Alle Beiträge von Andreas Hansen

Pfarrer in Kenzingen seit Mai 2012, vorher als Pfarrer in Waldshut (1997-2012) und Riegel (1990-1997), verheiratet, drei erwachsene Kinder, Jahrgang 1960

Predigt über Röm 8,26f am Sonntag Rogate 22.5.22

Alle telefonieren. Laut sprechend kommt mir jemand entgegen. Der ist doch allein. Mit wem redet der? Ach so, er spricht in sein Handy.

Eine Mutter schafft es, ihr Kind im Kinderwagen zu schieben, den Hund an der Leine zu halten und zugleich ihr Smartphone am Ohr zu haben.

Ganz zu schweigen von den vielen Autofahrern, die ihren Wagen steuern und mit einer Hand das Handy halten, was ja eigentlich verboten ist.     Alle telefonieren, manche anscheinend ohne Pause. Es gibt so viel Wichtiges zu sagen. Das Bedürfnis in Verbindung zu bleiben ist so groß.

Alle telefonieren? Nein, nicht alle. Manche nervt die dauernde Telefoniererei. Manche sind auch stumm, weil sie meinen: Wen sollten sie schon anrufen? Und was hätten sie zu sagen? Da ist keine Verbindung. Nicht aus technischen Gründen oder weil sie kein Handy haben. Sie wissen nichts zu sagen. Es soll auch Menschen geben, die so tun, als würden sie telefonieren. Sie wollen zu denen gehören, die viele Verbindungen haben.

 

„Betet!“ heißt es heute. „Bleibt in Verbindung mit Gott!“ So einfach ist das nicht. Wenn man schon so lange nicht mehr gebetet hat. Wenn einem zu belanglos scheint, was man sagen könnte, oder man nicht weiß, wie man es sagen soll. Wenn man nicht weiß: Ist da überhaupt eine Verbindung möglich? Hört Gott mich? Und auch, wenn es einem die Sprache verschlägt, wenn das, was geschieht, uns ratlos und sprachlos macht.

 

Hören wir zwei Verse aus dem Römerbrief dazu:  In gleicher Weise steht uns der Geist Gottes

da bei, wo wir selbst unfähig sind.

Wir wissen ja nicht einmal, was wir beten sollen. Und wir wissen auch nicht, wie wir unser Gebet in angemessener Weise vor Gott bringen.

Doch der Geist selbst tritt mit Flehen und Seufzen für uns ein. Dies geschieht in einer Weise,

die nicht in Worte zu fassen ist.

Aber Gott weiß ja, was in unseren Herzen vorgeht. Er versteht, worum es dem Geist geht.

Denn der Geist tritt vor Gott für die Heiligen ein. (Röm 8,26f)

Paulus, der große Paulus schreibt von seiner Unfähigkeit zu beten. Selbst Paulus hat keinen heißen Draht zu Gott. Kopf und Herz sind besetzt. Worte bleiben aus oder fallen ins Leere. Keine Verbindung möglich. Wir wissen ja nicht einmal, was wir beten sollen. Und wir wissen auch nicht, wie wir unser Gebet in angemessener Weise vor Gott bringen.

Zum Glück hat Paulus das geschrieben.

Zum Glück hat er alle in das „Wir“ eingeschlossen.     Es mag Zeiten geben, da fällt es uns leicht zu beten, aber oft ist es nicht so und das kennen wir alle. Niemand muss sich dafür schämen.  Niemand muss sagen: „Das ist nichts für mich.  Ich kann eben nicht beten.“

Wir alle können sozusagen von Natur aus nicht beten. Und keine und keiner kann es besser,   zum Beispiel weil sie Pfarrerin ist oder er der Apostel Paulus.

Wir alle können es nicht und können es doch.

Weil der Geist Gottes uns beisteht. Weil der   Geist mit Seufzen und Flehen für uns eintritt.

Weil Gott unsere Herzen kennt

und unser Seufzen und Flehen versteht.

Wir können nicht beten und können es doch.

Denn Gott will die Verbindung mit uns.

Gott ist wie einer dieser Smartphonejunkies.       Er hat uns so viel Wichtiges zu sagen. Gott ist geradezu süchtig nach der Verbindung zu uns.

 

Auch wenn bei mir nur die Sehnsucht da ist: Eigentlich würde ich gern beten.

Auch wenn ich keine Worte dafür finde.

Gott hört es.

Er sieht mich und kennt mein Herz.

Und er schickt keinen weg.

Gott ist nicht wie ein beleidigter Freund, der sagt:           „So lange hast Du dich nicht gemeldet – dann brauchst Du jetzt auch nicht kommen, wo du Hilfe brauchst.“ Gottes Geist ist bei denen, die ihn brauchen, nicht nur bei den vorbildlichen Christen. Gerade den Schwachen hilft er auf. Nicht nur denen, die immer alles richtig gemacht haben. Denen, die keinen Rat wissen, die meinen, sie seien von Gott und der Welt verlassen, bei denen ist Gott mit seinem Geist.

 

Fangen Sie einfach an mit einem Satz:

„Gott, du kennst mein Herz.“

Oder: „Gott, hier bin ich vor dir.“

Und dann seien Sie still, warten Sie,

bleiben Sie vor Gott!

Vielleicht kommt nur ein Seufzen, oder ein „Danke“ oder viele Gedanken.

Vielleicht kennen Sie dann selbst Ihr Herz besser – und das ist eine Antwort.

Vielleicht hilft Gottes Geist auch, indem andere mit Ihnen beten, zum Beispiel hier in der Kirche.
Jesus hat sich Sprache zum Beten ausgeliehen.

„Mein Gott, warum hast du mich verlassen“, hat er am Kreuz geschrien. Ein Psalm hat ihm geholfen, sich an Gott zu wenden. „Gott, hier bin ich vor dir. Wo bist du? Hör mich doch!“

Nehmen Sie einen Vers, wenige Worte,

sprechen Sie wieder und wieder,

etwa: „Herr, weise mir deinen Weg!“

Das reicht.

Ob Sie auf der Straße laufen und für sich beten, das geht gut. Ob Sie für Ihre Kinder und Enkel beten, besser noch mit ihnen. Ob Sie beim Autofahren beten, das ist nicht verboten. Und es geht ohne Handy. Die Verbindung ist da. Gott ist da.

 

Wir seufzen unter dem, was uns bedrückt.

Und schon, indem wir seufzen,

hilft der Geist uns auf. Die Verbindung ist da.

Gott hört und versteht uns.

Gott will ja unbedingt mit uns verbunden sein.

Darum ist er in Jesus Christus zu uns gekommen.

Er will bei uns sein, in allem, was uns bedrückt, im Leid und in der Schuld dieser Welt, sogar im Tod.

Nichts und niemand wird die Verbindung Gottes zu uns unterbrechen.

Gott hält die Verbindung zu uns, selbst wenn wir an unserer Verbindung zu ihm zweifeln.

Wir bleiben in seiner Liebe.

Amen

 

Predigt 8.5.22 1. Mose 1+2

Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.

Die Erde war wüst und leer,

und Finsternis lag über dem Urmeer.

Über dem Wasser schwebte Gottes Geist.

Gott sprach: »Es soll Licht werden!«

Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war, und Gott trennte das Licht von der Finsternis. Er nannte das Licht »Tag« und die Finsternis »Nacht«. Es wurde Abend und wieder Morgen – der erste Tag. ….

Gott sprach: »Lasst uns Menschen machen – unser Ebenbild, uns gleich sollen sie sein! Sie sollen herrschen über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel, über das Vieh und die ganze Erde, und über alle Kriechtiere auf dem Boden.« Gott schuf den Menschen nach seinem Bild.

Als Gottes Ebenbild schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie und sprach zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz! Herrscht über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel und über alle Tiere, die auf dem Boden kriechen!«

So wurden Himmel und Erde vollendet mit allem, was darin ist. Am siebten Tag vollendete Gott sein Werk, das er gemacht hatte. An diesem Tag ruhte er aus von all seiner Arbeit, die er getan hatte. Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag. Denn an diesem Tag ruhte Gott aus von all seinen Werken, die er geschaffen und gemacht hatte. (aus 1.Mose 1+2)

 

So wunderschön ist die Welt. Gehen Sie in den Frühlingswald und bleiben Sie eine Weile einfach stehen und schauen Sie, hören Sie, riechen Sie – wunderbar! Schauen Sie eine einzige Blüte an – so kunstvoll! Hören Sie den Gesang der Vögel oder eines Menschen! Wir können nur immer wieder staunen: Wie schön hat Gott alles geschaffen.

Auf der anderen Seite fällt uns Schreckliches ein: die Hitze in Indien, die Flut im Ahrtal und auch der Krieg. Es ist nicht alles wunderbar, ganz und gar nicht. Und auch ohne die Eingriffe des Menschen gab und gibt es Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamies.

Die Welt ist schön und doch so bedroht.

Wir sehen Leben, vielfältig und stark,

und zugleich Chaos und Tod überall.

Über dem brodelnd heißen Innern der Erde,  auf der dünnen Kruste der Erdoberfläche, in der eiskalten Leere des Weltraums gibt es hier Luft zum Atmen und Wasser zum Trinken. Es ist gerade so warm und alles stimmt zusammen, dass die Erde ein Lebensort ist.

Nichts ist selbstverständlich.

Der Lebensort Erde ist bedroht, viele Arten, das Leben selbst, jeder einzelne Mensch.

Gott schafft Ordnung, wo Chaos war, Leben, wo nur lebensfeindliche Kräfte wüteten.

Schöpfung ist nicht nur ein Anfang. Weiterhin ist Gott bei seiner Schöpfung und ermöglicht Leben. Das Bewusstsein hinter dem Schöpfungsbericht: Es kann jederzeit kippen und das Chaos bricht wieder aus. Jeden Augenblick bewahrt Gott die Schöpfung. Ununterbrochen geht sein Schöpferhandeln weiter. Keinen Schritt können wir gehen, keinen Atemzug tun ohne Gottes Hilfe und Bewahrung.

Dort, wo der Bericht entstand, gab es verheeren-de Überschwemmungen wie die Sintflut: Gott hält die bedrohlichen Wasser zurück.

Der Schöpfungsbericht ist nicht Wissenschaft.

Die Autoren wollen nicht die Welt erklären.

Sie bekennen ihren Glauben. Sie preisen Gott.

Darum geht völlig fehl, wer meint, die biblischen Berichte seien mit heutiger Wissenschaft widerlegt. Natürlich ist die Welt nicht in sieben Tagen entstanden.

Wir glauben, die Welt, das Leben ist kein Zufall. In dem, was ist, erkennen wir Gottes Liebe. Am Ende jedes Schöpfungstages sieht Gott an, was entstanden ist, und befindet es für gut.

Gott freut sich über die Schöpfung.

Aus Gottes Liebe ist sie geworden.

Im Ganzen der Schöpfung ist der Mensch heraus-gehoben. Wir bekommen eine einzigartige Würde und zugleich unsere Grenze aufgezeigt.

Biologisch unterscheiden wir uns kaum von unseren tierischen Urahnen. In vieler Hinsicht sind wir anderen Lebewesen unterlegen. Und doch ist der Mensch besonders: Als Gottes Ebenbild geschaffen, besonders gesegnet und beauftragt.

Ebenbild heißt: wir sollen Gott antworten.

Wir sollen entscheiden für ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden. Wir sollen so handeln, dass wir das Leben und die Schätze der Erde nicht verbrauchen, sondern schützen.

Gott will uns als sein Ebenbild, frei sollen wir sein, uns frei zum Guten entscheiden.

Wir sollen Gott antworten.

Aber wir sind Geschöpfe, nicht der Schöpfer.

Wir sind begrenzt. Wir sind nicht Gott gleich.

Zu gern wäre der Mensch Herr seines Lebens, mächtig, völlig ungebunden.

Aber wir sind verantwortlich.

Wir müssen die Folgen unseres Tuns tragen.

Gott schafft den Menschen als sein Gegenüber.

Er will im Bund mit uns sein, er unser Gott, wir seine Menschen.

Sie hören es: da ist überall Spannung in der Schöpfung: Zwischen den Kräften des Lebens und der zerstörerischen Gewalt, zwischen Gottes Auftrag für uns und unserem Egoismus und Widerspruch gegen Gott.

Die Schöpfung ist noch nicht am Ziel.

Aber Gott feiert schon das gute Ziel seiner Schöpfung.  Am 7. Tag ruht Gott und findet alles prima.

Das ist ein Tag für uns!

Am Sabbat und am Sonntag feiern wir das Leben. Wir nehmen das gute Ziel vorweg.

Gott wird seine Schöpfung vollenden – alles wird tatsächlich gut.

Jede Woche legen wir für einen Tag die Hände in den Schoß, als wäre schon alles erledigt.

Wir bekommen einen Vorgeschmack des Heils.

Wunderbar hat Gott die Welt erschaffen. Amen

 

Gottesdienst und Predigt am 1.5. 22 mit einem Bild von Wolf Becke “noch schleifen?”

Lied 432

Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

Im Namen des Vaters ….

Noch schleifen? – so fragen Sie zu ihrem Bild, Herr Becke. Das Motiv ist wie ein ungeschliffener Edelstein. Sie denken bei der Entstehung des Bildes nach über die Entwicklung von Menschen, besonders von Kindern.

Die Menschen sind aus krummem Holz geschnitzt, meinte Kant. Und wir sind doch dazu bestimmt aufrecht zu gehen.

Noch schleifen? Wie finden wir zu uns selbst?

Wir schauen jetzt, in der Kriegszeit, auf das Bild und auf uns Menschen. Was macht dieser Konflikt aus uns? Wie finden wir zurück zu Frieden und Menschlichkeit?

Wir nehmen zu Beginn des Gottesdienstes Elemente eines südafrikanischen Versöhnungsrituals auf und feiern die Versöhnung, die Christus uns in seinem Mahl schenkt.

 

Lasst uns gemeinsam im Wechsel beten:

Die Welt gehört Gott

die Erde und alle Menschen, die auf ihr wohnen.

Wie gut und heilsam ist es

gemeinsam in Eintracht zu leben.

Liebe und Glaube kommen zusammen,

Gerechtigkeit und Frieden begegnen sich.

Wenn die Jüngerinnen und Jünger Jesus schweigen

werden die Steine laut schreien.

Gott, tue meine Lippen auf,

dass mein Mund deinen Ruhm verkünde.

Amen

Neue Lieder 82 Suchen und fragen

„Nimm die Hitze aus unseren Herzen!“ – so nannten sie den Ritus der Versöhnung in Südafrika. So viel Verletzung, so viel Unrecht und Gewalt stand zwischen ihnen. Sie wollten neu anfangen und sich verlassen auf Gottes Ja zu uns.

Ostern heißt: Es wird möglich, was wir uns nicht mehr vorstellen konnten. Es heilt, was zerbrochen ist. Gott schenkt ein Neues. Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.  „Nimm die Hitze aus unseren Herzen!“ – beten wir gemeinsam.

 

Gott, mit diesem Wasser kühle unsere Hände, unsere Köper von der Hitze der Sonne.

Christus, erbarme dich.

Mit diesem Wasser nimm die Hitze aus unseren Herzen.

Gott, erbarme dich.

Mit diesem Wasser lindere unsere verletzten Gefühle, entferne die Wut von gestern.

Christus, erbarme dich.

Reinige uns von wahren und falschen Anschuldigungen.

Gott, erbarme dich.

Reinige uns von dem Makel, den unsere Missetaten hinterlassen haben.

Christus, erbarme dich.

Entferne alle Spuren des Argwohns.

Gott, erbarme dich.

Mit diesem Wasser schenke uns einen Neubeginn, dass wir eine neue Gemeinschaft werden.

Christus, erbarme dich.

Mit diesem Wasser fülle unsere Herzen mit einem reinen Geist.

Gott, erbarme dich.

Mit diesem Wasser mach uns bereit zur Versöhnung.

Amen

 

Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom (Röm 12)

Eure Liebe soll aufrichtig sein.

Verabscheut das Böse und haltet am Guten fest.

Liebt einander von Herzen als Brüder und Schwestern.

Übertrefft euch gegenseitig an Wertschätzung.

Vergeltet Böses nicht mit Bösem.

Habt anderen Menschen gegenüber nur Gutes im Sinn.

Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt.

Lass dich nicht vom Bösen besiegen,

sondern besiege das Böse durch das Gute!

 

Wir schauen auf das Bild von Wolf Becke

Noch schleifen?

 (Orgelimprovisation)

Predigt nach Gen 28 und 32:

Ein Stein in seiner Hand.

Er schimmert rosa und blau,

als wäre Kostbares in ihn eingeschlossen.

Aber er ist auch rau, zerkratzt, zerschunden

von all dem, was über ihn hinweg gegangen ist.

Jakob hält den Stein in der Hand,

seit vielen Jahren immer wieder.

Er gehört zu ihm wie sein Leben,

ist wie ein Spiegel seiner selbst,

führt ihn zu Selbstgesprächen, Gebeten.

Ein Stein in seiner Hand wie der große Stein,

an den er sein Haupt lehnte

in der dunkelsten Nacht seines Lebens.

Am Morgen richtet er den Stein auf,

damit er ihn wiederfinden kann.

Erst da sieht er seine Farben, seine Schönheit.

Einen Splitter hebt er auf, der dem großen gleicht.

Abgespalten, getrennt – gibt es ein Zurück?

Kann der Riss zwischen ihm und seinem Bruder, zwischen ihm und seinem Vater je wieder heilen?

Er hört sie schreien, außer sich vor Wut.

Erst da beginnt er zu ahnen,

wie sehr er sie verletzt hat.

Er muss fort, rennt um sein Leben,

rennt den ganzen Tag,

bis er sich völlig erschöpft an diesen Stein lehnt.

Was soll werden?

Wohin wird er geworfen?

Wird je ein Mensch nach ihm fragen?

Jakob schläft ein – und träumt,

träumt wunderbar von einem himmlischen Licht.

Gott kommt zu ihm.

Zu ihm kommt Gott.

Sagt ihm: Ich bin bei dir und segne dich.

Du kehrst zurück.

Am Morgen richtet Jakob den Stein auf

und macht sich wieder auf den Weg,

ein Flüchtling mit Gottes Verheißung.

Viele Jahre schon hält er den Stein in seiner Hand, denkt an den Riss in seinem Leben und an Gottes Wort. Sein Stein gehört gerade so zu ihm, mit seinen Narben und Kanten und rauen Stellen

und mit der Ahnung: da ist noch mehr.

So wie sein Stein verheißungsvoll schimmert und manchmal im Licht glänzt, so glänzt über seinem Leben, was Gott gesagt hat: Ich bin bei dir und segne dich. Du kehrst zurück.

 

Und jetzt ist Jakob auf dem Weg zurück. Morgen wird er seinen Bruder wiedersehen – wie wird das sein nach so vielen Jahren?

Mit allen, die zu ihm gehören, ist Jakob unterwegs, den Kindern, dem Vieh, seinem ganzen Besitz. Jakob hat seinem Bruder kostbare Geschenke bringen lassen. Der kommt ihm mit einer großen Schar Männer entgegen. Hat er eine Chance?

In dieser Nacht ringt Jakob mit Gott.

Eine Gestalt kämpft mit Jakob bis zum Morgen. Jakob packt und hält ihn fest: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Ich lass dich erst los, wenn du mich gesegnet hast.

Seit diesem Kampf humpelt Jakob.

Seit dieser Nacht heißt er Israel, Gotteskämpfer. Am Morgen begegnet ihm sein Bruder, bereit zur Versöhnung.

 

Einen ungeschliffenen Edelstein habe ich in Ihrem Bild erkannt und habe ihn mit Lebenswegen in Verbindung gebracht: zerkratzt, rau, verletzt und verletzend und doch darunter ein Glanz, eine schöne Ahnung und Bestimmung.

Noch schleifen? Nein.

Die Kanten und Narben gehören zu uns.

Die Lüge und der Betrug Jakobs haben seinen Vater und seinen Bruder zutiefst verletzt.

Sie können sich am Ende versöhnen und doch bleibt dieser Riss in ihrer Geschichte. Er lässt sich nicht einfach abschleifen.

Der schreckliche Überfall Russlands auf seine Schwestern und Brüder wird das Verhältnis auf Dauer bestimmen. Ganz Europa sieht jetzt anders auf Russland. Irgendwann wird – so hoffen wir – Versöhnung möglich sein. Aber es wird nicht mehr sein wie vorher. „Man schließt nicht mit Freunden Frieden, sondern mit Feinden.“, meinte Jizchak Rabin. Zum Frieden gehört Geduld, Weisheit und Mut. Wie schwer heilen wir, was zwischen uns zerrissen ist! Wie unendlich schwer wenden wir uns ab von unserem verletzenden Tun!

Zwischen Jakobs Betrug und der Versöhnung liegen mindestens 20 Jahre. Jakobs Bruder wird Abstand halten und vorsichtig bleiben. Leider ist das nötig.

Das ist die eine Seite: Machen wir uns nichts vor! Wir haben Grund einander zu misstrauen.

Wir haben Grund auch uns selbst den rücksichts-losen Egoismus eines Jakob zuzutrauen.

Die andere Seite ist Gottes Geschichte mit Jakob und mit uns. Gott kommt zu Jakob in der Nacht: Ich bin bei dir und segne dich.

Ich erkenne auf Ihrem Bild eine Verheißung.      Wir sind nicht am Ende. Unsere Geschichte geht weiter, weil Gott segnen will.

Gott kommt zu uns in unserer Nacht, zu uns, die seiner Liebe widersprechen, zu uns Sündern. Warum nur setzt Gott sich der von Gewalt zerrissenen Welt aus? Weil er sie dennoch liebt.

Ich bin bei dir und segne dich, sagt Jesus zu uns. Jakob klammert sich an die Verheißung: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Gott lässt sich den Segen abringen.

Jakob und sein Bruder versöhnen sich.

Gott sieht nicht einfach über unsere Kanten und rauen Stellen hinweg. Er segnet Jakob so, wie er ist. Trotzdem: er segnet ihn. Amen

EG (Baden) 646

Wags und sei doch, was du in Christus bist, in seinem Urteil, in seiner Liebe, in seines Auges ewigem Licht schon bist.

Garnichts hast du, was er nicht selbst dir gab. Anspruch und ntwort, Wollen und Wirken strömen aus gleicher Quelle den Berg hinab.

Schuld und Ängste lasten nicht mehr auf dir. Nun bist du frei zu dienen und lieben wen du auch triffst und Jesus in ihm , in ihr.

Jetzt schon bist du, der einmal werden wird: schuldig und heilig, tot und erstanden, frei geliebt, eins mit Ihm, der dich heimgeführt.

 

Wir feien das Mahl unseres Herrn. In Christus sind wir versöhnt, geheilt, voll Hoffnung.

Wir danken dir, Gott. Du kommst zu uns in Jesus Christus, dass wir neu anfangen können. Du hilfst uns weiter zu sehen, wo wir heillos zerstritten sind. Du überwindest Sünde und Tod. An deinem Tisch, Jesus, empfängst du uns als Menschen des Friedens. Deinen Frieden schenkst du uns. Wir preisen dich, denn du bist heilig.

Neue Lieder 125: Du bist heilig

Heilig bist du, Gott, Quelle aller Heiligkeit. Du bringst Licht aus der Finsternis, Leben aus dem Tod, Wort aus dem Schweigen. Wir preisen dich für Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn.

Einsetzungsworte

Sende deinen Heiligen Geist. Verbinde uns alle, die dieses Brot empfangen und aus diesem Kelch trinken in deiner Gemeinschaft. Gemeinsam mit allen deinen Kindern und der ganzen Kirche auf Erden beten wir mit den Worten Jesu.

Vaterunser

Wir verkünden den Tod und die Auferstehung unseres Herrn. Christus ist unsere Hoffnung und unsere Freude, unser Licht.

Neue Lieder 180 Meine Hoffnung und meine Freude

Austeilung

Wir danken dir, Christus, unser Bruder und Herr. Du schenkst uns deine Gemeinschaft. Du weckst die Hoffnung auf Frieden und Versöhnung. Mach uns bereit dazu. Wir bitten für die Menschen, die unter Krieg und Gewalt leiden. Mach ein Ende mit dem unsagbaren Leid, heile die Wunden, steh den Trauernden bei. Gib uns Mut zur Versöhnung für unsere ungelösten Konflikte, für den Streit, der immer wieder weh tut. Hilf uns zu Umkehr, zum Frieden. Wir bitten für unsere Kranken, für die von Ängsten Geplagten, für die Einsamen. Hilf uns ihre Not zu sehen und ihnen beizustehen. Für deine Kirche in allen Konfessionen und in allen Ländern bitten wir. Mach uns zu Botinnen und Boten deines Friedens. Amen

EG 421

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.

Segen

 

Predigt Ostermontag 18.4.22 Jona 2,1-10 Andreas Hansen

Ein neuer Predigttext für Ostern ist das Gebet des Jona im Bauch des Fisches. Oder eigentlich: so neu ist er doch nicht, denn schon in den Katakomben bei Rom malten Christen ihre düstere Erfahrung und ihre Osterhoffnung in Bildern von Jona. Gott reißt Jona aus der Todeszone heraus. Beten wir mit Jona.

 

Der Herr ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem Herrn, seinem Gott, im Leibe des Fisches und sprach:

Ich rief zu dem Herrn in meiner Angst,

und er antwortete mir.

Ich schrie aus dem Rachen des Todes,

und du hörtest meine Stimme.

Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer,

dass die Fluten mich umgaben.

Alle deine Wogen und Wellen  gingen über mich,

dass ich dachte,  ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen.

Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt.

Ich sank hinunter zu der Berge Gründen,

der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich.

Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!

Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den Herrn, und mein Gebet kam zu dir

in deinen heiligen Tempel.

Die sich halten an das Nichtige,

verlassen ihre Gnade.

Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen.

Meine Gelübde will ich erfüllen.

Hilfe ist bei dem Herrn.

 

Es ist eine fantastische Geschichte: Jona läuft weg vor Gott. Er flieht über das Meer und gerät in einen schrecklichen Sturm. Er fällt in die tosende Flut und wird verschlungen von einem riesigen Fisch.

Eine Geschichte wie in einem bösen Traum: in die Tiefe stürzen, in Todesangst sein, verschlungen werden.

Eine Geschichte, die wir nachfühlen können, obwohl sie so fantastisch ist, denn wir können uns vorstellen, dass Schmerz und Leid und finsteres Unglück wie eine Welle über einen Menschen kommen und er untergeht. Da sitzt er tief unten, hinuntergestürzt in Angst, Scheitern, Trauer.

Im Rachen des Todes: dem Tod nah, in der Intensivstation, am Kreuz, unter Beschuss, schiffbrüchig auf dem Mittelmeer.

Jonas Geschichte ist offen für die schlimmsten Erfahrungen, so wie am Kreuz das Leid und die Schuld der ganzen Welt Platz hat.

 

Die fantastische Geschichte von Jona hat einen realen Hintergrund. Es geht um das sagenhaft grausame Reich der Assyrer mit der Hauptstadt des Bösen: Ninive. Oder um eine spätere Zeit, als das Büchlein von Jona geschrieben wurde und die Perser andre Völker versklavten. Es geht genauso um heute, wenn ein großes Land seinen kleinen Nachbarn überfällt, Städte zerbombt und Menschen ermordet. Der Hintergrund ist damals und heute: die Wirklichkeit des Bösen.

Gott gibt Ninive nicht auf. Es tut ihm Leid um die Menschen und Tiere in der großen, bösen Stadt. Und tatsächlich kehren sie um.

Für Ninive und Moskau gilt: Gott ist nicht fertig mit euch. Ihr sollt umkehren.

Gott sieht für alle diese Chance.

Der seltsame, bockige Prophet macht es vor,    dass Umkehr möglich ist. Gott lässt ihn nicht einfach davonkommen. Gott findet Jona. Gott findet uns. Jona muss im Sturm untergehen und durch die Hölle gehen, aber er ist gerettet.

Jesus geht in den Tod für uns, aber er lebt.

Für uns und für alle gilt: Gott findet sich nicht ab mit dem Bösen. Er gibt der Welt einen neuen Weg.

Das klingt wie ein Märchen.

Und doch: das Leben siegt.

Dazu braucht Gott mutige Menschen, die sich nicht drücken und das Richtige tun.

Es wird einen Ausweg aus diesem Krieg geben. Gott wird das noch Unvorstellbare möglich machen.

Jona zeigt uns Gottes Mitleid mit der bösen, gewalttätigen Welt. Und ebenso zeigt Jesus Gottes Leiden an der Welt und seinen Sieg.

Das ist unsere Hoffnung.

 

Wir können uns einfühlen in Jonas Sturz in die Tiefe, in das Untergehen und Verschlungen-Werden. Beten wir auch mit ihm. Er klagt.

Er klagt zuerst Gott an: Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen  gingen über mich, dass ich dachte,  ich wäre von deinen Augen verstoßen. Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt. Jona erspart Gott nichts: Er versteht nicht und klagt. Er ist verzweifelt und am Ende.        Beten hilft: Wie Jesus am Kreuz, so nimmt Jona Worte aus den Psalmen, um seine Not vor Gott zu bringen. Er stellt sich in den Kreis der Betenden.

Und nun gewinnt er eine neue Sicht.

Jona sieht er sich selbst vor Gott.

Gott ist nicht am Ende.

Neue Möglichkeiten öffnen sich.

Nimmt Jona vorweg, was er hofft? Gott hat doch schon geholfen und wird wieder helfen.

Oder sieht er schon zurück auf die Rettung?

Sein Gebet wird zum Lob: du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!

Beten hilft Jona auszuhalten, die Panik zu überwinden, neu anzufangen.

Beten hilft uns: Wir sehen uns vor Gott.

Gott öffnet neue Wege für uns.

Wir glauben und beten von Ostern her.

Du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!

Amen

 

Predigt Ostersonntag Mk 16,1-8

Vor der Predigt singen wir EG 111, 1+2+11+13

Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufersteht. Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja.

Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen, gleich als wär ich tot, lässt du mir früh die Gnadensonn aufgehn: nach Trauern Freud und Wonn. Halleluja.

O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Tür. Halleluja.

Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, dass er mich herzlich liebt; wenn mir gleich alle Welt stürb ab, g’nug, dass ich Christus bei mir hab. Halleluja.

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sehr früh am ersten Tag der Woche kommen sie zum Grab, eben als die Sonne aufging.

Und sie sagten zueinander: Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?  Doch wie sie hinschauen, sehen sie, dass der Stein weggewälzt ist. Er war sehr groß.

Und sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem langen, weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. Er aber sagt zu ihnen: Erschreckt nicht! Jesus von Nazareth sucht ihr, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Das ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt haben. Doch geht, sagt seinen Jüngern und dem Petrus, dass er euch vorausgeht nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

Da gingen sie hinaus und flohen weg vom Grab, denn sie waren starr vor Angst und Entsetzen. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.  (Mk 16,1-8)

 

In panischem Schrecken laufen sie davon – nur weg von hier! – durch die Gassen der Stadt laufen sie, bis Salome stolpert und sich gerade noch fangen kann – es klirrt. „Das Salböl!“

Ihre Tasche wird fleckig. Es beginnt zu duften – das Salböl läuft aus.

„Wie vor ein paar Tagen. Wisst ihr noch?“ „Nardenöl – das ganze Haus war erfüllt vom Duft.“ Da stehen sie und sehen einander an.

„Was war das vorhin in dem Grab?“

„Was hat er gemeint mit: Er ist auferweckt?“

„Es ist wie ein Traum. Aber ihr seid da, und ich rieche das Salböl.“ Sie lächelt.

 

Groß, ungeheuer groß ist die Angst, wie ein schwerer Stein auf dem Herzen. Was geschieht, ist so bedrängend, löst so tiefe Gefühle von Hilf-losigkeit und Schmerz aus, dass das Gehirn es nicht normal verarbeiten kann: ein Trauma.

Eine Wunde: Wir zucken zurücA, sobald etwas in die Nähe kommt. Niemand darf sie anrühren!

Ein traumatisierter Mensch ist voll Unruhe oder wie gelähmt. Plötzlich ist der Schrecken wieder da. Unerträglich: „Nur weg von hier!“

Traumatisiert sind Menschen, denen Gewalt angetan wird, die Katastrophen erleben oder die Zeuge schrecklichen Leides werden. Ein Unfall, der Tod eines geliebten Menschen, oder die Grausamkeit des Krieges. Das Geschehene      hat sich in die Seele eingebrannt.

Es steht im Weg und verstellt den Blick.

Wie ein Stein, der schwer lastet.

Wer wird uns den Stein wegwälzen?

 

Gut, dass sie zu dritt sind, Maria Magdalena, Maria und Salome. Keiner soll in diesem Zustand alleine sein. Den Sabbat über mussten sie warten, jetzt endlich können sie tun, was man tut.

Das Normale hilft, Salböl für den Verstorbenen.

Doch nichts ist normal:

Der Stein ist fort, das Grab offen – sie erschrecken über den Jungen in Weiß, sie sind schockiert über seine Worte und laufen davon.

Zuerst sind da nur Zweifel und Fragen.

„Denkst du auch daran?“ Aber sie schweigen.

Eine unverständliche, fremde Wirklichkeit bricht herein. Alles, was sie wissen über Leben und Tod, ist auf den Kopf gestellt. Die Grenze zwischen Tod und Leben wird brüchig. Wer darüber nicht erschrickt, versteht nicht, was hier vor sich geht.

Aber das ist ein anderer Schrecken.

Der Gekreuzigte ist auferweckt.

Was heißt das?

Jesus lebt! Tot ist nicht mehr tot.

Er ist gestorben und lebt.

Etwas Neues, Großes ist in ihrem Leben.

Sie sind Gott begegnet.

 

Groß sind die Steine unserer Angst.

Alles ist auf einmal anders, wenn ein lieber Mensch krank wird oder wir selbst. Was wir selbstverständlich erledigt haben, wird zum Problem. Wir fragen uns, wie es weitergeht.

Vieles verändert sich durch den Krieg in der Ukraine. Eine Zeitenwende. Wir konnten uns   nicht vorstellen, was jetzt gar nicht so weit von uns geschieht, was die Menschen dort mitmachen. Wohin führt das noch?

Die Welt ist bedroht, wir sind verletzlich.

Täglich erfahren wir das.

Und doch ist seit Ostern eine neue Dimension aufgebrochen.

Wir spüren den Schrecken der drei Frauen.

Aber auch die Ahnung: Da ist noch mehr.

Eine neue noch nicht greifbare Wirklichkeit.

Wir wissen längst nicht alles.

Gott hält noch vieles bereit für uns.

Gott ist da. Undenkbar: Gott in unserem Leben.

Wunderbar: Gott ist bei uns.

So bedrohlich ist vieles. Aber Jesus ist bei uns.   er ist auferweckt worden.

Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Tür. Halleluja (EG 111,11)

 

Maria, Maria Magdalena und Salome schweigen.

Sie gehen nach Galiläa. Sie warten.

Vieles erinnert sie: das Haus in Kapernaum – „Deine Sünden sind dir vergeben“ hat er gesagt,

der Platz, an dem so viele satt wurden durch ihn, der See: „was seid ihr so furchtsam – habt ihr noch keinen Glauben?“ hat er im Sturm gesagt.

Überall sind seine Spuren.

Er ist bei ihnen.

Sie denken an das, was sie im ersten Morgenlicht erlebt haben: der Stein war weggerollt, das Grab leer, der junge Mann im weißen Gewand.

Ihr sucht den Gekreuzigten. Er ist nicht hier.

Er ist auferweckt.

Bald treffen sich die Jüngerinnen und Jünger regelmäßig: Am Morgen nach dem Sabbat feiern sie ihren Herrn.

Er lebt. Er ist bei uns. In seinem Namen vergeben wir Sünden. Wie er teilen wir das Brot. Der Herr ist auferstanden.

Lebt Christus, was bin ich betrübt?

Ich weiß, dass er mich herzlich liebt.

Wenn mir gleich alle Welt stürb ab,

g´nug, dass ich Christus bei mir hab.

Halleluja (EG111,13)

Amen

Predigt Mk 10,35-45 3.4.22 Judika

Es gibt viele Gaben und Dienste in der Kirche, auch die Gabe und den Dienst der Leitung.          Wir wählen diejenigen, die für unsere Gemeinde entscheiden. Wir geben ihnen dafür Macht.  Es kann verlockend und gefährlich sein, Macht zu haben, bestimmen zu dürfen. Es kann auch eine Last sein, Verantwortung zu tragen. Heute hören wir von zweien, die ganz oben stehen wollen:

 

Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, traten zu Jesus und sagten zu ihm: »Lehrer, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.« Jesus fragte sie: »Was möchtet ihr denn? Was soll ich für euch tun?« Sie antworteten: »Lass uns neben dir sitzen, wenn du in deiner Herrlichkeit regieren wirst – einen rechts von dir, den anderen links.« Aber Jesus sagte zu ihnen: »Ihr wisst nicht, um was ihr da bittet! Könnt ihr den Becher austrinken, den ich austrinke? Oder könnt ihr die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?«   Sie erwiderten: »Das können wir!« Da sagte Jesus zu ihnen: »Ihr werdet tatsächlich den Becher austrinken, den ich austrinke. Und ihr werdet die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde. Aber ich habe nicht zu entscheiden, wer rechts und links von mir sitzt. Dort werden die sitzen, die Gott dafür bestimmt hat.«

Die anderen zehn hörten das Gespräch mit an und ärgerten sich über Jakobus und Johannes.                       Da rief Jesus auch sie herbei und sagte zu ihnen: »Ihr wisst: Diejenigen, die als Herrscher der Völker gelten, unterdrücken die Menschen, über die sie herrschen. Und ihre Machthaber missbrauchen ihre Macht. Aber bei euch ist das nicht so: Sondern wer von euch groß sein will, soll den anderen dienen. Und wer von euch der Erste sein will, soll der Diener von allen sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzuge-ben als Lösegeld für viele Menschen.« (Mk 10,35-45)

 Ach, Jesus, meinst du das wirklich?

Du sagst bei euch ist das nicht so.

Nicht so wie überall in der Welt,

bei denen, die herrschen und mächtig sind.

bei euch ist das nicht so

ach, Jesus, sieh doch deine Jünger an!

Ihr seid kurz vor Jerusalem. Dreimal hast du gesagt, auf dich warten Leid und Tod.

Aber sie wollen das nicht hören.

Sie verstehen dich auch jetzt nicht, wenn du sprichst: vom Becher, den du trinken musst, deinem Leidenskelch.                                                           Nein, sie sehen dich lieber auf dem Thron der Macht. Da wollen sie neben dir sitzen.

Natürlich ist klar, wen du mit den ungerechten Herrschern meinst, die ihre Völker unterdrücken. Pilatus ist so einer. Die Römer haben ihn extra in eure Unruheprovinz geschickt, damit er es den Aufrührern mal so richtig zeigt. Zu den vielen,   die er kreuzigen lässt, wirst auch du gehören.

Uns fallen grausame, machtgierige Herrscher unserer Tage ein. Sie dulden keinen Widerspruch und keine freie Presse. Sie lassen ihre Gegner ermorden. Sie überfallen die, die frei sein wollen.

Ich verstehe deine Jünger, dass sie von einer Zeit träumen, in der sie das Sagen haben.

Aber du weißt doch selbst, wie deine Kirche ist, Jesus. Was haben sie gemacht, als die Verhält-nisse sich besserten und sie nicht mehr verfolgt wurden? Dann haben sie selbst die unterdrückt, die nicht ihrer Meinung waren.

Ach, Jesus, es muss doch jemand bestimmen.

Überall, wo Menschen sind, gibt es auch Macht.

Wir sind nicht besser als Jakobus und Johannes.

Wie kommst du nur darauf zu sagen bei euch ist das nicht so? Du bleibst dabei.

bei euch ist das nicht so – ihr unterscheidet euch von den Herrschern und Mächtigen der Welt.

Du siehst uns anders, besser als wir sind.

Haben wir das verdient?

Stopp: vom Verdienen hältst du ja nicht so viel. Jakobus und Johannes haben sich ausgerechnet, sie hätten den besten Platz bei dir verdient. Aber auf solche Rechnungen lässt du dich nicht ein.

Du sagst: wer von euch groß sein will, soll den anderen dienen. Und wer von euch der Erste sein will, soll der Diener von allen sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzuge-ben als Lösegeld für viele Menschen.

Du gibst dein Leben, dich selbst als Lösegeld.

Was meinst du damit, Jesus?

Wenn jemand eine Geisel gefangen nimmt, verlangt er ein Lösegeld. Manchmal lässt sich einer sogar für eine Geisel eintauschen. Dann ist er selbst das Lösegeld.

Es geht um Freiheit.

Immer wieder machst du Menschen frei, Jesus.

Du befreist sie von Krankheit. Den Betrüger Zachäus befreist du für einen neuen Weg.

Von Dämonen kannst du befreien, die Macht des Bösen bannen.

Wir sind immer wieder in Geiselhaft. Wir tun, was wir eigentlich gar nicht wollen: nur auf unseren Vorteil bedacht zu sein. Immer wieder geschieht es, dass wir wie darin gefangen sind. Daraus können wir uns selber nicht befreien. Keine eigene Anstrengung kann uns daraus loskaufen.

Doch du tust das für uns. Du lässt dich für uns im Garten Gethsemane gefangen nehmen. Du lässt dich für uns zum Opfer am Kreuz machen.

Du gibst dein Leben für uns hin.

Du siehst uns besser, als wir sind, Jesus.

Du kannst uns schön als erlöste, befreite Menschen sehen.

Du sagst: bei euch ist das nicht so.

Ihr müsst nicht besser sein als die anderen.

Ihr müsst nicht für euch herausholen, was geht.

Ihr seid frei. Danke, Jesus. Amen

 

Hausgottesdienst zum 27.3.22 Predigt über Jes 66,10-14

27.3.22 4. Sonntag der Passionszeit, Laetare

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Den Einleitungsteil unseres Gottesdienstes gestalten heute die Konfirmanden:

 

Fragen: Muss man jeden Tag beten, um ein guter Christ zu sein? Wie nah ist man Gott, wenn man betet? Kann Gott uns hören?

In diesem Jahr denken wir miteinander viel über Gott nach. Unser Glaube ist nie fertig, aber wir sind auf dem Weg. Jede und jeder glaubt zwar für sich, und dennoch sind wir gemeinsam auf dem Weg, zB auf der Freizeit oder im Gottesdienst.

Das Perlenarmband ist eine Hilfe, zum Nachdenken, zum Beten.

 

Es gibt eine hellbraune Wüstenperle:

Was brauche ich zum Leben?

Hilf mir, meinen Weg zu finden! Geh mit mir, Gott!

Es gibt Geheimnisperlen: Du, Gott, siehst meine Geheimnisse, meine Ängste, meine Träume,

Menschen, die ich liebe. Verberge meinen wahren Weg nicht! Lass mich Gutes sehen! Bewahre meine Gedanken!

Die beiden roten Perlen heißen Perlen der Liebe: Liebe ist das Größte, die Liebe der Menschen, die Liebe Gottes. Hilf mir, Liebe anzunehmen und weiterzugeben! Erfülle mich mit deiner Liebe! Schenke mir deine Kraft!

Eine blaue Perle ist die Perle der Gelassenheit: Wovon möchte ich mich befreien? Gott, du weißt, was ich brauche. Bewahre mich vor unnötiger Sorge. Schenke mir Gelassenheit und Leichtigkeit.

Eine große goldene Perle steht für Gott: Du bist Licht. Segen, Schutz, Kraft. Du bist der Beginn und das Ziel unseres Weges. Sei bei mir alle Tage! Segne und behüte mich!

 

Neue Lieder 23

Du bist der Atem der Ewigkeit, du bist der Weg in die neue Zeit, du bist das Leben, Gott.

 

Du bist der Blick, der uns ganz durchdringt,

du bist das Licht das uns Hoffnung bringt,

du bist das Leben Gott.

 

Du bist das Wort, das uns Antwort gibt, du bist ein Gott, der uns Menschen liebt, du bist das Leben, Gott.

 

Wir schreiben ein Glaubensbekenntnis, jede und jeder für sich und gemeinsam. Hier sind Sätze über Gott, die wir gut finden:

Gott ist der Helfer und Beschützer aller Menschen und immer für alle da. Ich kann mich auf Gott verlassen und ihm trauen

Ich glaube an Gott, das Geheimnis der Welt,

den Barmherzigen. Ich hoffe auf seinen Frieden und seine Gerechtigkeit.

Wir verdanken Gott unser Leben. Er hilft uns und spricht zu uns. Gott ist der Vater, Bruder, Freund

Gott liebt jeden Menschen. Er ist die Liebe selbst.

In dunklen Zeiten schenkt er uns sein Licht und seine Wärme.

Er ist der Beginn und das Ziel unseres Weges.

Gott hat diese wunderschöne Welt für uns erschaffen und alles, was wir zum Leben brauchen. Gott ist Anfang und Ende.

Er ist alles, was ich brauche.

 

Wir fragen aber auch weiter: Was genau ist Glauben? Ist Gott auch für die da, die nicht an ihn glauben? Was erwartet Gott von uns? Bin ich gut vor Gott, so wie ich bin? Gibt es eine Situation, wo keine Umkehr und keine Vergebung mehr möglich ist?

Auch der Krieg lässt uns nach Gott fragen: Warum verhindert Gott den Krieg nicht? Warum lässt er so ein Leid zu? Wird Gott den Flüchtlin-gen helfen? Beschützt Gott uns in Deutschland vor dem Krieg? Glaubt Putin an Gott?

 

Neue Lieder 107,1+2+4 Melodie: O Welt, ich muss dich lassen

An dunklen kalten Tagen beschleicht uns banges Fragen: Was wird wohl morgen sein? Gott kommt und schafft die Wende, macht Angst und Furcht ein Ende und lässt uns Menschen nicht allein.

 

Voll Sorgen sind die Zeiten, voll Krieg, Gewalt und Streiten, wer weiß, was kommen mag?     Gott kommt, verscheucht die Schatten, die uns geängstigt hatten. Sein Licht geht auf zum neuen Tag.

 

Was wir zutiefst ersehnen, dass Menschen sich versöhnen, scheint unerreichbar fern. Gott kommt, will Frieden schenken, die Welt zum Guten lenken, und dann bricht an das Reich des Herrn.

 

Predigt

 

Wir fragen nach Gott im Schatten des Krieges. Wir werden nicht fertig mit dem,  was wir in den Nachrichten hören.

Wir werden auch nicht fertig mit Gott.

Zum Glück ist es auch umgekehrt: Gott ist nicht fertig mit uns. Unser Predigttext schaut auf eine Zeit nach dem Krieg. In Jerusalem stehen Ruinen, aber nun soll ein Neues beginnen. Die verwüstete Stadt soll wieder Geborgenheit und Schutz geben.

Frieden soll sich ausbreiten wie ein Fluss.

Und nun bekommen wir ein neues, ein weibliches Bild von Gott. Hören wir auf Jesaja, Verse im letzten Kapitel seines Buches:

Freut euch mit Jerusalem und jubelt über die Stadt, alle, die ihr sie liebt! Seid fröhlich über sie, alle, die ihr über sie getrauert habt! Trinkt euch satt an ihrer Brust und lasst euch trösten! Saugt an ihrer Mutterbrust und genießt ihren Reichtum! Denn so spricht der Herr: Ich werde Jerusalem Frieden geben, der sich ausbreitet wie ein Fluss. Der Reichtum der Völker fließt der Stadt zu wie ein rauschender Bach. Auch ihr werdet ihn genießen. Wie ein Kind werdet ihr auf der Hüfte getragen und auf den Knien geschaukelt. Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.

In Jerusalem werdet ihr Trost finden. Wenn ihr  das erlebt, werdet ihr euch von Herzen freuen.

Ihr werdet aufblühen wie frisches Gras.

So zeigt der Herr seine Macht an seinen Knechten. Aber seine Feinde bekommen

seinen Zorn zu spüren.  Jesaja 66,10-14

 

Das Baby schreit. Es lässt sich nicht mehr ablenken. Jetzt muss etwas geschehen, jetzt, sofort! Hunger! Länger ist das nicht auszuhalten. Verzweifelt und unduldsam schreit es. Mama knöpft die Bluse auf – das Baby japst und giert.  Es ist außer sich. Dann endlich die Brust, und es trinkt so gierig, dass es sich zuerst verschluckt, dann in großen, lustvollen Zügen. Vor Wonne brummt es und lächelt. Manchmal war das Stillen tatsächlich so ein Drama, bei unseren Kindern  und wieder bei den Enkeln.

Freut euch mit Jerusalem und jubelt über die Stadt, alle, die ihr sie liebt! Seid fröhlich über sie, alle, die ihr über sie getrauert habt! Trinkt euch satt an ihrer Brust und lasst euch trösten! Saugt an ihrer Mutterbrust und genießt ihren Reichtum!

Eine mütterliche Stadt. Ein kleines Paradies.    Hier kann man es sich gutgehen lassen wie ein Baby an der Mutterbrust. Hier ist alles, was man braucht: Essen, Trinken, fröhliche Gemeinschaft, Geborgenheit. So wird Jerusalem sein, wie eine Mutter, die ihr Kind stillt und ihm alles gibt, was zu seinem Glück nötig ist.  Alles ist da, was sie so verzweifelt entbehrt haben. Sie waren in der Fremde, weit weg von ihrem Zuhause, ohne die vertraute Sprache, die Lieder, die Speisen, die Düfte, das besondere Licht, das nur in Jerusalem leuchtet, ohne die Nachbarn und die Menschen ihrer geliebten Stadt. Traurig ist es in der Fremde,  die Sehnsucht ist groß.

Freut euch mit Jerusalem und jubelt über die Stadt, alle, die ihr sie liebt!  Es ist nicht leicht der Vorhersage zu glauben. Sie haben viel durchgemacht. Israel wurde überfallen von seinem mächtigen Nachbarn Babylon. Stadt und Tempel wurden zerstört. Viele wurden für Jahrzehnte ins Exil vertrieben. Dann dürfen sie endlich wieder zurück in ihre Stadt. Aber die Heimat hat sich verändert. Wie so viele Menschen, die nach einem Krieg aus der Gefangenschaft nach Hause kommen, stellen sie fest: nichts ist mehr, wie es einmal war. Vieles können sie nur ganz bescheiden wieder aufbauen. Der Tempel hat nichts mehr von seiner einstigen Pracht. Die Wunden des Krieges sind überall zu sehen.

Wie wird es einmal sein, wenn sie zurückkehren nach Kiew, Charkiw oder Mariupol?

Jesaja macht Hoffnung auf eine Zeit nach dem Krieg. Ich werde Jerusalem Frieden geben, der sich ausbreitet wie ein Fluss. Der Reichtum der Völker fließt der Stadt zu wie ein rauschender Bach. So lange mussten sie den Unterdrückern Tribut zahlen. Die Stadt ist ausgeblutet. So ist die Sehnsucht zu verstehen, dass sie entschädigt werden, dass sie die Notzeit hinter sich lassen  und nicht jeden Cent dreimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben.

Es gibt etliche Kriege und bewaffnete Konflikte in der Welt. Wir nehmen kaum wahr, dass in Syrien und im Jemen, in Myanmar und in Libyen und in vielen weiteren Ländern Krieg herrscht.

Wir wollten auch nichts mehr vom Krieg im Osten der Ukraine seit 2014 wissen.

Aber Gott findet sich nicht ab mit dem Unheil des Krieges. Gott ist nicht fertig mit uns.

Auf eine neue Weise wendet sich Gott seinem Volk und uns zu:

Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Gott, wie eine Mutter: sie stillt ihr Kind, sie nimmt es auf den Schoß, streichelt und wiegt es. Gott ist eine Frau, eine Mutter – das stimmt und stimmt auch nicht. Genauso wie die männlichen Weisen von Gott zu reden ist es nie genug.

Lassen wir uns ansprechen von diesem Bild!

Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Gott hat Sehnsucht nach uns, sie will uns nah sein. Sie ist unbedingt auf unserer Seite.  Gott, unsere Mutter, lässt uns nicht los.

Sie ist die Mutter ihres Volkes Israel, aber auch Mutter der Russen und der Ukrainer und der Deutschen.  An allen hängt ihr Herz.

Keine und keiner ist Gott gleichgültig.

Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Für alle will sie Gutes und leidet mit allen Opfern von Krieg und Gewalt und Unrecht.

Auch zornig ist sie, wenn jemand oder etwas ihre Kinder verletzt, zornig auch, wenn ihre Kinder selbst Böses anrichten.

Zum Glück ist Gott nie fertig mit uns.

Zum Glück sieht Gott uns gütig und liebevoll an. Zum Glück ist Gott wie eine Mutter,

unbedingt und leidenschaftlich auf unserer Seite, auf der Seite aller Menschen.

Amen

 

361,1+2+6

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

 

Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

 

Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

 

Gebet

Du, unser Gott, Mutter und Vater aller Menschen.

Tröste die Opfer von Krieg und Gewalt.

Sei bei denen, die überfallen und vertrieben werden. Steh ihnen bei in den Luftschutzkellern und auf der Flucht.

Wir bitten dich für die Verletzten, für Menschen, die ihr Zuhause und ihre Angehörigen verloren haben. Wir bitten für die, die den Opfern beistehen.

Du, unser Gott, liebevoll und streng.

Wehre dem Unrecht des Krieges.

Hindere sie daran das Leben von so vielen zu vernichten. Lass sie zur Einsicht kommen.

Wir bitten dich für alle, die um Frieden ringen.

Gib uns Einsicht und Mut für einen Ausweg aus dem Krieg.

Du, unser Gott, uns allen nah wie eine Mutter.

Sei bei allen, denen die Angst zu schaffen macht.

Hilf den Flüchtlingskindern den Schrecken zu verarbeiten. Bewahre und tröste die, die mit dem Erlebten nicht fertig werden.

Du, unser Gott, halte uns fest wie eine Mutter.

Wir bitten dich für unsere Kranken, für die, die jetzt an Corona erkranken und unter schweren Symptomen leiden.

Wir bitten für die Freunde, um die wir uns sorgen.

Wir bitten für unsere Kinder und unsere Alten.

Behüte und bewahre sie alle, uns alle.

 

Vaterunser

 

Lied 171

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen, sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten, voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns vor allem Bösen. Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen, sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen, dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst für den 20.3. Oculi, Predigt über 1.Könige 19,1-8

20.3.22 3. Sonntag der Passionszeit, Oculi

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 391 Jesu, geh voran

Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

 

Soll’s uns hart ergehn, lass uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

 

Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin.

 

Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöt’ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

 

Psalm 25,15-20

 

Meine Augen blicken stets auf den Herrn.

Denn er selbst zieht meine Füße aus dem Netz.

Wende dich zu mir

und hab Erbarmen mit mir!

Denn ich fühle mich einsam

und unglücklich.

Befreie mich von der Angst,

die mir das Herz zusammenschnürt.

Führe mich aus meiner Bedrängnis!

Nimm mein Unglück und Leid von mir!

Schaff alle meine Sünden aus der Welt!

Sieh nur, wie zahlreich meine Feinde sind

und wie abgrundtief sie mich hassen!

Schütze meine Seele und rette mich!

Lass mich keine Enttäuschung erfahren!

Denn bei dir suche ich Zuflucht.

Ehr sei dem Vater …

 

 

Wir sehen die Nachrichten dieser Tage und die Bilder verfolgen uns. Wir bitten dich, du Gott voll Erbarmen: Befreie die Menschen in Krieg und Leid von der Angst, befreie auch uns von der Angst, die uns das Herz zusammenschnürt.

Hilf der zerstrittenen Welt neu anzufangen.

Schaffe alle unsere Sünden aus der Welt,

unsere Selbstgerechtigkeit, unseren Egoismus,

unsere Trägheit zu ändern, was nicht weitergehen kann.

Richte unsere Augen auf dich, Gott. Mach uns bereit, dir zu folgen, Jesus. Lenke das Denken und Handeln auf deinen Frieden und deine Gerechtigkeit. Amen

 

382,1-3 Ich steh vor die mit leeren Händen, Herr

 

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;

fremd wie dein Name sind mir deine Wege.

Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;

mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?

Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

 

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,

mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.

Hast du mit Namen mich in deine Hand,

in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben? Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?

Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

 

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit

und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben.

Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.

Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

 

Predigt

 

Sie schlafen seit drei Wochen in Kellern und Tief-garagen. Wenn sie denn schlafen können in der Unruhe dieser Nächte, in Alarm und Kampflärm. Wenn die Angst vor dem, was noch kommt, sie schlafen lässt, und die Sorge um ihre Angehörigen auf der Flucht und im Kampf.

Die Verzweiflung ist groß und die Hände leer.

mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?

Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?

Ich möchte glauben, komm du mir entgegen.“

Verzweifelt, gehetzt und lebensmüde ist Elia,   aber Gott lässt ihn nicht in seiner Verzweiflung.

Hören wir den Predigttext, 1.Könige 19,1-8:

 

Ahab erzählte Isebel alles, was Elia getan hatte –auch dass Elia alle Propheten des Baal getötet hatte. Daraufhin schickte Isebel einen Boten zu Elia und drohte ihm: »Die Götter sollen mir antun, was immer sie wollen, wenn ich deinem Leben nicht ein Ende setze! Morgen um diese Zeit soll  es dir ergehen wie den Propheten, die du getötet hast!« Da geriet Elia in große Angst. Er sprang auf und lief um sein Leben. So kam er nach Beerscheba an die Grenze von Juda. Dort ließ er seinen Diener zurück. Er selbst ging noch einen Tag lang weiter – tiefer in die Wüste hinein. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. »Es ist genug!«, sagte er. »Herr, nimm nun meine Seele! Denn ich bin nicht besser als meine Vorfahren.« Schließlich legte er sich hin und schlief unter dem Ginsterstrauch ein.

Plötzlich berührte ihn ein Engel und forderte ihn auf: »Steh auf und iss!« Als Elia um sich blickte, fand er etwas neben seinem Kopf: frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser. Er aß   und trank, dann legte er sich wieder schlafen.

Doch der Engel des Herrn erschien ein zweites Mal. Wieder berührte er ihn und sprach:

»Steh auf! Iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!«

Da stand Elia auf, aß und trank und ging los. Durch das Essen war er wieder zu Kräften gekommen. 40 Tage und 40 Nächte war er unterwegs, bis er den Horeb, den Berg Gottes, erreichte.

 

Der Gottesmann ist am Ende.

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Und dann schläft er völlig erschöpft ein.

Schlaf kann so gut und so heilsam sein. Aber Elia ist wie betäubt und noch lange nicht erholt.

Kennen Sie das, wenn man am Morgen wie zerschlagen aufwacht, nicht etwa mit einem Kater, sondern einfach völlig kraftlos und leer?

Elia hat sich verausgabt für Gott. Wie es sein Name sagt, Eli-ja, mein Gott ist der HERR, hat er für den einen und wahren Gott, gegen die Götzen gekämpft. Die Propheten Baals hat er als Lügner entlarvt und dann regelrecht geschlachtet.

Aber seine Gegnerin, Isebel, die phönizische Frau des Königs, ist keineswegs überzeugt.     Sie schwört Rache: „Elia, du bist schon so gut wie tot!“ Und auf einmal befällt ihn Panik, er rennt, rennt um sein Leben, flieht in die Wüste, legt sich lebensmüde unter einen Ginsterstrauch.

 

Es ist genug.

In den letzten zwei Jahren haben wir oft gemeint: „Jetzt reicht es aber. Wir können nicht mehr.“

Angesichts der Not der Ukrainer in den bombar-dierten Städten und auf der Flucht erscheint die Erschöpfung wegen Corona fast übertrieben, obwohl es doch viele hart getroffen hat und sie noch immer an gesundheitlichen, seelischen und wirtschaftlichen Folgen von Corona leiden.

 

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Wir diskutieren gerade wieder, ob ein Mensch das entscheiden darf, sein Leben zu beenden, und vor allem, ob und wie man ihm dabei helfen darf, wie wir zu guten Entscheidungen kommen und dabei Ärztinnen und Ärzte nicht überfordern.

Die Entscheidung eines Menschen respektieren und dennoch alles tun, damit er oder sie leben will – das Leben stärken und nicht den Tod – es ist schwierig, weil jeder Fall besonders ist. Mit dem Versuch eine gute Regelung zu finden kommen wir schnell an unsere Grenze.

 

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Das hebräische Wort für Seele heißt „Schlund“, Näfäsch. Da wo alles, was zum Leben notwendig ist durchgeht: Luft, Nahrung, Wasser, Sprache. Die Seele ist mein Atem, meine Bedürftigkeit. Meine Seele bin ich selbst mit allem, was zu mir gehört, mein Leben in Freude und Schmerz, in Beziehung zu anderen Menschen und auch mein Leben vor Gott. Gott gibt uns den Atem. Gott sorgt für unsere Seele. Unsere Seele ist kostbar für ihn.

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit

und das mich führt in deinen großen Frieden.

Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.

Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete

 

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Aber Gott widerspricht seinem Propheten.

„Nein, Elia, so nicht!“ Sanft und beharrlich drängt Gott ihn zurück ins Leben.

Ein Engel berührt Elia. Was für eine freundliche, liebe Geste. Und was für eine verlockende Einladung. Es duftet nach Brot, herrlich!

Ein Krug Wasser, köstlich hier in der Wüste.

Steh auf und iss! – aber gerne lässt sich Elia einladen, isst und trinkt – und legt sich wieder  zum Schlafen hin. Gott lässt Elia die Zeit, die er braucht.

Und wieder kommt der Engel des Herrn und berührt Elia. Schon etwas schärfer ist sein Ton:

Steh auf! Iss!  – so knapp wie möglich die Anweisung, und dann: Du hast einen weiten Weg vor dir! – Genug noch hast du des Wegs! übersetzen Buber und Rosenzweig wörtlich.    Gott widerspricht Elias kläglichem Genug.

„Nein, Elia, es ist nicht genug! Genug noch hast du des Wegs! Du hast noch etwas vor, und ich habe eine Menge vor mit dir.“

Elia kommt zu Kräften und läuft los, läuft und läuft, unvorstellbar weit bis an den Gottesberg. Dann wird er Gott auf geheimnisvolle Weise begegnen. Und Elia wird einen neuen Auftrag erhalten.

 

Gott will uns begegnen, wo auch immer wir sind. Was hat Gott vor mit dem Menschen, der von Schmerz und Angst geplagt ist, der nicht mehr kann und nicht mehr leben will?

Was hat Gott vor mit all den Flüchtenden an den Grenzen, auf dem Meer, in den Lagern?

Was hat Gott vor mit Wolodymyr Selenskij und was hat Gott vor mit den alten Männern im Kreml?

Ich weiß es nicht, aber ich bin gewiss: Gott will ihnen allen begegnen. Gott rührt uns an.

Er braucht nicht einmal Engel dafür, aber manchmal sendet er wohl seine Boten zu uns. Gott rührt unsere Seele an und sorgt für sie.

Unsere Seele soll nicht weggeworfen werden, sondern atmen, leben. In guten Beziehungen sollen wir leben und dem Leben vertrauen.

Gott geht nicht gleichgültig hinweg über unsere Schmerzen, über die Kriege, das Leid und das Unrecht. Kein Mensch soll sein Leben wegwerfen oder das Leben anderer vernichten.

„Gib nicht auf, Elia!

Es ist nicht genug mit deinem Leben.

Steh auf! Iss! Genug noch hast du des Wegs.“

Amen

 

Gebet

 

Mit leeren Händen stehen wir vor dir, Gott.

Wir sind erschüttert über das, was geschieht.

Wir verstehen nicht.

Hilf den Menschen in Krieg und Not.

Bewahre sie vor denen, die ihnen Gewalt antun.

Behüte sie in den Luftschutzkellern, auf den Straßen, auf der Flucht.

Wohin führt das? Sei bei ihnen, stärke sie, richte sie auf.

 

Wir bitten für die politisch Verantwortlichen, um Einsicht und Umkehr, um Weisheit und Mut und Geduld.

Hilf ihnen Leben zu schützen und der Gewalt zu wehren.

Um Frieden bitten wir dich für alle Länder der Erde.

Hilf uns, dass wir erkennen, wie sehr wir alle den Frieden brauchen und aufeinander angewiesen sind.

 

Wir bitten dich auch für uns, für Kinder und Erwachsene, die von Albträumen aufwachen, für uns in Sorge und Angst.

Wir bitten für die, die sagen: „Es ist genug. Ich kann nicht mehr.“, für die Erschöpften, Enttäuschten, Verzweifelten, für Menschen in seelischer Not.

 

Wir bitten für deine Kirche in allen Konfessionen.

Hilf der Kirche zur Umkehr und Erneuerung, wo sie Unrecht nicht wahrhaben will, vertuscht oder gar fördert.

Bringe uns zusammen auf dem Weg des Friedens.

Herr, erneuere deine Kirche und fange bei mir an.

Bewahre uns.

 

Vaterunser

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen