab ich in meiner Seele.,

der mich in einen dunklen Schrank tritt,
mein Geist ist ein sterbendes Pferd,
mein Herz ein Steinhaufen.

Es war einst ein Kind in mir.

Meine Brust leergeraubt,
meine Seele ein ausgetrockneter Fluss –
Ende vom Lied, Abstieg in die Grube.

Und nun, du, lass dich sehen,
morgens machst du mich früh wach
und wir gehen, ja?

Such ich dich vergebens?
Ist da ein Weg? Nein. Nein?
Schaffe den Feind aus mir fort.

Blas deinen Atem wieder in meine Lungen,
ström meine Seele wieder voll.

Amen

Du bist ein Gott, der mich sieht. So sagt Hagar, als sie in der Wüste, in größter Verzweiflung Gott begegnet. Du bist ein Gott, der mich sieht.

Neie Lieder 130 Du siehst mich

Zur heutigen Predigt über Römer 7, 14 ff gehört ein Lied aus der Reformationszeit von Martin Luther. Wir singen die ersten drei Strophen.

341,1-3 Nun freut euch lieben Christengmein

Freut euch! Lasst uns springen und tanzen!
Lasst uns singen von dem, was Gott an uns gewendet hat! Aber dann erzählt Luthers Lied so drastisch von Teufel, Sünde und Hölle, dass ich stocke. Ist das nicht finsteres Mittelalter?
Mensch Martin, wer glaubt das heute noch?
Wir reden heute nicht vom Teufel, und doch sind verteufelt böse Mächte in der Welt. Tag für Tag hören wir davon – es ist zu Verzweifeln – viele schalten aus, wenn Nachrichten kommen.
„Ich fiel auch immer tiefer drein – die Sünd hat mich besessen.“ Wie auf einer steilen schiefen Ebene rutscht der Mensch weg von Gott.
Das Böse in der Welt, das Verderben und auch die Angst ist leider nicht finsteres Mittelalter.
Wir erfahren es um uns und in uns.
Wir sind darin verstrickt.
Und es ist ein Widerspruch gegen Gott – Sünde.
Paulus spürt den Widerspruch gegen Gott.
Auch er spricht davon, dass die Sünde ihn zur Verzweiflung treibt, und auch er kann fröhlich über Gott jubeln: Gott sei Dank, der uns durch Jesus gerettet hat. Hören wir, wie Paulus schreibt:

Wir wissen ja: Das Gesetz ist vom Geist Gottes bestimmt. Ich dagegen bin als Mensch ganz von meiner menschlichen Natur bestimmt. Ich bin mit Haut und Haaren an die Sünde verkauft. Ja, wie ich handle, ist mir unbegreiflich. Denn ich tue nicht das, was ich eigentlich will. Sondern ich tue das, was ich verabscheue. Ich tue also das, was ich eigentlich nicht will. Das beweist: Ich stimme dem Gesetz innerlich zu und erkenne an, dass es recht hat. Aber dann bin nicht mehr ich es, der so handelt. Es handelt vielmehr die Sünde, die in mir wohnt. Ich weiß: So wie ich von Natur aus bin, wohnt in mir nichts Gutes. Der Wille zum Guten ist bei mir zwar vorhanden, aber nicht die Fähigkeit, es zu tun. Ich tue nicht das, was ich eigentlich will – das Gute. Sondern ich tue das, was ich nicht will – das Böse. Ich tue also das, was ich nicht will. Das bedeutet: Ich bin nicht mehr der Handelnde. Es ist vielmehr die Sünde, die in mir wohnt. Ich entdecke also bei mir folgende Gesetzmäßigkeit: Obwohl ich das Gute tun will, bringe ich nur Böses zustande. Meiner innersten Überzeugung nach stimme ich dem Gesetz Gottes mit Freude zu. Aber in meinen Gliedern nehme ich ein anderes Gesetz wahr. Es liegt im Streit mit dem Gesetz, dem ich mit meinem Verstand zustimme. Und dieses Gesetz macht mich zu seinem Gefangenen. Es ist das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern steckt. Ich unglücklicher Mensch! Mein ganzes Dasein ist dem Tod verfallen. Kann mich denn niemand davon befreien? Doch! Und dafür sei Gott Dank durch Jesus Christus, unseren Herrn!

„Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.“ Wenn es nicht so traurig wäre, wäre zum Lachen, was Ödön von Horvath sagt. „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.“
Eigentlich sind die sozialen Medien super, nur leider verbreiten sie weltweit Unwahrheiten und stacheln zum Hass auf.
Eigentlich ist es toll, wenn unsere Wirtschaft wächst, nur wissen wir ja, dass wir so der Natur und dem Klima schaden.
Eigentlich wollen wir Frieden, aber wir müssen uns doch wehren und heizen den Krieg weiter an.
Eigentlich liebe ich die Menschen, die mir nahe stehen – und doch handele ich manchmal rücksichtslos und verletzend gegen sie.
Ganz oft wissen wir das Gute und tun doch das Böse. Wir sind verstrickt in Schuld. Paulus schließt sich selbst und uns ein, wenn er sagt: die Sünde, der Widerspruch gegen Gott, ist geradezu ein Gesetz in uns, eine Macht die uns beherrscht:
die Gier immer mehr zu haben, der Egoismus, die Angst zu kurz zu kommen und in allem ein tiefer Unglaube: Wir wollen unser Leben selbst begründen. Wir wollen Gott gar nicht in unserem Leben. Und wir wollen uns gar nicht ändern, nicht das Gute tun, das wir doch erkennen. Sünde ist nicht die Praline zu viel oder der lüsterne Blick auf nackte Haut. Sünde ist der Riss zwischen uns und Gott. Paulus schaut auf sich selbst und ist wie gelähmt. „Ich komme nicht los von mir, von der Angst mich selbst zu verfehlen, von der Gier nach Erfolg und Anerkennung.“
Das gute Gesetz, die Gebote, die zum Leben führen sollen, ziehen ihn nur immer weiter herunter. Er spürt verzweifelt, wie es ihn von Gott weg treibt, wie gott-los er ist.
„Mein ganzes Dasein ist dem Tod verfallen.“
Singen wir weiter mit dem Lutherlied.

341,4-6

Eine neue Perspektive:
„Da jammert Gott mein Elend“.
Nicht mehr der Mensch starrt verzweifelt
auf sein Unvermögen.
Jetzt sieht Gott ihn an, Gott sei Dank.
Gott wendet sich uns zu.
„Er wandt zu mir das Vaterherz“
Gott sieht uns an wie ein lieber Vater sein Kind.
Gott sieht uns im Blick seiner Liebe.
Gott sieht auch unsere Sünde, den Riss.
Er sieht gestörte Beziehungen, verfehltes Leben, verlorenen Glauben, beschädigte Liebe.
Aber er nimmt es nicht hin, dass wir von ihm weg treiben, dass wir gefangen sind in der Sünde.
Gott kommt selbst zu uns in Jesus Christus.
Er selbst setzt sich dem Bösen, der Gewalt,
dem Unrecht aus.
So überwindet er die Macht der Sünde.
So heilt er den Riss zwischen uns und Gott.
Wir schauen auf Jesus.
Wir halten uns fest an ihm.
Jetzt wissen wir, wie liebevoll Gott uns ansieht, obwohl wir ihm so tief widersprechen.
Wir halten uns fest an Jesus.
Wir sind verbunden mit ihm.
Paulus kann schreiben: Wir sind in Christus,
und Christus ist in uns. Von Gottes Liebe kann uns keine Macht der Welt trennen.
Und Luther dichtet: Er sprach zu mir: „halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein und du bist mein, und wo ich bleib, da sollst du sein, uns soll der Feind nicht scheiden.“
Amen

341,7

„Ich bin dein und du bist mein“ – wir feiern die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Er lädt uns ein.

Wir preisen dich Gott. Du nimmst uns an. Du sprichst uns gerecht. Du tröstest uns durch Jesus Christus, unseren Freund und Bruder, unseren Herrn und Heiland.
Durch ihn hast du uns zur Freiheit befreit.
Durch ihn schenkst du deiner Kirche den Heiligen Geist, dass wir dein Evangelium verkündigen.
Durch ihn rufst du uns in deine Wahrheit
und weckst Taten der Liebe.
Darum preisen wir dich mit allen deinen Geschöpfen.
Darum singen wir dir und bekennen ohne Ende.

… (Abendmahl)
Vaterunser

Sooft wir von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken, verkündigen wir den Tod und die Auferstehung unseres Herrn, bis dass er kommt in Herrlichkeit.

Unsere leeren Hände hast du gefüllt, du unser Gott.
Wir leben aus deiner Barmherzigkeit und wir danken dir für deine Güte.
Sieh uns gnädig an. Wir bleiben einander vieles schuldig.
Wir gehen oft hart und erbarmungslos miteinander um.
Lehre uns zu vergeben, wie du uns vergibst.
Hilf uns, Unrecht und Fehler zu benennen, ohne den anderen klein zu machen.
Hilf uns, die zu sehen, die mit Unrecht und Schuld nicht fertig werden.
Wir bitten dich für Ehepaare und Familien,
für Geschwister und Freunde, für Kollegen und Klassenkameraden, dass wir abbauen, was uns trennt, dass wir keine und keinen allein lassen, dass wir einander nicht wieder und wieder alte Schuld vorwerfen.
Wir bitten für unser Land um Frieden in einer Zeit voller Spannungen und schwerer Aufgaben, dass nicht neue Mauern zwischen uns entstehen.
Wir bitten um Frieden für die Menschen in Israel, in Gaza, und in der ganzen Region, Frieden für die Menschen in der Ukraine, Schritte zum Frieden überall, wo Menschen einander das Leben zur Hölle machen. Wir bitten für die Geiseln der Hamas und ihre Angehörigen. Wir bitten um Weisheit und Mut zu Frieden für uns alle.
Deiner Barmherzigkeit vertrauen wir uns an. Amen

222

Segen

Gottesdienst 15.10. Predigt Jakobus 5,13-16

Präludium: Orgel und Posaunen
Begrüßung
324,1-3+7
Votum
Gruß

Der Prophet Jeremia sagt:
Heile du mich, Herr, so werde ich heil,
hilf du mir, so ist mir geholfen.

Ehr sei dem Vater …

Wir singen dir mit Herz und Mund, du, unser Gott.
Für deine Güte in unserem Leben danken wir dir.
Was wir uns für uns von den anderen wünschen,
bringen wir manchmal selbst für sie nicht auf.
Wir bleiben einander Aufmerksamkeit und Verständnis schuldig, Geduld und Zuwendung.
Hilf uns, dass wir etwas von deiner Güte weitergeben,
dass wir einander mit Güte begegnen.
Erbarme dich.
Kyrie

Nehmet einander an,
wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Ehre sei Gott in der Höhe …
272

Jesus, du bist gekommen, um unser Leben ganz und heil zu machen. Allen zeigst du die Barmherzigkeit und Güte Gottes. Wir erzählen von deinen Wundern und singen deinem Namen. Du bist eins mit Gott, dem Vater,
und wirkst unter uns durch den Heiligen Geist.
Amen

Lesung Mk 2,1-12
Ein paar Tage später kam Jesus nach Kapernaum zurück. Es sprach sich herum, dass er wieder zu Hause war. Daraufhin strömten so viele Menschen herbei, dass der Platz nicht ausreichte – nicht einmal draußen vor der Tür. Jesus verkündete ihnen das Wort Gottes.
Da brachten Leute einen Gelähmten zu Jesus. Er wurde von vier Männern getragen. Aber wegen der Volksmenge konnten sie nicht bis zu ihm vordringen. Deshalb öffneten sie das Dach genau über der Stelle, wo Jesus war. Sie machten ein Loch hinein und ließen den Gelähmten auf seiner Matte herunter. Jesus sah, wie groß ihr Glaube war, und sagte zu dem Gelähmten: »Mein Kind, deine Sünden sind dir vergeben.«
Es saßen aber auch einige Schriftgelehrte dabei.
Die dachten: »Wie kann er so etwas sagen? Das ist Gotteslästerung! Nur Gott allein kann Sünden vergeben.« Doch Jesus wusste sofort, was sie dachten. Er sagte zu ihnen: »Warum habt ihr solche Gedanken? Was ist einfacher? Dem Gelähmten zu sagen: ›Deine Sünden sind dir vergeben‹, oder: ›Steh auf, nimm deine Matte und geh umher‹? Aber ihr sollt sehen, dass der Menschensohn von Gott Vollmacht bekommen hat. So kann er hier auf der Erde den Menschen ihre Sünden vergeben.« Deshalb sagte er zu dem Gelähmten: »Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause.« Da stand der Mann auf, nahm rasch seine Matte und ging weg – vor ihren Augen. Sie gerieten außer sich, lobten Gott und sagten: »So etwas haben wir noch nie erlebt.«

Ich preise dich, Gott, Halleluja

408,1+2+6

„und sein eigen bin auch ich; Gottes Hände halten mich gleich dem Sternlein in der Bahn; keins fällt je aus Gottes Plan“ – so haben wir gesungen. (EG 408,2) Kein Mensch geht verloren.

(Bitte nehmen Sie sich ein Puzzleteil!)

Kein Teil darf verloren gehen. Jedes ist wichtig.
Wer ein Puzzle macht und am Ende feststellt, dass Teile fehlen, ärgert sich. Das Bild ist verdorben. Vielleicht finden die anderen das gar nicht so schlimm, aber der Puzzlespieler oder die Spielerin schaut immer auf die Lücke.
In Gottes Plan fehlt kein Teil.
Jede und jeder hat seinen und ihren Platz.
Gott achtet auf uns. Keine und keiner soll fehlen.
Jede und jeder, wirklich jeder Mensch ist für Gott kostbar. Zu jedem Menschen hat Gott eine Beziehung – das klingt angemessener als ein Plan, denn wir sind ja frei, keine Marionetten.
Gott sieht liebevoll auf das Ganze seiner Schöpfung. Zugleich ist Gott jedem einzelnen Menschen verbunden. Wir leben in Beziehung zu Gott. Und wenn wir beten, wird uns die Beziehung zu Gott bewusst.
Im Jakobusbrief heißt es:
Wenn jemand von euch Schweres erleidet, soll er beten. Ist jemand von euch voller Zuversicht, soll er Loblieder singen.
Gott ist immer die richtige Adresse für Klage und Lob, Dank und Bitte. Gott will unser Gebet, unsere Hinwendung zu ihm. Mit denen, die wir lieb haben, wollen wir immer in Verbindung sein. So will Gott immer mit uns in Verbindung sein.
Aber es gibt Zeiten, da schaffen wir das nicht, oder nicht allein. Darum schreibt Jakobus weiter:
Wer von euch krank und schwach ist, soll die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen. Sie sollen für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das Gebet, das im Glauben gesprochen wird, wird den Kranken retten. Der Herr wird ihn wieder aufstehen lassen und ihm vergeben, wenn er Sünden begangen hat.
Darum sollt ihr einander eure Sünden bekennen und füreinander beten, damit ihr geheilt werdet. Das Gebet eines Menschen, der nach dem Willen Gottes lebt, hat große Kraft und bewirkt viel.

Das Gebet kann trösten, ermutigen, zur Klarheit helfen. Im Gebet finden wir unseren Platz vor Gott. Wir knüpfen an die liebevolle Verbindung Gottes zu uns an.
Aber viele wissen nicht, wie sie beten sollen, oder sie haben schon lange diesen Faden verloren. Und für jede und jeden gibt es Zeiten, da brauchen wir andere, die mit uns und für uns beten.
Kranke brauchen Medizin und die beste mögliche ärztliche Hilfe. Aber sie brauchen ebenso die Zuwendung und das Gebet der Gemeinde – Seelsorge nennen wir das. Nicht erst, wenn die Ärzte keinen Rat mehr wissen und keine Medizin hilft, nach dem Motto „da hilft nur noch Beten“, nein, immer brauchen Kranke und Menschen in Not die bewusste Rückbindung an Gott. Das katholische Sakrament der Krankensalbung nimmt Jakobus ernst, aber dafür braucht es den Priester. Wir Evangelische meinen, jede und jeder kann und soll für seine Mitchristen beten und sie segnen. Alle Glaubenden haben Anteil am Auftrag der Kirche. Auch Salbungshandlungen gibt es als Zeichen der Zuwendung Gottes.
Kranke brauchen Seelsorge. Sie sind im Ausnahmezustand, haben Schmerzen oder auch Angst. Es tut gut, wenn jemand zu ihnen kommt und Zeit zum Zuhören hat. Gehen wir zu einem Kranken, dann können wir es machen wie die Freunde des Gelähmten im Evangelium. Wir bringen ihn gleichsam zu Jesus. Es kann sein, dass wir nur sagen: „Ich denke an dich. Ich bete für dich.“ Oder wir wünschen: „Gott behüte dich.“ So ein kurzer Wunsch, kann für den Kranken eine Tür öffnen.
Jesus sieht den Glauben der Freunde und daraufhin hilft er dem Gelähmten. Vielleicht hat der Gelähmte schon jedes Vertrauen verloren und igelt sich ein in seiner Verbitterung – man könnte es verstehen. Die Freunde glauben also für ihn. Sie stehen für ihn ein. Es ist die Gemeinschaft der Glaubenden, die ihn zu Jesus trägt.
Wir glauben nicht nur jede und jeder für sich, sondern miteinander und füreinander. Das Gebet hat große Kraft. Wir beten für unsere Kranken, aber auch für die Menschen in Israel und Gaza, in der Ukraine und in Russland, für die Erdbebenopfer in Afghanistan.
Ich komme wieder auf das Puzzleteil zu sprechen: Indem der Kranke erlebt, dass jemand für ihn betet oder ihn segnet, erfährt er: „Ich bin ein Teil einer Gemeinschaft mit Gott. Ich gehöre dazu. Da ist ein Platz für mich. Ich falle nicht aus Gottes Plan, aus Gottes Beziehung zu mir, selbst wenn ich gerade meine: Gott ist mir fern. Gott hält mich, auch wenn in meinem Leben gerade vieles durcheinander gerät. Mein unfertiges Leben führt Gott zu einem Ziel.“

Jakobus schreibt: Gott wird den Kranken wieder aufstehen lassen und ihm vergeben, wenn er Sünden begangen hat. Das kann man falsch verstehen, so als wäre die Krankheit eine Folge von Sünde. Wir brauchen die Zusage, dass Gott uns vergibt und uns annimmt. Ich widerspreche aber, wenn Menschen Krankheit in irgendeiner Weise als Strafe Gottes sehen.
Und noch etwas: Jakobus schreibt: Gott wird den Kranken wieder aufstehen lassen – aber viele Menschen bleiben doch krank oder sterben, obwohl für sie gebetet wurde. War das Gebet dann vergeblich?
Es geschieht nicht einfach, worum wir bitten.
Krankheit, Unglück, Tod eines Menschen bleiben für uns oft quälend unverständlich. Wir fragen uns: „Warum hat Gott das zugelassen?“ und finden keine Antwort. Und doch bringen wir die, für die wir bitten, und auch uns selbst zu Gott. Auch die Menschen, die krank oder behindert bleiben, auch die Menschen, die wir verloren haben, gehen für Gott nicht verloren. „keins fällt je aus Gottes Plan“
Unser Leben ist zerbrechlich und begrenzt, aber wir bleiben in Gottes Hand. Wir beten um Genesung und Heilung. Sie sind Gottes Gabe.
Wir danken Gott, wenn ein Mensch gesund wird.
Aber auch wenn unser Wünschen und Beten für einen Menschen sich nicht erfüllt: Jeden Mensch liebt Gott. Jede und jeder ist für Gott wichtig, einmalig, unersetzlich.
Amen

Neue Lieder 116

321

Für die Gemeinschaft des Glaubens danken wir dir, Gott, für die Menschen, die für uns und mit uns beten.
Steh denen bei, die sich allein fühlen und die nicht beten können, den Verbitterten, denen, die den Glauben verloren haben, den Zweifelnden.
Seit acht Tagen sehen wir Terror und Krieg in Israel und im Gazastreifen. Sei bei den Menschen in Trauer und Angst. Wehre der Gewalt und dem Hass. Stärke alle, die sich um Frieden und Verständigung bemühen. Wie lange noch sollen die Einfluss haben, die den Konflikt immer weiter schüren?
Wir bitten für die Menschen, die von Erdbeben und anderen Naturkatastrophen betroffen sind, und für die, die ihnen helfen.
Wir bitten für unsere Kranken um Befreiung von Schmerz und Angst, um Genesung und Geduld.
Wir bitten für Ärztinnen und Ärzte und Pflegende in Krankenhäusern, Heimen und ambulanten Diensten. Begleite die, die Kranke besuchen. Gib uns die nötige Geistesgegenwart und Aufmerksamkeit für, denen wir Seelsorgerin und Seelsorger sein können.
Wir bitten für unsere Gemeinde und für unsere Partner und Freunde in Sundhouse, in der katholischen Gemeinde, in unserem Kooperationsraum.
Bewahre uns, du, unser Gott.

Vaterunser

157
Segen
Postludium

Gottesdienst am 1.10.23 mit Predigt über Mk 9,17-27

Neue Lieder 2 Eingeladen zum Fest des Glaubens
Votum
Gruß

Psalm 63
Gott, du bist mein Gott, den ich suche.
Es dürstet meine Seele nach dir,
mein Leib verlangt nach dir
aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.
So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,
wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Güte ist besser als Leben;
meine Lippen preisen dich.
So will ich dich loben mein Leben lang
und meine Hände in deinem Namen aufheben.
Das ist meines Herzens Freude und Wonne,
wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;
wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,
wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
Denn du bist mein Helfer,
und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.
Meine Seele hängt an dir;
deine rechte Hand hält mich.

Ehr sei dem Vater..

Wir beten mit Worten von Dietrich Bonhoeffer:
Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen,
hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;
ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht;
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden;
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld;
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.
Du lässt deinen Kindern alle Dinge zum Besten dienen.

Erbarme dich über uns.

Kyrie

Uns ist zugesagt:
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Ehre sei Gott in der Höhe
EG 272 Ich lobe meinen Gott

Du hörst unser Gebet, Gott, darauf vertrauen wir.
Lass uns selbst wichtig nehmen, worum wir bitten.
Hilf uns durch unsere Zweifel hindurch.
Stärke unseren Glauben. Durch Jesus Christus,
Amen

Wir hören eine Lesung aus dem Galaterbrief:
Ihr seid alle Kinder Gottes, weil ihr durch den Glauben
mit Christus Jesus verbunden seid.
Denn ihr alle habt in der Taufe Christus angezogen.
Und durch sie gehört ihr nun zu ihm.
Es spielt keine Rolle mehr, ob ihr Juden seid oder Griechen, Sklaven oder freie Menschen, Männer oder Frauen. Denn durch eure Verbindung mit Christus Jesus seid ihr alle wie ein Mensch geworden. Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen. Damit bekommt ihr auch das Erbe, das Gott ihm versprochen hat.

Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich.
Halleluja

Neue Lieder 70,1-3+6 Mit dir,o Herr, die Grenzen überschreiten

Glaubt Ihr, glauben Sie, es gibt böse Geister?
Ich vermute, nein. Glaubt Ihr, glauben Sie, dass Menschen von etwas Bösem beherrscht sein können? Da fällt uns einiges ein: eine Krankheit, eine Sucht, Neid, Hass, ein Wahn. Euch Konfis fiel noch mehr ein: Mobbing, Missbrauch von sozialen Medien, Traumata.
Wenn ich einen Menschen liebhabe und muss mit ansehen, wie er von etwas Bösem getrieben und beherrscht ist, tut das furchtbar weh. Was können wir der bösen Macht entgegensetzen?
Der Evangelist Markus spricht von einem bösen Geist, einer erschreckenden Macht. Er beschreibt deutlich etwas, was wir heute als Krankheit kennen. Die Jünger können einem kranken Jungen nicht helfen. Jesus kommt dazu und fragt, worüber sie diskutieren. Hier beginnt unser Text:
Ein Mann aus der Volksmenge antwortete: »Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht. Er ist von einem bösen Geist besessen, der ihn stumm gemacht hat. Wenn der Geist ihn packt, wirft er ihn zu Boden. Er bekommt Schaum vor den Mund, knirscht mit den Zähnen, und sein ganzer Körper verkrampft sich. Ich habe deine Jünger gebeten, den Geist auszutreiben, aber sie konnten es nicht.« Da antwortete er ihnen: »Was seid ihr nur für eine ungläubige Generation? Wie lange soll ich noch bei euch bleiben? Wie lange soll ich euch noch ertragen? Bringt ihn zu mir!«
Sie brachten den Jungen zu Jesus.
Sobald der Geist Jesus sah, zerrte er den Jungen hin und her. Er fiel zu Boden und wälzte sich mit Schaum vor dem Mund auf der Erde. Da fragte Jesus den Vater: »Wie lange hat er das schon?« Er antwortete: »Von klein auf. Der böse Geist hat ihn auch schon oft ins Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Wenn du kannst, dann hilf uns! Hab doch Mitleid mit uns!«
Jesus sagte zu ihm: »Was heißt hier: ›Wenn du kannst‹? Alles ist möglich für den, der glaubt.«
Da schrie der Vater des Jungen auf: »Ich glaube ja – hilf mir in meinem Unglauben!«
Immer mehr Menschen kamen zu der Volksmen-ge. Als Jesus das sah, bedrohte er den bösen Geist: »Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass den Jungen und kehr nie wieder in ihn zurück!« Da schrie der böse Geist auf und zerrte den Jungen heftig hin und her. Dann verließ er ihn. Der Junge lag da wie tot. Deshalb meinten viele: »Er ist gestorben.« Aber Jesus nahm seine Hand und zog den Jungen hoch. Da stand er auf.

(Mk 9,17-27)
Krankheit ist eine Macht. Wir tun alles, um ihr Einhalt zu gebieten. Wir sind verzweifelt, wenn die Krankheit einen geliebten Menschen plagt. Und wir kommen an unsere Grenzen, jede und jeder irgendwann.
Leid und Not in der Welt sind eine Macht. In der Hoffnung ihnen zu entkommen, besser zu leben, wenigstens den Kindern eine Zukunft zu sichern nehmen die Leute Unvorstellbares auf sich. Sie gehen durch Wüsten, über geheime Gebirgspfade, fahren über das Meer, leben in Lagern. Leid und Not der Welt kommen bei uns an, und wir sind überfordert.
Hass und Gewalt sind furchtbare Mächte. Jede Lüge ist ihnen recht. Vor keiner Grausamkeit schrecken sie zurück. Ich denke an den Terror verblendeter Islamisten in Afrika. Ich denke an Menschen bei uns, die Hass gegen alles Fremde schüren. Im Überfall Putins auf die Ukraine kann ich nur böse Macht und die Gier nach immer mehr Macht erkennen. Wir müssen selbst Waffen bauen und Waffen liefern um die Ukraine und uns gegen die Macht zu schützen. Und wir müssen uns selbst zugleich gegen den Hass und die Habgier wappnen.
Es gibt böse Mächte, Böses, das Menschen bedrängt und beherrscht. Manches ist so unheimlich wie ein böser Geist. Manches können wir erklären. Für die Anfallskrankheit des Jungen haben wir heute einen Namen und Medikamente – die helfen oft.
Aber wir kommen immer wieder auch an Grenzen und das macht uns Angst.
Wenn du kannst, dann hilf uns! Der Vater hat schon viele Enttäuschungen erlebt. Er steht hilflos neben dem Leid seines Kindes.
Er bittet: Hab doch Mitleid mit uns!
Was heißt hier: ›Wenn du kannst‹? Alles ist möglich für den, der glaubt.
Ich glaube ja – hilf mir in meinem Unglauben!

Ein Aufschrei. Verzweifelt. Verstört.
Ich glaube ja – hilf mir in meinem Unglauben!
Widersprüchlich. Hin und her gerissen zwischen Vertrauen und Zweifel. „Ich will ja glauben und weiß doch: mein Glaube ist viel zu schwach.“
Es ist nicht selbstverständlich, dass wir einen starken und festen Glauben haben. Das wissen gerade die, die oft in den Gottesdienst kommen. Unser Glaube ist oft überfordert. Unsere Zweifel und Ängste, unser Kreisen um uns selbst stehen uns im Weg. Wir haben es immer wieder nötig, dass Gott uns aus unserem Unglauben heraus hilft. Obwohl wir Gott so wenig entsprechen, obwohl wir so wenig vertrauen und glauben, dürfen wir zu ihm kommen, und er ist bei uns.
Martin Luther erklärt: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus glauben oder zu ihm kommen kann, sondern Gott selbst, der Heilige Geist hat mich berufen, erleuchtet und in mir Glauben gewirkt.
Dietrich Bonhoeffer schreibt: Hilf mir zu beten – ich kann es nicht allein.
Der Vater des Jungen macht das einzig Richtige:
hilf mir in meinem Unglauben! Er bittet darum glauben und vertrauen zu können.

Was können wir der bösen Macht entgegensetzen?
Unser Vertrauen, dass die böse Macht nicht das letzte Wort behält.
Unser Vertrauen, dass jeder Schritt und jede Mühe gegen „böse Mächte“ sich lohnt, gegen Krankheit und Tod, gegen Hass und Gewalt und Lüge, gegen Leid und Not in unserer Welt.
Wir vertrauen und glauben und bitten Gott:
„Hilf unserem schwachen Glauben auf!“
Ihr fragt: „Wie ist das mit Jesus? Kann er einfach der Krankheit befehlen den Jungen in Ruhe zu lassen und schon ist der gesund? Und warum macht Jesus das nicht genauso mit unseren Kranken und mit dem ganzen Elend der Welt?“
Jesus überschreitet manchmal schon die Grenze, die uns allen gesetzt ist. Er tut das zeichenhaft.
Er zeigt uns: die bösen Mächte werden vergehen, ihre Zeit ist einmal vorbei. Wenn Jesus heilt, dann ist er ganz eins mit Gott. Dann ist schon Ostern für alle und der Tod ist am Ende.
Aber Jesus lässt sich auch ans Kreuz schlagen. Jesus setzt sich den Mächten aus. Er verzichtet selbst auf alle Macht. Er hilft anderen, aber er weicht dem Leid nicht aus. So ist Jesus ganz eins mit uns, besonders mit denen, die leiden.
Was können wir der bösen Macht entgegensetzen? Das Vertrauen, dass Gott uns so nah ist. Und die Bitte: hilf mir in meinem Unglauben! Amen

EG 646

Zum Fest des Glaubens lädst du uns ein, Jesus Christus.
Trotz allem, was uns bedrängt, was unseren Glauben angreift und uns traurig macht, trotz allem feiern wir,
was du uns verheißen hast, deinen Frieden und deine Gerechtigkeit.
Wir bitten dich für die, die Leid und Not erfahren, die Unrecht und Gewalt ausgesetzt sind, die über Krankheit und Sorge verzweifeln.
Wir bitten für die, die ihren Gauben verlieren,
die Enttäuschten, die Gleichgültigen, die Fragenden.
Wir bitten für unsere Gemeinde und für alle, die uns im Glauben verbunden sind. Amen

Vaterunser

EG 222

Segen

Predigt Hebr 10,35-39

„Ich hab einen starken Gott.“, sagte die alte Dame. Sie war schon sehr gezeichnet von Krankheit und Schmerzen. Ich hatte sie mehrfach besucht. Kurz bevor sie das sagte, hatte es ausgesehen, als ob sie stürbe. Aber sie schaffte es zu lächeln und in ihrer besonderen Art zu sagen: „Ich hab einen starken Gott.“ Sie wusste, dass es nicht mehr lange gehen würde und strahlte dennoch Zuversicht aus. Eine Freude am Glauben war zu spüren, gerade hier, wo das Leben scheinbar keine Chance mehr hatte.
Die Freude am Glauben spüren wir manchmal, wenn sozusagen der Funken überspringt: beim ökumenischen Gottesdienst vor zwei Wochen oder beim großen Tauffest im Juni im Alten Grün, wenn wir mit ganzem Herzen in ein Lied einstimmen können, wenn wir uns durch einen Vers besonders angesprochen fühlen, wenn ein Trauernder wirklich Trost erfährt.
Wir haben einen starken Gott. Gott kommt uns entgegen. Gott teilt unsere Freude und unser Leid.
Unser Predigttext steht im Hebräerbrief, 10,35-39, und ich lese in der Übersetzung von Klaus Berger und Christiane Nord:
Werft doch eure große Freude am Glauben nicht fort! Denn es wartet doch reicher Lohn auf euch!
Ihr braucht nur etwas Geduld, um Gottes Willen treu zu erfüllen, bis ihr seine Verheißung erlangt. So heißt es doch in der Schrift: „Nur noch eine kurze Zeit, dann wird kommen, der da kommen soll, und er wird sich nicht verspäten. Wer bei mir als Gerechter lebt, der wird sein Leben ganz gewinnen, wenn er treu bleibt. Doch wenn er aufgibt, will ich nichts mehr von ihm wissen.“
(Jesaja 26, 20 und Habakuk 4,2+3) Wir aber werden nicht aufgeben und untergehen, sondern unserem Glauben treu bleiben, um uns nicht selbst zu verlieren.

Im entscheidenden Spiel geht der Mannschaft die Puste aus. Als hätte man ihnen den Stecker gezogen, so geht auf einmal nichts mehr. Es fehlen die geschickten Spielzüge, Pässe gehen ins Leere, die Spieler kämpfen nicht mehr und wirken lustlos. Da hält der Trainer in der Pause eine Ansprache. Er muss seine Mannschaft motivieren. „Was habt ihr alles schon geschafft! Die schwierigsten Spiele habt ihr trotz Rückstand umgedreht. Ihr seid stark und ihr könnt das.“ Nach der Pause ist wieder Spielfreude und Selbstvertrauen zu spüren.

Der Hebräerbrief ist eine Traineransprache für eine glaubensmüde Gemeinde. Viele wenden sich ab. Sie sind enttäuscht. Die Begeisterung der ersten Zeit ist verflogen. Der Alltag ist zermürbend.
Sie erwarten nichts mehr. Die große Freude des Glaubens ist nur eine matte Erinnerung.
Kann man den Glauben mit einem Spiel oder einem Kampf vergleichen? Ich meine schon.
Wir glauben gegen äußere Widrigkeiten, trotz all der Krisen und Konflikte, die die Welt und uns selbst durchrütteln. Wir glauben gegen unsere Angst und gegen die Resignation.
Auf jeden Fall ist der Glaube ein Mannschaftspiel – dringend brauchen wir die anderen, damit der Funke überspringt und das Spiel schön wird, damit wir einander auch in Durstrecken aufhelfen.

Werft doch eure große Freude am Glauben nicht fort! Andere übersetzen statt Freude am Glauben Zuversicht, Vertrauen oder Glaubensmut. Das Wort „Parrhesia“ meint ursprünglich die Freiheit alles zu sagen. Im antiken Athen waren sie stolz auf die Freiheit in ihrer Demokratie: Parrhesia. Die Israeliten gingen mit erhobenem Haupt, mit Parrhesia aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit. Parrhesia ist Freiheit und Freude trotz allem, denn Gott ist nah, Jesus kommt – nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist. Parrhesia schmeckt nach Siegesgewissheit trotz allem.
Wir werden nicht aufgeben und untergehen, sondern unserem Glauben treu bleiben, um uns nicht selbst zu verlieren.

„Ich hab einen starken Gott.“ Die alte Dame schaute auf ein schweres Leben zurück.
Sie hatte viel Leid erfahren und überstanden.
Und jetzt hatte sie nicht einmal Angst vor dem Tod.
Wir müssen die dunkle Seite unseres Lebens nicht übergehen. Wir verschweigen nichts. Wir sind verwundbar, aber wir haben einen starken Gott. Gott macht sich selbst verwundbar für uns. Er hält nicht fest an seiner Stärke. Er wird schwach, verletzlich. Er stirbt am Kreuz für die Welt und er lebt.
„Die Auferweckung Christi pflanzt in uns lebendige Hoffnung.“ schreibt unsere Landesbischöfin Heike Springhart. „Hoffnungsstur und glaubensheiter“ – so ist ihre Devise. Jemand machte sie darauf aufmerksam, das Wort „hoffnungsstur“ hat schon vor ihr Maria Sassin gebraucht. Ich lese Sassins Gedicht durchgerüttelt:
es rüttelt mich das leben
unbarmherzig zerrt es an mir
mit den anforderungen des alltags
mit problemen, schicksalsschlägen
ganz durcheinander wirbelt mich
die überfülle manch langer tage
es zerreißen mich entscheidungen
eindrücke stürmen auf mich ein
sprengen fast die volle seele
durchgerüttelt werde ich
erschöpft und weh das herz
täglich neu vertrauen fällt schwer
und doch weiß ich: alles ist gut
hoffnungsstur innehaltend gewahre ich
herrlich angeordnete mosaikmuster
wunderbare regenbogenfarben
mein leben – kaleidoskop
in Gottes Hand

Amen