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Hausgottesdienst für den 2.Advent

5.12.   2.Advent

Andreas Hansen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 19

O komm, o komm, du Morgenstern,

lass uns dich schauen, unsern Herrn.

Vertreib das Dunkel unsrer Nacht

durch deines klaren Lichtes Pracht.

Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.

Freut euch und singt Halleluja.

 

O komm, du Sohn aus Davids Stamm,

du Friedensbringer, Osterlamm.

Von Schuld und Knechtschaft mach uns frei und von des Bösen Tyrannei.

Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.

Freut euch und singt Halleluja.

 

O komm, o Herr, bleib bis ans End,

bis dass uns nichts mehr von dir trennt,

bis dich, wie es dein Wort verheißt,

der Freien Lied ohn Ende preist.

Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.

Freut euch und singt Halleluja.

 

 

Psalm 80

Hab ein offenes Ohr, Hirte Israels, der du Josef auf die Weide führst wie eine Herde.

Erscheine doch, wecke die Kraft, die du

besitzt, und komm uns zu Hilfe!

Gott, wende unser Schicksal wieder zum Guten! Lass dein Angesicht leuchten!

Dann ist uns schon geholfen.

Herr, Gott der himmlischen Heere:

Wie lange noch raucht dein Zorn

gegen das Volk, das zu dir betet?

Tränen sind das Brot,

das du ihnen zu essen gibst.

Voller Tränen sind die Krüge,

die du ihnen zu trinken reichst.

Du lässt uns zum Zankapfel werden,

um den sich unsere Nachbarn streiten.

Und unsere Feinde spotten darüber.

Gott der himmlischen Heere,

wende unser Schicksal wieder zum Guten!

Lass dein Angesicht leuchten!

Dann ist uns schon geholfen.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Gebet aus Antje Sabine Naegeli, Du hast mein Dunkel geteilt. Gebete an unerträglichen Tagen, S.14

Gott, mein Leben ist mir zur Last geworden,

die ich kaum noch zu tragen vermag.

Am Tage warte ich, dass es endlich Abend wird, und in den schlaflosen Nachtstunden

warte ich auf den Morgen.

Herr, du weißt, dass ich schon längst an den Grenzen meiner Belastbarkeit angekommen bin, dass meine Lebenskraft gebrochen ist.

Lange habe ich versucht,

mir deine Verheißungen vorzusprechen,

aber sie erreichen mich nicht mehr.

In unendliche Fernen gerückt bist du mir.

Ich kann nicht mehr in mir zurückrufen

die Zeiten, da dein Wort mir Hilfe, Freude und Trost war.

Und doch habe ich ein unermessliches Verlangen, dich neu zu erfahren

als den, der mich auffängt,

als den, der mich tröstet,

als den, der mich wieder atmen lässt,

als den, zu dem ich gehören darf.

Herr, mein Gott, warte nicht länger.

Ich kann nicht mehr.

Ich bitte dich: Komm!

 

„Gebete an unerträglichen Tagen“ ist der Untertitel des Buches, aus dem dieses Gebet genommen ist. In einer unerträglichen, düsteren Zeit lebte Friedrich Spee von Langenfeld. Der dreißigjährige Krieg plagte die Menschen. Die Pest entvölkerte ganze Orte. Die Spannung entlud sich auch in der Verfolgung von Hexen. Singen wir Friedrich Spees Adventslied:

 

Lied 7,1+4+5

O Heiland, reiß die Himmel auf,

herab, herab vom Himmel lauf,

reiß ab vom Himmel Tor und Tür,

reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

 

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,   darauf sie all ihr Hoffnung stellt?

O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.

 

O klare Sonn, du schöner Stern,

dich wollten wir anschauen gern;

o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein

in Finsternis wir alle sein.

 

Predigtgedanken

Eine Seuche, die uns bedroht, Hassausbrüche im Netz und auf der Straße, ungelöste Konflikte, wo man hinsieht – die Stimmung ist auch heute düster und für viele unerträglich. Wir wollten so gerne die Sonne sehen – „O Heiland, reiß die Himmel auf!“

Friedrich Spee klagt nicht nur, er setzt sich ein. Er ist einer der wenigen, die gegen den Hexenwahn kämpfen. Er wird dafür strafversetzt. Dann arbeitet er in der Seelsorge und Krankenpflege, infiziert sich an der Pest und stirbt mit 44 Jahren.

Sein Adventslied zitiert ein Klagelied der Bibel, unseren Predigttext: Jesaja 63,15-64,3

 

Schau doch vom Himmel herab, wo du in Heiligkeit und Pracht wohnst!    Wo sind deine brennende Liebe und deine Macht? Dein großes Mitgefühl und deine Barmherzigkeit –wir merken nichts davon.

Du bist doch unser Vater!

Abraham weiß nichts von uns und Israel kennt uns nicht. Du, Herr, bist unser Vater, »unser Befreier« – das ist von jeher dein Name.

Warum lässt du uns in die Irre gehen, sodass wir deinen Weg verlassen, Herr? Warum machst du unser Herz so hart, dass wir keine Ehrfurcht mehr vor dir haben? Wende dich uns wieder zu!

Wir sind doch deine Knechte, wir sind die Stämme, die für immer dir gehören.

Für kurze Zeit wurde dein heiliges Volk vertrieben, unsere Feinde traten dein Heiligtum mit Füßen.

Es geht uns, als wärst du nie unser Herrscher gewesen. Es ist, als wären wir nicht nach deinem Namen benannt.

Reiß doch den Himmel auf und komm herab, sodass die Berge vor dir beben!

Komm wie ein Feuer, das trockene Zweige in Brand setzt und Wasser zum Kochen bringt! 

Zeig deinen Feinden, wer du bist. Völker sollen vor dir zittern. Denn du vollbringst furchtbare Taten, die all unsere Erwartungen übertreffen. Komm doch herab, sodass die Berge vor dir beben!  Noch nie hat man so etwas vernommen,

noch nie hat jemand davon gehört.

Kein Auge hat jemals einen Gott wie dich gesehen: Du allein tust denen Gutes,

die auf dich hoffen.

 

Ein Klagelied aus tiefster Sehnsucht.

Ein Stoßseufzer: Reiß doch den Himmel auf!

Bittere Vorwürfe, Enttäuschung: Wo sind deine brennende Liebe und deine Macht? Dein großes Mitgefühl und deine Barm-herzigkeit – wir merken nichts davon.

Der Himmel ist wie verschlossen für die Kranken, die vergeblich um Atem ringen, für die Pfleger und Ärztinnen, die auf den Intensivstationen völlig am Rand ihrer Kraft weitermachen.

Der Himmel ist wie verschlossen für die, denen Hass und Aggression entgegenschlägt.

Wir kennen Gott doch, den liebevollen Vater, voll Mitgefühl und Erbarmen, unser Befreier, unser Heiland – aber dennoch ist der Himmel wie verschlossen.

Gott kann sich doch nicht selbst widersprechen!

Heftige Vorwürfe sogar dafür, dass wir Gottes Wege verlassen und unsere Herzen hart sind. „Wie kannst du es so weit kommen lassen, Gott! Wie kannst du uns laufen lassen am Abgrund der Katastrophe – sei es die Pandemie, der Klima-wandel oder die Kriegsdrohungen. Es ist, als wären wir nicht nach deinem Namen benannt.“

Gott hält sich zurück, als wären wir ihm fremd, aber so ist es doch nicht!

Wir sind doch seine Kinder! Wir wissen doch, wie Gott sein Volk gerettet und befreit hat!

Darum lassen wir ihn nicht los, auch wenn wir nicht weiter wissen und unsere Seele in dunkler Nacht ist. Darum hören wir nicht auf, ihm unser Leid zu klagen und auf seine Hilfe zu hoffen.

Wende dich uns wieder zu!

Reiß doch den Himmel auf und komm herab!

 

Es ist gut, dass solch ein Klagelied in der Bibel steht. Es ist gut für alle, die mit Leid und Schmerz und Schuld nicht fertig werden. Unsere Gebete an unerträglichen Tagen dürfen wir Gott zumuten. Nichts müssen wir verstecken.

Wir warten so sehr auf den Advent, das Kommen Gottes. Wir feiern Jahr für Jahr die Geburt Jesu, und doch scheint uns unsere Welt fern von Gott, als wäre er nicht da.

Immer noch, immer wieder, für viele Menschen heute ist der Himmel wie verschlossen.

Aber Gott antwortet auf das Klagelied.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jes 66,13) – so spricht Gott kurz nach unserem Predigtabschnitt.

Und Gott lässt sich in Jesus auf den Schmerz und die Klage der Welt ein.

Gott selbst seufzt und schreit

in Jesus am Kreuz.

Gott selbst hält die Ferne

und die Spannung aus.

Der Himmel bleibt nicht verschlossen.

Amen

 

Gebet

Nicht alle reden vom Erlöser.

Aber alle sehnen wir uns nach etwas Erlösendem, damit unser Leben sich zum Besseren wandle.

Bewahre uns davor, zu behaupten:

Es bleibt alles beim Alten!

 

Es gibt ein Übermaß an Unheil in der Welt.

Leid und Lüge, Bosheit und Gewalt toben sich aus.

Bewahre uns davor zu behaupten:

Es hat alles keinen Sinn!

 

Es sind nicht nur die anderen, die an deiner Nähe zweifeln, an deiner Macht und an deiner Gerechtigkeit.

Wir selbst ertappen uns immer wieder dabei.

Bewahre uns davor zu behaupten:

Wir sind die besseren Menschen.

 

Wir möchten glauben –

doch wir leben, als glaubten wir nicht.

Wir möchten lieben –

doch wir sorgen uns vor allem um uns selbst.

Wir möchten der Wahrheit dienen –

doch wir beugen uns hundertmal der Lüge.

Wir möchten die Gerechtigkeit voranbringen –  doch wir reden und tun viel Unrecht.

 

Ganz ohne Herablassung, o Herr,

bist du zu uns herabgekommen,

Mensch geworden zu unserem Besten,

zu unserer Erlösung.

Komm und kehre bei uns ein.

Komm, vertrauter, unbekannter Erlöser.

 

gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu

Vaterunser

 

Lied 16,1-4

 

Die Nacht ist vorgedrungen,

der Tag ist nicht mehr fern!

So sei nun Lob gesungen

dem hellen Morgenstern!

Auch wer zur Nacht geweinet,

der stimme froh mit ein.

Der Morgenstern bescheinet

auch deine Angst und Pein.

 

Dem alle Engel dienen,

wird nun ein Kind und Knecht.

Gott selber ist erschienen

zur Sühne für sein Recht.

Wer schuldig ist auf Erden,

verhüll nicht mehr sein Haupt.

Er soll errettet werden,

wenn er dem Kinde glaubt.

 

Die Nacht ist schon im Schwinden,

macht euch zum Stalle auf!

Ihr sollt das Heil dort finden,

das aller Zeiten Lauf von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah.

Nun hat sich euch verbündet,

den Gott selbst ausersah.

 

Noch manche Nacht wird fallen

auf Menschenleid und -schuld.

Doch wandert nun mit allen

der Stern der Gotteshuld.

Beglänzt von seinem Lichte,

hält euch kein Dunkel mehr,

von Gottes Angesichte

kam euch die Rettung her.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hausgottesdienst für den 1.Advent

28.11. 21  1.Advent

Andreas Hansen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 1 Macht hoch die Tür

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;

es kommt der Herr der Herrlichkeit,

ein König aller Königreich,

ein Heiland aller Welt zugleich,

der Heil und Leben mit sich bringt;

derhalben jauchzt, mit Freuden singt:

Gelobet sei mein Gott,

mein Schöpfer reich von Rat.

 

Er ist gerecht, ein Helfer wert;

Sanfmütigkeit ist sein Gefährt,

sein Königskron ist Heiligkeit,

sein Zepter ist Barmherzigkeit;

all unsre Not zum End er bringt,

derhalben jauchzt, mit Freuden singt:

Gelobet sei mein Gott,

mein Heiland groß von Tat.

 

Gebet

Barmherziger Gott, wir möchten uns öffnen

für dein Kommen.

Wir sollen leben durch Jesus Christus.

Mach uns bereit für dich.

Wir sehnen uns nach deiner Nähe

und hoffen, dass du unsere Erde verwandelst

in einen Ort der Gerechtigkeit und des Erbarmens.

Mach uns bereit zu hoffen.

Vieles macht uns Sorgen.

Wir kommen kaum zur Ruhe.

Wir verlieren dich aus dem Blick.

Stärke unseren Glauben.

Komm, du unser Heiland. Amen

 

Groß ist der Jubel in Jerusalem, als Jesus einzieht. Matthäus schreibt: Die ganze Stadt geriet in Aufregung. Die Leute fragten sich: „Wer ist er nur?“ Und Markus: Die Leute, die vor Jesus hergingen und ihm folgten, riefen unablässig: „Hosianna! Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt! Gesegnet sei die Herrschaft unseres Vorfahren David, die jetzt neu beginnt. Hosianna in himmlischer Höhe!“

 

Lied 1,5

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,

meins Herzens Tür dir offen ist.

Ach zieh mit deiner Gnade ein;

dein Freundlichkeit auch uns erschein.

Dein Heilger Geist uns führ und leit

den Weg zur ewgen Seligkeit.

Dem Namen dein, o Herr,

sei ewig Preis und Ehr.

Predigtgedanken

Bestimmt kennen Sie das Bildvon Albert Einstein, wie er dem Betrachter die Zunge herausstreckt. Es wurde an Albert Einsteins 72. Geburtstag gemacht. Der berühmte Physiker hat es gerne an Freunde gesandt.

Warum wohl?

Macht er sich lustig über seine Freunde? Streckt er seinen Kollegen die Zunge heraus, die nicht wie er den Nobelpreis bekommen haben?

Will er sagen: „Ihr könnt mir alle mal den Buckel herunterrutschen!“?

Mir gefällt besser, wie Annette Kurschus, die  neue Ratsvorsitzende der EKD ihn interpretiert. Sie erzählt eine Anekdote über Einstein. Er wurde einmal gefragt, welches für ihn die wichtigste Frage sei. Der Fragesteller erwartete wohl eine grundlegende physikalische Fragestellung, aber  Albert Einstein sagte: Ob das Universum ein freundlicher Ort ist? Er streckt die Zunge heraus gegen den Wahnsinn seiner Zeit damals nach Krieg und Judenvernichtung, in Wettrüsten und Verfolgungswahn des Kalten Krieges. Er hört nicht auf sich für Völkerverständigung und Gerechtigkeit zu engagieren. Er gibt keine Ruhe.

Annette Kurschus schreibt: Es ist ein Fragen in der Welt. Eine Sehnsucht nach besseren Zeiten. … In den Gesichtern vieler Menschen steht das Fragen geschrieben. .. Adventliches Fragen. Adventliches Sehnen. … Wir sind hier in dieser Kirche und feiern Gottesdienst, weil wir uns nicht ausreden lassen, dass es noch mehr zu wissen, noch mehr zu sehen, noch mehr zu hoffen geben könnte. Dem Status Quo gehört die Zunge rausgestreckt – um Gottes und der Menschen willen. Es könnte ja sein, dass da noch etwas kommt.

 

Jeremia 23,5-8

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.     Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und

Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird:

»Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.

Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.

 

Jeremia, der Prophet Gottes, stiftet Unruhe.

Er streckt den Mächtigen seiner Zeit die Zunge heraus. In den Versen vor unserem Abschnitt beschimpft er sie als falsche Hirten, als Wölfe im Schafspelz. Er wartet auf einen König, der wirklich regiert und nicht die Dinge schleifen lässt, der Recht und Gerechtigkeit übt und nicht in die eigene Tasche wirtschaftet.

Jeremia und das ganze Volk: Sie sehnen sich danach sicher zu wohnen, denn sie sind zutiefst bedroht.

Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«. Auch dieser Name ist eine herausgestreckte Zunge, denn jeder hört damals sofort die Anspielung auf König Zedekija. Sein Name bedeutet: „Gott ist meine Gerechtigkeit“!

„Pah! Den kleinen Leuten ist es wurscht, ob du dich als König von Gottes Gnaden verstehst –„Gott ist unsere Gerechtigkeit“ – was tust du dafür, dass uns allen Gerechtigkeit widerfährt?“

Unsere Gerechtigkeit: gerecht ist da ein anderes Wort für sozial, gerecht ist, was die Gemeinschaft stützt und stärkt, gerecht ist, wo jede und jeder leben kann, keiner auf Kosten des anderen.

„Meine Gerechtigkeit“ ist leicht das Gegenteil, Rechthaberei und mein gutes Recht, das ich  gegen andere durchsetze.

Gott ist unsere Gerechtigkeit

Neben der bitterbösen Kritik klingt Hoffnung heraus: Juda soll geholfen werden, Israel soll sicher wohnen.

 

Es ist Advent, nicht eine ruhige und gemütliche Zeit, eher eine Zeit der Unruhe, der Sehnsucht.

Wir fragen. Wir finden uns nicht ab.

Wir strecken dem Satus Quo die Zunge heraus.

Tief und drängend ist unser Sehnen, dass wir den elenden Conona-Mist endlich hinter uns lassen.

Tief und drängend das Bedürfnis nach wirklichem Fortschritt für unser Land und für Europa.

Tief ist unsere Enttäuschung,

aber noch größer die Hoffnung.

Gott ist unsere Gerechtigkeit – für alle.

Wir sollen sicher wohnen – alle.

Es ist ein Fragen in der Welt, eine Sehnsucht.

Wir finden uns nicht ab.

Das ist Advent.

Wir hoffen auf Jesus.

Gott überlässt die Welt nicht sich selbst.

Das Universum ist ein freundlicher Ort.

Amen

 

Lied 11 Wie soll ich dich empfangen

Wie soll ich dich empfangen

und wie begegn ich dir,

o aller Welt Verlangen,

o meiner Seelen Zier?

O Jesu, Jesu, setze

mir selbst die Fackel bei,

damit, was dich ergötze,

mir kund und wissend sei.

 

Dein Zion streut dir Palmen

und grüne Zweige hin,

und ich will dir in Psalmen

ermuntern meinen Sinn.

Mein Herze soll dir grünen

in stetem Lob und Preis

und deinem Namen dienen,

so gut es kann und weiß.

 

Was hast du unterlassen

zu meinem Trost und Freud,

als Leib und Seele saßen

in ihrem größten Leid?

Als mir das Reich genommen,

da Fried und Freude lacht,

da bist du, mein Heil, kommen

und hast mich froh gemacht.

 

Ich lag in schweren Banden,

du kommst und machst mich los;

ich stand in Spott und Schanden,

du kommst und machst mich groß

und hebst mich hoch zu Ehren

und schenkst mir großes Gut,

das sich nicht lässt verzehren,

wie irdisch Reichtum tut.

 

Nichts, nichts hat dich getrieben

zu mir vom Himmelszelt

als das geliebte Lieben,

damit du alle Welt

in ihren tausend Plagen

und großen Jammerlast,

die kein Mund kann aussagen,

so fest umfangen hast.

 

Gebet

Die Welt in tausend Plagen und großer Jammerlast, Jesus, ja, oft scheint uns die Last unübersehbar.

Wir bitten für die, denen es zu viel wird, für die Kranken auf den Intensivstationen und ihre Angehörigen, für die Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte, für alle, die durch die Pandemie überlastet und erschöpft sind.

Wir bitten für die Trauernden.

Stärke uns alle, dass wir geduldig miteinander umgehen und nicht die Nerven verlieren, dass wir nicht resignieren und dass wir uns einen Blick für das bewahren, was wirklich zählt.

Wir bitten dich für alle, die in Krieg und Angst leben, für die Flüchtlinge in ihrer Not.

Hilf uns Frieden zu schaffen, wo wir selbst friedlos sind, wo Konflikte uns zu schaffen machen, wo alter Streit immer noch schwelt.

Du bist unsere Gerechtigkeit. Du schenkst uns Gerechtigkeit und Gemeinschaft.

Wir bitten für die Opfer von Unrecht und Unterdrückung, für die Menschen in Hunger und Not. Hilf uns, Unrecht zu überwinden.

Wir dich um Frieden bei uns, in unserer Stadt, unter Nachbarn und Kollegen, in Schulen und Kindergärten und Heimen.

Wir bitten dich um Frieden in unseren Familien und für jede und jeden von uns.

Bewahre und behüte uns.

Vaterunser

 

Lied 13 Tochter Zion

Tochter Zion, freue dich,

jauchze laut, Jerusalem!

Sieh, dein König kommt zu dir,

ja er kommt, der Friedefürst.

Tochter Zion, freue dich,

jauchze laut, Jerusalem!

 

Hosianna, Davids Sohn,

sei gesegnet deinem Volk!

Gründe nun dein ewig Reich,

Hosianna in der Höh!

Hosianna, Davids Sohn,

sei gesegnet deinem Volk!

 

Hosianna, Davids Sohn,

sei gegrüßet, König mild!

Ewig steht dein Friedensthron,

du, des ewgen Vaters Kind.

Hosianna, Davids Sohn,

sei gegrüßet, König mild!

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst Ewigkeitssonntag 21.11. Jesaja 65, 17-25

 21.11. Letzter Sonntag im Kirchenjahr

Andreas Hansen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Neue Lieder 116 Da wohnt ein Sehnen

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

 

Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz, sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain

 

Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain

 

Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod  sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain

 

Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain

 

Ps 126

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird,

so werden wir sein wie die Träumenden.

Dann wird unser Mund voll Lachens

und unsre Zunge voll Rühmens sein.

Dann wird man sagen unter den Völkern:

Der HERR hat Großes an ihnen getan!

Der HERR hat Großes an uns getan;

des sind wir fröhlich.

HERR, bringe zurück unsre Gefangenen,

wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

Die mit Tränen säen,

werden mit Freuden ernten.

Sie gehen hin und weinen

und tragen guten Samen

und kommen mit Freuden

und bringen ihre Garben.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Gnädiger Gott, dein Wort rührt an die  Sehnsucht, dass einmal wahr wird, was du versprichst: dass Weinen sich in Lachen verwandelt, Kummer in Freude, Tod in Leben. Öffne den Schleier der Trauer, dass wir schon jetzt durch ihn hindurch sehen und in den Momenten von Trost Spuren des Kommenden erkennen.

Hilf uns zu bewahren, was wir hören, und zu hoffen, was noch wie ein Traum erscheint.

Dir vertrauen wir unsere Lieben an.

Auf dich hoffen wir. Amen

 

Paulus schreibt an seine Gemeinde, als er in großer Gefahr und unter Druck ist. Auch in Zukunft werde ich Grund zur Freude haben.  Denn ich weiß: Alles, was ich jetzt durchmache, wird zuletzt zu meiner Rettung führen… Denn für mich ist Christus das Leben. Und deshalb ist sogar das Sterben für mich ein Gewinn.

 

516,1+2+7 Christus, der ist mein Leben

Christus, der ist mein Leben,

Sterben ist mein Gewinn;

ihm will ich mich ergeben,

mit Fried fahr ich dahin.

 

Mit Freud fahr ich von dannen

zu Christ, dem Bruder mein,

auf dass ich zu ihm komme

und ewig bei ihm sei.

 

In dir, Herr, lass mich leben

und bleiben allezeit,

so wirst du mir einst geben

des Himmels Wonn und Freud.

 

Noch einmal gedenken wir unserer Toten.

Unsere Lieben gehören weiterhin zu uns – wir denken an sie, reden vielleicht in Gedanken mit ihnen, erinnern uns an ihre Stimme, ihr Lachen, eine Geste, etwas, was uns verbunden hat, und erschrecken erneut über den Tod.

Noch einmal teilen wir heute in der Gemeinde unsere Trauer und nennen die Namen unserer Verstorbenen. Unser Predigttext spricht von den Gesegneten des Herrn, von seinen Erwählten.

Zu ihnen gehören wir, zu ihnen gehören auch unsere Toten, gesegnet, erwählt, geliebt wie das Volk Gottes. Gott tröstet sein Volk.

Hören wir Jesaja 65: So spricht Gott:

„Seht, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Dann denkt niemand mehr an das, was früher war. Es ist für immer vergessen.

Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich jetzt erschaffe! Seht, ich mache Jerusalem zu einer Stadt des Jubels, und seine Bewohner erfülle ich mit Freude. Auch ich will über Jerusalem jubeln und mich über mein Volk freuen. Man wird dort niemanden mehr weinen hören, die Klage ist für immer verstummt.

Es gibt dort keinen Säugling mehr, der nur wenige Tage lebt. Man findet keinen Greis, der nicht ein hohes Alter erreicht. Wenn einer mit Hundert stirbt, sagt man: Er war noch jung. Und wer die Hundert nicht erreicht, gilt als gestraft. Dann wird man Häuser bauen und selbst darin wohnen. Man wird Weinberge pflanzen und selbst ihren Ertrag genießen. Man baut keine Häuser mehr, in denen dann andere wohnen. Man pflanzt nichts mehr, das dann andere essen. Die Menschen in meinem Volk werden so alt wie Bäume. Meine Erwählten werden das genießen, was sie mit eigenen Händen erarbeitet haben.

Keiner müht sich mehr vergebens.

Niemand bringt Kinder zur Welt, die früh sterben. Denn sie sind die Nachkommen derer, die Gott gesegnet hat. Darum werden sie mit ihren Kindern leben.

Schon ehe sie rufen, antworte ich ihnen.

Während sie noch reden, erhöre ich sie.

Wolf und Lamm weiden friedlich zusammen,

der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Doch die Schlange muss sich von Erde ernähren.

Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg.“

(Jes 65,17-25)

 

Fünfzig Jahren nach Krieg und Verbannung sind die Israeliten in ihre Heimat zurück-gekehrt. Ein armseliger, enttäuschender Neuanfang ist das. Das Land ist verwüstet. Jerusalem und der Tempel liegen in Trümmern. So haben sie sich das nicht vorgestellt, als sie noch in der Fremde waren und sich nach Hause sehnten. Kann aus diesem Trümmerhaufen jemals wieder etwas werden? Sie denken traurig an das, was früher war.

Noch bedrängt uns die Erfahrung des Abschieds. Unsere Trauer braucht Zeit. Eine Kleinigkeit genügt und der Schmerz ist wieder da. Was uns verbunden hat, der geliebte Mensch, bleibt ein Teil von uns. Der Schmerz gehört zu uns. Wird er in den Hintergrund rücken, vergessen sein?

Wir denken zugleich an die Trümmerstätten, die es heute in der Welt gibt, an die vielen an Covid Gestorbenen, an die Flüchtlinge, bedrängt von belarussischen und polnischen Soldaten, an die Hungernden in Afghanistan. So viel Verwüstung und Elend.

So viel scheinbar aussichtsloses Leid überall auf der Welt.

Gott selbst leidet mit all den Opfern. Gott selbst teilt den Schmerz über Vernichtung und Tod. Aber er lässt es nicht dabei.

Seht, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Es ist wie am Anfang, bei der Schöpfung. Nur für Gott selbst ist dieses Wort bara, „erschaffen“ reserviert. Nur Gott selbst ist der Schöpfer. Er kann alles neu machen, neue Dimensionen erschließen. Gott will diese Welt, seine Schöpfung. „Es war gut“, heißt es wieder und wieder. „Gott sah an alles, was er geschaffen hatte, und es war sehr gut.“ Gott freut sich über seine Schöpfung. Gott hat das erste Wort und er führt auch zum Ziel, was er schafft.

Seht, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich jetzt erschaffe!

Aber den Israeliten ist doch nicht zum Jubeln zumute! Ach, wie sollten wir jubeln, wenn wir unsere Lieben verlieren, wenn wir vor einem Trümmerfeld stehen oder wenn Leben einfach so vernichtet wird?

Das ist doch zum Heulen!

Und dennoch: Mitten in den Ruinen verheißt Jesaja das Neue. Gott widerspricht der Gewalt und dem Leid und dem Tod.

Gott erschafft, was wir uns noch gar nicht vorstellen können, was unsere Vorstellung übersteigt.

Wir denken traurig an die, die wir verloren haben. Aber wir leben von Ostern her.

Jesus sagt: „Ich lebe, ihr sollt auch leben.“

Der Tod behält nicht das letzte Wort.

Unser Leben, jedes Leben wird in den großen Kreis der Schöpfung Gottes gestellt.

Jedes Leben, jeder Mensch ist von Gott gewollt und geliebt.

Jeder Mensch hat mit seinem Leben Anteil am Sinn und am Ziel der ganzen Schöpfung.                    Es ist die gleiche Liebe Gottes, die Himmel und Erde ins Sein ruft und die unser Leben will.

Es ist die gleiche Liebe, in der wir bleiben.

Gott freut sich über uns, so schreibt Jesaja.

Gott freut sich über seine Schöpfung.

Darum macht er das Leid vergessen.

Darum segnet er und schafft neu.

 

„Ist das nur ein schöner Traum? Willst du uns vertrösten, Jesaja? Sieh doch, wie zerbrechlich das Leben ist! Sieh doch die Trümmerstätten unserer Welt!“

Jesaja sagt: Nein, das bleibt kein Traum, denn Gott will Frieden. Jedes Leben soll sein Ziel erreichen. Unser Arbeiten und Mühen soll nicht vergeblich sein. Das Ziel ist auch, dass wir im Einklang mit der Schöpfung leben und nicht auf Kosten der Natur und des Lebens.

Und ein Letztes: Gott geht auf uns zu.

Er kommt uns entgegen.

Schon ehe sie rufen, antworte ich ihnen. Während sie noch reden, erhöre ich sie.

Am Ziel seiner Schöpfung ist Gott uns ganz nah. Wir erreichen ihn. Und er versteht uns und antwortet. Am Ziel steht Einverständnis, Gemeinschaft. Da werden wir erkennen, wie wir erkannt und geliebt sind.

Gott weckt Jesus aus dem Tod. Gott erschafft einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Darum widersprechen wir dem Tod – er behält nicht das letzte Wort. Wir sind von Gott gesegnet. Wir bleiben in seiner Liebe. Amen

 

147,3 Gloria sei dir gesungen

Gloria sei dir gesungen mit Menschen– und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Zimbeln schön.    Von zwölf Perlen sind die Tore an deiner Stadt; wir stehn im Chore der Engel hoch um deinen Thron.  Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat mehr gehört solche Freude. Des jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für.

 

Gebet mit dem neuen Lied 180 Meine Hoffnung

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke, mein Licht,

Christus, meine Zuversicht

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Ewiger Gott, Herr der Zeiten, wir denken zurück an die Menschen, die einmal zu unserem Leben gehörten und nun nicht mehr sind. Wir sind ihnen in Liebe verbunden und wir wissen sie in deiner Liebe geborgen. Du kennst unsere Trauer und unseren Schmerz. Du weißt, wie schwer wir Abschied nehmen und wie sehr uns unsere Vergänglichkeit bedrängt. Dennoch hoffen wir auf dich, Christus.

 

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke, mein Licht,

Christus, meine Zuversicht

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Bewahre und behüte auch alle Menschen, die in Kriegen und Katastrophen verletzt und verwaist und auf der Flucht sind. Es gibt so viele Trümmerstätten und Orte des Elends. Wir denken an die Flüchtlinge an der Grenze von Belarus, an die Hungernden in Jemen und Afghanistan. Was wir über Unrecht und Gewalt hören, macht uns wütend, hilflos und traurig.
Dennoch hoffen wir auf dich, Christus.

 

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke, mein Licht,

Christus, meine Zuversicht

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Wir denken an die vielen die jetzt von Corona betroffen sind, an die Kranken und Sterbenden, an verzweifelte und traurige Angehörige, an erschöpfte Ärzte und Ärztinnen, Pflegende, Helfer. Steh ihnen und uns allen bei. Gib uns Mut und Weisheit und Geduld. Bewahre uns. Dennoch hoffen wir auf dich, Christus.

 

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke, mein Licht,

Christus, meine Zuversicht

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Gib uns deinen Geist, dass wir in deinem Namen dem Tod und aller Todesmacht widersprechen, dass wir uns nicht abfinden, dass wir Wunden heilen, dass wir Unrecht und Gewalt widerstehen und dass wir Botinnen und Boten deines Friedens sind. Wir beten mit den Worten unseres Herrn

Vaterunser

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst am 14.11. 2. Kor 5,1-10

14.11. Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr

Andreas Hansen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

347,1-4 Ach bleib mit deiner Gnade

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht; dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

 

Ps 50

Gott, Gott, der Herr, begann zu reden und rief die Welt – vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.

Vom Zion her, dem schönsten Berg –

von dort erschien Gott in strahlendem

Glanz.

Unser Gott kommt und schweigt nicht.

Vor ihm her zieht verzehrendes Feuer

und um ihn tobt heftiger Gewittersturm.

Er ruft den Himmel hoch oben

und die Erde als Zeugen auf.

Er will über sein Volk Gericht halten.

Der Himmel verkündet seine Gerechtigkeit:

Gott selbst ist der Richter.

Bring Gott dein Dankgebet als Opfer dar!

Erfülle, was du dem Höchsten

versprochen hast!

Wenn du in Not bist, rufe nach mir!

Dann rette ich dich, und du wirst mich ehren.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit

und in Ewigkeit. Amen

 

Gebet

Jesus, unser Bruder,

dass du uns zum Richter wirst,

ist uns ein fremder Gedanke geworden.

Dass du uns einmal prüfen wirst,

schürt in uns Unbehagen, Angst.

Wer wird vor dir bestehen können,

wenn unser Leben offen dasteht,

wenn du alles ans Licht bringst?

Wir werden uns selbst erkennen und sehen,

was wir versäumt und verschuldet haben.

Bleib mit deiner Gnade bei uns.

Bring uns zurecht.

Hilf uns, deinem Wort zu folgen.

Du kommst uns entgegen, du, unser Bruder,

du, unser Heiland und Herr. Amen

 

Lied 789.7

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesus Christ, ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott

 

Predigt

Auf den Straßen liegt herabgefallenes Laub. Die fast schon kahlen Bäume machen wehmütig. Diese Zeit im Jahr erinnert an das Sterben. Und dazu der Tag heute an das Sterben im Krieg – Volkstrauertag.

Wenn mein Großvater von Zuhause sprach, meinte er ein anderes Land – heute sitzen gar nicht so weit davon die Flüchtlinge an der belarussischen Grenze. Mein Opa musste von dort fliehen. Wo er dann lebte, war er nie ganz zuhause. Der Krieg war für mich als Kind die Erzählung von der Flucht und von engen Verwandten, die ich nie kennengelernt habe.

Das Gefühl fremd zu sein hatten nicht nur die     12 Millionen Flüchtlinge, sondern auch die, die verdrängen mussten, was geschehen war, Opfer und Täter.

Alle, die wir so kühl Menschen mit Migrations-hintergrund nennen, werden das Gefühl nicht los fremd zu sein und auch so behandelt zu werden, nie ganz zuhause zu sein.

Wir haben das Bedürfnis nach einem Zuhause. Geborgenheit tut so wohl.

Aber wenn uns großes Unrecht oder Leid geschieht, wenn unser Leben infrage gestellt ist, dann bekommt die Geborgenheit einen Riss.

Im unserem Predigttext spricht Paulus von dem Gefühl nie ganz zuhause zu sein, von einem Fremdsein, das uns alle betrifft, und von der Sehnsucht.

 

2.Kor 5,1-10:

Wir wissen ja: Unser Zelt in dieser Welt wird abgebrochen werden. Dann erhalten wir von Gott ein neues Zuhause. Dieses Bauwerk ist nicht von Menschenhand gemacht und wird für immer im Himmel bleiben. Darum seufzen wir und sehnen uns danach, von dieser himmlischen Behausung gewissermaßen umhüllt zu werden.  Wir werden nicht nackt dastehen, wenn wir einmal unser Zelt in dieser Welt verlassen müssen.  Doch solange wir noch in dem alten Zelt leben, stöhnen wir wie unter einer schweren Last. Wir würden diese Hülle am liebsten gar nicht ausziehen, sondern die neue einfach darüber ziehen. So könnte das, was an uns vergänglich ist, im neuen Leben aufgehen. Auf jeden Fall hat Gott selbst uns darauf vorbereitet. Er hat uns als Vorschuss auf das ewige Leben seinen Geist gegeben. So sind wir in jeder Lage zuversichtlich.    Wir sind uns zwar bewusst: Solange wir in unserem Körper wohnen, leben wir noch nicht beim Herrn. Unser Leben ist vom Glauben bestimmt, nicht vom Schauen dessen, was kommt. Trotzdem sind wir voller Zuversicht.  Am liebsten würden wir unseren Körper verlassen und beim Herrn leben. Deswegen ist es für uns eine Ehrensache, ihm zu gefallen. Das gilt, ob wir schon zu Hause bei ihm sind oder noch hier in der Fremde leben. Denn wir alle müssen einmal vor dem Richterstuhl von Christus erscheinen.

 

Wir sind nie ganz zuhause.

Wir leben in der Fremde, schreibt Paulus.

Die Aussicht auf den Tod macht uns zu Fremden im eigenen Körper.

Der Blick auf das Gericht zeigt uns, wie sehr unsere Welt und wir selbst fern von Gott sind.

Dass wir sterben müssen und dass wir so viel schuldig bleiben, beides macht uns zu Fremden, beides entfremdet uns.

Das ist ein Schmerz.

Fremdsein tut weh.

Wir seufzen und klagen darüber.

Unser Zelt in dieser Welt wird abgebrochen werden. Es tut weh, dass wir älter werden, dass uns Krankheiten zusetzen und wir schwächer sind. Die Trauer um liebe Menschen tut uns weh.

Wir wissen es: Unser Zelt in dieser Welt wird abgebrochen werden. Und doch erschrecken wir tief darüber und können es kaum fassen.

Wir seufzen und klagen auch über das Elend der Welt und über uns selbst. Es ist entsetzlich, was dort in Belarus und Polen geschieht. Europa ist nicht bereit zuerst die Flüchtlinge in ihrem Leid zu sehen. Natürlich ist es ein Verbrechen, dass Lukaschenko mit dem Leid dieser Menschen  spielt. Aber auch Europa, wir!, lassen sie dort an der Grenze erfrieren. So wollen wir nicht sein und so sind wir doch, verstrickt in Schuld, entfremdet von Gott.

Unsere Welt ist zerrissen von Gewalt und Unrecht.

Keine und keiner kann sagen: Damit habe ich nichts zu tun.

Und ebenfalls keine und keiner bleibt von Leid und Tod verschont.

Wir sind Fremde.

 

Aber das ist nicht das letzte Wort über uns.

Gott hat das erste und das letzte Wort über uns.

Er spricht es in Jesus Christus. Er sagt: „was auch geschieht, was du auch getan hast, du gehörst zu mir.“ Wir haben ein Haus, von Gott erbaut, nicht mit Händen gemacht. Wir haben ein Zuhause bei Gott. Auch Jesus spricht vom Haus des Vaters mit den vielen Wohnungen, wo er uns die Stätte bereitet. Wir sollen wohnen in Gottes Liebe und Erbarmen.

Jesus Christus ist Gottes Antwort auf die zerrissene Welt und auf unser Fremdsein.

Der Richter selbst tut alles dafür, dass wir bei   Gott zuhause sind. Wir bleiben in seiner Liebe.

 

Wir leben in einer Spannung.

Noch leben wir hier in der Fremde.

Noch sehnen wir uns nach einer Welt ohne Fremdheit, dass wir ganz Gott entsprechen, dass unser Herz Ruhe findet in Gott.

Noch seufzen wir und erschrecken über den Tod.

Aber schon jetzt hat uns Gott als Vorschuss auf das ewige Leben seinen Geist gegeben. Schon jetzt wissen wir von dem Zuhause bei Gott und sind, wie Paulus schreibt, in jeder Lage zuversichtlich. Schon jetzt machen wir uns auf den Weg als Gottes Kinder.

In Spannung: Wir seufzen vor Sehnsucht.

Wir stöhnen noch wie unter einer schweren Last. Und wir sind doch zuversichtlich und kennen schon den Vorgeschmack des ewigen Lebens.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

 

Wir beten und singen dazu das Lied „Gib Frieden“.

Singen wir die erste Strophe:

EG 430,1 Gib Frieden, Herr, gib Frieden,

die Welt nimmt schlimmen Lauf.

Recht wird durch Macht entschieden,

wer lügt, liegt obenauf.

Das Unrecht geht im Schwange,

wer stark ist, der gewinnt.

Wir rufen: Herr, wie lange?

Hilf uns, die friedlos sind.

 

Du, unser Gott, wir bitten um deinen Frieden. Frieden und Gerechtigkeit sagst du uns zu. Sieh uns gnädig an, hilf uns selbst Frieden zu stiften. Wir bitten für die Opfer von Krieg und Deportation und für ihre Nachkommen. Lass sie Trost finden. Wir bitten für die Menschen, die heute vor Krieg und Gewalt fliehen müssen.

 

430,2 Gib Frieden, Herr, wir bitten!

Die Erde wartet sehr.

Es wird so viel gelitten,

die Furcht wächst mehr und mehr.

Die Horizonte grollen,

der Glaube spinnt sich ein.

Hilf, wenn wir weichen wollen,

und lass uns nicht allein.

 

Du, unser Gott, wir bitten um deinen Frieden.    Wir bitten für die, die Verantwortung tragen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Gib ihnen Mut, Weisheit, Beharrlichkeit auf dem Weg der Versöhnung, beim Schutz von denen, die angegriffen werden.

Bewahre unser Volk und alle Völker vor Hass und Hetze, davor, dass wir in Andersdenkenden nur Feinde sehen, davor, dass wir die verachten, die anders sind als wir. Hilf uns zum Frieden!

 

430,3 Gib Frieden, Herr, wir bitten!

Du selbst bist, was uns fehlt.

Du hast für uns gelitten,

hast unsern Streit erwählt,

damit wir leben könnten,

in Ängsten und doch frei,

und jedem Freude gönnten,

wie feind er uns auch sei.

 

Du, unser Gott, wir bitten um deinen Frieden.   Wir bitten für deine Kirche in allen Konfessionen und Ländern. Gib uns deinen Geist. Mach uns zum Werkzeug deines Friedens.                                                   Wir bitten auch für die Glaubenden anderer Religionen. Gib, dass wir einander auf Wegen des Friedens begegnen.

 

430,4 Gib Frieden, Herr, gib Frieden:

Denn trotzig und verzagt

hat sich das Herz geschieden

von dem, was Liebe sagt!

Gib Mut zum Händereichen,

zur Rede, die nicht lügt

und mach aus uns ein Zeichen

dafür, dass Friede siegt.

 

Für jede und jeden von uns bitten wir, für die Trauernden, für die, die immer noch unter den Folgen des Krieges leiden, für uns alle, die wir uns sehnen nach Geborgenheit, Gerechtigkeit und Frieden.  Dir vertrauen wir uns an, du unser Gott.

Vaterunser

 

Lied 421 Verleih uns Frieden gnädiglich

 

Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst 3.10.: Mk 10,17-27

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Neue Lieder 2 Eingeladen zum Fest …

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten sie den Spuren Jesu, folgten sie dem, der sie rief, und sie wurden selbst zu Boten, das der ruf wie Feuer lief:

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

Und so kamen die in Scharen, brachten ihre Kinder mit, ihre Kranken, auch die Alten, selbst die lahmen hielten schritt. Von der Straße, aus der Gosse kamen Menschen ohne Zahl, und sie hungerten nach Liebe und nach Gottes Freudenmahl.

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

Und dort lernten sie zu teilen Brot und Wein und Geld und Zeit; und dort lernten sie zu heilen Kranke, Wunden, Schmerz und Leid; und dort lernten sie zu beten, dass dein Wille, Gott, geschehe; und dort lernten sie zu leben, dass das Leben nicht vergehe.

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten wir den Spuren Jesu, folgten wir dem, der uns rief, und wir werden selbst zu Boten, dass der Ruf der gilt, der lief:

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

 

HERR! Du bist meine Stärke!

Der HERR ist mein Fels, meine Festung

und mein Befreier.

Mein Gott ist meine Zuflucht, mein Schild

und mein starker Retter, meine Burg in sicherer Höhe.

(David in Psalm 18,2+3)

Ehr sei dem Vater …

 

So wie David gejubelt hat über dich, Gott,

so möchte ich singen können: Du bist meine Stärke. Ja, mach mich stark, mach uns stark Gott, damit wir gut leben, wie es deinem Willen entspricht, damit wir bestehen in allem, was uns angreift.

Du weißt, wie wir sind, Gott. Stärke unseren Glauben, unsere Liebe, unsere Hoffnung. Amen

 

Lied 272 Ich lobe meinen Gott

Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinen Namen.
Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir! Halleluja!

 

Predigt Markusevangelium 10, 17-27:

 

Und als Jesus hinausging auf den Weg, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: „Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme?“

Jesus sagte zu ihm: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott.

Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.«“ 

Er aber sprach zu ihm: „Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.“

 

Ewiges Leben will er, wahres Leben.

„Was muss ich dafür tun? Was kann ich optimieren in meinem Leben?“ Rastlos kommt er mir vor, dieser Mensch, getrieben von dem Gefühl: das, was ich tue, reicht nicht. Er hat wohl Angst, das Leben zu verpassen, nicht gut genug zu sein. Können wir etwas tun, damit uns ewiges, wahres Leben sicher ist?

Jesus weist ihn zurück: „Niemand ist gut als Gott allein.“ Zu uns Menschen gehören Grenzen und Endlichkeit. Manch einem Menschen gelingt alles: ein tolles Leben.  Und er ist trotzdem unzufrieden und hat das Gefühl: Irgendwie geht das Leben an mir vorbei. Eine andere, ein anderer macht Fehler, hat Misserfolge und Pech, und ist trotzdem ein glücklicher Mensch und ruht in sich. Das ewige Leben ist mehr, als wir machen und verdienen können.

Sicher: es gibt die 10 Gebote – Leitlinien für ein gutes Leben. Du sollst nicht töten – du hast kein Recht dich mit Gewalt durchzusetzen, weder indem du einen anderen seelisch unter Druck setzt, noch indem du sein Leben verletzt oder gar auslöschst.

Du sollst nicht ehebrechen – du sollst das Vertrauen und die Verletzlichkeit der Liebe nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Du sollst nicht stehlen und niemanden berauben – zum Schutz der Persönlichkeit des anderen gehört der Schutz seines Eigentums, des geistigen wie des materiellen.

 

Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.

Und Jesus sah seine Jüngern an und sprach: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!

 

Alle Gebote hat er gehalten, von Jugend auf, alles richtig gemacht, mit Auszeichnung Schule und Ausbildung absolviert, den Eltern nur Freude und den Lehrern nie Ärger. Er engagiert sich für andere. Er hat eine Familie. Alles richtig, alles wie es sein soll und immer ein nächstes Ziel vor Augen. Vieles hat er schon erreicht. Erfolge, Anerkennung, gute Taten, auch viele Güter hat er gesammelt, wie ein Sportler sich die gewonnenen Pokale auf´s Regal stellt. Dennoch fragt er: „Was muss ich noch tun? Wo will ich noch hin?“

Er hat dennoch die Sehnsucht und das Gefühl, nicht angekommen zu sein.

„Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?“ „Verkaufe alles, was du hast und folge mir nach!“ Aber das kann er nicht. Traurig geht er davon. Sein Reichtum steht ihm im Weg.  Er hängt an dem, was er erworben und verdient hat. Gern würde er Mühe und Geld einsetzen, um auch noch eine Versicherung für das ewige Leben zu verdienen. Alles will er haben, aber er kann nicht verzichten. Er ist zu vielem bereit, aber loslassen kann er so schlecht.

Jesus sieht ihn an und gewinnt ihn lieb.

Liebevoll sieht Jesus Menschen an.

Klar erkennt und durchschaut er, was sie bewegt.

Er sieht, wie rastlos und getrieben der Mann ist. Jesus sieht unsere Sehnsucht nach Leben, und die Angst, das Leben zu versäumen.

Die Geschichte macht mich betroffen.

Alles weggeben? – ich glaube, das könnte ich nicht. Heißt das, auch ich wende mich von Jesus ab?

Das Gespräch mit den Jüngern geht weiter.

 

Die Jünger waren bestürzt über seine Worte. Aber Jesus sagte noch einmal: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, in das Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.

Sie erschraken noch mehr und fragten einander: Wer kann dann selig werden? Jesus sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

 

Das schafft doch keiner! Die Jünger erschrecken, sogar sie, die ihr Zuhause verlassen haben und auf alles verzichten, um bei Jesus zu sein. Das größte Tier soll durch die kleinste Öffnung – unmöglich!

Richtig, sagt Jesus, kein Mensch schafft das, kein Mensch kann sich ewiges Leben verdienen.

Das Leben selbst, wahres Leben, Seligkeit könnt ihr nur von Gott bekommen. Nichts könnt ihr dafür tun, aber Gott schenkt euch ewiges Leben.

Jesus bricht das ewige Getrieben-Sein auf der Suche nach dem gelingenden Leben auf. Auf die Frage der Jünger – wer kann dann selig werden? – gibt es zunächst einmal nur eine Antwort: Niemand!

Es ist unmöglich für uns, den Himmel zu verdienen, aber für Gott wohl möglich, ihn uns zu schenken.

Gott macht möglich, was für uns unmöglich ist.

Gott liebt uns.

Nichts soll und darf uns trennen von ihm.

Mit der Taufe schenkt uns Gott das ewige Leben. Wir haben es längst.

Gott lädt uns ein zum Fest des Glaubens. Wir feiern und bekommen ein Zeichen für das ewige Leben, ein Stück Brot in unserer Hand, ein Schluck Wein für das, was uns nur Gott selbst geben kann.

Wie dieser reiche Mensch kann ich zuweilen nicht vertrauen. Ich habe Angst, das Leben zu verpassen. Ich drehe mich um mich selbst.

Ich will immer mehr haben.

Aber Jesus sagt mir: Das Leben selbst hat Gott dir längst geschenkt, das wahre und ewige Leben.

Unmöglich kannst du es dir verdienen,

aber nimm es nur an!  Amen

 

Lied 644 Meine Zeit steht in deinen Händen

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.

Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

 

  1. Sorgen quälen und werden mir zu groß.

Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein?

Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.

Vater, du wirst bei mir sein.

Ref: Meine Zeit steht in deinen Händen…

 

  1. Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb

nehmen mich gefangen, jagen mich.

Herr ich rufe: Komm und mach mich frei!

Führe du mich Schritt für Schritt.

Ref: Meine Zeit steht in deinen Händen…

 

  1. Es gibt Tage die bleiben ohne Sinn.

Hilflos seh ich wie die Zeit verrinnt.

Stunden, Tage, Jahre gehen hin,

und ich frag, wo sie geblieben sind.

Ref: Meine Zeit steht in deinen Händen…

 

 

Gebet

Wir danken dir, du unser Gott. Das Leben selbst ist dein Geschenk. Dein Ja zu uns steht fest. Unsere Zeit steht in deinen Händen.

Wir bitten dich für Menschen, die nicht zufrieden sind,

die meinen: das Leben geht an mir vorbei,

die sich sehnen nach wahrem und erfülltem Leben.

Hilf ihnen, deine Güte zu erkennen.

Öffne uns die Augen für diejenigen, die auf uns warten, denen wir zum Nächsten werden können.

Wir bitten dich für alle, denen es an Nötigem fehlt: Um Genesung für die Kranken, um Linderung für die Schmerzgeplagten, um Zuversicht für Menschen in Angst und um Trost für die Traurigen.

Wir bitten für unser Land um eine gute Regierung, für die Gemeinschaft der Völker in Europa und in der Welt um Frieden.

Wir bitten für die Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen. Hilf uns, ihnen menschlich zu begegnen.

Bewahre unsere Lieben, an die wir denken

und alle, deren Leid uns hilflos und traurig macht.

Bewahre uns, Gott.

 

Vaterunser

 

Lied 421 Verleih uns Frieden gnädiglich

Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

26.9.21 Gottesdienst mit Mt 15,21-28

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 346,1-3

Such, wer da will, ein ander Ziel,

die Seligkeit zu finden;

mein Herz allein bedacht soll sein,

auf Christus sich zu gründen.

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,

sein heilger Mund hat Kraft und Grund,

all Feind zu überwinden.

 

Such, wer da will, Nothelfer viel,

die uns doch nichts erworben;

hier ist der Mann, der helfen kann,

bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil,

uns macht gerecht der treue Knecht,

der für uns ist gestorben.

 

Ach sucht doch den, lasst alles stehn,

die ihr das Heil begehret;

er ist der Herr, und keiner mehr,

der euch das Heil gewähret.

Sucht ihn all Stund von Herzensgrund,

sucht ihn allein; denn wohl wird sein

dem, der ihn herzlich ehret.

 

Psalm 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels

schläft noch schlummert nicht.

Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht

steche noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel,

er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und

Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

 

 

Wenn Neues beginnt – wir schauen auf dich.

Wenn das Ungewisse uns zögern lässt –

wir schauen auf dich. Wenn ein schwerer Weg vor uns liegt – wir schauen auf dich.

Du, unser Gott, Grund des Lebens, unser Schöpfer, wir preisen dich für deine Güte.

Sei bei uns, behüte uns, unsere Gemeinde, unser Land, deine Geschöpfe. Bei jedem Schritt, in allem, was kommt, stärke unser Vertrauen. Amen

 

„Mit dir, o Herr, die Grenzen überschreiten – avec le Christ“  – in der Begegnung mit unserer Partnerge-meinde im Elsass singen wir das Lied von Roger Trunk gerne neue Lieder 70,1-3

 

Mit dir, o Herr, die Grenzen überschreiten,

mit deinem Geist die enge Herzen weiten.

Herr Jesu Christ, gib uns in deiner Gnad,

dass wir dich ehrn mit Worten und mit Tat.

Halleluja, halleluja …

 

Für Fried und Freud hast du uns,

Herr, geschaffen;

in deinen Dienst stell alle unsre Gaben,

Versöhnung schenk, wo Menschen sich entzweit,

Hass und Gewalt vertreib aus unsrer Zeit

Halleluja, Halleluja …

 

Du hast am Kreuz die Sünde überwunden

und uns mit Gottes Liebe neu verbunden.

In deinem Wort und deinem Sakrament

erkennen wir des Glaubens Fundament.

Halleluja, halleluja …

 

Predigtgedanken

 

Heute ist Wahltag.

Wie geht es weiter in unserem Land?

Die Aufgaben, die vor uns liegen, sind riesig.

Im ersten Schreck der Coronakrise war ein starker Zusammenhalt von fast allen zu spüren. Demokratie lebt vom Wettstreit der Ideen. Aber wenn es nur darum geht sich vom politischen Gegner abzugrenzen, bringt uns das nicht weiter. Wenn von manchen nicht Argumente genannt werden, sondern nur Hass und Verachtung gesät wird und sogar zur Gewalt aufgerufen wird, dann verlieren wir alle. Wie weit die Verblendung gehen kann, zeigt der Mord in Idar-Oberstein. Der Streit um die bessere Politik darf nicht solche Folgen haben. Grenzen überschreiten, Trennendes überwinden, gemeinsam den Herausforderungen begegnen – das muss das Ziel sein.

Wie ist das mit der Religion? Trägt sie nicht dazu bei, dass Menschen sich voneinander abgrenzen und andere ablehnen, die Ungläubigen, die Unreinen, die Ketzer?

Ja, Religion unterscheidet, was Gott entspricht und was Gott widerspricht. Fanatiker, die zu allem bereit sind, gibt es in fast allen Religionen. Aber zum Kern der Botschaft Jesu gehört, dass er Grenzen überschreitet. Jesus geht zu denen, die am Rand stehen und von anderen abgelehnt werden. Jesus verlangt: Urteilt nicht über andere.

Paulus meint, die Grenzen werden unwichtig, wenn wir zu Christus gehören: hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau (Gal 3,28).

Um Grenzen geht es auch im Evangelium dieses Sonntags, unserem Predigttext.      Auf den ersten Blick ist es eine verstörende Geschichte, die Matthäus berichtet (Mt 15,21-28):

Jesus verließ Gennesaret und zog sich in das Gebiet von Tyros und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus dieser Gegend zu ihm.  Sie schrie: »Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem bösen Dämon beherrscht!« Aber Jesus gab ihr keine Antwort. Da kamen seine Jünger zu ihm und baten: »Schick sie weg! Denn sie schreit hinter uns her.« Aber Jesus antwortete: »Ich bin nur zu Israel gesandt, dieser Herde von verlorenen Schafen.« Aber die Frau fiel vor ihm auf die Knie und sagte: »Herr, hilf mir doch!« Aber Jesus antwortete: »Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwer-fen.«  Die Frau entgegnete: »Ja, Herr! Aber die Hunde fressen doch die Krümel, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.« Darauf antwortete Jesus: »Frau, dein Glaube ist groß! Was du willst, soll dir geschehen!« In demselben Augenblick wurde ihre Tochter gesund.

 

Es ist damals völlig unmöglich, was die Frau dort im Libanon macht: Sie spricht einen Mann an, einen Ausländer und sie als Heidin bittet einen Juden um Hilfe. Matthäus nennt sie abfällig eine kanaanäische Frau – „die waren ja schon immer gegen uns.“ Und was macht Jesus? Er behandelt sie wie Luft, antwortet ihr nicht, lehnt gegenüber den Jüngern ab, so einer Heidin zu helfen und beleidigt sie sogar auf´s Übelste.

Das kann doch nicht wahr sein! So ist Jesus doch nicht, so engstirnig, verächtlich und verletzend. Jesus redet und handelt genauso, wie viele  dachten und auch heute denken. „Mit denen, mit diesen Heiden haben wir nichts zu tun.“ Es ist das gleiche Muster der Abwertung und Abgrenzung, das bis heute so viel Unheil stiftet. Ich kann es kaum ertragen, das von Jesus zu lesen.                               Aber so bleibt Jesus nicht! Er ändert seine Haltung. Er kehrt um. Er lässt sich von der fremden, heidnischen Frau überzeugen.

Frau, dein Glaube ist groß. Jesus lernt, dass es nicht darauf ankommt, dass sie eine Frau, eine Fremde, eine Heidin ist.

Sie lässt sich nicht abwimmeln. Hartnäckig drängt sie Jesus, dass er ihr hilft und ihr Kind heilt. Als Jesus sie grob beleidigt, »Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzu-nehmen und es den Hunden vorzuwerfen.«, lässt sie sich die Demütigung gefallen, wen-det sein Bild aber um: »Ja, Herr! Aber die Hunde fressen doch die Krümel,  die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen. Ein paar Krümel genügen mir. Gottes Güte langt auch für mich.“ Gottes Güte ist größer als unsere engen Herzen.

Dreimal spricht sie Jesus als Herr an.

Hab Erbarmen mit mir, Herr! – Kyrie elei-son!“ Die Sprache der Psalmen und des Gottesdienstes. Sie klingt demütig, aber sie ist auch stolz: „Du bist mein Herr, ich gehöre zu dir und verlasse mich auf dich. Kyrie eleison – sei für mich da, zeig mir deine Güte!“

Die Krankheit ihrer Tochter erscheint ihr wie eine böse Macht, ein Dämon. Es kann nicht sein, dass Gott schweigt. Sie findet sich nicht damit ab. Sie beharrt, bis Jesus sich zu ihr wendet. Sie hält dem schweigenden Gott seine Güte vor. Jesus muss lernen. Die Güte Gottes ist größer. Das Brot reicht  für alle.

 

Ich will auch von dieser Frau lernen:

Ihren Glauben, dass Gottes Güte für alle reicht, ihre Hartnäckigkeit, dass Jesus antworten muss, dass sie ihn als ihren Herrn in Anspruch nimmt.

Sie lässt sich nicht aufhalten von den üblichen Vorurteilen.

Sie überwindet die Grenzen.

So einen Mut und so ein Vertrauen wünsche ich uns und unserem Land. Amen

 

 

 

Neue Lieder 178

Meine engen Grenzen,

meine kurze Sicht

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.

 

Meine ganze Ohnmacht,

was mich beugt und lähmt,

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.

 

Mein verlornes Zutraun,

meine Ängstlichkeit

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.

 

Meine tiefe Sehnsucht

nach Geborgenheit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.

 

Gebet

Du bist unser Herr. Du bist unser Heiland.

Höre uns! Erbarme dich über uns! Zeige uns deine Güte!

Wir bitten dich für unser Land. Wir bitten für die, die gewählt werden, und für die, die die Wahl verlieren.

Steh uns bei, dass nicht Feindschaft und Hass uns entzweien, dass die zur Besinnung kommen, die in anderen nur Gegner sehen können.

Hilf uns dem Unrecht und der Gewalt zu wehren.

Wir bitten für die Angehörigen des jungen Mannes, der in Idar-Oberstein erschossen wurde.

Hilf uns die Menschen zu sehen, die an den Rand geraten: Menschen in Armut, ohne Obdach, Suchtkranke, Menschen, die mit Behinderungen leben, Menschen in Not.    Hilf uns, dass wir allen gerecht werden:

den Jungen und kommenden Generationen, den Alten, den Pflegebedürftigen und den Pflegenden.

Wir denken an die Kranken, die Trauernden, die Einsamen.

Herr, unser Gott, gib uns allen Mut und Vertrauen für neue Wege.

Bewahre uns in deiner Güte.

 

Vaterunser

 

 

 

 

 

 

Lied 395

Vertraut den neuen Wegen,

auf die der Herr uns weist,

weil Leben heißt: sich regen,

weil Leben wandern heißt.

Seit leuchtend Gottes Bogen

am hohen Himmel stand,

sind Menschen ausgezogen

in das gelobte Land.

 

Vertraut den neuen Wegen

und wandert in die Zeit!

Gott will, dass ihr ein Segen

für seine Erde seid.

Der uns in frühen Zeiten

das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten,

wo er uns will und braucht.

 

Vertraut den neuen Wegen,

auf die uns Gott gesandt!

Er selbst kommt uns entgegen.

Die Zukunft ist sein Land.

Wer aufbricht, der kann hoffen

in Zeit und Ewigkeit.

Die Tore stehen offen.

Das Land ist hell und weit.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

19.9. Klagelieder Jeremias 3,22-24

19.9.21    16. Sonntag nach Trinitatis,

Pfarrer Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 445,1+5

1 Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heilger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen  ist erhält:

5 Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.

 

Im Psalm dieser Woche stehen die Verse:

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet. Ps 68,20f

Wir feiern, was du uns verheißt, lebendiger Gott, Christus, unser Herr. Wir preisen dich für deine Güte. Und doch hören wir die Klage derer, deren Last übergroß ist, die von Terror und Gewalt betroffen sind, die Unrecht und Demütigung erfahren, die Krankheit und Unglück erleben.

Sag ihnen allen, sag uns dein Wort des Lebens.

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit. Amen

 

Lied 382

1 Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;

fremd wie dein Name sind mir deine Wege.

Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;

mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?

Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

2 Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,

mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.

Hast du mit Namen mich in deine Hand,

in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben? Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?

Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

3 Sprich du das Wort, das tröstet und befreit

und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben.

Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.

Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

 

Predigtgedanken zu Klagelieder Jeremias 3,22-24

 

Wie liegt die Stadt so verlassen da, die voll Volks war. Mit einem Aufschrei beginnen die Klage-lieder. Jeremia hat die Katastrophe angekündigt und miterlebt – darum werden ihm die Lieder in den Mund gelegt. Er hat das zerstörte Jerusalem vor Augen, ein Bild wie Ground Zero in New York vor 20 Jahren. Die Klagelieder sind Katastrophen-literatur, fünf erschütternde Darstellungen von Leid, Entsetzen und Not. Sie werden am 9.Tag des jüdischen Monats Av im Gottesdienst gele-sen. Am 9. Av wurde der erste Tempel zerstört und am gleichen Tag im Jahr 70 der zweite durch die Römer. Am 9. Av im Jahr 136 wurde die Stadt endgültig verwüstet. Mehrmals wurden die Juden am 9. Av vertrieben, 1290 aus England, 1492 aus Spanien und 1942 begann die Deportation aus dem Warschauer Ghetto nach Treblinka, in das Vernichtungslager.

Da heißt es: Ich bin ein vom Leid geprüfter Mann. Gott schlug mich mit der Rute seines Zorns. …

Er ließ meine Zähne auf Granit beißen, er trat mich nieder in den Staub. Gott, du hast mir meinen Seelenfrieden genommen!  (3,1+16+17)

Bittere, heftige Anklage gegen Gott steht hier in der Heiligen Schrift. Darf man das? Ja, was den Beter entsetzt, was seinen Glauben tief infrage stellt, das darf und soll auf den Tisch kommen.

In der Bibel wird nichts vertuscht oder versteckt. Da gibt es keine Denk- oder Redeverbote. Und wenn Entsetzen und Schmerz einen Menschen verstummen lassen, finden wir hier Worte für die Not: Warum muss ich so lange warten auf dich, Gott – warum lässt du mich allein? Wer klagt, lässt Leid und Unrecht nicht einfach geschehen. Er wehrt sich. Er lehnt sich auf. Er protestiert.

Und wer klagt, bleibt nicht für sich.

Er bringt sein Leid vor Gott. Er bedrängt Gott. Aber er wendet sich doch zu Gott hin.

Er flieht vor Gott zu Gott.

Dann, mitten in der Klage ist ein anderer Ton zu vernehmen. Das ist der heutige Predigttext:

Die Güte des Herrn ist´s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. (3,22-24)

Israel ist mit seinem Schmerz nicht fertig.

Wir kennen Menschen, deren Last zu groß ist, deren Glaube und Hoffnung zerbricht. Die Klagelieder enden nicht versöhnlich. Aber hier ist ein Schimmer von Hoffnung, bevor im nächsten Kapitel wieder das Grauen und die Not beklagt werden. Aus der Klage heraus sucht die Beterin oder der Beter einen Halt, eine andere Sicht.

 

Die Güte des Herrn ist´s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.                   Mit großem Respekt lesen wir das Bekenntnis der Hoffnung mitten im Leid. Fast ausgelöscht ist das Volk Gottes und doch wagen sie zu hoffen.        Es ist nicht unsere Geschichte, die die Klagelieder besingen. Und wir müssen sagen:

Christen waren immer wieder die Täter in den Leidensgeschichten der Juden.

Wir können uns aber an die Seite der Klagenden stellen, ihnen Raum geben, sie achten. So ist es ja oft: Wer nicht selbst ein Kind verloren hat, wer nicht selbst flüchten musste, wer nicht krank ist, kann nur ahnen, wie es den Betroffenen geht, hören, was sie berichten, bei ihnen bleiben.  Wenn im eigenen Leben das Schlimmste ge-schieht, sieht die Welt auf einmal anders aus.

 

Die Klagelieder gehen weiter als das Jammern, das uns oft begegnet: Jeremia kann auch Schuld ansprechen. Sie haben Anteil an der Zerstörung, die sie trifft. Seine Klage reicht dann aber auch bis zum Trost, dass Gottes Barmherzigkeit noch kein Ende hat. Mitten in der Klage, sagt Jeremia zu Gott: Deine Treue ist groß. Der Herr ist alles für mich. Deshalb setze ich meine Hoffnung auf ihn. Noch lebe ich. Noch atme ich. Und immer noch hoffe ich.

Deine Treue ist groß. Ganz direkt spricht er Gott an. Er verzweifelt an seinem Leid. Er wirft Gott sein Elend vor, klagt ihn an, schreit ihn an, aber er wirft sich doch Gott in die Arme. Gott bleibt ein Du, ein Gegenüber: „Deine Treue ist groß, Du, mein Gott.“

Ich staune über Menschen, die großes Leid erfahren, und dennoch vertrauen und dankbar sind. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu. Das ist nicht leicht dahingesagt, aber von vielen Glaubenden empfunden. „Selbst wenn ich am Leid zerbreche, deine Treue ist groß; ich halte mich fest an dir.“

Wir schauen auf Jesus. Er ist bei denen, die leiden und klagen. Wir haben eine Adresse für unsere Klage. Jochen Klepper schrieb:

In jeder Nacht, die mich umfängt,

darf ich in deine Arme fallen,

und du, der nichts als Liebe denkt,

wachst über mir, wachst über allen.

Du birgst mich in der Finsternis.

Dein Wort ist noch im Tod gewiss.

 

Für alle, die mit leeren Händen vor Gott stehen, deren Last zu groß ist, denen Gott fremd ist, für sie ist es ein schwerer Weg, dennoch auf Gottes Güte und Treue zu hoffen. Die Güte des Herrn ist´s, dass wir nicht gar aus sind. Ich höre jetzt hinter Israels Bekenntnis zu Gottes Treue, die Klage, die Anklage, das Ringen um Hoffnung.

All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu. (EG 440) Fröhlich klingt das Morgenlied. Aber die es singen, wissen auch, wie bedrängend die Finsternis sein kann.

Gott hat unser Dunkel geteilt. Er ist bei uns in Jesus Christus. „Wir leben aus, deiner Güte. Ohne dich kommen wir keinen Schritt voran.    Auf dich wollen wir hoffen.“ Amen

 

Lied 440, Text: Joh. Zwick, Mel: Joh. Walter, 1541

1 All Morgen ist ganz frisch und neu

des Herren Gnad und große Treu;

sie hat kein End den langen Tag,

drauf jeder sich verlassen mag.

2 O Gott, du schöner Morgenstern,

gib uns, was wir von dir begehrn:

Zünd deine Lichter in uns an,

lass uns an Gnad kein Mangel han.

3 Treib aus, o Licht, all Finsternis,

behüt uns, Herr, vor Ärgernis,

vor Blindheit und vor aller Schand

und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

4 zu wandeln als am lichten Tag,

damit, was immer sich zutrag,

wir stehn im Glauben bis ans End

und bleiben von dir ungetrennt.

 

Gebet

Treib aus, o Licht, all Finsternis.

Wir bitten für die, die im Finstern sind, die nur klagen können und keinen Ausweg sehen.

Hilf uns auf, Gott, erinnere uns an deine Güte  und Treue.

Wir bitten für die, die getroffen sind von Unglück, die die Katastrophe immer noch vor Augen haben und geplagt sind von Verzweiflung und Schmerz.

Hilf ihnen auf, Gott, erinnere sie an deine Güte  und Treue.

Wir bitten für die Menschen in Afghanistan, für alle, die Unterdrückung und Verfolgung fürchten, für die Hungernden, für die Flüchtenden. Wir bitten um Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. Hilf uns auf, Gott, dass wir den Geplagten Recht schaffen.

Wir bitten dich für unser Land in den Tagen der Wahl. Wir bitten für die, die gewählt werden wollen und für uns alle um Redlichkeit, Achtung voreinander, Mut und Geduld. Hilf uns auf, Gott, steh uns bei in den Aufgaben, die vor uns liegen.

Wir bitten dich für die Menschen, um die wir uns sorgen, für unsere Kranken: behüte sie in Schmerzen und Angst. Für die, deren Kräfte abnehmen, die auf Hilfe für die Trauernden.

Wir beten mit den Worten Jesu: Vaterunser

 

Lied 157

Lass mich dein sein und bleiben, Du treuer Gott und Herr; von dir lass mich nichts treiben, halt mich bei reiner Lehr’; Herr, lass mich nur nicht wanken,

Gib mir Beständigkeit! Dafür will ich dir danken

In alle Ewigkeit.

 

Segen

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Lk 17,5+6 Konfirmationsjubiläum, 12.9.21

 

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 324 Ich singe dir mit Herz und Mund

 

Ich singe dir mit Herz und Mund,

Herr, meines Herzens Lust;

ich sing und mach auf Erden kund,

was mir von dir bewusst.

 

Was sind wir doch? Was haben wir

auf dieser ganzen Erd,

das uns, o Vater, nicht von dir

allein gegeben werd?

 

Du zählst, wie oft ein Christe wein

und was sein Kummer sei;

kein Zähr– und Tränlein ist so klein,

du hebst und legst es bei.

 

Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil,

dein Glanz und Freudenlicht,

dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil,

dein Rat und lässt dich nicht.

 

Ps 127,1f

Wenn der Herr nicht das Haus baut,

so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der Herr nicht die Stadt behütet,

so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

 

Ehr sei dem Vater …

 

Von deiner Güte leben wir, du, unser Gott.

Dein Segen lässt gelingen, was wir tun.

Aber oft bilden wir uns ein, wir müssten uns alles selbst erkämpfen. Wir stehen manchmal so unter Druck, dass wir zu zerbrechen drohen, und wenn wir schließlich zur Ruhe kommen, sind wir ausgebrannt und leer.

Ja, es ist umsonst, dass wir früh aufstehen und hernach lange sitzen und unser Brot mit Sorgen essen, es ist umsonst, wenn wir nicht um unsere Grenzen wissen und auf deine Hilfe trauen.

Gott, schenke uns Gelassenheit, Vertrauen

und mach uns deiner Güte gewiss. Amen

 

369 Wer nur den lieben Gott

 

Wer nur den lieben Gott lässt walten

und hoffet auf ihn allezeit,

den wird er wunderbar erhalten

in aller Not und Traurigkeit.

Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,

der hat auf keinen Sand gebaut.

 

Was helfen uns die schweren Sorgen,

was hilft uns unser Weh und Ach?

Was hilft es, dass wir alle Morgen

beseufzen unser Ungemach?

Wir machen unser Kreuz und Leid

nur größer durch die Traurigkeit.

 

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,

verricht das Deine nur getreu

und trau des Himmels reichem Segen,

so wird er bei dir werden neu;

denn welcher seine Zuversicht

auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

 

Predigt über Lukas 17,5+6

 

Die Apostel baten den Herrn: »Gib uns doch mehr Glauben!« Der Herr antwortete: »Selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum hier sagen: ›Heb dich samt deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹, und er würde euch gehorchen.«

 

Die Jünger starren den Baum an, unter dem sie sitzen. Die breite Krone, Äste, dicker als ihre Arme, der Stamm in vielen Jahren gewachsen.

„Den bekommt hier so schnell keiner weg!“

„Stellt euch vor“, sagt einer „dieser Baum schwebt davon und fliegt über das Meer, hui!“ Die Jünger lachen über die ulkige Idee. Jesus lacht auch. Einer aber empört sich: „Das ist unmöglich, Jesus! Das geht doch nicht. Sieh dir den Baum an! Wir mühen uns ab und bitten dich unseren Glauben   zu stärken, und du machst dich über uns lustig!“

Jesus sagt: „So fest verwurzelt, so unverrück-bar erscheint euch vieles. Ihr stoßt euch daran und verzweifelt fast. Ihr starrt auf eure kleine Kraft, die nur wenig bewirkt. Ich lache, denn Gott kann so viel bewegen, auch durch euch bewegen.“

Glaube, der Berge versetzt, oder Glaube, der den Maulbeerbaum mit seinen besonders starken Wurzeln aus der Erde reißt – so redet Jesus.

Muss er denn so maßlos übertreiben?!

Menschen werden geheilt, denen bisher niemand helfen konnte, und Jesus sagt: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ „Was meinst du, Jesus? Diese Kranken haben sich doch nicht selbst geholfen.“

„Nein, aber sie haben alles von Gott erwartet.“

 

Nehmen Sie die Jahre Ihres Lebens, die Jahrzehnte seit Ihrer Konfirmation für diesen Baum. Was ist da in meinem Leben alles gewachsen, stattlich und schön, oder auch wie ein Baum im Wind, gebeugt und doch stark. Wieviel gute Frucht gibt es und auch wieviel vergebliches Mühen. Manchmal denke ich, im Herzen bleiben wir uns gleich und empfinden oft wie vor 50 Jahren. „Jesus, dieser Baum, der ich bin, der ist halt wie er ist.“

Jesus aber lacht und widerspricht.

Er macht sich nicht lustig über uns. Er weiß ja, was uns bewegt, er kennt auch unsere vergeb-lichen Mühen und das, woran wir leiden, weil es sich nicht ändert.

Wir haben gut Lachen mit ihm.

Jesus sieht in uns die Möglichkeiten Gottes.

Der Baum muss nicht bleiben wie und wo er ist.

 

Gib uns doch mehr Glauben! Ja, das wäre schön: Ein Glaube, den nichts umwerfen kann, ein festes, starkes Vertrauen in jeder Lebenslage. Aber wir sind  in bester Gesell-schaft: Sogar die Apostel meinen: „Unser Glaube ist zu schwach.“ Sie wollen Jesus ja gerne folgen, tun, was er tut, vielleicht sogar sein wie er. Aber sie stoßen immer wieder an ihre Grenzen.

Gib uns doch mehr Glauben!  Und Jesus antwortet: „Ihr braucht nicht mehr. So viel wie ein wie winzig kleines Senfkorn reicht ja schon, dass euch der Glaube Flügel verleiht.“

„Wir verstehen dich nicht, Jesus. Was meinst du?“ „Vielleicht versteht ihr den Glauben nicht. Er ist nicht wie ein Draht zu Gott, wie ein Akku, aus dem ihr Energie ziehen könnt, wann immer ihr wollt. Gott lässt sich nicht anschalten. Aber Gott ist da, und er gibt euch Kraft, viel mehr als ihr erwartet.“

 

Wir müssen nicht sein wie Mutter Theresa oder Dietrich Bonhoeffer, wir müssen nichts Großes vollbringen oder fast heilig sein, damit wir sagen können: „Ich glaube.“

Mitten in unserem Leben kann sich Glauben ereignen. Glauben, wenn ich entdecken darf: ein Mensch ist mir gegeben und macht mich glücklich – das ist ein Geschenk von Gott. Glauben, wenn wir trotz schwieriger Zeiten und Krisen die Kraft bekommen einander treu zu sein – Gott sei Dank. Glauben, wenn ich mich nach Enttäuschungen oder wenn eine Beziehung zerbricht, wieder aufrappeln kann. Glauben, wenn ich nicht zerbreche an Schicksalsschlägen oder wenn ich selbst dann, wenn ich verzweifele und dennoch Gott suche.

In manchen Zeiten ist unser Glaube fast weggeweht wie Wüstensand.

Jesus kennt auch diese Seite, wenn er schreit: „Warum hast du mich verlassen, Gott?“

Er bleibt dennoch bei Gott.

Glauben ist in unserem Leben, in dem, was wir aushalten, wagen und hoffen, im Gelingen, im Glück, im Segen, im Leid. Glauben ist in allem, was wir von Gott annehmen, worin wir Gott sein lassen und ihm vertrauen.

 

Jesus hält dem verzagten „Ach-wir-glauben-zu- wenig!“ seine Freude über Gott entgegen.

Im kleinsten Glaubenskörnchen ist Gott groß.

Lächelnd erzählt Jesus von Glauben.

„Aber warum übertreibst du so maßlos, Jesus?“

„Ihr braucht keinen großen Glauben,

aber denkt von Gott nicht zu klein!

Und meint nicht, ihr könnt euch nicht ändern

und die Welt muss bleiben, wie sie immer war!  Für Gott ist die Welt und seid ihr voller Möglichkeiten.“

 

Neue Lieder 158  Ich sage Ja

 

Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf.

Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf,

zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt,

und der auch mich in seinen Händen hält.

 

Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt

und aus dem Tod zum Leben auferstand

und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist

für uns zum Freund und Bruder worden ist

 

Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist,

zum Weg der Liebe, den er uns verheißt,

zu wagen Frieden und Gerechtigkeit

in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

 

 

Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot,

Wegzehrung. Zeichen, Zuspruch in der Not.

Ich sage Ja und Amen, weil gewiss:

Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

 

Gebet

 

Wir danken dir, Gott. Was wir sind und haben, ist dein Geschenk. Wir danken dir, Christus. Du bist bei uns jeden Tag, in jedem kleinsten Körnchen Glauben. Du öffnest uns für neue Möglichkeiten. Bewahre uns vor Verzagtheit. Stärke unser Vertrauen.

 

Wir bitten dich für unser Land in den Tagen der Wahl. Wir bitten für die, die gewählt werden wollen und für uns alle um Redlichkeit, Achtung voreinander, Mut und Geduld. Stärke unser Vertrauen.

 

Wir bitten dich für die Menschen, um die wir uns sorgen, für unsere Kranken: behüte sie in Schmerzen und Angst.

Für die, die alt werden, deren Kräfte abnehmen, die auf Hilfe und Pflege angewiesen sind. Für die Einsamen.

Für die Trauernden. Stärke unser Vertrauen.

 

Wir bitten für die Schülerinnen und Schüler, für unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden und für ihre Familien.

Lass sie gute Erfahrungen machen in diesem Jahr. Hilf ihnen, ihren Weg zu finden und im Glauben zu wachsen.

Stärke unser Vertrauen.

 

Vaterunser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

331 Großer Gott, wir loben dich

 

Großer Gott, wir loben dich,

Herr, wir preisen deine Stärke.

Vor dir neigt die Erde sich

und bewundert deine Werke.

Wie du warst vor aller Zeit,

so bleibst du in Ewigkeit.

 

Heilig, Herr Gott Zebaoth!

Heilig, Herr der Himmelsheere!

Starker Helfer in der Not!

Himmel, Erde, Luft und Meere

sind erfüllt von deinem Ruhm;

alles ist dein Eigentum.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst für den 5.9. 1.Thess 5,14-24

 5.9.21    14. Sonntag nach Trinitatis,  Pfarrer Andreas Hansen

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 302,1+2+8

 

Du meine Seele, singe,

wohlauf und singe schön

dem, welchem alle Dinge

zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben

hier preisen auf der Erd;

ich will ihn herzlich loben,

solang ich leben werd.

 

Wohl dem, der einzig schauet

nach Jakobs Gott und Heil!

Wer dem sich anvertrauet,

der hat das beste Teil,

das höchste Gut erlesen,

den schönsten Schatz geliebt;

sein Herz und ganzes Wesen

bleibt ewig unbetrübt.

 

Ach ich bin viel zu wenig,

zu rühmen seinen Ruhm;

der Herr allein ist König,

ich eine welke Blum.

Jedoch weil ich gehöre

gen Zion in sein Zelt,

ist’s billig, dass ich mehre,

sein Lob vor aller Welt.

 

Gebet

Lobe den Herrn, meine Seele.

Ich will dich loben, mein Gott, und dir danken

für alles, was mich glücklich macht,

für Menschen, die ich liebhabe,

für Schönes, das mich erfreut.

Auch, wenn ich bedrängt bin, von Leid,

von Konflikten, von Sorgen, denke ich daran:

Du bist bei mir.

Du hast mich bewahrt.

Du hältst mich bei der Hand.

Du sagst Ja.

Lobe den Herrn, meine Seele.

Dir, mein Gott, vertraue ich mich und alles an.

Amen

 

Neue Lieder 82 Suchen und Fragen

 

Suchen und fragen, hoffen und sehn,

miteinander glauben und sich verstehn,

lachen, sich öffnen, tanzen befrein:

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Klagende hören, Trauernde sehn,

aneinander glauben und sich verstehn,

auf unsere Armut lässt Gott sich ein:

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Planen und bauen, Neuland begehn,

füreinander glauben und sich verstehn,

leben für viele, Brot sein und Wein:

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Predigt   über 1.Thessalonicher 5,14-24

Gott spricht sein Ja. Unser Nein stirbt.

Paulus schreibt: Gott ist treu.

Gott ist ein Gott des Friedens.

Das große Ja Gottes werden wir in Jesus Christus sehen. Die Christen in Thessalonich fragen nach dem Ende der Zeit. Paulus antwortet darauf mit seinem Brief. Es ist sein erster Brief und zugleich die älteste Schrift des Neuen Testaments.

Wir werden Jesus sehen. Er kommt auf uns zu. Von dieser Erwartung ist Paulus erfüllt.

Am Ende seines Briefes schreibt er:

 

Weiter bitten wir euch, Geschwister: Weist die zurecht, die ein ungeordnetes Leben führen! Tröstet die Kleinmütigen! Tragt die Schwachen! Habt mit allen Geduld! Achtet darauf, dass keiner Böses mit Bösem vergilt. Bemüht euch vielmehr mit allen Kräften und bei jeder Gelegenheit, einander und allen Menschen Gutes zu tun.

Freut euch, was auch immer geschieht!

Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen! Dankt Gott in jeder Lage! Das ist es, was er von euch will und was er euch durch Jesus Christus möglich gemacht hat.

Den Geist löscht nicht aus! Prophetische Reden verachtet nicht!  Prüft alles: Was gut ist, das nehmt an. Aber was böse ist, darauf lasst euch nicht ein, in welcher Gestalt auch immer es an euch herantritt.

Gott selbst, der Gott des Friedens, helfe euch, ein durch und durch geheiligtes Leben zu führen. Er bewahre euer ganzes Wesen – Geist, Seele und Leib –, damit, wenn Jesus Christus, unser Herr, wiederkommt, nichts an euch ist, was Tadel verdient.

Der, der euch beruft, ist treu; er wird es auch tun.

 

Zwölf Ermahnungen am Ende eines Briefes!

Die ersten könnten ähnlich in der Rede einer Mutter stehen, oder eines Vereinsvorstandes oder einer Lehrerin. Sie wird sparsamer mit Ermahnungen sein: Dabei schalten die Schü-ler ihre Ohren doch sowieso auf Durchzug. Allerdings: hier geht es um mehr als den Klassenfrieden oder um ein gutes Miteinander im Verein oder in der Familie.

Gott selbst helfe euch, ein durch und durch geheiligtes Leben zu führen. Gott selbst bereitet uns vor und auch wir selbst sollen uns vorbereiten für die Zeit, wenn Jesus Christus, unser Herr, wiederkommt. Darum ein geheiligtes Leben, Leben im Licht Jesu. „Jesus wird kommen.“ Das sagen wir im Glaubensbekenntnis, aber eigentlich können wir uns nicht viel darunter vorstellen.

Ich will nicht mit dem Jenseits vertrösten.

Und ich will ganz bestimmt nicht damit drohen.

Ich glaube: Wir werden ganz im Licht Jesu stehen. Gott sagt Ja zu uns. Unser Nein stirbt. Paulus schreibt ein paar Verse vorher: Ihr alle seid ja Menschen des Lichts, und euer Leben wird von jenem kommenden Tag bestimmt. (5,5)

Das Leben von Paulus ist kein Wellnessurlaub: gefahrvolle, mühsame Reisen, Schiffbrüche, Streit und Vorwürfe in den Gemeinden, Verfolgung, Schläge und Haft, eine rätselhafte Krankheit, die ihn plagt. All das setzt ihm zu, und doch weiß er: „Ich lebe im Licht Jesu. Ich bin ein Mensch des Lichts und so will ich auch leben.“

Mit seinen Ermahnungen will Paulus Mut machen. Er will zur Freiheit ermutigen, den Blick weiten für Menschen des Lichts, Menschen, die auf Gott vertrauen.

 

Tröstet die Kleinmütigen!

Kleinmütig: Ich erinnere mich, wie es mir in den ersten Wochen eines neuen Schuljahres oft ging. Man muss erst wieder in den Alltag hereinfinden,

die neuen Lehrer kennenlernen, an den alten Lernlücken arbeiten. Bis die ersten Tests ge-schrieben waren, war ich etwas mutlos. Verzagt, weil die Aufgaben wie ein Berg vor einem liegen und man das Gefühl hat, es nicht zu schaffen.  Das geht Lehrerinnen und Lehrern und anderen ebenso: Am Anfang scheint der Berg riesengroß. Mutlos sind wir besonders, wenn wir uns zu jedem Schritt zwingen müssen, wenn Traurigkeit oder Misserfolge uns zweifeln lassen.

Tröstet die Kleinmütigen! „Du bist mehr als deine Leistungen. Du kannst lieben und bist geliebt. Dein Leben ist viel mehr als diese schwierige Wegstrecke. Und über allem steht Gottes Ja zu dir.“

Kleinmütig: Wieder steigen die Corona-Zahlen. Hört das nie auf? Und können wir einer neuen Regierung, wer sie auch bilden wird, zutrauen die Probleme zu lösen? Werden wir es schaffen den Klimawandel zu bremsen? Können wir unsere Demokratie schützen vor denen, die sie verachten und angreifen?

Berge von ungelösten Problemen. Wir haben viel Grund zu Sorge. Für die Menschen in anderen Ländern sehen Corona, Klimawandel und die politische Situation noch wesentlich bedrohlicher aus. Keines der Probleme ist einfach zu lösen.

Aber gerade wir Christen sollten cool bleiben,   uns nicht in Katastrophenstimmung treiben lassen, nicht gegen die vermeintlich Schuldigen hetzen.

Tröstet die Kleinmütigen! Wir Christen rechnen damit, dass die Welt sich verändert, dass es auch Risse und Brüche gibt. Wir tun nüchtern, was wir können, um dem Leid zu wehren. Mit Gottes Hilfe schaffen wir so viel wie möglich.

Am Ende steht nicht Untergang, sondern Christus. Gott sagt Ja. Das gilt!

Kleinmütig: Auch wir, die Kirche. Wir sind mitten in einem Prozess des Wandels. Weniger Gemeindeglieder, weniger Geld, weniger Gemeindehäuser und Pfarrer. Also muss die Kirche sich verändern. Das macht Angst.

Wir haben unseren Herrn, den besten Trost gegen jeden Kleinmut, und sind doch so leicht verzagt.

Tröstet die Kleinmütigen!

 

Jede der Mahnungen des Paulus gibt Stoff zum Nachdenken, zum Hoffnung-Schöpfen, zum Aufatmen. Der, der euch beruft, ist treu; er wird es auch tun. Gott ist treu. Wir leben unter seinem Ja. Wir feiern sein Ja.

Amen

 

Lied 351,1+2+7+13

 

Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich.

Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?

 

Nun weiß und glaub ich feste, ich rühms auch ohne Scheu, dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei

und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

 

Sein Geist spricht meinem Geiste manch süßes Trostwort zu, wie Gott dem Hilfe leiste, der bei ihm suchet Ruh,

und wie er hab erbauet ein edle neue Stadt,

da Aug und Herze schauet, was es geglaubet hat.

 

Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein.

Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.

 

Gebet

 

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Du nimmst uns an, Gott, und schenkst uns deine Gemeinschaft, obwohl wir dir schon so oft mit unserem Leben widersprochen haben. Hab Dank dafür. Hilf uns, einander anzunehmen.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die geplagt sind von Krieg, Gewalt, Unrecht. Wir denken an die Menschen in Afghanistan, im Jemen, in Syrien. Es gibt so viele ungelöste Konflikte. Hilf der Gemeinschaft der Völker auf dem mühsamen Weg zu Frieden und Gerechtigkeit.

 

Wir bitten dich für die, die unterdrückt werden, die ihre Meinung nicht sagen dürfen, die verfolgt und eingesperrt und misshandelt werden. Wir denken an die Menschen in Belarus und Russland, in China, im Iran.

Steh ihnen bei.

Hilf uns, dass wir, wo immer es möglich ist, Recht und Freiheit schützen.

 

Wir bitten für unsere Kranken, für die Trauernden, für die die nicht wissen, wie es weitergeht, für die, die keine Hoffnung haben. Tröste, stärke, heile sie und sei bei allen, die ihnen helfen.

 

Wir bitten für deine Kirche, Gott, für unsere Gemeinde, für unsere katholische Nachbargemeinde und die Freunde in Sundhouse. Uns alle befehlen wir deiner Güte, barmherziger Gott. Amen

 

Vaterunser

 

 

Lied 421

 

Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, Herr Gott, zu unsern Zeiten!

Es ist doch ja kein anderer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Gottesdienst für den 8.8., Israelsonntag

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

452,1-3 Er weckt mich alle Morgen

Er weckt mich alle Morgen,

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmrung Pforte

ist er mir nah und spricht.

 

Er spricht wie an dem Tage,

da er die Welt erschuf.

Da schweigen Angst und Klage;

nichts gilt mehr als Sein Ruf.

Das Wort der ewgen Treue,

die Gott uns Menschen schwört,

erfahre ich aufs neue

so, wie ein Jünger hört.

 

Er will, dass ich mich füge.

Ich gehe nicht zurück.

Hab nur in Ihm Genüge,

in Seinem Wort mein Glück.

Ich werde nicht zuschanden,

wenn ich nur Ihn vernehm.

Gott löst mich aus den Banden.

Gott macht mich Ihm genehm.

 

„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe gewählt hat.“ Ps 33

Heute ist Israelsonntag. Wir bedenken, was uns mit dem jüdischen Volk verbindet.

Sehr viel haben Christen und Juden gemeinsam. Ohne die Wurzeln im Judentum ist das Christen-tum nicht zu verstehen. Und doch hat die Kirche über Jahrhunderte zu Hass und Feindschaft gegen Juden beigetragen.

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters von Jesus, dem Juden aus Nazareth, im Namen des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs, des Gottes, der Israel erwählt hat und der durch die Worte der Hebräischen Bibel, die wir Altes Testament nennen, auch zu uns spricht.

 

Psalm 105   

Danket dem Herrn und rufet an seinen Namen;

verkündigt sein Tun unter den Völkern!

 

Singet ihm und spielet ihm,

redet von allen seinen Wundern!

Rühmet seinen heiligen Namen;

es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen!

Fraget nach dem Herrn und nach seiner      Macht,   suchet sein Antlitz allezeit!

Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat,

seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes,

du Geschlecht Abrahams, seines Knechts,

ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten!

Er ist der Herr, unser Gott,

er richtet in aller Welt.

Er gedenkt ewiglich an seinen Bund,

an das Wort, das er verheißen hat für          tausend Geschlechter

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Gnädiger Gott, du hast deinen Namen verbunden mit Israel. Nie hast du deinem Volk die Treue gekündigt. Durch alle Abgründe hast du es begleitet. Wir Christen haben das lange nicht verstanden. Wir haben Israel seine Erwählung geneidet und deine Treue zu ihm bestritten. Hab Dank, dass wir alte Vorurteile überwinden und begreifen, dass wir mit Israel zusammengehören.

Wir preisen deine Gnade. Amen

 

Gott ist treu. Immer wieder darf sein Volk das erfahren. Wie eine liebevolle Mutter spricht er zu ihnen im sogenannten Trostbuch Israels, Jesaja ab Kapitel 40:

Hört mir zu, ihr vom Hause Jakob und alle, die ihr noch übrig seid vom Hause Israel, die ihr von mir getragen werdet von Mutterleibe an und vom Mutterschoße an mir aufgeladen seid:  Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan;  ich will heben und tragen und erretten. (Jes 46,3+4)

 

380 Ja, ich will euch tragen

Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin.

Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin.

 

Ihr sollt nicht grauen, ohne dass ich’s weiß,

müsst dem Vater trauen, Kinder sein als Greis.

 

Ist mein Wort gegeben, will ich es auch tun,

will euch milde heben: Ihr dürft stille ruhn.

 

Stets will ich euch tragen recht nach Retterart.

Wer sah mich versagen, wo gebetet ward?

 

Denkt der vor’gen Zeiten, wie, der Väter Schar

voller Huld zu leiten, ich am Werke war.

 

Denkt der frühern Jahre, wie auf eurem Pfad

euch das Wunderbare immer noch genaht.

 

Lasst nun euer Fragen, Hilfe ist genug.

Ja, ich will euch tragen, wie ich immer trug.

 

Predigt

„Ja, ich will euch tragen.“ Gott trägt sein Volk.  Gott befreit sein Volk aus der Unterdrückung in Ägypten. Er rettet sie und er führt sie durch die Wüste. Wir glauben mit den Juden an den gnädigen Gott, der bei uns ist, der uns trägt      und befreit und niemals alleine lässt. Hören wir als Predigttext einen Abschnitt aus dem 2. Buch Mose. (19,1-8):

Am dritten Neumondtag nach dem Auszug der Israeliten aus dem Land Ägypten, an diesem Tag, kamen sie in die Wüste Sinai. Und sie brachen auf von Refidim und kamen in die Wüste Sinai, und sie lagerten in der Wüste. Und dort lagerte Israel dem Berg gegenüber.

Mose aber stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berg her zu: So sollst du zum Haus Jakob sprechen und den Israeliten verkünden:

Ihr habt selbst gesehen, was ich Ägypten getan und wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe.

Wenn ihr nun auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet von allen Völkern ihr mein Eigentum sein, denn mein ist die ganze Erde, ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern sein und ein heiliges Volk. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst.

Und Mose kam und rief die Ältesten des Volks und legte ihnen alle diese Worte vor, die der Herr ihm aufgetragen hatte. Da antwortete das ganze Volk einmütig und sprach: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun. Und Mose überbrachte dem Herrn die Worte des Volks.

Gott trägt sein Volk.

Auf Adlerflügeln habe ich euch getragen.

Wenn die jungen Adler fliegen lernen, fangen die Eltern sie bei ihren ersten Versuchen auf, wenn sie zu stürzen drohen. So liebevoll trägt Gott sein Volk. So hat er sie gerettet und begleitet und an den Sinai geführt.

Ihr sollt mein Eigentum sein unter allen Völkern.  Es heißt eigentlich nicht „Eigentum“, sondern es geht um den besonderen Besitz des Königs, die Kronjuwelen, den Schatz, den der König niemals weggeben würde. Wie klingt es, wenn jemand mich sein Juwel, seinen Schatz nennt? Das ist eine Liebeserklärung. Israel ist Gottes Schatz und Kronjuwel, auserwählt und geliebt.

Ihr seid mein Juwel unter allen Völkern. Mir gehört die ganze Erde. Israel hat eine Sonderrolle. Doch das ganz Besondere ist Israel nicht nur für sich selbst. Im gleichen Atemzug betont Gott: Mir gehört die ganze Erde. Alle Völker, alle Länder gehören Gott. Wie man den König an seiner mit Juwelen besetzten Krone erkennt, so sollen alle Gott durch sein Volk erkennen. Ein Volk von Priestern, ein heiliges Volk sollen sie sein, wie Priester zu Gott hinführen.

Israel hat für uns und uns zugute die besondere und enge Beziehung zu Gott. Wir lesen die Bibel, das AT als Wort Gottes an uns. Wir identifizieren uns mit Sara und Abraham, Jakob, Mose. Aber für Juden ist das doch noch näher, ihre eigene Geschichte. Wir Christen sind durch Jesus in die Geschichte Israels hineingenommen.

Das Volk steht jetzt also an dem Ort, wo Mose den Dornbusch brennen sah und Gottes Stimme hörte. Wo ist der Berg Sinai?  Wir wissen es nicht.

Israel soll so hören, als stünde es jetzt gerade vor Gott, wo auch immer sie sind. Hören, wirklich hören sollt ihr, zu Herzen nehmen, was Gott sagt, seine Liebeserklärung, seinen Auftrag: Ihr seid mein Juwel unter allen Völkern. Mir gehört die ganze Erde. Ihr sollt für mich ein Volk von Priestern sein und ein heiliges Volk.

Dann folgen die Gebote: Du sollst keine anderen Götter haben. Du sollst nicht töten, die Wahrheit sagen, in allem, was du tust, Gott und deinen Mitmenschen achten.

 

Kennen Sie das Musical Anatevka oder „Fiddler on the Roof“? Arme ukrainische Juden werden am Ende in einem Pogrom aus ihrem Dorf vertrieben. Tewje, der Milchmann betet:    „Gütiger Herr, es war nett von dir, uns Juden zum auserwählten Volk zu machen. Aber so, wie die Dinge laufen, wäre es da nicht möglich, dass du hin und wieder mal ein anderes Volk auserwählst, ich meine, nur so zur Abwechslung …“

Immer wieder wurden die Juden vertrieben, deportiert, unterdrückt, verfolgt. Das auserwählte Volk hat eine beispiellose Leidensgeschichte bis hin zur Vernichtung von Millionen Juden durch uns Deutsche. Immer wieder haben Christen zum Hass auf Juden beigetragen.

Es heute gibt wieder ein Land der Juden – trotz der schrecklichen ungelösten Konflikte: das ist wunderbar! Auch hier in Deutschland leben nach dem millionenfachen Morden wieder Juden. Sie setzen die 1700 jährige Geschichte der Juden in Deutschland fort – wunderbar! Wenn wir dagegen hören, dass Juden heute bei uns Hass und Hetze und Gewalt erleben, ist das unerträglich.

Gott sei Dank gibt es die Juden!

Hätte Gott sein Volk nicht auf Adlerflügeln gerettet – es gäbe auch uns nicht, wir säßen heute nicht hier. Gott trägt sein Volk, wie ein Adler seine Jungen, damit sie fliegen lernen, damit sie frei und stark sind. Gott trägt sein Volk, sein geliebtes Juwel. Und auch wir sollen fliegen lernen, frei und stark im Glauben an den einen Gott.

Erheben wir uns über den Neid und den Hass,

über Verdrehen der Wahrheit, über Habgier!

Hören wir, hören wir wirklich auf Gott!

Lobe den Herren, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, lobe den Herren mit Abrahams Samen, loben wir Gott mit seinem Volk, seinem Juwel. Amen

 

317,1+2+5 Lobe den Herren

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?

Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen. Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lob ihn in Ewigkeit! Amen.

 

Ein Glaubensbekenntnis aus der Evangelischen

Kirche von Kurhessen-Waldeck

Wir glauben an den einen Gott,

der Himmel und Erde geschaffen hat

und uns Menschen zu seinem Bild.

Er hat Israel erwählt, ihm die Gebote gegeben

und seinen Bund aufgerichtet

zum Segen für alle Völker.

Wir glauben an Jesus von Nazareth,

den Nachkommen Davids, den Sohn der Maria,

den Christus Gottes.

Mit ihm kam Gottes Liebe zu allen Menschen,

heilsam, tröstlich und herausfordernd.

Er wurde gekreuzigt unter Pontius Pilatus,

aber Gott hat ihn auferweckt

nach seiner Verheißung,

uns zur Rettung und zum Heil.

Wir glauben an den Heiligen Geist,

der in Worten und Zeichen an uns wirkt.

Er führt uns zusammen aus allen Völkern,

befreit von Schuld und Sünde,

berufen zum Leben

in Gerechtigkeit und Frieden.

Mit der ganzen Schöpfung hoffen wir

auf das Kommen des Reiches Gottes. Amen

Gebet

Gott des Himmels und der Erde,

Du hast Israel erwählt als Dein geliebtes Volk,

hast Dich gebunden an dieses Volk,

dem auch unser Herr, Jesus Christus, angehört.

In ihm hast Du uns in Deinen Bund und Segen

hineingenommen.

 

Wir bekennen die Schuld der Kirche

an unseren jüdischen Brüdern und Schwestern.

Wir bitten dich: Gib uns Versöhnung

und schenke uns Deinen Heiligen Geist,

der uns lehrt und leitet auf einem gemeinsamen Weg.

 

Bewahre die Menschen in aller Welt

vor Diskriminierung, Rassismus und Gewalttat.

Schenke dem Land Israel und seinen Nachbarn

dauerhaften Frieden, der allen Raum zum Leben gibt, Juden, Christen und Muslimen.

Setze allen Verhärtungen, allem Hass ein Ende.

Gib Weisheit und Verstand,

aufrichtiges Mühen um Zusammenarbeit.

 

Und gib uns Kraft, Einsicht und Mut,

dass wir beitragen zur Bewahrung der Erde

und zur Stärkung des Friedens.

Barmherziger und gerechter Gott,

wir hoffen auf dich und loben dich.

Du Gott Abrahams und Saras, du Vater Jesu Christi, du bist unser Gott, du bist Gott allein.

Wir danken dir, denn du bist freundlich

und deine Güte währet ewiglich.

 

Vaterunser

 

171 Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns auf unsern Wegen.

Sei Quelle und Brot in Wüstennot,

sei um uns mit deinem Segen,

sei Quelle und Brot in Wüstennot,

sei um uns mit deinem Segen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns in allem Leiden.

Voll Wärme und Licht im Angesicht,

sei nahe in schweren Zeiten,

voll Wärme und Licht im Angesicht,

sei nahe in schweren Zeiten.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns vor allem Bösen.

Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,

sei in uns, uns zu erlösen,

sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,

sei in uns, uns zu erlösen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns durch deinen Segen.

Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen,

dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen.

 

Segen

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen