Archiv der Kategorie: Hausgottesdienste

Predigt über Epheser 5,15-20, Gottesdienst am 16.10.

452,1+2+4
Votum
Gruß
(Ps 18,2f:) Ich liebe dich, HERR! Du bist meine Stärke!
Der HERR ist mein Fels, meine Festung
und mein Befreier.
Mein Gott ist meine Zuflucht, mein Schild
und mein starker Retter, meine Burg in sicherer Höhe.

Ehr sei dem Vater …

So wie David gejubelt hat über dich, Gott,
so möchte ich singen können: Du bist meine Stärke.
Ja, mach mich stark, mach uns stark Gott,
damit wir gut leben, wie es deinem Willen entspricht,
damit wir bestehen in allem, was uns angreift,
damit wir dir in allem vertrauen.
Du weißt, wie wir sind, Gott.
Stärke unseren Glauben, unsere Liebe,
unsere Hoffnung.
Herr, erbarme dich.
Kyrie

Paulus schreibt an seine Gemeinde (Phil 1,6): „Ich bin überzeugt, dass der, der etwas so Gutes in eurem Leben angefangen hat, dieses Werk auch weiterführen und bis zu jenem großen Tag zum Abschluss bringen wird, an dem Jesus Christus wiederkommt.“

Ehre sei Gott in der Höhe …
272 Ich lobe meinen Gott

Ewiges Leben? Erfülltes, glückliches Leben – das wünschen wir uns, du Gott des Lebens. Leite du uns auf guten Wegen. Gib uns deinen Geist. Sei du bei uns durch Jesus Christus, unseren Herrn,
Amen

Wir hören auf das Markusevangelium: Jesus machte sich wieder auf den Weg. Da kam ein Mann angelaufen. Er fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: »Guter Lehrer, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme?« Jesus antwortete: »Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer dem Einen: Gott. Du kennst doch die Gebote: ›Du sollst nicht töten! Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht stehlen! Du sollst keine falschen Aussagen machen! Du sollst niemanden um das bringen, was ihm zusteht! Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren und für sie sorgen!‹«
Aber der Mann sagte: »Lehrer, das alles habe ich seit meiner Jugend befolgt.« Jesus sah ihn an. Er gewann ihn lieb und sagte zu ihm: »Eins fehlt dir noch: Geh los, verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. So wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir!« Der Mann war betroffen von dem, was Jesus sagte, und ging traurig weg. Denn er hatte ein großes Vermögen.
Jesus sah seine Jünger an und sagte: »Wie schwer ist es doch für die Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes hineinzukommen.« Die Jünger waren bestürzt über seine Worte. Aber Jesus sagte noch einmal zu ihnen: »Ja, Kinder, wie schwer ist es doch, in das Reich Gottes hineinzukommen. Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.« Da gerieten die Jünger völlig außer sich und fragten einander: »Wer kann dann überhaupt gerettet werden?« Jesus sah sie an und sagte:
»Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott. Denn für Gott ist alles möglich.«
(Mk 10,17ff)

Gelobt sei Gott, Halleluja!

Jesus sieht den Mann an und gewinnt ihn lieb.
Er versteht ihn. So liebevoll sieht Gott uns an mit allem, was zu uns gehört. Wir sollen ewiges Leben gewinnen.

Neue Lieder 130 du siehst mich

Kennt Ihr das auch: Tage, die man am liebsten streichen und ganz schnell vergessen will?
Schon am Morgen sieht der Tag für sie viel zu grau aus. Zuhause ist miese Stimmung, im Bus schlechte Luft und mürrische Gesichter, in der Klasse Streit. Der Lehrer macht wieder maßlos Druck. Sie hat zu wenig für den Test getan. Sie müsste noch so viel nachholen – wie soll sie das schaffen? Geschirr abtrocknen soll sie auch noch. Sie verliert sich mit ihrem Handy und schon ist wieder so viel Zeit vertan. Ob sie sich das Training heute Abend leisten kann? – das ist doch der einzige Lichtblick: wenn sie rennen, der Ball läuft, sie schreien, wenn eine das Tor trifft.

Kennen Sie das auch: Tage, die einem zu viel werden? Das Gefühl, der Belastung nicht mehr standzuhalten – und es wird immer mehr verlangt.
Die Mühe und der Unwille, Neues zu lernen – die Jungen gehen so locker mit dem Computer und der Technik um. Die Sorgen, die einem den Schlaf rauben. Die unübersehbaren Zeichen des Alters.
Die Müdigkeit, der Schmerz im Rücken, manchmal die Angst.
Die Psychologen raten uns, in solchen Zeiten gut auf uns aufzupassen, uns Gutes zu tun, Positives bewusst zu machen. Aber ja: die Weltlage stimmt uns auch nicht gerade optimistisch.
Paulus, oder wohl ein Schüler von Paulus, schreibt an seine Freunde in Ephesus.
Die erleben auch graue und unerträgliche Tage. Er rät ihnen am Ende seines Briefes:

Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt: Nicht voller Dummheit, sondern voller Weisheit. Macht das Beste aus eurer Zeit, gerade weil es schlimme Tage sind. Aus diesem Grund sollt ihr nicht unverständig sein, sondern begreifen, was der Wille des Herrn ist! Betrinkt euch nicht mit Wein, denn das macht euch zügellos.
Lasst euch lieber vom Geist Gottes erfüllen.
Tragt euch gegenseitig Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder vor. Singt für den Herrn und preist ihn aus vollem Herzen! Dankt Gott, dem Vater, zu jeder Zeit und für alles – im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
(Eph 5,15-20)

Macht das Beste aus eurer Zeit. Das sagen sie ja alle. „Streng dich an! Mach was aus dir!“
Sie versprechen dir, dass du fit und gesund bleibst, wenn du täglich 10000 Schritte gehst – schau auf deinen Fitnesstracker! Du sollst dein Leben optimieren. Deine Leistung erhöhen. Auch aus Freizeit, Urlaub, Beziehung alles herausholen. Meint Paulus das so? Sollen wir uns optimieren, immer besser werden. Fügt er zu all dem Druck auch noch ein christliches Fitnesstraining hinzu? Bestimmt nicht!
Auf jeden Fall hilft der Wein wenig – es hilft nicht, wenn wir uns betäuben und vor der Wirklichkeit oder vor uns selbst davonlaufen.
Meint Paulus, Christen dürften nicht erschöpft, frustriert oder einfach schlecht drauf sein, sie sollten immer happy sein und lächeln?
Nein!
Macht das Beste aus eurer Zeit, gerade weil es schlimme Tage sind. Paulus gibt uns eher ein Entlastungsprogramm für die Tage, die wir am liebsten streichen würden, die grauen Tage, die schwere Zeit.
Was entlastet uns?
Ich will es mit der letzten Strophe aus dem Eingangslied von Jochen Klepper sagen:
Gott will mich am Morgen jeden Tages umhüllen mit seinem Wort und Licht, verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht, will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag, sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.

Singen wir die Strophe bitte! (452,5)

Selbst die grauen Tage sind nicht nur grau.
Da ist noch etwas anderes: Licht von Gott.
Gott will uns mit seinem Licht umhüllen.
Wir sind getauft. Wir gehören zu Gott.
Wir sind Menschen im Licht Gottes.
Das Licht scheint von Ostern her in unser Leben.
Jesus ist durch die tiefste Finsternis gegangen
und er ist auferstanden.
Er ist bei uns, auch an den dunkelsten Tagen.
Es gibt Tage, die wie ein finsteres Tal sind.
Menschen in Krankheit und seelischem Leid kennen sie. Menschen, die vor lauter Sorgen keine Ruhe finden. Düster und bedrängend ist auch das, was wir falsch gemacht haben, worin wir gescheitert sind und schuldig geworden sind.
Dunkel sind die Tage durch die Nachrichten von Krieg und Leid in der Welt. Gerade erleben furchtbar viele Menschen dunkle Tage.
Macht das Beste aus eurer Zeit, gerade weil es schlimme Tage sind. Trotz allem ist da das Licht – daran halten wir uns fest.
Daran, dass Gott alle seine Geschöpfe liebt.
Daran, dass Gott Gutes für uns will.

Singen wir bitte: Christus, dein Licht verklärt unsere Schatten (Neue Lieder 11)

Natürlich kennen wir alle die Tage, die so schlecht laufen und an denen uns alles grau erscheint. Natürlich gibt es in jedem Leben finstere Täler, schwere, belastende und traurige Zeiten.
Gute Ratschläge erreichen uns dann oft nicht, wenn wir über düsteren Gedanken brüten.
Vielleicht kann ein Lied unsere Seele trotzdem erhellen. Wir singen mit einander und füreinander. Tragt euch gegenseitig Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder vor. Singt für den Herrn und preist ihn aus vollem Herzen! Wir erleben, was da in uns zum Klingen kommt und uns gut tut.
Lasst euch vom Geist Gottes erfüllen – Musik ist eine der Lieblingssprachen des Heiligen Geistes.
Gott will uns heilsam unterbrechen,
uns aufatmen lassen.
Selbst die grauen Tage sind nicht nur grau.
Gottes gutes Wort an uns will helle strahlen.
Jesus Christus will uns trotz allem
Hoffnung und Freude schenken.
Er ist unsere Stärke, unser Licht. Amen

Neue Lieder 180

Dass wir uns nicht fürchten, dazu gib uns deinen Geist, du, unser Gott.
Dass wir dankbar erkennen, wieviel Gutes du uns schenkst, dazu gib uns deinen Geist, du, unser Gott.
Dass wir auch an grauen und düsteren Tagen auf dich sehen und unser enges Herz weiter wird, dazu gib uns deinen Geist, du, unser Gott.
Erfülle uns, erfülle die Welt mit deinem Geist.

Wir bitten für die Menschen in schlimmen Kriegstagen,
für die Opfer von Bomben und Raketen, in zerstörten Häusern, in Luftschutzkellern, auf der Flucht.
Gib ihnen Mut und Kraft für diese Zeit.
Wir bitten für unsere Kranken, Menschen, um die wir uns sorgen. Wir bitten für alle, denen ihr Leben nur sinnlos und grau erscheint. Richte sie auf. Zeig ihnen durch andere Menschen, durch uns, dass du uns alle liebst.
Bewahre uns selbst an den unerträglichen Tagen.
Wir bitten für unsere Kinder und Enkel, für unsere Eltern und Großeltern.
Wir bitten für deine Kirche. Sei bei unserer Gemeinde und auf dem Weg als Teamgemeinden, bei unseren Nachbarn und Freunden in der katholischen Gemeinde und in unserer Partnergemeinde in Sundhouse.

Vaterunser

430,1+2+4 Gib Frieden, Herr, …

Segen
Orgelnachspiel

Du bist ein Gott, der mich sieht. Gottesdienst mit Vorstellung der Konfis zu Gen/1.Mose 16

25.9. Vorstellung der Konfis:
Du bist ein Gott, der mich sieht

617,1+2+6 Kommt herbei, singt dem Herrn
Votum
Gruß
Ps 139 = 966.1
Ehr sei dem Vater

Auf dich will ich hören, Gott.
Mach mich dazu bereit.
So viele reden auf mich ein. Sie wollen meine Aufmerksamkeit, meine Zeit, meine Überzeugung.
Ich soll folgen, ein Follower sein, ein guter Kunde.
Ich soll mein Leben optimieren, das Beste herausholen.
Auf dich will ich hören. Hilf mir zu unterscheiden.
Hilf mir Nein zu sagen, wenn es nötig ist,
Ja zu sagen, wenn ich es wagen soll.
Auf dich will ich hören. Begleite mich auf meinem Weg.
Leite mich auf ewigem Wege.
Amen

Hier hängt seit einigen Monaten schon ein Mobile.
Das haben die letzten Konfis gestaltet.
Jeder von ihnen hat ein solches Perlenarmband, die Perlen des Glaubens. Die Perlen könnt ihr hier sehen, eine goldene Gottesperle, Perlen der Stille, Perlen des Geheimnisses, der Wüste, der Nacht, der Auferstehung, der Liebe, der Gelassenheit. Die Perlen zeigen: „Du, Gott, bist immer bei mir.“ Man kann mit dem Armband vor Gott nachdenken und beten.
Wir haben das Mobile für euch Konfis noch eine Weile hängen lassen. Es passt zu dem Motto für euren Jahrgang: „Du bist ein Gott, der mich sieht“
Wir wünschen euch, dass Gott für euch ein „Du“ wird,
ein Gegenüber, dem ihr vertrauen könnt:
„Du siehst mich, Gott, du bist bei mir.“

Jetzt nenne ich eure Namen und bitte euch nach vorne zu kommen, damit wir alle euch einmal sehen:

Christine: Wir beten für unsere Konfis:
Guter Gott, begleite die Jugendlichen und uns alle in diesem Jahr, dass es ein gutes Jahr wird, mit Spaß, mit Freude am Glauben und mit wertvollen Erfahrungen.
Hilf uns, dass wir gut aufeinander achten und einander verstehen. Sei bei uns mit deinem Geist. Stärke uns. Segne uns. Amen

Neue Lieder 130 Du siehst mich

Vor 125 Jahren malte der Maler Paul Gaugin ein große Bild mit dem Titel: „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“ Er musste gerade sehr viel Schweres verkraften und es ging ihm gar nicht gut. Da hat er in seiner Sprache mit einem Bild nachgedacht.
Wir fragen uns auch manchmal, was wohl aus uns wird, wohin wir gehen. Wie geht es weiter diesem Herbst mit der Pandemie, dem Krieg, der Energiekrise. Wie wird sich der Klimawandel noch auswirken? Als Jugendlicher fragt man sich: „Wer bin ich? Wie will ich sein?“ Aber auch Erwachsene fragen sich das immer wieder.
Auch um solche Fragen geht es für euch im Konfi-Jahr. Und euer Motto „Du bist ein Gott, der mich sieht“ gibt eine Hilfe, dass wir eine Antwort finden.

Ich erzähle die Geschichte aus der Bibel, in der dieser Satz steht:
Abraham und Sara bekommen kein Kind.
Sie warten schon viele Jahre vergeblich – viele wissen, wie schmerzlich das ist. Damals war es noch viel schlimmer. Eine Frau ohne Kinder war nichts. Ein Paar ohne Kinder hatte keine Zukunft.
Sara hat eine ägyptische Sklavin. Hagar heißt sie.
Sara sagt zu ihrem Mann: „Du siehst, Gott hat mir keine Kinder geschenkt. Aber vielleicht kann ich durch meine Sklavin zu einem Sohn kommen. Ich überlasse sie dir.“ Rechtlich gelten die Kinder der Sklavin als ihre. Abraham macht mit und schläft mit Hagar. Die ägyptische Sklavin Hagar wird also seine Nebenfrau. Und sie wird schwanger. Als sie merkt, dass sie ein Kind bekommt, beginnt sie ihre Herrin zu verachten. „Ich bin schwanger und du nicht.“ Das tut weh. Sara beschwert sich bei Abraham. Abraham erwidert: „Sie ist deine Sklavin. Mach mit ihr, was du für richtig hältst!“
Sara will Hagar demütigen. Die niedrigsten Arbeiten muss sie verrichten. Sie soll es merken, wer die Herrin ist und wer die Sklavin. Da hält es Hagar nicht mehr aus. Sie läuft davon.
Vieles an dieser Geschichte ist weit weg von uns, eine andere Zeit, eine kaum verständliche Kultur.
Aber den Kern verstehen wir ganz direkt:
„Ich bin besser als du.“ meint Sara.
„Du bringst es nicht.“ sagt die Sklavin zu ihr.
Und Sara in ihrer Wut: „Dir werd ich´s zeigen!“ Abraham versagt auf ganzer Linie.
Davon erzählt die Bibel ganz offen.
Wie geht es weiter, nachdem Hagar weggelaufen ist? Ich lese vor aus 1.Mose 16:
Der Bote des HERRN aber fand sie an einer Wasserquelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur. Und er sprach: Hagar, Magd Saras, wo kommst du her, und wo gehst du hin? Und sie sagte: Vor Sara, meiner Herrin, bin ich auf der Flucht. Da sprach der Bote des HERRN zu ihr: Kehr zurück zu deiner Herrin und ertrage ihre Härte. Und der Bote des HERRN sprach zu ihr: Ich werde deine Nachkommen reichlich mehren, dass man sie nicht zählen kann in ihrer Menge.
Dann sprach der Bote des HERRN zu ihr:
Sieh, du bist schwanger und wirst einen Sohn gebären, und du sollst ihn Ismael nennen, denn der HERR hat auf deine Not gehört. …
Da nannte sie den Namen des HERRN, der zu ihr geredet hatte: Du bist El-Roi, Gott sieht mich. Denn sie sprach: Wahrlich, hier habe ich dem nachgesehen, der auf mich sieht.

Gott ist der El-Roi, der Gott, der mich sieht.
Gott sucht und findet Hagar.
Er sieht sie. Er fragt nach ihr.
Hagar ist Ausländerin. Sie ist Sklavin.
Und sie staunt: Mich sieht Gott! Nach mir fragt er!
Jede und jeder zählt für Gott.
In Zeiten der Sklaverei ist das revolutionär. Und auch für uns heute ist es nicht selbstverständlich: Jeder Mensch ist Gott wichtig, keine und keiner zu gering. Gott fragt nach uns.
In den Nachrichten werden Menschen zu Zahlen: 80 Millionen Flüchtlinge, 800 Millionen Hungernde, 1400 Opfer der Flut in Pakistan. Auf den Grabkreuzen in Isjium stehen nur Nummern. Geht ein einzelnes Leben in dieser Schar nicht unter? Ist es nicht belanglos, was irgendein Mensch auf dieser Welt leidet? Für diejenigen, die Städte bombardie-ren lassen, zählt ein Leben nicht. Aber für Gott zählt jede und jeder. Gott sieht sogar die entlau-fene Sklavin Hagar. Gott sieht mich. Gott fragt nach mir.
Wo kommst du her, und wo gehst du hin?
Ich frage mich das selbst: Wohin führt mein Leben? Auf jeden Fall kann ich nicht davonlaufen: vor meinen Schwierigkeiten, vor mir selbst.
Ich bin an diesen Platz gestellt.
Hier will und wird Gott mich segnen.
Hagar bleibt Sklavin – das passt uns heute nicht – aber sie kehrt stolz zurück: Ich bin wichtig für Gott und für meine Mitmenschen. Gott sieht mich. Gott hat etwas mit mir vor. Mein Leben hat ein Ziel.
Hagar muss ihre Herrin Sara nicht mehr verachten oder wegdrängen. Sie muss sich nicht mehr verzweifelt selbst behaupten. Sie ist von Gott angesehen. Sie hat ein Ansehen. Nichts und niemand kann ihr diese Gewissheit nehmen.
Abraham, Sara, Hagar sind keine strahlenden Glaubenshelden. Sie sind vom Leben gebeutelt. Sie stecken in ihren Zwängen und werden mit ihren Konflikten nicht fertig. So erzählt die Bibel.
So ähnlich sind wir auch oft. Gott sieht uns.
Gott sieht uns in dieser ungewissen und schwierigen Zeit. Gott weiß um das, was uns belastet und schier zu Boden drückt.
Wir haben einen Gott, der uns hilft.
Er nimmt selbst Teil an unserem Leben
– das erfahren wir durch Jesus.
Hagar muss ihren schweren Weg gehen.
Es bleibt ihr nicht erspart. Aber sie geht aufrecht, ein von Gott liebevoll angesehener Mensch.
Gott sieht uns.
Wir haben ein Ansehen, eine Würde. Wunderbar!
Der Friede Gottes, der höher ist als unser Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Neue Lieder 186 Ob ich sitze oder stehe

Du, unser Gott, wir sind keine Marionetten, die du am Bändel führst, und doch sind wir, jede und jeder von uns, an unseren Platz gestellt und müssen die Aufgaben unseres Lebens meistern.
Hilf uns, unseren Weg, das Richtige für uns zu finden.
Gib uns Mut Ja zu sagen zu uns selbst und zu anderen, zu unseren Begabungen und auch zu unseren Herausforderungen.
Behüte uns in schweren Entscheidungen und in Zeiten großer Belastung.
Du siehst uns.
Du siehst jede und jeden.
Wir sind dir wichtig und lieb.
Dafür danken wir dir.
Behüte die, die sich wertlos und verachtet fühlen.
Stärke die, die angegriffen und verletzt werden.
Bring zur Umkehr die, die auf falschen Wegen sind, die anderen und sich selbst schaden.
Hilf denen, die ihr Leben wegwerfen.
Stärke die, die krank sind an Leib und Seele.
In der Stille denken wir an die Menschen, um die wir uns besonders sorgen und nennen dir ihre Namen.

Bewahre sie, bewahre uns alle.
Wir beten mit Jesu Worten
Vaterunser

EG 171

Segen

Predigt über Röm 8,26f am Sonntag Rogate 22.5.22

Alle telefonieren. Laut sprechend kommt mir jemand entgegen. Der ist doch allein. Mit wem redet der? Ach so, er spricht in sein Handy.

Eine Mutter schafft es, ihr Kind im Kinderwagen zu schieben, den Hund an der Leine zu halten und zugleich ihr Smartphone am Ohr zu haben.

Ganz zu schweigen von den vielen Autofahrern, die ihren Wagen steuern und mit einer Hand das Handy halten, was ja eigentlich verboten ist.     Alle telefonieren, manche anscheinend ohne Pause. Es gibt so viel Wichtiges zu sagen. Das Bedürfnis in Verbindung zu bleiben ist so groß.

Alle telefonieren? Nein, nicht alle. Manche nervt die dauernde Telefoniererei. Manche sind auch stumm, weil sie meinen: Wen sollten sie schon anrufen? Und was hätten sie zu sagen? Da ist keine Verbindung. Nicht aus technischen Gründen oder weil sie kein Handy haben. Sie wissen nichts zu sagen. Es soll auch Menschen geben, die so tun, als würden sie telefonieren. Sie wollen zu denen gehören, die viele Verbindungen haben.

 

„Betet!“ heißt es heute. „Bleibt in Verbindung mit Gott!“ So einfach ist das nicht. Wenn man schon so lange nicht mehr gebetet hat. Wenn einem zu belanglos scheint, was man sagen könnte, oder man nicht weiß, wie man es sagen soll. Wenn man nicht weiß: Ist da überhaupt eine Verbindung möglich? Hört Gott mich? Und auch, wenn es einem die Sprache verschlägt, wenn das, was geschieht, uns ratlos und sprachlos macht.

 

Hören wir zwei Verse aus dem Römerbrief dazu:  In gleicher Weise steht uns der Geist Gottes

da bei, wo wir selbst unfähig sind.

Wir wissen ja nicht einmal, was wir beten sollen. Und wir wissen auch nicht, wie wir unser Gebet in angemessener Weise vor Gott bringen.

Doch der Geist selbst tritt mit Flehen und Seufzen für uns ein. Dies geschieht in einer Weise,

die nicht in Worte zu fassen ist.

Aber Gott weiß ja, was in unseren Herzen vorgeht. Er versteht, worum es dem Geist geht.

Denn der Geist tritt vor Gott für die Heiligen ein. (Röm 8,26f)

Paulus, der große Paulus schreibt von seiner Unfähigkeit zu beten. Selbst Paulus hat keinen heißen Draht zu Gott. Kopf und Herz sind besetzt. Worte bleiben aus oder fallen ins Leere. Keine Verbindung möglich. Wir wissen ja nicht einmal, was wir beten sollen. Und wir wissen auch nicht, wie wir unser Gebet in angemessener Weise vor Gott bringen.

Zum Glück hat Paulus das geschrieben.

Zum Glück hat er alle in das „Wir“ eingeschlossen.     Es mag Zeiten geben, da fällt es uns leicht zu beten, aber oft ist es nicht so und das kennen wir alle. Niemand muss sich dafür schämen.  Niemand muss sagen: „Das ist nichts für mich.  Ich kann eben nicht beten.“

Wir alle können sozusagen von Natur aus nicht beten. Und keine und keiner kann es besser,   zum Beispiel weil sie Pfarrerin ist oder er der Apostel Paulus.

Wir alle können es nicht und können es doch.

Weil der Geist Gottes uns beisteht. Weil der   Geist mit Seufzen und Flehen für uns eintritt.

Weil Gott unsere Herzen kennt

und unser Seufzen und Flehen versteht.

Wir können nicht beten und können es doch.

Denn Gott will die Verbindung mit uns.

Gott ist wie einer dieser Smartphonejunkies.       Er hat uns so viel Wichtiges zu sagen. Gott ist geradezu süchtig nach der Verbindung zu uns.

 

Auch wenn bei mir nur die Sehnsucht da ist: Eigentlich würde ich gern beten.

Auch wenn ich keine Worte dafür finde.

Gott hört es.

Er sieht mich und kennt mein Herz.

Und er schickt keinen weg.

Gott ist nicht wie ein beleidigter Freund, der sagt:           „So lange hast Du dich nicht gemeldet – dann brauchst Du jetzt auch nicht kommen, wo du Hilfe brauchst.“ Gottes Geist ist bei denen, die ihn brauchen, nicht nur bei den vorbildlichen Christen. Gerade den Schwachen hilft er auf. Nicht nur denen, die immer alles richtig gemacht haben. Denen, die keinen Rat wissen, die meinen, sie seien von Gott und der Welt verlassen, bei denen ist Gott mit seinem Geist.

 

Fangen Sie einfach an mit einem Satz:

„Gott, du kennst mein Herz.“

Oder: „Gott, hier bin ich vor dir.“

Und dann seien Sie still, warten Sie,

bleiben Sie vor Gott!

Vielleicht kommt nur ein Seufzen, oder ein „Danke“ oder viele Gedanken.

Vielleicht kennen Sie dann selbst Ihr Herz besser – und das ist eine Antwort.

Vielleicht hilft Gottes Geist auch, indem andere mit Ihnen beten, zum Beispiel hier in der Kirche.
Jesus hat sich Sprache zum Beten ausgeliehen.

„Mein Gott, warum hast du mich verlassen“, hat er am Kreuz geschrien. Ein Psalm hat ihm geholfen, sich an Gott zu wenden. „Gott, hier bin ich vor dir. Wo bist du? Hör mich doch!“

Nehmen Sie einen Vers, wenige Worte,

sprechen Sie wieder und wieder,

etwa: „Herr, weise mir deinen Weg!“

Das reicht.

Ob Sie auf der Straße laufen und für sich beten, das geht gut. Ob Sie für Ihre Kinder und Enkel beten, besser noch mit ihnen. Ob Sie beim Autofahren beten, das ist nicht verboten. Und es geht ohne Handy. Die Verbindung ist da. Gott ist da.

 

Wir seufzen unter dem, was uns bedrückt.

Und schon, indem wir seufzen,

hilft der Geist uns auf. Die Verbindung ist da.

Gott hört und versteht uns.

Gott will ja unbedingt mit uns verbunden sein.

Darum ist er in Jesus Christus zu uns gekommen.

Er will bei uns sein, in allem, was uns bedrückt, im Leid und in der Schuld dieser Welt, sogar im Tod.

Nichts und niemand wird die Verbindung Gottes zu uns unterbrechen.

Gott hält die Verbindung zu uns, selbst wenn wir an unserer Verbindung zu ihm zweifeln.

Wir bleiben in seiner Liebe.

Amen

 

Gottesdienst und Predigt am 1.5. 22 mit einem Bild von Wolf Becke “noch schleifen?”

Lied 432

Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

Im Namen des Vaters ….

Noch schleifen? – so fragen Sie zu ihrem Bild, Herr Becke. Das Motiv ist wie ein ungeschliffener Edelstein. Sie denken bei der Entstehung des Bildes nach über die Entwicklung von Menschen, besonders von Kindern.

Die Menschen sind aus krummem Holz geschnitzt, meinte Kant. Und wir sind doch dazu bestimmt aufrecht zu gehen.

Noch schleifen? Wie finden wir zu uns selbst?

Wir schauen jetzt, in der Kriegszeit, auf das Bild und auf uns Menschen. Was macht dieser Konflikt aus uns? Wie finden wir zurück zu Frieden und Menschlichkeit?

Wir nehmen zu Beginn des Gottesdienstes Elemente eines südafrikanischen Versöhnungsrituals auf und feiern die Versöhnung, die Christus uns in seinem Mahl schenkt.

 

Lasst uns gemeinsam im Wechsel beten:

Die Welt gehört Gott

die Erde und alle Menschen, die auf ihr wohnen.

Wie gut und heilsam ist es

gemeinsam in Eintracht zu leben.

Liebe und Glaube kommen zusammen,

Gerechtigkeit und Frieden begegnen sich.

Wenn die Jüngerinnen und Jünger Jesus schweigen

werden die Steine laut schreien.

Gott, tue meine Lippen auf,

dass mein Mund deinen Ruhm verkünde.

Amen

Neue Lieder 82 Suchen und fragen

„Nimm die Hitze aus unseren Herzen!“ – so nannten sie den Ritus der Versöhnung in Südafrika. So viel Verletzung, so viel Unrecht und Gewalt stand zwischen ihnen. Sie wollten neu anfangen und sich verlassen auf Gottes Ja zu uns.

Ostern heißt: Es wird möglich, was wir uns nicht mehr vorstellen konnten. Es heilt, was zerbrochen ist. Gott schenkt ein Neues. Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.  „Nimm die Hitze aus unseren Herzen!“ – beten wir gemeinsam.

 

Gott, mit diesem Wasser kühle unsere Hände, unsere Köper von der Hitze der Sonne.

Christus, erbarme dich.

Mit diesem Wasser nimm die Hitze aus unseren Herzen.

Gott, erbarme dich.

Mit diesem Wasser lindere unsere verletzten Gefühle, entferne die Wut von gestern.

Christus, erbarme dich.

Reinige uns von wahren und falschen Anschuldigungen.

Gott, erbarme dich.

Reinige uns von dem Makel, den unsere Missetaten hinterlassen haben.

Christus, erbarme dich.

Entferne alle Spuren des Argwohns.

Gott, erbarme dich.

Mit diesem Wasser schenke uns einen Neubeginn, dass wir eine neue Gemeinschaft werden.

Christus, erbarme dich.

Mit diesem Wasser fülle unsere Herzen mit einem reinen Geist.

Gott, erbarme dich.

Mit diesem Wasser mach uns bereit zur Versöhnung.

Amen

 

Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom (Röm 12)

Eure Liebe soll aufrichtig sein.

Verabscheut das Böse und haltet am Guten fest.

Liebt einander von Herzen als Brüder und Schwestern.

Übertrefft euch gegenseitig an Wertschätzung.

Vergeltet Böses nicht mit Bösem.

Habt anderen Menschen gegenüber nur Gutes im Sinn.

Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt.

Lass dich nicht vom Bösen besiegen,

sondern besiege das Böse durch das Gute!

 

Wir schauen auf das Bild von Wolf Becke

Noch schleifen?

 (Orgelimprovisation)

Predigt nach Gen 28 und 32:

Ein Stein in seiner Hand.

Er schimmert rosa und blau,

als wäre Kostbares in ihn eingeschlossen.

Aber er ist auch rau, zerkratzt, zerschunden

von all dem, was über ihn hinweg gegangen ist.

Jakob hält den Stein in der Hand,

seit vielen Jahren immer wieder.

Er gehört zu ihm wie sein Leben,

ist wie ein Spiegel seiner selbst,

führt ihn zu Selbstgesprächen, Gebeten.

Ein Stein in seiner Hand wie der große Stein,

an den er sein Haupt lehnte

in der dunkelsten Nacht seines Lebens.

Am Morgen richtet er den Stein auf,

damit er ihn wiederfinden kann.

Erst da sieht er seine Farben, seine Schönheit.

Einen Splitter hebt er auf, der dem großen gleicht.

Abgespalten, getrennt – gibt es ein Zurück?

Kann der Riss zwischen ihm und seinem Bruder, zwischen ihm und seinem Vater je wieder heilen?

Er hört sie schreien, außer sich vor Wut.

Erst da beginnt er zu ahnen,

wie sehr er sie verletzt hat.

Er muss fort, rennt um sein Leben,

rennt den ganzen Tag,

bis er sich völlig erschöpft an diesen Stein lehnt.

Was soll werden?

Wohin wird er geworfen?

Wird je ein Mensch nach ihm fragen?

Jakob schläft ein – und träumt,

träumt wunderbar von einem himmlischen Licht.

Gott kommt zu ihm.

Zu ihm kommt Gott.

Sagt ihm: Ich bin bei dir und segne dich.

Du kehrst zurück.

Am Morgen richtet Jakob den Stein auf

und macht sich wieder auf den Weg,

ein Flüchtling mit Gottes Verheißung.

Viele Jahre schon hält er den Stein in seiner Hand, denkt an den Riss in seinem Leben und an Gottes Wort. Sein Stein gehört gerade so zu ihm, mit seinen Narben und Kanten und rauen Stellen

und mit der Ahnung: da ist noch mehr.

So wie sein Stein verheißungsvoll schimmert und manchmal im Licht glänzt, so glänzt über seinem Leben, was Gott gesagt hat: Ich bin bei dir und segne dich. Du kehrst zurück.

 

Und jetzt ist Jakob auf dem Weg zurück. Morgen wird er seinen Bruder wiedersehen – wie wird das sein nach so vielen Jahren?

Mit allen, die zu ihm gehören, ist Jakob unterwegs, den Kindern, dem Vieh, seinem ganzen Besitz. Jakob hat seinem Bruder kostbare Geschenke bringen lassen. Der kommt ihm mit einer großen Schar Männer entgegen. Hat er eine Chance?

In dieser Nacht ringt Jakob mit Gott.

Eine Gestalt kämpft mit Jakob bis zum Morgen. Jakob packt und hält ihn fest: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Ich lass dich erst los, wenn du mich gesegnet hast.

Seit diesem Kampf humpelt Jakob.

Seit dieser Nacht heißt er Israel, Gotteskämpfer. Am Morgen begegnet ihm sein Bruder, bereit zur Versöhnung.

 

Einen ungeschliffenen Edelstein habe ich in Ihrem Bild erkannt und habe ihn mit Lebenswegen in Verbindung gebracht: zerkratzt, rau, verletzt und verletzend und doch darunter ein Glanz, eine schöne Ahnung und Bestimmung.

Noch schleifen? Nein.

Die Kanten und Narben gehören zu uns.

Die Lüge und der Betrug Jakobs haben seinen Vater und seinen Bruder zutiefst verletzt.

Sie können sich am Ende versöhnen und doch bleibt dieser Riss in ihrer Geschichte. Er lässt sich nicht einfach abschleifen.

Der schreckliche Überfall Russlands auf seine Schwestern und Brüder wird das Verhältnis auf Dauer bestimmen. Ganz Europa sieht jetzt anders auf Russland. Irgendwann wird – so hoffen wir – Versöhnung möglich sein. Aber es wird nicht mehr sein wie vorher. „Man schließt nicht mit Freunden Frieden, sondern mit Feinden.“, meinte Jizchak Rabin. Zum Frieden gehört Geduld, Weisheit und Mut. Wie schwer heilen wir, was zwischen uns zerrissen ist! Wie unendlich schwer wenden wir uns ab von unserem verletzenden Tun!

Zwischen Jakobs Betrug und der Versöhnung liegen mindestens 20 Jahre. Jakobs Bruder wird Abstand halten und vorsichtig bleiben. Leider ist das nötig.

Das ist die eine Seite: Machen wir uns nichts vor! Wir haben Grund einander zu misstrauen.

Wir haben Grund auch uns selbst den rücksichts-losen Egoismus eines Jakob zuzutrauen.

Die andere Seite ist Gottes Geschichte mit Jakob und mit uns. Gott kommt zu Jakob in der Nacht: Ich bin bei dir und segne dich.

Ich erkenne auf Ihrem Bild eine Verheißung.      Wir sind nicht am Ende. Unsere Geschichte geht weiter, weil Gott segnen will.

Gott kommt zu uns in unserer Nacht, zu uns, die seiner Liebe widersprechen, zu uns Sündern. Warum nur setzt Gott sich der von Gewalt zerrissenen Welt aus? Weil er sie dennoch liebt.

Ich bin bei dir und segne dich, sagt Jesus zu uns. Jakob klammert sich an die Verheißung: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Gott lässt sich den Segen abringen.

Jakob und sein Bruder versöhnen sich.

Gott sieht nicht einfach über unsere Kanten und rauen Stellen hinweg. Er segnet Jakob so, wie er ist. Trotzdem: er segnet ihn. Amen

EG (Baden) 646

Wags und sei doch, was du in Christus bist, in seinem Urteil, in seiner Liebe, in seines Auges ewigem Licht schon bist.

Garnichts hast du, was er nicht selbst dir gab. Anspruch und ntwort, Wollen und Wirken strömen aus gleicher Quelle den Berg hinab.

Schuld und Ängste lasten nicht mehr auf dir. Nun bist du frei zu dienen und lieben wen du auch triffst und Jesus in ihm , in ihr.

Jetzt schon bist du, der einmal werden wird: schuldig und heilig, tot und erstanden, frei geliebt, eins mit Ihm, der dich heimgeführt.

 

Wir feien das Mahl unseres Herrn. In Christus sind wir versöhnt, geheilt, voll Hoffnung.

Wir danken dir, Gott. Du kommst zu uns in Jesus Christus, dass wir neu anfangen können. Du hilfst uns weiter zu sehen, wo wir heillos zerstritten sind. Du überwindest Sünde und Tod. An deinem Tisch, Jesus, empfängst du uns als Menschen des Friedens. Deinen Frieden schenkst du uns. Wir preisen dich, denn du bist heilig.

Neue Lieder 125: Du bist heilig

Heilig bist du, Gott, Quelle aller Heiligkeit. Du bringst Licht aus der Finsternis, Leben aus dem Tod, Wort aus dem Schweigen. Wir preisen dich für Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn.

Einsetzungsworte

Sende deinen Heiligen Geist. Verbinde uns alle, die dieses Brot empfangen und aus diesem Kelch trinken in deiner Gemeinschaft. Gemeinsam mit allen deinen Kindern und der ganzen Kirche auf Erden beten wir mit den Worten Jesu.

Vaterunser

Wir verkünden den Tod und die Auferstehung unseres Herrn. Christus ist unsere Hoffnung und unsere Freude, unser Licht.

Neue Lieder 180 Meine Hoffnung und meine Freude

Austeilung

Wir danken dir, Christus, unser Bruder und Herr. Du schenkst uns deine Gemeinschaft. Du weckst die Hoffnung auf Frieden und Versöhnung. Mach uns bereit dazu. Wir bitten für die Menschen, die unter Krieg und Gewalt leiden. Mach ein Ende mit dem unsagbaren Leid, heile die Wunden, steh den Trauernden bei. Gib uns Mut zur Versöhnung für unsere ungelösten Konflikte, für den Streit, der immer wieder weh tut. Hilf uns zu Umkehr, zum Frieden. Wir bitten für unsere Kranken, für die von Ängsten Geplagten, für die Einsamen. Hilf uns ihre Not zu sehen und ihnen beizustehen. Für deine Kirche in allen Konfessionen und in allen Ländern bitten wir. Mach uns zu Botinnen und Boten deines Friedens. Amen

EG 421

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.

Segen

 

Predigt Ostermontag 18.4.22 Jona 2,1-10 Andreas Hansen

Ein neuer Predigttext für Ostern ist das Gebet des Jona im Bauch des Fisches. Oder eigentlich: so neu ist er doch nicht, denn schon in den Katakomben bei Rom malten Christen ihre düstere Erfahrung und ihre Osterhoffnung in Bildern von Jona. Gott reißt Jona aus der Todeszone heraus. Beten wir mit Jona.

 

Der Herr ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem Herrn, seinem Gott, im Leibe des Fisches und sprach:

Ich rief zu dem Herrn in meiner Angst,

und er antwortete mir.

Ich schrie aus dem Rachen des Todes,

und du hörtest meine Stimme.

Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer,

dass die Fluten mich umgaben.

Alle deine Wogen und Wellen  gingen über mich,

dass ich dachte,  ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen.

Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt.

Ich sank hinunter zu der Berge Gründen,

der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich.

Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!

Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den Herrn, und mein Gebet kam zu dir

in deinen heiligen Tempel.

Die sich halten an das Nichtige,

verlassen ihre Gnade.

Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen.

Meine Gelübde will ich erfüllen.

Hilfe ist bei dem Herrn.

 

Es ist eine fantastische Geschichte: Jona läuft weg vor Gott. Er flieht über das Meer und gerät in einen schrecklichen Sturm. Er fällt in die tosende Flut und wird verschlungen von einem riesigen Fisch.

Eine Geschichte wie in einem bösen Traum: in die Tiefe stürzen, in Todesangst sein, verschlungen werden.

Eine Geschichte, die wir nachfühlen können, obwohl sie so fantastisch ist, denn wir können uns vorstellen, dass Schmerz und Leid und finsteres Unglück wie eine Welle über einen Menschen kommen und er untergeht. Da sitzt er tief unten, hinuntergestürzt in Angst, Scheitern, Trauer.

Im Rachen des Todes: dem Tod nah, in der Intensivstation, am Kreuz, unter Beschuss, schiffbrüchig auf dem Mittelmeer.

Jonas Geschichte ist offen für die schlimmsten Erfahrungen, so wie am Kreuz das Leid und die Schuld der ganzen Welt Platz hat.

 

Die fantastische Geschichte von Jona hat einen realen Hintergrund. Es geht um das sagenhaft grausame Reich der Assyrer mit der Hauptstadt des Bösen: Ninive. Oder um eine spätere Zeit, als das Büchlein von Jona geschrieben wurde und die Perser andre Völker versklavten. Es geht genauso um heute, wenn ein großes Land seinen kleinen Nachbarn überfällt, Städte zerbombt und Menschen ermordet. Der Hintergrund ist damals und heute: die Wirklichkeit des Bösen.

Gott gibt Ninive nicht auf. Es tut ihm Leid um die Menschen und Tiere in der großen, bösen Stadt. Und tatsächlich kehren sie um.

Für Ninive und Moskau gilt: Gott ist nicht fertig mit euch. Ihr sollt umkehren.

Gott sieht für alle diese Chance.

Der seltsame, bockige Prophet macht es vor,    dass Umkehr möglich ist. Gott lässt ihn nicht einfach davonkommen. Gott findet Jona. Gott findet uns. Jona muss im Sturm untergehen und durch die Hölle gehen, aber er ist gerettet.

Jesus geht in den Tod für uns, aber er lebt.

Für uns und für alle gilt: Gott findet sich nicht ab mit dem Bösen. Er gibt der Welt einen neuen Weg.

Das klingt wie ein Märchen.

Und doch: das Leben siegt.

Dazu braucht Gott mutige Menschen, die sich nicht drücken und das Richtige tun.

Es wird einen Ausweg aus diesem Krieg geben. Gott wird das noch Unvorstellbare möglich machen.

Jona zeigt uns Gottes Mitleid mit der bösen, gewalttätigen Welt. Und ebenso zeigt Jesus Gottes Leiden an der Welt und seinen Sieg.

Das ist unsere Hoffnung.

 

Wir können uns einfühlen in Jonas Sturz in die Tiefe, in das Untergehen und Verschlungen-Werden. Beten wir auch mit ihm. Er klagt.

Er klagt zuerst Gott an: Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen  gingen über mich, dass ich dachte,  ich wäre von deinen Augen verstoßen. Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt. Jona erspart Gott nichts: Er versteht nicht und klagt. Er ist verzweifelt und am Ende.        Beten hilft: Wie Jesus am Kreuz, so nimmt Jona Worte aus den Psalmen, um seine Not vor Gott zu bringen. Er stellt sich in den Kreis der Betenden.

Und nun gewinnt er eine neue Sicht.

Jona sieht er sich selbst vor Gott.

Gott ist nicht am Ende.

Neue Möglichkeiten öffnen sich.

Nimmt Jona vorweg, was er hofft? Gott hat doch schon geholfen und wird wieder helfen.

Oder sieht er schon zurück auf die Rettung?

Sein Gebet wird zum Lob: du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!

Beten hilft Jona auszuhalten, die Panik zu überwinden, neu anzufangen.

Beten hilft uns: Wir sehen uns vor Gott.

Gott öffnet neue Wege für uns.

Wir glauben und beten von Ostern her.

Du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!

Amen

 

Predigt Ostersonntag Mk 16,1-8

Vor der Predigt singen wir EG 111, 1+2+11+13

Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufersteht. Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja.

Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen, gleich als wär ich tot, lässt du mir früh die Gnadensonn aufgehn: nach Trauern Freud und Wonn. Halleluja.

O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Tür. Halleluja.

Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, dass er mich herzlich liebt; wenn mir gleich alle Welt stürb ab, g’nug, dass ich Christus bei mir hab. Halleluja.

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sehr früh am ersten Tag der Woche kommen sie zum Grab, eben als die Sonne aufging.

Und sie sagten zueinander: Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?  Doch wie sie hinschauen, sehen sie, dass der Stein weggewälzt ist. Er war sehr groß.

Und sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem langen, weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. Er aber sagt zu ihnen: Erschreckt nicht! Jesus von Nazareth sucht ihr, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Das ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt haben. Doch geht, sagt seinen Jüngern und dem Petrus, dass er euch vorausgeht nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

Da gingen sie hinaus und flohen weg vom Grab, denn sie waren starr vor Angst und Entsetzen. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.  (Mk 16,1-8)

 

In panischem Schrecken laufen sie davon – nur weg von hier! – durch die Gassen der Stadt laufen sie, bis Salome stolpert und sich gerade noch fangen kann – es klirrt. „Das Salböl!“

Ihre Tasche wird fleckig. Es beginnt zu duften – das Salböl läuft aus.

„Wie vor ein paar Tagen. Wisst ihr noch?“ „Nardenöl – das ganze Haus war erfüllt vom Duft.“ Da stehen sie und sehen einander an.

„Was war das vorhin in dem Grab?“

„Was hat er gemeint mit: Er ist auferweckt?“

„Es ist wie ein Traum. Aber ihr seid da, und ich rieche das Salböl.“ Sie lächelt.

 

Groß, ungeheuer groß ist die Angst, wie ein schwerer Stein auf dem Herzen. Was geschieht, ist so bedrängend, löst so tiefe Gefühle von Hilf-losigkeit und Schmerz aus, dass das Gehirn es nicht normal verarbeiten kann: ein Trauma.

Eine Wunde: Wir zucken zurücA, sobald etwas in die Nähe kommt. Niemand darf sie anrühren!

Ein traumatisierter Mensch ist voll Unruhe oder wie gelähmt. Plötzlich ist der Schrecken wieder da. Unerträglich: „Nur weg von hier!“

Traumatisiert sind Menschen, denen Gewalt angetan wird, die Katastrophen erleben oder die Zeuge schrecklichen Leides werden. Ein Unfall, der Tod eines geliebten Menschen, oder die Grausamkeit des Krieges. Das Geschehene      hat sich in die Seele eingebrannt.

Es steht im Weg und verstellt den Blick.

Wie ein Stein, der schwer lastet.

Wer wird uns den Stein wegwälzen?

 

Gut, dass sie zu dritt sind, Maria Magdalena, Maria und Salome. Keiner soll in diesem Zustand alleine sein. Den Sabbat über mussten sie warten, jetzt endlich können sie tun, was man tut.

Das Normale hilft, Salböl für den Verstorbenen.

Doch nichts ist normal:

Der Stein ist fort, das Grab offen – sie erschrecken über den Jungen in Weiß, sie sind schockiert über seine Worte und laufen davon.

Zuerst sind da nur Zweifel und Fragen.

„Denkst du auch daran?“ Aber sie schweigen.

Eine unverständliche, fremde Wirklichkeit bricht herein. Alles, was sie wissen über Leben und Tod, ist auf den Kopf gestellt. Die Grenze zwischen Tod und Leben wird brüchig. Wer darüber nicht erschrickt, versteht nicht, was hier vor sich geht.

Aber das ist ein anderer Schrecken.

Der Gekreuzigte ist auferweckt.

Was heißt das?

Jesus lebt! Tot ist nicht mehr tot.

Er ist gestorben und lebt.

Etwas Neues, Großes ist in ihrem Leben.

Sie sind Gott begegnet.

 

Groß sind die Steine unserer Angst.

Alles ist auf einmal anders, wenn ein lieber Mensch krank wird oder wir selbst. Was wir selbstverständlich erledigt haben, wird zum Problem. Wir fragen uns, wie es weitergeht.

Vieles verändert sich durch den Krieg in der Ukraine. Eine Zeitenwende. Wir konnten uns   nicht vorstellen, was jetzt gar nicht so weit von uns geschieht, was die Menschen dort mitmachen. Wohin führt das noch?

Die Welt ist bedroht, wir sind verletzlich.

Täglich erfahren wir das.

Und doch ist seit Ostern eine neue Dimension aufgebrochen.

Wir spüren den Schrecken der drei Frauen.

Aber auch die Ahnung: Da ist noch mehr.

Eine neue noch nicht greifbare Wirklichkeit.

Wir wissen längst nicht alles.

Gott hält noch vieles bereit für uns.

Gott ist da. Undenkbar: Gott in unserem Leben.

Wunderbar: Gott ist bei uns.

So bedrohlich ist vieles. Aber Jesus ist bei uns.   er ist auferweckt worden.

Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Tür. Halleluja (EG 111,11)

 

Maria, Maria Magdalena und Salome schweigen.

Sie gehen nach Galiläa. Sie warten.

Vieles erinnert sie: das Haus in Kapernaum – „Deine Sünden sind dir vergeben“ hat er gesagt,

der Platz, an dem so viele satt wurden durch ihn, der See: „was seid ihr so furchtsam – habt ihr noch keinen Glauben?“ hat er im Sturm gesagt.

Überall sind seine Spuren.

Er ist bei ihnen.

Sie denken an das, was sie im ersten Morgenlicht erlebt haben: der Stein war weggerollt, das Grab leer, der junge Mann im weißen Gewand.

Ihr sucht den Gekreuzigten. Er ist nicht hier.

Er ist auferweckt.

Bald treffen sich die Jüngerinnen und Jünger regelmäßig: Am Morgen nach dem Sabbat feiern sie ihren Herrn.

Er lebt. Er ist bei uns. In seinem Namen vergeben wir Sünden. Wie er teilen wir das Brot. Der Herr ist auferstanden.

Lebt Christus, was bin ich betrübt?

Ich weiß, dass er mich herzlich liebt.

Wenn mir gleich alle Welt stürb ab,

g´nug, dass ich Christus bei mir hab.

Halleluja (EG111,13)

Amen

Hausgottesdienst Ostern

Schön, dass Sie einen Hausgottesdienst feiern wollen – allein bei Ihnen zuhause und doch verbunden mit Gott und vielen
Menschen.

Glockengeläut
Öffnen Sie doch das Fenster, Vielleicht hören Sie die Glocken läuten.

Votum
Am Anfang, ganz am Anfang von allem sprach Gott: Es werde Licht! Und es ward Licht. Am Ende der Todesnacht, am Ostermorgen sprach Gott: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und wie er einst sprechen wird am Ende von allem, so spricht er heute: Es werde Licht! Und es ward Licht. (Kerze anzünden) Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja. Ostern heißt: Wir feiern miteinander den Sieg Gottes über den Tod, über Feindschaft und Hass. Wir feiern den Sieg des Lebens! Wir feiern in deinem Namen Gottesdienst. Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet
Herr, schenke deine Osterfreude den Weinenden und den von Gewalt traumatisierten. Herr, schenke deinen Osterfrieden
den Verzweifelten und den Zerstrittenen. Herr, schenke dein Osterleben den Erstarrten und den Niedergeschlagenen. Herr,
schenke dein Osterheil den Verwundeten und den Verneinten. Herr, schenke die Osterliebe den Hassenden und den Sehnsüchtigen. Herr, schenke deinen Osterglauben den Reformierenden und den Wegweisenden. Herr, schenke dein Osterlicht den Toten und den Lebenden. Amen.

Lesung aus Markus 16, 1-8 (Gute Nachricht)
Am Abend, als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala und Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um den Toten damit zu salben. Ganz früh am Sonntagmorgen, als die Sonne gerade aufging, kamen sie zum Grab. Unterwegs hatten sie noch zueinander gesagt: »Wer wird uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?« Denn der Stein war sehr groß. Aber als sie hinsahen, bemerkten sie, dass er schon weggerollt worden war. Sie gingen in die Grabkammer hinein und sahen dort auf der rechten Seite einen jungen Mann in einem weißen Gewand sitzen. Sie erschraken sehr. Er aber sagte zu ihnen: »Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der ans Kreuz genagelt wurde. Er ist nicht hier; Gott hat ihn vom Tod auferweckt! Hier seht ihr die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten. Und nun geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: ›Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, genau wie er es euch gesagt hat.‹« Da verließen die Frauen die Grabkammer und flohen. Sie zitterten vor Entsetzen und sagten niemand ein Wort. Solche Angst hatten sie. Stille.

Liedvorschlag EG 99 „Christ ist erstanden“

Predigt (von Pfr. Marco Rückert, Sexau)
Worum geht es zu Ostern? Einer der 1. Klässler sagte im Reli-Unterricht: „Ich glaube, da ist irgend so ein Hase geboren.“ Andere ergänzten: „An Ostern ist Jesus geboren“ und schließlich einigten sich die Schüler darauf, dass an Ostern der Osterhase Eier versteckt. Mir standen spätestens jetzt alle, aber auch wirklich alle Haare zu Berge. Hatte ich doch mit viel Liebe vor drei Monaten die Weihnachtsgeschichte erzählt. Und dann das: „An Ostern ist Jesus geboren und der Hase hoppelt lustig über die Wiese.“
Ganz anders waren die Kenntnisse von Philipp. Philipp war ein kleiner Junge mit Downsyndrom, der in seiner Klasse immer ein bisschen gehänselt wurde. In der Osterzeit schickte die Lehrerin die Kinder nach draußen. Jedes Kind bekam einen kleines Plastik-Ei verbunden mit der Aufgabe, in der Natur irgendetwas zu suchen, was zu Ostern, zum neuen Leben im Frühling passt und in dieses Ei zu packen. Die Kinder strömten nach draußen, auch Philipp. Nach einiger Zeit kehrten sie zurück und stellten stolz ihre kleinen Behälter auf den Tisch der Lehrerin. Einen nach dem anderen öffnete sie und zeigte der Klasse, was darinnen war. Es gab Blumen, Blätter, einen Schmetterling. Die Klasse kommentierte alles mit
lauten „Ah’s“ und „Oh’s“. Da wurde ein kleines Ei geöffnet – leer, nichts drin, gar nichts. Das ist nicht fair, riefen die Kinder, einer hat seine Aufgabe nicht erfüllt. „Das ist mein Ei“, rief Philipp. „Oh nein“, stöhnten die anderen, „typisch Philipp, du kannst aber auch nichts richtig machen.“ „Nein“, sagte Philipp, „das stimmt nicht. Ich habe es so gemacht, wie es war. Es war doch leer. Das Grab war leer.“ Von da an hörten die Kinder auf Philipp zu ärgern. Ein paar Wochen später
wurde er krank. Philipp starb an einer Infektion, die andere Kinder sicher überlebt hätten. Er nicht. Zur Beerdigung kamen alle Kinder der Klasse; statt Blumen brachte jedes einen kleinen eiförmigen Behälter mit – einen leeren kleinen eiförmigen Behälter. Das war Philipps Osterpredigt. Er hatte es verstanden. Was ist Ostern? Das Grab war leer. Der ans Kreuz Genagelte lebt. Jesus ist auferstanden. Darum feiern wir heute.
Wie steht es mit Deiner Osterhoffnung? Worauf hoffst Du? Und wie weit reicht Deine Hoffnung? Es ist ein großer Unterschied, ob wir auf etwas oder auf jemanden hoffen. Auf etwas hoffen heißt: Wir hoffen auf einen schönen Frühling? Auf eine Gehaltserhöhung? Wir hoffen auf einen Neuanfang in unserer Ehe? Auf ein Kind? Darauf, dass es gut wird mit unseren Kindern? Oder doch zumindest besser? Wir hoffen auf Erfolg, Zuneigung, Sicherheit? Manchmal geht es in
unserer Hoffnung um Leben und Tod: Dann hoffen wir, dass es nicht Krebs ist, nicht Demenz, nicht Parkinson. Das Problem ist, dass es doch irgendwann irgendetwas davon ist. Das Problem ist, dass unsere Hoffnung ganz gewiss irgendwann enttäuscht wird. Dann lassen wir die Hoffnungen schrumpfen: Noch einmal ein Frühjahr erleben, eine Zeit ohne Schmerz, ein Fest in der Familie. Kleine Hoffnungen, wenn die großen nicht mehr erfüllt werden. Denn dieses Leben erfüllt unsere großen Hoffnungen immer nur vielleicht, und dann sehr bedingt und stets nur auf Zeit. Gut, dass es Hoffnungsbilder gegen den Tod gibt. Ostern, das heißt: Neues Leben, wo man es nicht mehr erwartet hätte, aufatmen können, wo alles stickig war, lachen, wo die Traurigkeit schon gesiegt zu haben schien. Ostern heißt, mit Hoffnung und Hoffnungsbildern in den Tag und in sein Leben gehen. Die Bibel ist voll von solchen  Hoffnungsbildern, die uns durch dunkle Zeiten hindurch tragen und begleiten können, aber auch durch unsern Alltag.
Auch der Apostel Paulus wollte seinen Lesern Hoffnung schenken. Die Hoffnung nämlich, dass mit Ostern etwas entscheidendes, etwas geradezu existentielles Geschehen ist. Er schreibt: Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!Ich will einmal versuchen mir das ganz praktisch vorzustellen. Paulus beschreibt einen existentiellen Kampf. Es geht buchstäblich um alles! Einen Kampf gegen einen mächtigen Gegner. Vielleicht gegen den mächtigsten Gegner, den die Welt je gesehen hat. Er heißt: König Tod. An
Ostern hat Jesus diesen mächtigen König besiegt. Weil Jesus auferstanden ist, muss Seine Majestät der Tod abdanken.
Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Erst wenn Seine Majestät der Tod abdankt, erst dann ist Ostern vollendet.
Sie müssen sich das wie im Kino vorstellen, wenn am Ende der Held auf den schlimmsten Schurken trifft. Spiel mir das Lied vom Tod, wird es dann zum letzten Mal heißen. Für den Tod wird es kein Happy End geben. Ich musste an dieser Stelle an eine Familie denken, deren Sohn mit 21 schwer an Krebs erkrankte. Die Metastasen haben gleich mehrere Organe befallen. Seit 1 ½ Jahren kämpft er gegen den Krebs. Die Aussichten zu überleben, waren von
Anfang an sehr schlecht. Jesus hat diese Familie durch diese Zeit hindurchgetragen. Er hat ihnen Mut und Kra ft gegeben für Reisen zu Ärzten, Kraft zu Chemo-Therapien, Kraft für Operationen. Er hat sie Rückschläge ertragen lassen. Heute sagen sie: Unser Sohn lebt schon länger als die Ärzte vorhergesagt haben. Gott sei Dank. Dem Tod ein Schnippchen geschlagen, etwas Land abgekauft. Vielleicht wird er es schaffen, vielleicht nicht.
Wer am Grab eines jungen Menschen stand, wer weinenden Eltern in die Augen sah, wer sich klar macht, wieviel Zukunft da vernichtet wird, wie bösartig der Tod Menschen auseinanderreißt, der weiß, worum es Ostern geht. Der Tod stößt uns in die Verhältnislosigkeit, er beendet jede Beziehung, reißt auseinander und macht kaputt. Er tut in allem das genaue Gegenteil von dem, was Jesus tut. Ostern ist erst am Ende, wenn der Tod am Ende ist. Der Tod kommt nicht als
Freund und er ist kein Erlöser. Wenn wir so reden, dann hat der Tod schon mitten im Leben so viel kaputt gemacht, dass wir nicht mehr dagegenhalten können. Paulus nennt ihn beim Namen: Er ist der Todfeind von uns Menschen. Am Ende geht es nur noch um ihn. Aber es ist keine Schlacht mit offenem Ausgang. Es ist ein Showdown, dessen Ende schon in einem kleinen Friedhofsgarten bei einem leeren Grab vor 2000 Jahren beschlossen wurde. Da wurde entschieden, wer siegt.
Der kleine Philipp weiß es: Das Grab ist leer. Der Tod hat sich an Jesus verschluckt. Noch kann er grausam zuschlagen, aber seine Tage sind gezählt, seine Niederlage steht fest. Am Ende ziehen wir mit Jesus in der Parade des Siegers. Ich stelle mir das gerne ganz plastisch vor. Eine Siegesparade im Himmel, Jesus geht vorneweg und wir Menschen folgen ihm nach. Alle sind sie da. Groß und Klein. Da plaudern Petrus und Paulus munter miteinander, davor sehe ich – laut singend – die vielen unschuldigen Kinder, die Opfer von Krieg und Gewalt wurden. Mutter Teresa geht da irgendwo, kaum zu sehen, weil sie fast verschwindet in der Schar der Ärmsten der Armen, die erhobenen Hauptes in der großen Parade mitmarschieren. Philipp ist mit dabei und vielleicht hält er ein kleines leeres Plastik-Ei in der Hand. Und irgendwo mittendrin wird es uns geben, werden wir auch mitziehen, hinter Jesus her, dem wir jetzt im Leben folgen, ohne ihn zu sehen, und dann werden wir ihm aus dem Tod heraus folgen und werden ihn sehen. Irgendwo wird ein Platz für uns sein. Und auch die lieben Menschen, um die wir einst getrauert haben, werden dabei sein. Das, ihr Lieben, ist Ostern! Der Herr ist auferstanden! Er lebt – und wir sollen auch leben. Das ist die Wahrheit und unsere Hoffnung. Amen.

Liedvorschlag EG 100 „Wir wollen alle fröhlich sein“

Fürbitten
Halleluja, wir leben in einer Welt des Todes, aber du bist unser Weg ins Leben, gnädiger Gott, vor dir singen wir unser Lied, vor dir werden wir still, zu dir geht unser Gebet. Halleluja, wir sind verzagt, aber du sprichst uns an, lebendiger Gott, wir greifen nach deiner Hand, hören auf dein Wort, schauen auf dich.
Halleluja, wir danken dir für das Leben Jesu, sein Zeugnis bis in den Tod, sein neues Leben im Glauben. Sein Bild leuchtet uns, seine Liebe richtet uns auf, sein Leben schenkt uns Hoffnung. Von seinem Geist erfüllt verlassen wir die Enge unserer Angst und schauen auf diese weite Welt. So bringen wir vor dich: Die Menschen, die unter Krieg und Gewalt leiden, Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht,
alle, die verfolgt werden, weil sie für die Gerechtigkeit kämpfen, alle, die wegen ihres Glaubens bedrängt werden, die Armen und Leidtragenden, die Sanftmütigen und Barmherzigen, die reinen Herzens sind und die Friedfertigen. Du wälzt den Stein fort und machst uns frei. Vor dir sind wir nicht allein, nicht verloren in unserer Angst. Vor dir sind wir verbunden mit allen Menschen guten Willens, mit allen, die dein Geist erfüllt, mit allen, die Jesus folgen auf dem Weg ins Leben. Halleluja! Stille. Vater unser im Himmel…

Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Hausgottesdienst Karfreitag

Schön, dass Sie einen Hausgottesdienst feiern wollen – allein bei Ihnen zuhause und doch verbunden mit Gott und vielen Menschen.
Wir werden heute miteinander Abendmahl feiern. Nehmen Sie sich Zeit, den Tisch zu decken. Ein Stück Brot. Einen Schluck Wein,
Traubensaft oder einen Schluck von dem, was Ihnen besonders kostbar ist. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Gottesdienst!

Ihre Pfarrerin Christina Schäfer

Glockengeläut
Zünden Sie eine Kerze an. Halten Sie einen Moment Stille.

Votum
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet

Gott, wir kommen zu dir an diesem Karfreitag. Sehen auf dein Kreuz. In ihm spiegelt sich das Kreuz so vieler Menschen,
die Gewalt leiden, sinnlose Tode sterben müssen. Am Kreuz sehen wir, wozu wir Menschen fähig sind. In der Stille bringen
wir dir das Dunkel der Welt und unser eigenes Dunkel. Wo wir schuldig geworden sind. Wofür wir uns schämen. Womit
wir alleine nicht fertig werden. – Stille – Gott, lass uns in unserem Dunkel nicht allein. Lass in uns die Hoffnung stark
werden, dass bei dir das Kreuz, die Gewalt, unser Scheitern, nie das Ende, sondern erst der Anfang ist. Versöhne uns mit
dir und mit uns selbst. Und lass in deinen Händen heilwerden, was hier zerbrochen bleibt. Amen.

Lied: O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85,1+5)

Lesung Lk 23,32-49
Es wurden aber auch noch zwei andere Verbrecher mit ihm zur Hinrichtung geführt. Und als sie an den Ort kamen, der Schädel
genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die Verbrecher, einen zur Rechten, den anderen zur Linken. Jesus aber sagte: „Vater vergib
ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Sie aber teilten seine Kleider unter sich und warfen das Los darüber. Und das Volk stand
und sah zu. Und die Verantwortungsträger spotteten: „Andere hat er gerettet, er soll doch sich selbst retten, wenn dieser da Christus
ist, der Auserwählte Gottes.“ Aber auch die Soldaten trieben ihr Spiel mit ihm, traten vor ihn hin, brachten ihm sauren Wein und
sagten: „Wenn du der König der Juden bist, rette dich selbst!“ Da war aber auch eine Inschrift über ihm: Dieser ist der König der
Juden.
Einer aber von den Verbrechern, die hingen, verhöhnte ihn und sagte: „Bist du nicht der Gesalbte? Rette dich selbst und uns!“ Da
antwortete der andere und hielt ihm scharf entgegen: „Fürchtest du Gott nicht einmal jetzt, wo du im selben Gericht bist? Und: Wir
sind es zurecht, denn wir bekommen, was unsere Taten wert sind. Dieser aber hat nichts Falsches getan.“ Und er sagte zu Jesus:
„Erinnere dich an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und er sagte zu ihm: „Amen, dir sage ich: Heute wirst du mit mir im Paradies
sein.“
Und es war schon um die sechste Stunde und Dunkelheit wurde über dem ganzen Land bis zur neunten Stunde. Und die Sonne
verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel aber wurde in der Mitte zerrissen. Und mit lauter Stimme rief Jesus: „Vater, in deine
Hände lege ich meinen Geist.“ Das gesagt, hauchte er den Geist aus.
Als aber der Zenturio sah, was geschah, pries er Gott und sagte: „Dieser Mensch war wirklich ein Gerechter!“ Und alle, die
zusammengekommen waren zu diesem Spektakel, und gesehen hatten, was geschehen war, schlugen sich an die Brust und gingen
nach Hause. Alle aber, die ihn kannten, standen von Ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa gefolgt waren, und sahen das.

Impuls
Besatzung. Und am Ende hängt einer am Kreuz. Nein, nicht einer. Zwei. Drei. Unzählige. Römisches Reich. Vor 2000
Jahren.
Besatzung. Und am Ende ist unser Kopf voller Bilder. Mariupol. Butscha. Kramatorsk. (Und eigentlich könnten da auch
Bilder sein aus Syrien, aus Mali, aus dem Jemen.) Nicht vor 2000 Jahren. Und nicht 1945. Heute. Menschen zermalmt von der Gewalt anderer Menschen. Menschen voller Hoffnungen und Träume. Menschen wie du und ich. Menschen wie er.
Und am Ende hängen Menschen an Kreuzen und sterben sinnlose Tode. Liegen auf Straßen, nackt und bloß.
Die Menschen sagen: Wo ist dein Gott? Und vielleicht klingt diese Frage auch in mir, in dir: Wo bist du, Gott, in diesem Leid? Kann ich die Antwort aushalten? „Am Kreuz“. Da, wo es am dunkelsten ist. In der größten Angst. Im unerträglichsten Schmerz. An der Seite derer, denen alles genommen wird. Aber wer braucht einen Gott, der wie wir am Kreuz hängt? Was kann der schon tun? Wo ist seine Macht? Warum rettet er nicht – sich selbst, uns? „Soll er sich dich retten, wenn er der Auserwählte Gottes ist!“ „Bist du nicht der Gesalbte? Rette dich selbst und uns!“ Ich glaube, das ist nicht nur Hohn.
Ich glaube, das ist eine verzweifelte Hoffnung, dass Gott Gott sein soll. Sein  Macht einsetzt und zeigt. Und ich glaube, es ist eine verzweifelte Hoffnung, weil diese Vorstellung von „Macht“ so menschlich ist. „Bist du nicht der Gesalbte? Rette dich und uns!“ Zeig deine Macht! So, wie das Römische Reich seine Macht zeigt. So, wie Putin seine Macht zeigt. Nur mehr. Nur größer. Mächtiger. Gewaltiger. Er steigt nicht herab. Er bleibt am Kreuz.
Mir ist ein Bild aus diesem Krieg tief ins Herz gedrungen. Das Bild von ukrainischen Menschen, die einem russischen Gefangenen ihr Handy gegeben haben. Um seine Mutter anzurufen. Zu sagen: Ich lebe. Es geht mir gut. Diese Menschen haben Putins Macht in einem Augenblick zerbröckeln lassen. Vor aller Augen. Trotz aller seiner Panzer, Bomben, Flieger.

Sie haben keine Macht ausgeübt. Sie haben sich angesichts   schlimmster Gewalt nicht ihre Menschlichkeit nehmen lassen.
Das war ihre Macht. Was Putin bleibt, ist nur Gewalt. Macht ist etwas ganz anderes.  Vielleicht ist sie das, Gottes Macht: Sich nicht der Mittel der „Machthaber“ zu bedienen. Noch mehr Macht, noch mehr Gewalt. Einfach der Stärkere sein. Und die anderen damit noch mehr zu Opfern zu machen. Damit die Zweiteilung der Welt akzeptieren. In die, die Macht haben und deren Opfer.
Was sich in Ohnmacht kleidet, ist viel mächtiger. Am Kreuz bezieht Gott Position. Auf Seiten der Opfer: Ich bin da, wo Menschen Gewalt erleiden. Verzweifeln. Die Hoffnung, allen Glauben verlieren. Ich stehe auf eurer Seite. Das bedeutet es, nicht vom Kreuz herabsteigen: Konsequent auf Seiten der Opfer stehen – ohne selbst zum Täter zu werden. Den Opfern Kraft geben, die Ohnmacht zu leben und zu verwandeln. Die Kraft, zu hoffen, wo Hoffnung verrückt scheint. Diese wilde Hoffnung, die Menschen treibt, einander zu helfen. So wie es Mitarbeitende der Diakonischen
Initiative in Hügelheim gemacht haben. Sie haben einen Hilferuf aus der Ukraine bekommen. Menschen mit Beeinträchtigung und ihre Familie schafften es nicht über die Grenze nach Polen. Innerhalb weniger Stunden haben sie beschlossen, einfach loszufahren, ins Ungewisse und die Menschen zu holen. Über 20 Stunden sind sie durchgefahren. Ohne zu wissen, was sie erwartet, wie sie alle unterbringen sollen, ob die Finanzierung steht. Haben in Polen Menschen und auch ihre Haustriere eingeladen, sind weitergefahren, haben von unterwegs pausenlos Hindernisse aus dem Weg geschafft, Unterkünfte und Hilfsmittel organisiert, Gelder eingeworben. Kamen unglaublich erschöpft zurück – aber sie
haben es geschafft. Das scheinbar Unmögliche.
Ich glaube, das ist seine Macht. Neben uns zu stehen in unserer Ohnmacht, sie zu teilen und zu verwandeln. In diese
wilde, verrückte Hoffnung. Die uns am Leben hält und uns sagt: Steh auf!
Dieser Macht setzt auch unser Tod keine Grenze. Viel zu viele Menschen haben in diesem sinnlosen Krieg ihr Leben gelassen. Sind der Gewalt und der missbrauchten Macht zum Opfer gefallen.
Dazu brauchen wir den Gott am Kreuz. Der so ganz anders ist als alle unsre Macht. Und das werden wir in drei Tagen, an Ostern feiern: Er steht auf und an unserer Seite. Und er bleibt dort – bis zuletzt. Er ist der, der mich selbst im Tod nicht verlässt. Und dann noch einmal sagen wird: Steh auf.
Amen.

Lied: Verraten, verspottet (NL 203,1-4)
Abendmahl

Sprechen Sie leise für sich oder laut miteinander die Einsetzungsworte zum Abendmahl.
Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, als er verraten wurde, nahm er das Brot, dankte und brachs und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmt hin und esst: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis.
Ebenso nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach:
Nehmt hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches tut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis.
Miteinander beten wir als Tischgebet das Vater unser.

Vaterunser
Sie haben Brot und Wein oder Saft bereitgestellt. Wenn Sie mit mehreren am Tisch sitzen, reichen Sie sich das Brot zu
den Worten „Das Brot des Lebens – für dich“ und den Wein mit den Worten „Der Kelch des Heils – für dich“.
Wenn Sie – wie viele von uns – allein am Tisch sitzen, spreche ich Ihnen diese Worte jetzt zu:
Es ist alles bereit. Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist!
Nimm das Brot des Lebens – für dich. Nimm den Kelch des Heils – für dich. Das stärke und bewahre dich im Glauben zum ewigen Leben.

Fürbittengebet  Wir beten für uns und für die Welt:
Gott, sei da in dieser kriegsdurchfurchten Zeit. Sei da in den Liedern, die Menschen gegen die Angst singen. In Bunkern, in Flüchtlingsunterkünften, an der Front. Sei da in den Gebeten, die Menschen füreinander sprechen. Mütter mit ihren Kindern, für die Väter, für die Verwundeten, und die, die trauern. Sei da an den Orten, wo Menschen verwundet und getötet werden. Lass niemanden allein. Auch nicht in seiner letzten Minute. Sei da bei den politisch Verantwortlichen.
Bei denen, die sich gegen den Krieg stemmen, und bei denen, die es in der Hand haben, die Waffen niederzulegen. Sei du der Mut, den es dazu braucht. Und die Mitmenschlichkeit. Sei du bei uns, wenn wir beten, wenn wir versuchen zu helfen. Sei der Blick, der uns sehen lässt, was gerade gebraucht wird. Und der Funke Hoffnung, der uns trägt, Halt gibt und weitermachen lässt. Du bist das Licht der Welt, vertreib unser Dunkel. Amen.

Lied: Holz auf Jesu Schulter (EG 97,1-6)

Segen
Der Herr segne und behüte uns. Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, er erhebe sein Angesicht
auf uns und schenke uns Frieden. Amen.
Auf Wiedersehen bis zum nächsten Hausgottesdienst am Ostersonntag.

Hausgottesdienst Palmsonntag

Schön, dass Sie einen Hausgottesdienst feiern wollen. Sie sind bei sich Zuhause und doch verbunden mit Gott und vielen
Menschen. Es gibt Momente, in denen ist nichts, wie es scheint: Grenzmomente. Erst im Nachhinein deute ich die Zeichen
richtig. Der Palmsonntag führt in eine solche Grenzzeit hinein: Die Hände, die eben noch Palmzweige schwingen, sind
schon zu Fäusten geballt. Das „Hosianna“ wird zum gellenden „Kreuzige“-Ruf, fröhliche Gesichter erstarren zu Fratzen.
Wenn Erwartungen enttäuscht werden, kann die Anhänglichkeit ins Gegenteil umschlagen. Mit dem heutigen Sonntag beginnt die Karwoche. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Gottesdienst. Ihre Pfarrerin Anja Bremer (Riegel-Endingen)

Glockengeläut Zünden Sie eine Kerze an. Stille.

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: Wie soll ich dich empfangen (EG 11, 1-4)
1. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier?
O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.
2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann
und weiß.
3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud, als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht.
4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, dass sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut. (T: Paul Gerhardt 1653; M: Johann Crüger 1653)

Gebet
Du kommst ganz anders zu den Menschen, Gott, als ich dachte. In einem unscheinbaren Gewand, auf einem Esel, nicht hoch zu Ross oder mit Prunk und Protz auf dem roten Teppich. Vielleicht kommst du auch ganz anders zu mir, als ich es mir wünsche, enttäuschst meine Hoffnungen und Träume… Will ich mich dir öffnen? Will ich dich empfangen? Will ich dir das Hosianna singen, nicht nur heute, sondern auch morgen? Ich bitte dich, lass mich nicht allein mit meinem Fragen; mach mich bereit für dein Kommen. Amen.

Lesung: Johannes 12,12-19
Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sach 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und
man so an ihm getan hatte. Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Meditation zum Lesungstext
Liebe Leserin, lieber Leser, der rote Teppich, kreischende Menschenmengen, flirrende Luft… nur der Star ist anders, als
man es kennt. Jesus kommt auf einem Esel. Ein sanftmütiger König ohne Glitzer und Tamtam. Trotzdem jubeln die Menschen ihm mit Palmwedeln zu, empfangen ihn wie einen König… Wie ein König wird Jesus am Palmsonntag empfangen, wenige Tage später ist er tot. Wie soll ich dich empfangen? Wie können wir Gott empfangen? An Ostern? Jeden Tag? Wenn das Hosianna verstummt? In guten und schlechten Zeiten?  „Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt“, beide Gefühle gehören zum Palmsonntag.
Die Textcollage (nach einer Idee von Vera Lindemann & Tilmann Präckel) von Psalm 69 und einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer geht dem Gefühl dieses Sonntags nach:

Hosianna! O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen! Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Gott, deine Hilfe schütze mich! Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied und will ihn hoch ehren mit Dank.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest, wie ein Gutsherr aus seinem Schloss. Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten. Wer bin ich? Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig lächelnd
und stolz, wie einer, der Siegen gewohnt ist.
Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd
vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, umgetrieben vom Warten auf große Dinge, ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Denn um deinetwillen trage ich Schmach, mein Angesicht ist voller Schande. Ich bin fremd geworden meinen Brüdern und unbekannt den Kindern meiner Mutter: Ich aber bete zu dir, HERR, zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe. Erhöre mich, HERR, denn deine Güte ist tröstlich; wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit. Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie, erlöse mich um meiner Feinde willen.
Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling? Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer, das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg? Wer bin ich?
Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
Amen.

Lied: Eines Tages kam einer (NL 34, 1-5)
1. Eines Tages kam einer, der hatte eine Klarheit in seiner Stimme, eine Wärme in seinen Worten, eine Kraft in seiner Botschaft.
2. Eines Tages kam einer, der hatte eine Freude in seinen Augen; eine Freiheit in seinem Handeln, eine Zukunft in seinen Zeichen.
3. Eines Tages kam einer, der hatte eine Hoffnung in seinen Wundern, eine Weite in seinem Wesen, eine Offenheit in seinem Herzen.
4. Eines Tages kam einer, der hatte eine Liebe in seinen Gesten, eine Güte in seinen Blicken, eine Nähe in den Umarmungen.
5. Eines Tages kam einer, der hatte einen Vater in den Gebeten, einen Helfer in seinen Ängsten, einen Gott in seinen Schreien. (T: Alois Albrecht; M: Peter Janssens)

Fürbittengebet
Eines Tages kamst du, Herr Jesus Christus, und die Welt wunderte sich. Du wurdest in Jerusalem begeistert empfangen.
Wie begrüße ich dich? Wie erwarte ich deine Gegenwart, wo rechne ich mit dir in meinem Leben? Will ich mich heute
noch wundern? So Vieles zerreißt mich in diesen Zeiten. Du aber kommst den untersten Weg, den Weg, den keiner
gerne gehen will. Dein Weg ist der Weg der Liebe. Ich möchte auch in meiner Zerrissenheit spüren, dass DU mich schon
längst siehst und kennst. Ich will deinen Weg versuchen. Schenke mir Kraft, andere Menschen zu lieben und zu achten,
auf sie zuzugehen und aufmerksam zu sein für ihre Bedürfnisse. Schenke mir den gütigen Blick auf mich selbst und auf
meine Zerrissenheit und Nöte. Du kennst sie längst… Ich bete weiter in der Stille…

Vaterunser

Segen
Der Segen des dreieinigen Gottes, der sich uns im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist liebend zuwendet, sei mit uns in
dieser Karwoche. Amen.
Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Hausgottesdienst

Hausgottesdienst Judika

Barbara Müller-Gärtner, Pfarrerin in Elzach-Oberprechtal,

Sonntag Judika 3.  April 2022
Schön, dass Sie einen Hausgottesdienst feiern wollen – für sich und doch verbunden mit Gott und anderen Menschen. Einen gesegneten Sonntag und Woche, wünsche ich Ihnen! Zünden Sie sich eine Kerze an.

Votum: Wir feiern Gottesdienst –im Namen Gottes, Quelle und Ziel unsers Lebens. Im Namen Jesu Christi, Grund unserer Hoffnung. Im Namen des Heiligen Geistes, Kraft, die uns belebt, erneuert und verbindet. Amen.

Lied: EG 97 Holz auf Jesu Schulter
1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Gebet:
Gott, wir kommen aus der Woche vor dich mit Situationen, in denen wir feststecken, in denen unserer Welt mit Krieg und Hass feststeckt!
Christus, zeig du uns den Weg, den wir gehen können! Hindernisse zu überwinden, dunkle Täler zu durchschreiten. Gott, nimm weg, was uns von dir trennt. Lass deine Liebe unser Fundament im Leben sein, deinen Geist in und durch uns wirken. Amen

Lesung Markus 10, 35-45 (Basis-Bibel)
Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, traten zu Jesus und sagten zu ihm: »Lehrer, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.« Jesus fragte sie: »Was möchtet ihr denn? Was soll ich für euch tun?« Sie antworteten: »Lass uns neben dir sitzen, wenn du in deiner Herrlichkeit regieren wirst – einen rechts von dir, den anderen links.« Aber Jesus sagte zu ihnen: »Ihr wisst nicht, um was ihr da bittet! Könnt ihr den Becher austrinken, den ich austrinke? Oder könnt ihr die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?« Sie
erwiderten: »Das können wir!« Da sagte Jesus zu ihnen: »Ihr werdet tatsächlich den Becher austrinken, den ich austrinke. Und ihr werdet die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde. Aber ich habe nicht zu entscheiden, wer rechts und links von mir sitzt. Dort werden die sitzen, die Gott dafür bestimmt hat.« Die anderen zehn hörten das Gespräch mit an und ärgerten sich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus auch sie herbei und sagte zu ihnen: »Ihr wisst: Diejenigen, die als Herrscher der Völker gelten, unterdrücken die Menschen, über die sie herrschen. Und ihre Machthaber missbrauchen ihre Macht. Aber bei euch ist das nicht so: Sondern wer von euch groß sein will, soll den anderen dienen. Und wer von euch der Erste sein will, soll der Diener von allen sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im
Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele Menschen.«

Gedanken zum biblischen Text:
Jakobus und Johannes suchen ihren Platz, brauchen ihren Platz im Leben. Die Beiden fragen, wie viele Menschen fragen: Sag mir, wohin ich gehöre? Die Brüder fragen Jesus. Und er frag nach, klärt und ant-wortet: Nicht pauschal, sondern Schritt für Schritt. Dass Menschen einen guten Platz im Leben brauchen, weiß er.
Das gehört ja zu Jesu Auftrag dazu: Menschen, die es schwer haben, die aus unterschiedlichen Gründen nicht dazu gehören, denen verschafft Jesus Platz und Raum, manchen auch für den Neuanfang: Kranke und Kinder, Frauen und Menschen mit Schuld.
Jakobus und Johannes wünschen sich, ganz dicht bei Jesus zu sitzen; dann wenn ´s so richtig losgeht, wenn das verheißene Reich Gottes anbricht. Sie wollen auch da sein, wo Gott die ins Recht setzt, die wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet wurden. „Könnt ihr den Becher austrinken?“ fragt er die Beiden. „Ja, das können wir.“ Ihre Antwort steht fest. Sie wissen oder ahnen mindestens, dass es kein Spaziergang ist, Jesus nachzufolgen. Sie haben schon jetzt alles für ihn verlassen, was ihnen bisher wichtig war.
Aber die Platzverteilung in Gottes Reich, die ist allein Gottes Sache. Das Urteil über Rang und Ansehen einer Person, dieses Urteil ist und bleibt Sache Gottes. Jesus spürt den Ärger der anderen Freunde über dieses Gespräch und den Wunsch der beiden Brüder. Was
er jetzt zu sagen hat, ist für alle NachfolgerInnen bestimmt. Herrschen oder unterdrücken,  Ansehen oder verachten, andere dienen lassen oder ihnen dienen – darum geht es hier. Zur Zeit Jesu und heute! »Ihr wisst: Diejenigen, die als Herrscher der Völker gelten, unterdrücken die Menschen, über die sie herrschen. Und ihre
Machthaber missbrauchen ihre Macht. Aber bei euch ist das nicht so: Sondern wer von euch groß sein will, soll den anderen dienen. Und wer von euch der Erste sein will, soll der Diener von allen sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele Menschen.« Auf der einen Seite die Machthaber in Rom und auf der anderen Seite der Menschensohn. Auf der einen Seite eine strenge Rangordnung: der
Kaiser an der Spitze. Er verlangt als Gott angebetet und verehrt zu werden. Alle anderen müssen sich ihm unterordnen. Sie sind ihm ausgeliefert. Auf der anderen Seite ist der „Menschensohn gekommen“.
Menschensohn – er ist das Gegenbild zum willkürlichen Herrscher des römischen Reiches. Entsprechend anders ist sein „Regierungsprogramm“. Beim Menschensohn, Jesus Christus, gibt es Raum und Platz vor allem für diejenigen, die im geltenden System keine Freiheit, keine Lebensrechte haben. Der Menschensohn
bringt eine neue Gesellschaftsordnung: neue Wege im Miteinander. Da gilt nicht mehr Jude noch Grieche, Mann oder Frau, Reich oder Arm, Sklave oder Mensch mit Bürgerrechten. Wer in dieser „neuen Ordnung“ des Menschensohns mitmacht, riskiert sein Leben. Und die Taufe ist der sichtbare Wendepunkt der Maßstäbe für
das Leben und Zusammen-leben: „Ich, der Menschensohn, bin der andere Herrscher. Ich bin gekommen um zu dienen und mein eigenes Leben als Lösegeld für alle zu geben.“ sagt Jesus.
Mitten in unseren Zeiten des Krieges, des Überfalls auf die Ukraine, in der Passionszeit. Kurz vor Jesu Tod zeigt er, der Menschensohn, sei-nen Freunden und der Welt eine andere Haltung. Das ist es, was uns Jesus vererbt: nicht mit Füßen treten, sondern sie einander waschen. An Gründonnerstag erinnert unsere Tradition
daran. „Wer unter euch groß sein will, der diene dem anderen.“ Der „MenschenSohn“ sagt das Ende brutalter „HerrschaftsZeiten“ an. Die eigene Meinung frei zu äußern, Parlament und Regierung durch das Volk auf Zeit zu wählen, überprüfbare und einklagbare Rechte für alle, soziale Sicherung, Krankenversicherung… Die Liste
ist lang. Und in diesen Zeiten wird sie mir dankbar bewusst. Und ebenso, dass ich es mir nicht verdient habe, in diesem Land geboren und aufgewachsen zu sein. Eine Gesellschaft, in der Gottes Wort weitergesagt und gelebt werden kann: das Wort der Nächstenliebe und Hingabe. Dafür und daran will ich mich weiter einsetzten. Und was und wo ist Ihr Platz?

Lied: NL 202 Verleih uns Frieden gnädiglich
Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsren Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine, denn du, unser Gott, alleine.
Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich!
Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich!

Fürbitten:
Gott ich lobe und preise dich: du eröffnest deinen Menschenkindern den Lebensraum mit Platz für jede und jeden. Was für eine Zusage! Was für ein Auftrag!

Vaterunser im Himmel geheiligt werde …

Segen (Sie können dabei Ihre Hände öffnen)

Gott segne und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott hebe sein sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Kerze auspusten…. Gott befohlen! Bis zum nächsten Hausgottesdienst am 10.4.2022!