Alle Beiträge von Andreas Hansen

Pfarrer in Kenzingen seit Mai 2012, vorher als Pfarrer in Waldshut (1997-2012) und Riegel (1990-1997), verheiratet, drei erwachsene Kinder, Jahrgang 1960

Gottesdienst für den 1.8., Matth 7,24-27

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 449 Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen

ein herzerquickendes, liebliches Licht.

Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;

aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,

schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

 

Abend und Morgen sind seine Sorgen;

segnen und mehren, Unglück verwehren

sind seine Werke und Taten allein.

Wenn wir uns legen, so ist er zugegen;

wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen

über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

 

Alles vergehet, Gott aber stehet

ohn alles Wanken; seine Gedanken,

sein Wort und Wille hat ewigen Grund.

Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen, halten uns zeitlich und ewig gesund.

 

Psalm 63

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir,

mein Leib verlangt nach dir

aus trockenem, dürrem Land,

wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

Denn deine Güte ist besser als Leben;

meine Lippen preisen dich.

So will ich dich loben mein Leben lang

und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

wenn ich dich mit fröhlichem Munde

loben kann;

wenn ich mich zu Bette lege,

so denke ich an dich,

wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Denn du bist mein Helfer,

und unter dem Schatten deiner

Flügel frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir;

deine rechte Hand hält mich.

 

Ehr sei dem Vater

 

Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir, Gott. Nach Ruhe für unser Herz sehnen wir uns,

nach Bestätigung und Gewissheit, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wenn dein Wort bei uns ist, finden wir in der Fremde unseren Weg, in Ungewissheit Halt, in Sorge und Angst Ruhe in dir, Gott. Amen

 

Predigt

Die Bilder der Unwetterkatastrophe vor zweiein-halb Wochen haben wir vor Augen. Wir sind  schockiert. Aus kleinen Bächen werden reißende Ströme. Häuser stürzen ein. Menschen verlieren ihr Zuhause und noch viel mehr: ihre Lebens-grundlage, ihr Vertrauen, ihren Lebensmut. Wir denken an die vielen Opfer. Und nun bekommen wir für heute als Predigttext das Gleichnis Jesu am Ende der Bergpredigt. Hören Sie, Mt 7,24-27, Jesus sagt:

Jeder, der meine Worte hört und danach handelt, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es nicht ein;    es ist auf felsigen Grund gebaut.

Jeder aber, der meine Worte hört und nicht danach handelt, gleicht einem törichten Mann,   der sein Haus auf sandigen Boden baut.        Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus herein-bricht, stürzt es ein und wird völlig zerstört.

Natürlich denken wir an das, was gerade passiert ist. Die Katastrophe ist nicht irgendwo, weit weg, sie ist ganz in unserer Nähe geschehen. Ich frage mich: „Wie sicher ist mein Zuhause? Kann das auch uns treffen? Was müssen wir tun?“

Man sagt uns Deutschen eine Vollkaskomentalität nach. Wir sind versichert gegen jede Gefahr.

Wer einmal gebaut hat, kennt den Wust an Vorschriften für die Sicherheit und den Schutz von Gebäuden. Und trotzdem ist die Katastrophe geschehen.

 

Jesus ist Handwerker wie sein Vater. Er kennt sich aus mit dem Bau von Häusern. Was er sagt, leuchtet ein. Das Fundament muss fest sein und auf tragfähigem Grund gelegt. Sonst stürzt das Haus bei Sturm und Starkregen ein.

So dumm wird doch niemand sein auf Sand zu bauen, oder?

Jesus ist auch Lehrer. Er kennt sich aus mit der Thora, der hebräischen Bibel. Er legt sie in seiner Rede auf dem Berg aus: Liebt eure Feinde! Vergebt einander! Schlagt nicht zurück! Urteilt nicht über andere! Selig sind die Friedensstifter, die Armen, die Trauernden, die Unrecht leiden. Die Rede Jesu fordert Menschen heraus, damals und heute. Wer meine Worte hört und danach handelt, gleicht einem klugen Menschen.

Jesus fragt: „Worauf baust du? Was gibt deinem Leben Halt? Was ist dein Trost im Leben und sogar im Sterben? Bist du bereit zu hören und auch zu handeln?“

 

Ein guter Grund, ein festes Fundament und das Haus steht sicher. Das klingt so einfach und klar.

Aber ich bezweifle, dass alles klar und einfach ist.

Wenn schon vermeintlich sichere Häuser Risse von Sturzbächen bekommen können und von den Wassermassen unterspült werden, wie sicher ist dann unser, mein Lebenshaus?

Das Leben kann Risse bekommen: Wenn ein Kind stirbt, wenn jemand betrogen und verlassen wird, wenn seelische Krankheit einen Menschen verstört, wenn man sein Zuhause verliert, immer dann, wenn unser Leben zentral angegriffen ist.  In solchen Situationen kann auch der Glaube ins Rutschen geraten.

Fragwürdig ist auch unser Hören und Handeln. Wir wollen Gutes tun und doch scheitern wir oft, sind hart, selbstsüchtig, rechthaberisch, verlet-zend, nachtragend. Wir merken es vielleicht nicht einmal oder fühlen uns im Recht. Von dem, was Jesus sagt, bin ich weit entfernt.

Ich bin nicht sicher vor Unglück und Leid.

Ich bin nicht sicher vor meinen Fehlern, Sünden.

Worauf soll ich bauen? Eines bleibt.

Eines bleibt, auch wenn ich alles verliere.

Eines bleibt, auch wenn ich versage

und falsch lebe. Gottes Ja zu mir bleibt.

Gottes Liebe zu mir bleibt.

Sie ist der Grund, das Fundament für mein Leben. Darum hängt alles daran, wer da zu uns redet: Jesus, die Mensch gewordene Liebe Gottes. Er legt den Grund unseres Lebens.

Er trägt mit uns, wenn das Lebenshaus Risse bekommt und stürzt.

Er trägt auch Scheitern und Schuld für uns.

Wir gehören zu ihm.

Jesus ist da, auch wenn Häuser einstürzen.

Er nennt die Leidtragenden und Trauernden selig, glücklich, weil er zu ihnen hält.

Und er sagt: Selig die Barmherzigen und die Friedensstifter, denn er selbst schenkt Barm-herzigkeit und Frieden.

Wir hören auf ihn. Wir vertrauen ihm, mehr als allen vermeintlichen Sicherheiten und mehr als unserer eigenen vermeintlichen Güte.

Und auf diesem Fundament: Versuchen wir es doch, auf Jesus zu hören und ihm zu folgen.

Leben wir Gewaltlosigkeit, Achtung vor jedem Menschen, Frieden. Verzichten wir darauf zu urteilen, andere schlecht zu machen. Legen wir unsere Sorge in Gottes Hand. Amen

 

Neue Lieder 190 Schenke mir Gott

Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz,

das seinen Ohren traut in dieser Welt. Refrain: Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt. Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt.

 

Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz,

das mir die Augen öffnet für die Welt.

Refrain

 

Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz,

das für den andern aufgeht jeden Tag.

Refrain

 

Gebet

Hab Dank für dein Wort. Du schenkst unserem Leben ein Fundament, auf das wir bauen können. Du bist bei uns in allem.

Wir denken an die Menschen, die noch immer mit den schlimmen Folgen der Flutkatastrophe zu kämpfen haben. Hilf ihnen mit den schlimmen Erlebnissen fertig zu werden, praktisch und auch seelisch. Schenke Zeichen der Hoffnung und der Solidarität.

Allen, auch bei uns, denen das Wasser bis zum Hals steht, sei Rettung in Not. Gib Halt und sei ein fester Grund für die, die den Boden unter den Füßen verlieren. Tröste die Traurigen und ermutige die Verzagten.

Wir wollen miteinander bauen an deinem Reich, wo dein Wille geschehe und alle Menschen zu ihrem Recht kommen und das bekommen, was sie brauchen.

Und für den Bau unseres Lebenshauses lass uns klug ans Werk gehen. Öffne unsere Ohren und unser Herz für dein Wort, damit wir es tun.

Vaterunser

 

Lied 503 Geh aus, mein Herz

Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben;

schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben,

sich ausgeschmücket haben.

 

Die Lerche schwingt sich in die Luft,

das Täublein fliegt aus seiner Kluft

und macht sich in die Wälder;

die hochbegabte Nachtigall

ergötzt und füllt mit ihrem Schall

Berg, Hügel, Tal und Felder,

Berg, Hügel, Tal und Felder.

 

Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.

 

Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe;

gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe,

viel Glaubensfrüchte ziehe.

 

Segen

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Konfirmation am 24.und 25.Juli

Am 24. und  25. Juli findet die diesjährige Konfirmation statt. 14 Jugendliche werden in drei Gottesdiensten konfirmiert.

Wegen der Corona-Beschränkungen können am Gottesdienst nur die Familien der Konfis teilnehmen. Wir bitten die übrige Gemeinde Gottesdienste in den Nachbargemeinden zu besuchen.

Schauen Sie gerne den Video-Gottesdienst der Konfis vom 16.6. an. Sie finden ihn in den Rubriken “Konfis” und “Hausgottesdienste”

Hausgodi 18.7. (aus Emmendingen)

7. S. n. Tri
18. Juli 2021

Pfrin. I. Leicht

 

Sie eine Kerze an. Vielleicht hören Sie ein Glockengeläut. Nach Möglichkeit beginnen Sie diese Feier mit festlicher Musik, z. B. von J. S. Bach oder von G. F. Händel.

 

[Zünden Sie eine Kerze an und schaffen Sie, evtl. durch das Hören eines Musikstücks, einen Rahmen, der zur Besinnung einlädt.]

w „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürgerinnen der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ (Eph 2,19). Mit diesem Wochenspruch ein herzliches Willkommen an diesem Sonntag. „Alle am Tisch“ – so lautet sein Motto. Der Tisch des göttlichen Wortes ist uns gedeckt in dieser Zeit des Hausgottesdienstes. Und auch der Frühstücks-, Mittags- und Abendbrottisch ist in der Regel für uns gedeckt. Wir sind eingeladen, zur Gemeinschaft berufen, wir gehören dazu – dafür ist der gedeckte Tisch ein Zeichen. Dem Sonntagsmotiv zufolge gilt dies allen Menschen!
Zu einer solchen Kultur der Gastfreundschaft können wir also auch selbst beitragen.
Im Namen des dreifaltigen Gottes, Urgrund allen Lebens, in Jesus dem Christus uns menschenfreundlich begegnend, in der Heiligen Geistkraft uns verbindend. Amen.

w Lied: Aus den Dörfern… (NL 2)

w Gebet nach Psalm 107
Du, Gott, bist freundlich und deine Güte währt für immer und ewig.
Aus allen Himmelsrichtungen versammelst Du Menschen um Deinen Tisch.
Du sättigst die durstigen Seelen und
füllst die Hungrigen mit Gutem.
So sind nun auch wir vor Dir:
dürstend nach Vertrauen und Liebe,
hungrig nach Anerkennung und Wertschätzung,
mit unserer je eigenen Sehnsucht. [Stille]
Schenke uns Spannkraft
und erfülle uns mit Deiner heiligen Geistkraft
in Jesu Namen. Amen.

w Predigttext: 1 Kön 17,1-16 (vgl. Basisbibel)

Elija, ein Tischbiter aus Tischbe in Gilead, kündigte Ahab an: „So gewiss der Ewige, der Gott Israels, lebt, in dessen Dienst ich stehe! Es wird in diesen Jahren weder Tau noch Regen geben – es sei denn, dass ich es befehle.“
Danach kam Gottes Wort zu Elija: „Geh weg von hier in Richtung Osten! Versteck dich am Bach Kerit, der in den Jordan fließt! Aus dem Bach kannst du trinken. Den Raben habe ich befohlen, dich dort zu versorgen.“
Da ging er los und tat, was Gott befohlen hatte. Er ging und setzte sich an den Bach Kerit, der in den Jordan fließt.
Morgens und abends brachten Raben ihm Brot und Fleisch. Trinken konnte er aus dem Bach. Aber nach einiger Zeit trocknete der Bach aus, denn es gab keinen Regen im Land.
Da kam Gottes Wort zu Elija: „Auf, geh nach Sarepta, das bei Sidon liegt! Bleib dort! Denn ich habe einer Witwe befohlen, dich dort zu versorgen.“
Da machte sich Elija nach Sarepta auf. Als er an das Stadttor kam, war dort eine Witwe, die Holz auflas. Elija sprach sie an und sagte:
„Hol mir doch bitte einen kleinen Krug mit Wasser. Ich möchte etwas trinken.“
Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: „Bring mir doch bitte auch ein Stück Brot mit.“ Da antwortete sie:
„So gewiss der Ewige, dein Gott, lebt! Ich habe überhaupt keine Vorräte mehr. Nur noch eine Handvoll Mehl ist im Krug und etwas Öl in der Kanne. Ich wollte gerade ein paar Hölzchen sammeln, wieder heimgehen und etwas aus den Resten backen. Mein Sohn und ich wollten noch einmal etwas essen und danach sterben.“
Da sprach Elija: „Fürchte dich nicht! Geh nur und tu, was du gesagt hast. Aber mach zuerst für mich ein kleines Brot und bring es zu mir heraus. Danach kannst du für dich und deinem Sohn etwas backen.
Denn so spricht der Ewige, der Gott Israels:
Der Mehlkrug wird nicht leer werden, und die Ölkanne wird nicht versiegen. Das wird so bleiben bis zu dem Tag, an dem Gott wieder Regen schenkt und es auf den Ackerboden regnen wird.“
Sie ging los und tat, was Elija gesagt hatte. Und tatsächlich hatten sie alle drei zu essen: Elija, die Frau und ihr Sohn, Tag für Tag. Der Mehlkrug wurde nicht leer und die Ölkanne versiegte nicht. So hatte es Gott durch Elija gesagt.

w Impuls: Liebe Leserin, lieber Leser,

Unmittelbar vor diesem Bibeltext erfahren wir von den Untaten des Königs Ahab und nun betritt er die Bühne: Elia. Sein Name: „Mein Gott ist JHWH.“ Er wird mit nur sehr wenigen Worten vorgestellt. Und dann fängt er gleich zu reden an. Diese ersten Sätze weisen ihn aus: ein Prophet, Gott zu Diensten, mit der Drohbotschaft einer umfassenden Dürre im Gepäck und damit Ahabs Gott Baal, einen mächtigen Wettergott, Lügen strafend. Bis ans Ende wird Elia sich treu bleiben, eine schillernde Persönlichkeit, voller Eifer für seinen Gott, streitbar, feurig und bisweilen ausgebrannt.
Im heutigen Text geht es um Nahrung, Lebens-Mittel im wahrsten Sinn. Der Bach Kerit liefert dem Fliehenden das notwendige Wasser. Raben bringen Brot und Fleisch. Wie schön, dass sie hier zu Ehren kommen! Wird doch ansonsten oft Negatives mit ihnen assoziiert. Weil sie Aas fressen, gelten sie als unrein. Ihre schwarze Farbe lässt sie furchterregend erscheinen. Und das Schimpfwort Rabeneltern steht in diametralem Gegensatz zu der Fürsorglichkeit, die sie Elia erweisen.
Nach der einsetzenden Dürre flieht Elia weiter. In Sidon ist er als Fremder und Verfolgter in einer lebensgefährlichen Lage. Eine arme Witwe solidarisiert sich mit ihm. Sie ist selbst in höchsten Nöten. Ihr Sohn ist zu jung, um sie zu unterstützen. Fast alle ihre Reserven sind aufgebraucht, abgesehen von einer Handvoll Mehl und ein paar Tropfen Öl. Mit diesen will sie ein letztes Brot backen und danach sterben. Elia bittet darum, sie möge zuerst ihm etwas geben und danach selbst essen. Gott spricht aus ihm, dem Propheten. Und dieser Gott verlangt für sich die Erstlingsfrüchte (vgl. zur rituellen Übergabe der Erstlinge 5. Mose 26). Indem die Witwe gehorcht, bringt sie zum Ausdruck, Elias Gott anzuerkennen und damit die Herrschaft Baals zurückzuweisen. Dieser Akt der Solidarität und des Gehorsams wird zur Rettung auch für sie. Ab jetzt reichen die Lebensmittel.
Gott wird auch weiterhin als nährend erscheinen, im Blick auf Elia nochmals besonders eindrücklich, als dieser sich nach der grässlichen Ermordung der Baalspriester lebensmüde und erschöpft zum Sterben unter einen Wachholder legt und zweimal von einem Engel Gottes berührt wird mit den Worten: „Steh auf und iss.“ (1 Kön 19,5 und 7) und dann mit Wasser und Brot gestärkt wird für eine 40tägige Wanderung durch die Wüste.
Unschwer erkennen wir, wie Jesus all das weiterführt. In Gottes Namen versammelt er Menschen an seinem Tisch, macht alle satt und bietet sich selbst als Grundnahrung an. All unser Hunger und Durst soll gestillt werden. Und in der Nachfolge Jesu sind wir dazu berufen, es ihm gleich zu tun und andere an Leib und Seele zu nähren und für das Nachnähren derer zu sorgen, die oft von klein auf zu wenig abbekommen haben an Lebens-Mitteln (dazu gehören neben dem Materiellen auch Liebe, Freundlichkeit, Trost).
Setzen wir Gott an die erste Stelle des Lebens. Dann wird genügend da sein und es wird reichen, für uns und für alle. Amen

w Gebet und Stille im Wechsel mit Strophen von EG 418: „Brich dem Hungrigen dein Brot“

  1. Brich dem Hungrigen dein Brot. Die im Elend wandern, führe in dein Haus hinein; trag die Last der andern.

stilles Gebet für die Hungrigen und Elenden

  1. Brich dem Hungrigen dein Brot; du hast’s auch empfangen. Denen, die in Angst und Not, stille Angst und Bangen.

stilles Gebet für Menschen in Angst und Not

  1. Der da ist des Lebens Brot, will sich täglich geben, tritt hinein in unsre Not, wird des Lebens Leben.

Vaterunser beten

  1. Dank sei dir, Herr Jesu Christ, dass wir dich noch haben und dass du gekommen bist, Leib und Seel zu laben.

Stille für ein Dankgebet

  1. Brich uns Hungrigen dein Brot, Sündern wie den Frommen, und hilf, dass an deinen Tisch wir einst alle kommen.

w Segen
Gott stillt dich in deinem Lebensdurst.
Gott stärkt dich in deinem Hunger nach Gerechtigkeit.
Gott nährt dich in Deinem Mangel.
Gott ermächtigt dich zum Teilen.
Gott segnet dich und erfüllt dich immer neu mit seiner Liebe. Amen.

Lied: Wohl denen, die da wandeln (EG 295)

[Halten Sie noch einen Augenblick inne und löschen Sie dann die Kerze.]

 

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen Pfarrerin Dr. Irene Leicht.
Stadtkirchengemeinde Emmendingen, im Juli 2021

Hausgottesdienst 11.7.

Gottesdienst zum 11.Juli, Tauferinnerung

Richten Sie für die Tauferinnerung ein Schälchen mit Wasser.

Zünden Sie eine Kerze an.

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

441,1-3 Du höchstes Licht, du ewger Schein

Du höchstes Licht, du ewger Schein,

du Gott und treuer Herre mein,

von dir der Gnaden Glanz ausgeht

und leuchtet schön so früh wie spät.

 

Das ist der Herre Jesus Christ,

der ja die göttlich Wahrheit ist,

mit seiner Lehr hell scheint und leucht’,

bis er die Herzen zu sich zeucht.

 

Er ist das Licht der ganzen Welt,

das jedem klar vor Augen stellt

den hellen, schönen, lichten Tag,

an dem er selig werden mag.

 

Ps 139

Herr, du erforschest mich

und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, Herr, nicht alles wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu

hoch,    ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,

und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da;

bettete ich mich bei den Toten, siehe,

so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte

und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen

und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein –,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,

und die Nacht leuchtete wie der Tag.

Finsternis ist wie das Licht. Amen

 

Gebet

Auf dem Weg des Lebens leite uns, guter Gott.

Manchmal sehen wir nur die Probleme, die vor uns liegen, riesengroß. Wir wissen nicht, was kommt. Wir sind unsicher, ängstlich. Aber du bist immer bei uns.

Auf dem Weg des Lebens leite uns, guter Gott.

Es ist gut, dass wir Freunde haben, Menschen, die zu uns halten. Wir lachen miteinander.

Gib uns auch gute Freunde, wenn wir traurig sind.

Du bist da, Gott. Du sagst uns zu: Fürchte dich nicht. Ich habe dich erlöst. Du rufst uns mit Namen. Wir sind dein. Amen

 

Neue Lieder 11 Christus, dein Licht

Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,  lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.

Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde,

und du sagst uns, auch ihr seid das Licht.

 

Predigt

„Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,  lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.“ Wir leben im Licht, liebe Gemeinde.

Wir haben die Osterkerze angezündet.

Wir leben von Ostern her. Wir sind getauft und gehören zu Jesus. Wir leben im Licht, weil Jesus auferstanden ist.

Der erste Blick fällt in unserer Kirche auf Jesus am Kreuz, ein Mensch am Ende, nicht ein strahlender Sieger. Gott lässt sich ein auf das Dunkel. Jesus kommt in das Dunkel der Welt. Selbst wenn wir ganz unten sind, ist er bei uns.

Hören wir den Predigttext, die letzten Verse  des Matthäusevangeliums. Der auferstande-ne Jesus spricht zu seinen Jüngern und zu uns.

 

Mt 28,10+16-20

Da sagt Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht!

Geht und sagt meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen sollen, dort werden sie mich sehen. … Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, auf den Berg, wohin Jesus sie befohlen hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich nieder; einige aber zweifelten.

Und Jesus trat zu ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Völker zu Jüngern: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

 

Jesus ist seinen Jüngern nahe wie der beste Freund. Er hält zu ihnen. Er hört ihnen zu und versteht. Zugleich spüren sie: Jesus ist von Gott.  Er ist heilig und mächtig wie Gott. Da ist Gott bei uns, Gottes Sohn. Darum knien sie nieder.

einige aber zweifelten

Jesus schickt die Zweifelnden nicht fort und das Evangelium verschweigt sie nicht. Seine Jünger sind nicht ein Kreis von ganz tollen Leuten.

In der Gemeinschaft der Glaubenden dürfen unsere Fragen und Zweifel sein.

Zu Jesus gehören wir mit unserem unfertigen, oft schwachen Glauben.

Der große Martin Luther betete: „Herr, ich bin ein leeres Gefäß, das bedarf sehr, dass man es fülle. Mein Herr, fülle es. Ich bin schwach im Glauben; stärke mich. Ich bin kalt in der Liebe; wärme mich und mache mich heiß, dass meine Liebe heraus-fließe auf meinen Nächsten. Ich habe keinen festen, starken Glauben und zweifle zuzeiten und kann dir nicht vertrauen. Ach Herr, hilf mir, mehre meinen Glauben und das Vertrauen. Lehre mich hören. Alles, was ich habe, ist in dir beschlossen.“

Als Luther verzweifelt war, hat er mit Kreide vor sich auf den Tisch geschrieben: „Ich bin getauft.“

Er hat sich an dem Versprechen der Taufe festgehalten wie an einem Rettungsring.

Unser Glaube ist nicht frei von Zweifeln, aber die Taufe trägt uns.

Wir taufen Erwachsene, aber vor allem kleine Kinder. Kleine Babys können nicht sagen: Ich will getauft werden. Die Taufe trägt uns, nicht weil wir uns für Gott entscheiden, sondern weil Gott uns sein Versprechen gibt.

Gott sagt Ja zu uns. Wir gehören zu ihm.

Er lässt uns nicht los.

Jesus gibt allen, auch den Zweifelnden, seine Zusage und seinen Auftrag. Gerade die, die nicht fertig sind, die sich nicht zufrieden geben, die um ihre eigene Schwäche wissen, gerade sie sollen seine Jünger sein.

Fürchtet euch nicht!“ sagt Jesus, als er den Jüngern wieder begegnet. Sie erschrecken.

Sie haben noch seinen Tod noch vor Augen.

Alles war aus. Und nun steht er vor ihnen.

Er lebt.

Wir Christen sind Protestleute gegen den Tod. Wir gehören zu Jesus. Wir leben von Ostern her. Darum protestieren wir gegen alle Todesmacht.

Vielleicht klingt das seltsam für uns.

Vielleicht zweifeln wir zuweilen oder

verzweifeln sogar an unserer Schwäche.

Vielleicht haben wir Angst vor manchen

Mächten und auch vor dem Tod.

Und doch schickt Jesus uns auf den Weg:

Geht zu allen Menschen. Erzählt von mir.

Macht sie zu Jüngern. Tauft sie und lehrt sie.“

Wir sollen lehren, Lehrer sein für andere, zum Beispiel für unsere Kinder und Patenkinder.

Die wichtigsten Lehrer sind nicht gelehrte Professoren, sondern Menschen, die mir Glauben vorleben, Menschen, die Leid erfahren haben und dennoch zuversichtlich sind, Menschen, die ihre eigene Schwäche kennen und alles von Gott erwarten.

 

Ganz am Schluss gibt Jesus ein Versprechen: „ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Jesus bleibt bei uns und wir bleiben die Seinen, was auch kommt. Bis zum Ende der Welt und bis zum Ende unseres Lebens ist er da.

Dieser Schluss des Evangeliums ist zum Sprichwort geworden. Ist bei jemand „Matthäi am Letzten“, dann ist alles aus. Am Ende gibt es die Rechnung, das Zeugnis, das Urteil.

Bedrohlich klingt es, wenn „Matthäi am Letzten“ ist. Das Evangelium wurde zu einer Drohbotschaft gemacht. Wehe, wenn Matthäi am Letzten ist!

Aber so schauen wir nicht auf das Ende der Welt. Weil Jesus alle Tage bei uns ist, hat auch das Ende seinen Schrecken verloren.

Wir werden wohl unser Leben sehen, vieles, was wir falsch gemacht haben und nicht wieder gut machen können. Wir können nicht auf den Reset-Knopf drücken.

Aber auch dann wird Jesus bei uns sein.

Auch dann wird er sagen: „Du gehörst zu mir

und ich stehe für dich ein.“

Wir müssen und können unser Leben nicht selbst rechtfertigen. Wir sind alles andere als perfekt. Und doch sendet Jesus uns als seine Jüngerinnen und Jünger.

Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde,

und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.“

Amen

 

Neue Lieder 158  Ich sage Ja

Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf.

Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf,

zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt,

und der auch mich in seinen Händen hält.

 

Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt

und aus dem Tod zum Leben auferstand

und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist

für uns zum Freund und Bruder worden ist

 

Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist,

zum Weg der Liebe, den er uns verheißt,

zu wagen Frieden und Gerechtigkeit

in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

 

Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot,

Wegzehrung. Zeichen, Zuspruch in der Not.

Ich sage Ja und Amen, weil gewiss:

Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

 

Tauferinnerung (zuhause können Sie ein Schälchen mit Wasser aufstellen – tunken Sie bei jedem Spruch ihre Finger ein – wenn Sie möchten, bekreuzigen Sie sich):

 

Wir gießen ein: das Wasser, aus dem alles Leben stammt, und erinnern uns: Gott hat uns das Leben geschenkt.

 

Wir gießen ein: das Wasser, das unseren Durst löscht, und erinnern uns: Gott gibt uns zum Leben, was wir brauchen.

 

Wir gießen ein: das Wasser, das im Unwetter Not und Verderben bringt und erinnern uns: Gott ist mit uns in allen Stürmen des Lebens.

 

Wir gießen ein: das Wasser, das reinigt und sauber macht und erinnern uns: Gott schenkt uns in all unserem Versagen wieder einen Neuanfang.

 

Wir gießen ein: das Wasser, das aus vielen Tropfen besteht, und erinnern uns: Gott hat uns hineingestellt in eine große Gemeinschaft.

 

Wir sind getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Gebet

Wir danken dir Gott. Du sagst Ja zu uns.

Deine Kinder sind und bleiben wir.

Vor allem anderen gilt dein Ja.

Wir danken dir für unsere Taufe.

Stärke unseren Glauben, Heiliger Geist,

in Zweifel, in Angst, wenn Sorgen uns belasten,

wenn wir nicht weiter wissen.

Sei bei uns, Jesus, wie du zugesagt hast.

Lass uns erfahren: Du bist da.

 

Wir bitten dich für die Gemeinschaft der Getauften, unsere Gemeinde und alle Christinnen und Christen.

Was du uns gesagt hast, wollen wir weitersagen,

dein gutes Wort, das uns einen Weg zeigt und uns aufrichtet.

Wir bitten für unsere Stadt, für die Menschen, die hier leben und arbeiten. Um Frieden, um Gemeinschaft, um Bewahrung bitten wir. Für die Bedrückten, für die Einsamen, für die Kranken und Sterbenden bitten wir.

Nimm dich unser aller an, du Gott des Lebens.

 

Vaterunser

321 Nun danket alle Gott

 

Nun danket alle Gott

mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zugut

bis hierher hat getan.

 

Der ewigreiche Gott

woll’ uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz

und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad

erhalten fort und fort

und uns aus aller Not

erlösen hier und dort.

 

Lob, Ehr und Preis sei Gott

dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist

im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein’gen Gott,

wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird

so jetzt und immerdar

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst für den 4.7.

Wir feiern am 4. Juli zum ersten Mal nach langer Zeit wieder Abendmahl – das prägt den Gottesdienst.

 

Lied 320,1+6+8

Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren für alle seine Gaben, die wir empfangen haben.

Durch ihn ist uns vergeben die Sünd, geschenkt das Leben. Im Himmel solln wir haben, o Gott, wie große Gaben!

Erhalt uns in der Wahrheit, gib ewigliche Freiheit, zu preisen deinen Namen durch Jesus Christus. Amen.

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Ps 107,1-9

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

So sollen sagen, die erlöst sind durch den

Herrn, die er aus der Not erlöst hat,

die er aus den Ländern zusammengebracht hat

von Osten und Westen, von Norden und Süden.

Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem

Wege, und fanden keine Stadt, in der sie

wohnen konnten,

die hungrig und durstig waren

und deren Seele verschmachtete,

die dann zum Herrn riefen in ihrer Not

und er errettete sie aus ihren Ängsten

und führte sie den richtigen Weg,

dass sie kamen zur Stadt,

in der sie wohnen konnten:

Die sollen dem Herrn danken für seine Güte

und für seine Wunder,

die er an den Menschenkindern tut,

dass er sättigt die durstige Seele

und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist.

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit

und in Ewigkeit. Amen

 

Gebet

Du hast uns bewahrt, Gott.

Viele von uns können das sagen.

Täglich können wir Schönes genießen.

Manchmal staunen wir über die Fülle deiner Gaben.

Auch unsere Seele sättigst du.

Du kennst ja unsere Unruhe, unsere Sorgen,

unser Sehnen, unseren Schmerz.

Ja, ich will dir danken. Ich will dir vertrauen.

Amen

Neue Lieder 158  Ich sage Ja

Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf.

Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf,

zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt,

und der auch mich in seinen Händen hält.

 

Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt

und aus dem Tod zum Leben auferstand

und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist

für uns zum Freund und Bruder worden ist

 

Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist,

zum Weg der Liebe, den er uns verheißt,

zu wagen Frieden und Gerechtigkeit

in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

 

Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot,

Wegzehrung. Zeichen, Zuspruch in der Not.

Ich sage Ja und Amen, weil gewiss:

Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

 

Predigtgedanken

„Nimm und iss vom Brot des Lebens – nimm und trink vom Kelch des Heils. Christi Leib, für dich gegeben – Christi Blut, für dich vergossen.“

Das Abendmahl ist Wegzehrung. Wir bekommen Kraft für unseren Weg. Wir erfahren Gemeinschaft mit Jesus. Wir brauchen die Kraft und das Leben, die nur Gott uns geben kann. Unsere hungrige und durstige Seele wird gestillt. Und dabei schauen wir auf Jesus am Kreuz und Jesus am Ostermorgen, seine Hingabe, sein Leben für uns.

Hören wir auf den heutigen Predigttext:

Paulus schreibt im 1. Korintherbrief (1,18-24):

Die Botschaft vom Kreuz erscheint denen, die verloren gehen, als eine Dummheit. Aber wir, die gerettet werden, erfahren sie als Kraft Gottes. Denn in der Heiligen Schrift steht: »Ich will die Weisheit der Weisen auslöschen und von der Klugheit der Klugen nichts übrig lassen.«

Wo sind jetzt die Weisen, wo die Schriftgelehrten, wo die wortgewaltigen Redner unserer Zeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt als Dummheit entlarvt? Die Weisheit Gottes zeigt sich in dieser Welt. Aber die Welt hat ihn mit ihrer Weisheit nicht erkannt. Deshalb hat Gott beschlossen, durch eine scheinbar unsinnige Botschaft alle Glaubenden zu retten. Die Juden wollen Zeichen sehen. Die Griechen streben nach Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus, den Gekreuzigten: Das erregt bei den Juden Anstoß und für die anderen Völker ist es reine Dummheit. Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Das verkünden wir allen, die berufen sind – Juden wie Griechen. 

Beim Abendmahl wird uns zugesagt: „Für dich ist Jesus gestorben und auferstanden. Du gehörst zu Jesus. Sein Kreuz ist dein Hoffnungszeichen.“

Die Botschaft vom Kreuz ist für uns Gottes Kraft.

Und am Anfang des Römerbriefes schreibt Paulus: Das Evangelium ist eine Kraft Gottes für den der glaubt. (Röm 1,16) Wir bekommen Kraft von Gott.

Wir sehen auf das Kreuz und erkennen, wie sehr Gott die Welt liebt, uns liebt.

Das Kreuz zeigt Gott bei den schwachen Menschen, bei den Opfern, bei den Verlierern.

Wir wollen viel lieber auf der Seite der Gewinner stehen. Wir wollen stark sein, noch stärker als die anderen. Wir wollen gut sein, noch besser als die anderen. Damals in Korinth gibt es Christen und sozusagen „Super-christen“. Jede der Gruppen will die wahren Christen sein und alle anderen überbieten. Ihre eigene Weisheit und Kraft ist ihr Maßstab. Dabei sehen sie gar nicht, wie lieblos und hart sie werden und wie sie Jesus wider-sprechen. Paulus meint: „Wenn ihr Jesus folgen wollt, dann seht auf das Kreuz. Da ist nicht Erfolg, sondern Scheitern, kein göttlicher Glanz, sondern Erniedrigung. So  setzt Gott sich ein für uns.“

In der Waldshuter Kirche hängt ein Kunstwerk des afrikanischen Künstlers El Loko, ein Gekreuzigter. Viele in der Gemeinde finden die Figur hässlich und abstoßend. El Loko hat sie aus Abfallholz gemacht, eine seltsam verrenkte Gestalt mit einem erstarrten Gesicht, schwarz und braun und rot bemalt, ein grünliches Dreieck an der Stelle des Herzens. Das ist nicht schön. Er hat auch keinen goldenen Kranz wie unser Jesus hier. Jesus wird abgelehnt, gequält. Er schreit seinen Schmerz heraus. Gerade da ist Gott, bei Menschen, die wie Abfall weggeworfen werden und wie Dreck behandelt werden. Das Kreuz ist ein Zeichen für furchtbare Gewalt. Am Kreuz wurden Menschen grausam bestraft und erniedrigt. „Wie kann man einen Gekreuzigten als Gottes Sohn anbeten!“

Die Christen wurden verspottet.

Heute gibt es schöne Kreuze, als Wegkreuz, als Schmuckstück, als Tattoo –  viele sehen gar nicht mehr, dass das Kreuz für so schreckliche Gewalt steht, für eine von Gewalt entstellte und geplagte Welt.

Gott ist in Jesus, gerade hier am Kreuz.

Gott selbst trägt das Leid der Welt, das Unrecht. Gott setzt sich der Gewalt und der Ablehnung aus. Auch uns erträgt Gott, unsere Rücksichtslosigkeit und unseren Egoismus. Wir widersprechen Gott, wenn wir lieblos und hässlich zueinander sind. Jesus ist dort, wo Menschen scheitern und leiden und schuldig werden. Jesus ist für uns da, obwohl wir einander nicht gerecht werden.

Wir sagen Nein zu Gott. Gott sagt Ja zu uns.

Wir laufen weg von Gott. Gott liebt uns trotzdem und will, dass wir umkehren zu ihm.

Das Bild des Gekreuzigten ist nicht schön, aber voll Trost und Hoffnung.

 

„Christe, du Lamm Gottes, erbarm dich unser, gib uns deinen Frieden.“, singen wir beim Abend-mahl. Wir schauen auf das Kreuz und auf den, der wie ein Opferlamm stirbt. Er erbarmt sich unser. Er nimmt uns an.

Und wir singen das „Heilig, heilig“. Wir loben und feiern Jesus Christus. Er ist unser Herrn. Er ist vom Tod auferstanden. Er kommt zu uns. Er lädt uns ein und reicht uns das Brot des Lebens.

Ein Mahl der Freude. Amen

 

224 du hast zu deinem Abendmahl

Du hast zu deinem Abendmahl als Gäste uns geladen. Nun stehn wir, Herr, in deinem Saal mühselig und beladen. Wir tragen unsrer Wege Leid, viel Sorgen, Schuld und Schmerzen. Ob reich, ob arm, dich irrt kein Kleid, du weißt die Not der Herzen.

 

Ach Herr, vor dir ist keiner reich und keiner los und ledig; spricht einer hier dem andern gleich: Gott sei mir Sünder gnädig! Du aber ludest uns zu dir, den Hunger uns zu stillen, willst uns aus lauter Liebe hier die leeren Hände füllen.

 

Nun segne, Herr, uns Brot und Wein, deins Tisches edle Gaben! Du selbst willst gegenwärtig sein und wunderbar uns laben. Gib über Bitten und Verstehn, wie du versprachst zu geben! In dem, was unsre Augen sehn, gib dich uns selbst zum Leben!

 

Gebet

Wir dürfen sein vor dir, Gott. Du siehst uns an, Christus. Du schenkst uns Gemeinschaft mit dir,

du sprichst uns gerecht und sendest uns.

Wir sehen auf dein Kreuz und es wird uns zum Zeichen der Hoffnung.

Wir bitten für alle, die Unrecht und Gewalt leiden.

Steh ihnen bei.

Wir bitten für die Hungernden, die in Not Geratenen.

Wir bitten für die von Überschwemmung und Sturm Betroffenen, für alle, die unter Naturkatastrophen leiden.

Wir bitten für unsere Kinder und Enkel,

für unsere Eltern und Großeltern.

Wir bitten für die Kranken, für die Sterbenden,

für die Trauernden.

Bewahre deine Kirche, unsere Gemeinde, unsere Nachbarn und Freunde. Bewahre uns, Gott.

Vaterunser

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst zum 27.6. – 1. Mose 50,15-21

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Psalm 42

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,

so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

Meine Seele dürstet nach Gott,

nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen,

dass ich Gottes Angesicht schaue?

Meine Tränen sind meine Speise

Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt:

Wo ist nun dein Gott?

Daran will ich denken

und ausschütten mein Herz bei mir selbst:

wie ich einherzog in großer Schar,

mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes

mit Frohlocken und Danken

in der Schar derer, die da feiern.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit

und in Ewigkeit. Amen

 

Es gibt so viel Schuld, Schuld, die wir kennen,

Schuld, die wir verdrängen, Schuld, die uns verzweifeln lässt, weil sie uns trennt von anderen Menschen und von dir.

Gott, sieh hinter unsere Masken, die wir tragen.

Hilf uns, ehrlich zu sein mit uns selbst, miteinander.

Mach uns bereit

Versöhnung zu schenken und anzunehmen. Amen

 

Neue Lieder 59:  Im Dunkel unsrer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt, niemals mehr verlischt. Im Dunkel unsrer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt, niemals mehr verlischt.

 

Predigtgedanken: Ein Flugzeug wird zur Landung gezwungen, ein junger Mann mit seiner Freundin aus dem Flugzeug gezerrt – später sieht man Protassewitsch mit zerschlagenem Gesicht.

Er gesteht seine „Schuld“ ein und er, der Kritiker, lobt den Diktator. Was tun Menschen einander an – es tut einem weh, wenn man sich das nur vorstellt. Unerträglich.

Die Opfer von Missbrauch und Gewalt vergessen nicht, was sie erlitten haben. Viele sind unfähig normal zu leben. Unerträglich – und doch müssen sie mit dieser Erfahrung weiterleben. Unerträgliche Geschichten, schwere Schuld, das kommt in den besten Familien vor. Wir hören das Ende einer solchen Geschichte. (Es lohnt sich die ganze Geschichte von Josef und seinen Brüdern einmal zu lesen: ab 1. Mose 37)

 

1.Mose 50, 15-21:

Als Josefs Brüder begriffen, dass ihr Vater tot war, bekamen sie Angst. Sie dachten: „Hoffentlich ist Josef uns gegenüber nicht nachtragend. Sonst wird er uns all das Böse heimzahlen, das wir ihm angetan haben.“ Darum ließen sie ihm mitteilen: „Dein Vater hat uns vor seinem Tod aufgetragen, dir zu sagen: Vergib deinen Brüdern das Unrecht und ihre Schuld. Ja, sie haben dir Böses angetan.

Nun vergib ihnen dieses Unrecht. Sie dienen doch dem Gott deines Vaters!“ Als Josef das hörte, fing er an zu weinen. Da gingen seine Brüder zu ihm hin, warfen sich vor ihm nieder und sagten: „Wir sind deine Knechte.“ Aber Josef sagte zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Bin ich etwa Gott? Ihr hattet Böses für mich geplant. Aber Gott hat es zum Guten gewendet. Er wollte tun, was heute Wirklichkeit wird: ein großes Volk am Leben erhalten. Deshalb fürchtet euch nicht! Ich werde für euch und für eure Kinder sorgen.“

 

Er fühlt es, als wäre es heute, wie er nackt im Brunnen hockt und um sein Leben zittert.

Der Hass und die Häme in ihren Gesichtern.

Sie wollen ihn umbringen, dann verkaufen sie ihn, seine eigenen Brüder! Ob der Vater die Wahrheit je erfahren hat? Das kann er nicht vergessen.

Und jetzt lassen sie ihm sagen, was der Vater vor seinem Tod noch gesagt haben soll. Ach was!  Sie getrauen sich nur nicht, es selbst zu sagen!

Ach, trage doch das Verbrechen deiner Brüder und ihre Verfehlung – Böses haben sie dir ja angetan. Nach all den Jahren haben auch sie diesen Moment nie vergessen. Sie haben keine Ruhe. Die Schuld plagt sie und jetzt auch die Furcht. Josef hat ja Macht – sie sind in seiner Hand. Trage doch das Verbrechen deiner Brüder

– er musste es ja tragen, all die Jahre – er war und blieb das Opfer ihres Verbrechens.

Josef weint über sein Leben unter dieser Last. Unerträgliches geschieht und muss doch getragen werden. Er hat das Beste daraus gemacht und staunt selbst, wie sein Leben geworden ist, wie gut es ihm nach allem heute geht. Aber das Böse in seinem Leben bleibt – es geht mit ihm. Josef weint.

Dann kommen sie selbst, knien vor ihm: Wir sind deine Knechte. Immerhin können sie ihre Untat eingestehen, das Verbrechen ein Verbrechen nennen, das Böse böse. Was sie getan haben, lässt sich  nicht mehr ungeschehen machen. Er muss damit leben. Er muss es tatsächlich tragen. Und er kann sehen und sagen: Ihr hattet Böses für mich geplant. Aber Gott hat es zum Guten gewendet.

 

Viele Opfer von Verbrechen und Bösem tragen schwer an dem, was ihnen angetan wurde, zB Opfer von Gewalt und Missbrauch. Gerade, wenn sie die Täter kennen und weiter mit ihnen leben. Es ist wohl zu viel verlangt, dass sie vergeben. Obwohl alle an der Stelle „vergeben“ übersetzen, es steht „tragen, ertragen“ da – trage doch das Verbrechen deiner Brüder – eine ungeheure Zumutung der Brüder für Josef. Aber das Verbrechen lässt sich nicht gut machen. Die Last bleibt und muss getragen werden. Vielleicht, längst nicht immer, gelingt Versöhnung, wenn das Verbrechen beim Namen genannt ist, wenn Reue zu spüren ist, wenn das Opfer die Kraft hat weiter zu leben.

 

Josef ist bereit zur Versöhnung. Gott hat sein schweres Leben zum Guten gewendet. Seine schlimmen Erfahrungen bleiben ein Teil von ihm. Aber er kann jetzt sogar seine Brüder trösten.

Er kann die Schuld und das Leid tragen.

Er muss den Brüdern nicht heimzahlen, was sie ihm angetan haben. Die Scham weicht. Die alten Narben können ruhen. Der Schmerz und die Verbitterung werden beherrschbar. Alle können aufatmen. Gott hat es zum Guten gewendet.

Gebe Gott, dass für die Opfer gut wird, was an Bösem geschehen ist, dass sie Kraft bekommen, dass sie sich selbst getragen wissen von Gott.

Amen

 

Lied 432 Gott gab uns Atem

Gott gab uns Atem, damit wir leben.

Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

I: Gott hat uns diese Erde gegeben,

dass wir auf ihr die Zeit bestehn. :I

 

Gott gab uns Ohren, damit wir hören,

Er gab uns Worte, dass wir verstehn.

I: Gott will nicht diese Erde zerstören,

Er schuf sie gut, er schuf sie schön. :I

 

Gott gab uns Hände, damit wir handeln,

Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

I: Gott will mit uns die Erde verwandeln,

Wir können neu ins Leben gehn. :I

 

Gebet

Du trägst uns, Gott.

Manche Menschen müssen so viel Böses ertragen. Steh ihnen bei!

Manchen Menschen leiden an dem, was ihnen angetan wurde. Sie schämen sich. Sie erleben immer wieder die Angst, den Schmerz, die Erniedrigung. Hilf ihnen!

Wir bitten dich für Familien, die mit alter Schuld und ungelösten Konflikten nicht fertig werden.

Es ist so schwer auszusprechen, was an Bösem geschehen ist, was verletzend war. Vorwürfe und Schuldzuweisungen blockieren uns. Hilf, dass wir ehrlich und gut miteinander umgehen können, uns versöhnen können, die alten Narben heilen. Hilf, die Last unserer Geschichten zu tragen, nicht bitter und nachtragend zu sein, Frieden zu finden.

Wir bitten für die großen ungelösten Konflikte in der Welt und für die vielen Menschen, die Opfer von Gewalt, Unrecht, Unterdrückung und Missbrauch werden. Schenke ihnen Kraft zu tragen und zu überwinden, was sie bedrängt.

Wir bitten für die alten Menschen, die mit manchen Konflikten in ihrem Leben nicht fertig geworden sind und noch immer darunter leiden.

Wir bitten für die, die durch die lange Coronazeit erschöpft, überfordert und mutlos geworden sind.

Wir bitten für alle, die uns besonders am Herzen liegen, um die wir uns sorgen.

Nimm dich unser aller gnädig an, Gott.

Trage uns mit unseren Lasten, mit unserem Unvermögen.

Behüte uns.

 

Vaterunser

 

Lied 170

Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen. Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

 

Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

 

Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden. Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen – die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

 

Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen. Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst zum 20.6.

20.Juni, 3.Sonntag nach Trinitatis

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Neue Lieder 68,1-3 Lobe den Herrn meine Seele

Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen.

Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

 

  1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen: …
  2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen: …
  3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen: …

 

Ps 103,1-13

Lobe den Herrn, meine Seele,

und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes         getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und    Barmherzigkeit,

der deinen Mund fröhlich macht

und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Der Herr schafft Gerechtigkeit und         Recht allen, die Unrecht leiden.

Er hat seine Wege Mose wissen lassen,

die Kinder Israel sein Tun.

Barmherzig und gnädig ist der Herr,

geduldig und von großer Güte.

Er wird nicht für immer hadern

noch ewig zornig bleiben.

Er handelt nicht mit uns nach unsern   Sünden

und vergilt uns nicht nach unsrer           Missetat.

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,

lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

So fern der Morgen ist vom Abend,

lässt er unsre Übertretungen von uns   sein.

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten. Amen

 

Womit habe ich das verdient, Herr?

Du setzt mir die Krone auf wie einem König.

Du krönst mich mit Gnade und Barmherzig-keit. Ich mache Fehler, aber du machst mich nicht klein. Ich bin egoistisch und rücksichts-los, aber du vergibst. Ich laufe weg von dir, aber du wartest auf mich mit offenen Armen wie eine liebevolle Mutter, wie ein guter Vater.

Du suchst mich. Ich danke dir.

Du sagst ja zu mir.

Hilf mir, das anzunehmen. Amen

 

Neue Lieder 82 Suchen und fragen

Suchen und fragen, hoffen und sehn,

miteinander glauben und sich verstehn,

lachen, sich öffnen, tanzen befrein:

So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Klagende hören, Trauernde sehn,

aneinander glauben und sich verstehn,

auf unsere Armut lässt Gott sich ein:

So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Planen und bauen, Neuland begehn,

füreinander glauben und sich verstehn,

leben für viele, Brot sein und Wein:

So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Predigt zu Lukas 15,1-10:

Jesus war ständig umgeben von Zollein-nehmern und anderen Leuten, die als Sünder galten; sie wollten ihn alle hören.

Die Pharisäer und die Schriftgelehrten waren darüber empört. »Dieser Mensch gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen!«, sagten sie.

Da erzählte ihnen Jesus folgendes Gleichnis: 

»Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren.

Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wieder gefunden, das mir verloren gegangen war.‹

Ich sage euch: Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunund-neunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.«                    

»Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ›Freut euch mit mir! Ich habe die Münze wieder gefunden, die ich verloren hatte.‹

Ich sage euch: Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt.«

 

Ich hatte meine Brille verloren. Nach der langen Radtour zog ich die Sonnenbrille ab und suchte in der Tasche nach dem Etui. Ich suchte alles durch – nichts. Mir fiel sofort ein, wo das Etui liegen musste. Dort, wo wir Pause gemacht hatten, hatte ich die richtige Brille angezogen, um die Karte zu studieren. Das kann ja nicht wahr sein: meine Brille! Ohne die geht garnichts. Also stiegen wir ins Auto und fuhren noch einmal unsere Tour.

„Oh, hoffentlich hat sie keiner mitgenommen! Hoffentlich war das wirklich der richtige Platz!“ Es wurde schon dämmrig, als wir hinkamen. Und tatsächlich: da lag das Etui mit meiner kostbaren Brille. Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Nun ja, eine Brille kann man ersetzen. Aber alle Brillenträger können mir nachempfinden, wie erleichtert ich war.

Freut euch mit mir! ruft der Hirte. Freut euch mit mir! ruft die Frau. Sie feiert mit ihren Freundinnen. Er feiert mit den Nachbarn.

Freut euch mit mir! ruft Gott, und die Freude im Himmel ist groß – die Engel freuen sich.

So groß ist die Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Gott ist wie der Hirte. Keines seiner Schafe will er verlieren. Gott ist wie die Frau. Sie kehrt das Unterste zuoberst um ihre Silber-münze zu finden. Jesus erzählt von der Freude Gottes. Gleich noch ein drittes Mal erzählt er: Gott ist wie der Vater des verlore-nen Sohnes, der sich über alle Maßen freut, als sein Kind zu ihm zurückkehrt.

Freu dich mit mir, sagt der Vater zu dem verärgerten älteren Bruder.

Jesus kann gar nicht genug über die Freude Gottes erzählen, über die Liebe Gottes.

Gott sucht uns Menschen.

Keine und keinen will er verlieren.

Jede und jeder ist unentbehrlich.

Unendlich viel kostbarer als ein Schaf,

eine Silbermünze oder eine Brille.

Nie gibt Gott einen Menschen verloren.

 

Lost. Jugendliche haben im Herbst 2020 lost zum Jugendwort des Jahres gewählt. Lost: ahnungslos, verpeilt, ein wenig doof. Ey, bist du lost!, heißt es, in eher freundlichem Spott, belustigt, ironisch. Gerade jetzt verlieren tatsächlich viele Jugendliche den Anschluss, wissen nicht weiter, ziehen sich zurück, leiden unter Depressionen.

Haben sie darum gerade dieses Wort für sich entdeckt, weil die Zeit so bedrohlich ist? Der Boden wankt, auf dem sie stehen. Manche reden von einer verlorenen Generation.

 

Heute ist Weltflüchtlingstag. Vor 70 Jahren verabschiedeten die Vereinten Nationen die Weltflüchtlingskonvention. Damals  arbeiteten wir noch daran, die 10 Millionen deutschen Flüchtlinge des Weltkrieges unterzubringen und aus der DDR flohen Menschen in den Westen. Man sollte meinen, wir wissen, wie es Flüchtlingen geht, wie verloren sie sind.

Heute sollen es weltweit 80 Millionen Flüchtlinge sein, Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Not davonlaufen, die jahrelang in Lagern leben. Nur ein kleiner Teil von ihnen macht sich auf den Weg zu uns. Europa macht es den Flüchtlingen so schwer wie möglich. Die Zustände in Lagern wie Kara Tepe auf Lesbos sind unmenschlich. Wir nehmen die Not hin – wir schließen die Augen. Wir sind auch ratlos. Was kann man schließlich tun?

 

Jesus setzt sich mit Zöllnern und Sündern an einen Tisch. Er isst sogar mit ihnen. Was für eine Provokation! Er isst nicht nur mit den Prostituierten, sondern auch mit den Zuhäl-tern, nicht nur mit Flüchtlingen, sondern auch mit Schleppern, nicht nur mit Longcovid-Patienten, sondern auch mit Covid-Leugnern. Mit denen haben wir doch nichts zu tun.

Die meiden wir doch wie der Teufel das Weihwasser. Die sind für uns endgültig verloren. Und dann erzählt uns Jesus seine Geschichten.

Im Himmel wird mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.

Jesus lacht uns an: „Bist du nicht ein wenig lost, mein Freund? Etwas verpeilt mit deinem Urteil über andere und über dich selbst?

Du meinst, es sind bestimmt keine 99 Gerechten? Okay, wie viele werden es sein? 50 von Hundert? 20? Weniger als 10?“

Jesus fragt sogar: „Ist es denn dein gutes Recht, dass ich mit dir am Tisch sitze und Gemeinschaft habe? Gehörst du dazu?“

Paulus wird schreiben: Gerechtigkeit bekommen wir von Gott geschenkt, wir alle, wenn wir wollen. Von uns aus sind wir nicht gerecht genug für Gott, keiner, keine.

Jesus will uns an seinem Tisch.

Gott sucht uns.  Wie wunderbar: Gott sucht mich wie der gute Hirte, wie die Frau mit dem Besen. Ich will von Gott gesucht und gefun-den zu werden. Gott sucht mich, wenn ich mich verstecke, wenn ich verloren bin in Selbstzweifeln, wenn ich auf falsche Wege geraten bin, im Gestrüpp von Selbstgerech-tigkeit. Er lässt nicht nach.

Das eine Schaf kommt zu den anderen zurück. Die eine Münze ist wichtig genug, um sie zu suchen. Auch was in und um mich verloren ist, ist wichtig genug, um es zu suchen. Auch die Teile in mir, die sich im Leben verfangen haben. Die Gedanken, Wunden und Erlebnisse, die im Staub und Dreck des Lebens liegen.

Gott sucht mich.

Gott sucht uns.

Wir gehen nicht verloren.

Und Gott freut sich, auch über mich.

Ist das nicht wunderschön?: Die Engel im Himmel stimmen ein Freudenlied über uns an.

Amen

 

628 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt

Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt damit ich lebe. Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst damit ich frei bin.

Refrain: Ehre sei Gott auf der Erde   in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen,  bis das Lied zu Himmel steigt:

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Frieden auf Erden

 

Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle. Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede. Refrain …

Ich lobe meinen Gott, der mir die Tränen trocknet, damit ich lache. Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme. Refrain …

 

Lobe den Herr, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Herr, unser Gott wir danken dir, dass du uns zu dir ziehst, aus lauter Güte.

Wir danken dir, dass du unsere harten Herzen anrührst und uns nicht einfach uns selbst überlässt.

Wir danken dir für deine Geduld mit uns,

dass du nicht aufhörst, uns zu suchen.

Wir bitten dich für die, die erstarrt sind in Hass und Feindschaft, dass sie aufwachen und umkehren.

Wir bitten dich für die Habgierigen und Machtgierigen, dass sie die Götzen erkennen, denen sie dienen.

Wir bitten dich für die Gehetzten, die Überforderten, die Ratlosen.

Wir bitten für alle, die verloren sind und die sich verloren fühlen

Wir bitten für unsere Gemeinde, unsere Kinder und Jugendlichen, alle, die uns am Herzen liegen.

Wir bitten für unsere Kranken und Alten.

Wir bitten für die Sterbenden und für die Trauernden.

Wir bitten dich, denn du bist barmherzig und gnädig.

Dir vertrauen wir uns an.

Vaterunser

 

Lied 322,1-4 Nun danket all

 

Nun danket all und bringet Ehr,  ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeldt.

 

Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge tut.

 

Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz  ins Meeres Tiefe hin.

 

Er lasse seinen Frieden ruhn auf unserm Volk und Land; er gebe Glück zu unserm Tun und Heil zu allem Stand.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Gottesdienst 13.6. Galater 5,1

13.Juni, 2.Sonntag nach Trinitatis

Am 13.6. feiern wir einen ökumenischen Gottesdienst im Stadtpark Im Alten Grün – dieser Hausgottesdienst ist zum großen Teil gleich mit den Texten für den ökumenischen Gottesdienst

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lobe den Herren, Gotteslob 392,1+2+5, Evangelisches Gesangbuch 316

 

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören.

Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

 

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,

der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,

der dich erhält, wie es dir selber gefällt;

hast du nicht dieses verspüret?

 

Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen.

Lob ihn mit allen, die seine Verheißung bekamen.

Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht.

Lob ihn in Ewigkeit. Amen.

 

Wir beten mit einem Psalm der Bibel, Psalm 31.

Wir leihen uns seine Sprache aus, Bilder für das, was uns bewegt. Da ist von Feinden die Rede: bildhafter Ausdruck für alles, was uns bedrängt, angreift, unfrei macht. Ängste, Krankheit, Konflikte können das sein. Wir beten, dass Gott unser Vertrauen stark macht.

 

Psalm 31, 2-9 (Basisbibel)

 

Bei dir, Herr, suche ich Zuflucht.

Lass mich nicht scheitern, zu keiner Zeit!

Rette mich, du bist doch gerecht!

Hab ein offenes Ohr für mich und hilf mir

schnell!

Sei für mich ein Fels, ein Versteck,

eine feste Burg, in die ich mich retten kann!

Ja, du bist mein Fels und meine Burg!

Zeig mir den Weg und führe mich!

Dafür stehst du mit deinem Namen ein.

Lass mich dem Fangnetz entkommen,

das sie heimlich für mich ausgelegt haben.

Denn du bist meine Zuflucht.

In deine Hand lege ich mein Leben.

Gewiss wirst du mich befreien, Herr.

Du bist doch ein treuer Gott.

Jetzt kann ich jubeln und fröhlich sein,

weil ich deine Güte erfahren habe:

Du hast gesehen, wie sehr ich leide,

und erkannt, in welcher Not ich bin.

Du hast mich nicht dem Feind überlassen.

Du hast mir weiten Raum gegeben,

wo ich mich frei bewegen kann. Amen

 

Predigtgedanken

Du hast mich nicht dem Feind überlassen.

Du hast mir weiten Raum gegeben, wo ich mich frei bewegen kann. (Ps 31,9) Oder:

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Manche haben eher Luthers Übersetzung im Sinn. Weiter Raum. Freiheit.

Unser Glaube macht uns weit und frei.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.

So schreibt Paulus (Gal 5,1), und er schreibt auch: Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit. (2.Kor 3,17) Reinhard Marx hatte diesen Satz zu seinem bischöflichen Wahl-spruch gewählt. Jetzt nimmt er sich die Freiheit seinen Rückzug vom Amt anzu-bieten, für ihn ein mutiger Schritt, ein Neuanfang. Sein evangelischer Kollege Heinrich Bedford-Strohm wählte übrigens den gleichen Satz als Motto für sein Amt als Bischof. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

 

In der Mitte unseres Glaubens geht es um Befreiung und Freiheit. Aber unser Glaube ist herausgefordert. Wir sind frei, aber auch vielfältig von Feinden bedrängt, von vielem, was uns unfrei machen will.

In den letzten Monaten waren wir eingeschränkt und haben uns nach Freiheit gesehnt. Zugleich haben wir alle unsere Verantwortung füreinander ganz direkt gespürt: Ich muss Abstand halten und auf vieles verzichten, um meine Mitmenschen zu schützen.

Diese Zeit hat uns verändert – hoffentlich ist es so! Wir haben vieles und auch unsere Freiheit neu schätzen gelernt.

Und wir wissen jetzt: Wir können auch anders. In Verantwortung für andere können wir uns einschränken. Freiheit und Verantwortung, beides ist uns bewusster.

 

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.

Ein Christenmensch ist frei, von Christus befreit.

Wir meinen oft, wir müssten etwas aus uns machen, alles aus uns herausholen wie Sportler im Kampf, uns optimieren. Wir akzeptieren andere nur, wenn sie etwas leisten. Auch uns selbst können wir nicht annehmen, wenn wir nicht gut sind. Und auch Christen setzen sich selbst und andere unter  so einen Druck.

Das ist falsch!

Das widerspricht zutiefst dem Evangelium.

Zuerst, vor allem, was wir leisten, sind wir angenommen, von Gott geliebt und bejaht.

Wie geliebte Kinder sind wir, Kinder, die einfach nur vertrauen. Nichts und niemand kann uns den Grund unseres Lebens streitig machen. Wir können alles verlieren, unseren Erfolg, unser Ansehen, unsere Gesundheit und Kraft, unser Leben. Aber nichts und niemand nimmt uns Gottes Liebe.

Wir sind frei.

 

Eine der Hauptschriften der Reformation war Martin Luthers Von der Freiheit eines Christenmenschen:  Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und nieman-dem untertan. Aber dazu gehört auch: Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Freiheit eines Christenmenschen heißt zum Beispiel in Pandemiezeiten Verantwortung zu übernehmen, dafür zu sorgen, dass wir sowohl das menschliche Grundbedürfnis nach Beziehung und Nähe erfüllen als auch die Vorsichtsregeln beachten.

Weil wir durch Gott befreit sind, darum dienen wir einander. Luther schreibt:

Sieh, so fließt aus dem Glauben die Liebe und die Lust zu Gott und aus der Liebe ein freies, williges, fröhliches Leben, dem Nächsten umsonst zu dienen. Denn so wie unser Nächster Not leidet und unseres Überflusses bedarf, so haben ja auch wir Not gelitten und seiner Gnade bedurft. Darum sollen wir so, wie uns Gott durch Christus umsonst geholfen hat, durch den Leib und seine Werke nichts anderes tun als dem Nächsten helfen.

Freiheit eines Christenmenschen heißt, sich anrühren zu lassen von der Not der Men-schen und von den Fragen unserer Zeit.

 

Vielen Menschen ringen verzweifelt um Freiheit. Es ist bedrückend zu hören, wie Oppositionelle in Belarus, Russland, Myanmar und in vielen Ländern unterdrückt werden. Zugleich staunen wir darüber, dass sie sich nicht zum Schweigen bringen lassen. Sie stehen zu dem, wovon sie überzeugt sind.  Sie folgen ganz dem Gewissen. Am Ende sind wir als Christen nur Gott selbst verantwortlich. Trotz großem Druck sind wir innerlich frei. Dietrich Bonhoeffer konnte für sich die Freiheit des Glaubens beschreiben:

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Gott gibt uns Widerstandskraft, Freiheit, die nötige Kraft für das, was auf uns zukommt, was wir verantwortlich gestalten sollen. Eigentlich könnten wir ganz gelassen darauf zugehen. Wir wissen noch nicht, welche Herausforderungen vor uns stehen:

Wenn wir die Folgen der Coronazeit bewältigen müssen.

Wenn wir ernsthafte Schritte gegen den Klimawandel gehen müssen.

Wenn unsere Kirchen Gemeinden sich verändern, verändern müssen.

Wenn für uns persönlich ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Es werden bestimmt keine einfachen Schritte und Entscheidungen. Aber wir vertrauen uns Gott an, der uns befreit.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.

Amen

 

Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, Gotteslob 383, Evangelisches Gesangbuch 628

 

Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt damit ich lebe.

Ich lobe meinen Gott,

der mir die Fesseln löst damit ich frei bin.

Refrain:

Ehre sei Gott auf der Erde

in allen Straßen und Häusern,

die Menschen werden singen,

bis das Lied zu Himmel steigt:

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Frieden auf Erden!

 

Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.

Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.

Refrain …

 

Ich lobe meinen Gott, der mir die Tränen trocknet, damit ich lache.

Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme.

Refrain …

 

Gebet

 

Herr Jesus Christus, du schenkst uns Freiheit und willst, dass wir frei und verantwortlich leben. Du weißt auch, wie eng und unfrei wir oft sind, wie bedrängt durch Ängste, durch Scheitern und Schuld.

Hilf den Suchenden und Fragenden,

denen die auf Umwegen unterwegs sind.

Schenke der Welt deinen Frieden, Frieden zwischen Völkern und Kulturen, Frieden und Gerechtigkeit für die Unterdrückten, Frieden zwischen den Religionen.

In rechter Weise hilf uns, die Freiheit zu leben, verantwortlich umzugehen mit dem, was du uns anvertraust. Die Schöpfung stöhnt unter dem Missbrauch menschlicher Freiheit. Wir bitten für das Leben in seiner Vielfalt.

Für deine weltweite Kirche bitten wir.

Lass die ökumenische Gemeinde der Christen zu einer Heimat der Menschen werden, zu einem Anwalt der Schwachen,

zu einem Zeugen deiner Liebe.

Wir bitten für unsere Kranken um Trost und Kraft, für alle, die sie begleiten und pflegen.

Wir bitten für unsere Kinder, dass sie die Not der Coronazeit unbeschadet hinter sich lassen können.

Wir bitten für alle, die uns besonders am Herzen liegen.

 

Vaterunser

 

Meine engen Grenzen

Gotteslob 437, Neue Lieder 178

 

Meine engen Grenzen,

meine kurze Sicht bringe ich vor dich.

Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.

 

Meine ganze Ohnmacht,

was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich.

Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.

 

Mein verlornes Zutraun,

meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.

 

Meine tiefe Sehnsucht

nach Geborgenheit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen