Alle Beiträge von Andreas Hansen

Pfarrer in Kenzingen seit Mai 2012, vorher als Pfarrer in Waldshut (1997-2012) und Riegel (1990-1997), verheiratet, drei erwachsene Kinder, Jahrgang 1960

Hausgottesdienst 3.10.: Mk 10,17-27

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Neue Lieder 2 Eingeladen zum Fest …

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten sie den Spuren Jesu, folgten sie dem, der sie rief, und sie wurden selbst zu Boten, das der ruf wie Feuer lief:

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

Und so kamen die in Scharen, brachten ihre Kinder mit, ihre Kranken, auch die Alten, selbst die lahmen hielten schritt. Von der Straße, aus der Gosse kamen Menschen ohne Zahl, und sie hungerten nach Liebe und nach Gottes Freudenmahl.

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

Und dort lernten sie zu teilen Brot und Wein und Geld und Zeit; und dort lernten sie zu heilen Kranke, Wunden, Schmerz und Leid; und dort lernten sie zu beten, dass dein Wille, Gott, geschehe; und dort lernten sie zu leben, dass das Leben nicht vergehe.

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten wir den Spuren Jesu, folgten wir dem, der uns rief, und wir werden selbst zu Boten, dass der Ruf der gilt, der lief:

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

 

HERR! Du bist meine Stärke!

Der HERR ist mein Fels, meine Festung

und mein Befreier.

Mein Gott ist meine Zuflucht, mein Schild

und mein starker Retter, meine Burg in sicherer Höhe.

(David in Psalm 18,2+3)

Ehr sei dem Vater …

 

So wie David gejubelt hat über dich, Gott,

so möchte ich singen können: Du bist meine Stärke. Ja, mach mich stark, mach uns stark Gott, damit wir gut leben, wie es deinem Willen entspricht, damit wir bestehen in allem, was uns angreift.

Du weißt, wie wir sind, Gott. Stärke unseren Glauben, unsere Liebe, unsere Hoffnung. Amen

 

Lied 272 Ich lobe meinen Gott

Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinen Namen.
Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir! Halleluja!

 

Predigt Markusevangelium 10, 17-27:

 

Und als Jesus hinausging auf den Weg, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: „Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme?“

Jesus sagte zu ihm: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott.

Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.«“ 

Er aber sprach zu ihm: „Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.“

 

Ewiges Leben will er, wahres Leben.

„Was muss ich dafür tun? Was kann ich optimieren in meinem Leben?“ Rastlos kommt er mir vor, dieser Mensch, getrieben von dem Gefühl: das, was ich tue, reicht nicht. Er hat wohl Angst, das Leben zu verpassen, nicht gut genug zu sein. Können wir etwas tun, damit uns ewiges, wahres Leben sicher ist?

Jesus weist ihn zurück: „Niemand ist gut als Gott allein.“ Zu uns Menschen gehören Grenzen und Endlichkeit. Manch einem Menschen gelingt alles: ein tolles Leben.  Und er ist trotzdem unzufrieden und hat das Gefühl: Irgendwie geht das Leben an mir vorbei. Eine andere, ein anderer macht Fehler, hat Misserfolge und Pech, und ist trotzdem ein glücklicher Mensch und ruht in sich. Das ewige Leben ist mehr, als wir machen und verdienen können.

Sicher: es gibt die 10 Gebote – Leitlinien für ein gutes Leben. Du sollst nicht töten – du hast kein Recht dich mit Gewalt durchzusetzen, weder indem du einen anderen seelisch unter Druck setzt, noch indem du sein Leben verletzt oder gar auslöschst.

Du sollst nicht ehebrechen – du sollst das Vertrauen und die Verletzlichkeit der Liebe nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Du sollst nicht stehlen und niemanden berauben – zum Schutz der Persönlichkeit des anderen gehört der Schutz seines Eigentums, des geistigen wie des materiellen.

 

Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.

Und Jesus sah seine Jüngern an und sprach: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!

 

Alle Gebote hat er gehalten, von Jugend auf, alles richtig gemacht, mit Auszeichnung Schule und Ausbildung absolviert, den Eltern nur Freude und den Lehrern nie Ärger. Er engagiert sich für andere. Er hat eine Familie. Alles richtig, alles wie es sein soll und immer ein nächstes Ziel vor Augen. Vieles hat er schon erreicht. Erfolge, Anerkennung, gute Taten, auch viele Güter hat er gesammelt, wie ein Sportler sich die gewonnenen Pokale auf´s Regal stellt. Dennoch fragt er: „Was muss ich noch tun? Wo will ich noch hin?“

Er hat dennoch die Sehnsucht und das Gefühl, nicht angekommen zu sein.

„Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?“ „Verkaufe alles, was du hast und folge mir nach!“ Aber das kann er nicht. Traurig geht er davon. Sein Reichtum steht ihm im Weg.  Er hängt an dem, was er erworben und verdient hat. Gern würde er Mühe und Geld einsetzen, um auch noch eine Versicherung für das ewige Leben zu verdienen. Alles will er haben, aber er kann nicht verzichten. Er ist zu vielem bereit, aber loslassen kann er so schlecht.

Jesus sieht ihn an und gewinnt ihn lieb.

Liebevoll sieht Jesus Menschen an.

Klar erkennt und durchschaut er, was sie bewegt.

Er sieht, wie rastlos und getrieben der Mann ist. Jesus sieht unsere Sehnsucht nach Leben, und die Angst, das Leben zu versäumen.

Die Geschichte macht mich betroffen.

Alles weggeben? – ich glaube, das könnte ich nicht. Heißt das, auch ich wende mich von Jesus ab?

Das Gespräch mit den Jüngern geht weiter.

 

Die Jünger waren bestürzt über seine Worte. Aber Jesus sagte noch einmal: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, in das Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.

Sie erschraken noch mehr und fragten einander: Wer kann dann selig werden? Jesus sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

 

Das schafft doch keiner! Die Jünger erschrecken, sogar sie, die ihr Zuhause verlassen haben und auf alles verzichten, um bei Jesus zu sein. Das größte Tier soll durch die kleinste Öffnung – unmöglich!

Richtig, sagt Jesus, kein Mensch schafft das, kein Mensch kann sich ewiges Leben verdienen.

Das Leben selbst, wahres Leben, Seligkeit könnt ihr nur von Gott bekommen. Nichts könnt ihr dafür tun, aber Gott schenkt euch ewiges Leben.

Jesus bricht das ewige Getrieben-Sein auf der Suche nach dem gelingenden Leben auf. Auf die Frage der Jünger – wer kann dann selig werden? – gibt es zunächst einmal nur eine Antwort: Niemand!

Es ist unmöglich für uns, den Himmel zu verdienen, aber für Gott wohl möglich, ihn uns zu schenken.

Gott macht möglich, was für uns unmöglich ist.

Gott liebt uns.

Nichts soll und darf uns trennen von ihm.

Mit der Taufe schenkt uns Gott das ewige Leben. Wir haben es längst.

Gott lädt uns ein zum Fest des Glaubens. Wir feiern und bekommen ein Zeichen für das ewige Leben, ein Stück Brot in unserer Hand, ein Schluck Wein für das, was uns nur Gott selbst geben kann.

Wie dieser reiche Mensch kann ich zuweilen nicht vertrauen. Ich habe Angst, das Leben zu verpassen. Ich drehe mich um mich selbst.

Ich will immer mehr haben.

Aber Jesus sagt mir: Das Leben selbst hat Gott dir längst geschenkt, das wahre und ewige Leben.

Unmöglich kannst du es dir verdienen,

aber nimm es nur an!  Amen

 

Lied 644 Meine Zeit steht in deinen Händen

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.

Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

 

  1. Sorgen quälen und werden mir zu groß.

Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein?

Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.

Vater, du wirst bei mir sein.

Ref: Meine Zeit steht in deinen Händen…

 

  1. Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb

nehmen mich gefangen, jagen mich.

Herr ich rufe: Komm und mach mich frei!

Führe du mich Schritt für Schritt.

Ref: Meine Zeit steht in deinen Händen…

 

  1. Es gibt Tage die bleiben ohne Sinn.

Hilflos seh ich wie die Zeit verrinnt.

Stunden, Tage, Jahre gehen hin,

und ich frag, wo sie geblieben sind.

Ref: Meine Zeit steht in deinen Händen…

 

 

Gebet

Wir danken dir, du unser Gott. Das Leben selbst ist dein Geschenk. Dein Ja zu uns steht fest. Unsere Zeit steht in deinen Händen.

Wir bitten dich für Menschen, die nicht zufrieden sind,

die meinen: das Leben geht an mir vorbei,

die sich sehnen nach wahrem und erfülltem Leben.

Hilf ihnen, deine Güte zu erkennen.

Öffne uns die Augen für diejenigen, die auf uns warten, denen wir zum Nächsten werden können.

Wir bitten dich für alle, denen es an Nötigem fehlt: Um Genesung für die Kranken, um Linderung für die Schmerzgeplagten, um Zuversicht für Menschen in Angst und um Trost für die Traurigen.

Wir bitten für unser Land um eine gute Regierung, für die Gemeinschaft der Völker in Europa und in der Welt um Frieden.

Wir bitten für die Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen. Hilf uns, ihnen menschlich zu begegnen.

Bewahre unsere Lieben, an die wir denken

und alle, deren Leid uns hilflos und traurig macht.

Bewahre uns, Gott.

 

Vaterunser

 

Lied 421 Verleih uns Frieden gnädiglich

Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

26.9.21 Gottesdienst mit Mt 15,21-28

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 346,1-3

Such, wer da will, ein ander Ziel,

die Seligkeit zu finden;

mein Herz allein bedacht soll sein,

auf Christus sich zu gründen.

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,

sein heilger Mund hat Kraft und Grund,

all Feind zu überwinden.

 

Such, wer da will, Nothelfer viel,

die uns doch nichts erworben;

hier ist der Mann, der helfen kann,

bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil,

uns macht gerecht der treue Knecht,

der für uns ist gestorben.

 

Ach sucht doch den, lasst alles stehn,

die ihr das Heil begehret;

er ist der Herr, und keiner mehr,

der euch das Heil gewähret.

Sucht ihn all Stund von Herzensgrund,

sucht ihn allein; denn wohl wird sein

dem, der ihn herzlich ehret.

 

Psalm 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels

schläft noch schlummert nicht.

Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht

steche noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel,

er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und

Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

 

 

Wenn Neues beginnt – wir schauen auf dich.

Wenn das Ungewisse uns zögern lässt –

wir schauen auf dich. Wenn ein schwerer Weg vor uns liegt – wir schauen auf dich.

Du, unser Gott, Grund des Lebens, unser Schöpfer, wir preisen dich für deine Güte.

Sei bei uns, behüte uns, unsere Gemeinde, unser Land, deine Geschöpfe. Bei jedem Schritt, in allem, was kommt, stärke unser Vertrauen. Amen

 

„Mit dir, o Herr, die Grenzen überschreiten – avec le Christ“  – in der Begegnung mit unserer Partnerge-meinde im Elsass singen wir das Lied von Roger Trunk gerne neue Lieder 70,1-3

 

Mit dir, o Herr, die Grenzen überschreiten,

mit deinem Geist die enge Herzen weiten.

Herr Jesu Christ, gib uns in deiner Gnad,

dass wir dich ehrn mit Worten und mit Tat.

