Alle Beiträge von Andreas Hansen

Pfarrer in Kenzingen seit Mai 2012, vorher als Pfarrer in Waldshut (1997-2012) und Riegel (1990-1997), verheiratet, drei erwachsene Kinder, Jahrgang 1960

Hausgottesdienst zum 25.10. – Gottesdienst zur Eröffnung der Vernissage der Ausstellung Franz Schuck

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Wir kommen zu dir, du, unser Gott,

mit dem, was uns bewegt, unsere Freude,

und auch die Last unserer Sorgen.

Gib uns deinen Geist, das Feuer deiner Liebe,

das Wort, das die Sache trifft,

den Klang, der uns erhebt.

Wie gut, dass wir zu dir kommen dürfen.

Wir preisen dich. Amen

 

Neue Lieder  56

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.

Die Töne, den Klang hast du mir gegeben

von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde,

du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.

 

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.

Die Töne den Klang hast du mir gegeben

von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen

du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

 

Ps 8 von Huub Osterhuis übertragen W 902.2

Unmöglicher Name, unnennbar, wer?

Tief oder hoch, in welchem Erdenwinkel, wer?

Himmel, majestätischer Mantel,

funkelnde Myriaden – wer?

Der aus dem Mund von Kindern

eine Kraft aufbaut, eine Burg aus Liedern,

wo sie ihren Schändern entkommen, der.

Wenn ich den Himmel anschau,

Mond, Sonne, Sterne, dort geformt:

Wer sind wir dann,

dass an uns gedacht werden sollte,

Mensch, wer bist du, dass du gewusst wirst?

Göttertöchter sind wir und –söhne,

gekrönt mit unsichtbaren Kronen,

in verfeinerte Körper gekleidet.

Und die ganze Erde ausgelegt zu unseren Füßen,

bis in die fernsten Fernen,

dass wir sie behüten.

Herden von Schafen, Mengen von Vieh

mit den Tieren der Wildnis zusammen,

Vögel entlang der Himmelsbahnen,

Fische, flitzend entlang der Meerespfade.

Unmöglicher Name, unnennbar, du, wer du,

tief oder hoch, in welchem Erdenwinkel, du,

wer du?

 

EG 351,7

Sein Geist wohnt mir im Herzen,

regiert mir meinen Sinn,

vertreibet Sorg und Schmerzen,

nimmt allen Kummer hin,

gibt Segen und Gedeihen

dem, was er in mir schafft,

hilft mir das Abba schreien

aus aller meiner Kraft.

 

Ich betrachte das Bild von Franz Schuck.

Hans Dulfer spielt Saxophon im Alto-Jazzcafé in Amsterdam. Über viele Jahre hat Franz Schuck ihn immer wieder dort gezeichnet und gemalt, hat seine Energie gespürt und sich inspirieren lassen.

Hans Dulfer steht leicht vorgebeugt im Licht.

Seine Augen sind geschlossen. Als würde er selbst lauschen, den Tönen, die zu ihm kommen und durch ihn erklingen. Versunken in sein Spiel, ganz gegenwärtig und doch erhoben, entrückt, erfüllt.

Ein glücklicher Moment, für ihn, für seine Zuhörer, für den Maler. Er erfasst die Spannung der Melodie,

die Kraft des Rhythmus. Frei entfaltet er sein Spiel, wagt eine Wendung, genießt diesen Moment.

Für den Musiker, den Künstler und auch für uns:

Was für ein Glück, wenn wir ganz bei uns sind,

in unserem Tun aufgehen, uns ganz hineingeben,

und wenn gelingt, was wir tun. Ein Funke springt in solchen Momenten über, etwas, das uns berührt, weil es stimmt. Etwas wie eine Antwort, auf die wir gewartet haben. Ein Bild, ein Klang, ein Wort, das in uns wiederklingt und uns öffnet.

 

 

Liebe Gemeinde, mein Predigttext für heute ist  nur ein Wort. Noch dazu ist es ein seltenes Wort. Zweimal verwendet es Paulus im 2. Korintherbrief und noch einmal einer seiner Schüler im Brief an die Epheser. Für mich ist es ein Schlüsselwort um zu verstehen, das Kunstwerk zu verstehen, mich selbst vor Gott zu verstehen und auch ein wenig diese verrückte Zeit zu verstehen.

Das Wort heißt griechisch Arrabon, ein Lehnwort aus semitischem Ursprung. Luther übersetzt es mit „Unterpfand“, die Zürcher Übersetzung sagt „erster Anteil“ dazu, andere nennen es „Anzahlung“.

Den Heiligen Geist gibt uns Gott als Anzahlung, als Unterpfand, als ersten Anteil dessen, was er uns noch geben wird.

Ein Unterpfand ist mehr als schöne Worte. Da haben wir schon richtig etwas in der Hand. Wir werden nicht vertröstet. Trotz gegenteiliger Vermutung wirkt der Geist leibhaftig. Er gibt uns etwas zu sehen, zu hören, zu schmecken und zu spüren. Der glückliche Moment, wenn die Musik den Künstler und alle anderen ergreift, bewegt, rührt. Der glückliche Moment des Gelingens in der Kunst, aber längst nicht nur dort. Auch wenn z.B. ein festliches Essen für alle ein Genuss ist, oder wenn wir einander im Gespräch besser verstehen, wenn eine Ärztin, ein Vater, eine Technikerin oder ein Lehrer erleben darf: „Jetzt bin ich auf dem richtigen Weg. Jetzt kommen wir weiter. Jetzt entsteht etwas Gutes.“ Ich glaube, das kann jede und jeder von uns vielfältig erleben. Der Heilige Geist ist ein Künstler und er wirkt in uns und durch uns. Wir erleben, und wir schaffen sogar, Momente des Gelingens, der Erfüllung, des Gültigen. Wir sind Schaffende und Beschenkte. Das, was geschieht, weist zugleich über diesen Moment hinaus. Gott schenkt uns den Geist als Unterpfand, ersten Anteil, Anzahlung für das, was er uns noch geben wird.

Gott hat in unsere Herzen als Unterpfand den Geist gegeben, schreibt Paulus (2.Kor 1,22). Der Geist wirkt dort, wo wir ganz bei unserer Sache sind. Mit halbem Herzen geht es nicht ein gutes Bild zu malen oder ein Haus zu bauen oder ein Kind zu erziehen oder ein Land gut zu regieren. Der Geist ist ein Überzeugungs-täter. Ich weiß nicht, welche Überzeugung Hans Dulfer oder Franz Schuck bewegt. Ich möchte sie keines-wegs christlich vereinnahmen. Die Gabe aber, dass uns etwas Schönes oder etwas Gültiges gelingt, die haben wir von Gott.   So könnte auch das Tun eines erklärt Ungläubigen „geistlich“ sein, auf Größeres, auf Wahrheit und letztlich auf Gott hinweisen. Der Geist kann auch wirksam sein in Menschen, die nichts von ihm wissen.

Als Unterpfand hat Gott den Geist in unsere Herzen gegeben. Noch viel mehr sollen wir bekommen. Was wir von Gott bekommen sollen – darum bitten wir Christen im Vaterunser mit den Worten dein Reich komme! Gottes Reich, Frieden, Gerechtigkeit, Leben in Fülle – das erschließt sich für Christen durch Jesus Christus. Jesus redet auch von Himmelreich. Ein Unterpfand für den Himmel,  eine Erfahrung, die mehr verspricht, ein himmlisches Mehr verspricht.

So verstehe ich das Arrabon, das Unterpfand, also z.B. den geglückten Moment. Andere werden nicht von Himmel reden. Sie erleben es ganz ohne an Gott zu denken.  Weil der Geist in und durch uns Menschen wirkt, ist er durchaus auch so ganz menschlich zu verstehen.

Immer aber ist da eine Spannung zwischen dem, was wir schon jetzt glücklich erleben, und dem, was noch nicht ist, wonach wir uns sehnen. Wir erleben einen Moment des Gelingens und kurze Zeit danach entzieht sich uns das wieder. Wir verstehen einander und sind beglückt, aber in den Mühen des Alltags nutzt sich das ab und die Konflikte tauchen wieder auf. Wir schaffen etwas Gutes und leiden darunter, wie andere es abwerten und kaputt machen. Wir bekommen das Unterpfand und erleben doch, wie bruchstückhaft unsere Existenz oft ist. Paulus schreibt: wir haben den Geist und doch seufzen wir und leiden unter der Vergänglichkeit und der noch nicht erfüllten Hoffnung. (Röm 8,23)

Der Geist als Unterpfand und erster Anteil schenkt Glück und Sehnsucht, beides. Das Unterpfand ist nur ein Teil, ein Fragment, unvollkommen. Uns gelingt etwas, aber es bleibt nur ein Anfang. Scheitern und Verletzlichkeit gehören zu unserem Leben. Der Geist wirkt durch uns, so unvollkommen und fragmentarisch, wie wir eben sind.

„Immerhin: schon besitzen wir in dem, was wir jetzt und hier sind und haben, im Sein und Wirken des Geistes in uns eine Anzahlung … des uns als … Kinder Gottes bestimmten und zugesicherten Ganzen dieses unseres künftigen Eigentums.“ So schreibt Karl Barth (Kirchliche Dogmatik  IV,1,364)

Der Geist entfacht eine wunderbare Hoffnung:   Ein Stückchen Himmel dürfen wir erleben, sehen, hören, spüren. Wie schön wird erst das Ganze sein!

Amen

 

Ich möchte auf die drei Steine auf dem Altar mit den Namen hinweisen. Mit den Konfirmanden haben wir sie zum Denkmal am Steinernen Weg gebracht. Vor drei Tagen jährte sich zum 80. Mal die Verschleppung der badischen Juden in das Lager Gurs in Südfrank-reich. Aus unserer Stadt wurden Bertha Dreyfuß, Ludwig Dreyfuß und Sofie Eppstein deportiert.

 

Du, unser Gott, von Schuld und von Bösem ist unsere Welt gezeichnet. Das Unrecht, das vor 80 Jahren auch in Kenzingen geschah, erschüttert uns heute noch. Terror und Gewalt erschrecken uns.

Wir bitten dich für alle, die heute von Leid getroffen sind. Wir bitten um Versöhnung und Umkehr. Dein Reich komme.

Wir bitten für die, die sich einsetzen gegen Hass und Hetze, die Menschen schützen und das Recht bewahren. Gib ihnen Mut und Kraft. Stärke die, die sich um Verstän-digung bemühen. Dein Reich komme.

Hab Dank für das, was dein Geist in und durch uns wirkt, für alles Schöne, was uns gelingt, für Verstehen und Gemeinschaft, für Zeichen des Frieden und der Gerechtigkeit unter uns. Gib uns Augen und Ohren und Sinn für das Besondere, das Freude und Hoffnung in uns entfacht. Dein Reich komme.

 

Vaterunser

 

EG 351,13

Mein Herze geht in Sprüngen

und kann nicht traurig sein,

ist voller Freud und Singen,

sieht lauter Sonnenschein.

Die Sonne, die mir lachet,

ist mein Herr Jesus Christ;

das, was mich singen machet,

ist, was im Himmel ist.

 

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

 

Konfirmation 2020

Am 10. und 11. Oktober wurden die diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden gesegnet. In vier Gottesdiensten mit jeweils 5 (6) Jugendlichen und ihren Familien wurde das eigentlich im Mai geplante Fest nachgeholt.

Jakoba Marten-Büsing, Jörg Barnieske, David Hügle machten Musik.

Stichworte zu den Konfirmationssprüchen

 

Ansprache für die Konfirmanden:

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

es tut so gut, Freunde zu haben. Es müssen gar nicht viele sein. Ein oder zwei gute Freundinnen oder Freunde, das ist wunderbar.

Ich erzähle meinem guten Freund von mir und habe keine Angst, dass er mich nicht versteht oder blöd von mir denkt. Er will wirklich wissen, was mit mir los ist. Genauso will ich wissen, wie es ihm geht. Wenn ich Hilfe brauche, frage ich ihn, ganz selbstverständlich. Wenn ihn etwas plagt, erzählt er es mir. Wir können auch Blödsinn miteinander machen. Wir genießen gemeinsame Zeit, Karten spielen, spazieren gehen, miteinander eine Ausstellung ansehen oder Musik hören.

Nach den ersten Wochen der Coronazeit haben wir uns zum Spazierengehen auf Abstand getrof-fen. Da haben wir gemerkt, wie schön es ist, wie tröstlich und ermutigend mit einem Freund zusammen zu sein.

Vertrauen war unser Thema in diesem Konfir-mandenjahr. Einer Freundin, einem Freund schenke ich Vertrauen und sie oder er vertraut mir. Erinnert Euch an die Geschichte von Simon und Jesus – wir haben sie in der Freizeit kennen-gelernt und auch in eurem Gottesdienst Anfang März habt Ihr sie dargestellt: Jesus sagt zu Simon sinngemäß: „Ich will dein Freund sein“ – und Simon kann es gar nicht fassen, er ist so glücklich. Später nennt Jesus seinen Freund Simon Petrus, „Fels“ – „auf dich verlasse ich mich felsenfest“. Simon wächst durch diese Freundschaft. Sie macht ihn stark, obwohl er nicht immer so zu seinem Freund Jesus hält, wie er sich das vorgenommen hat. Trotzdem schenkt Jesus ihm Vertrauen.

Manche Leute sagen: „Ich fange keine Freund-schaften an.“ Vielleicht wurden sie mal enttäuscht. Oder es ist ihnen keiner gut genug. Vielleicht haben sie auch Angst etwas von sich zu zeigen. Aber das ist falsch.

Wir Christen sind überzeugt, dass wir zur Freundschaft begabt sind. Für uns verbietet sich eine Haltung des Misstrauens, der Resignation und der Selbstgenügsamkeit. Warum?

Weil Gemeinschaft und die Offenheit für andere ein Grundzug unseres Glaubens ist. Wir sind zur Freundschaft berufen. Wir brauchen die anderen und wir haben die Gabe, einander Freundin und Freund zu sein. Vor allem aber: Gott ist unser Freund und Gott will unsere Freundschaft.

Paulus nennt Gott einmal den Gott allen Trostes. Man könnte auch sagen: Gott ist ein richtig guter Freund. Ich lese euch dazu zwei Verse aus einem Brief von Paulus vor. Am Anfang des zweiten Korintherbriefes heißt es, moderner übersetzt:                                  Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Denn er ist ein Vater, der sich erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt. In allen unseren Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen.

 In allen unseren Nöten kommt er uns zu Hilfe. Genau das erwarte ich von einem guten Freund: Trost, Ermutigung, Verständnis. Ein guter Freund kann mir auch ehrlich sagen, wenn ich Mist baue. Ich weiß ja: Er meint es gut.

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Mit dieser Frage beginnt ein alter Kate-chismus. Die Antwort: Dass ich zu Gott gehöre. Gott ist mein Freund. Durch Jesus  ist er zu mir gekommen und hat mir sein Wort gegeben. Niemals lässt er mich allein.

Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt geht weiter als alle anderen. Das Kreuz ist das Zeichen, dass er mit mir und für mich durch alles hindurch geht, sogar bis in den Tod. Ich vertraue auf den, der mich in jedem Stress, in allem, was auch geschieht, trösten und ermutigen kann. Ich vertraue auf den, der zu mir hält. Ich glaube an ihn. Ich kann ihm alles sagen.

Das ist der Kern unseres Glaubens als Christinnen und Christen: Gott ist unser Freund. In allen unseren Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe.  Weil wir uns so freundschaftlich von Gott angenommen wissen, darum können wir auch anderen Vertrauen und Freundschaft schenken.

Gott ist kein Mensch. Aber wir können doch so einfach menschlich von ihm reden. Er begegnet uns in Jesus. Er will uns nah sein, wie ein richtig guter Freund. Und er freut sich, wenn wir seine Freundschaft annehmen und erwidern. Die auf Gott vertrauen, die seine Freundschaft annehmen und sich auf ihn verlassen, die kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Das wünsche ich Euch, liebe Jugendliche. Amen

 

9.8. 9. Sonntag nach Trinitatis

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

447,1-3+7

Lobet den Herren alle, die ihn ehren;

lasst uns mit Freuden seinem Namen singen

und Preis und Dank zu seinem Altar bringen.

Lobet den Herren!

Der unser Leben, das er uns gegeben,

in dieser Nacht so väterlich bedecket

und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket:

Lobet den Herren!

Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können

und Händ und Füße, Zung und Lippen regen,

das haben wir zu danken seinem Segen.

Lobet den Herren!

O treuer Hüter, Brunnen aller Güter,

ach lass doch ferner über unser Leben

bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben.

Lobet den Herren!

 

Man wächst mit seinen Aufgaben, so sagt man.

So ähnlich klingt auch der Spruch dieser Woche:

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lk12,48)

Uns sind Gaben anvertraut.

Uns sind Begabungen und Möglichkeiten gegeben.

Wir sind herausgefordert.

Was ist unsere Aufgabe als Menschen

und als Kirche in dieser Zeit?

Was ist mir persönlich aufgegeben?

 

Gebet

Gott, du Geber aller Gaben, du machst uns reich an Erfahrungen und Möglichkeiten.

Du rufst uns auch in die Verantwortung,

Verantwortung für Menschen und Aufgaben,

für die Schöpfung, für unsere Gesellschaft,

auch Verantwortung für unser eigenes Leben.

Wir sehen unsere Grenzen oft zu eng.

Unser Vertrauen ist oft schwach und unser Mut klein.

Stärke uns für das, was uns aufgegeben ist.

Hilf uns zu entscheiden und uns einzusetzen.

Sei bei uns auf unserem Weg. Amen

 

Neue Lieder 178

Meine engen Grenzen,

meine kurze Sicht bringe ich vor dich.

Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.

Meine ganze Ohnmacht,

was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich.

Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.

Mein verlornes Zutraun,

meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.

Meine tiefe Sehnsucht

nach Geborgenheit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.

 

Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht. Manche Menschen sehen weiter. Das kann ein leidvoller Weg sein.

Heute ist der Todestag von Edith Stein. 1942 starb sie in Auschwitz. Wenige Wochen nach Hitlers Machtergreifung, Anfang April 1933  bittet sie den Papst um ein klares Wort der Kirche. „Jahre hindurch haben die nationalsozialistischen Führer den Judenhass gepredigt. Nachdem sie jetzt die Regierungsgewalt an sich gebracht hatten und ihre Anhängerschaft bewaffnet hatten, ist diese Saat des Hasses aufgegangen.“   Edith Stein sieht, was kommt, sie warnt, aber die Kirche schweigt. Auch unsere Evangelische Kirche hat weithin geschwiegen.

Bereits im Dezember warnt der chinesische Arzt Li Wenliang vor dem ansteckenden Coronavirus und rät Schutzanzüge zu tragen. Er wird daraufhin scharf von der Polizei verwarnt und vom Büro für Sicherheit dazu gezwungen, seine Ratschläge für falsch zu erklären. Wochen später stirbt er selbst an den Folgen einer Covid19-Infektion.

„Wie könnt Ihr es wagen! Ganze Ökosysteme kollabieren. Wir stehen am Anfang eines Massen-Aussterbens, und alles, worüber ihr reden könnt, sind Geld und Märchen über ewiges Wirtschafts-wachstums.“ Die emotionale Rede der 17-jährigen Greta Thunberg beim Klimagipfel der Vereinten Nationen weckt bei vielen nur Hass und Häme.

Manche sehen weiter und schweigen nicht.
Unser Predigttext erzählt, wie der Prophet Jeremia von Gott gerufen wird. Jeremia 1,4-10:

Und des HERRN Wort geschah zu mir:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Das kleine Juda betreibt eine irrwitzige Politik. Es rebelliert gegen Babylon, die neue Großmacht. Auf dem Thron Davids löst ein unfähiger König den anderen ab. „Ihr seid nicht bei Verstand, ihr führt Juda in den Untergang!“ Jeremia warnt den König und das Volk mit äußerster Schärfe. Doch er findet kein Gehör. Stattdessen muss er als Sündenbock herhalten: man stößt ihn in den Schlamm einer Zisterne. Das Unheil nimmt seinen Lauf: Die babylonische Militärwalze rollt über den Zwergstaat Juda hinweg und lässt fast nichts mehr von ihm übrig. Jerusalem und der Tempel: ein einziges Trümmerfeld.

Ist es sinnvoll, dass Jeremia im Namen Gottes warnt und dafür so bitter leiden muss? Jeremia klagt: Du hast mich überredet, HERR, und ich habe mich überreden lassen; du bist stärker als ich, und du hast gewonnen; den ganzen Tag lang bin ich ein Gespött, jeder macht sich lustig über mich. Denn wenn immer ich rede, schreie ich auf. Gewalttat und Unterdrückung!, rufe ich. (Jer 20,7f) Mehr als einmal verzweifelt Jeremia an der Last Gottes Prophet zu sein. Aber dann darf er auch bauen und pflanzen. Nach der Katastrophe wird  er das Volk trösten und ermutigen.

 

Meine engen Grenzen – wandle sie in Weite! Meine Ohnmacht – wandle sie in Stärke!

Ich glaube, dass Gott Menschen ruft, mich ruft und uns ruft. Ich glaube, dass wir in Aufgaben gestellt sind und dazu auch Kraft bekommen. Gott wandelt unsere Grenzen, unsere Ohnmacht, unsere Angst.

Ich bin zum Glück nicht Jeremia, auch nicht Edith Stein, Li Wenliang oder Greta Thunberg.

Und doch bin auch ich gerufen. Und wir, die Kirche, wir haben auch ein prophetisches Amt.

Kein Mensch ist Gott gleichgültig. Keine Not in der Welt ist für Gott belanglos. Die Bedrohung seiner Schöpfung greift Gott an. Darum können wir nicht schweigen.

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete. So sagt Gott. Ich bin von Gott bereitet, sein Geschöpf. So besonders, wie ich eben bin, hat Gott mir das Leben geschenkt. Und er kennt mich besser, als ich selbst mich kenne. Ich kannte dich – das ist eine Liebeserklärung. Gott kennt und bejaht, was mein Leben im Innersten ausmacht. Und ich bleibe in seiner Liebe.

zum Propheten für die Völker habe ich dich bestellt – Gott ruft Jeremia. Gott ruft uns. Wir sind nicht alle Prophetinnen und Propheten. Unser Auftrag ist anders. Vielleicht sind wir gerade als Mitschüler gefragt, als Nachbar, als Patin für ein Kind. Vielleicht werden wir im Stadtrat gebraucht oder im Engagement für Klimaschutz. Auch wir sind in schwere Aufgaben gestellt, müssen Verantwortung tragen und unsere Sache so gut wie möglich machen. Wir sind auch in die Herausforderungen unserer Zeit gestellt. Gott braucht und will unser Engagement.

Wieder wird in unserem Land Hass gesät und Lüge verbreitet. Die Demonstranten gegen Coronaregeln verschließen die Augen vor der Wirklichkeit und sind für kein Argument erreichbar.

In diesen Tagen erinnern wir an Hiroshima und Nagasaki vor 75 Jahren. Und noch immer bedrohen tausende Atomwaffen die Menschheit.

Dies ist wirklich eine Zeit, in der wir sehr wach sein müssen. Wir können nicht schweigend zusehen, wenn Unrecht geschieht und Gefahr droht.

Fürchte dich nicht; denn ich bin bei dir und will dich erretten. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an.

Wir sind nicht Jeremia. Aber wir hören, wie Gott selbst Jeremia anrührt und befähigt. Gott gibt uns den Auftrag und auch die Kraft in seinem Namen die Wahrheit zu sagen. Es kann ein schwieriger und leidvoller Weg sein, aber Gott sagt uns zu: Fürchte dich nicht; ich bin bei dir. Amen

 

 

643 Fürchte dich nicht

Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst. Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.

Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst. Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du.

Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst. Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.

 

Gebet

Uns ist viel gegeben und anvertraut. Wir danken dir, Gott, für unsere Gaben und Möglichkeiten.

Wir sind frei. Wir können uns einsetzen: für Menschen, die uns gegeben sind, für Aufgaben und Verantwor-tung.

Wandle unsere engen Grenzen und unsere kurze Sicht, stärke unser Vertrauen, dass du bei uns bist.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten für die Menschen, die für sich keine Möglichkeiten sehen, die gebeugt sind von dem, was sie ertragen müssen, die geplagt sind von Ängsten.

Wir bitten für die, die ihr Leben überfordert, die nicht fertig werden mit erlittenem Unrecht, die verbittert sind.

Wir bitten für Menschen, die einsam sind.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten um Weisheit, Weitsicht, Mut für Verantwortli-chen in unserer Stadt und in unserem Land. Bewahre uns alle in dieser Zeit der Gefährdung und der Unsicherheit. Steh den von der Pandemie Betroffenen bei, den Kranken und ihren Angehörigen, allen in Medizin, Forschung, Verwaltung, denen, die in wirtschaftliche Not geraten.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten für die Welt. Mit Schrecken sehen wir die Infektionszahlen in vielen Ländern, das Elend in den Krisen- und Kriegsgebieten, das Leid der Flüchtenden.

Wir bitten für die Opfer der Katastrophe in Beirut.

Hilf uns, dem Unrecht entgegen zu treten und uns einzusetzen für Menschen in Not.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Bewahre deine Kirche und unsere Gemeinde. Stärke sie, dass sie ihrem Auftrag gerecht wird, auch dem Auftrag unbequeme Wahrheit zu sagen und nicht zu schweigen. Wir bitten für uns auf dem Weg des Glaubens, für die ökumenische Gemeinschaft hier in unserer Stadt, mit den Freunden in Sundhouse und weiter, über Grenzen hinweg.

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

 

Vaterunser

 

Segen:

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

 

Konfirmation – Konfirmationen

Das gab es auch noch nie, dass wir gleichzeitig zwei Jahrgänge Konfis hatten.

Der Jahrgang 2020 wird am 10. und 11. Oktober konfirmiert. Wir hoffen sehr, dass es klappt und uns die Pandemie nicht einen Strich durch die Rechnung macht. In vier kleinen Gruppen wird es je zwei Gottesdienste am Samstag und am Sonntag geben. Wir haben fast alles vorbereitet. Nach den Ferien treffen wir uns am Mittwoch 23.9., wie gehabt um 15, bzw 16.30 Uhr. Ich freue mich, wenn ich einzelnen von euch im Gottesdienst begegne!

Der Jahrgang 2021 hat sich schriftlich angemeldet. Ihr seid 13 Konfirmandinnen und Konfirmanden. Manche von euch kommen schon in den Gottesdienst. Vergesst meinen Brief vom 18.7. und eure  Aufgabe nicht. Wir treffen uns am 14.10. zum ersten Konfi-Unterricht im Gemeindehaus.

Herzliche Grüße, schöne Ferien!

Andreas Hansen