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Gottesdienst für den 24.1.21

  1. Sonntag nach Epiphanias| 24. Januar 2021

Barbara Müller-Gärtner,
Pfarrerin in Elzach-Oberprechtal

Wir feiern unseren Gottesdienst – verbunden mit anderen und verbunden mit Gott –
im Namen Gottes des Vaters, der uns nahe ist;

des Sohnes, in dem die Nähe Gottes zu uns Menschen anschaulich wurde;

des Heiligen Geistes, der uns miteinander verbindet. Amen.

Lied: EG 293 Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all
https://www.youtube.com/watch?v=GhUwa0Hx_hE

  1. Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all,/ lobt Gott von Herzensgrunde,/ preist ihn, ihr Völker allzumal,/ dankt ihm zu aller Stunde,/ dass er euch auch erwählet hat/ und mitgeteilet seine Gnad/ in Christus, seinem Sohne.
  2. Denn seine groß Barmherzigkeit/ tut über uns stets walten,/ sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit/ erscheinet Jung und Alten/ und währet bis in Ewigkeit,/ schenkt uns aus Gnad die Seligkeit;/ drum singet Halleluja.

Gebet: Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich, GOTT. Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich.
DU stellst meine Füße auf weiten Raum, GOTT.
So ermöglichst du mir, zu leben und frei zu sein.
Gib mir von deiner Weite, Gott, dass ich auch anderen Raum gewähre; auch wo sie ganz anders sind und anders leben als ich.
Darum bitte ich in Jesu Christi Namen. Amen

Lesung aus Ruth 1 (Gute Nachricht):
Es war die Zeit, als das Volk Israel noch von Richtern geführt wurde. Weil im Land eine Hungersnot herrschte, verließ ein Mann aus Betlehem im Gebiet von Juda seine Heimatstadt und suchte mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen Zuflucht im Land Moab. … Während sie im Land Moab waren, starb Elimelech und Noomi blieb mit ihren beiden Söhnen allein zurück. Die Söhne heirateten zwei moabitische Frauen, Orpa und Rut. Aber zehn Jahre später starben auch Machlon und Kiljon, und ihre Mutter Noomi war nun ganz allein, ohne Mann und ohne Kinder. Als sie erfuhr, dass der Herr seinem Volk geholfen hatte und es in Juda wieder zu essen gab, entschloss sie sich, das Land Moab zu verlassen und nach Juda zurückzukehren. Ihre Schwiegertöchter gingen mit. Unterwegs sagte sie zu den beiden: »Kehrt wieder um! Geht zurück, jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr vergelte euch alles Gute, das ihr an den Verstorbenen und an mir getan habt. Er gebe euch wieder einen Mann und lasse euch ein neues Zuhause finden.« Noomi küsste die beiden zum Abschied. Doch sie weinten und sagten zu ihr: »Wir verlassen dich nicht! Wir gehen mit dir zu deinem Volk.« Noomi wehrte ab: »Kehrt doch um, meine Töchter! …« Da weinten Rut und Orpa noch mehr. Orpa küsste ihre Schwiegermutter und nahm Abschied; aber Rut blieb bei ihr. Noomi redete ihr zu: »Du siehst, deine Schwägerin ist zu ihrem Volk und zu ihrem Gott zurückgegangen. Mach es wie sie, geh ihr nach!« Aber Rut antwortete: »Dränge mich nicht, dich zu verlassen. Ich kehre nicht um, ich lasse dich nicht allein. Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da will auch ich sterben; dort will ich begraben werden. Der Zorn des Herrn soll mich treffen, wenn ich nicht Wort halte: Nur der Tod kann mich von dir trennen!« Als Noomi sah, dass Rut so fest entschlossen war, gab sie es auf, sie zur Heimkehr zu überreden. So gingen die beiden miteinander bis nach Betlehem.

Gedanken zum biblischen Text für den Sonntag
Was ist das mit Noomi und Rut und Orpa? Was haben sie mit mir, mit uns zu schaffen?

Meine Antwort für heute: mir sind sie Lehrerinnen in Sachen Freundschaft und Unterstützung und Liebe über Grenzen hinweg.
Erstaunlich. Denn das Leben meint es nicht gut mit ihnen, mit der Familie: Da ist Hunger. Die Not macht Noomi und ihren Mann zu Wirtschaftsflüchtlingen. Was haben die beiden an dieser Stelle Glück! Sie schaffen es über die Grenze!
Mir stehen die Bilder vor Augen von den ungezählten Menschen auf der Flucht in unseren Tagen. Die meisten scheitern an unseren Grenzen. Die einen sterben, die anderen hausen in furchtbaren Lagern. Sie fragen nach unserer Unterstützung, betteln um menschenwürdigen Umgang, Versorgung, Barmherzigkeit!
Noomi und ihr Mann haben es da besser: Über der Grenze im fremden Land Moab finden sie ein Zuhause und ihr Auskommen. Obwohl der Mann stirbt bleibt Noomi als Witwe mit zwei Söhnen. Die Söhne scheinen sich heimisch zu fühlen. Sie heirateten Frauen aus Moab. Als die Männer sterben, sind sie kinderlose Witwen.

Ich muss an Laika denken, die Frau aus „Jugoslawien“. In meinem Heimatdorf hat sie mit ihrem Mann Arbeit gefunden. Ende der 70er Jahre war das. Sie war sehr jung. Und dann verunglückte der Mann tödlich. Sie bleibt hier; mit ihrem kleinen Sohn; hat Arbeit. Laika gehört ins Dorf. Da lebt sie bis heute mit ihrem Sohn und seiner Familie.
In Moab entscheidet sich Noomi anders. Von jetzt auf gleich in ihrer Zeit sind die drei Frauen mittellos, rechtlos – weil ohne Mann.
Noomi hält nichts mehr in dem fremden Land. Ihre beiden Schwiegertöchter Orpa und Rut wollen sie begleiten. Doch Noomi wird klar: in Israel werden ihre Schwiegertöchter die Fremden sein. Sie gibt die beiden frei für bessere Chancen in der eigenen Heimat.

Heimat oder fremdes Land? Beziehungen, Bindungen, Freundschaften machen viel. So wie bei den Dreien. Von Küssen und Tränen wird erzählt. Am Ende hört Orpa auf ihre Schwiegermutter. Sie bleibt in Moab, ihrem Land, ihrer Kultur, ihrer Familie. Gut so.
Rut entscheidet sich anders: „Dränge mich nicht… Ich gehe nicht weg von dir! Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott“. Rut geht eine eigene feste Verbindung mit ihrer Schwiegermutter ein: „Nur der Tod kann mich von dir trennen”, sagt sie.

Rut, der Name bedeutet Freundschaft. Die Freundschaft der beiden Frauen gründet sich auf Achtung und Gegenseitigkeit. Beide binden sich aneinander in ihren Schwächen und Stärken: Die Ausländerin Rut braucht die einheimische Noemi, um Fuß zu fassen. Die alternde Noomi braucht die Fürsorge und den Schutz der Jüngeren. So kann es gehen, das neue Leben. Rut und Noomi erzählen von Freundschaft, Liebe, Achtung und Unter-stützung; und davon, wie sie Grenzen überwinden. Im Glauben und Gottvertrauen der Älteren gründen sie ihr Leben. So nehmen sie ihr Schicksal in die eigenen Hände. Die beiden sind klug und so handeln sie auch. Glauben Gott auf ihrer Seite: Gott, der auch aus dem Schlimmsten noch Gutes entstehen lassen kann und will. Ihrer Trauer über ihre Männer und der Aussichtslosigkeit setzen sie ihre Freundschaft und ihre Unterstützung entgegen. Vereint und mit dem Segen Gottes schaffen sie es tatsächlich, Grenzen zu überwinden, Unmögliches wird wirklich. (Lesen Sie die Geschichte doch mal zu Ende): Rut bekommt einen Sohn. Das Matthäusevangelium sagt, sie wird zur Urgroßmutter von König David, bekommt so einen Platz im Stammbaum von Jesus.

Viele unserer Familiengeschichten, nicht nur aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, auch von heute, wissen von außergewöhnlichen, unterstützenden Beziehungen zu berichten. Unter Frauen: Großmüttern und Tanten, Schwiegermüttern, Töchtern und Schwestern, Freundinnen. Nicht nur unter Frauen. Aber da ganz oft. Frauen unserer Kirchengemeinde erzählen so auch von den Anfängen der Gemeinde in Elzach: den Flüchtlingen und Einheimischen, von den neuen Verbindungen seither, in Elzach und anderswo immer wieder: Menschen mit großem Gottvertrauen und der Bereitschaft sich aneinander und miteinander zu verbinden und zu verbünden! In der Not, im Glück und in Trauer, über die Grenze von Lebensweisen, fremd oder heimisch – sie glauben: Gott legt seinen Segen auf Freundschaft und Miteinander, da ganz besonders. Amen. So sei es!

Lied EG 395 Vertraut den neuen Wegen
https://www.youtube.com/watch?v=8ZbC0PfEY8c
1. Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

  1. Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.
  2. Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Fürbitten:

Gott ich lobe und preise dich! Du hast jeden von uns einzigartig geschaffen. Was für ein Geschenk, was für eine Aufgabe! Du spiegelst dich in uns? Ja! Ich freue mich und es lässt mich fragen:

Gott, ich erlebe mich und die Welt doch oft so anders, nicht gott-ähnlich:

Da sind harte und enge Grenzen, kurze Sicht auf meine Einstellungen; ich fälle trotzdem Urteile mir und anderen gegenüber.
Das bringe ich vor dich – Wandle es in deine Weite.

Gott, da sind viel Unglück und Leid, Im-Stich-gelassen-Werden, Enttäuschung und Wut, die in Gewalt oder Aufgeben sich zeigen; da sind Hilfsbe-reitschaft aber auch ohnmächtiges Schulterzucken; So oft stecken wir fest.
Ich bringe dir die unter uns und an anderen Orten, die schwer erkrankt sind, ihre Angehörigen, die Ärztinnen und Therapeuten, die für sie beten;
Unsere ganze Ohnmacht, was uns beugt und lähmt, bringe ich vor dich – wandle sie in Stärke von dir.

Gott, wir fragen, was ist angemessen von den Maßnahmen gegen Corona? Mitten in Angst einerseits und in Sorglosigkeit andererseits.
Wandle du das verlorene Zutrauen, in Bereitschaft, für unsere Entscheidungen Verantwortung zu übernehmen. – StilleWas noch offen geblieben ist, bringen wir vor dich, Gott, mit den Worten Jesu:
Vaterunser im Himmel geheiligt werde …

Segen – Sie können dabei Ihre Hände öffnen:
Gott segne und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Gottesdienst zum 17.1.21 , 2. Sonntag nach Epiphanias

 

Lied EG 74,1+2+4

 

Du Morgenstern, du Licht vom Licht,

das durch die Finsternisse bricht,

du gingst vor aller Zeiten Lauf

in unerschaffner Klarheit auf.

 

Du Lebensquell, wir danken dir,

auf dich, Lebend’ger, hoffen wir;

denn du durchdrangst des Todes Nacht,

hast Sieg und Leben uns gebracht.

 

Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht,

führ uns durch Finsternis zum Licht,

bleib auch am Abend dieser Welt

als Hilf und Hort uns zugesellt.

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Stellen Sie sich vor, Sie begegnen Jesus. Die Evangelien berichten davon, wie es vielen ergangen ist.

Sie merken sofort: Dieser Mensch versteht mich. Er kennt mich – und das tut mir gut.

Nathanael staunt über Jesus. „Du siehst mich, wie ich bin.“ Und Jesus sagt zu ihm: „Du wirst noch viel größere Dinge zu sehen bekom-men! Amen, amen, das sage ich euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen.“ (Joh 1,50f)

 

Wir beten:

Verschlossen, Gott,

verschlossen sind wir oft,

eingeschlossen in Sorgen und Ängste.

Oft kreisen wir um uns selbst.

Wir nehmen einander nicht wahr.

Wir gehen hart und gleichgültig miteinander um.

Öffne uns, Gott.

Lass uns Jesus sehen –

so viel Liebe gibt er uns.

Gib uns offene Augen,

Verständnis füreinander.

Der Himmel öffnet sich.

Wir vertrauen dir.

Schenk uns diese Klarheit, diese Freude, trotz allem, was uns Sorgen macht. Amen

 

Jesus hat gefastet und sich ganz Gott zugewandt. Er hatte einen Blick für das, was Menschen plagt. Dem Leid ist er niemals ausgewichen. Aber Jesus hat auch gern gefeiert und den Himmel mit einem großen Fest verglichen. „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ heißt eines der neuen Lieder.

 

Neue Lieder 2: Eingeladen zum Fest des Glaubens

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten sie den Spuren Jesu, folgten sie dem, der sie rief, und sie wurden selbst zu Boten, das der ruf wie Feuer lief:

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

Und so kamen die in Scharen, brachten ihre Kinder mit, ihre Kranken, auch die Alten, selbst die lahmen hielten schritt.

Von der Straße, aus der Gosse kamen Menschen ohne Zahl, und sie hungerten nach Liebe und nach Gottes Freudenmahl.

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

Und dort lernten sie zu teilen Brot und Wein und Geld und Zeit; und dort lernten sie zu heilen Kranke, Wunden, Schmerz und Leid; und dort lernten sie zu beten, dass dein Wille, Gott, geschehe; und dort lernten sie zu leben, dass das Leben nicht vergehe.

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

Wir hören den Predigttext,

Johannes 2,1-11:

Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt. Auch die Mutter von Jesus nahm daran teil. Jesus und seine Jünger waren ebenfalls zur Hochzeitsfeier eingeladen.

Während des Festes ging der Wein aus. Da sagte die Mutter von Jesus zu ihm: »Sie haben keinen Wein mehr!« Jesus antwortete ihr: »Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.«

Doch seine Mutter sagte zu den Dienern: »Tut alles, was er euch sagt!«

Dort gab es auch sechs große Wasserkrüge aus Stein. Die Juden benötigten sie, um sich zu reinigen. Jeder Krug fasste zwei bis drei Eimer. Jesus sagte zu den Dienern: »Füllt die Krüge mit Wasser.« Die füllten sie bis zum Rand. Dann sagte er zu ihnen: »Schöpft jetzt etwas heraus und bringt es dem Festmeister.« Sie brachten es ihm. Als der Festmeister einen Schluck davon trank, war das Wasser zu Wein geworden. Er wusste natürlich nicht, woher der Wein kam. Aber die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten Bescheid. Da rief der Festmeister den Bräutigam zu sich und sagte zu ihm: »Jeder andere schenkt zuerst den guten Wein aus. Und wenn die Gäste dann angetrunken sind, folgt der weniger gute.   Du hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.«

Das war das erste Zeichen. Jesus vollbrachte es in Kana in Galiläa.

Er machte damit seine Herrlichkeit sichtbar und seine Jünger glaubten an ihn.

 

„Weihnachten findet statt“ – so steht es auf unserer Kirchenzeitung im Advent. Natürlich und jetzt gerade: Weihnachten findet statt.

Aber es war so anders: Kein Gesang in vollen Kirchen, überhaupt keine Live-Gottesdienste bei uns. Kinder und Enkel kamen nicht. Ist uns mitten in den Festvorbereitungen sozusagen der Wein ausgegangen?

Nein. Weihnachten hat stattgefunden, das Fest der Liebe Gottes findet statt.

Der Wein wird knapp, wenn wir auf das starren, was uns lähmt, wenn wir uns selbst überfordern, wenn wir resignie-ren. So vieles geht im Moment nur mühsam, wie der Start der Impfkam-pagne. Aber trotz dieser zehn Monate geht noch so viel.

Der Wein wird knapp, wenn wir uns von den Schreihälsen und Hetzern bestimmen lassen.

Wie gut, dass nach der Räumung des Capitols von den Randalierern die Zeremonie der Wahlbestätigung fortgesetzt wurde.

„Ihr werdet den Himmel offen sehen“ sagt Jesus zu seinen Jüngern, und gleich darauf zeigt der Evangelist Johannes Jesus und seine Jünger bei der Hochzeit.

Der Wein droht auszugehen. Endet das Fest in einer peinlichen Blamage?

Was ist das für eine seltsame Geschichte: Wir erfahren nichts vom Brautpaar und der Familie. Jesus fährt seine Mutter unfreundlich an. Am Ende gibt es viel zu viel vom allerbesten Wein.

Vom Fest des Glaubens erzählt Johannes, also von Jesus und allen, die er einlädt.

Es beginnt am dritten Tag, am Tag der Auferstehung, Ostern. Wenn seine Stunde gekommen ist, ist für alle mehr als genug da. Woher kommt nur diese Fülle – woher, wenn nicht von Gott selbst? Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade (Joh 1,16).      Jesus ist der Bräutigam – da kann keiner fasten (Mk 2,18-20).

Es ist Hochzeit, Zeit der Freude mit Jesus.

Jesus macht seine Herrlichkeit sichtbar

und seine Jünger glauben an ihn.

Johannes schreibt nicht einfach, was geschehen ist. Er schreibt vom Fest des Glaubens.

Das Fest findet statt. Der Wein droht auszugehen – aber nein: es ist doch mehr als genug da!

Schauen wir genau hin: Das Fest findet statt, weil sie tun, was Jesus sagt, und weil sie ihm vertrauen.

Das Fest unseres Glaubens findet statt.

Jesus schenkt aus seiner Fülle den Wein für das Fest und auch Brot des Lebens (Joh 6) und lebendiges Wasser (Joh 4).

Johannes schreibt für Menschen, die ängstlich auf fast leere Krüge starren.

„Ob das noch reicht?

Ob wir es schaffen?

Ob der Kirche alle Menschen weglaufen?

Ob wir die Krise überstehen?“

Ihnen und uns schreibt Johannes.

Er legt seinen Rat Maria in den Mund:

Tut alles, was er euch sagt!

Hört auf Jesus!

Lest wieder und wieder und immer weiter seine Worte! Hört, was euch gilt!

Vertraut ihm! Amen

 

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten wir den Spuren Jesu, folgten wir dem, der uns rief, und wir werden selbst zu Boten, dass der Ruf der gilt, der lief:

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

Wir beten:

Du lädst mich ein, Jesus, zu deinem Fest.

Hilf mir, deine Spuren in meinem Leben zu erkennen.

Zeige mir Schritte, wie es gelingen kann, meinen Glauben zu stärken. Mach mir Mut dir zu vertrauen.

Hilf mir anzunehmen, dass nicht mein, sondern dein Wille geschehe.

Bewahre mich vor Resignation.

Hilf mir, offen zu sein für überraschen-de Wendungen, auch wenn Angst, Sorge und Zweifel noch so groß sein mögen.

Gott, sei bei uns allen. Wir bitten dich um deinen Segen, wenn wir zufrieden und dankbar sind. Wir bitten dich um deinen Segen, wenn wir traurig, krank, mutlos oder einsam sind.

Bewahre unsere Kranken. Stärke alle, die sich um Kranke kümmern.

Behüte die Menschen auf der Flucht und in den Lagern, in Kliniken und Intensivstationen, in seelischer und leiblicher Not.

Behüte die, die sich für andere einsetzen.

Lass uns auf dein Wort hören, Jesus.

Mach uns bereit für das, was du uns sagst.

Gib uns allen Geduld und Zuversicht.

 

Vaterunser

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

Hausgottesdienst für den 3.Januar 2021

  1. Sonntag nach dem Christfest, Lk. 2, 41-52,

Pfr.iR Hanns-Heinrich Schneider, Kenzingen

 

Lied 45  1+3  Herbei, o ihr Gläubigen

 

Herbei, o ihr Gläub’gen,

fröhlich triumphieret,

o kommet, o kommet

nach Bethlehem!

Sehet das Kindlein,

uns zum Heil geboren!

O lasset uns anbeten

den König!

 

Kommt, singet dem Herren,

singt, ihr Engelchöre!

Frohlocket, frohlocket,

ihr Seligen: „Ehre sei Gott

im Himmel und auf Erden!“

O lasset uns anbeten

den König!

 

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Weihnachten und Sylvester sind vorüber, wir sind in einem neuen Jahr angekommen. Ein schwieriges Jahr liegt hinter uns. Weihnachten und Sylvester waren mit  Auflagen verbunden und all das, was bisher in unserem Leben selbstverständlich war, musste auf den Prüfstand gestellt werden. Wir feiern unseren Gottes-dienst gegen alle Resignation und Sorge.

 

Guter Gott! Wir danken dir, dass wir diesen Gottesdienst in einem neuen Jahr unseres Lebens miteinander  feiern dürfen. Wir stehen mit unseren Kindern, Familien und Freunden vor einem neuen Jahr. Trotz aller Herausforderungen des vergangenen Jahres  schauen wir dankbar zurück und zugleich voller Zuversicht nach vorn. Lass gelingen, was wir uns vornehmen, wenn es dem Zusammenleben aller Menschen dient. Begleite uns in dieses neue Jahr unseres Lebens mit deinem guten Geist, dem Geist der Hoffnung und des Vertrauens, dem Geist der Liebe und des Friedens durch unseren Bruder und Herrn Jesus Christus.

 

Predigttext Lukas 2,41-52

Die Eltern von Jesus gingen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem. Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie ihn zum ersten Mal mit. Nach den Festtagen machten die Eltern sich wieder auf den Heimweg, während der junge Jesus in Jerusalem blieb. Seine Eltern wussten aber nichts davon. Sie dachten, er sei irgendwo unter den Pilgern. Sie wanderten den ganzen Tag und suchten ihn dann abends unter ihren Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie am folgenden Tag nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Endlich am dritten Tag entdeckten sie ihn im Tempel. Er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und diskutierte mit ihnen. Alle, die dabei waren, staunten über sein Verständnis und seine Antworten. Seine Eltern waren ganz außer sich, als sie ihn hier fanden. Die Mutter sagte zu ihm: »Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich überall gesucht und große Angst um dich ausgestanden.« Jesus antwortete: »Warum habt ihr mich denn gesucht? Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?«

Aber sie verstanden nicht, was er damit meinte. Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazareth zurück und gehorchte ihnen willig. Seine Mutter aber bewahrte das alles in ihrem Herzen. Jesus nahm weiter zu an Jahren wie an Verständnis, und Gott und die Menschen hatten ihre Freude an ihm.

Maria und Josef haben es schwer, sie sind ganz außer sich! Ihr Ältester hat sich der Kontrolle der Eltern entzogen und hat sich seinen Weg in Jerusalem gesucht. Er ist in der Pubertät, wie alle Kinder in seinem Alter.  Dazu ist ja die Pubertät da, dass Kinder sich von ihren Eltern und umgekehrt Eltern sich nach und nach von ihren Kindern lösen, sich frei lassen. Das ist aber einfacher gesagt, und – wie wir sehen – in der Wirklichkeit recht schwer.  Eltern meinen immer ihre Kinder beschützen zu müssen, was umgekehrt die Kinder gerade in diesen Jahren gar nicht mehr wollen und sich dagegen auflehnen. Die Pubertät ist also keine Erfindung der Neuzeit.

Die Klage über Frechheit, Begehrlichkeit und Zügellosigkeit, sowie den Zerfall von Sitte und Moral junger Menschen  durchzieht die Weltliteratur seit altersher. So heißt es in einer Keilschrift um 2000 v.Chr aus Ur in Chaldäa.  „Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“ „Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen, so klagt der Philosoph Aristoteles im 4. Jahrhundert v. Chr. Und Sokrates klagt ebenfalls im 4. Jahrhundert: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“  Und sogar in der Bibel – beim Propheten Micha – heißt es: „Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter steht wider die Mutter, die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter“ (Micha 7,6).

Sehr schnell war man früher dabei, unseren nachweihnachtlichen Text vom Ende her zu lesen, denn Lukas schreibt diese Kindheitsgeschichte Jesu ja erst viel später und im Rückblick auf das Leben Jesu. Doch damit werden wir weder den Eltern Maria und Joseph noch dem heranreifendem Jesus gerecht. Die Weihnachtserzählungen sind abgeschlossen, wobei Matthäus noch die Flucht nach Ägypten erwähnt. Und dann hören wir eine ganze Weile nichts mehr aus der Biografie Jesu.

Kindheitserzählungen Jesu finden wir nur noch in den außerbiblischen Schriften, den Apokryphen. Da wird Jesus „als übermütiges Kind mit manchmal bengel- und flegelhaftem Benehmen dargestellt, das seine Macht und Wunderkraft erst zügeln lernen muss. Von Anfang an steht aber die Überlegenheit des Knaben seinen Lehrern gegenüber im Mittelpunkt“, was wohl in einer Beziehung zum 12-jährigen Jesus im Tempel steht. Damit sehen wir einen ganz normalen Jungen vor uns, der kurz davor ist, erwachsen zu werden.

Dieser Blick auf Jesus ist, wenngleich für manche von uns ungewöhnlich, doch von großer Bedeutung. Maria war nie die madonnengleiche Frau mit blonden lockigen Haaren, wehenden Gewändern und einem Heiligenschein um sich herum. Josef, ihr Mann, war nie der alte Mann am Krückstock und das Kind in der Krippe war ein Kind wie jedes andere Kind auch, zu dem Gott sein Ja gesagt hat. Es musste gestillt und gewickelt werden und raubte den Eltern den Schlaf. Jesus, der Gottessohn wurde für uns ein Mensch, ein Mitmensch.

Und das schildert uns Lukas in seiner Weihnachtsgeschichte bis hin zum 12-jährigen Jesus im Tempel. Und weder Maria und Josef, noch Jesus selbst blieb in diesem Miteinander erspart, was auch andere Eltern mit ihren Kindern und Kinder mit ihren Eltern durchmachen.  Heute 2000 Jahre später, sehen wir unsere Geschichte einmal aus Sicht der Eltern und dann aus der Sicht ihres Sohnes Jesus.

Denken wir einmal kurz an das Märchen von Rapunzel. Die  Zauberin verschließt Rapunzel als junges Mädchen in einem hohen Turm, um sie für sich behalten zu können und verliert sie dann schließlich doch. So ergeht es natürlich auch Maria und Josef. Sie wollen ihr Kind halten und verlieren es letztlich doch.

Sie folgen den Geboten ihrer Väter und Mütter im Glauben und pilgern zum Passafest nach Jerusalem, doch Jesus sucht sich seinen Weg im Festgetümmel, um Gott nahe zu sein. Die Eltern erleben das in größter Sorge, ja „sie waren ganz außer sich“ vor Angst. Martin Luther selbst sagte 1543 sinngemäß zu unserem Text, dass Jesus es durchaus verdient hätte, gezüchtigt zu werden, wenn es eben nicht Jesus gewesen wäre: „Aber Christus war der Herr: Wo es nötig war, gehorchte er, wo nicht, gehorchte er nicht, um so zu zeigen, dass er nicht nur Marias, sondern Gottes Sohn ist. Sie meinten das Kind behüten zu müssen, doch das Kind, fast erwachsen geworden, spielt nicht mehr mit. Das ist, man kann es nicht anders sagen, eine Provokation Jesu. Denn was hätte es Jesus gekostet, seinen Eltern kurz Bescheid zu sagen, wohin er geht? Schon an diesem Text zerbricht das Bild vom „lieben Herrn Jesus“. Jesus war nicht einfach lieb und wurde es auch nie.

Dass dann später einmal von ihm gesagt wird, dass in seiner Gegenwart „die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert…“ (Mt. 11,5+6), das können seine Eltern hier und heute bei ihrer Wallfahrt nach Jerusalem natürlich noch nicht sehen. Sie sind in ihrer Angst um ihren Sohn gefangen.

Und Jesus? Jesus läuft ja nur augenscheinlich seinen Eltern weg. Ihm ist hier in Jerusalem an der Pforte zum Erwachsenwerden aber etwas ganz anderes wichtig und dem folgt er. „Aus seiner Sicht `verliert´ er seine Eltern nicht, er lässt sie ganz einfach weiterziehen und sucht sich seinen eigenen Standort.“  Hier erleben wir mit, wie Jesus selbst durch sein Verhalten das moralische Gebot den Eltern zu gehorchen, in Frage stellt. Jetzt geht es ihm an diesem Ort um seine Gottesbeziehung. Es beginnt für den Jungen seine eigene innere Auseinandersetzung mit seinem Glauben, es geht um sein Denken, sein Fragen, sein Suchen – und darum gehört er in diesem Augenblick in den Tempel zu den Glaubensgelehrten. Manche von ihnen werden ihm später das Leben schwermachen.

Wir sehen heute mit unserem Blick auf den 12-jährigen Jesus, wissen um seine spätere Botschaft, hören ihn auch aus seinen Taten heraus und glauben, dass er für uns zum Christus geworden ist. Aber so, wie wir kaum Kindheitsgeschichten kennen, so wenig wissen wir um die Jahre, die er nun in seinem Elternhaus lebt und – wie es erzählt wird – seinen Eltern „gehorsam“ war.

Wir kommen gerade vom Weihnachtsfest her, das so ganz anders war, als die Weihnachtsfeste, die wir zuvor in unserem Leben erleben durften. Wir haben ein Jahr hinter uns gelassen, dass es in sich hatte: Das Coronavirus hat wohl einen jeden von uns gefordert. Wir mussten lernen, uns mit Masken zu bewegen, Abstand zu halten, selbst zu den Menschen, die uns nahestehen und sehr viel stärker auf Hygiene zu achten. Und all das nehmen wir mit in das neue Jahr hinein, das nun vor uns liegt mit. Es gibt Menschen unter uns, die all das nicht (mehr) aushalten, die Quer-denken, weil sie nicht an die Gefahr durch das Virus glauben und meinen durch die Regierungen belogen und durch die Presse manipuliert zu werden.

Was tun? Wie gehen wir als Christen mit unserer Botschaft hoffnungsvoll in ein neues Jahr – wohl wissend – dass uns weitere Herausforderungen erwarten. Von Jesus wird erzählt, dass die Menschen schließlich „ihre Freude an ihm hatten“.  Ja, wir sehen heute nicht mehr den 12-jährigen Jungen in seiner Pubertät, sondern sehen, dass uns in diesem Menschen Gott selbst begegnet, was mit seiner Geburt zuvor schon in der Krippe im Stall begann.

Dietrich Bonhoeffer formulierte im Nachdenken über die Herausforderungen seiner Zeit „einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte“, in die wir uns vielleicht auch in unserer Gegenwart gut einfinden können: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Genau in diesem Vertrauen dürfen wir darum  mit einer `fröhlichen Zuversicht´ in die uns geschenkte Zukunft hineinleben und gehen und das gilt gerade auch für das Jahr 2021. Amen.

 

 

Herr guter Gott! Wir danken dir für dein gutes Wort in dem uns Jesus Christus als Mensch und Gott begegnet. Dabei ist es tröstlich zu erfahren, dass die Welt Jesu keine andere Welt als unsere eigene war, dass es auch damals schon Sorgen und Probleme in den Familien gab, die durch deinen guten Geist gelöst werden konnten. Wir beten darum, dass jedes Kind seinen Weg ins Leben findet und alle Eltern ihre Kinder geistvoll auf diesem Weg begleiten können. Wir beten um inneren und äußeren Frieden für alle Menschen, die einen Weg in Ihr Leben suchen unter Beachtung von Menschenwürde und Menschenrechten.

Väterlicher und so mütterlicher Gott, so können wir gar nicht anders, als dir für alle Menschen unter uns zu danken, die uns mit ihrem Glauben ein Vorbild sind und die sich in unserer Gemeinde und Kirche mit ihrem Engagement einbringen. Vor dir bringen wir nun auch voller Dankbarkeit alle Menschen in Erinnerung, die uns den Weg zu dir vorangegangen sind, wir beten aber auch für uns selbst, für unsere Gemeinde, für unsere Freunde in Sundhouse, für unsere katholischen Mitchristen, für unsere kleine Stadt und für die ganze Welt. Schenke allen Menschen weltweit eine fröhliche Zuversicht, wenn Sorgen und Angst sie quälen.

Und alles, was uns noch bewegt, bringen wir vor dich, Gott, in dem wir gemeinsam beten:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 

Lied 65,7

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

 

Gott erhalte uns in gegenseitiger Liebe und schenke uns Freunde und Frieden mit allen Menschen.

Gott segne uns als Boten seiner Liebe, damit alle Welt ein glaubwürdiges Zeugnis unseres Glaubens erfahren kann.

Gott sei bei uns und unseren Familien in guten und an schweren Tagen.

Es segne und behüte euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige. Der Vater, der Sohn, und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

 

Hausgottesdienst zum 31.12.2020

 

Gottesdienst für den 31.12.2020

Pfarrer Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Wir beten mit Psalm 121:

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom HERRN,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

Der HERR behütet dich;

der HERR ist dein Schatten

über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

Der HERR behüte dich vor allem

Übel, er behüte deine Seele.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit! Amen

 

Hüter unseres Lebens, wir sehen zurück auf dieses Jahr. Wir sehen die Herausforderungen, die es uns und vielen Menschen gebracht hat.

Du warst und bist bei uns in Leid, in Anspannung und Angst.

Wir sehen auf das, was uns gelungen ist, auf glückliche, erfüllte Zeit und danken dir.

Wir haben auch Chancen vertan und sind schuldig geworden an anderen Menschen und an dir. Vergib uns und nimm von unseren Schultern, was uns belastet.

Begleite uns in das neue Jahr, stärke uns für unsere Aufgaben und behüte uns vor allem Bösen, behüte unsere Seele. Amen

 

Lied 64, 1 Der du die Zeit in Händen hast

 Der du die Zeit in Händen hast,

Herr, nimm auch dieses Jahres Last

und wandle sie in Segen.

Nun von dir selbst in Jesus Christ

die Mitte fest gewiesen ist,

führ uns dem Ziel entgegen.

 

Predigtgedanken

Das Jahr geht zu Ende. Viele Proble-me sind nicht gelöst. Viele Aufgaben warten. Es gibt noch so viel mehr als die Pandemie, die alles beherrscht.

Der Klimawandel, die Not der Flüchtlinge, die Gefahr des Terrors, Angriffe auf unsere Demokratie – die Liste ist lang. Wir bringen zu Gott, was in diesem Jahr geschah, was die Welt bewegt hat und auch das, was für uns persönlich wichtig war.

Wir bringen unseren Dank für alles, was schön war, und wir bringen die Last dieses Jahres, Sorge und Leid zu Gott. Gott hat die Zeit in Händen. Gott kann die Last dieses Jahres in Segen wandeln. Aber er nimmt uns die Last nicht einfach ab.

Wir lesen den Predigttext, Verse aus dem 2. Buch Mose (13,20-22). Gott führt und begleitet sein Volk auf dem Weg in das Gelobte Land:

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie bei Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Gottes Volk ist auf dem Weg in die Freiheit. Sie brechen auf aus Ägypten, dem Land der Sklaverei. Schlimme Erfahrungen von Unterdrückung und Leid liegen hinter ihnen. Es war unendlich schwer, den Pharao zu überzeugen, dass er sie gehen lässt. Es ist auch für sie selbst schwer, sich zu lösen, das Alte hinter sich zu lassen, Gott zu vertrauen und aufzubrechen. Nun sind sie am Rand der Wüste, an der Schwelle, vor dem Ungewissen.

Jahr für Jahr lesen Juden diese Geschichte so, als wären sie selbst dabei, heute am Rand der Wüste, heute herausgefordert zu vertrauen.

„Vertrauen, dieses schwerste ABC“ (Hilde Domin) Immer neu müssen wir es lernen.

In einer Wolken- und Feuersäule geht Gott seinem Volk voraus. Gott ist da, aber man kann ihn doch nicht greifen. Gott ist da und ist doch anders, anders als das Licht des Tages und anders als das Dunkel der Nacht. Gott wahrt den Abstand. Er geht voraus.

Und sein Volk muss auf Gott schauen und kann nicht stehen bleiben. Sie dürfen nicht auf das starren, was sie erschreckt. Auf Gott sollen sie sehen und seinen Weg gehen.

Das neue Jahr wird gut, wenn wir Gott vor Augen haben und ihm folgen.

Wie machen wir das? Unser Licht und unser Wegweiser ist Jesus, sein Vertrauen zum Vater, seine Liebe zu den Menschen.

Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. (Hebr 12,2)

Wir treffen Entscheidungen auf unserem Weg. Wir sagen ja oder nein zu einer Aufgabe oder auch zu einem Menschen. Wir tragen Entschei-dungen, z.B. wenn ein Angehöriger krank ist oder im Sterben liegt.

Dietrich Bonhoeffer schrieb: „Den Weg zu wissen, auf dem rechten Weg zu sein, erleichtert niemals Verantwortung oder Schuld, sondern erschwert sie.“

Gott geht uns voraus. Er trägt uns nicht einfach. Wir müssen gehen und die Last von Aufgaben und Entscheidungen tragen. Aber Gott ist da.

Bei Tag und Nacht“ heißt es dreimal in diesen Versen. Bei Tag und Nacht kann sein Volk auf sein Zeichen sehen. Bei Tag und Nacht können sie wandern.

In keinem noch so dunklen Moment des vergangenen Jahres hat Gott uns allein gelassen. Keinen Augenblick könnten wir sein ohne ihn.

Ich bin da“ – so stellt Gott sich dem Mose ganz am Anfang vor.

Ich bin bei euch alle Tage“, so sagt Jesus zu uns.

Einen langen, schweren Weg durch die Wüste muss das Gottesvolk gehen, einen Weg mit Umwegen, Gefahren und Mühen.

Später werden die Propheten gerade von dieser Zeit schwärmen. Hier haben sie erfahren, wie nahe Gott ist.

Wir werden auch im nächsten Jahr Umwege machen und auch in Wüsten geraten.

Krankheit kann so eine Wüste sein oder Sorge, Angst, Trauer, Not.

Manchmal schicken wir einander in die Wüste, wenn wir Menschen allein lassen, sie ablehnen oder mit ihnen herumstreiten.

Oder wir werden uns selbst zur Wüste, überfordern uns, verlieren uns, quälen uns selbst.

Ich wünsche Ihnen und mir selbst, dass wir dann nicht ziellos und bis zur Erschöpfung umherirren.

Ich wünsche uns, dass wir den Blick zu Gott und zu Jesus hin wenden.

Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Gott ist da. Er geht mit uns in dieses neue Jahr und durch unsere Wüsten

 

Lied 64, 2+5

Da alles, was der Mensch beginnt,

vor seinen Augen noch zerrinnt,

sein du selbst der Vollender.

Die Jahre, die du uns geschenkt,

wenn deine Güte uns nicht lenkt,

veralten wie Gewänder.

 

Der du allein der Ewge heißt

und Anfang, Ziel und Mitte weißt

im Fluge unsrer Zeiten:

bleib du uns gnädig zugewandt

und führe uns an deiner Hand,

damit wir sicher schreiten.

 

Wir beten:

Am Ende dieses Jahres beten wir zu dir, du, unser Gott, und loben dich.

Du begleitest uns durch die Jahre.

Du rufst uns in deine Gemeinschaft.

Nie lässt du uns allein.

Du bist da für dein Volk.

Du schenkst dich uns in Jesus Christus.

 

Steh uns auch im kommenden Jahr bei, wenn wir herausgefordert und auch wenn wir überfordert sind,

wenn Leid und Unglück uns treffen,

wenn wir meinen, allein zu sein.

Wir bitten für alle, die von der Pandemie betroffen sind, die Kranken, die Sterbenden, die Trauernden, für alle, die in Not geraten. Gib denen Kraft und bewahre sie, die helfen und pflegen und begleiten. Wir bitten für unser Land, für alle, die Entscheidun-gen treffen und Verantwortung tragen. Und wir beten für die Völker und Länder, die stärker von der Not betroffen sind.

Hilf uns an unserem Ort füreinander einzustehen. Wir bitten für deine Schöpfung. Hilf uns umzudenken und umzukehren, weniger zu verbrauchen, achtsamer mit deinen Gaben umzugehen.

Wir bitten für unsere Familien und Freunde und nennen die Menschen, um die wir uns Sorgen machen.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.

Du bist bei uns, Vater im Himmel. Du schenkst uns deine Gemeinschaft, dein Leben, Jesus, unser Herr. Von dir getröstet und behütet gehen wir in das neue Jahr.

 

Vaterunser

 

Lied 65,1+2+7

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr.

 

Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

Zwischen den Zeiten – Hausgottesdienst zum Christfest 2020

Lied EG 35

Nun singet und seid froh, jauchzt alle und sagt so: Unsers Herzens Wonne liegt in der Krippe bloß und leucht´ doch wie die Sonne in seiner Mutter Schoß. Du bist A und O, du bist A und O.

Wo ist der Freuden Ort? Nirgends mehr denn dort, da die Engel singen mit den Heil´gen all     und die Psalmen klingen im hohen Himmelssaal. Eia, wär´n wir da, eia, wär´n wir da.

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Fürchtet euch nicht!  Siehe, ich verkündige euch große Freude! Euch ist heute der Heiland geboren. Wir  feiern einen Hausgottesdienst zum Christfest. Der Retter ist geboren. Gott wird Mensch für uns. Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.

 

Wir preisen dich, Gott, gemeinsam mit Christinnen und Christen in aller Welt. Du kommst in die Welt – so sehr liebst du sie.                  Wir hören den Jubel und denken zugleich an die, denen nicht zum Jubeln zumute ist, die traurig sind und voll Sorge. Du kommst in die Welt und willst mit uns tragen, was uns bedrückt. Christus, unser Bruder, du kommst in Armut, nicht in Glanz und Herrlichkeit.

Wir preisen dich Gott, der du lebst und Leben schenkst, durch Christus, unseren Bruder, unseren Heiland,  in der Kraft des Heiligen Geistes. Amen

 

Lesung Jes 52,6-10

Mein Volk soll meinen Namen erkennen an jenem Tag, dass ich es bin, der spricht: „Hier bin ich!“

Wie lieblich klingen die Schritte  des Freudenboten auf den Bergen, der Frieden verkündet, der gute Botschaft bringt, der Rettung verkündet, der zu Zion spricht: Dein Gott ist König!

Horch, deine Wächter haben die Stimme erhoben, allesamt jubeln sie, denn mit ihren Augen werden sie sehen, wie der Herr zurückkehrt nach Zion.

Freut euch, jubelt allesamt, ihr Trümmerstätten Jerusalems! Denn der Herr hat sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst.

Vor den Augen aller Nationen hat der Herr seinen heiligen Arm entblößt, und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.

Lied EG 36,1+5+6+9

Fröhlich soll mein Herze springen

Dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen.

Hört, hört, wie mit vollen Chören

Alle Luft laute ruft: Christus ist geboren!

 

Nun er liegt in seiner Krippen,

Ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen:

“Lasset fahr’n, o liebe Brüder,

Was euch quält, was euch fehlt; ich bring alles wieder.”

 

Ei so kommt und lasst uns laufen,

Stellt euch ein, groß und klein, eilt mit großen Haufen!

Liebt den, der vor Liebe brennet;

Schaut den Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet.

 

Die ihr arm seid und elende,

Kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände.

Hier sind alle guten Gaben

Und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben.

 

1920 schrieb Friedrich Gogarten: “Das ist das Schicksal unserer Generation, dass wir zwischen den Zeiten stehen. Wir gehörten nie zu der Zeit, die heute zu Ende geht. Ob wir je zu der Zeit gehören werden, die kommen wird?”

„Zwischen den Zeiten“ – so nannten namhafte Theologen damals vor hundert Jahren eine Zeitschrift und so schätzten sie ihre Zeit ein: nach der Erschütterung des Ersten Weltkrieges –      der Optimismus und Fortschrittsglaube einer Generation war zerschlagen. Aber die Autoren waren bereit sich von Gottes Wort ansprechen und herausfordern zu lassen.

Zwischen den Zeiten stehen wir auch jetzt, wund von diesem Jahr, unsicher, müde. Zwischen den Zeiten stehen wir immer, wenn Entscheidungen, Abschiede, Krisen uns herausfordern. Resignieren wir nicht! Lassen wir uns ansprechen von Gott! Sein Volk soll ihn erkennen, wenn er spricht:   „Hier bin ich!“ Wir wollen ihn hören und sehen in dem Kind.

Fröhlich soll mein Herze springen – ach, wirklich? Lieblich klingen die Schritte des Freudenboten – so anders als resolute Schritte eines machtvoll Auftretenden oder gar dröhnende Stiefel von Soldaten.

Die Herzen sind zu Jesajas Zeit eher schwer, Jerusalem in Trümmern, der Tempel eine Ruine, das Volk fern von zuhause. Aber so soll es nicht bleiben. Eine neue Zeit kommt. Gott kommt. Hört ihr nicht schon die lieblichen Schritte seines Boten? Hört doch, was er verkündet: Frieden, eine frohe Botschaft, Rettung. Das ist eigenartig, nicht wahr? Sie sitzen noch in der Verbannung und Jerusalem liegt in Trümmern. „Zwischen den Zeiten“ heißt für sie in gespannter Erwartung hören auf die frohe Botschaft, ganz nah. Noch ist der Frieden, die Rettung nicht verwirklicht, aber wir gehören zu der Zeit, die kommen wird.

Himmlische Freudenboten kommen zu den Hirten, und die werden nun ihrerseits zu Freudenboten. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft laute ruft: Christus ist geboren! Lasst euch mitreißen von der Freude, dass Gott zu uns kommt! Eine neue Zeit beginnt. Frieden für die zerrissene, geplagte Welt. Gott brennt vor Liebe. Er will bei uns sein, unser Leben teilen, uns retten. Neue Perspektiven erschließen sich. Ein Neuanfang wird möglich. Fröhlich soll mein Herze springen!  Wir gehören zu der Zeit, die kommen wird.

Die ihr arm seid und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände. Bei Jesaja klingt es so: Freut euch, jubelt allesamt, ihr Trümmerstätten Jerusalems! Jubelnde Trümmer, Elende, die wieder glauben können – „Gott kommt in die Trümmer“ (Isolde Karle) Die schlimmen, leidvollen Erfahrungen werden nicht einfach beiseite gewischt, als ob nichts wäre. Gott kommt gerade dorthin, wo Schmerz und Elend und auch Schuld uns niederdrücken. Sicher hätten wir in diesem Jahr manches besser machen können. „Wir werden einander viel zu verzeihen haben.“ Das stimmt. Was wir erlebt und erlitten und getan haben,  bleibt ein Teil unseres Lebens. Es lässt sich nicht auslöschen. Die Trümmer sollen jubeln.  Gott sieht unsere Last, die Trümmer und Ruinen unseres Lebens. Er geht nicht darüber hinweg. Das Volk Israel hofft, dass Jerusalem wieder aufgebaut wird und es heimkehren darf. Wir hoffen, dass aus den Leidensgeschichten,  aus dem, was uns erschreckt, aus Krisen, Schuld und Erschütterungen Neues entsteht.

Wir schauen auf das Kind in der Krippe. So klein macht sich Gott, so machtlos und dem Leben ausgeliefert. So ist er ganz bei uns. Wir sehen im Kind in der Krippe auch schon den leidenden Gott, der sich für uns hingibt. Wir sehen, wie sehr Gott uns liebt.

Wir stehen zwischen den Zeiten. Vielleicht wird mit diesem Jahr wirklich vieles anders – das wissen wir nicht. Das Gefühl von Umbruch und Krise beherrscht viele. Wir stehen zwischen den Zeiten, aber die Geburt Jesu markiert eine neue Zeit.

Hört die lieblichen Schritte des Freudenboten!

Er verkündet Frieden, Rettung, frohe Botschaft.

Hören wir! Sehen wir auf den, der kommt!

So viel will er für uns tun. So viel schenkt er uns.

Alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.

Amen

 

37,1+4

Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben;

ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.

Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,

Herz, Seel und Mut, nimm alles hin

und lass dir’s wohlgefallen.

 

Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;

und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.

O dass mein Sinn ein Abgrund wär

und meine Seel ein weites Meer,

dass ich dich möchte fassen!

 

Wir stehen an deiner Krippe, du, unser Gott, so nah. Mit allem, was dieses Jahr uns gebracht hat, stehen wir vor dir. Wir sehen auf dich. Wir hören auf die Freudenboten. Wir hoffen auf dein Wort vom Frieden, von Heil und Rettung. Hilf uns, zuversichtlich weiterzugehen, nicht zu resignieren und bitter zu werden. Wir wissen nicht, was das neue Jahr bringt und wie wir aus dieser Krise herausgehen, aber wir wissen: Du gehst mit uns. In allem, was geschieht: Du bist bei uns.

Wir bitten dich für alle, die von der Pandemie hart getroffen sind, die erkrankt sind, die Angehörige verloren haben, die extrem gefordert sind in ihrem Beruf, die ihre Arbeit oder ihr Auskommen verloren haben.

Wir bitten für unser Land und für die Welt um Frieden, um gerechte Entscheidungen, um Einsicht und Versöhnung in Konflikten, um Bewahrung in Not.

Ja, alle Enden der Erde sollen dein Heil sehen. Schenke ihnen und uns allen Glauben. Behüte unsere Lieben. Bewahre uns.

Vaterunser

37,9

Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen: dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So lass mich doch dein Kripp´lein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.

 

Gott, segne und behüte uns. Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Hebe dein Angesicht über uns und schenke uns Frieden. Amen.

 

 

 

 

Musik und Wort zum Christfest – zwischen den Zeiten

Wir können den Weihnachtsgottesdienst nicht gemeinsam feiern, aber einen Teil möchten wir zu hören geben:

“Fröhlich soll mein Herze springen”, Kleines geistliches Konzert für Mezzosopran und Orgel (Otfried Büsing, 2020), Cosima Büsing, Meszzosopran, Jakoba Marten-Büsing, Orgel

“Ich steh an deiner Krippen hier”

Predigt und Gebet zu Jesaja 52,6-10, “Zwischen den Zeiten”, Andreas Hansen

Gottesdienst an Heiligabend

Heiligabend 2020

Sie können den Gottesdienst, den wir in der Kirche feiern, zuhause für sich allein oder gemeinsam mit anderen lesen. Sie stehen in der Gemeinschaft aller Christinnen und Christen. Er, dessen Fest wir feiern, verbindet uns.

 

Wir feiern Weihnachten.

Wir feiern Jesus Christus.

Gott hält keinen Abstand – er ist uns nah.

Alles trägt Jesus mit uns, unser ganzes Leben.

Wir feiern Weihnachten und danken Gott, der uns so sehr liebt.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab. Wir sollen nicht verloren sein. Wir sollen leben.

Lied 27,1-3 Lobt Gott, ihr Christen

Lobt Gott, ihr Christen alle gleich,

in seinem höchsten Thron,

der heut schließt auf sein Himmelreich

und schenkt uns seinen Sohn,

und schenkt uns seinen Sohn.

 

Er kommt aus seines Vaters Schoß

und wird ein Kindlein klein,

er liegt dort elend, nackt und bloß

in einem Krippelein, in einem Krippelein.

 

Er äußert sich all seiner G’walt,

wird niedrig und gering

und nimmt an eines Knechts Gestalt,

der Schöpfer aller Ding, der Schöpfer aller Ding.

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 Wir kommen zu deinem Fest, Gott, mit allem, was uns beschäftigt, was uns keine Ruhe lässt, was uns Sorgen macht – all das bringen wir mit.

Die Welt feiert deine Geburt.

Nicht in strahlendem Glanz kommst du, sondern in Armut und Elend.

Du weißt, wie die Welt ist, und lässt dich doch auf sie ein.

Du liebst die Welt. Du nimmst uns an.

Wir werden deinem Willen und unseren Mitmenschen oft nicht gerecht, auch nicht denen,

die wir doch lieb haben.

Wir sind gefangen in der Sorge um uns selbst. Schwach ist unser Vertrauen.

Aber du nimmst uns an.

Du kommst zu uns.

Wir preisen dich.

Deine Liebe schenkst du uns in Jesus.

Wir sollen Frieden finden.

Die Wunden der Welt sollen heilen.

Wir feiern dein Fest, Gott. Amen

 

Wir lesen das Weihnachtsevangelium Lk 2,1-20:

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

 

Predigtgedanken

Die Hirten laufen los. Unbedingt müssen sie wissen, ob es wahr ist. Sie wollen es sehen. Stimmt das, was der Engel sagt? Es wäre so schön. Sie machen sich auf die Suche.

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Finden, was wir suchen, das ist ein Glück. Gott sucht uns. Und Gott erreicht und findet uns. Darüber jubelt der ganze Himmel.

In diesem Jahr ist uns überdeutlich bewusst, wieviel wir verlieren können: unsere Gesundheit, Menschen, die wir lieb haben, unser Auskommen, Möglichkeiten miteinander zu feiern. Zuversicht und Vertrauen können wir verlieren. Fast alles können wir verlieren. Das macht uns traurig und es macht uns Angst. Wir denken an die vielen Menschen, die traurig sind, weil sie vieles, was sie lieb hatten, verloren haben.

Wir können sogar Weihnachten verlieren – wenn wir nicht wissen, was das soll. Wenn uns der Sinn dieses Festes nicht erreicht, die Worte und Zeichen keinen Sinn für uns haben.

Fast alles können wir verlieren, aber eines bleibt: Was auch geschieht, Gott gibt uns nicht verloren. Gott findet uns. Es bleibt seine Liebe zu uns.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab. Wir sollen nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Wir gehen nicht verloren für Gott. Gott schickt seine Boten, die Engel. Gott kommt selbst in Jesus Christus in die Welt, die er so sehr liebt.

Ich hatte eine kleine Engelsvision: Mit den Drittklässlern wollten wir zu Weihnachten ein Spiel in der Turn- und Festhalle aufführen. Viele der Kinder wollten Engel sein, und wir haben einfach für alle Engelskronen gebastelt. Dann saßen da vor mir über 20 Kinder mit Engelskronen, und ich dacht: Das stimmt ja! Wir alle können Botinnen und Boten Gottes werden, Engel.

Wir haben in diesem Jahr erlebt, wie wir füreinander sorgen. Viele gute Begegnungen haben Mut gemacht.

Die Hirten erzählen die frohe Botschaft. Auch sie werden zu Engeln. Machen wir es wie die Hirten: Erzählen wir, was uns über dieses Kind gesagt ist! Der Heiland ist geboren.

Gott liebt uns.

Er gibt uns niemals verloren.

Amen

 

Du, Gott, bist größer als unsere Vorstellungen, erhabener als unsere Worte, höher als unser Verstehen, und doch bist du uns nah, ganz anders als die Mächtigen dieser Welt. Du kommst zu uns in dem Kind in der Krippe. Wir bitten dich: Bleib bei uns und geh mit uns, in allem, was uns angreift.

Bei dir, Jesus, sind wir in guten Händen. Halte und bewahre uns und alle, die wir lieben. Beschütze die, um die wir uns Sorgen machen. Wir bitten dich für die vielen Menschen, die unter dem Virus und seinen Folgen leiden, für die Kranken und alle, die sie pflegen, für die Trauernden, die Einsamen, die in Not geraten sind. Ihnen allen, uns allen gib Kraft, Geduld und Zuversicht. Du bist auch bei denen, die überfordert und verzweifelt sind, und bei denen, die am Rand stehen und übersehen werden.

Wir bitten für die, die regieren. Steh ihnen bei, wenn sie schwere Entscheidungen treffen. Schenke ihnen Weisheit und Mut. Lass dein Licht auf die Völker scheinen. Wir bitten um Gerechtigkeit und Frieden für alle Menschen.

Sei den Menschen besonders nahe, die traurig und bedrückt sind, denen, die belastet sind von Sorge und Streit, Menschen in seelischer Not, in Obdachlosigkeit, Menschen, die niemanden haben.

Wir bitten für deine Kirche. Das Wort vom Kind in der Krippe, deine frohe Botschaft soll alle erreichen. Durch uns alle zeige den Menschen deine Güte und Liebe.

Vaterunser

Lied 44 O du fröhliche

O du fröhliche, o du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit!

Welt ging verloren, Christ ist geboren:

Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit!

Christ ist erschienen, uns zu versühnen:

Freue, freue dich, o Christenheit!

 

O du fröhliche, o du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit!

Himmlische Heere jauchzen Dir Ehre:

Freue, freue dich, o Christenheit!

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

Hausgottesdienst zum 4.Advent von Pfr. Wehrstein, Herbolzheim

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! (Philipper 4,4.5b)

Lied: Wir sagen euch an den lieben Advent (EG 17,1-4)

1) Wir sagen euch an den lieben Advent, sehet, die erste Kerze brennt!  Wir sagen euch an eine heilige Zeit. Machet dem Herrn den Weg bereit! Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.

2) Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die zweite Kerze brennt. So nehmet euch eins um das andere an, wie auch der Herr an uns getan! Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.

3) Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die dritte Kerze brennt. Nun tragt eurer Güte hellen Schein weit in die dunkle Welt hinein. Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.

4) Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die vierte Kerze brennt. Gott selber wird kommen, er zögert nicht. Auf, auf, ihr Herzen, werdet licht. Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.

 

Gebet

Es sind nur noch wenige Tage, Herr, bis wir Weihnachten feiern. So recht will sich nicht bei allen die Freude einstellen.

Die Einschränkungen der letzten Wochen und Tage gehen auf unser Gemüt.

Doch in uns regt sich Widerstand. Der Wunsch ist stark in uns, dass auch dieses Weihnachten ein fröhliches zu Herzen gehendes Fest wird. So bitten wir Dich um Deine Nähe, die es in unseren Herzen hell macht und unsere Stimmung lichtet.

In der Stille sagen wir Dir, wofür wir deine Nähe, dein Licht brauchen. Stille. Amen.

Predigtgedanken ‚Impfstoff der Hoffnung‘

Ist Ihnen nach ‚O du Fröhliche‘ zu Mute? Die vierte Kerze wird heute an unserem Adventskranz entzündet. Noch vier Tage, dann ist Heilig Abend. Und dann, und dann würden wir nor-malerweise in einer hell erleuchteten, mit Kerzen geschmückten Kirche, eng gedrängt sitzen, und am Ende lautstark singen: ‚O du Fröhliche‘.

Jetzt ist aber vieles davon wegge-sperrt. Harter Lockdown. Vom Abstand halten bis zur Ausgangssperre. Die gute Stimmung fährt herunter und die Sorgen steigen wieder nach oben. Was wird mit meiner Arbeitsstelle? Werde ich mich anstecken? Wie bekomme ich meine Kinder zu Hause ausreichend beschäftigt? Droht mir als Seniorin Einsamkeit? Eskaliert der Streit zu Hause?

Und was wird an Heilig Abend sein? Feier im kleinen Kreis? Gottesdienste in eingeschränktem Format? Vielleicht noch nicht einmal eines von Beidem? Und dann wird es erschallen, das ‚O du Fröhliche‘, und ich befürchte, dass so mancher an der Zeile ‚Welt ging verloren‘ hängen bleiben wird. Wird es so sein, wird es so kommen?

Der große Hoffnungsträger ist der Impfstoff. Bald wird er da sein. Monate wird es dauern, bis die Impfungen uns Erleichterungen schenken. Wenn es gut geht, ist es nächste Weihnachten vorbei. Hoffentlich werden die Verluste menschlich und finanziell nicht zu groß sein. Aber wie wirksam ist der Impfstoff tatsächlich? Wie viel Hoffnung kann er uns einimpfen?

Denn mit dem Virus kam uns zugleich nahe, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Dass mein eigenes Leben sich von heute auf morgen ändern kann. Und nicht nur meines, sondern das der ganzen Nation und sogar der Welt zerbrechlich und verletzlich sind wird. Das Virus hat als Reaktion Solidarität und Egoismus hervorgebracht. Und immer wieder neu Sorgen, Konflikte, die tiefer liegen, die zum Teil vorher da waren, vor dem Virus. Und die bleiben werden, auch nach dem Impfstoff.

Wie viel Hilfe, wie viel Hoffnung bringt der Impfstoff?

An Heilig Abend wird uns ein ganz anderer Impfstoff verabreicht. Ein Impfstoff der anders, der tiefer ansetzt. In unsere Lebensbahnen wird eine besondere Dosis Gott eingeimpft. Im Johannesevangelium (Kap.1,1) heißt es: ‚Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.‘ Gott impft sich, impft seine Liebe in die Welt hinein. Seine Anwesenheit fließt durch die Bahnen dieses Universums, aber auch in unsere Blutbahnen hinein.

Am vierten Advent singen wir: ‚Wir sagen euch an den lieben Advent, sehet, die vierte Kerze brennt. Gott selber wird kommen, er zögert nicht. Auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht. Freut euch ihr Christen, freuet euch sehr! Schon ist nahe der Herr.‘

Und darin schließt sich unmittelbar der Gesang von ‚Macht hoch die Tür‘ an. Gott kommt zu uns. Er impft uns ein Heil und Leben, das er mit sich bringt, er impft uns Hilfe, Sanftmütigkeit, Barmherzigkeit ein.

Nein, gegen das Coronavirus werden wir nicht geimpft, aber gegen das, was da tiefer liegt. Wir werden gegen die Angst geimpft, verloren zu gehen. Gott bringt Heil und Leben. Angst bedeutet Enge, Gott bedeutet Ausblick und Weite. Das letzte Wort hat immer Gott, nicht das, was Du befürchtest. Selbst wenn es eintritt, hat Gott das letzte Wort: Heil und Leben wird es sein.

Wir werden auch gegen die Einsamkeit geimpft. Gott selber wird kommen. Wenn keiner dir anruft, wenn die Familie an Heilig Abend nicht kommen kann, wenn du in deinem Wohnzimmer viel zu oft allein sitzt, wenn gewohnte Begegnungen untersagt sind. Gott wird da sein. Im Herzen. Schließ die Augen und blick in Dich und… es werde licht.

Ja Gott impft uns auch Kraft ein zum Aushalten und Liebe zum Verändern. Er ist ein Impfstoff, der hilft, mit den berechtigten Sorgen, mit den negativen Gedanken, mit dem ‚Welt ging verloren‘, besser bestehen, umgehen zu können. Jeden Tag, Schritt für Schritt. Oft habe ich schon Menschen sagen gehört: ‚Ich weiß nicht wie ich da durchgekommen bin, aber irgendwie habe ich Tag für Tag Kraft geschenkt bekommen.‘

Ist Ihnen nach ‚O du fröhliche‘ zu Mute? Ich glaube, dass viel davon abhängt, ob wir uns von Gottes Liebe impfen lassen. Sicher, es ist ein Impfstoff, der immer wieder aufzufrischen ist. Vielleicht sogar Tag für Tag. Aber der Wirkstoff ist da, sofort zugänglich, für alle, ohne Einstufungen, er ist Jahrtausende lang erprobt, bei Milliarden von Menschen. Nebenwirkungen wie solidarisch, gerecht, barmherzig sein, sind erwünscht. Die Hauptwirkung aber ist Leben, Liebe, Heil. So singe ich gerne heute am 4. Advent mit Blick auf unser Land, unsere Städte, unsere Dörfer:

‚O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

Und vielleicht singe ich dann doch an Heilig Abend trotz Lockdown mit gleichzeitig weit geöffneten Herzen:   ‚O du Fröhliche‘. Das wäre ein echtes Geschenk. Amen.

Lied: (EG 1) Macht hoch die Tür

1) Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

2) Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

3) O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

 

Fürbittengebet

Wir danken dir Gott, dass Du uns so nahe kommst. Dass Du uns Hoffnung und Liebe und Kraft einimpfst.

Lass Hoffnung hineinfließen zu allen, die nicht mehr weiterwissen, die sich um sich selbst qualvoll drehen, die glauben, mit dem Tod ist alles aus.

Lass Liebe hineinfließen zu allen, die einsam sind, die miteinander nicht mehr können, die zueinander hartherzig geworden sind.

Lass Kraft hineinfließen zu allen, die angesichts der erlebten Einschränkungen zweifeln, ob sie den Anforderungen gerecht werden können. Die trauern. Und zu denen, die müde zu Bett gehen und nicht wissen wie sie den kommenden Tag überstehen können.

Breite dich aus in dieser Welt, die so zerbrechlich ist, sei Tröster früh und spat und Hoffnungsanker, der Freud und Wonne bringen kann.

Amen.

 

Vaterunser

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten

über uns und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

6.12. Hausgottesdienst

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Stärket die müden Hände

und macht fest die wankenden Knie.

Saget den verzagten Herzen:

Seid getrost, fürchtet euch nicht.

Seht, da ist euer Gott.

Er kommt und wird euch helfen.

(Jes 35,3f)

 

EG 8,1-3 Es kommt ein Schiff, geladen

 

Es kommt ein Schiff, geladen

bis an sein’ höchsten Bord,

trägt Gottes Sohn voll Gnaden,

des Vaters ewigs Wort.

 

Das Schiff geht still im Triebe,

es trägt ein teure Last;

das Segel ist die Liebe,

der Heilig Geist der Mast.

 

Der Anker haft’ auf Erden,

da ist das Schiff am Land.

Das Wort will Fleisch uns werden,

der Sohn ist uns gesandt.

 

Müde Hände haben wir manchmal in diesen Tagen. Unsere Herzen sind manchmal verzagt. Die Ausnahmesituation dauert nun schon so lange.

Wie lange noch?

Und was kommt noch auf uns zu?

Komm zu uns, Jesus Christus.

Wir warten sehr.

Und viele andere sind noch weit mehr unter Anspannung und Druck, in Angst, in Krankheit, allein.

Komm, Jesus, stärke unsere Hände,

mach unsere Schritte fest, sei bei uns und hilf uns auf. Herr, erbarme dich. Amen

 

 

EG 11,1+3+4 Wie soll ich dich empfangen

 

Wie soll ich dich empfangen und wie begegn´ ich dir, o aller Welt Verlangen,

o meiner Seelen Zier?

O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.

 

Ich lag in schweren Banden,

du kommst und machst mich los;

ich stand in Spott und Schanden,

du kommst und machst mich groß

und hebst mich hoch zu Ehren

und schenkst mir großes Gut,

das sich nicht lässt verzehren,

wie irdisch Reichtum tut.

 

Predigttext: Jakobusbrief 5,7+8:

 

So seid nun geduldig, Brüder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.

 

„Die Herren dieser Welt kommen und gehen allesamt; unser Herr kommt.“ Das schrieb der persönliche Gefange-ne des selbst ernannten „größten Feldherrn aller Zeiten“. Acht Jahre war der Berliner Pfarrer Martin Niemöller im KZ – dann verschwand der GröfaZ. „unser Herr kommt“ – auf ihn verlassen wir uns in allem, was uns bedrängt.

Die ersten Christen standen unter einem enormen Druck.  Rom beherrschte alle bekannten Länder. Die Weltmacht unterdrückte und verbrauchte unzählige Menschen.   Der Kaiser nannte sich „Heiland“ und „Gott“. Vor seinem Standbild mussten Opfer dargebracht werden.

Die Christen sagten „Jesus ist der Herr“ – das ist das kürzeste und älteste Glaubensbekenntnis: „Jesus ist der Herr“ (1.Kor 12,3). Einen anderen Herrn gibt es nicht. Alle anderen sogenann-ten Herren sehen irgendwann alt aus. Keiner von ihnen, und sei er noch so mächtig, ist wirklich unser Herr. Jesus ist der Herr, der wahre Herr.

Die Mächtigen Roms lachten die Christen und ihren Jesus aus. Sie verfolgten sie. Die Christen fragten sich: „Stimmt es denn? Ist  Jesus der Herr? Was wird aus uns?“ Darum schreibt Jakobus so eindringlich vom Kommen des Herrn. Viele wollen den Druck nicht länger ertragen. Sie  wol-len so wie alle anderen sein, mitlaufen,   ihr Leben genießen, so gut es geht – wer macht das schon anders?

Christen lebten damals und leben heute als Bürger zweier Welten: Einerseits sind sie Kinder ihrer Zeit unter den Herrschern, die gerade Macht haben. Andrerseits sehen sie als Gottes Kinder auf die Ewigkeit und auf den Herrn, auf Jesus.

Der Blick auf den wahren Herrn macht sie stark.  Er hilft zu sehen, wie begrenzt und oft lächerlich die Herren der Welt sind. Wir müssen uns von keinem Menschen und von keinen selbst ernannten Herren einschüchtern lassen.

„Das Kommen des Herrn ist nahe.“

Irgendwann werden alle, alle Jesus erkennen. Wann das sein wird, weiß niemand. Wichtiger als diese Frage ist das Vertrauen: Jesus, der Herr ist nahe. Er ist uns schon jetzt nahe. Wir sind schon jetzt die Seinen, Kinder Gottes, frei.

„Die Herren dieser Welt kommen und gehen allesamt; unser Herr kommt.“

 

Seid geduldig, Brüder und Schwestern.

Geduld können sich Könige leisten, oder Gott.

Gott ist großzügig, souverän, geduldig. Er lässt uns Zeit. Er ist nicht gleich-gültig, sondern freundlich. Liebevoll wartet Gott auf uns.                           Geduldig wartet der Bauer auf die Ernte. Er legt nicht die Hände in den Schoß. Er tut alles, damit die Frucht wachsen kann. Dann aber vertraut er, dass die kostbare Frucht wachsen und gedeihen wird. Gott und die Menschen, die ihm vertrauen, können sich Geduld leisten, die Kinder Gottes.

Im Moment fällt es mir schwer geduldig zu sein, gelassen zu warten. Ich bin genervt und frustriert durch die Ein-schränkungen und die Unsicherheit in der Pandemie. Ich merke, wie die Anspannung dieser Monate an mir zehrt. Und mir scheint, viele reagieren zunehmend gereizt und aggressiv.

Seid geduldig – ach, wenn ich nur geduldiger sein könnte! Aber du hast ja recht, Jakobus, gerade jetzt haben wir Christen guten Grund geduldig zu sein und auch die Ungeduld anderer gelas-sen hinzunehmen. Weil Jesus unser Herr ist, passt Geduld zu uns Christen. Seid geduldig! Habt einen langen Atem! Lasst euch nicht eng machen!

Seid geduldig heißt nicht: Unrecht ohne Widerrede ertragen oder die Augen vor Problemen verschließen.

Ich verstehe sehr gut, dass Frauen inzwischen keine Geduld mehr haben und Gesetze gegen ihre Benachteili-gung fordern.

Es ist richtig, dass Klimaschützer nicht warten wollen und jetzt konkrete Maßnahmen verlangen. Die Bedro-hung der ganzen Schöpfung duldet keinen Aufschub. Ganz gewiss können wir uns nicht zurücklehnen und die Probleme einfach ignorieren.

Und trotzdem: Seid geduldig und stärkt eure Herzen! Es hilft nicht, auf den Berg der ungelösten Fragen und Konflikte zu starren. Es hilft nicht, wenn wir bitter oder aggressiv werden, unzufrieden mit uns und allen anderen.

Es nimmt uns die Kraft, wenn wir nur auf das sehen, was wir noch nicht geschafft haben.

Wie können wir „die Herzen stärken“?

Indem wir  auf den Herrn, auf Jesus sehen. Er kommt. Er ist nahe. Er lässt uns in allem Druck nicht allein.

Die Herzen stärken, indem wir auf ihn hören, hören, dass Gott diese Welt liebt, wieder und wieder hören, damit es uns ins Herz dringt.

Wir brauchen sein gutes Wort, damit wir nicht bei uns selbst stecken bleiben. Wir sollen es singen und beten und immer wieder hören.

Jakobus spricht uns gemeinsam an,

die Gemeinschaft der Christen, die Kirche. Unser Glaube lebt auch im stillen Kämmerlein, aber wir brauchen die anderen, die mit uns glauben, die uns Gottes Wort zusagen, die unsere Herzen stärken, die mit und für uns beten.

Stärkt eure Herzen! Seid geduldig!

Unser Herr ist nah. Sein Friede bewahre unsere Herzen! Amen

 

EG 16,1+4+5 die Nacht ist vorgedrungen

 

Die Nacht ist vorgedrungen,

der Tag ist nicht mehr fern!

So sei nun Lob gesungen

dem hellen Morgenstern!

Auch wer zur Nacht geweinet,

der stimme froh mit ein.

Der Morgenstern bescheinet

auch deine Angst und Pein.

 

Noch manche Nacht wird fallen

auf Menschenleid und -schuld.

Doch wandert nun mit allen

der Stern der Gotteshuld.

Beglänzt von seinem Lichte,

hält euch kein Dunkel mehr,

von Gottes Angesichte

kam euch die Rettung her.

Du kommst zu uns, Gott. In deiner Nähe sind wir geborgen und gestärkt. Du lehrst uns zu hoffen in allem, was uns bedrängt, geduldig zu sein in Konflikten und miteinander.

Hilf uns zu unterscheiden, nicht zu schweigen, wo Unrecht nicht weiter-gehen kann, und doch gelassen auf dich zu vertrauen.

Wir bitten für die Menschen, die erschöpft und mutlos sind, für alle, denen die Umstände der Pandemie zusetzen, für die, die jetzt noch mehr allein sind als ohnehin schon und die darunter leiden, für die, die verständ-nislos und gereizt reagieren.

Wir bitten für die, die sich bis an die Grenzen ihrer Kraft einsetzen, die Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte, Polizistinnen und Polizisten, auch für die, die verantwortlich entscheiden müssen.

Wir bitten für die Kranken und für alle Menschen, um die wir uns besonders sorgen.

Wir bitten für unsere Gemeinde und alle Gemeinden, dass wir leben, handeln, entscheiden aus der Kraft des Glaubens, getragen von der Hoffnung. Behüte unsere Geschwister in der katholischen Gemeinde und in unserer Partnergemeinde in Sundhouse im Elsaß.

 

Vaterunser

 

7,1 O, Heiland reiß die Himmel auf

O Heiland, reiß die Himmel auf,

Herab, herab, vom Himmel lauf,

Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,

Reiß ab, wo Schloß und Riegel für!

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.