Halleluja, halleluja …

 

Für Fried und Freud hast du uns,

Herr, geschaffen;

in deinen Dienst stell alle unsre Gaben,

Versöhnung schenk, wo Menschen sich entzweit,

Hass und Gewalt vertreib aus unsrer Zeit

Halleluja, Halleluja …

 

Du hast am Kreuz die Sünde überwunden

und uns mit Gottes Liebe neu verbunden.

In deinem Wort und deinem Sakrament

erkennen wir des Glaubens Fundament.

Halleluja, halleluja …

 

Predigtgedanken

 

Heute ist Wahltag.

Wie geht es weiter in unserem Land?

Die Aufgaben, die vor uns liegen, sind riesig.

Im ersten Schreck der Coronakrise war ein starker Zusammenhalt von fast allen zu spüren. Demokratie lebt vom Wettstreit der Ideen. Aber wenn es nur darum geht sich vom politischen Gegner abzugrenzen, bringt uns das nicht weiter. Wenn von manchen nicht Argumente genannt werden, sondern nur Hass und Verachtung gesät wird und sogar zur Gewalt aufgerufen wird, dann verlieren wir alle. Wie weit die Verblendung gehen kann, zeigt der Mord in Idar-Oberstein. Der Streit um die bessere Politik darf nicht solche Folgen haben. Grenzen überschreiten, Trennendes überwinden, gemeinsam den Herausforderungen begegnen – das muss das Ziel sein.

Wie ist das mit der Religion? Trägt sie nicht dazu bei, dass Menschen sich voneinander abgrenzen und andere ablehnen, die Ungläubigen, die Unreinen, die Ketzer?

Ja, Religion unterscheidet, was Gott entspricht und was Gott widerspricht. Fanatiker, die zu allem bereit sind, gibt es in fast allen Religionen. Aber zum Kern der Botschaft Jesu gehört, dass er Grenzen überschreitet. Jesus geht zu denen, die am Rand stehen und von anderen abgelehnt werden. Jesus verlangt: Urteilt nicht über andere.

Paulus meint, die Grenzen werden unwichtig, wenn wir zu Christus gehören: hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau (Gal 3,28).

Um Grenzen geht es auch im Evangelium dieses Sonntags, unserem Predigttext.      Auf den ersten Blick ist es eine verstörende Geschichte, die Matthäus berichtet (Mt 15,21-28):

Jesus verließ Gennesaret und zog sich in das Gebiet von Tyros und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus dieser Gegend zu ihm.  Sie schrie: »Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem bösen Dämon beherrscht!« Aber Jesus gab ihr keine Antwort. Da kamen seine Jünger zu ihm und baten: »Schick sie weg! Denn sie schreit hinter uns her.« Aber Jesus antwortete: »Ich bin nur zu Israel gesandt, dieser Herde von verlorenen Schafen.« Aber die Frau fiel vor ihm auf die Knie und sagte: »Herr, hilf mir doch!« Aber Jesus antwortete: »Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwer-fen.«  Die Frau entgegnete: »Ja, Herr! Aber die Hunde fressen doch die Krümel, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.« Darauf antwortete Jesus: »Frau, dein Glaube ist groß! Was du willst, soll dir geschehen!« In demselben Augenblick wurde ihre Tochter gesund.

 

Es ist damals völlig unmöglich, was die Frau dort im Libanon macht: Sie spricht einen Mann an, einen Ausländer und sie als Heidin bittet einen Juden um Hilfe. Matthäus nennt sie abfällig eine kanaanäische Frau – „die waren ja schon immer gegen uns.“ Und was macht Jesus? Er behandelt sie wie Luft, antwortet ihr nicht, lehnt gegenüber den Jüngern ab, so einer Heidin zu helfen und beleidigt sie sogar auf´s Übelste.

Das kann doch nicht wahr sein! So ist Jesus doch nicht, so engstirnig, verächtlich und verletzend. Jesus redet und handelt genauso, wie viele  dachten und auch heute denken. „Mit denen, mit diesen Heiden haben wir nichts zu tun.“ Es ist das gleiche Muster der Abwertung und Abgrenzung, das bis heute so viel Unheil stiftet. Ich kann es kaum ertragen, das von Jesus zu lesen.                               Aber so bleibt Jesus nicht! Er ändert seine Haltung. Er kehrt um. Er lässt sich von der fremden, heidnischen Frau überzeugen.

Frau, dein Glaube ist groß. Jesus lernt, dass es nicht darauf ankommt, dass sie eine Frau, eine Fremde, eine Heidin ist.

Sie lässt sich nicht abwimmeln. Hartnäckig drängt sie Jesus, dass er ihr hilft und ihr Kind heilt. Als Jesus sie grob beleidigt, »Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzu-nehmen und es den Hunden vorzuwerfen.«, lässt sie sich die Demütigung gefallen, wen-det sein Bild aber um: »Ja, Herr! Aber die Hunde fressen doch die Krümel,  die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen. Ein paar Krümel genügen mir. Gottes Güte langt auch für mich.“ Gottes Güte ist größer als unsere engen Herzen.

Dreimal spricht sie Jesus als Herr an.

Hab Erbarmen mit mir, Herr! – Kyrie elei-son!“ Die Sprache der Psalmen und des Gottesdienstes. Sie klingt demütig, aber sie ist auch stolz: „Du bist mein Herr, ich gehöre zu dir und verlasse mich auf dich. Kyrie eleison – sei für mich da, zeig mir deine Güte!“

Die Krankheit ihrer Tochter erscheint ihr wie eine böse Macht, ein Dämon. Es kann nicht sein, dass Gott schweigt. Sie findet sich nicht damit ab. Sie beharrt, bis Jesus sich zu ihr wendet. Sie hält dem schweigenden Gott seine Güte vor. Jesus muss lernen. Die Güte Gottes ist größer. Das Brot reicht  für alle.

 

Ich will auch von dieser Frau lernen:

Ihren Glauben, dass Gottes Güte für alle reicht, ihre Hartnäckigkeit, dass Jesus antworten muss, dass sie ihn als ihren Herrn in Anspruch nimmt.

Sie lässt sich nicht aufhalten von den üblichen Vorurteilen.

Sie überwindet die Grenzen.

So einen Mut und so ein Vertrauen wünsche ich uns und unserem Land. Amen

 

 

 

Neue Lieder 178

Meine engen Grenzen,

meine kurze Sicht

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.

 

Meine ganze Ohnmacht,

was mich beugt und lähmt,

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.

 

Mein verlornes Zutraun,

meine Ängstlichkeit

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.

 

Meine tiefe Sehnsucht

nach Geborgenheit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.

 

Gebet

Du bist unser Herr. Du bist unser Heiland.

Höre uns! Erbarme dich über uns! Zeige uns deine Güte!

Wir bitten dich für unser Land. Wir bitten für die, die gewählt werden, und für die, die die Wahl verlieren.

Steh uns bei, dass nicht Feindschaft und Hass uns entzweien, dass die zur Besinnung kommen, die in anderen nur Gegner sehen können.

Hilf uns dem Unrecht und der Gewalt zu wehren.

Wir bitten für die Angehörigen des jungen Mannes, der in Idar-Oberstein erschossen wurde.

Hilf uns die Menschen zu sehen, die an den Rand geraten: Menschen in Armut, ohne Obdach, Suchtkranke, Menschen, die mit Behinderungen leben, Menschen in Not.    Hilf uns, dass wir allen gerecht werden:

den Jungen und kommenden Generationen, den Alten, den Pflegebedürftigen und den Pflegenden.

Wir denken an die Kranken, die Trauernden, die Einsamen.

Herr, unser Gott, gib uns allen Mut und Vertrauen für neue Wege.

Bewahre uns in deiner Güte.

 

Vaterunser

 

 

 

 

 

 

Lied 395

Vertraut den neuen Wegen,

auf die der Herr uns weist,

weil Leben heißt: sich regen,

weil Leben wandern heißt.

Seit leuchtend Gottes Bogen

am hohen Himmel stand,

sind Menschen ausgezogen

in das gelobte Land.

 

Vertraut den neuen Wegen

und wandert in die Zeit!

Gott will, dass ihr ein Segen

für seine Erde seid.

Der uns in frühen Zeiten

das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten,

wo er uns will und braucht.

 

Vertraut den neuen Wegen,

auf die uns Gott gesandt!

Er selbst kommt uns entgegen.

Die Zukunft ist sein Land.

Wer aufbricht, der kann hoffen

in Zeit und Ewigkeit.

Die Tore stehen offen.

Das Land ist hell und weit.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

19.9. Klagelieder Jeremias 3,22-24

19.9.21    16. Sonntag nach Trinitatis,

Pfarrer Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 445,1+5

1 Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heilger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen  ist erhält:

5 Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.

 

Im Psalm dieser Woche stehen die Verse:

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet. Ps 68,20f

Wir feiern, was du uns verheißt, lebendiger Gott, Christus, unser Herr. Wir preisen dich für deine Güte. Und doch hören wir die Klage derer, deren Last übergroß ist, die von Terror und Gewalt betroffen sind, die Unrecht und Demütigung erfahren, die Krankheit und Unglück erleben.

Sag ihnen allen, sag uns dein Wort des Lebens.

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit. Amen

 

Lied 382

1 Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;

fremd wie dein Name sind mir deine Wege.

Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;

mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?

Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

2 Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,

mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.

Hast du mit Namen mich in deine Hand,

in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben? Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?

Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

3 Sprich du das Wort, das tröstet und befreit

und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben.

Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.

Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

 

Predigtgedanken zu Klagelieder Jeremias 3,22-24

 

Wie liegt die Stadt so verlassen da, die voll Volks war. Mit einem Aufschrei beginnen die Klage-lieder. Jeremia hat die Katastrophe angekündigt und miterlebt – darum werden ihm die Lieder in den Mund gelegt. Er hat das zerstörte Jerusalem vor Augen, ein Bild wie Ground Zero in New York vor 20 Jahren. Die Klagelieder sind Katastrophen-literatur, fünf erschütternde Darstellungen von Leid, Entsetzen und Not. Sie werden am 9.Tag des jüdischen Monats Av im Gottesdienst gele-sen. Am 9. Av wurde der erste Tempel zerstört und am gleichen Tag im Jahr 70 der zweite durch die Römer. Am 9. Av im Jahr 136 wurde die Stadt endgültig verwüstet. Mehrmals wurden die Juden am 9. Av vertrieben, 1290 aus England, 1492 aus Spanien und 1942 begann die Deportation aus dem Warschauer Ghetto nach Treblinka, in das Vernichtungslager.

Da heißt es: Ich bin ein vom Leid geprüfter Mann. Gott schlug mich mit der Rute seines Zorns. …

Er ließ meine Zähne auf Granit beißen, er trat mich nieder in den Staub. Gott, du hast mir meinen Seelenfrieden genommen!  (3,1+16+17)

Bittere, heftige Anklage gegen Gott steht hier in der Heiligen Schrift. Darf man das? Ja, was den Beter entsetzt, was seinen Glauben tief infrage stellt, das darf und soll auf den Tisch kommen.

In der Bibel wird nichts vertuscht oder versteckt. Da gibt es keine Denk- oder Redeverbote. Und wenn Entsetzen und Schmerz einen Menschen verstummen lassen, finden wir hier Worte für die Not: Warum muss ich so lange warten auf dich, Gott – warum lässt du mich allein? Wer klagt, lässt Leid und Unrecht nicht einfach geschehen. Er wehrt sich. Er lehnt sich auf. Er protestiert.

Und wer klagt, bleibt nicht für sich.

Er bringt sein Leid vor Gott. Er bedrängt Gott. Aber er wendet sich doch zu Gott hin.

Er flieht vor Gott zu Gott.

Dann, mitten in der Klage ist ein anderer Ton zu vernehmen. Das ist der heutige Predigttext:

Die Güte des Herrn ist´s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. (3,22-24)

Israel ist mit seinem Schmerz nicht fertig.

Wir kennen Menschen, deren Last zu groß ist, deren Glaube und Hoffnung zerbricht. Die Klagelieder enden nicht versöhnlich. Aber hier ist ein Schimmer von Hoffnung, bevor im nächsten Kapitel wieder das Grauen und die Not beklagt werden. Aus der Klage heraus sucht die Beterin oder der Beter einen Halt, eine andere Sicht.

 

Die Güte des Herrn ist´s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.                   Mit großem Respekt lesen wir das Bekenntnis der Hoffnung mitten im Leid. Fast ausgelöscht ist das Volk Gottes und doch wagen sie zu hoffen.        Es ist nicht unsere Geschichte, die die Klagelieder besingen. Und wir müssen sagen:

Christen waren immer wieder die Täter in den Leidensgeschichten der Juden.

Wir können uns aber an die Seite der Klagenden stellen, ihnen Raum geben, sie achten. So ist es ja oft: Wer nicht selbst ein Kind verloren hat, wer nicht selbst flüchten musste, wer nicht krank ist, kann nur ahnen, wie es den Betroffenen geht, hören, was sie berichten, bei ihnen bleiben.  Wenn im eigenen Leben das Schlimmste ge-schieht, sieht die Welt auf einmal anders aus.

 

Die Klagelieder gehen weiter als das Jammern, das uns oft begegnet: Jeremia kann auch Schuld ansprechen. Sie haben Anteil an der Zerstörung, die sie trifft. Seine Klage reicht dann aber auch bis zum Trost, dass Gottes Barmherzigkeit noch kein Ende hat. Mitten in der Klage, sagt Jeremia zu Gott: Deine Treue ist groß. Der Herr ist alles für mich. Deshalb setze ich meine Hoffnung auf ihn. Noch lebe ich. Noch atme ich. Und immer noch hoffe ich.

Deine Treue ist groß. Ganz direkt spricht er Gott an. Er verzweifelt an seinem Leid. Er wirft Gott sein Elend vor, klagt ihn an, schreit ihn an, aber er wirft sich doch Gott in die Arme. Gott bleibt ein Du, ein Gegenüber: „Deine Treue ist groß, Du, mein Gott.“

Ich staune über Menschen, die großes Leid erfahren, und dennoch vertrauen und dankbar sind. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu. Das ist nicht leicht dahingesagt, aber von vielen Glaubenden empfunden. „Selbst wenn ich am Leid zerbreche, deine Treue ist groß; ich halte mich fest an dir.“

Wir schauen auf Jesus. Er ist bei denen, die leiden und klagen. Wir haben eine Adresse für unsere Klage. Jochen Klepper schrieb:

In jeder Nacht, die mich umfängt,

darf ich in deine Arme fallen,

und du, der nichts als Liebe denkt,

wachst über mir, wachst über allen.

Du birgst mich in der Finsternis.

Dein Wort ist noch im Tod gewiss.

 

Für alle, die mit leeren Händen vor Gott stehen, deren Last zu groß ist, denen Gott fremd ist, für sie ist es ein schwerer Weg, dennoch auf Gottes Güte und Treue zu hoffen. Die Güte des Herrn ist´s, dass wir nicht gar aus sind. Ich höre jetzt hinter Israels Bekenntnis zu Gottes Treue, die Klage, die Anklage, das Ringen um Hoffnung.

All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu. (EG 440) Fröhlich klingt das Morgenlied. Aber die es singen, wissen auch, wie bedrängend die Finsternis sein kann.

Gott hat unser Dunkel geteilt. Er ist bei uns in Jesus Christus. „Wir leben aus, deiner Güte. Ohne dich kommen wir keinen Schritt voran.    Auf dich wollen wir hoffen.“ Amen

 

Lied 440, Text: Joh. Zwick, Mel: Joh. Walter, 1541

1 All Morgen ist ganz frisch und neu

des Herren Gnad und große Treu;

sie hat kein End den langen Tag,

drauf jeder sich verlassen mag.

2 O Gott, du schöner Morgenstern,

gib uns, was wir von dir begehrn:

Zünd deine Lichter in uns an,

lass uns an Gnad kein Mangel han.

3 Treib aus, o Licht, all Finsternis,

behüt uns, Herr, vor Ärgernis,

vor Blindheit und vor aller Schand

und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

4 zu wandeln als am lichten Tag,

damit, was immer sich zutrag,

wir stehn im Glauben bis ans End

und bleiben von dir ungetrennt.

 

Gebet

Treib aus, o Licht, all Finsternis.

Wir bitten für die, die im Finstern sind, die nur klagen können und keinen Ausweg sehen.

Hilf uns auf, Gott, erinnere uns an deine Güte  und Treue.

Wir bitten für die, die getroffen sind von Unglück, die die Katastrophe immer noch vor Augen haben und geplagt sind von Verzweiflung und Schmerz.

Hilf ihnen auf, Gott, erinnere sie an deine Güte  und Treue.

Wir bitten für die Menschen in Afghanistan, für alle, die Unterdrückung und Verfolgung fürchten, für die Hungernden, für die Flüchtenden. Wir bitten um Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. Hilf uns auf, Gott, dass wir den Geplagten Recht schaffen.

Wir bitten dich für unser Land in den Tagen der Wahl. Wir bitten für die, die gewählt werden wollen und für uns alle um Redlichkeit, Achtung voreinander, Mut und Geduld. Hilf uns auf, Gott, steh uns bei in den Aufgaben, die vor uns liegen.

Wir bitten dich für die Menschen, um die wir uns sorgen, für unsere Kranken: behüte sie in Schmerzen und Angst. Für die, deren Kräfte abnehmen, die auf Hilfe für die Trauernden.

Wir beten mit den Worten Jesu: Vaterunser

 

Lied 157

Lass mich dein sein und bleiben, Du treuer Gott und Herr; von dir lass mich nichts treiben, halt mich bei reiner Lehr’; Herr, lass mich nur nicht wanken,

Gib mir Beständigkeit! Dafür will ich dir danken

In alle Ewigkeit.

 

Segen

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Lk 17,5+6 Konfirmationsjubiläum, 12.9.21

 

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 324 Ich singe dir mit Herz und Mund

 

Ich singe dir mit Herz und Mund,

Herr, meines Herzens Lust;

ich sing und mach auf Erden kund,

was mir von dir bewusst.

 

Was sind wir doch? Was haben wir

auf dieser ganzen Erd,

das uns, o Vater, nicht von dir

allein gegeben werd?

 

Du zählst, wie oft ein Christe wein

und was sein Kummer sei;

kein Zähr– und Tränlein ist so klein,

du hebst und legst es bei.

 

Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil,

dein Glanz und Freudenlicht,

dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil,

dein Rat und lässt dich nicht.

 

Ps 127,1f

Wenn der Herr nicht das Haus baut,

so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der Herr nicht die Stadt behütet,

so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

 

Ehr sei dem Vater …

 

Von deiner Güte leben wir, du, unser Gott.

Dein Segen lässt gelingen, was wir tun.

Aber oft bilden wir uns ein, wir müssten uns alles selbst erkämpfen. Wir stehen manchmal so unter Druck, dass wir zu zerbrechen drohen, und wenn wir schließlich zur Ruhe kommen, sind wir ausgebrannt und leer.

Ja, es ist umsonst, dass wir früh aufstehen und hernach lange sitzen und unser Brot mit Sorgen essen, es ist umsonst, wenn wir nicht um unsere Grenzen wissen und auf deine Hilfe trauen.

Gott, schenke uns Gelassenheit, Vertrauen

und mach uns deiner Güte gewiss. Amen

 

369 Wer nur den lieben Gott

 

Wer nur den lieben Gott lässt walten

und hoffet auf ihn allezeit,

den wird er wunderbar erhalten

in aller Not und Traurigkeit.

Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,

der hat auf keinen Sand gebaut.

 

Was helfen uns die schweren Sorgen,

was hilft uns unser Weh und Ach?

Was hilft es, dass wir alle Morgen

beseufzen unser Ungemach?

Wir machen unser Kreuz und Leid

nur größer durch die Traurigkeit.

 

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,

verricht das Deine nur getreu

und trau des Himmels reichem Segen,

so wird er bei dir werden neu;

denn welcher seine Zuversicht

auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

 

Predigt über Lukas 17,5+6

 

Die Apostel baten den Herrn: »Gib uns doch mehr Glauben!« Der Herr antwortete: »Selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum hier sagen: ›Heb dich samt deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹, und er würde euch gehorchen.«

 

Die Jünger starren den Baum an, unter dem sie sitzen. Die breite Krone, Äste, dicker als ihre Arme, der Stamm in vielen Jahren gewachsen.

„Den bekommt hier so schnell keiner weg!“

„Stellt euch vor“, sagt einer „dieser Baum schwebt davon und fliegt über das Meer, hui!“ Die Jünger lachen über die ulkige Idee. Jesus lacht auch. Einer aber empört sich: „Das ist unmöglich, Jesus! Das geht doch nicht. Sieh dir den Baum an! Wir mühen uns ab und bitten dich unseren Glauben   zu stärken, und du machst dich über uns lustig!“

Jesus sagt: „So fest verwurzelt, so unverrück-bar erscheint euch vieles. Ihr stoßt euch daran und verzweifelt fast. Ihr starrt auf eure kleine Kraft, die nur wenig bewirkt. Ich lache, denn Gott kann so viel bewegen, auch durch euch bewegen.“

Glaube, der Berge versetzt, oder Glaube, der den Maulbeerbaum mit seinen besonders starken Wurzeln aus der Erde reißt – so redet Jesus.

Muss er denn so maßlos übertreiben?!

Menschen werden geheilt, denen bisher niemand helfen konnte, und Jesus sagt: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ „Was meinst du, Jesus? Diese Kranken haben sich doch nicht selbst geholfen.“

„Nein, aber sie haben alles von Gott erwartet.“

 

Nehmen Sie die Jahre Ihres Lebens, die Jahrzehnte seit Ihrer Konfirmation für diesen Baum. Was ist da in meinem Leben alles gewachsen, stattlich und schön, oder auch wie ein Baum im Wind, gebeugt und doch stark. Wieviel gute Frucht gibt es und auch wieviel vergebliches Mühen. Manchmal denke ich, im Herzen bleiben wir uns gleich und empfinden oft wie vor 50 Jahren. „Jesus, dieser Baum, der ich bin, der ist halt wie er ist.“

Jesus aber lacht und widerspricht.

Er macht sich nicht lustig über uns. Er weiß ja, was uns bewegt, er kennt auch unsere vergeb-lichen Mühen und das, woran wir leiden, weil es sich nicht ändert.

Wir haben gut Lachen mit ihm.

Jesus sieht in uns die Möglichkeiten Gottes.

Der Baum muss nicht bleiben wie und wo er ist.

 

Gib uns doch mehr Glauben! Ja, das wäre schön: Ein Glaube, den nichts umwerfen kann, ein festes, starkes Vertrauen in jeder Lebenslage. Aber wir sind  in bester Gesell-schaft: Sogar die Apostel meinen: „Unser Glaube ist zu schwach.“ Sie wollen Jesus ja gerne folgen, tun, was er tut, vielleicht sogar sein wie er. Aber sie stoßen immer wieder an ihre Grenzen.

Gib uns doch mehr Glauben!  Und Jesus antwortet: „Ihr braucht nicht mehr. So viel wie ein wie winzig kleines Senfkorn reicht ja schon, dass euch der Glaube Flügel verleiht.“

„Wir verstehen dich nicht, Jesus. Was meinst du?“ „Vielleicht versteht ihr den Glauben nicht. Er ist nicht wie ein Draht zu Gott, wie ein Akku, aus dem ihr Energie ziehen könnt, wann immer ihr wollt. Gott lässt sich nicht anschalten. Aber Gott ist da, und er gibt euch Kraft, viel mehr als ihr erwartet.“

 

Wir müssen nicht sein wie Mutter Theresa oder Dietrich Bonhoeffer, wir müssen nichts Großes vollbringen oder fast heilig sein, damit wir sagen können: „Ich glaube.“

Mitten in unserem Leben kann sich Glauben ereignen. Glauben, wenn ich entdecken darf: ein Mensch ist mir gegeben und macht mich glücklich – das ist ein Geschenk von Gott. Glauben, wenn wir trotz schwieriger Zeiten und Krisen die Kraft bekommen einander treu zu sein – Gott sei Dank. Glauben, wenn ich mich nach Enttäuschungen oder wenn eine Beziehung zerbricht, wieder aufrappeln kann. Glauben, wenn ich nicht zerbreche an Schicksalsschlägen oder wenn ich selbst dann, wenn ich verzweifele und dennoch Gott suche.

In manchen Zeiten ist unser Glaube fast weggeweht wie Wüstensand.

Jesus kennt auch diese Seite, wenn er schreit: „Warum hast du mich verlassen, Gott?“

Er bleibt dennoch bei Gott.

Glauben ist in unserem Leben, in dem, was wir aushalten, wagen und hoffen, im Gelingen, im Glück, im Segen, im Leid. Glauben ist in allem, was wir von Gott annehmen, worin wir Gott sein lassen und ihm vertrauen.

 

Jesus hält dem verzagten „Ach-wir-glauben-zu- wenig!“ seine Freude über Gott entgegen.

Im kleinsten Glaubenskörnchen ist Gott groß.

Lächelnd erzählt Jesus von Glauben.

„Aber warum übertreibst du so maßlos, Jesus?“

„Ihr braucht keinen großen Glauben,

aber denkt von Gott nicht zu klein!

Und meint nicht, ihr könnt euch nicht ändern

und die Welt muss bleiben, wie sie immer war!  Für Gott ist die Welt und seid ihr voller Möglichkeiten.“

 

Neue Lieder 158  Ich sage Ja

 

Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf.

Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf,

zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt,

und der auch mich in seinen Händen hält.

 

Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt

und aus dem Tod zum Leben auferstand

und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist

für uns zum Freund und Bruder worden ist

 

Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist,

zum Weg der Liebe, den er uns verheißt,

zu wagen Frieden und Gerechtigkeit

in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

 

 

Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot,

Wegzehrung. Zeichen, Zuspruch in der Not.

Ich sage Ja und Amen, weil gewiss:

Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

 

Gebet

 

Wir danken dir, Gott. Was wir sind und haben, ist dein Geschenk. Wir danken dir, Christus. Du bist bei uns jeden Tag, in jedem kleinsten Körnchen Glauben. Du öffnest uns für neue Möglichkeiten. Bewahre uns vor Verzagtheit. Stärke unser Vertrauen.

 

Wir bitten dich für unser Land in den Tagen der Wahl. Wir bitten für die, die gewählt werden wollen und für uns alle um Redlichkeit, Achtung voreinander, Mut und Geduld. Stärke unser Vertrauen.

 

Wir bitten dich für die Menschen, um die wir uns sorgen, für unsere Kranken: behüte sie in Schmerzen und Angst.

Für die, die alt werden, deren Kräfte abnehmen, die auf Hilfe und Pflege angewiesen sind. Für die Einsamen.

Für die Trauernden. Stärke unser Vertrauen.

 

Wir bitten für die Schülerinnen und Schüler, für unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden und für ihre Familien.

Lass sie gute Erfahrungen machen in diesem Jahr. Hilf ihnen, ihren Weg zu finden und im Glauben zu wachsen.

Stärke unser Vertrauen.

 

Vaterunser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

331 Großer Gott, wir loben dich

 

Großer Gott, wir loben dich,

Herr, wir preisen deine Stärke.

Vor dir neigt die Erde sich

und bewundert deine Werke.

Wie du warst vor aller Zeit,

so bleibst du in Ewigkeit.

 

Heilig, Herr Gott Zebaoth!

Heilig, Herr der Himmelsheere!

Starker Helfer in der Not!

Himmel, Erde, Luft und Meere

sind erfüllt von deinem Ruhm;

alles ist dein Eigentum.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst für den 5.9. 1.Thess 5,14-24

 5.9.21    14. Sonntag nach Trinitatis,  Pfarrer Andreas Hansen

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 302,1+2+8

 

Du meine Seele, singe,

wohlauf und singe schön

dem, welchem alle Dinge

zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben

hier preisen auf der Erd;

ich will ihn herzlich loben,

solang ich leben werd.

 

Wohl dem, der einzig schauet

nach Jakobs Gott und Heil!

Wer dem sich anvertrauet,

der hat das beste Teil,

das höchste Gut erlesen,

den schönsten Schatz geliebt;

sein Herz und ganzes Wesen

bleibt ewig unbetrübt.

 

Ach ich bin viel zu wenig,

zu rühmen seinen Ruhm;

der Herr allein ist König,

ich eine welke Blum.

Jedoch weil ich gehöre

gen Zion in sein Zelt,

ist’s billig, dass ich mehre,

sein Lob vor aller Welt.

 

Gebet

Lobe den Herrn, meine Seele.

Ich will dich loben, mein Gott, und dir danken

für alles, was mich glücklich macht,

für Menschen, die ich liebhabe,

für Schönes, das mich erfreut.

Auch, wenn ich bedrängt bin, von Leid,

von Konflikten, von Sorgen, denke ich daran:

Du bist bei mir.

Du hast mich bewahrt.

Du hältst mich bei der Hand.

Du sagst Ja.

Lobe den Herrn, meine Seele.

Dir, mein Gott, vertraue ich mich und alles an.

Amen

 

Neue Lieder 82 Suchen und Fragen

 

Suchen und fragen, hoffen und sehn,

miteinander glauben und sich verstehn,

lachen, sich öffnen, tanzen befrein:

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Klagende hören, Trauernde sehn,

aneinander glauben und sich verstehn,

auf unsere Armut lässt Gott sich ein:

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Planen und bauen, Neuland begehn,

füreinander glauben und sich verstehn,

leben für viele, Brot sein und Wein:

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Predigt   über 1.Thessalonicher 5,14-24

Gott spricht sein Ja. Unser Nein stirbt.

Paulus schreibt: Gott ist treu.

Gott ist ein Gott des Friedens.

Das große Ja Gottes werden wir in Jesus Christus sehen. Die Christen in Thessalonich fragen nach dem Ende der Zeit. Paulus antwortet darauf mit seinem Brief. Es ist sein erster Brief und zugleich die älteste Schrift des Neuen Testaments.

Wir werden Jesus sehen. Er kommt auf uns zu. Von dieser Erwartung ist Paulus erfüllt.

Am Ende seines Briefes schreibt er:

 

Weiter bitten wir euch, Geschwister: Weist die zurecht, die ein ungeordnetes Leben führen! Tröstet die Kleinmütigen! Tragt die Schwachen! Habt mit allen Geduld! Achtet darauf, dass keiner Böses mit Bösem vergilt. Bemüht euch vielmehr mit allen Kräften und bei jeder Gelegenheit, einander und allen Menschen Gutes zu tun.

Freut euch, was auch immer geschieht!

Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen! Dankt Gott in jeder Lage! Das ist es, was er von euch will und was er euch durch Jesus Christus möglich gemacht hat.

Den Geist löscht nicht aus! Prophetische Reden verachtet nicht!  Prüft alles: Was gut ist, das nehmt an. Aber was böse ist, darauf lasst euch nicht ein, in welcher Gestalt auch immer es an euch herantritt.

Gott selbst, der Gott des Friedens, helfe euch, ein durch und durch geheiligtes Leben zu führen. Er bewahre euer ganzes Wesen – Geist, Seele und Leib –, damit, wenn Jesus Christus, unser Herr, wiederkommt, nichts an euch ist, was Tadel verdient.

Der, der euch beruft, ist treu; er wird es auch tun.

 

Zwölf Ermahnungen am Ende eines Briefes!

Die ersten könnten ähnlich in der Rede einer Mutter stehen, oder eines Vereinsvorstandes oder einer Lehrerin. Sie wird sparsamer mit Ermahnungen sein: Dabei schalten die Schü-ler ihre Ohren doch sowieso auf Durchzug. Allerdings: hier geht es um mehr als den Klassenfrieden oder um ein gutes Miteinander im Verein oder in der Familie.

Gott selbst helfe euch, ein durch und durch geheiligtes Leben zu führen. Gott selbst bereitet uns vor und auch wir selbst sollen uns vorbereiten für die Zeit, wenn Jesus Christus, unser Herr, wiederkommt. Darum ein geheiligtes Leben, Leben im Licht Jesu. „Jesus wird kommen.“ Das sagen wir im Glaubensbekenntnis, aber eigentlich können wir uns nicht viel darunter vorstellen.

Ich will nicht mit dem Jenseits vertrösten.

Und ich will ganz bestimmt nicht damit drohen.

Ich glaube: Wir werden ganz im Licht Jesu stehen. Gott sagt Ja zu uns. Unser Nein stirbt. Paulus schreibt ein paar Verse vorher: Ihr alle seid ja Menschen des Lichts, und euer Leben wird von jenem kommenden Tag bestimmt. (5,5)

Das Leben von Paulus ist kein Wellnessurlaub: gefahrvolle, mühsame Reisen, Schiffbrüche, Streit und Vorwürfe in den Gemeinden, Verfolgung, Schläge und Haft, eine rätselhafte Krankheit, die ihn plagt. All das setzt ihm zu, und doch weiß er: „Ich lebe im Licht Jesu. Ich bin ein Mensch des Lichts und so will ich auch leben.“

Mit seinen Ermahnungen will Paulus Mut machen. Er will zur Freiheit ermutigen, den Blick weiten für Menschen des Lichts, Menschen, die auf Gott vertrauen.

 

Tröstet die Kleinmütigen!

Kleinmütig: Ich erinnere mich, wie es mir in den ersten Wochen eines neuen Schuljahres oft ging. Man muss erst wieder in den Alltag hereinfinden,

die neuen Lehrer kennenlernen, an den alten Lernlücken arbeiten. Bis die ersten Tests ge-schrieben waren, war ich etwas mutlos. Verzagt, weil die Aufgaben wie ein Berg vor einem liegen und man das Gefühl hat, es nicht zu schaffen.  Das geht Lehrerinnen und Lehrern und anderen ebenso: Am Anfang scheint der Berg riesengroß. Mutlos sind wir besonders, wenn wir uns zu jedem Schritt zwingen müssen, wenn Traurigkeit oder Misserfolge uns zweifeln lassen.

Tröstet die Kleinmütigen! „Du bist mehr als deine Leistungen. Du kannst lieben und bist geliebt. Dein Leben ist viel mehr als diese schwierige Wegstrecke. Und über allem steht Gottes Ja zu dir.“

Kleinmütig: Wieder steigen die Corona-Zahlen. Hört das nie auf? Und können wir einer neuen Regierung, wer sie auch bilden wird, zutrauen die Probleme zu lösen? Werden wir es schaffen den Klimawandel zu bremsen? Können wir unsere Demokratie schützen vor denen, die sie verachten und angreifen?

Berge von ungelösten Problemen. Wir haben viel Grund zu Sorge. Für die Menschen in anderen Ländern sehen Corona, Klimawandel und die politische Situation noch wesentlich bedrohlicher aus. Keines der Probleme ist einfach zu lösen.

Aber gerade wir Christen sollten cool bleiben,   uns nicht in Katastrophenstimmung treiben lassen, nicht gegen die vermeintlich Schuldigen hetzen.

Tröstet die Kleinmütigen! Wir Christen rechnen damit, dass die Welt sich verändert, dass es auch Risse und Brüche gibt. Wir tun nüchtern, was wir können, um dem Leid zu wehren. Mit Gottes Hilfe schaffen wir so viel wie möglich.

Am Ende steht nicht Untergang, sondern Christus. Gott sagt Ja. Das gilt!

Kleinmütig: Auch wir, die Kirche. Wir sind mitten in einem Prozess des Wandels. Weniger Gemeindeglieder, weniger Geld, weniger Gemeindehäuser und Pfarrer. Also muss die Kirche sich verändern. Das macht Angst.

Wir haben unseren Herrn, den besten Trost gegen jeden Kleinmut, und sind doch so leicht verzagt.

Tröstet die Kleinmütigen!

 

Jede der Mahnungen des Paulus gibt Stoff zum Nachdenken, zum Hoffnung-Schöpfen, zum Aufatmen. Der, der euch beruft, ist treu; er wird es auch tun. Gott ist treu. Wir leben unter seinem Ja. Wir feiern sein Ja.

Amen

 

Lied 351,1+2+7+13

 

Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich.

Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?

 

Nun weiß und glaub ich feste, ich rühms auch ohne Scheu, dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei

und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

 

Sein Geist spricht meinem Geiste manch süßes Trostwort zu, wie Gott dem Hilfe leiste, der bei ihm suchet Ruh,

und wie er hab erbauet ein edle neue Stadt,

da Aug und Herze schauet, was es geglaubet hat.

 

Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein.

Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.

 

Gebet

 

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Du nimmst uns an, Gott, und schenkst uns deine Gemeinschaft, obwohl wir dir schon so oft mit unserem Leben widersprochen haben. Hab Dank dafür. Hilf uns, einander anzunehmen.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die geplagt sind von Krieg, Gewalt, Unrecht. Wir denken an die Menschen in Afghanistan, im Jemen, in Syrien. Es gibt so viele ungelöste Konflikte. Hilf der Gemeinschaft der Völker auf dem mühsamen Weg zu Frieden und Gerechtigkeit.

 

Wir bitten dich für die, die unterdrückt werden, die ihre Meinung nicht sagen dürfen, die verfolgt und eingesperrt und misshandelt werden. Wir denken an die Menschen in Belarus und Russland, in China, im Iran.

Steh ihnen bei.

Hilf uns, dass wir, wo immer es möglich ist, Recht und Freiheit schützen.

 

Wir bitten für unsere Kranken, für die Trauernden, für die die nicht wissen, wie es weitergeht, für die, die keine Hoffnung haben. Tröste, stärke, heile sie und sei bei allen, die ihnen helfen.

 

Wir bitten für deine Kirche, Gott, für unsere Gemeinde, für unsere katholische Nachbargemeinde und die Freunde in Sundhouse. Uns alle befehlen wir deiner Güte, barmherziger Gott. Amen

 

Vaterunser

 

 

Lied 421

 

Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, Herr Gott, zu unsern Zeiten!

Es ist doch ja kein anderer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Gottesdienst für den 8.8., Israelsonntag

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

452,1-3 Er weckt mich alle Morgen

Er weckt mich alle Morgen,

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmrung Pforte

ist er mir nah und spricht.

 

Er spricht wie an dem Tage,

da er die Welt erschuf.

Da schweigen Angst und Klage;

nichts gilt mehr als Sein Ruf.

Das Wort der ewgen Treue,

die Gott uns Menschen schwört,

erfahre ich aufs neue

so, wie ein Jünger hört.

 

Er will, dass ich mich füge.

Ich gehe nicht zurück.

Hab nur in Ihm Genüge,

in Seinem Wort mein Glück.

Ich werde nicht zuschanden,

wenn ich nur Ihn vernehm.

Gott löst mich aus den Banden.

Gott macht mich Ihm genehm.

 

„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe gewählt hat.“ Ps 33

Heute ist Israelsonntag. Wir bedenken, was uns mit dem jüdischen Volk verbindet.

Sehr viel haben Christen und Juden gemeinsam. Ohne die Wurzeln im Judentum ist das Christen-tum nicht zu verstehen. Und doch hat die Kirche über Jahrhunderte zu Hass und Feindschaft gegen Juden beigetragen.

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters von Jesus, dem Juden aus Nazareth, im Namen des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs, des Gottes, der Israel erwählt hat und der durch die Worte der Hebräischen Bibel, die wir Altes Testament nennen, auch zu uns spricht.

 

Psalm 105   

Danket dem Herrn und rufet an seinen Namen;

verkündigt sein Tun unter den Völkern!

 

Singet ihm und spielet ihm,

redet von allen seinen Wundern!

Rühmet seinen heiligen Namen;

es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen!

Fraget nach dem Herrn und nach seiner      Macht,   suchet sein Antlitz allezeit!

Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat,

seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes,

du Geschlecht Abrahams, seines Knechts,

ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten!

Er ist der Herr, unser Gott,

er richtet in aller Welt.

Er gedenkt ewiglich an seinen Bund,

an das Wort, das er verheißen hat für          tausend Geschlechter

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Gnädiger Gott, du hast deinen Namen verbunden mit Israel. Nie hast du deinem Volk die Treue gekündigt. Durch alle Abgründe hast du es begleitet. Wir Christen haben das lange nicht verstanden. Wir haben Israel seine Erwählung geneidet und deine Treue zu ihm bestritten. Hab Dank, dass wir alte Vorurteile überwinden und begreifen, dass wir mit Israel zusammengehören.

Wir preisen deine Gnade. Amen

 

Gott ist treu. Immer wieder darf sein Volk das erfahren. Wie eine liebevolle Mutter spricht er zu ihnen im sogenannten Trostbuch Israels, Jesaja ab Kapitel 40:

Hört mir zu, ihr vom Hause Jakob und alle, die ihr noch übrig seid vom Hause Israel, die ihr von mir getragen werdet von Mutterleibe an und vom Mutterschoße an mir aufgeladen seid:  Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan;  ich will heben und tragen und erretten. (Jes 46,3+4)

 

380 Ja, ich will euch tragen

Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin.

Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin.

 

Ihr sollt nicht grauen, ohne dass ich’s weiß,

müsst dem Vater trauen, Kinder sein als Greis.

 

Ist mein Wort gegeben, will ich es auch tun,

will euch milde heben: Ihr dürft stille ruhn.

 

Stets will ich euch tragen recht nach Retterart.

Wer sah mich versagen, wo gebetet ward?

 

Denkt der vor’gen Zeiten, wie, der Väter Schar

voller Huld zu leiten, ich am Werke war.

 

Denkt der frühern Jahre, wie auf eurem Pfad

euch das Wunderbare immer noch genaht.

 

Lasst nun euer Fragen, Hilfe ist genug.

Ja, ich will euch tragen, wie ich immer trug.

 

Predigt

„Ja, ich will euch tragen.“ Gott trägt sein Volk.  Gott befreit sein Volk aus der Unterdrückung in Ägypten. Er rettet sie und er führt sie durch die Wüste. Wir glauben mit den Juden an den gnädigen Gott, der bei uns ist, der uns trägt      und befreit und niemals alleine lässt. Hören wir als Predigttext einen Abschnitt aus dem 2. Buch Mose. (19,1-8):

Am dritten Neumondtag nach dem Auszug der Israeliten aus dem Land Ägypten, an diesem Tag, kamen sie in die Wüste Sinai. Und sie brachen auf von Refidim und kamen in die Wüste Sinai, und sie lagerten in der Wüste. Und dort lagerte Israel dem Berg gegenüber.

Mose aber stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berg her zu: So sollst du zum Haus Jakob sprechen und den Israeliten verkünden:

Ihr habt selbst gesehen, was ich Ägypten getan und wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe.

Wenn ihr nun auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet von allen Völkern ihr mein Eigentum sein, denn mein ist die ganze Erde, ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern sein und ein heiliges Volk. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst.

Und Mose kam und rief die Ältesten des Volks und legte ihnen alle diese Worte vor, die der Herr ihm aufgetragen hatte. Da antwortete das ganze Volk einmütig und sprach: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun. Und Mose überbrachte dem Herrn die Worte des Volks.

Gott trägt sein Volk.

Auf Adlerflügeln habe ich euch getragen.

Wenn die jungen Adler fliegen lernen, fangen die Eltern sie bei ihren ersten Versuchen auf, wenn sie zu stürzen drohen. So liebevoll trägt Gott sein Volk. So hat er sie gerettet und begleitet und an den Sinai geführt.

Ihr sollt mein Eigentum sein unter allen Völkern.  Es heißt eigentlich nicht „Eigentum“, sondern es geht um den besonderen Besitz des Königs, die Kronjuwelen, den Schatz, den der König niemals weggeben würde. Wie klingt es, wenn jemand mich sein Juwel, seinen Schatz nennt? Das ist eine Liebeserklärung. Israel ist Gottes Schatz und Kronjuwel, auserwählt und geliebt.

Ihr seid mein Juwel unter allen Völkern. Mir gehört die ganze Erde. Israel hat eine Sonderrolle. Doch das ganz Besondere ist Israel nicht nur für sich selbst. Im gleichen Atemzug betont Gott: Mir gehört die ganze Erde. Alle Völker, alle Länder gehören Gott. Wie man den König an seiner mit Juwelen besetzten Krone erkennt, so sollen alle Gott durch sein Volk erkennen. Ein Volk von Priestern, ein heiliges Volk sollen sie sein, wie Priester zu Gott hinführen.

Israel hat für uns und uns zugute die besondere und enge Beziehung zu Gott. Wir lesen die Bibel, das AT als Wort Gottes an uns. Wir identifizieren uns mit Sara und Abraham, Jakob, Mose. Aber für Juden ist das doch noch näher, ihre eigene Geschichte. Wir Christen sind durch Jesus in die Geschichte Israels hineingenommen.

Das Volk steht jetzt also an dem Ort, wo Mose den Dornbusch brennen sah und Gottes Stimme hörte. Wo ist der Berg Sinai?  Wir wissen es nicht.

Israel soll so hören, als stünde es jetzt gerade vor Gott, wo auch immer sie sind. Hören, wirklich hören sollt ihr, zu Herzen nehmen, was Gott sagt, seine Liebeserklärung, seinen Auftrag: Ihr seid mein Juwel unter allen Völkern. Mir gehört die ganze Erde. Ihr sollt für mich ein Volk von Priestern sein und ein heiliges Volk.

Dann folgen die Gebote: Du sollst keine anderen Götter haben. Du sollst nicht töten, die Wahrheit sagen, in allem, was du tust, Gott und deinen Mitmenschen achten.

 

Kennen Sie das Musical Anatevka oder „Fiddler on the Roof“? Arme ukrainische Juden werden am Ende in einem Pogrom aus ihrem Dorf vertrieben. Tewje, der Milchmann betet:    „Gütiger Herr, es war nett von dir, uns Juden zum auserwählten Volk zu machen. Aber so, wie die Dinge laufen, wäre es da nicht möglich, dass du hin und wieder mal ein anderes Volk auserwählst, ich meine, nur so zur Abwechslung …“

Immer wieder wurden die Juden vertrieben, deportiert, unterdrückt, verfolgt. Das auserwählte Volk hat eine beispiellose Leidensgeschichte bis hin zur Vernichtung von Millionen Juden durch uns Deutsche. Immer wieder haben Christen zum Hass auf Juden beigetragen.

Es heute gibt wieder ein Land der Juden – trotz der schrecklichen ungelösten Konflikte: das ist wunderbar! Auch hier in Deutschland leben nach dem millionenfachen Morden wieder Juden. Sie setzen die 1700 jährige Geschichte der Juden in Deutschland fort – wunderbar! Wenn wir dagegen hören, dass Juden heute bei uns Hass und Hetze und Gewalt erleben, ist das unerträglich.

Gott sei Dank gibt es die Juden!

Hätte Gott sein Volk nicht auf Adlerflügeln gerettet – es gäbe auch uns nicht, wir säßen heute nicht hier. Gott trägt sein Volk, wie ein Adler seine Jungen, damit sie fliegen lernen, damit sie frei und stark sind. Gott trägt sein Volk, sein geliebtes Juwel. Und auch wir sollen fliegen lernen, frei und stark im Glauben an den einen Gott.

Erheben wir uns über den Neid und den Hass,

über Verdrehen der Wahrheit, über Habgier!

Hören wir, hören wir wirklich auf Gott!

Lobe den Herren, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, lobe den Herren mit Abrahams Samen, loben wir Gott mit seinem Volk, seinem Juwel. Amen

 

317,1+2+5 Lobe den Herren

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?

Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen. Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lob ihn in Ewigkeit! Amen.

 

Ein Glaubensbekenntnis aus der Evangelischen

Kirche von Kurhessen-Waldeck

Wir glauben an den einen Gott,

der Himmel und Erde geschaffen hat

und uns Menschen zu seinem Bild.

Er hat Israel erwählt, ihm die Gebote gegeben

und seinen Bund aufgerichtet

zum Segen für alle Völker.

Wir glauben an Jesus von Nazareth,

den Nachkommen Davids, den Sohn der Maria,

den Christus Gottes.

Mit ihm kam Gottes Liebe zu allen Menschen,

heilsam, tröstlich und herausfordernd.

Er wurde gekreuzigt unter Pontius Pilatus,

aber Gott hat ihn auferweckt

nach seiner Verheißung,

uns zur Rettung und zum Heil.

Wir glauben an den Heiligen Geist,

der in Worten und Zeichen an uns wirkt.

Er führt uns zusammen aus allen Völkern,

befreit von Schuld und Sünde,

berufen zum Leben

in Gerechtigkeit und Frieden.

Mit der ganzen Schöpfung hoffen wir

auf das Kommen des Reiches Gottes. Amen

Gebet

Gott des Himmels und der Erde,

Du hast Israel erwählt als Dein geliebtes Volk,

hast Dich gebunden an dieses Volk,

dem auch unser Herr, Jesus Christus, angehört.

In ihm hast Du uns in Deinen Bund und Segen

hineingenommen.

 

Wir bekennen die Schuld der Kirche

an unseren jüdischen Brüdern und Schwestern.

Wir bitten dich: Gib uns Versöhnung

und schenke uns Deinen Heiligen Geist,

der uns lehrt und leitet auf einem gemeinsamen Weg.

 

Bewahre die Menschen in aller Welt

vor Diskriminierung, Rassismus und Gewalttat.

Schenke dem Land Israel und seinen Nachbarn

dauerhaften Frieden, der allen Raum zum Leben gibt, Juden, Christen und Muslimen.

Setze allen Verhärtungen, allem Hass ein Ende.

Gib Weisheit und Verstand,

aufrichtiges Mühen um Zusammenarbeit.

 

Und gib uns Kraft, Einsicht und Mut,

dass wir beitragen zur Bewahrung der Erde

und zur Stärkung des Friedens.

Barmherziger und gerechter Gott,

wir hoffen auf dich und loben dich.

Du Gott Abrahams und Saras, du Vater Jesu Christi, du bist unser Gott, du bist Gott allein.

Wir danken dir, denn du bist freundlich

und deine Güte währet ewiglich.

 

Vaterunser

 

171 Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns auf unsern Wegen.

Sei Quelle und Brot in Wüstennot,

sei um uns mit deinem Segen,

sei Quelle und Brot in Wüstennot,

sei um uns mit deinem Segen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns in allem Leiden.

Voll Wärme und Licht im Angesicht,

sei nahe in schweren Zeiten,

voll Wärme und Licht im Angesicht,

sei nahe in schweren Zeiten.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns vor allem Bösen.

Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,

sei in uns, uns zu erlösen,

sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,

sei in uns, uns zu erlösen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns durch deinen Segen.

Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen,

dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen.

 

Segen

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Gottesdienst für den 1.8., Matth 7,24-27

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 449 Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen

ein herzerquickendes, liebliches Licht.

Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;

aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,

schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

 

Abend und Morgen sind seine Sorgen;

segnen und mehren, Unglück verwehren

sind seine Werke und Taten allein.

Wenn wir uns legen, so ist er zugegen;

wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen

über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

 

Alles vergehet, Gott aber stehet

ohn alles Wanken; seine Gedanken,

sein Wort und Wille hat ewigen Grund.

Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen, halten uns zeitlich und ewig gesund.

 

Psalm 63

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir,

mein Leib verlangt nach dir

aus trockenem, dürrem Land,

wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

Denn deine Güte ist besser als Leben;

meine Lippen preisen dich.

So will ich dich loben mein Leben lang

und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

wenn ich dich mit fröhlichem Munde

loben kann;

wenn ich mich zu Bette lege,

so denke ich an dich,

wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Denn du bist mein Helfer,

und unter dem Schatten deiner

Flügel frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir;

deine rechte Hand hält mich.

 

Ehr sei dem Vater

 

Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir, Gott. Nach Ruhe für unser Herz sehnen wir uns,

nach Bestätigung und Gewissheit, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wenn dein Wort bei uns ist, finden wir in der Fremde unseren Weg, in Ungewissheit Halt, in Sorge und Angst Ruhe in dir, Gott. Amen

 

Predigt

Die Bilder der Unwetterkatastrophe vor zweiein-halb Wochen haben wir vor Augen. Wir sind  schockiert. Aus kleinen Bächen werden reißende Ströme. Häuser stürzen ein. Menschen verlieren ihr Zuhause und noch viel mehr: ihre Lebens-grundlage, ihr Vertrauen, ihren Lebensmut. Wir denken an die vielen Opfer. Und nun bekommen wir für heute als Predigttext das Gleichnis Jesu am Ende der Bergpredigt. Hören Sie, Mt 7,24-27, Jesus sagt:

Jeder, der meine Worte hört und danach handelt, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es nicht ein;    es ist auf felsigen Grund gebaut.

Jeder aber, der meine Worte hört und nicht danach handelt, gleicht einem törichten Mann,   der sein Haus auf sandigen Boden baut.        Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus herein-bricht, stürzt es ein und wird völlig zerstört.

Natürlich denken wir an das, was gerade passiert ist. Die Katastrophe ist nicht irgendwo, weit weg, sie ist ganz in unserer Nähe geschehen. Ich frage mich: „Wie sicher ist mein Zuhause? Kann das auch uns treffen? Was müssen wir tun?“

Man sagt uns Deutschen eine Vollkaskomentalität nach. Wir sind versichert gegen jede Gefahr.

Wer einmal gebaut hat, kennt den Wust an Vorschriften für die Sicherheit und den Schutz von Gebäuden. Und trotzdem ist die Katastrophe geschehen.

 

Jesus ist Handwerker wie sein Vater. Er kennt sich aus mit dem Bau von Häusern. Was er sagt, leuchtet ein. Das Fundament muss fest sein und auf tragfähigem Grund gelegt. Sonst stürzt das Haus bei Sturm und Starkregen ein.

So dumm wird doch niemand sein auf Sand zu bauen, oder?

Jesus ist auch Lehrer. Er kennt sich aus mit der Thora, der hebräischen Bibel. Er legt sie in seiner Rede auf dem Berg aus: Liebt eure Feinde! Vergebt einander! Schlagt nicht zurück! Urteilt nicht über andere! Selig sind die Friedensstifter, die Armen, die Trauernden, die Unrecht leiden. Die Rede Jesu fordert Menschen heraus, damals und heute. Wer meine Worte hört und danach handelt, gleicht einem klugen Menschen.

Jesus fragt: „Worauf baust du? Was gibt deinem Leben Halt? Was ist dein Trost im Leben und sogar im Sterben? Bist du bereit zu hören und auch zu handeln?“

 

Ein guter Grund, ein festes Fundament und das Haus steht sicher. Das klingt so einfach und klar.

Aber ich bezweifle, dass alles klar und einfach ist.

Wenn schon vermeintlich sichere Häuser Risse von Sturzbächen bekommen können und von den Wassermassen unterspült werden, wie sicher ist dann unser, mein Lebenshaus?

Das Leben kann Risse bekommen: Wenn ein Kind stirbt, wenn jemand betrogen und verlassen wird, wenn seelische Krankheit einen Menschen verstört, wenn man sein Zuhause verliert, immer dann, wenn unser Leben zentral angegriffen ist.  In solchen Situationen kann auch der Glaube ins Rutschen geraten.

Fragwürdig ist auch unser Hören und Handeln. Wir wollen Gutes tun und doch scheitern wir oft, sind hart, selbstsüchtig, rechthaberisch, verlet-zend, nachtragend. Wir merken es vielleicht nicht einmal oder fühlen uns im Recht. Von dem, was Jesus sagt, bin ich weit entfernt.

Ich bin nicht sicher vor Unglück und Leid.

Ich bin nicht sicher vor meinen Fehlern, Sünden.

Worauf soll ich bauen? Eines bleibt.

Eines bleibt, auch wenn ich alles verliere.

Eines bleibt, auch wenn ich versage

und falsch lebe. Gottes Ja zu mir bleibt.

Gottes Liebe zu mir bleibt.

Sie ist der Grund, das Fundament für mein Leben. Darum hängt alles daran, wer da zu uns redet: Jesus, die Mensch gewordene Liebe Gottes. Er legt den Grund unseres Lebens.

Er trägt mit uns, wenn das Lebenshaus Risse bekommt und stürzt.

Er trägt auch Scheitern und Schuld für uns.

Wir gehören zu ihm.

Jesus ist da, auch wenn Häuser einstürzen.

Er nennt die Leidtragenden und Trauernden selig, glücklich, weil er zu ihnen hält.

Und er sagt: Selig die Barmherzigen und die Friedensstifter, denn er selbst schenkt Barm-herzigkeit und Frieden.

Wir hören auf ihn. Wir vertrauen ihm, mehr als allen vermeintlichen Sicherheiten und mehr als unserer eigenen vermeintlichen Güte.

Und auf diesem Fundament: Versuchen wir es doch, auf Jesus zu hören und ihm zu folgen.

Leben wir Gewaltlosigkeit, Achtung vor jedem Menschen, Frieden. Verzichten wir darauf zu urteilen, andere schlecht zu machen. Legen wir unsere Sorge in Gottes Hand. Amen

 

Neue Lieder 190 Schenke mir Gott

Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz,

das seinen Ohren traut in dieser Welt. Refrain: Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt. Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt.

 

Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz,

das mir die Augen öffnet für die Welt.

Refrain

 

Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz,

das für den andern aufgeht jeden Tag.

Refrain

 

Gebet

Hab Dank für dein Wort. Du schenkst unserem Leben ein Fundament, auf das wir bauen können. Du bist bei uns in allem.

Wir denken an die Menschen, die noch immer mit den schlimmen Folgen der Flutkatastrophe zu kämpfen haben. Hilf ihnen mit den schlimmen Erlebnissen fertig zu werden, praktisch und auch seelisch. Schenke Zeichen der Hoffnung und der Solidarität.

Allen, auch bei uns, denen das Wasser bis zum Hals steht, sei Rettung in Not. Gib Halt und sei ein fester Grund für die, die den Boden unter den Füßen verlieren. Tröste die Traurigen und ermutige die Verzagten.

Wir wollen miteinander bauen an deinem Reich, wo dein Wille geschehe und alle Menschen zu ihrem Recht kommen und das bekommen, was sie brauchen.

Und für den Bau unseres Lebenshauses lass uns klug ans Werk gehen. Öffne unsere Ohren und unser Herz für dein Wort, damit wir es tun.

Vaterunser

 

Lied 503 Geh aus, mein Herz

Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben;

schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben,

sich ausgeschmücket haben.

 

Die Lerche schwingt sich in die Luft,

das Täublein fliegt aus seiner Kluft

und macht sich in die Wälder;

die hochbegabte Nachtigall

ergötzt und füllt mit ihrem Schall

Berg, Hügel, Tal und Felder,

Berg, Hügel, Tal und Felder.

 

Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.

 

Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe;

gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe,

viel Glaubensfrüchte ziehe.

 

Segen

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Konfirmation am 24.und 25.Juli

Am 24. und  25. Juli findet die diesjährige Konfirmation statt. 14 Jugendliche werden in drei Gottesdiensten konfirmiert.

Wegen der Corona-Beschränkungen können am Gottesdienst nur die Familien der Konfis teilnehmen. Wir bitten die übrige Gemeinde Gottesdienste in den Nachbargemeinden zu besuchen.

Schauen Sie gerne den Video-Gottesdienst der Konfis vom 16.6. an. Sie finden ihn in den Rubriken “Konfis” und “Hausgottesdienste”

Hausgodi 18.7. (aus Emmendingen)

7. S. n. Tri
18. Juli 2021

Pfrin. I. Leicht

 

Sie eine Kerze an. Vielleicht hören Sie ein Glockengeläut. Nach Möglichkeit beginnen Sie diese Feier mit festlicher Musik, z. B. von J. S. Bach oder von G. F. Händel.

 

[Zünden Sie eine Kerze an und schaffen Sie, evtl. durch das Hören eines Musikstücks, einen Rahmen, der zur Besinnung einlädt.]

w „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürgerinnen der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ (Eph 2,19). Mit diesem Wochenspruch ein herzliches Willkommen an diesem Sonntag. „Alle am Tisch“ – so lautet sein Motto. Der Tisch des göttlichen Wortes ist uns gedeckt in dieser Zeit des Hausgottesdienstes. Und auch der Frühstücks-, Mittags- und Abendbrottisch ist in der Regel für uns gedeckt. Wir sind eingeladen, zur Gemeinschaft berufen, wir gehören dazu – dafür ist der gedeckte Tisch ein Zeichen. Dem Sonntagsmotiv zufolge gilt dies allen Menschen!
Zu einer solchen Kultur der Gastfreundschaft können wir also auch selbst beitragen.
Im Namen des dreifaltigen Gottes, Urgrund allen Lebens, in Jesus dem Christus uns menschenfreundlich begegnend, in der Heiligen Geistkraft uns verbindend. Amen.

w Lied: Aus den Dörfern… (NL 2)

w Gebet nach Psalm 107
Du, Gott, bist freundlich und deine Güte währt für immer und ewig.
Aus allen Himmelsrichtungen versammelst Du Menschen um Deinen Tisch.
Du sättigst die durstigen Seelen und
füllst die Hungrigen mit Gutem.
So sind nun auch wir vor Dir:
dürstend nach Vertrauen und Liebe,
hungrig nach Anerkennung und Wertschätzung,
mit unserer je eigenen Sehnsucht. [Stille]
Schenke uns Spannkraft
und erfülle uns mit Deiner heiligen Geistkraft
in Jesu Namen. Amen.

w Predigttext: 1 Kön 17,1-16 (vgl. Basisbibel)

Elija, ein Tischbiter aus Tischbe in Gilead, kündigte Ahab an: „So gewiss der Ewige, der Gott Israels, lebt, in dessen Dienst ich stehe! Es wird in diesen Jahren weder Tau noch Regen geben – es sei denn, dass ich es befehle.“
Danach kam Gottes Wort zu Elija: „Geh weg von hier in Richtung Osten! Versteck dich am Bach Kerit, der in den Jordan fließt! Aus dem Bach kannst du trinken. Den Raben habe ich befohlen, dich dort zu versorgen.“
Da ging er los und tat, was Gott befohlen hatte. Er ging und setzte sich an den Bach Kerit, der in den Jordan fließt.
Morgens und abends brachten Raben ihm Brot und Fleisch. Trinken konnte er aus dem Bach. Aber nach einiger Zeit trocknete der Bach aus, denn es gab keinen Regen im Land.
Da kam Gottes Wort zu Elija: „Auf, geh nach Sarepta, das bei Sidon liegt! Bleib dort! Denn ich habe einer Witwe befohlen, dich dort zu versorgen.“
Da machte sich Elija nach Sarepta auf. Als er an das Stadttor kam, war dort eine Witwe, die Holz auflas. Elija sprach sie an und sagte:
„Hol mir doch bitte einen kleinen Krug mit Wasser. Ich möchte etwas trinken.“
Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: „Bring mir doch bitte auch ein Stück Brot mit.“ Da antwortete sie:
„So gewiss der Ewige, dein Gott, lebt! Ich habe überhaupt keine Vorräte mehr. Nur noch eine Handvoll Mehl ist im Krug und etwas Öl in der Kanne. Ich wollte gerade ein paar Hölzchen sammeln, wieder heimgehen und etwas aus den Resten backen. Mein Sohn und ich wollten noch einmal etwas essen und danach sterben.“
Da sprach Elija: „Fürchte dich nicht! Geh nur und tu, was du gesagt hast. Aber mach zuerst für mich ein kleines Brot und bring es zu mir heraus. Danach kannst du für dich und deinem Sohn etwas backen.
Denn so spricht der Ewige, der Gott Israels:
Der Mehlkrug wird nicht leer werden, und die Ölkanne wird nicht versiegen. Das wird so bleiben bis zu dem Tag, an dem Gott wieder Regen schenkt und es auf den Ackerboden regnen wird.“
Sie ging los und tat, was Elija gesagt hatte. Und tatsächlich hatten sie alle drei zu essen: Elija, die Frau und ihr Sohn, Tag für Tag. Der Mehlkrug wurde nicht leer und die Ölkanne versiegte nicht. So hatte es Gott durch Elija gesagt.

w Impuls: Liebe Leserin, lieber Leser,

Unmittelbar vor diesem Bibeltext erfahren wir von den Untaten des Königs Ahab und nun betritt er die Bühne: Elia. Sein Name: „Mein Gott ist JHWH.“ Er wird mit nur sehr wenigen Worten vorgestellt. Und dann fängt er gleich zu reden an. Diese ersten Sätze weisen ihn aus: ein Prophet, Gott zu Diensten, mit der Drohbotschaft einer umfassenden Dürre im Gepäck und damit Ahabs Gott Baal, einen mächtigen Wettergott, Lügen strafend. Bis ans Ende wird Elia sich treu bleiben, eine schillernde Persönlichkeit, voller Eifer für seinen Gott, streitbar, feurig und bisweilen ausgebrannt.
Im heutigen Text geht es um Nahrung, Lebens-Mittel im wahrsten Sinn. Der Bach Kerit liefert dem Fliehenden das notwendige Wasser. Raben bringen Brot und Fleisch. Wie schön, dass sie hier zu Ehren kommen! Wird doch ansonsten oft Negatives mit ihnen assoziiert. Weil sie Aas fressen, gelten sie als unrein. Ihre schwarze Farbe lässt sie furchterregend erscheinen. Und das Schimpfwort Rabeneltern steht in diametralem Gegensatz zu der Fürsorglichkeit, die sie Elia erweisen.
Nach der einsetzenden Dürre flieht Elia weiter. In Sidon ist er als Fremder und Verfolgter in einer lebensgefährlichen Lage. Eine arme Witwe solidarisiert sich mit ihm. Sie ist selbst in höchsten Nöten. Ihr Sohn ist zu jung, um sie zu unterstützen. Fast alle ihre Reserven sind aufgebraucht, abgesehen von einer Handvoll Mehl und ein paar Tropfen Öl. Mit diesen will sie ein letztes Brot backen und danach sterben. Elia bittet darum, sie möge zuerst ihm etwas geben und danach selbst essen. Gott spricht aus ihm, dem Propheten. Und dieser Gott verlangt für sich die Erstlingsfrüchte (vgl. zur rituellen Übergabe der Erstlinge 5. Mose 26). Indem die Witwe gehorcht, bringt sie zum Ausdruck, Elias Gott anzuerkennen und damit die Herrschaft Baals zurückzuweisen. Dieser Akt der Solidarität und des Gehorsams wird zur Rettung auch für sie. Ab jetzt reichen die Lebensmittel.
Gott wird auch weiterhin als nährend erscheinen, im Blick auf Elia nochmals besonders eindrücklich, als dieser sich nach der grässlichen Ermordung der Baalspriester lebensmüde und erschöpft zum Sterben unter einen Wachholder legt und zweimal von einem Engel Gottes berührt wird mit den Worten: „Steh auf und iss.“ (1 Kön 19,5 und 7) und dann mit Wasser und Brot gestärkt wird für eine 40tägige Wanderung durch die Wüste.
Unschwer erkennen wir, wie Jesus all das weiterführt. In Gottes Namen versammelt er Menschen an seinem Tisch, macht alle satt und bietet sich selbst als Grundnahrung an. All unser Hunger und Durst soll gestillt werden. Und in der Nachfolge Jesu sind wir dazu berufen, es ihm gleich zu tun und andere an Leib und Seele zu nähren und für das Nachnähren derer zu sorgen, die oft von klein auf zu wenig abbekommen haben an Lebens-Mitteln (dazu gehören neben dem Materiellen auch Liebe, Freundlichkeit, Trost).
Setzen wir Gott an die erste Stelle des Lebens. Dann wird genügend da sein und es wird reichen, für uns und für alle. Amen

w Gebet und Stille im Wechsel mit Strophen von EG 418: „Brich dem Hungrigen dein Brot“

  1. Brich dem Hungrigen dein Brot. Die im Elend wandern, führe in dein Haus hinein; trag die Last der andern.

stilles Gebet für die Hungrigen und Elenden

  1. Brich dem Hungrigen dein Brot; du hast’s auch empfangen. Denen, die in Angst und Not, stille Angst und Bangen.

stilles Gebet für Menschen in Angst und Not

  1. Der da ist des Lebens Brot, will sich täglich geben, tritt hinein in unsre Not, wird des Lebens Leben.

Vaterunser beten

  1. Dank sei dir, Herr Jesu Christ, dass wir dich noch haben und dass du gekommen bist, Leib und Seel zu laben.

Stille für ein Dankgebet

  1. Brich uns Hungrigen dein Brot, Sündern wie den Frommen, und hilf, dass an deinen Tisch wir einst alle kommen.

w Segen
Gott stillt dich in deinem Lebensdurst.
Gott stärkt dich in deinem Hunger nach Gerechtigkeit.
Gott nährt dich in Deinem Mangel.
Gott ermächtigt dich zum Teilen.
Gott segnet dich und erfüllt dich immer neu mit seiner Liebe. Amen.

Lied: Wohl denen, die da wandeln (EG 295)

[Halten Sie noch einen Augenblick inne und löschen Sie dann die Kerze.]

 

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen Pfarrerin Dr. Irene Leicht.
Stadtkirchengemeinde Emmendingen, im Juli 2021

Hausgottesdienst 11.7.

Gottesdienst zum 11.Juli, Tauferinnerung

Richten Sie für die Tauferinnerung ein Schälchen mit Wasser.

Zünden Sie eine Kerze an.

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

441,1-3 Du höchstes Licht, du ewger Schein

Du höchstes Licht, du ewger Schein,

du Gott und treuer Herre mein,

von dir der Gnaden Glanz ausgeht

und leuchtet schön so früh wie spät.

 

Das ist der Herre Jesus Christ,

der ja die göttlich Wahrheit ist,

mit seiner Lehr hell scheint und leucht’,

bis er die Herzen zu sich zeucht.

 

Er ist das Licht der ganzen Welt,

das jedem klar vor Augen stellt

den hellen, schönen, lichten Tag,

an dem er selig werden mag.

 

Ps 139

Herr, du erforschest mich

und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, Herr, nicht alles wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu

hoch,    ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,

und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da;

bettete ich mich bei den Toten, siehe,

so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte

und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen

und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein –,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,

und die Nacht leuchtete wie der Tag.

Finsternis ist wie das Licht. Amen

 

Gebet

Auf dem Weg des Lebens leite uns, guter Gott.

Manchmal sehen wir nur die Probleme, die vor uns liegen, riesengroß. Wir wissen nicht, was kommt. Wir sind unsicher, ängstlich. Aber du bist immer bei uns.

Auf dem Weg des Lebens leite uns, guter Gott.

Es ist gut, dass wir Freunde haben, Menschen, die zu uns halten. Wir lachen miteinander.

Gib uns auch gute Freunde, wenn wir traurig sind.

Du bist da, Gott. Du sagst uns zu: Fürchte dich nicht. Ich habe dich erlöst. Du rufst uns mit Namen. Wir sind dein. Amen

 

Neue Lieder 11 Christus, dein Licht

Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,  lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.

Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde,

und du sagst uns, auch ihr seid das Licht.

 

Predigt

„Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,  lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.“ Wir leben im Licht, liebe Gemeinde.

Wir haben die Osterkerze angezündet.

Wir leben von Ostern her. Wir sind getauft und gehören zu Jesus. Wir leben im Licht, weil Jesus auferstanden ist.

Der erste Blick fällt in unserer Kirche auf Jesus am Kreuz, ein Mensch am Ende, nicht ein strahlender Sieger. Gott lässt sich ein auf das Dunkel. Jesus kommt in das Dunkel der Welt. Selbst wenn wir ganz unten sind, ist er bei uns.

Hören wir den Predigttext, die letzten Verse  des Matthäusevangeliums. Der auferstande-ne Jesus spricht zu seinen Jüngern und zu uns.

 

Mt 28,10+16-20

Da sagt Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht!

Geht und sagt meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen sollen, dort werden sie mich sehen. … Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, auf den Berg, wohin Jesus sie befohlen hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich nieder; einige aber zweifelten.

Und Jesus trat zu ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Völker zu Jüngern: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

 

Jesus ist seinen Jüngern nahe wie der beste Freund. Er hält zu ihnen. Er hört ihnen zu und versteht. Zugleich spüren sie: Jesus ist von Gott.  Er ist heilig und mächtig wie Gott. Da ist Gott bei uns, Gottes Sohn. Darum knien sie nieder.

einige aber zweifelten

Jesus schickt die Zweifelnden nicht fort und das Evangelium verschweigt sie nicht. Seine Jünger sind nicht ein Kreis von ganz tollen Leuten.

In der Gemeinschaft der Glaubenden dürfen unsere Fragen und Zweifel sein.

Zu Jesus gehören wir mit unserem unfertigen, oft schwachen Glauben.

Der große Martin Luther betete: „Herr, ich bin ein leeres Gefäß, das bedarf sehr, dass man es fülle. Mein Herr, fülle es. Ich bin schwach im Glauben; stärke mich. Ich bin kalt in der Liebe; wärme mich und mache mich heiß, dass meine Liebe heraus-fließe auf meinen Nächsten. Ich habe keinen festen, starken Glauben und zweifle zuzeiten und kann dir nicht vertrauen. Ach Herr, hilf mir, mehre meinen Glauben und das Vertrauen. Lehre mich hören. Alles, was ich habe, ist in dir beschlossen.“

Als Luther verzweifelt war, hat er mit Kreide vor sich auf den Tisch geschrieben: „Ich bin getauft.“

Er hat sich an dem Versprechen der Taufe festgehalten wie an einem Rettungsring.

Unser Glaube ist nicht frei von Zweifeln, aber die Taufe trägt uns.

Wir taufen Erwachsene, aber vor allem kleine Kinder. Kleine Babys können nicht sagen: Ich will getauft werden. Die Taufe trägt uns, nicht weil wir uns für Gott entscheiden, sondern weil Gott uns sein Versprechen gibt.

Gott sagt Ja zu uns. Wir gehören zu ihm.

Er lässt uns nicht los.

Jesus gibt allen, auch den Zweifelnden, seine Zusage und seinen Auftrag. Gerade die, die nicht fertig sind, die sich nicht zufrieden geben, die um ihre eigene Schwäche wissen, gerade sie sollen seine Jünger sein.

Fürchtet euch nicht!“ sagt Jesus, als er den Jüngern wieder begegnet. Sie erschrecken.

Sie haben noch seinen Tod noch vor Augen.

Alles war aus. Und nun steht er vor ihnen.

Er lebt.

Wir Christen sind Protestleute gegen den Tod. Wir gehören zu Jesus. Wir leben von Ostern her. Darum protestieren wir gegen alle Todesmacht.

Vielleicht klingt das seltsam für uns.

Vielleicht zweifeln wir zuweilen oder

verzweifeln sogar an unserer Schwäche.

Vielleicht haben wir Angst vor manchen

Mächten und auch vor dem Tod.

Und doch schickt Jesus uns auf den Weg:

Geht zu allen Menschen. Erzählt von mir.

Macht sie zu Jüngern. Tauft sie und lehrt sie.“

Wir sollen lehren, Lehrer sein für andere, zum Beispiel für unsere Kinder und Patenkinder.

Die wichtigsten Lehrer sind nicht gelehrte Professoren, sondern Menschen, die mir Glauben vorleben, Menschen, die Leid erfahren haben und dennoch zuversichtlich sind, Menschen, die ihre eigene Schwäche kennen und alles von Gott erwarten.

 

Ganz am Schluss gibt Jesus ein Versprechen: „ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Jesus bleibt bei uns und wir bleiben die Seinen, was auch kommt. Bis zum Ende der Welt und bis zum Ende unseres Lebens ist er da.

Dieser Schluss des Evangeliums ist zum Sprichwort geworden. Ist bei jemand „Matthäi am Letzten“, dann ist alles aus. Am Ende gibt es die Rechnung, das Zeugnis, das Urteil.

Bedrohlich klingt es, wenn „Matthäi am Letzten“ ist. Das Evangelium wurde zu einer Drohbotschaft gemacht. Wehe, wenn Matthäi am Letzten ist!

Aber so schauen wir nicht auf das Ende der Welt. Weil Jesus alle Tage bei uns ist, hat auch das Ende seinen Schrecken verloren.

Wir werden wohl unser Leben sehen, vieles, was wir falsch gemacht haben und nicht wieder gut machen können. Wir können nicht auf den Reset-Knopf drücken.

Aber auch dann wird Jesus bei uns sein.

Auch dann wird er sagen: „Du gehörst zu mir

und ich stehe für dich ein.“

Wir müssen und können unser Leben nicht selbst rechtfertigen. Wir sind alles andere als perfekt. Und doch sendet Jesus uns als seine Jüngerinnen und Jünger.

Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde,

und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.“

Amen

 

Neue Lieder 158  Ich sage Ja

Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf.

Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf,

zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt,

und der auch mich in seinen Händen hält.

 

Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt

und aus dem Tod zum Leben auferstand

und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist

für uns zum Freund und Bruder worden ist

 

Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist,

zum Weg der Liebe, den er uns verheißt,

zu wagen Frieden und Gerechtigkeit

in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

 

Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot,

Wegzehrung. Zeichen, Zuspruch in der Not.

Ich sage Ja und Amen, weil gewiss:

Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

 

Tauferinnerung (zuhause können Sie ein Schälchen mit Wasser aufstellen – tunken Sie bei jedem Spruch ihre Finger ein – wenn Sie möchten, bekreuzigen Sie sich):

 

Wir gießen ein: das Wasser, aus dem alles Leben stammt, und erinnern uns: Gott hat uns das Leben geschenkt.

 

Wir gießen ein: das Wasser, das unseren Durst löscht, und erinnern uns: Gott gibt uns zum Leben, was wir brauchen.

 

Wir gießen ein: das Wasser, das im Unwetter Not und Verderben bringt und erinnern uns: Gott ist mit uns in allen Stürmen des Lebens.

 

Wir gießen ein: das Wasser, das reinigt und sauber macht und erinnern uns: Gott schenkt uns in all unserem Versagen wieder einen Neuanfang.

 

Wir gießen ein: das Wasser, das aus vielen Tropfen besteht, und erinnern uns: Gott hat uns hineingestellt in eine große Gemeinschaft.

 

Wir sind getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Gebet

Wir danken dir Gott. Du sagst Ja zu uns.

Deine Kinder sind und bleiben wir.

Vor allem anderen gilt dein Ja.

Wir danken dir für unsere Taufe.

Stärke unseren Glauben, Heiliger Geist,

in Zweifel, in Angst, wenn Sorgen uns belasten,

wenn wir nicht weiter wissen.

Sei bei uns, Jesus, wie du zugesagt hast.

Lass uns erfahren: Du bist da.

 

Wir bitten dich für die Gemeinschaft der Getauften, unsere Gemeinde und alle Christinnen und Christen.

Was du uns gesagt hast, wollen wir weitersagen,

dein gutes Wort, das uns einen Weg zeigt und uns aufrichtet.

Wir bitten für unsere Stadt, für die Menschen, die hier leben und arbeiten. Um Frieden, um Gemeinschaft, um Bewahrung bitten wir. Für die Bedrückten, für die Einsamen, für die Kranken und Sterbenden bitten wir.

Nimm dich unser aller an, du Gott des Lebens.

 

Vaterunser

321 Nun danket alle Gott

 

Nun danket alle Gott

mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zugut

bis hierher hat getan.

 

Der ewigreiche Gott

woll’ uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz

und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad

erhalten fort und fort

und uns aus aller Not

erlösen hier und dort.

 

Lob, Ehr und Preis sei Gott

dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist

im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein’gen Gott,

wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird

so jetzt und immerdar

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen