Archiv der Kategorie: Hausgottesdienste

9.8. 9. Sonntag nach Trinitatis

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

447,1-3+7

Lobet den Herren alle, die ihn ehren;

lasst uns mit Freuden seinem Namen singen

und Preis und Dank zu seinem Altar bringen.

Lobet den Herren!

Der unser Leben, das er uns gegeben,

in dieser Nacht so väterlich bedecket

und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket:

Lobet den Herren!

Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können

und Händ und Füße, Zung und Lippen regen,

das haben wir zu danken seinem Segen.

Lobet den Herren!

O treuer Hüter, Brunnen aller Güter,

ach lass doch ferner über unser Leben

bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben.

Lobet den Herren!

 

Man wächst mit seinen Aufgaben, so sagt man.

So ähnlich klingt auch der Spruch dieser Woche:

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lk12,48)

Uns sind Gaben anvertraut.

Uns sind Begabungen und Möglichkeiten gegeben.

Wir sind herausgefordert.

Was ist unsere Aufgabe als Menschen

und als Kirche in dieser Zeit?

Was ist mir persönlich aufgegeben?

 

Gebet

Gott, du Geber aller Gaben, du machst uns reich an Erfahrungen und Möglichkeiten.

Du rufst uns auch in die Verantwortung,

Verantwortung für Menschen und Aufgaben,

für die Schöpfung, für unsere Gesellschaft,

auch Verantwortung für unser eigenes Leben.

Wir sehen unsere Grenzen oft zu eng.

Unser Vertrauen ist oft schwach und unser Mut klein.

Stärke uns für das, was uns aufgegeben ist.

Hilf uns zu entscheiden und uns einzusetzen.

Sei bei uns auf unserem Weg. Amen

 

Neue Lieder 178

Meine engen Grenzen,

meine kurze Sicht bringe ich vor dich.

Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.

Meine ganze Ohnmacht,

was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich.

Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.

Mein verlornes Zutraun,

meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.

Meine tiefe Sehnsucht

nach Geborgenheit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.

 

Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht. Manche Menschen sehen weiter. Das kann ein leidvoller Weg sein.

Heute ist der Todestag von Edith Stein. 1942 starb sie in Auschwitz. Wenige Wochen nach Hitlers Machtergreifung, Anfang April 1933  bittet sie den Papst um ein klares Wort der Kirche. „Jahre hindurch haben die nationalsozialistischen Führer den Judenhass gepredigt. Nachdem sie jetzt die Regierungsgewalt an sich gebracht hatten und ihre Anhängerschaft bewaffnet hatten, ist diese Saat des Hasses aufgegangen.“   Edith Stein sieht, was kommt, sie warnt, aber die Kirche schweigt. Auch unsere Evangelische Kirche hat weithin geschwiegen.

Bereits im Dezember warnt der chinesische Arzt Li Wenliang vor dem ansteckenden Coronavirus und rät Schutzanzüge zu tragen. Er wird daraufhin scharf von der Polizei verwarnt und vom Büro für Sicherheit dazu gezwungen, seine Ratschläge für falsch zu erklären. Wochen später stirbt er selbst an den Folgen einer Covid19-Infektion.

„Wie könnt Ihr es wagen! Ganze Ökosysteme kollabieren. Wir stehen am Anfang eines Massen-Aussterbens, und alles, worüber ihr reden könnt, sind Geld und Märchen über ewiges Wirtschafts-wachstums.“ Die emotionale Rede der 17-jährigen Greta Thunberg beim Klimagipfel der Vereinten Nationen weckt bei vielen nur Hass und Häme.

Manche sehen weiter und schweigen nicht.
Unser Predigttext erzählt, wie der Prophet Jeremia von Gott gerufen wird. Jeremia 1,4-10:

Und des HERRN Wort geschah zu mir:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Das kleine Juda betreibt eine irrwitzige Politik. Es rebelliert gegen Babylon, die neue Großmacht. Auf dem Thron Davids löst ein unfähiger König den anderen ab. „Ihr seid nicht bei Verstand, ihr führt Juda in den Untergang!“ Jeremia warnt den König und das Volk mit äußerster Schärfe. Doch er findet kein Gehör. Stattdessen muss er als Sündenbock herhalten: man stößt ihn in den Schlamm einer Zisterne. Das Unheil nimmt seinen Lauf: Die babylonische Militärwalze rollt über den Zwergstaat Juda hinweg und lässt fast nichts mehr von ihm übrig. Jerusalem und der Tempel: ein einziges Trümmerfeld.

Ist es sinnvoll, dass Jeremia im Namen Gottes warnt und dafür so bitter leiden muss? Jeremia klagt: Du hast mich überredet, HERR, und ich habe mich überreden lassen; du bist stärker als ich, und du hast gewonnen; den ganzen Tag lang bin ich ein Gespött, jeder macht sich lustig über mich. Denn wenn immer ich rede, schreie ich auf. Gewalttat und Unterdrückung!, rufe ich. (Jer 20,7f) Mehr als einmal verzweifelt Jeremia an der Last Gottes Prophet zu sein. Aber dann darf er auch bauen und pflanzen. Nach der Katastrophe wird  er das Volk trösten und ermutigen.

 

Meine engen Grenzen – wandle sie in Weite! Meine Ohnmacht – wandle sie in Stärke!

Ich glaube, dass Gott Menschen ruft, mich ruft und uns ruft. Ich glaube, dass wir in Aufgaben gestellt sind und dazu auch Kraft bekommen. Gott wandelt unsere Grenzen, unsere Ohnmacht, unsere Angst.

Ich bin zum Glück nicht Jeremia, auch nicht Edith Stein, Li Wenliang oder Greta Thunberg.

Und doch bin auch ich gerufen. Und wir, die Kirche, wir haben auch ein prophetisches Amt.

Kein Mensch ist Gott gleichgültig. Keine Not in der Welt ist für Gott belanglos. Die Bedrohung seiner Schöpfung greift Gott an. Darum können wir nicht schweigen.

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete. So sagt Gott. Ich bin von Gott bereitet, sein Geschöpf. So besonders, wie ich eben bin, hat Gott mir das Leben geschenkt. Und er kennt mich besser, als ich selbst mich kenne. Ich kannte dich – das ist eine Liebeserklärung. Gott kennt und bejaht, was mein Leben im Innersten ausmacht. Und ich bleibe in seiner Liebe.

zum Propheten für die Völker habe ich dich bestellt – Gott ruft Jeremia. Gott ruft uns. Wir sind nicht alle Prophetinnen und Propheten. Unser Auftrag ist anders. Vielleicht sind wir gerade als Mitschüler gefragt, als Nachbar, als Patin für ein Kind. Vielleicht werden wir im Stadtrat gebraucht oder im Engagement für Klimaschutz. Auch wir sind in schwere Aufgaben gestellt, müssen Verantwortung tragen und unsere Sache so gut wie möglich machen. Wir sind auch in die Herausforderungen unserer Zeit gestellt. Gott braucht und will unser Engagement.

Wieder wird in unserem Land Hass gesät und Lüge verbreitet. Die Demonstranten gegen Coronaregeln verschließen die Augen vor der Wirklichkeit und sind für kein Argument erreichbar.

In diesen Tagen erinnern wir an Hiroshima und Nagasaki vor 75 Jahren. Und noch immer bedrohen tausende Atomwaffen die Menschheit.

Dies ist wirklich eine Zeit, in der wir sehr wach sein müssen. Wir können nicht schweigend zusehen, wenn Unrecht geschieht und Gefahr droht.

Fürchte dich nicht; denn ich bin bei dir und will dich erretten. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an.

Wir sind nicht Jeremia. Aber wir hören, wie Gott selbst Jeremia anrührt und befähigt. Gott gibt uns den Auftrag und auch die Kraft in seinem Namen die Wahrheit zu sagen. Es kann ein schwieriger und leidvoller Weg sein, aber Gott sagt uns zu: Fürchte dich nicht; ich bin bei dir. Amen

 

 

643 Fürchte dich nicht

Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst. Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.

Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst. Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du.

Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst. Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.

 

Gebet

Uns ist viel gegeben und anvertraut. Wir danken dir, Gott, für unsere Gaben und Möglichkeiten.

Wir sind frei. Wir können uns einsetzen: für Menschen, die uns gegeben sind, für Aufgaben und Verantwor-tung.

Wandle unsere engen Grenzen und unsere kurze Sicht, stärke unser Vertrauen, dass du bei uns bist.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten für die Menschen, die für sich keine Möglichkeiten sehen, die gebeugt sind von dem, was sie ertragen müssen, die geplagt sind von Ängsten.

Wir bitten für die, die ihr Leben überfordert, die nicht fertig werden mit erlittenem Unrecht, die verbittert sind.

Wir bitten für Menschen, die einsam sind.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten um Weisheit, Weitsicht, Mut für Verantwortli-chen in unserer Stadt und in unserem Land. Bewahre uns alle in dieser Zeit der Gefährdung und der Unsicherheit. Steh den von der Pandemie Betroffenen bei, den Kranken und ihren Angehörigen, allen in Medizin, Forschung, Verwaltung, denen, die in wirtschaftliche Not geraten.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten für die Welt. Mit Schrecken sehen wir die Infektionszahlen in vielen Ländern, das Elend in den Krisen- und Kriegsgebieten, das Leid der Flüchtenden.

Wir bitten für die Opfer der Katastrophe in Beirut.

Hilf uns, dem Unrecht entgegen zu treten und uns einzusetzen für Menschen in Not.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Bewahre deine Kirche und unsere Gemeinde. Stärke sie, dass sie ihrem Auftrag gerecht wird, auch dem Auftrag unbequeme Wahrheit zu sagen und nicht zu schweigen. Wir bitten für uns auf dem Weg des Glaubens, für die ökumenische Gemeinschaft hier in unserer Stadt, mit den Freunden in Sundhouse und weiter, über Grenzen hinweg.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Vaterunser

 

Segen:

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen