Alle Beiträge von Andreas Hansen

Pfarrer in Kenzingen seit Mai 2012, vorher als Pfarrer in Waldshut (1997-2012) und Riegel (1990-1997), verheiratet, drei erwachsene Kinder, Jahrgang 1960

Ostersonntag 4.4. 1.Kor 15,19-28

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Frohe Ostern!

Wir feiern die Auferstehung unseres Herrn.

Der Tod ist verschlungen vom Sieg.

Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt

Durch unseren Herrn Jesus Christus.

 

Lied 99 Christ ist erstanden

Christ ist erstanden von der Marter alle. Des solln wir alle froh sein; Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen. Seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.

Halleluja, Halleluja, Halleluja. Des solln wir alle froh sein; Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

 

Gebet

Herr, du bist auferstanden.

Jesus Christus, du lebst.

Der Tod hat nicht das letzte Wort.

Nimm alle Angst von uns!

Befreie uns von dem, was uns eng macht

und bedrückt!

Erfülle uns mit Hoffnung!

Herr, erbarme dich!

 

Lesung Mk 16,1-8

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, zusammen mit Salome wohlriechende Öle,

um den Leichnam Jesu zu salben.

Sehr früh am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg zum Grab.

Es war der erste Tag der neuen Woche, und die Sonne ging gerade auf, als sie dort ankamen. Unterwegs hatten sie zueinander gesagt:

Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Doch als sie aufblickten, sahen sie, dass der Stein weggewälzt war; er war nämlich sehr groß.Sie betraten die Grabkammer und sahen dort auf der rechten Seite einen jungen Mann in einem weißen Gewand sitzen.

Die Frauen erschraken; er aber sagte zu ihnen: Ihr braucht nicht zu erschrecken!

Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Geht nun zu seinen Jüngern und sagt zu ihnen: Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt hat. Zitternd vor Furcht und Entsetzen verließen die Frauen das Grab und liefen davon.

 

Lied 103,1-4 Gelobt sei Gott im höchsten Thron

Gelobt sei Gott im höchsten Thron samt Seinem eingebornen Sohn, der für uns hat genug getan. Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Des Morgens früh am dritten Tag, da noch der Stein am Grabe lag, erstand er frei ohn alle Klag. Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Der Engel sprach: “Nun fürcht’ euch nicht, denn ich weiß wohl, was euch gebricht. Ihr sucht Jesus, den find’t ihr nicht.” Halleluja, Halleluja, Halleluja.

“Er ist erstanden von dem Tod, hat überwunden alle Not; kommt, seht, wo Er gelegen hat.”

Halleluja, Halleluja, Halleluja.

 

Predigt 1.Kor 15,19-28

 

Anfang und Ende gehören Gott.

Wir spüren eine Ergriffenheit, ein Erschrecken vor dem Geheimnis, wenn ein Mensch geboren wird und wenn ein Mensch stirbt. Die Frauen sind tief erschrocken vor dem, was die Engel sagen. „Christus ist auferstanden“ Was soll das bedeuten?

Ein neuer Anfang von Gott, ergreifend und erschütternd.

Anfang und Ende gehören Gott.

Vielleicht kennen Sie den Brauch, vor dem Anschneiden eines Brotes ein Kreuz darauf zu zeichnen. Die ersten Früchte, die erstgeborenen Tiere wurden Gott als Erstlingsgabe geweiht. Gott schenkt den Anfang – das bedeuten diese Gesten. Gott, der Schöpfer gibt uns auch den Neuanfang. Paulus schreibt im 1. Korintherbrief:

 

Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, dann sind wir erbärmlicher dran als alle anderen Menschen.

Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden, als Erstling derer, die entschlafen sind.

Da nämlich durch einen Menschen der Tod kam, kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus auch alle zum Leben erweckt werden.                               Christus ist der Erstling, Gottes Erstlingsgabe an uns. Seine Auferstehung ist ein Anfang für uns. Auch wir sollen auferstehen.

Anfang und Ende gehören Gott. Das Wort Erstling deutet an: Dieser Anfang gehört Gott. Ostern ist ein Anfang. Und was an Ostern geschah, geht weiter. Es zielt auf Vollendung.

Was mit der Auferstehung Jesu beginnt, ist grundlegend neu. Es wird alles verändern.

Darum muss Paulus auf den allerersten Anfang verweisen. Nur so kann er beschrei-ben, wie sehr sich alles wandeln wird.

Er stellt Adam und Christus einander gegenüber.

Adam ist der sterbliche Mensch. Sein Name erinnert an die Adama, die Erde, zu der er zerfallen wird. Adam sind wir auch. Wir sind Adamsmenschen in einer Adamswelt.

Wir leiden und fügen einander Leid zu.

Wir müssen sterben und säen selber Tod und Zerstörung.

Christus ist der neue Mensch, der Mensch voll Leben. Er leidet und vergibt.

Er stirbt und sät Leben.

Christusmenschen werden wir.

Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus auch alle zum Leben erweckt werden. Noch ist es nicht soweit Noch sind wir Adamsmenschen. Noch herrscht der Tod.          Wir können uns kaum vorstellen, dass es je anders sein wird. Ostern ist erst der Anfang.

Gott selbst muss uns helfen, diesem Anfang zu vertrauen.

Im Römerbrief schreibt Paulus: Mit allen Geschöpfen seufzen wir und klagen über unsere Vergänglichkeit. Ja, wir wissen nicht einmal, wie wir beten sollen. So fern scheint uns das Leben.

Aber Gott schenkt uns als Erstlingsgabe den Heiligen Geist. Der hilft uns beten und hoffen und vertrauen.

Hier ist es wieder, das Wort „Erstling“:

Gott selbst schenkt uns den Anfang und die Hoffnung auf ein gutes Ende. Jesu Auferstehung zeigt uns, was Gott mit uns vorhat.

Ostern ist der Anfang vom Ende des Todes.

Christus ist der Anfang des Lebens.

Wir werden Christusmenschen.

Wir werden auferstehen.

Aber wir gehören ja schon jetzt zu Christus.

Wir leben und glauben ja schon von Ostern her.

Nie mehr verlischt dieses Licht.

Mit dem Anfang zu Ostern ist schon verbürgt:   Alle werden einmal das Licht Gottes sehen.

Für alle wird eine neue Zeit beginnen.

Paulus schreibt weiter: wie in Adam alle sterben, so werden in Christus auch alle zum Leben erweckt werden. Jeder aber an dem ihm gebührenden Platz: als Erstling Christus, dann die, die zu Christus gehören, wenn er kommt. Dann ist das Ende da, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergibt, wenn er alle Herrschaft, alle Gewalt und Macht zunichte gemacht hat.

Denn er soll herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat.

Als letzter Feind wird der Tod vernichtet.

Denn alles hat er ihm unterworfen, unter die Füße gelegt. Wenn es aber heißt: alles ist ihm unterworfen, so ist klar: mit Ausnahme dessen, der ihm alles unterworfen hat.

Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei.

Von Ostern her sehen wir weiter.

Feinde des Lebens werden besiegt.

Gewalt wird zerstört. Ungerechte Macht ist am Ende. Der Tod hat ausgespielt.

Was an Ostern begonnen hat, geht weiter.

Paulus blickt voraus bis zum Ende aller Zeit. Mit Hilfe von Psalmversen beschreibt er die Hoffnung.

Die Endzeitperspektive ist uns wohl fremd.

Aber die Hoffnung, alle Feinde Gottes werden besiegt, kann auch uns begeistern:
Nichts muss einfach bleiben, wie es ist.

Ein Ende der Gewalt gegen die Schöpfung.

Frieden: Erstarrte Konflikte müssen nicht bleiben.

Unrecht muss nicht einfach weitergehen.

Schmerz und Leid und auch die Pandemie sind begrenzt.

Ostern: der Anfang einer neuen Schöpfung.

Für alle beginnt eine neue Zeit.

Ostern: der Blick auf das gute Ende.

Alle werden das Licht Gottes sehen.

Dann stehen Mensch und Mensch zusammen, vor eines Herren Angesicht,

und alle, alle schaun ins Licht,

und er kennt jedermann mit Namen. (EG 20,8 Jürgen Henkys nach einem niederländischen Adventslied)

 

Lied 117 der schöne Ostertag

 

Der schöne Ostertag!

Ihr Menschen, kommt ins Helle!

Christ, der begraben lag,

brach heut aus seiner Zelle.

Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden, so glaubten wir umsonst.

Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.

 

Was euch auch niederwirft,

Schuld, Krankheit, Flut und Beben –

er, den ihr lieben dürft,

trug euer Kreuz ins Leben.

Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden, so kämpften wir umsonst.

Doch nun ist er erstanden.

 

Muss ich von hier nach dort

– er hat den Weg erlitten.

Der Fluss reißt mich nicht fort,

seit Jesus ihn durchschritten.

Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden, hofften wir umsonst.

Doch nun ist er erstanden.

 

 

Gebet

Jesus, du lebst;

wir feiern deine Auferstehung und danken dir.

Der Tod ist besiegt.

Der Anfang ist gemacht.

Hab Dank, dass wir zu dir gehören.

Hab Dank für die Hoffnung, die du uns schenkst.

Du lebst und wir sollen leben.

 

Vor dir denken wir an unsere Kranken,

an die, deren Leben angegriffen und

eingeschränkt ist, an die, die mit Schmerzen,

Mühen und Angst kämpfen.

Steh ihnen bei und bewahre sie.

Gib denen Kraft, die Kranke und Sterbende

betreuen.

Bewahre die, die sich um Angehörigen sorgen.

Tröste die Trauernden.

Wir bitten für die, die allein sind und darunter jetzt

besonders leiden.

Behüte diejenigen, die überfordert sind

durch die Einschränkungen.

Wir bitten für die, die sich um ihre Existenz

sorgen müssen.

Wir bitten für alle, die verantwortlich für andere

Entscheidungen treffen müssen.

 

Gib uns deinen Heiligen Geist.

Erfülle uns mit deiner Hoffnung.

Mach uns zu Zeugen deines Lebens und deines

Friedens. Wir bitten unsere Gemeinde und für die

Christinnen und Christen aller Konfessionen,

für unsere Partnergemeinde in Sundhouse und

für die Glaubenden in allen Ländern.

 

Vaterunser

 

Segen:

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

 

Karfreitag 2.4. Jes 53,3-5

Karfreitag 2021

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

EG 85 O Haupt voll Blut und Wunden 1+2+6

O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte: wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht’?

Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht; von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht; wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinen Arm und Schoß.

 

Gebet mit Psalm 22

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Ich schreie zu dir, Gott, aus zerstörten

Städten und Flüchtlingslagern. Was ich

gesehen habe, ist nicht zu ertragen.

Was Menschen einander antun, ist

unvorstellbar.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Ich schreie zu dir, Gott, aus Ländern, in

denen nichts mehr funktioniert, in denen

Gewalt und Willkür herrscht. Ich habe

Angst um die Kinder. Ich sehe keine

Zukunft.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Ich schreie zu dir aus meiner inneren Not,

aus Krankheit, Verzweiflung, Trauer und

Angst.

Aber du, Herr, sei nicht ferne;

meine Stärke, eile, mir zu helfen. Amen

 

EG 91 Herr, stärke mich dein Leiden … 1+2+9

Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,

mich in das Meer der Liebe zu versenken,

die dich bewog, von aller Schuld des Bösen

uns zu erlösen.

 

Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden, an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen.

 

Unendlich Glück! Du littest uns zugute.

Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.

Du hast mein Heil, da du für mich gestorben,

am Kreuz erworben.

 

Predigtgedanken

Die Jünger sind schockiert: Jesus, ihr Meister stirbt am Kreuz. Er hat Gottes Reich ganz nah gepredigt. Jetzt wird er verhöhnt durch die Dornenkrone und die Tafel über seinem Kreuz. „König!“ Er hat nur Gutes getan. Jetzt wird er geplagt und geschlagen. Er nannte Gott seinen lieben Vater im Himmel. Jetzt lässt Gott ihn so leiden und sterben. Wie kann das sein?

Später werden die Christen verspottet, dass sie einen Gekreuzigten anbeten. Bis heute ist das Kreuz anstößig. Wir glauben: Jesus ist für uns gestorben und Gott hat ihn von den Toten auferweckt. In der Schrift fanden die frühen Christen und finden wir Worte, die uns helfen, den Tod Jesu zu verstehen.

 

Der Prophet Jesaja schreibt über den leidenden Knecht Gottes (53,3-5):

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

 

Was Jesus angetan wird, ist ungerecht. Sein Leiden ist schrecklich. Aber sein Tod ist nicht sinnlos. Jesus ist für uns gestorben.

 

er war der Allerverachtetste:

Schlimmer geht nicht. Tiefer, elender, leidvoller ist nicht vorstellbar. Die Opfer von Erniedrigung und Gewalt, die Menschen in tiefstem Leid wissen ihn an ihrer Seite. Es schaudert uns, wenn wir an die Not im Jemen oder in Syrien denken oder an die Opfer von Missbrauch. Wir denken voll Sorge an die Beatmeten in den Intensivstationen – so ausgeliefert.

Zu ihnen wollen wir um keinen Preis gehören.

Aber Gott ist in Jesus gerade bei ihnen.

Er ist da, wo das Leid am größten ist.

An den tiefsten Punkten des Lebens, in Schmerz, Verzweiflung, Ausgeliefertsein, Erniedrigung, in Krankheit, Angst und Tod, da ist Jesus. Gott will bei den Leidenden sein. In diesem Sinn nimmt Gottes Sohn unser Leid, unseren Tod auf sich.

Jesus ist für uns gestorben.

 

er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Jesus heilt Menschen. Jesus lebt für andere. Er heilt Menschen mit schlimmen, anstecken-den Krankheiten. Er nimmt sich der psychisch Kranken an, die man für besessen hält und fürchtet. Das ist ein mühsamer Weg. Umstritten, angefeindet ist Jesus von Anfang an, obwohl ihm auch viele zujubeln.

Die Verhaftung und das Todesurteil kommen nicht überraschend. Sie sind der letzte Schritt seiner Hingabe für andere. Wie kein anderer erkennt Jesus, was uns fehlt. Er kennt unsere Bedürftigkeit.

Die Verlorenen will Jesus suchen und retten.

So setzt Gott sich ein. So gibt Jesus sich hin.

Jesus ist für uns gestorben.

 

er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.

Alle versagen und machen sich schuldig. Zynisch und grausam begeht Pilatus einen Justizmord. Brutal und ungerührt foltern die Soldaten Jesus.

Verblendet und selbstgerecht verurteilen und verspotten ihn die Priester und das Volk.

Feige lassen ihn seine Freunde allein.

Und Jesus lässt all das geschehen. Er ist unschuldig und leidet, ohne sich zu wehren. Und er vergibt.

Sie alle bedürfen der Vergebung.

Wir alle bedürfen der Vergebung.

Wir sind verstrickt in Schuld. Auch durch unser Versagen werden spätere Generationen die Folgen des Klimawandels ausbaden. Durch unser Versagen scheitern Beziehungen.

Egoistisch wenden wir uns von unseren Mitmenschen ab und damit auch von Gott.

Aber Gott wendet sich uns zu.

Gewiss: Das Unrecht kann nicht durch ein neues Unrecht aufgewogen werden. Blut reinigt nicht.

Aber in Jesus nimmt Gott selbst die Folgen der Sünde auf sich. Er setzt sich ein. Er trägt die Last der Schuld. In diesem Sinn bringt unser Versagen, unsere Schuld Jesus ans Kreuz.

Jesus ist für uns gestorben.

 

Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind  wir geheilt.

Wir werden nicht bestraft, sondern versöhnt.

Gott will uns versöhnen.

Ein falscher Gedanke über Gott hat sich eingeschlichen und hält sich hartnäckig:

Es ist falsch zu sagen, Jesu Tod stille den Zorn Gottes. Gott bedarf nicht der Versöhnung.

Von Gott geht die Versöhnung vielmehr aus.

Die Welt und wir haben Versöhnung bitter nötig.

Die Welt braucht Frieden. Wir brauchen Gnade.

Gott will uns schon immer gnädig sein.

Gottes Gnade und Liebe sind nicht erst das Ergebnis des Todes Jesu am Kreuz, sondern der tiefe Grund für den ganzen Weg Jesu bis hin zum Kreuz.

Aus Liebe zu uns wird Gott Mensch.

Aus Gnade und Liebe heilt Jesus Menschen und vergibt ihnen und zeigt ihnen den Vater im Himmel. Aus Liebe geht er so weit, bis zum Kreuz, damit wir Versöhnung, Vergebung und Frieden haben.

Jesus ist für uns gestorben.

„Für uns“. Was da am Kreuz geschieht,

rührt uns  an und verwandelt die Welt.

Für unser Leid, für unsere Bedürftigkeit, für unser Versagen, für unseren Frieden stirbt Jesus.

Auch am Karfreitag, bleiben wir jedoch nicht am Kreuz stehen. Wir wissen schon um den Ostermorgen. Wir denken schon von Ostern her. Leid und Schuld und Tod behalten nicht das letzte Wort.

Für uns, zu unserem Heil, ist Jesus gestorben und auferstanden. Das Kreuz, Zeichen des Todes und des Unheils, wird uns zum Zeichen der Überwindung von Tod, zum Zeichen des Heils.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Neue Lieder 164

In einer fernen Zeit gehst du nach Golgatha, erduldest Einsamkeit, sagst selbst zum Sterben ja.

 

Du weißt, was Leiden ist. Du weißt, was Schmerzen sind, der du mein Bruder bist, ein Mensch und Gottes Kind.

 

Verlassen ganz und gar von Menschen und von Gott, bringst du dein Leben dar und stirbst den Kreuzestod.

 

Stirbst draußen vor dem Tor, stirbst mitten in der Welt.

Im Leiden lebst du vor, was wirklich trägt und hält.

 

Erstehe neu in mir. Erstehe jeden Tag. Erhalte mich bei dir, was immer kommen mag. Amen. Amen. Amen

 

Gebet

Gott, unser Vater, wir danken dir für deine unergründliche Liebe.

Du überlässt uns nicht uns selbst.

Du gibst keinen Menschen verloren.

Du setzt dich dem Leid und dem Bösen aus.

Wir sehen auf dein Kreuz.

Du bist bei den Geschlagenen, Verzweifelten

und Erniedrigten.

Wir bitten dich für alle, die leiden in Krieg und Not,

bedrängt von Gewalt, ungewiss auf der Flucht.

Wir bitten dich für unsere Lieben, um die wir uns sorgen, für unsere Kranken, für die Trauernden.

Stärke uns, wenn wir selbst Leid erfahren.

Dir vertrauen wir uns an.

 

Segen:

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

 

 

 

 

 

 

 

Herzliche  Grüße  und  Segenswünsche ,                       Andreas  Hansen

Gottesdienste an Karfreitag und Ostern

Gottesdienste an Karfreitag  und Ostern 

Nach den politischen Plänen am Montag 22.3. und deren Absage am Mittwoch 24.3. haben wir im Kirchengemeinderat lange beraten, was wir tun sollen. Uns ist bewusst, dass in der gegenwärtigen Situation jeder unnötige Kontakt vermieden werden sollte. Andrerseits: Wir halten Gottesdienste für notwendig. Es ist für viele Menschen sehr wichtig direkt und persönlich den Sonntag und insbesondere Karfreitag und Ostern feiern zu können. Wir werden also Gottesdienste feiern, wir bieten aber auch Alternativen ohne persönlichen Kontakt an.

 

Darum laden wir ein zu unserer Video-Andacht zu Passion und Ostern. Sie wurde mit Aufnahmen im Freien und in der Kirche mit mehreren Mitwirkenden erstellt und ist ab Gründonnerstag (1.4.) über unsere Homepage anzusehen.

Den Hausgottesdienst zum Karfreitag werden wir an ältere Gemeindeglieder verteilen. Sie finden ihn auch beim Pfarramt und natürlich auf unserer Homepage.

 

Für die Präsenzgottesdienste gilt: Sollte die Inzidenzzahl in den nächsten Tagen stark steigen, werden wir verzichten, aber bei den aktuellen Werten planen wir Gottesdienste in der Kirche und auf dem Friedhof.

Melden Sie sich bitte im Pfarramt an! Per Mail oder telefonisch.

Name, Personenzahl und Telefonnummer genügen. Wir verständigen Sie, wenn der gewünschte Gottesdienst schon belegt ist.

Unser Hygiene-Konzept: Bitte tragen Sie während des ganzen Gottesdienstes einen medizinischen Mundschutz und achten Sie auch beim Kommen und beim Verlassen der Kirche auf den nötigen Abstand. Wir müssen die Gottesdienstbesucher registrieren.

An Karfreitag und Ostersonntag gibt es in der Kirche jeweils zwei Gottesdienste, um 10 Uhr und um 11.30 Uhr.  Weiterhin verzichten wir auf die Feier des Abendmahles.

 

Karfreitag, 2. April  

10.00 Uhr und 11.30 Uhr Gottesdienst mit Pfr. Andreas Hansen und Kantorin Jakoba Marten-Büsing. Mitglieder der Kantorei singen

 

Ostersonntag, 4. April 

7.00 Uhr Auferstehungsfeier auf dem Friedhof Kenzingen mit dem Posaunenchor

10.00 Uhr Gottesdienst mit Pfr. Andreas Hansen, Simon Hügle (Saxophon) und Kantorin Jakoba Marten-Büsing (Orgel)

11.30 Uhr Gottesdienst mit Pfr. Andreas Hansen, Simon Hügle (Saxophon) und Kantorin Jakoba Marten-Büsing (Orgel).

 

Ostermontag, 5. April 

10.00 Uhr Gottesdienst mit Pfr. Andreas Hansen und Kantorin Jakoba Marten-Büsing (Orgel). Im Gottesdienst wird Gerold Bey in sein Amt als Kirchengemeinderat eingeführt.

Hausgottesdienst 21.3.21

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Seit über einem Jahr plagt uns die Pandemie. Seit zehn Jahren ist Syrien ein Schlachtfeld. Warum trifft Menschen das Leid? Warum wütet die Gewalt, herrscht das Unrecht. Warum werden Menschen von einem Virus befallen?

Schaffe mir Recht, Judika, so heißt dieser Sonntag. Ein bedrängter Mensch klagt Gott sein Leid, er fragt „Warum?“ und klagt Gott an. Er sehnt sich nach Klarheit.

 

Psalm 43

Gott, schaffe mir Recht  und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke:

Warum hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich drängt?

Sende dein Licht und deine Wahrheit,

dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg

und zu deiner Wohnung,

dass ich hineingehe zum Altar Gottes,

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Amen

 

Gott, schaffe mir Recht! Gott, schaffe uns Recht! Zeig uns dein Erbarmen, schweige nicht zu dem Leid! Es schreit zum Himmel, was geschieht. Viele verlieren die Geduld. Sie sind verzweifelt. Sie sehen kein Ende. Schaffe uns Recht! Bewahre uns vor den Rechthabern! Bewahre mich selbst vor Selbstgerechtigkeit und Rechthaberei!

Sende dein Licht und deine Wahrheit. Jesus, wir sehen auf deinen Weg zum Kreuz. Du verzichtest auf dein Recht. Du gebrauchst keine Gewalt und weichst nicht aus. Du setzt dich selbst ein. Deine Liebe überwindet das Böse. Zeig uns dein Erbarmen! Richte die Verzweifelten auf! Sende dein Licht und deine Wahrheit. Amen

 

Lied 97  Holz auf Jesu Schulter

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht. Kyrie eleison, …

Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du? Kyrie eleison, ….

Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

„Warum?“, so fragen Menschen, die über ihrem Leid verzweifeln. „warum hast du mich verlassen?“ – Jesus am Kreuz schreit Gott an, wie die Beter und Beterinnen der Psalmen. Unschuldig ist Hiob in tiefes Leid geraten. Er klagt sein Leid.

Predigttext Hiob 19,19-27

Meine engsten Freunde verabscheuen mich. Sogar diejenigen, die mir am liebsten sind, stehen mir feindselig gegenüber. Meine Haut klebt nur noch an den Knochen. Nur das nackte Leben ist mir noch geblieben.

Habt Mitleid, habt Mitleid mit mir, ihr meine Freunde! Denn Gott hat mich mit diesem Unglück geschlagen. Warum verfolgt ihr mich, wie Gott es tut? Wann hört ihr endlich auf, mich zu zerfleischen?

Ach, wenn ich mir doch wünschen könnte, dass meine Verteidigungsrede aufgeschrieben wird – wie bei einer Inschrift, die man in den Stein ritzt! Mit einem Meißel soll man sie in den Fels hauen und ihre Buchstaben mit Blei ausgießen.

Ich weiß ja doch, dass mein Erlöser lebt,   und zuletzt wird er sich über dem Staub erheben. Mit zerfetzter Haut stehe ich hier. Abgemagert bin ich bis auf die Knochen. Trotzdem werde ich Gott sehen. Ich werde ihn mit meinen Augen sehen, und er wird für mich kein Fremder sein. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Unvorstellbar ist die Leidensgeschichte Hiobs. Schlag auf Schlag verliert er alles, seinen Reichtum, seine Kinder, sein Ansehen, seine Gesundheit. Übersät mit Geschwüren sitzt er im Dreck. Seine Frau sagt: „Was bringt dir dein Glaube jetzt noch? Gott – kannst du vergessen!“ Aber Hiob will weiter glauben.

Seine Freunde kommen. Lange sitzen sie schweigend bei ihm. Dann beginnt Hiob zu klagen. „Warum? Warum tust du mir das an, Gott?“

Wir hören richtig: Hiob klagt Gott an. Er beschimpft Gott. Seine Wut, seinen Schmerz, seine Verzweiflung schreit er heraus. „Du hast mich geschlagen. Du verfolgst mich. Du zerfleischst mich.“ An anderen Stellen wird er noch drastischer. Darf man so mit Gott reden? Darf man Gott anklagen?

Die Freunde meinen: „So geht das nicht, Hiob. Bestimmt gibt es irgendeinen Grund für dein Leid. Überleg doch mal: Was hast du angestellt?“

Hiob jammert: Habt Mitleid mit mir! Warum verfolgt ihr mich, wie Gott es tut? Auch die Freunde lassen ihn im Stich. Er ist ganz allein. Darum will er seine Rede in Stein meißeln – wenigstens vergessen werden will er nicht.                                  Leid macht einsam.

Wir hören die Berichte von den Flüchtlingen im Lager Kara Tepe auf Lesbos. Eine kurze Notiz, schon bald wieder vergessen. Wir sehen die Bilder aus Syrien, unvorstellbare Schicksale, Millionen auf der Flucht, Hunger – aber schnell gehen wir zur Tagesordnung über.

Leid macht einsam.

Wer kann ermessen, was es bedeutet, wenn ein geliebter Angehöriger plötzlich erkrankt, in die Intensivstation muss, nicht ansprechbar ist, stirbt? Wer kann den Schrecken und die Leere fühlen? Unvorstellbar. Wir können uns nur dazusetzen und den Mund halten, um Himmels Willen nicht vertrösten oder Erklärungen suchen für das, was nicht zu erklären ist.

Das Leid macht auch Jesus einsam.

Alle laufen weg von ihm, erschrecken, ekeln sich, haben Angst, verraten und verleugnen ihn. Er ist ganz allein und auch von Gott verlassen. „Warum?“ so schreit Jesus zu Gott.

Darf man Gott anklagen? Elie Wiesel erzählt von einer Gerichtsverhandlung, die sein Lehrer im Lager in Auschwitz einberief: „Er hatte zwei andere Rabbiner hinzugezogen und sie beschlossen, Gott anzuklagen, im angemessener, korrekter Form, wie es ein richtiges rabbinisches Tribunal tun soll, mit Zeugen, Argumenten, usw. (…) Die Verhandlungen des Tribunals zogen sich lange hin. Und schließlich verkündete mein Lehrer, der Vorsitzender des Tribunals war, das Urteil: Schuldig. Und dann herrschte Schweigen (…) ein endlos langes Schweigen. Aber schließlich sagte mein Lehrer: „Und nun, meine Freunde, lasst uns gehen und beten.“ Und wir beteten zu Gott, der gerade wenige Minuten zuvor von seinen Kindern für schuldig erklärt worden war.“ (Loccumer Protokolle 25/1986, S. 118ff)

Hiob klagt Gott an, aber er lässt Gott nicht los. Er versteht Gottes Wege nicht.                                          Sein Leid ist nicht zu erklären.                                            Er ringt mit Gott.                                                                  Aber er gibt Gott nicht auf.     Er flieht vor Gott, der ihn so geschlagen hat.   Und er flieht doch zu Gott hin. Hiob wagt trotz allem zu glauben, zu hoffen. Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Wir sehen auf den Weg zum Kreuz und wir schauen doch schon auf Ostern.

Hiobs Bekenntnis der Hoffnung vertont Händel in seinem Messias:

Sie können das hören über youtube: https://www.youtube.com/watch?v=Kg7aXEvCeXY

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt  und zuletzt wird er sich über dem Staub erheben. Mit zerfetzter Haut stehe ich hier. Abgemagert bin ich bis auf die Knochen. Trotzdem werde ich Gott sehen.  Ich werde ihn mit meinen Augen sehen, und er wird für mich kein Fremder sein.

Hiob wagt es an Gott festzuhalten. Nicht im Brustton fester Überzeugung, eher leise, nach vielen Tränen, suchend, tastend, wagt Hiob sein Bekenntnis der Hoffnung.

Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Unvorstellbar groß ist seine Last und er hat keine Erklärung, warum es so ist. Und doch klammert er sich an Gott.

Wir schauen auf Jesus. Gott nimmt auf sich, was Menschen erleiden,   das Unrecht, den Schmerz, die Erniedrigung.    Wir schauen auf Jesus am Kreuz und wir hoffen auf den lebendigen Christus. An dem halten wir uns fest.

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Amen

 

Lied 365 Von Gott will ich nicht lassen

Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir, führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr. Er reicht mir seine Hand; den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land.

 

Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; es kann mich nicht gereuen, er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben; er schaff’s, wie’s ihm gefällt!

Gott, warum? Warum lässt du das Leid zu in dieser Welt? So fragen wir dich.

Halte uns fest, uns und alle Leidenden dieser Erde. Wir klagen dir all das Leid.

Und wir bekennen mit Hiob: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Wir sind oft ratlos, aber nicht hoffnungslos, sprachlos über das Ausmaß des Leides, aber nicht trostlos.

Du weißt, was Leid bedeutet, wie sich Leiden und Tod anfühlen. Du bist zutiefst solidarisch mit deiner leidenden Kreatur.

Wir bitten dich für unsere Mitmenschen, die am Verzweifeln sind, für die, die nichts mehr glauben und hoffen, für die, die unter ihrem Leid zerbrochen sind.

Wir bitten für uns in dieser Zeit. Bewahre uns, du, unser Gott.

 

Vaterunser

 

 

Gott, segne uns und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

Hausgottesdienst zum 14.3.

 

Gottesdienst für den 14.3.2021

Pfarrer Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 396,1+3+6 Jesu,meine Freude

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier.  Ach, wie lang, ach lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.

Trotz dem alten Drachen, trotz des Todes Rachen, trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sich´rer Ruh! Gottes Macht hält mich in acht; Erd´ und Macht muss verstummen, ob sie noch so brummen.

Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben muss auch ihr Betrüben lauter Sonne sein. Duld´ ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu meine Freude.

Wir stehen in der Mitte der Passionszeit und schon bald gehen wir auf Ostern zu. Lätare, „Freut euch!“ heißt dieser Sonntag nach Jesaja 66: Freut euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt!

Mit Psalm 84 beten wir:

Wie lieb sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;

mein Leib und Seele freuen sich

in dem lebendigen Gott.

Der Vogel hat ein Haus gefunden

und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –

deine Altäre, HERR Zebaoth,

mein König und mein Gott.

Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;

die loben dich immerdar.

Wohl den Menschen, die dich für ihre

Stärke halten

und von Herzen dir nachwandeln!

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen,

wird es ihnen zum Quellgrund,

und Frühregen hüllt es in Segen.

Sie gehen von einer Kraft zur andern

und schauen den wahren Gott in Zion.

Herr Zebaoth, wohl dem Menschen,

der sich auf dich verlässt! Amen

 

Gott, wir danken dir, dass es Orte gibt,

an denen wir etwas von dir erfahren.

Wir danken dir für unsere Kirche.

Hab Dank, dass es Menschen gibt,

die uns zeigen, was Glaube bedeutet.

Wir danken dir für unsere Gemeinde.

Hab Dank, dass es Zeiten gibt,

in denen wir spüren: Du bist für uns da.

Wir danken dir für den Gottesdienst und bitten dich: Segne ihn auch heute. Erbarme dich über uns.

Amen

 

Lied 98 Korn, das in die Erde

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt. Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab, Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab. Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn? Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn – Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

Predigttext Johannes 12,20-26

Unter denen, die zum Fest nach Jerusalem hinaufgezogen waren, um anzubeten, befanden sich auch einige Griechen. Sie wandten sich an Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: »Herr, wir möchten Jesus sehen.« Philippus ging zu Andreas und teilte ihm das mit, worauf Andreas und Philippus zusammen zu Jesus gingen, um es ihm zu sagen.

Jesus gab ihnen zur Antwort: »Die Zeit ist gekommen, da  der Menschensohn in seiner Herrlichkeit offenbart wird. Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.          Wem sein eigenes Leben über alles geht, der verliert es. Wer aber in dieser Welt sein Leben loslässt, der wird es für das ewige Leben in Sicherheit bringen. Wenn jemand mir dienen will, muss er mir nachfolgen. Und da, wo ich bin, wird auch mein Diener sein. Wer mir dient, den wird der Vater ehren.«

 

lehre mich die anderen rechnungen

ich verschenke und werde reich

ich halte nichts fest und erhalte in fülle

(Ernst Eggiman)

So ist Jesus. Er schenkt rückhaltlos.

Er sucht nicht den eigenen Vorteil und er benutzt nicht Menschen für seine Zwecke. Seine Gaben, seine Kraft, sein Leben gibt er hin, damit wir leben. Er schenkt Leben, Leben in Fülle.

Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

Ein Weizenkorn weist hin auf das Geheimnis des Glaubens. Im Weizenkorn steckt Kraft. Es wird gemahlen und zu Brot gebacken und gibt Kraft. Oder es wird ausgesät, fällt in die Erde und keimt. Dann stirbt das Korn. Es bringt einen Halm, eine Ähre hervor und vergeht dabei. Es gibt seine ganze Kraft in das neue Leben. Viele Körner wachsen daraus.

Bleibt es verschlossen, so ist es unfruchtbar.

Ein Leben für sich selbst bleibt unerfüllt.

Es muss aufgehen, sich hingeben, damit das neue Leben werden kann.

Geheimnis des Glaubens: Im Tod ist das Leben.

Leuchtend grüne Halme bringt der Weizen hervor. Das Leben wird schön, erfüllt, sinnvoll, fruchtbar.

Johannes schreibt von ewigem Leben.

Schon jetzt ist es zu spüren, das wahre Leben.

Schon jetzt kann das Leben sein wie aufgehender Weizen.

ich verschenke und werde reich

Es ist schön, wenn Menschen von einem liebevollen Leben erzählen können, wenn ein Mensch seine Arbeit mit ganzem Herzen macht und mit Hingabe für andere da ist.

Es ist schön, wenn Menschen bereit sind, sich auf Leid und Krankheit und Bedürftigkeit einzulassen.

Die Pandemie hat uns sehr deutlich gemacht: ohne solche Menschen geht es gar nicht.

Die Ärzte und Pflegerinnen bekamen Applaus. Hoffentlich bekommen die Pflegekräfte auch angemessene Tariflöhne – es ist schwer nachvollziehbar, dass ausgerechnet Diakonie und Caritas das gerade verhindert haben.

Wer so einen Beruf ergreift, wer Alte und Kranke pflegt, der macht es ja nicht um reich zu werden. Medizinische und pflegerische Arbeit ist viel mehr als eine abrechenbare Dienstleistung oder gar ein gewinnträchtiges Geschäft. Solche Arbeit braucht Herz, Hingabe, Zuwendung. Wir sind alle darauf angewiesen, dass es Leute gibt, die dazu bereit sind.

Für viele Menschen ist ihre Arbeit mehr als ein Job um Geld zu verdienen. Ihre Hingabe ist schön, wie aufgehender Weizen. Viele engagieren sich jetzt in den Impfzentren, bei den Schnelltests, an vielen Stellen. Manche sind eigentlich im Ruhestand und lassen sich wieder einspannen. Viele engagieren sich ehrenamtlich.

ich verschenke und werde reich

die Pandemie fordert uns heraus und macht viele Probleme deutlich. Aber ich staune auch über Menschen, die jetzt ganz viel schenken und Gutes tun. Es ist schön, wenn Menschen Zeit und Geld und Lebenskraft verschenken – oft wird ihre Gabe von kaum jemandem bemerkt. Klein und unscheinbar wie ein Weizenkorn kommt uns das Leben vieler Menschen vor. Und doch: was darin liebevoll geschieht oder geschah, das ist die Schönheit und der Reichtum dieses Lebens.

So anders rechnet auch Jesus.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt: das Korn muss sich hingeben, damit es Frucht bringt. Das schöne Bild vom Weizen hat eine düstere Seite. Jesus spricht von seinem Tod.

Er ist das Weizenkorn.

Wenige Tage vor seinem Tod drängen sich die Leute um ihn. Er ist berühmt, weil er Menschen geheilt hat. Er zeigt ihnen Gott. Bei ihm haben sie erlebt: Gottes Reich ist zum Greifen nah.

„Da sind Leute, die wollen dich sehen, Jesus.“„Was wollen sie sehen, Philippus? Einen Star?“ „Ich glaube, sie meinen es ernst. Von weit her sind sie gekommen, um hier im Tempel zu beten. Da haben sie gehört, was die Leute von dir erzählen.“ „Ich weiß. Etwas von Gott wollen sie sehen, ein wenig von Gottes Herrlichkeit, ein Zeichen für seine Macht, was zum Festhalten. Aber ihr wisst doch: niemand hat Gott je gesehen. Jetzt kommt meine Stunde. Jetzt zeigt Gott seine Herrlichkeit. Aber zu sehen ist nur: ein Korn, das in die Erde fällt und stirbt. Nur so bringt es Frucht.“

Vielleicht geht es uns ähnlich wie den beiden, die nach Jesus fragen. Wir möchten so gerne sehen, wie es weitergeht. Wir klammern uns an Zeichen wie sinkende Inzidenzzahlen.   Wir sehnen uns nach Gewissheit, Halt und Hoffnung.

Und Jesus? Er zeigt auf seinen Weg zum Kreuz. Nur wenn das Weizenkorn stirbt, bringt es Frucht. Wenn ihr etwas von Gott sehen wollt, dann schaut auf das Kreuz, schaut, wie Gott stirbt und sich auf die schreckliche Seite des Lebens einlässt, wie er sich das Unrecht der Welt antun lässt.

Ein Schüler kam zum Rabbi und fragte: „Früher gab es Menschen, die Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen haben. Warum gibt es die heut nicht mehr?“ Der Rabbi antwortete: „Weil sich niemand mehr so tief bücken will.“

lehre mich die anderen rechnungen

Gott zeigt sich in dem sterbenden Weizenkorn, in Jesus am Kreuz. Ich möchte ihn sehen lernen.

Was hast du da angefangen, Gott?

Deine Geschichte mit uns ist eine Geschichte vom Kreuz.  Es ist ein Kreuz mit uns. In deinem Weg spiegelt sich unser Leben.

Man hat dich totgesagt, Jesus, aber verhindern konnten sie nicht das Leben, das von dir ausgeht, – Weizenkorn, für alle ausgesät.

Geheimnis des Glaubens. Im Tod ist Leben.

Im Kreuz ist Heil.

Mach mich zum Weizenkorn, Gott, eines von vielen, eines für viele,

fruchtbar für die kommende Welt.“

Amen

 

Neue Lieder 217 Wir gehn hinauf nach Jerusalem

Wir gehn hinauf nach Jerusalem in leidender Liebe Zeiten und sehen, wie einer für alle stirbt, um uns einen Platz zu bereiten.

Wir gehn hinauf nach Jerusalem. Wer will bei dem Herren bleiben und kosten von einem so bittern Kelch? Die Angst soll uns nicht von ihm treiben.

Wir gehn hinauf nach Jerusalem, das Opfer der Welt zu sehen, zu spüren, wie unsere Not vergeht, und unter dem Kreuze zu stehen.

Wir gehn hinauf nach Jerusalem, zur Stätte der ewgen Klarheit. Wo Leiden und Ohnmacht in unsrer Welt, da finden wir Christus in Wahrheit

 

Herr Jesus Christus, du gibst dich selbst in Leid und Tod, damit wir leben.

Du nimmst uns das Unrecht ab

und kleidest uns in deine Gerechtigkeit.

Über deinem Kreuz verfinstert sich die Sonne,

damit wir im Licht gehen.

Wir bitten dich für Menschen, die Liebe üben, wo man sich hasst, die der Gewalt und dem Unrecht entgegentreten, die um Frieden ringen.

Segne ihr Tun. Gib ihnen Mut und Geduld. Hilf uns, an unserem Platz, Streit und Hass zu beenden.

Wir bitten dich für  Menschen, die für andere da sind, Kranke und Alte pflegen, Traurige nicht allein lassen.  Hilf ihnen und hilf uns, zu sehen, was nötig ist und es zu tun. Stärke unsere Kranken und die, die sie begleiten.

Wir bitten dich für unsere Gemeinden in Sundhouse und Kenzingen, für deine Kirche an allen Orten und in allen Konfessionen. Hilf uns, Jesus Christus nachzufolgen und sein Evangelium zu verkünden.

Vaterunser

Gott, segne uns und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.