Archiv der Kategorie: Hausgottesdienste

Hausgottesdienst Karfreitag

Schön, dass Sie einen Hausgottesdienst feiern wollen – allein bei Ihnen zuhause und doch verbunden mit Gott und vielen Menschen.
Wir werden heute miteinander Abendmahl feiern. Nehmen Sie sich Zeit, den Tisch zu decken. Ein Stück Brot. Einen Schluck Wein,
Traubensaft oder einen Schluck von dem, was Ihnen besonders kostbar ist. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Gottesdienst!

Ihre Pfarrerin Christina Schäfer

Glockengeläut
Zünden Sie eine Kerze an. Halten Sie einen Moment Stille.

Votum
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet

Gott, wir kommen zu dir an diesem Karfreitag. Sehen auf dein Kreuz. In ihm spiegelt sich das Kreuz so vieler Menschen,
die Gewalt leiden, sinnlose Tode sterben müssen. Am Kreuz sehen wir, wozu wir Menschen fähig sind. In der Stille bringen
wir dir das Dunkel der Welt und unser eigenes Dunkel. Wo wir schuldig geworden sind. Wofür wir uns schämen. Womit
wir alleine nicht fertig werden. – Stille – Gott, lass uns in unserem Dunkel nicht allein. Lass in uns die Hoffnung stark
werden, dass bei dir das Kreuz, die Gewalt, unser Scheitern, nie das Ende, sondern erst der Anfang ist. Versöhne uns mit
dir und mit uns selbst. Und lass in deinen Händen heilwerden, was hier zerbrochen bleibt. Amen.

Lied: O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85,1+5)

Lesung Lk 23,32-49
Es wurden aber auch noch zwei andere Verbrecher mit ihm zur Hinrichtung geführt. Und als sie an den Ort kamen, der Schädel
genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die Verbrecher, einen zur Rechten, den anderen zur Linken. Jesus aber sagte: „Vater vergib
ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Sie aber teilten seine Kleider unter sich und warfen das Los darüber. Und das Volk stand
und sah zu. Und die Verantwortungsträger spotteten: „Andere hat er gerettet, er soll doch sich selbst retten, wenn dieser da Christus
ist, der Auserwählte Gottes.“ Aber auch die Soldaten trieben ihr Spiel mit ihm, traten vor ihn hin, brachten ihm sauren Wein und
sagten: „Wenn du der König der Juden bist, rette dich selbst!“ Da war aber auch eine Inschrift über ihm: Dieser ist der König der
Juden.
Einer aber von den Verbrechern, die hingen, verhöhnte ihn und sagte: „Bist du nicht der Gesalbte? Rette dich selbst und uns!“ Da
antwortete der andere und hielt ihm scharf entgegen: „Fürchtest du Gott nicht einmal jetzt, wo du im selben Gericht bist? Und: Wir
sind es zurecht, denn wir bekommen, was unsere Taten wert sind. Dieser aber hat nichts Falsches getan.“ Und er sagte zu Jesus:
„Erinnere dich an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und er sagte zu ihm: „Amen, dir sage ich: Heute wirst du mit mir im Paradies
sein.“
Und es war schon um die sechste Stunde und Dunkelheit wurde über dem ganzen Land bis zur neunten Stunde. Und die Sonne
verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel aber wurde in der Mitte zerrissen. Und mit lauter Stimme rief Jesus: „Vater, in deine
Hände lege ich meinen Geist.“ Das gesagt, hauchte er den Geist aus.
Als aber der Zenturio sah, was geschah, pries er Gott und sagte: „Dieser Mensch war wirklich ein Gerechter!“ Und alle, die
zusammengekommen waren zu diesem Spektakel, und gesehen hatten, was geschehen war, schlugen sich an die Brust und gingen
nach Hause. Alle aber, die ihn kannten, standen von Ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa gefolgt waren, und sahen das.

Impuls
Besatzung. Und am Ende hängt einer am Kreuz. Nein, nicht einer. Zwei. Drei. Unzählige. Römisches Reich. Vor 2000
Jahren.
Besatzung. Und am Ende ist unser Kopf voller Bilder. Mariupol. Butscha. Kramatorsk. (Und eigentlich könnten da auch
Bilder sein aus Syrien, aus Mali, aus dem Jemen.) Nicht vor 2000 Jahren. Und nicht 1945. Heute. Menschen zermalmt von der Gewalt anderer Menschen. Menschen voller Hoffnungen und Träume. Menschen wie du und ich. Menschen wie er.
Und am Ende hängen Menschen an Kreuzen und sterben sinnlose Tode. Liegen auf Straßen, nackt und bloß.
Die Menschen sagen: Wo ist dein Gott? Und vielleicht klingt diese Frage auch in mir, in dir: Wo bist du, Gott, in diesem Leid? Kann ich die Antwort aushalten? „Am Kreuz“. Da, wo es am dunkelsten ist. In der größten Angst. Im unerträglichsten Schmerz. An der Seite derer, denen alles genommen wird. Aber wer braucht einen Gott, der wie wir am Kreuz hängt? Was kann der schon tun? Wo ist seine Macht? Warum rettet er nicht – sich selbst, uns? „Soll er sich dich retten, wenn er der Auserwählte Gottes ist!“ „Bist du nicht der Gesalbte? Rette dich selbst und uns!“ Ich glaube, das ist nicht nur Hohn.
Ich glaube, das ist eine verzweifelte Hoffnung, dass Gott Gott sein soll. Sein  Macht einsetzt und zeigt. Und ich glaube, es ist eine verzweifelte Hoffnung, weil diese Vorstellung von „Macht“ so menschlich ist. „Bist du nicht der Gesalbte? Rette dich und uns!“ Zeig deine Macht! So, wie das Römische Reich seine Macht zeigt. So, wie Putin seine Macht zeigt. Nur mehr. Nur größer. Mächtiger. Gewaltiger. Er steigt nicht herab. Er bleibt am Kreuz.
Mir ist ein Bild aus diesem Krieg tief ins Herz gedrungen. Das Bild von ukrainischen Menschen, die einem russischen Gefangenen ihr Handy gegeben haben. Um seine Mutter anzurufen. Zu sagen: Ich lebe. Es geht mir gut. Diese Menschen haben Putins Macht in einem Augenblick zerbröckeln lassen. Vor aller Augen. Trotz aller seiner Panzer, Bomben, Flieger.

Sie haben keine Macht ausgeübt. Sie haben sich angesichts   schlimmster Gewalt nicht ihre Menschlichkeit nehmen lassen.
Das war ihre Macht. Was Putin bleibt, ist nur Gewalt. Macht ist etwas ganz anderes.  Vielleicht ist sie das, Gottes Macht: Sich nicht der Mittel der „Machthaber“ zu bedienen. Noch mehr Macht, noch mehr Gewalt. Einfach der Stärkere sein. Und die anderen damit noch mehr zu Opfern zu machen. Damit die Zweiteilung der Welt akzeptieren. In die, die Macht haben und deren Opfer.
Was sich in Ohnmacht kleidet, ist viel mächtiger. Am Kreuz bezieht Gott Position. Auf Seiten der Opfer: Ich bin da, wo Menschen Gewalt erleiden. Verzweifeln. Die Hoffnung, allen Glauben verlieren. Ich stehe auf eurer Seite. Das bedeutet es, nicht vom Kreuz herabsteigen: Konsequent auf Seiten der Opfer stehen – ohne selbst zum Täter zu werden. Den Opfern Kraft geben, die Ohnmacht zu leben und zu verwandeln. Die Kraft, zu hoffen, wo Hoffnung verrückt scheint. Diese wilde Hoffnung, die Menschen treibt, einander zu helfen. So wie es Mitarbeitende der Diakonischen
Initiative in Hügelheim gemacht haben. Sie haben einen Hilferuf aus der Ukraine bekommen. Menschen mit Beeinträchtigung und ihre Familie schafften es nicht über die Grenze nach Polen. Innerhalb weniger Stunden haben sie beschlossen, einfach loszufahren, ins Ungewisse und die Menschen zu holen. Über 20 Stunden sind sie durchgefahren. Ohne zu wissen, was sie erwartet, wie sie alle unterbringen sollen, ob die Finanzierung steht. Haben in Polen Menschen und auch ihre Haustriere eingeladen, sind weitergefahren, haben von unterwegs pausenlos Hindernisse aus dem Weg geschafft, Unterkünfte und Hilfsmittel organisiert, Gelder eingeworben. Kamen unglaublich erschöpft zurück – aber sie
haben es geschafft. Das scheinbar Unmögliche.
Ich glaube, das ist seine Macht. Neben uns zu stehen in unserer Ohnmacht, sie zu teilen und zu verwandeln. In diese
wilde, verrückte Hoffnung. Die uns am Leben hält und uns sagt: Steh auf!
Dieser Macht setzt auch unser Tod keine Grenze. Viel zu viele Menschen haben in diesem sinnlosen Krieg ihr Leben gelassen. Sind der Gewalt und der missbrauchten Macht zum Opfer gefallen.
Dazu brauchen wir den Gott am Kreuz. Der so ganz anders ist als alle unsre Macht. Und das werden wir in drei Tagen, an Ostern feiern: Er steht auf und an unserer Seite. Und er bleibt dort – bis zuletzt. Er ist der, der mich selbst im Tod nicht verlässt. Und dann noch einmal sagen wird: Steh auf.
Amen.

Lied: Verraten, verspottet (NL 203,1-4)
Abendmahl

Sprechen Sie leise für sich oder laut miteinander die Einsetzungsworte zum Abendmahl.
Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, als er verraten wurde, nahm er das Brot, dankte und brachs und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmt hin und esst: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis.
Ebenso nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach:
Nehmt hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches tut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis.
Miteinander beten wir als Tischgebet das Vater unser.

Vaterunser
Sie haben Brot und Wein oder Saft bereitgestellt. Wenn Sie mit mehreren am Tisch sitzen, reichen Sie sich das Brot zu
den Worten „Das Brot des Lebens – für dich“ und den Wein mit den Worten „Der Kelch des Heils – für dich“.
Wenn Sie – wie viele von uns – allein am Tisch sitzen, spreche ich Ihnen diese Worte jetzt zu:
Es ist alles bereit. Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist!
Nimm das Brot des Lebens – für dich. Nimm den Kelch des Heils – für dich. Das stärke und bewahre dich im Glauben zum ewigen Leben.

Fürbittengebet  Wir beten für uns und für die Welt:
Gott, sei da in dieser kriegsdurchfurchten Zeit. Sei da in den Liedern, die Menschen gegen die Angst singen. In Bunkern, in Flüchtlingsunterkünften, an der Front. Sei da in den Gebeten, die Menschen füreinander sprechen. Mütter mit ihren Kindern, für die Väter, für die Verwundeten, und die, die trauern. Sei da an den Orten, wo Menschen verwundet und getötet werden. Lass niemanden allein. Auch nicht in seiner letzten Minute. Sei da bei den politisch Verantwortlichen.
Bei denen, die sich gegen den Krieg stemmen, und bei denen, die es in der Hand haben, die Waffen niederzulegen. Sei du der Mut, den es dazu braucht. Und die Mitmenschlichkeit. Sei du bei uns, wenn wir beten, wenn wir versuchen zu helfen. Sei der Blick, der uns sehen lässt, was gerade gebraucht wird. Und der Funke Hoffnung, der uns trägt, Halt gibt und weitermachen lässt. Du bist das Licht der Welt, vertreib unser Dunkel. Amen.

Lied: Holz auf Jesu Schulter (EG 97,1-6)

Segen
Der Herr segne und behüte uns. Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, er erhebe sein Angesicht
auf uns und schenke uns Frieden. Amen.
Auf Wiedersehen bis zum nächsten Hausgottesdienst am Ostersonntag.

Hausgottesdienst Palmsonntag

Schön, dass Sie einen Hausgottesdienst feiern wollen. Sie sind bei sich Zuhause und doch verbunden mit Gott und vielen
Menschen. Es gibt Momente, in denen ist nichts, wie es scheint: Grenzmomente. Erst im Nachhinein deute ich die Zeichen
richtig. Der Palmsonntag führt in eine solche Grenzzeit hinein: Die Hände, die eben noch Palmzweige schwingen, sind
schon zu Fäusten geballt. Das „Hosianna“ wird zum gellenden „Kreuzige“-Ruf, fröhliche Gesichter erstarren zu Fratzen.
Wenn Erwartungen enttäuscht werden, kann die Anhänglichkeit ins Gegenteil umschlagen. Mit dem heutigen Sonntag beginnt die Karwoche. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Gottesdienst. Ihre Pfarrerin Anja Bremer (Riegel-Endingen)

Glockengeläut Zünden Sie eine Kerze an. Stille.

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: Wie soll ich dich empfangen (EG 11, 1-4)
1. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier?
O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.
2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann
und weiß.
3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud, als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht.
4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, dass sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut. (T: Paul Gerhardt 1653; M: Johann Crüger 1653)

Gebet
Du kommst ganz anders zu den Menschen, Gott, als ich dachte. In einem unscheinbaren Gewand, auf einem Esel, nicht hoch zu Ross oder mit Prunk und Protz auf dem roten Teppich. Vielleicht kommst du auch ganz anders zu mir, als ich es mir wünsche, enttäuschst meine Hoffnungen und Träume… Will ich mich dir öffnen? Will ich dich empfangen? Will ich dir das Hosianna singen, nicht nur heute, sondern auch morgen? Ich bitte dich, lass mich nicht allein mit meinem Fragen; mach mich bereit für dein Kommen. Amen.

Lesung: Johannes 12,12-19
Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sach 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und
man so an ihm getan hatte. Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Meditation zum Lesungstext
Liebe Leserin, lieber Leser, der rote Teppich, kreischende Menschenmengen, flirrende Luft… nur der Star ist anders, als
man es kennt. Jesus kommt auf einem Esel. Ein sanftmütiger König ohne Glitzer und Tamtam. Trotzdem jubeln die Menschen ihm mit Palmwedeln zu, empfangen ihn wie einen König… Wie ein König wird Jesus am Palmsonntag empfangen, wenige Tage später ist er tot. Wie soll ich dich empfangen? Wie können wir Gott empfangen? An Ostern? Jeden Tag? Wenn das Hosianna verstummt? In guten und schlechten Zeiten?  „Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt“, beide Gefühle gehören zum Palmsonntag.
Die Textcollage (nach einer Idee von Vera Lindemann & Tilmann Präckel) von Psalm 69 und einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer geht dem Gefühl dieses Sonntags nach:

Hosianna! O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen! Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Gott, deine Hilfe schütze mich! Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied und will ihn hoch ehren mit Dank.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest, wie ein Gutsherr aus seinem Schloss. Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten. Wer bin ich? Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig lächelnd
und stolz, wie einer, der Siegen gewohnt ist.
Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd
vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, umgetrieben vom Warten auf große Dinge, ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Denn um deinetwillen trage ich Schmach, mein Angesicht ist voller Schande. Ich bin fremd geworden meinen Brüdern und unbekannt den Kindern meiner Mutter: Ich aber bete zu dir, HERR, zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe. Erhöre mich, HERR, denn deine Güte ist tröstlich; wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit. Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie, erlöse mich um meiner Feinde willen.
Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling? Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer, das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg? Wer bin ich?
Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
Amen.

Lied: Eines Tages kam einer (NL 34, 1-5)
1. Eines Tages kam einer, der hatte eine Klarheit in seiner Stimme, eine Wärme in seinen Worten, eine Kraft in seiner Botschaft.
2. Eines Tages kam einer, der hatte eine Freude in seinen Augen; eine Freiheit in seinem Handeln, eine Zukunft in seinen Zeichen.
3. Eines Tages kam einer, der hatte eine Hoffnung in seinen Wundern, eine Weite in seinem Wesen, eine Offenheit in seinem Herzen.
4. Eines Tages kam einer, der hatte eine Liebe in seinen Gesten, eine Güte in seinen Blicken, eine Nähe in den Umarmungen.
5. Eines Tages kam einer, der hatte einen Vater in den Gebeten, einen Helfer in seinen Ängsten, einen Gott in seinen Schreien. (T: Alois Albrecht; M: Peter Janssens)

Fürbittengebet
Eines Tages kamst du, Herr Jesus Christus, und die Welt wunderte sich. Du wurdest in Jerusalem begeistert empfangen.
Wie begrüße ich dich? Wie erwarte ich deine Gegenwart, wo rechne ich mit dir in meinem Leben? Will ich mich heute
noch wundern? So Vieles zerreißt mich in diesen Zeiten. Du aber kommst den untersten Weg, den Weg, den keiner
gerne gehen will. Dein Weg ist der Weg der Liebe. Ich möchte auch in meiner Zerrissenheit spüren, dass DU mich schon
längst siehst und kennst. Ich will deinen Weg versuchen. Schenke mir Kraft, andere Menschen zu lieben und zu achten,
auf sie zuzugehen und aufmerksam zu sein für ihre Bedürfnisse. Schenke mir den gütigen Blick auf mich selbst und auf
meine Zerrissenheit und Nöte. Du kennst sie längst… Ich bete weiter in der Stille…

Vaterunser

Segen
Der Segen des dreieinigen Gottes, der sich uns im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist liebend zuwendet, sei mit uns in
dieser Karwoche. Amen.
Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Hausgottesdienst

Hausgottesdienst Judika

Barbara Müller-Gärtner, Pfarrerin in Elzach-Oberprechtal,

Sonntag Judika 3.  April 2022
Schön, dass Sie einen Hausgottesdienst feiern wollen – für sich und doch verbunden mit Gott und anderen Menschen. Einen gesegneten Sonntag und Woche, wünsche ich Ihnen! Zünden Sie sich eine Kerze an.

Votum: Wir feiern Gottesdienst –im Namen Gottes, Quelle und Ziel unsers Lebens. Im Namen Jesu Christi, Grund unserer Hoffnung. Im Namen des Heiligen Geistes, Kraft, die uns belebt, erneuert und verbindet. Amen.

Lied: EG 97 Holz auf Jesu Schulter
1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Gebet:
Gott, wir kommen aus der Woche vor dich mit Situationen, in denen wir feststecken, in denen unserer Welt mit Krieg und Hass feststeckt!
Christus, zeig du uns den Weg, den wir gehen können! Hindernisse zu überwinden, dunkle Täler zu durchschreiten. Gott, nimm weg, was uns von dir trennt. Lass deine Liebe unser Fundament im Leben sein, deinen Geist in und durch uns wirken. Amen

Lesung Markus 10, 35-45 (Basis-Bibel)
Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, traten zu Jesus und sagten zu ihm: »Lehrer, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.« Jesus fragte sie: »Was möchtet ihr denn? Was soll ich für euch tun?« Sie antworteten: »Lass uns neben dir sitzen, wenn du in deiner Herrlichkeit regieren wirst – einen rechts von dir, den anderen links.« Aber Jesus sagte zu ihnen: »Ihr wisst nicht, um was ihr da bittet! Könnt ihr den Becher austrinken, den ich austrinke? Oder könnt ihr die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?« Sie
erwiderten: »Das können wir!« Da sagte Jesus zu ihnen: »Ihr werdet tatsächlich den Becher austrinken, den ich austrinke. Und ihr werdet die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde. Aber ich habe nicht zu entscheiden, wer rechts und links von mir sitzt. Dort werden die sitzen, die Gott dafür bestimmt hat.« Die anderen zehn hörten das Gespräch mit an und ärgerten sich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus auch sie herbei und sagte zu ihnen: »Ihr wisst: Diejenigen, die als Herrscher der Völker gelten, unterdrücken die Menschen, über die sie herrschen. Und ihre Machthaber missbrauchen ihre Macht. Aber bei euch ist das nicht so: Sondern wer von euch groß sein will, soll den anderen dienen. Und wer von euch der Erste sein will, soll der Diener von allen sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im
Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele Menschen.«

Gedanken zum biblischen Text:
Jakobus und Johannes suchen ihren Platz, brauchen ihren Platz im Leben. Die Beiden fragen, wie viele Menschen fragen: Sag mir, wohin ich gehöre? Die Brüder fragen Jesus. Und er frag nach, klärt und ant-wortet: Nicht pauschal, sondern Schritt für Schritt. Dass Menschen einen guten Platz im Leben brauchen, weiß er.
Das gehört ja zu Jesu Auftrag dazu: Menschen, die es schwer haben, die aus unterschiedlichen Gründen nicht dazu gehören, denen verschafft Jesus Platz und Raum, manchen auch für den Neuanfang: Kranke und Kinder, Frauen und Menschen mit Schuld.
Jakobus und Johannes wünschen sich, ganz dicht bei Jesus zu sitzen; dann wenn ´s so richtig losgeht, wenn das verheißene Reich Gottes anbricht. Sie wollen auch da sein, wo Gott die ins Recht setzt, die wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet wurden. „Könnt ihr den Becher austrinken?“ fragt er die Beiden. „Ja, das können wir.“ Ihre Antwort steht fest. Sie wissen oder ahnen mindestens, dass es kein Spaziergang ist, Jesus nachzufolgen. Sie haben schon jetzt alles für ihn verlassen, was ihnen bisher wichtig war.
Aber die Platzverteilung in Gottes Reich, die ist allein Gottes Sache. Das Urteil über Rang und Ansehen einer Person, dieses Urteil ist und bleibt Sache Gottes. Jesus spürt den Ärger der anderen Freunde über dieses Gespräch und den Wunsch der beiden Brüder. Was
er jetzt zu sagen hat, ist für alle NachfolgerInnen bestimmt. Herrschen oder unterdrücken,  Ansehen oder verachten, andere dienen lassen oder ihnen dienen – darum geht es hier. Zur Zeit Jesu und heute! »Ihr wisst: Diejenigen, die als Herrscher der Völker gelten, unterdrücken die Menschen, über die sie herrschen. Und ihre
Machthaber missbrauchen ihre Macht. Aber bei euch ist das nicht so: Sondern wer von euch groß sein will, soll den anderen dienen. Und wer von euch der Erste sein will, soll der Diener von allen sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele Menschen.« Auf der einen Seite die Machthaber in Rom und auf der anderen Seite der Menschensohn. Auf der einen Seite eine strenge Rangordnung: der
Kaiser an der Spitze. Er verlangt als Gott angebetet und verehrt zu werden. Alle anderen müssen sich ihm unterordnen. Sie sind ihm ausgeliefert. Auf der anderen Seite ist der „Menschensohn gekommen“.
Menschensohn – er ist das Gegenbild zum willkürlichen Herrscher des römischen Reiches. Entsprechend anders ist sein „Regierungsprogramm“. Beim Menschensohn, Jesus Christus, gibt es Raum und Platz vor allem für diejenigen, die im geltenden System keine Freiheit, keine Lebensrechte haben. Der Menschensohn
bringt eine neue Gesellschaftsordnung: neue Wege im Miteinander. Da gilt nicht mehr Jude noch Grieche, Mann oder Frau, Reich oder Arm, Sklave oder Mensch mit Bürgerrechten. Wer in dieser „neuen Ordnung“ des Menschensohns mitmacht, riskiert sein Leben. Und die Taufe ist der sichtbare Wendepunkt der Maßstäbe für
das Leben und Zusammen-leben: „Ich, der Menschensohn, bin der andere Herrscher. Ich bin gekommen um zu dienen und mein eigenes Leben als Lösegeld für alle zu geben.“ sagt Jesus.
Mitten in unseren Zeiten des Krieges, des Überfalls auf die Ukraine, in der Passionszeit. Kurz vor Jesu Tod zeigt er, der Menschensohn, sei-nen Freunden und der Welt eine andere Haltung. Das ist es, was uns Jesus vererbt: nicht mit Füßen treten, sondern sie einander waschen. An Gründonnerstag erinnert unsere Tradition
daran. „Wer unter euch groß sein will, der diene dem anderen.“ Der „MenschenSohn“ sagt das Ende brutalter „HerrschaftsZeiten“ an. Die eigene Meinung frei zu äußern, Parlament und Regierung durch das Volk auf Zeit zu wählen, überprüfbare und einklagbare Rechte für alle, soziale Sicherung, Krankenversicherung… Die Liste
ist lang. Und in diesen Zeiten wird sie mir dankbar bewusst. Und ebenso, dass ich es mir nicht verdient habe, in diesem Land geboren und aufgewachsen zu sein. Eine Gesellschaft, in der Gottes Wort weitergesagt und gelebt werden kann: das Wort der Nächstenliebe und Hingabe. Dafür und daran will ich mich weiter einsetzten. Und was und wo ist Ihr Platz?

Lied: NL 202 Verleih uns Frieden gnädiglich
Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsren Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine, denn du, unser Gott, alleine.
Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich!
Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich!

Fürbitten:
Gott ich lobe und preise dich: du eröffnest deinen Menschenkindern den Lebensraum mit Platz für jede und jeden. Was für eine Zusage! Was für ein Auftrag!

Vaterunser im Himmel geheiligt werde …

Segen (Sie können dabei Ihre Hände öffnen)

Gott segne und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott hebe sein sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Kerze auspusten…. Gott befohlen! Bis zum nächsten Hausgottesdienst am 10.4.2022!

Hausgottesdienst zum 27.3.22 Predigt über Jes 66,10-14

27.3.22 4. Sonntag der Passionszeit, Laetare

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Den Einleitungsteil unseres Gottesdienstes gestalten heute die Konfirmanden:

 

Fragen: Muss man jeden Tag beten, um ein guter Christ zu sein? Wie nah ist man Gott, wenn man betet? Kann Gott uns hören?

In diesem Jahr denken wir miteinander viel über Gott nach. Unser Glaube ist nie fertig, aber wir sind auf dem Weg. Jede und jeder glaubt zwar für sich, und dennoch sind wir gemeinsam auf dem Weg, zB auf der Freizeit oder im Gottesdienst.

Das Perlenarmband ist eine Hilfe, zum Nachdenken, zum Beten.

 

Es gibt eine hellbraune Wüstenperle:

Was brauche ich zum Leben?

Hilf mir, meinen Weg zu finden! Geh mit mir, Gott!

Es gibt Geheimnisperlen: Du, Gott, siehst meine Geheimnisse, meine Ängste, meine Träume,

Menschen, die ich liebe. Verberge meinen wahren Weg nicht! Lass mich Gutes sehen! Bewahre meine Gedanken!

Die beiden roten Perlen heißen Perlen der Liebe: Liebe ist das Größte, die Liebe der Menschen, die Liebe Gottes. Hilf mir, Liebe anzunehmen und weiterzugeben! Erfülle mich mit deiner Liebe! Schenke mir deine Kraft!

Eine blaue Perle ist die Perle der Gelassenheit: Wovon möchte ich mich befreien? Gott, du weißt, was ich brauche. Bewahre mich vor unnötiger Sorge. Schenke mir Gelassenheit und Leichtigkeit.

Eine große goldene Perle steht für Gott: Du bist Licht. Segen, Schutz, Kraft. Du bist der Beginn und das Ziel unseres Weges. Sei bei mir alle Tage! Segne und behüte mich!

 

Neue Lieder 23

Du bist der Atem der Ewigkeit, du bist der Weg in die neue Zeit, du bist das Leben, Gott.

 

Du bist der Blick, der uns ganz durchdringt,

du bist das Licht das uns Hoffnung bringt,

du bist das Leben Gott.

 

Du bist das Wort, das uns Antwort gibt, du bist ein Gott, der uns Menschen liebt, du bist das Leben, Gott.

 

Wir schreiben ein Glaubensbekenntnis, jede und jeder für sich und gemeinsam. Hier sind Sätze über Gott, die wir gut finden:

Gott ist der Helfer und Beschützer aller Menschen und immer für alle da. Ich kann mich auf Gott verlassen und ihm trauen

Ich glaube an Gott, das Geheimnis der Welt,

den Barmherzigen. Ich hoffe auf seinen Frieden und seine Gerechtigkeit.

Wir verdanken Gott unser Leben. Er hilft uns und spricht zu uns. Gott ist der Vater, Bruder, Freund

Gott liebt jeden Menschen. Er ist die Liebe selbst.

In dunklen Zeiten schenkt er uns sein Licht und seine Wärme.

Er ist der Beginn und das Ziel unseres Weges.

Gott hat diese wunderschöne Welt für uns erschaffen und alles, was wir zum Leben brauchen. Gott ist Anfang und Ende.

Er ist alles, was ich brauche.

 

Wir fragen aber auch weiter: Was genau ist Glauben? Ist Gott auch für die da, die nicht an ihn glauben? Was erwartet Gott von uns? Bin ich gut vor Gott, so wie ich bin? Gibt es eine Situation, wo keine Umkehr und keine Vergebung mehr möglich ist?

Auch der Krieg lässt uns nach Gott fragen: Warum verhindert Gott den Krieg nicht? Warum lässt er so ein Leid zu? Wird Gott den Flüchtlin-gen helfen? Beschützt Gott uns in Deutschland vor dem Krieg? Glaubt Putin an Gott?

 

Neue Lieder 107,1+2+4 Melodie: O Welt, ich muss dich lassen

An dunklen kalten Tagen beschleicht uns banges Fragen: Was wird wohl morgen sein? Gott kommt und schafft die Wende, macht Angst und Furcht ein Ende und lässt uns Menschen nicht allein.

 

Voll Sorgen sind die Zeiten, voll Krieg, Gewalt und Streiten, wer weiß, was kommen mag?     Gott kommt, verscheucht die Schatten, die uns geängstigt hatten. Sein Licht geht auf zum neuen Tag.

 

Was wir zutiefst ersehnen, dass Menschen sich versöhnen, scheint unerreichbar fern. Gott kommt, will Frieden schenken, die Welt zum Guten lenken, und dann bricht an das Reich des Herrn.

 

Predigt

 

Wir fragen nach Gott im Schatten des Krieges. Wir werden nicht fertig mit dem,  was wir in den Nachrichten hören.

Wir werden auch nicht fertig mit Gott.

Zum Glück ist es auch umgekehrt: Gott ist nicht fertig mit uns. Unser Predigttext schaut auf eine Zeit nach dem Krieg. In Jerusalem stehen Ruinen, aber nun soll ein Neues beginnen. Die verwüstete Stadt soll wieder Geborgenheit und Schutz geben.

Frieden soll sich ausbreiten wie ein Fluss.

Und nun bekommen wir ein neues, ein weibliches Bild von Gott. Hören wir auf Jesaja, Verse im letzten Kapitel seines Buches:

Freut euch mit Jerusalem und jubelt über die Stadt, alle, die ihr sie liebt! Seid fröhlich über sie, alle, die ihr über sie getrauert habt! Trinkt euch satt an ihrer Brust und lasst euch trösten! Saugt an ihrer Mutterbrust und genießt ihren Reichtum! Denn so spricht der Herr: Ich werde Jerusalem Frieden geben, der sich ausbreitet wie ein Fluss. Der Reichtum der Völker fließt der Stadt zu wie ein rauschender Bach. Auch ihr werdet ihn genießen. Wie ein Kind werdet ihr auf der Hüfte getragen und auf den Knien geschaukelt. Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.

In Jerusalem werdet ihr Trost finden. Wenn ihr  das erlebt, werdet ihr euch von Herzen freuen.

Ihr werdet aufblühen wie frisches Gras.

So zeigt der Herr seine Macht an seinen Knechten. Aber seine Feinde bekommen

seinen Zorn zu spüren.  Jesaja 66,10-14

 

Das Baby schreit. Es lässt sich nicht mehr ablenken. Jetzt muss etwas geschehen, jetzt, sofort! Hunger! Länger ist das nicht auszuhalten. Verzweifelt und unduldsam schreit es. Mama knöpft die Bluse auf – das Baby japst und giert.  Es ist außer sich. Dann endlich die Brust, und es trinkt so gierig, dass es sich zuerst verschluckt, dann in großen, lustvollen Zügen. Vor Wonne brummt es und lächelt. Manchmal war das Stillen tatsächlich so ein Drama, bei unseren Kindern  und wieder bei den Enkeln.

Freut euch mit Jerusalem und jubelt über die Stadt, alle, die ihr sie liebt! Seid fröhlich über sie, alle, die ihr über sie getrauert habt! Trinkt euch satt an ihrer Brust und lasst euch trösten! Saugt an ihrer Mutterbrust und genießt ihren Reichtum!

Eine mütterliche Stadt. Ein kleines Paradies.    Hier kann man es sich gutgehen lassen wie ein Baby an der Mutterbrust. Hier ist alles, was man braucht: Essen, Trinken, fröhliche Gemeinschaft, Geborgenheit. So wird Jerusalem sein, wie eine Mutter, die ihr Kind stillt und ihm alles gibt, was zu seinem Glück nötig ist.  Alles ist da, was sie so verzweifelt entbehrt haben. Sie waren in der Fremde, weit weg von ihrem Zuhause, ohne die vertraute Sprache, die Lieder, die Speisen, die Düfte, das besondere Licht, das nur in Jerusalem leuchtet, ohne die Nachbarn und die Menschen ihrer geliebten Stadt. Traurig ist es in der Fremde,  die Sehnsucht ist groß.

Freut euch mit Jerusalem und jubelt über die Stadt, alle, die ihr sie liebt!  Es ist nicht leicht der Vorhersage zu glauben. Sie haben viel durchgemacht. Israel wurde überfallen von seinem mächtigen Nachbarn Babylon. Stadt und Tempel wurden zerstört. Viele wurden für Jahrzehnte ins Exil vertrieben. Dann dürfen sie endlich wieder zurück in ihre Stadt. Aber die Heimat hat sich verändert. Wie so viele Menschen, die nach einem Krieg aus der Gefangenschaft nach Hause kommen, stellen sie fest: nichts ist mehr, wie es einmal war. Vieles können sie nur ganz bescheiden wieder aufbauen. Der Tempel hat nichts mehr von seiner einstigen Pracht. Die Wunden des Krieges sind überall zu sehen.

Wie wird es einmal sein, wenn sie zurückkehren nach Kiew, Charkiw oder Mariupol?

Jesaja macht Hoffnung auf eine Zeit nach dem Krieg. Ich werde Jerusalem Frieden geben, der sich ausbreitet wie ein Fluss. Der Reichtum der Völker fließt der Stadt zu wie ein rauschender Bach. So lange mussten sie den Unterdrückern Tribut zahlen. Die Stadt ist ausgeblutet. So ist die Sehnsucht zu verstehen, dass sie entschädigt werden, dass sie die Notzeit hinter sich lassen  und nicht jeden Cent dreimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben.

Es gibt etliche Kriege und bewaffnete Konflikte in der Welt. Wir nehmen kaum wahr, dass in Syrien und im Jemen, in Myanmar und in Libyen und in vielen weiteren Ländern Krieg herrscht.

Wir wollten auch nichts mehr vom Krieg im Osten der Ukraine seit 2014 wissen.

Aber Gott findet sich nicht ab mit dem Unheil des Krieges. Gott ist nicht fertig mit uns.

Auf eine neue Weise wendet sich Gott seinem Volk und uns zu:

Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Gott, wie eine Mutter: sie stillt ihr Kind, sie nimmt es auf den Schoß, streichelt und wiegt es. Gott ist eine Frau, eine Mutter – das stimmt und stimmt auch nicht. Genauso wie die männlichen Weisen von Gott zu reden ist es nie genug.

Lassen wir uns ansprechen von diesem Bild!

Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Gott hat Sehnsucht nach uns, sie will uns nah sein. Sie ist unbedingt auf unserer Seite.  Gott, unsere Mutter, lässt uns nicht los.

Sie ist die Mutter ihres Volkes Israel, aber auch Mutter der Russen und der Ukrainer und der Deutschen.  An allen hängt ihr Herz.

Keine und keiner ist Gott gleichgültig.

Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Für alle will sie Gutes und leidet mit allen Opfern von Krieg und Gewalt und Unrecht.

Auch zornig ist sie, wenn jemand oder etwas ihre Kinder verletzt, zornig auch, wenn ihre Kinder selbst Böses anrichten.

Zum Glück ist Gott nie fertig mit uns.

Zum Glück sieht Gott uns gütig und liebevoll an. Zum Glück ist Gott wie eine Mutter,

unbedingt und leidenschaftlich auf unserer Seite, auf der Seite aller Menschen.

Amen

 

361,1+2+6

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

 

Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

 

Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

 

Gebet

Du, unser Gott, Mutter und Vater aller Menschen.

Tröste die Opfer von Krieg und Gewalt.

Sei bei denen, die überfallen und vertrieben werden. Steh ihnen bei in den Luftschutzkellern und auf der Flucht.

Wir bitten dich für die Verletzten, für Menschen, die ihr Zuhause und ihre Angehörigen verloren haben. Wir bitten für die, die den Opfern beistehen.

Du, unser Gott, liebevoll und streng.

Wehre dem Unrecht des Krieges.

Hindere sie daran das Leben von so vielen zu vernichten. Lass sie zur Einsicht kommen.

Wir bitten dich für alle, die um Frieden ringen.

Gib uns Einsicht und Mut für einen Ausweg aus dem Krieg.

Du, unser Gott, uns allen nah wie eine Mutter.

Sei bei allen, denen die Angst zu schaffen macht.

Hilf den Flüchtlingskindern den Schrecken zu verarbeiten. Bewahre und tröste die, die mit dem Erlebten nicht fertig werden.

Du, unser Gott, halte uns fest wie eine Mutter.

Wir bitten dich für unsere Kranken, für die, die jetzt an Corona erkranken und unter schweren Symptomen leiden.

Wir bitten für die Freunde, um die wir uns sorgen.

Wir bitten für unsere Kinder und unsere Alten.

Behüte und bewahre sie alle, uns alle.

 

Vaterunser

 

Lied 171

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen, sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten, voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns vor allem Bösen. Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen, sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen, dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst für den 20.3. Oculi, Predigt über 1.Könige 19,1-8

20.3.22 3. Sonntag der Passionszeit, Oculi

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 391 Jesu, geh voran

Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

 

Soll’s uns hart ergehn, lass uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

 

Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin.

 

Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöt’ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

 

Psalm 25,15-20

 

Meine Augen blicken stets auf den Herrn.

Denn er selbst zieht meine Füße aus dem Netz.

Wende dich zu mir

und hab Erbarmen mit mir!

Denn ich fühle mich einsam

und unglücklich.

Befreie mich von der Angst,

die mir das Herz zusammenschnürt.

Führe mich aus meiner Bedrängnis!

Nimm mein Unglück und Leid von mir!

Schaff alle meine Sünden aus der Welt!

Sieh nur, wie zahlreich meine Feinde sind

und wie abgrundtief sie mich hassen!

Schütze meine Seele und rette mich!

Lass mich keine Enttäuschung erfahren!

Denn bei dir suche ich Zuflucht.

Ehr sei dem Vater …

 

 

Wir sehen die Nachrichten dieser Tage und die Bilder verfolgen uns. Wir bitten dich, du Gott voll Erbarmen: Befreie die Menschen in Krieg und Leid von der Angst, befreie auch uns von der Angst, die uns das Herz zusammenschnürt.

Hilf der zerstrittenen Welt neu anzufangen.

Schaffe alle unsere Sünden aus der Welt,

unsere Selbstgerechtigkeit, unseren Egoismus,

unsere Trägheit zu ändern, was nicht weitergehen kann.

Richte unsere Augen auf dich, Gott. Mach uns bereit, dir zu folgen, Jesus. Lenke das Denken und Handeln auf deinen Frieden und deine Gerechtigkeit. Amen

 

382,1-3 Ich steh vor die mit leeren Händen, Herr

 

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;

fremd wie dein Name sind mir deine Wege.

Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;

mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?

Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

 

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,

mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.

Hast du mit Namen mich in deine Hand,

in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben? Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?

Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

 

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit

und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben.

Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.

Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

 

Predigt

 

Sie schlafen seit drei Wochen in Kellern und Tief-garagen. Wenn sie denn schlafen können in der Unruhe dieser Nächte, in Alarm und Kampflärm. Wenn die Angst vor dem, was noch kommt, sie schlafen lässt, und die Sorge um ihre Angehörigen auf der Flucht und im Kampf.

Die Verzweiflung ist groß und die Hände leer.

mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?

Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?

Ich möchte glauben, komm du mir entgegen.“

Verzweifelt, gehetzt und lebensmüde ist Elia,   aber Gott lässt ihn nicht in seiner Verzweiflung.

Hören wir den Predigttext, 1.Könige 19,1-8:

 

Ahab erzählte Isebel alles, was Elia getan hatte –auch dass Elia alle Propheten des Baal getötet hatte. Daraufhin schickte Isebel einen Boten zu Elia und drohte ihm: »Die Götter sollen mir antun, was immer sie wollen, wenn ich deinem Leben nicht ein Ende setze! Morgen um diese Zeit soll  es dir ergehen wie den Propheten, die du getötet hast!« Da geriet Elia in große Angst. Er sprang auf und lief um sein Leben. So kam er nach Beerscheba an die Grenze von Juda. Dort ließ er seinen Diener zurück. Er selbst ging noch einen Tag lang weiter – tiefer in die Wüste hinein. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. »Es ist genug!«, sagte er. »Herr, nimm nun meine Seele! Denn ich bin nicht besser als meine Vorfahren.« Schließlich legte er sich hin und schlief unter dem Ginsterstrauch ein.

Plötzlich berührte ihn ein Engel und forderte ihn auf: »Steh auf und iss!« Als Elia um sich blickte, fand er etwas neben seinem Kopf: frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser. Er aß   und trank, dann legte er sich wieder schlafen.

Doch der Engel des Herrn erschien ein zweites Mal. Wieder berührte er ihn und sprach:

»Steh auf! Iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!«

Da stand Elia auf, aß und trank und ging los. Durch das Essen war er wieder zu Kräften gekommen. 40 Tage und 40 Nächte war er unterwegs, bis er den Horeb, den Berg Gottes, erreichte.

 

Der Gottesmann ist am Ende.

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Und dann schläft er völlig erschöpft ein.

Schlaf kann so gut und so heilsam sein. Aber Elia ist wie betäubt und noch lange nicht erholt.

Kennen Sie das, wenn man am Morgen wie zerschlagen aufwacht, nicht etwa mit einem Kater, sondern einfach völlig kraftlos und leer?

Elia hat sich verausgabt für Gott. Wie es sein Name sagt, Eli-ja, mein Gott ist der HERR, hat er für den einen und wahren Gott, gegen die Götzen gekämpft. Die Propheten Baals hat er als Lügner entlarvt und dann regelrecht geschlachtet.

Aber seine Gegnerin, Isebel, die phönizische Frau des Königs, ist keineswegs überzeugt.     Sie schwört Rache: „Elia, du bist schon so gut wie tot!“ Und auf einmal befällt ihn Panik, er rennt, rennt um sein Leben, flieht in die Wüste, legt sich lebensmüde unter einen Ginsterstrauch.

 

Es ist genug.

In den letzten zwei Jahren haben wir oft gemeint: „Jetzt reicht es aber. Wir können nicht mehr.“

Angesichts der Not der Ukrainer in den bombar-dierten Städten und auf der Flucht erscheint die Erschöpfung wegen Corona fast übertrieben, obwohl es doch viele hart getroffen hat und sie noch immer an gesundheitlichen, seelischen und wirtschaftlichen Folgen von Corona leiden.

 

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Wir diskutieren gerade wieder, ob ein Mensch das entscheiden darf, sein Leben zu beenden, und vor allem, ob und wie man ihm dabei helfen darf, wie wir zu guten Entscheidungen kommen und dabei Ärztinnen und Ärzte nicht überfordern.

Die Entscheidung eines Menschen respektieren und dennoch alles tun, damit er oder sie leben will – das Leben stärken und nicht den Tod – es ist schwierig, weil jeder Fall besonders ist. Mit dem Versuch eine gute Regelung zu finden kommen wir schnell an unsere Grenze.

 

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Das hebräische Wort für Seele heißt „Schlund“, Näfäsch. Da wo alles, was zum Leben notwendig ist durchgeht: Luft, Nahrung, Wasser, Sprache. Die Seele ist mein Atem, meine Bedürftigkeit. Meine Seele bin ich selbst mit allem, was zu mir gehört, mein Leben in Freude und Schmerz, in Beziehung zu anderen Menschen und auch mein Leben vor Gott. Gott gibt uns den Atem. Gott sorgt für unsere Seele. Unsere Seele ist kostbar für ihn.

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit

und das mich führt in deinen großen Frieden.

Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.

Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete

 

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Aber Gott widerspricht seinem Propheten.

„Nein, Elia, so nicht!“ Sanft und beharrlich drängt Gott ihn zurück ins Leben.

Ein Engel berührt Elia. Was für eine freundliche, liebe Geste. Und was für eine verlockende Einladung. Es duftet nach Brot, herrlich!

Ein Krug Wasser, köstlich hier in der Wüste.

Steh auf und iss! – aber gerne lässt sich Elia einladen, isst und trinkt – und legt sich wieder  zum Schlafen hin. Gott lässt Elia die Zeit, die er braucht.

Und wieder kommt der Engel des Herrn und berührt Elia. Schon etwas schärfer ist sein Ton:

Steh auf! Iss!  – so knapp wie möglich die Anweisung, und dann: Du hast einen weiten Weg vor dir! – Genug noch hast du des Wegs! übersetzen Buber und Rosenzweig wörtlich.    Gott widerspricht Elias kläglichem Genug.

„Nein, Elia, es ist nicht genug! Genug noch hast du des Wegs! Du hast noch etwas vor, und ich habe eine Menge vor mit dir.“

Elia kommt zu Kräften und läuft los, läuft und läuft, unvorstellbar weit bis an den Gottesberg. Dann wird er Gott auf geheimnisvolle Weise begegnen. Und Elia wird einen neuen Auftrag erhalten.

 

Gott will uns begegnen, wo auch immer wir sind. Was hat Gott vor mit dem Menschen, der von Schmerz und Angst geplagt ist, der nicht mehr kann und nicht mehr leben will?

Was hat Gott vor mit all den Flüchtenden an den Grenzen, auf dem Meer, in den Lagern?

Was hat Gott vor mit Wolodymyr Selenskij und was hat Gott vor mit den alten Männern im Kreml?

Ich weiß es nicht, aber ich bin gewiss: Gott will ihnen allen begegnen. Gott rührt uns an.

Er braucht nicht einmal Engel dafür, aber manchmal sendet er wohl seine Boten zu uns. Gott rührt unsere Seele an und sorgt für sie.

Unsere Seele soll nicht weggeworfen werden, sondern atmen, leben. In guten Beziehungen sollen wir leben und dem Leben vertrauen.

Gott geht nicht gleichgültig hinweg über unsere Schmerzen, über die Kriege, das Leid und das Unrecht. Kein Mensch soll sein Leben wegwerfen oder das Leben anderer vernichten.

„Gib nicht auf, Elia!

Es ist nicht genug mit deinem Leben.

Steh auf! Iss! Genug noch hast du des Wegs.“

Amen

 

Gebet

 

Mit leeren Händen stehen wir vor dir, Gott.

Wir sind erschüttert über das, was geschieht.

Wir verstehen nicht.

Hilf den Menschen in Krieg und Not.

Bewahre sie vor denen, die ihnen Gewalt antun.

Behüte sie in den Luftschutzkellern, auf den Straßen, auf der Flucht.

Wohin führt das? Sei bei ihnen, stärke sie, richte sie auf.

 

Wir bitten für die politisch Verantwortlichen, um Einsicht und Umkehr, um Weisheit und Mut und Geduld.

Hilf ihnen Leben zu schützen und der Gewalt zu wehren.

Um Frieden bitten wir dich für alle Länder der Erde.

Hilf uns, dass wir erkennen, wie sehr wir alle den Frieden brauchen und aufeinander angewiesen sind.

 

Wir bitten dich auch für uns, für Kinder und Erwachsene, die von Albträumen aufwachen, für uns in Sorge und Angst.

Wir bitten für die, die sagen: „Es ist genug. Ich kann nicht mehr.“, für die Erschöpften, Enttäuschten, Verzweifelten, für Menschen in seelischer Not.

 

Wir bitten für deine Kirche in allen Konfessionen.

Hilf der Kirche zur Umkehr und Erneuerung, wo sie Unrecht nicht wahrhaben will, vertuscht oder gar fördert.

Bringe uns zusammen auf dem Weg des Friedens.

Herr, erneuere deine Kirche und fange bei mir an.

Bewahre uns.

 

Vaterunser

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst Reminszere

Zünden Sie eine Kerze an und schaffen Sie, evtl. durch das Hören eines Musikstücks, einen Rahmen, der zur Besinnung einlädt.

Begrüßung: Herzlich willkommen zum Gottesdienst am Sonntag Reminszere.
„Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit“, an diesen Vers aus Psalm 25 stammt der lat. Name dieses Sonntages.
Wir haben allen Grund, unseren Gott so zu bitten.
Mitten in einer Zeit voller Ängste und berechtigter Sorgen erinnert uns der Wochenspruch (Röm. 5,8) daran, dass Gott sich uns voller Liebe zugewandt hat und es noch tut: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Lied: Dona nobis pacem (EG 435)

Gebet: Herr Jesus Christus, deinem Frieden vertrauen
wir uns heute morgen an. Unsere Ängste, unsere Sorgen um uns
und andere nimm du von uns. Tröste und heile unsere geplagten Seelen, erbarme dich über dieser geschundenen Welt.
Erbarme dich mit deiner Liebe und wende dich uns zu. Amen.

Predigttext: Matthäus 26, 36-46
Jesus kam nun mit seinen Jüngern an eine Stelle am Ölberg, die Getsemane genannt wird. Dort sagte er zu ihnen: »Setzt euch hier und wartet! Ich gehe noch ein Stück weiter, um zu beten.« Petrus jedoch und die beiden Söhne des Zebedäus nahm er mit. Traurigkeit und Angst wollten ihn überwältigen, und er sagte zu ihnen: »Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir!« Er selbst ging noch ein paar Schritte weiter, warf sich zu Boden, mit dem Gesicht zur Erde, und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen!
Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.«
Als er zu den Jüngern zurückkam, schliefen sie. Da sagte er zu Petrus: »Ihr konntet also nicht einmal eine einzige Stunde mit mir wach bleiben? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur ist schwach.«
Jesus ging ein zweites Mal weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann soll dein Wille  geschehen.« Als er zurückkam, waren sie wieder eingeschlafen; sie konnten die Augen vor Müdigkeit nicht offen halten. Er ließ sie schlafen, ging wieder weg und betete ein drittes Mal dasselbe Gebet. Dann kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte: »Wollt ihr noch länger schlafen und euch ausruhen? Seht, die Stunde ist da, in der der Menschensohn in die Hände der Sünder gegeben wird. Steht auf, lasst uns gehen! Der, der mich verrät, ist da.«

Impuls: Liebe Mitfeiernde, vor Jahren besuchten wir den Garten Gethsemane. Touristen in Israel wie viele andere auch. Und wie so viele auch immer wieder in Gedanken und im Gedenken versunken. Die alten Olivenbäume, die wir heute sehen, sind nicht die von damals und doch ist die Gartenszene nicht viel anders, als es sich unsere Phantasie immer ausgemalt hat. Jesus in Gethsemane, das innere Auge kann ihn sich unschwer vorstellen,  zusammengekrümmt unter einem der knorrigen, mehrfach Hundertjährigen.
Im Garten Gethsemane kommt alles auf engem Raum zusammen. So
menschlich wie in diesem Moment der Angst, in diesem Moment der
Verzweiflung, ist Jesus seit dem Stall nicht mehr. Gerade in diesem Moment der zutiefst menschlichen Not sind ihm die nächsten, die treuesten Menschen nicht wirklich nahe, schaffen es nicht, wach zu bleiben, können die schweren Stunden nicht mit ihm teilen. In diesem Moment der Angst dringt kein tröstendes Wort an sein Ohr, bleiben seine Fragen unbeantwortet im Raum.
Alte knorrige Olivenbäume in blassem Grün. Es ist Abend, oder ist es
schon Nacht? Hier stellt Jesus, der Mensch ohne Sünde, die Fragen –
und Gott antwortet nicht. Hier nimmt sich Jesus so weit zurück, wie nur möglich. „Nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Und vertraut sich ganz der Obhut Gottes an. Hier schränkt Jesus seine eigene Urteilsfähigkeit ein. „Mein Vater, ist‘s möglich …“. Und begibt sich in Gottes Arme.  Er weicht nicht aus und übernimmt die Verantwortung, auch für das, was er nicht verschuldet hat.
Die Menschen um Jesus fallen  in den Schlaf. Als sie aufwachen, stellen sie fest, dass sie Jesus allein gelassen haben, keine Spur mehr vom gemeinsamen „durch dick und dünn gehen“.
Wir schauen uns suchend um, vielleicht ein wenig peinlich berührt. So erwartbar, so klar. Jesus liegt mehr, als dass er kniet. Wir sehen die Jünger, sie ähneln uns doch sehr. Menschen, die gerne möchten und doch immer wieder mit ihren guten Vorsätzen auf der Strecke bleiben. Menschen, die sich danach sehnen, mit – je nach religiöser Geschmacksrichtung – ihrem Vorbild Jesus oder mit ihrem Erlöser und Herrn durch „durch dick und dünn zu gehen“.
Um dann doch vom Schlaf überfallen, überwältigt zu werden. Von der Erschöpfung nach zwei ewig langen Corona-Jahren gebeutelt, kaum fähig, noch Begeisterung für eine ungewiss scheinende Zukunft zu entwickeln. Von einer Abfolge von Krisen – die keine Ende zu nehmen scheinen – ernüchtert und manchmal jetzt schon froh, den eigenen Lebensstandard irgendwie noch halten zu können. Und jetzt die nächste Zumutung.
„Mein Vater, ist‘s nicht möglich, dass dieser Kelch vorübergehe, ohne
dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille!“ Gerade noch hatte Jesus
mit den Seinen das Mahl gefeiert. Hatte ihnen den Wein als Kelch des Heils gereicht. Jetzt betet er, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge. Noch beim gemeinsamen Mahl stellt er seinen GefährtInnen das kommende Reich Gottes vor Augen:
„Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.“ „Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ Jesus versichert sich gegen alle menschliche Schwachheit und Versuchung seiner Gottessohnschaft: Abba, mein Vater! Kann er vorhersehen, was ihn erwarten wird? „Siehe, er ist da, der mich verrät“– lässt darauf schließen. Kann er sich frei entscheiden?
Könnte er auch gegen Gottes Willen handeln? Eine offene Frage, die im Raum hängen bleibt. Wie auch die Frage, warum Jesus gerade so betet: „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen“? Das Gebet hallt im Garten nach.
Wir wenden uns um zu Jesus im Garten Gethsemane. Sein Bild verschwimmt zunehmend vor unseren Augen. Mag sein, dass sie feucht geworden sind. In Gethsemane wird eine Entscheidung getroffen, die Jesu Leben verändert, aber auch das Leben der Menschen für alle Zeiten. Staunend stehen wir und sind erfüllt vom Brot, vom Wein. Jesus im Herzen, den Gottesgeist – gerne auch die Geistkraft – unserer Seele nahe, die nach Trost und Tröstung lechzt. Ganz unvermittelt wird uns klar und unabweisbar steht es vor unseren Augen: Wir stehen an seiner Seite, wir können mit ihm am Gottesreich bauen, in die kristallklare Realität dieser für alle schweren Tage hinein. Wir müssten vielleicht einen
Schritt nur gehen, jede wohl einen anderen, jeder den seinen.
Wir wenden uns ein letztes Mal, zum Gehen. In uns hallt das Schmerzensgebet noch nach. „Vater, ist’s nicht möglich…“. Und wir wissen: Wir sind gemeint. Amen.

Lied: Komm in unsre stolze Welt (EG 428,1-3)

Fürbittgebet

Du Gott des Friedens, es ist Krieg in der Ukraine. Von Russland angegriffen.
Es ist Krieg in Europa. Der Frieden wurde mutwillig und absichtsvoll zerstört.
Wir sind entsetzt und fassungslos. Ohnmacht, Angst und Wut sind in uns.
Wir suchen Deine Nähe in diesem Augenblick.
Wir klagen Dir das Leid aller,
über die Gewalt und Tod gekommen sind … [ Stille]
Sieh die Angst der Menschen in der Ukraine,
sieh unsere Angst … [ Stille]
Lass Du uns nicht los – uns und alle,
die jetzt ratlos und ohnmächtig sind … [ Stille]
Höre uns! Sei uns nahe in der Not!
Sprich Du selbst in uns, wo uns die Worte fehlen.

Vaterunser

Lied: Wenn das Brot, das wir teilen
Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht,
und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht,
|:in der Liebe, die alles umfängt.:|
Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt,
und die Not, die lindern, zur Freude wird, dann hat …

Segen
Gott segnet dich und behütet dich.
Gott lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig zugewandt.
Gott hebt sein Angesicht über dich und schenkt dir Frieden. Amen.

[Halten Sie noch einen Augenblick inne und löschen Sie dann die Kerze.]

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen Pfarrer Uwe Röskamp, Malterdingen

Hausgottesdienst 1. Sonntag der Passionszeit, Invocavit, 2.Kor 6,1-10

6.3.22    1. Sonntag der Passionszeit, Invocavit

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 347

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

 

Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

 

Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht; dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

 

Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

 

Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, dass uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.

 

Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

 

Ach bleib mit deiner Gnade, Gott, bei den geplagten Menschen in der Ukraine. Unsere Gedanken und Gebete sind bei ihnen, auch in diesem Gottesdienst.

Wir beten den Wochenpsalm Ps 91 nach der Neuen Genfer Übersetzung:

Wer unter dem Schutz des Höchsten wohnt,

darf bleiben im Schatten des Allmächtigen.

Darum sage ich zum Herrn:

»Du bist meine Zuflucht und meine sichere Festung, du bist mein Gott, auf den ich vertraue.«

(Stille)

Ja, er rettet dich wie einen Vogel aus dem Netz des Vogelfängers, er bewahrt dich vor der tödlichen Pest.

Er deckt dich schützend mit seinen Schwingen,

unter seinen Flügeln findest du Geborgenheit.

Seine Treue gibt dir Deckung,

sie ist dein Schild, der dich schützt.

Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht oder vor den Pfeilen,

die am Tag abgeschossen werden,

nicht vor der Pest, die im Finstern umgeht,

nicht vor der Seuche, die mitten am Tag wütet.

Denn du hast gesagt:

»Der Herr ist meine Zuflucht!«

Den Höchsten hast du zum Schutz dir erwählt.

(Stille)

So wird dir kein Unglück zustoßen,

und kein Schicksalsschlag wird dich

in deinem Zuhause treffen.

Denn er hat für dich seine Engel entsandt und ihnen befohlen, dich zu behüten auf all deinen Wegen.

Sie werden dich auf Händen tragen, damit du mit deinem Fuß nicht an einen Stein stößt.

Über Löwen und Ottern wirst du hinwegschreiten, starke junge Löwen und Schlangen wirst du zu Boden treten.

(Stille)

So sagt nun der Herr: »Weil er mit ganzer Liebe an mir hängt, will ich ihn befreien; ich hole ihn heraus aus der Gefahr, denn er kennt meinen Namen.

Wenn er zu mir ruft, werde ich ihm antworten.

In Zeiten der Not stehe ich ihm bei,

ja, ich reiße ihn heraus und bringe ihn zu Ehren.

Ich schenke ihm ein erfülltes und langes Leben

und zeige ihm, wie ich Rettung schaffe.«

 

Ehr sei dem Vater

 

Du, unser Gott, auf den wir hoffen.

Wir denken täglich an die Menschen, die unter dem Krieg zu leiden haben. Sie wissen von den Schrecken der Nacht und den tödlichen Pfeilen. Sie suchen verzweifelt Zuflucht.

Wir sehen die Bilder und hören die Nachrichten und wir klagen dir das große Leid und das schreiende Unrecht.

Wohin führt das noch?

Wie wird der Krieg uns alle verändern?

Wir rufen dich, Gott: Sei uns Zuflucht und Schutz!

Nichts kann uns trennen von deiner Liebe.

Mach den Glauben stark in den Menschen dort in der Ukraine, bei uns, bei allen.

Herr, erbarme dich.

 

Paulus schreibt im 2. Brief an die Gemeinde in Korinth: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2.Kor 5,17)

 

Neue Lieder 180 Meine Hoffnung und meine Freude

 

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke mein Licht,

Christus, meine Zuversicht,

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Die Bilder und Berichte aus der Ukraine sind allgegenwärtig. Es gibt fast nur dieses Thema. Entsetzt hören und sehen wir, was geschieht. Zugleich setzen sich Menschen liebevoll und engagiert für die Flüchtenden ein. Viele helfen selbstverständlich, die vorher verschlossen waren. Staunend sehen wir auch dies, wie menschlich, wie engagiert und selbstlos jetzt viele sind.

Es ist eine extreme, belastende Zeit.

Kann es auch eine Zeit der Gnade sein?

Hören wir den heutigen Predigttext. Paulus wird von Christen in Korinth angegriffen. Er beschreibt seinen Dienst und sein Verständnis als Apostel.

Die Begegnung mit Jesus hat sein ganzes Leben verändert, eine neue Schöpfung, sagt er. Darum kann er sogar die extremsten Belastungen als Zeit der Gnade verstehen.

2.Kor 6,1-10

Wir als Gottes Mitarbeiter bitten euch auch:

Nehmt die Gnade Gottes so an, dass sie nicht ohne Wirkung bleibt. Denn Gott spricht: »Ich habe dich zur rechten Zeit erhört und dir am Tag der Rettung geholfen.« Seht doch! Jetzt ist die rechte Zeit. Seht doch! Jetzt ist der Tag der Rettung.

Wir wollen auf gar keinen Fall Anstoß erregen. Denn unser Dienst soll nicht in Verruf geraten. Vielmehr zeigen wir in jeder Lage, dass wir Gottes Diener sind: Mit großer Standhaftigkeit ertragen wir Leid, Not und Verzweiflung.

Man schlägt uns, wirft uns ins Gefängnis und hetzt die Leute gegen uns auf. Wir arbeiten bis zur Erschöpfung, wir schlafen nicht und essen nicht. Zu unserem Dienst gehören ein einwandfreier Lebenswandel, Erkenntnis, Geduld und Güte, der Heilige Geist und aufrichtige Liebe.                                          Zu unserem Dienst gehören außerdem die Wahrheit unserer Verkündigung und die Kraft, die von Gott kommt. Wir kämpfen mit den Waffen der Gerechtigkeit, in der rechten und in der linken Hand. Wir erfüllen unseren Auftrag, ob wir dadurch Ehre gewinnen oder Schande, ob wir verleumdet werden oder gelobt. Wir gelten als Betrüger und sagen doch die Wahrheit.

Wir werden verkannt und sind doch anerkannt.

Wir sind vom Tod bedroht, und seht doch: Wir leben! Wir werden ausgepeitscht und kommen doch nicht um.

Wir geraten in Trauer und bleiben doch fröhlich. Wir sind arm und machen doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles!

 

Seht doch! Jetzt ist die rechte Zeit. Seht doch! Jetzt ist der Tag der Rettung. – gerade jetzt eine Zeit der Gnade: Wie soll das gehen?

Paulus schreibt von seinem Dienst für Gott – nicht nur von seinem, von unserem Dienst für Gott. Er schreibt nicht nur von sich, sondern von allen Christen. Wir sind Diakoninnen und Diakone, in den Dienst, die Diakonia genommen. Bei Diakonie denken wir an praktische Hilfe für Kinder, Kranke, Flüchtlinge, Alte, Ratsuchende. Diakonia ist auch wörtlich der Dienst bei Tisch: den Tisch decken, Essen austeilen, Spülen und den Müll raustragen. Auch die Verkündigung des Evangeliums ist Diakonia.

Jesus sagt: ich will euch und allen dienen.

Er tischt uns die Gemeinschaft Gottes auf.

Er feiert die Gnade und Vergebung Gottes.

Er lädt ein zum Fest des Glaubens.

Nehmt die Gnade Gottes so an, dass sie nicht ohne Wirkung bleibt. Wie kann das gehen? Vielleicht, indem wir Flüchtlinge aufnehmen und unterstützen. Indem wir beten und spenden. Bestimmt werden auch wir spüren, dass der Krieg wirtschaftliche und praktische Folgen für uns hat.

Gemeinde sind wir, weil Jesus uns ruft, weil er uns neu macht, weil er uns zu seinen Boten macht, zu Dienerinnen und Dienern.

Bevor Wolodymyr Selenskyj Präsident wurde, hat er als Schauspieler gearbeitet und sich über die Politiker lustig gemacht. „Diener des Volkes“ hieß die Serie. Ein Lehrer wird aus Versehen Präsident.

Jetzt ist Selenskyj tatsächlich ein mutiger, von vielen geachteter Diener seines Volkes geworden.

 

Paulus erzählt von der unglaublichen Spannung, in die der Dienst für Gott die Ge-meinde bringt. Er erlebt extreme Belastung und Anfeindung und manchmal zur gleichen Zeit Bestätigung, Ermutigung, Freude, beglückende Gemeinschaft. Ich kann nur staunen. Vieles, was Paulus beschreibt, kann ich von mir oder uns nicht sagen.

Aber wie hören wohl die Christen in der Ukraine solche Sätze: Mit großer Standhaftigkeit ertragen wir Leid, Not und Verzweiflung. Man schlägt uns, wirft uns ins Gefängnis und hetzt die Leute gegen uns auf. Wir arbeiten bis zur Erschöpfung, wir schlafen nicht und essen nicht. Wir werden verkannt und sind doch anerkannt. Wir sind vom Tod bedroht, und seht doch: Wir leben!

Wir geraten in Trauer und bleiben doch fröhlich. Wir sind arm und machen doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles!

Wir sind nicht in der Weise angegriffen, aber wir kennen Zeiten, in denen wir überfordert oder traurig sind, oder belastet von Konflikten ohne Ausweg. Und wir sind in solchen Wüstenzeiten zugleich besonders empfänglich für das, was uns weiterhilft und aufmerksam für jedes gute Zeichen.

Seht doch! Jetzt ist die rechte Zeit.

Zeit der Gnade: Gnade ist nicht so sehr, was uns widerfährt, sondern wie wir damit umgehen. Wie können wir das, was geschieht, einordnen und annehmen?

Wir bleiben in Gottes Hand, was auch geschieht.

Auch diese Kriegstage sind eine Zeit Gottes.  Auch jetzt ist eine Zeit, in der wir uns Gott nah fühlen und Gott uns nahe ist.

 

Beten wir das Bekenntnis der Weltkirchenkonferenz von Vancouver (1983):

 

Mitten in Hunger und Krieg

feiern wir, was verheißen ist:

Fülle und Frieden.

Mitten in Drangsal und Tyrannei

feiern wir, was verheißen ist:

Hilfe und Freiheit.

Mitten in Zweifel und Verzweiflung

feiern wir, was verheißen ist:

Glauben und Hoffnung.

Mitten in Furcht und Verrat

feiern wir, was verheißen ist:

Freude und Treue.

Mitten in Hass und Tod

feiern wir, was verheißen ist:

Liebe und Leben.

Mitten in Sünde und Hinfälligkeit

feiern wir, was verheißen ist:

Rettung und Neubeginn.

Mitten im Tod, der uns von allen Seiten umgibt, feiern wir, was verheißen ist

durch den lebendigen Christus.

 

Amen

 

Lied 789.7 Bleib mit deiner Gnade bei uns

 

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr, Jesu Christ,

ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott

 

Bleib mit deiner Gnade bei den Menschen im Krieg,

in der Ukraine, in Syrien, im Jemen, in vielen Ländern der Erde und zum Teil seit vielen Jahren.

Bewahre die vielen, die unschuldig Opfer

von Krieg und Gewalt werden.

Steh den Menschen in ihrer Angst bei.

Behüte die Flüchtlinge.

Bleib mit deiner Gnade bei uns.

 

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr, Jesu Christ,

ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott

 

Wir bitten dich für alle, die politische Verantwortung tragen, die entscheiden und verhandeln, um Weisheit und Mut. Wir bitten für die Journalistinnen und Journalisten, für die medizinischen und andere Helfer, für alle, die an wichtigen Stellen bleiben und nicht fliehen.

Hilf uns für die Menschen da zu sein.

Mach uns bereit, Einschränkungen anzunehmen.

Bewahre unsere Lieben und uns alle.

Bleib mit deiner Gnade bei uns.

 

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr, Jesu Christ,

ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott

 

Vaterunser

 

 

Lied 430,1+2 (Mel: Befiehl du deine Wege)

Gib Frieden, Herr, gib Frieden,

die Welt nimmt schlimmen Lauf.

Recht wird durch Macht entschieden,

wer lügt, liegt obenauf.

Das Unrecht geht im Schwange,

wer stark ist, der gewinnt.

Wir rufen: Herr, wie lange?

Hilf uns, die friedlos sind.

 

Gib Frieden, Herr, wir bitten!

Die Erde wartet sehr.

Es wird so viel gelitten,

die Furcht wächst mehr und mehr.

Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein.

Hilf, wenn wir weichen wollen,

und lass uns nicht allein.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst 27.2.22 Predigttext Mk 8,27-35

 27.2.22     Sonntag vor der Passionszeit

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 275,1+2+4

In dich hab ich gehoffet, Herr;

hilf, dass ich nicht zuschanden werd

noch ewiglich zu Spotte.

Das bitt ich dich: erhalte mich

in deiner Treu, mein Gotte.

 

Dein gnädig Ohr neig her zu mir,

erhör mein Bitt, tu dich herfür,

eil, bald mich zu erretten.

In Angst und Weh ich lieg und steh;

hilf mir in meinen Nöten.

 

Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort,

mein Schild, mein Kraft – sagt mir dein Wort –,

mein Hilf, mein Heil, mein Leben,

mein starker Gott in aller Not;

wer mag mir widerstreben?

 

„hilf, dass ich nicht zuschanden werd“– wie viel wird im Krieg zuschanden. Wir sind tief erschrocken über den Krieg in der Ukraine. Wir klagen Gott das Leid und das Unrecht dieser Tage. Gott kennt die Not der Welt und die Not unserer Seele.

 

Ps 31

Herr, auf dich traue ich,

lass mich nimmermehr zuschanden werden,

errette mich durch deine Gerechtigkeit!

Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!

Sei mir ein starker Fels und eine Burg,

dass du mir helfest!

Denn du bist mein Fels und meine Burg,

und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.

Du wollest mich aus dem Netze ziehen,

das sie mir heimlich stellten;

denn du bist meine Stärke.

In deine Hände befehle ich meinen Geist;

du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,

dass du mein Elend ansiehst

und kennst die Not meiner Seele

und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;

du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Errette mich von der Hand meiner Feinde

und von denen, die mich verfolgen.

Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht;

hilf mir durch deine Güte!

Ehr sei dem Vater …

 

Auf dich hoffen wir, Herr, unser Gott,

sei uns ein starker Fels, eine Burg, eine Hilfe.

Zu dir kommen wir.

Du weißt, was uns angreift und plagt wie Feinde.

Dir bringen wir die Sorge um den Frieden,

wenn wir sehen, was in der Ukraine geschieht.

Wohin führt dieser Krieg? Was bedeutet er für die Menschen in der Ukraine und in ganz Europa?

Dir bringen wir, was uns bedrängt, auch unsere ganz persönlichen Fragen und Nöte. Stell unsere Füße auf weiten Raum – gib uns innere Ruhe und Freiheit für das, was uns herausfordert.

Sei für die, um die wir uns sorgen, und sei für uns

ein starker Fels und eine Burg.

Erbarme dich über uns

 

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,

sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

 

Neue Lieder 217 Wir gehn hinauf nach Jerusalem

Wir gehn hinauf nach Jerusalem

in leidender Liebe Zeiten

und sehen, wie einer für alle stirbt,

um uns einen Platz zu bereiten.

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem.

Wer will bei dem Herren bleiben

und kosten von einem so bittern Kelch?

Die Angst soll uns nicht von ihm treiben.

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem,

das Opfer der Welt zu sehen,

zu spüren, wie unsere Not vergeht,

und unter dem Kreuze zu stehen.

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem,

zur Stätte der ewgen Klarheit.

Wo Leiden und Ohnmacht in unsrer Welt,

da finden wir Christus in Wahrheit

 

Predigttext Mk 8,27-35

Jesus zog mit seinen Jüngern weiter in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er sie:  »Für wen halten mich eigentlich die Leute?« Sie antworteten: »Manche halten dich für Johannes den Täufer, andere für Elija. Wieder andere meinen, dass du sonst einer der alten Propheten bist.« Da fragte er sie: »Und ihr, für wen haltet ihr mich?« Petrus antwortete: »Du bist der Christus.« Jesus schärfte ihnen ein: »Sagt niemandem, wer ich bin!«

Danach begann Jesus seinen Jüngern zu erklären, was Gott mit ihm vorhatte: »Der Men-schensohn wird viel leiden müssen. Die Ratsäl-testen, die führenden Priester und die Schriftge-lehrten werden ihn wie einen Verbrecher behan-deln. Sie werden ihn hinrichten lassen, aber nach drei Tagen wird er vom Tod auferstehen.«

Das sagte er ihnen ganz offen. Da nahm Petrus ihn zur Seite und fing an, ihm das auszureden. Aber Jesus drehte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus streng zurecht: »Weg mit dir, Satan, hinter mich! Dir geht es nicht um das, was Gott will, sondern um das, was Menschen wollen.«                                                                    Dann rief Jesus das Volk und seine Jünger zu sich. Er sagte: »Wer mir folgen will, darf nicht an seinem Leben hängen. Er muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg folgen. Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.     Wer sich aber zu mir und der Guten Nachricht bekennt und deshalb sein Leben verliert, wird es erhalten.

 

Gottes Reich ist nah. Kehrt um und glaubt an das Evangelium (Mk1,15). Das sagt Jesus. Das ist der Kern seiner Botschaft. Er ruft die Menschen zu Gott. Er heilt Kranke und zeigt das Reich Gottes. Wir malen uns das aus: Jesus schenkt den Armen Hoffnung; er holt Menschen zurück in die Gemeinschaft; er richtet die auf, die niederge-drückt sind. Wir lesen davon im Evangelium und stellen uns das schön vor. Und darum glauben sie an ihn: „Du bist der, der die neue Zeit bringt. Du führst uns in die schöne Stadt Gottes. Du bist der Christus, der Messias.Gottes Reich ist nah. Das spüren sie. Das hoffen sie.

Und jetzt?

Jetzt macht sich Jesus auf den Weg nach Jerusalem. Der Menschensohn wird viel leiden müssen. Er redet von Leid, Verurteilung, Tod.

Unerträglich für Simon Petrus und immer wieder auch für uns schwer zu verstehen, kaum fassbar.

„Es muss sein.“, so sagt er. „Es ist Gottes Wille.“

Warum? Warum muss sein Leidensweg sein?

Was ist Gottes Wille?

Es ist nicht der Wille Gottes, was in der Ukraine geschieht. Krieg ist nicht Gottes Wille, sondern ein Verbrechen aus gottloser Machtgier und zynischer Menschenverachtung. Leid und Not sind nicht Gottes Wille. Das Böse und das Unrecht sind nicht Gottes Wille, aber sie sind in dieser Welt, und oft scheint es, als könnte das Böse sich unbegrenzt austoben. Es ist zum Verzweifeln, wenn man sieht, was in der Welt geschieht und wie brutal unsere Welt ist.

So sind wir Menschen. Wir sind ja verstrickt in das Unrecht der Welt. Wir kaufen russisches Gas und Waren, die von den unterdrückten Uiguren in China gefertigt werden. Wir verbrauchen zu viele Rohstoffe. Wir kümmern uns kaum darum, unter was für schrecklichen Arbeitsbedingungen unsere Kleider genäht werden. Wir erschrecken vor dem Bösen, das in diesen Tagen geschieht, aber wir sind auch verstrickt in das Böse und keiner ist frei davon. Vieles, was wir tun, ist nicht Gottes Wille. Alle sind schuldig geworden, schreibt Paulus. Keiner ist gerecht. (Römer 3)

Unsere Welt ist zum Verzweifeln, so hart und böse, so ungerecht und voll bitterem Leid.

Und Gott? Gott setzt sich der Welt mit all ihrer Bosheit aus. Jesus wird leiden, verurteilt und verworfen werden, am Kreuz sterben. Da, am Kreuz leidet und stirbt Gott selbst.

Wir gehn hinauf nach Jerusalem, zur Stätte der ewgen Klarheit. Wo Leiden und Ohnmacht in unsrer Welt, da finden wir Christus in Wahrheit.

Jesus weicht dem Leidensweg nicht aus, wie es Petrus will, wie auch wir wollen.

Ein starker Jesus wäre uns recht, einer, der mit einem Schlag den Krieg beendet und das Böse vernichtet. Aber so ist Jesus nicht. Petrus hat ihn gerade als Messias, Christus angesprochen, aber Jesus identifiziert sich nicht mit dem machtvollen Retter. Er nennt sich selbst Menschensohn – so nimmt er das Leid der Menschen an.

Petrus ist entsetzt. Er will nicht, dass sein Chris-tus leidet. Was soll aus der schönen Hoffnung auf Gottes Reich werden, wenn Jesus stirbt? Petrus herrscht Jesus an, steht da wörtlich. Jesus weiß, was Petrus lockt. Er hat ja selbst die Hoffnung geweckt: ein Leben in Frieden, Gerechtigkeit …

Aber sein Weg zum Frieden geht nicht ohne das Kreuz. Jesus fährt Petrus an – wieder das gleiche Wort: er herrscht ihn an: Weg mit dir, Satan!  – wohl kennt Jesus selbst das menschliche Sehnen nach einem bequemen Weg. Scharf weist er Petrus zurecht, und lädt ihn zugleich wieder ein: hinter mich! – so hat Jesus ihn ganz am Anfang in gerufen (Mk1,17) und jetzt wieder: „hinter mich! Du sollst mir folgen. Ich will dich bei mir.“

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem, das Opfer der Welt zu sehen, zu spüren, wie unsere Not vergeht, und unter dem Kreuze zu stehen.

Jesus wird zum Opfer. Ohne Schuld wird er verurteilt. So opfert er sich selbst. So erträgt und überwindet Gott das Böse. Gottes Reich ist nah; die Not der Welt vergeht, weil Gott selbst sich dafür einsetzt. Dietrich Bonhoeffer schreibt: Das Leiden muss getragen werden, damit es vorüber-geht. Entweder die Welt muss es tragen und daran zugrundegehen oder es fällt auf Christus und wird von ihm überwunden. So leidet Christus stellvertretend für die Welt. (D.B. Nachfolge, S.84)

Ich kann mich gut mit Petrus identifizieren: Ich will diesen Leidensweg doch nicht. Aber vor dem Leid in der Welt kann ich die Augen nicht verschlie-ßen. Die täglichen Todeszahlen der Pandemie öffnen mir die Augen, und jetzt sehen wir wieder auf das große Leid des Krieges. Nein, auswei-chen können wir nicht.

Wer mir folgen will, darf nicht an seinem Leben hängen. Er muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg folgen. Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.  Wer sich aber zu mir und der Guten Nachricht bekennt und deshalb sein Leben verliert, wird es erhalten.  

Was heißt es heute für uns, Jesus nachzufolgen?

Ich glaube, das müssen wir in dieser schwierigen  Zeit neu lernen. „Wohin rufst du uns, Jesus?

Wo dürfen wir die Augen nicht verschließen?

Wie sollen wir uns zu dir und zum Evangelium bekennen?“

Das Kreuz auf sich zu nehmen bedeutet, dass wir uns darauf einlassen, was uns beschränkt. Eine Krankheit kann das sein, eine Lebenssituation, eine Herausforderung. wir lassen uns darauf ein – wir stellen uns unter das Kreuz. Gerade so wenden wir uns dem Leben zu. Wir hoffen, dass Jesus uns den Blick schärft und das Herz wach hält für das Leid, das uns angeht. Und wenn es darauf ankommt, hoffen wir, dass Gottes Geist uns Kraft, Liebe und Besonnenheit gibt.                Er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Neue Lieder 217 – siehe oben

 

Im Vertrauen auf die Liebe und Fürsorge Gottes vertrauen wir ihm unsere Bitten und unsere Anliegen an:

 

Wir bitten dich für die Menschen in der Ukraine, die sich unverschuldet mit Krieg und Gewalt konfrontiert sehen; wir beten für alle, die entsetzt und wütend sind über das rechtswidrige Vorgehen der russischen Regierung und den rücksichtslosen Angriff der russischen Armee.

 

Wir bitten für alle, die Angst haben um ihre Familien und Angehörigen und davor, dass die Situation noch mehr eskaliert; wir bitten dich für die, die ratlos und hilflos sind und in ihrer Verzweiflung nicht wissen, wie es weitergehen soll.

 

Wir bitten dich für alle, die Macht und Einfluss haben und ringen um die richtigen Entscheidungen, wie man auf das völkerrechtswidrige Vorgehen reagieren soll. Wir bitten für die, die sich auf der ganzen Welt mühen um Gerechtigkeit und Frieden.

 

Steh denen bei, die auf der Flucht sind vor den Schrecken des Krieges und die in ihrer Not nicht wissen, wohin sie gehen sollen und wo sie in Sicherheit sind.

 

Bewahre uns davor, in unserer Welt zu Streit und Unfrieden beitragen, mit dem Finger auf andere zu zeigen, Schuld zuzuweisen und zu verurteilen. Mach uns bereit unsere eigene Position und unser Verhalten zu überdenken.

 

Wir bitten für unsere Kranken und alle, die sich um sie sorgen, für die Trauernden, für die Überforderten.

Nimm dich ihrer und unser aller gnädig an,

du, unser Gott. Behüte und bewahre uns alle.

Vaterunser

 

Hören wir noch einmal die Zusage: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

 

Lied 430,1+2+4 (Mel: Befiehl du deine Wege)

Gib Frieden, Herr, gib Frieden,

die Welt nimmt schlimmen Lauf.

Recht wird durch Macht entschieden,

wer lügt, liegt obenauf.

Das Unrecht geht im Schwange,

wer stark ist, der gewinnt.

Wir rufen: Herr, wie lange?

Hilf uns, die friedlos sind.

 

Gib Frieden, Herr, wir bitten!

Die Erde wartet sehr.

Es wird so viel gelitten,

die Furcht wächst mehr und mehr.

Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein.

Hilf, wenn wir weichen wollen,

und lass uns nicht allein.

 

Gib Frieden, Herr, gib Frieden:

Denn trotzig und verzagt

hat sich das Herz geschieden

von dem, was Liebe sagt!

Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt, und mach aus uns ein Zeichen

dafür, dass Friede siegt.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst 20.2.22 Predigt über Jes 55,6+8-12a

20.2.22     2.Sonntag vor der Passionszeit

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 452,1+2+4

 

Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

 

Er will, dass ich mich füge. Ich gehe nicht zurück. Hab nur in ihm Genüge, in seinem Wort mein Glück. Ich werde nicht zuschanden, wenn ich nur ihn vernehm. Gott löst mich aus den Banden. Gott macht mich ihm genehm.

 

Er will mich früh umhüllen mit seinem Wort und Licht, verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht; will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag. Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.

 

Gebet

In deinem Wort habe ich mein Glück.

Dass du mich ansprichst, mein Gott,

dass ich dein Wort hören kann,

das ist wunderbar.

Der Lärm in mir, der Lärm um mich herum

ist oft zu groß.

Vieles dringt auf mich ein und lenkt mich ab.

Viele Stimmen und Botschaften verlangen Gehör.

Mach mich ruhig und bereit, in all den Stimmen

dich und dein Wort an mich zu hören.

Dein Wort will helle strahlen,

wie dunkel auch der Tag.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte

und ein Licht auf meinem Weg.

Sag mir dein gutes Wort,

Trost in dem, was mir zu schaffen macht,

Hilfe in dem, was mich ratlos macht,

Ermutigung in der Sorge und Angst.

Dein Wort ist ein Licht auf meinem Weg.

Du bist mein Licht.

Amen

 

Lied 199

 

Gott hat das erste Wort.

Es schuf aus Nichts die Welten und wird allmächtig gelten und gehn von Ort zu Ort.

 

 

Gott hat das erste Wort.

Eh wir zum Leben kamen, rief er uns schon mit Namen und ruft uns fort und fort.

 

Gott hat das letzte Wort,

das Wort in dem Gerichte am Ziel der Weltgeschichte, dann an der Zeiten Bord.

 

Gott hat das letzte Wort.

Er wird es neu uns sagen dereinst nach diesen Tagen im ewgen Lichte dort.

 

Gott steht am Anbeginn, und er wird alles enden. In seinen starken Händen liegt Ursprung, Ziel und Sinn.

 

Predigt Jes 55,6+8-13

 

Wie werden wir auf diese Zeit zurücksehen?

Was meinen Sie: wie werden wir in fünf oder zehn Jahren die Coronazeit sehen?

Auf jeden Fall wird uns die Erfahrung prägen. Vieles ist im Fluss. Vielleicht stellen wir gerade wichtige Weichen: für das Klima, für unser Verhältnis zu Russland, für die Demokratie in unserem Land, auch für die Kirche – wir leben in einer Zeit der Entschei-dungen. Wir sind herausgefordert, viele auch überfordert und müde. Mitten im Fluss der Ereignisse sehen wir das Ganze noch nicht.

Wie werden wir auf diese Zeit zurücksehen?

 

Eine tiefe Krise im 6.Jahrhundert vor Christus prägt das Bewusstsein und den Glauben Israels.

In dieser Zeit schreibt Jesaja:

Sucht den Herrn, jetzt ist er zu finden!

Ruft zu ihm, jetzt ist er nahe!

In diesem „jetzt ist er nahe“ klingt die Begegnung des Mose mit Gott an. Ein Dornbusch brennt und verbrennt doch nicht. Eine Stimme erklingt. Gott spricht Mose an. Der Ewige sucht den Menschen.

Jetzt lässt Gott sich finden, jetzt, in der Zeit der Krise und höchster Anspannung. Und wie? In seinem Wort. Jesaja schreibt weiter:

So lautet der Ausspruch des Herrn:

Meine Pläne sind anders als eure Pläne

und meine Wege anders als eure Wege.

Wie weit entfernt ist doch der Himmel von der Erde! So fern sind meine Wege von euren Wegen und meine Pläne von euren Plänen.

Regen oder Schnee fällt vom Himmel und kehrt nicht dahin zurück, ohne die Erde zu befeuchten. So lässt er die Pflanzen keimen und wachsen. Er versorgt den Sämann mit Samen und die Menschen mit Brot.                             So ist es auch mit dem Wort, das von mir ausgeht: Es kehrt nicht wirkungslos zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will.                       Was ich ihm aufgetragen habe, gelingt ihm.

Voll Freude werdet ihr aus Babylon fortziehen

und wohlbehalten nach Hause gebracht werden.

 

Gott sieht das Ganze. Wir sind verwirrt und oft überfordert auf der Suche nach guten Wegen.

Ein sicherer Weg aus der Pandemie nach dem ganzen Hin und Her, das uns alle nervt. Ein Weg zum Frieden in den Konflikten und Machtspielen. Ein Weg zur Abwendung der Klimakatastrophe.

Wege des Gesprächs und der demokrati-schen Kultur gegen die Spaltung der Gesellschaft und den Hass.

Wir sehen all diese Wege noch nicht,

aber es gibt sie.

Gott sieht das Ganze und das Ziel.

Er will uns leiten durch sein Wort.

Wie der Regen so kommt sein Wort, ein guter Regen, der die Erde fruchtbar und lebendig macht, Worte von Gott, die nicht wirkungslos bleiben.  Gottes Volk soll wohlbehalten in die Freiheit und nach Hause ziehen. Sie sollen in Frieden leben.

Es ist wie es am Anfang der Pandemie an vielen Häusern zu lesen war: „Alles wird gut.“

Jesaja will seinem Volk und uns den Blick weiten. Noch sehen wir nicht das Ganze.

Gottes Wege sind höher als unsere.

Gottes Gedanken kennen wir nicht.

Vermutlich sind unsere Hoffnungen und Ziele viel zu sehr nur auf uns bezogen. Der Kreis ist weiter.

Aber jetzt, genau jetzt ist die Zeit Gott zu suchen, in Gottes Wort zu suchen und zu forschen, unsere enge, kurze Sicht zu weiten.

Wir werden auf diese Zeit zurücksehen und Gott danken. Amen

 

Neue Lieder 147

 

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht;

es hat Hoffnung und Zukunft gebracht;

es gibt Trost, es gibt Halt

in Bedrängnis, Not und Ängsten,

ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

 

 

 

 

Gebet

 

Du, unser Gott, hab Dank für dein Wort. Danke für die vielen Wege, auf denen du zu uns sprichst. Danke auch für manches harsche Wort, das uns wieder auf den richtigen Weg setzt.

Wir bitten dich: Komm zu uns mit deinem Wort. Komm in unsere Familien und Nachbarschaften.

Hilf uns, deine Nähe in unserem Leben zu erkennen.                                                            Gib uns deinen Geist, dass wir unser Leben nach deinem Wort gestalten.

Hilf uns zu guten Entscheidungen und führe uns auf einem guten Weg.

Lass uns offen auf unseren Nächsten schauen, in gegenseitigem Respekt miteinander umgehen und voller Zuversicht unsere Aufgaben angehen.

Gebiete den Kriegstreibern ein Ende. Lass sie die gegenseitige Abschreckung einstellen zugunsten eines fairen und respektvollen Blicks auf das jeweils andere Land und in Verantwortung für die Menschen in ihren Ländern.

Ermutige diejenigen, die enttäuscht und verzagt sind. Tröste die Traurigen. Hilf uns, durchzuhalten in diesen Zeiten und auszuhalten, was uns das Leben schwer macht. Richte uns immer wieder auf. Wir bitten dich für unsere Kranken.

Steh deiner Kirche bei, dass wir dein Wort hören und es in guter Weise weitersagen. Wir bitten dich für unsere katholische Nachbargemeinde und für die Gemeinde in Sundhouse. Wir bitten für deine Kirche in aller Welt, besonders dort, wo sie verfolgt und unter Druck sind.

Gemeinsam beten wir weiter mit Jesu Worten:

Vaterunser

 

Lied 421

 

Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst 13.2.22 Predigt zu Jeremia 9,22f

 13.2.22     3.Sonntag vor der Passionszeit

Andreas Hansen, Kenzingen

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied 452,1+2+4

Er weckt mich alle Morgen,

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmrung Pforte

ist er mir nah und spricht.

 

Er spricht wie an dem Tage,

da er die Welt erschuf.

Da schweigen Angst und Klage;

nichts gilt mehr als sein Ruf.

Das Wort der ewgen Treue,

die Gott uns Menschen schwört,

erfahre ich aufs Neue so, wie ein Jünger hört.

 

Er ist mir täglich nahe

und spricht mich selbst gerecht.

Was ich von ihm empfahe,

gibt sonst kein Herr dem Knecht.

Wie wohl hat’s hier der Sklave,

der Herr hält sich bereit,

dass er ihn aus dem Schlafe

zu seinem Dienst geleit.

 

Wir liegen vor dir im Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel 9,18b)

So heißt der Bibelvers für diese Woche, der Wochenspruch. Wir vertrauen, dass Gott Gutes mit seiner Welt und mit uns vorhat. Lasst uns mit den Seligpreisungen Jesu beten.

Glückselig sind die, die wissen,

dass sie vor Gott arm sind.

Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Glückselig sind die, die trauern.

Denn sie werden getröstet werden.

Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind. Denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.

Glückselig sind die, die hungern und dürsten

nach der Gerechtigkeit. Denn sie werden satt werden.

Glückselig sind die, die barmherzig sind.

Denn sie werden barmherzig behandelt werden.

Glückselig sind die, die ein reines Herz haben.

Denn sie werden Gott sehen.

Glückselig sind die, die Frieden stiften.

Denn sie werden Kinder Gottes heißen. Glückselig sind die, die verfolgt werden,

weil sie für Gottes Gerechtigkeit eintreten.

Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Ehr sei dem Vater …

 

Du guter Gott, wir sollen glücklich, ja selig sein. Das willst du für uns. Wir sollen Salz der Erde und Licht der Welt sein. Das traust du uns zu.                        Wir schauen auf die Woche, die hinter uns liegt und sehen vieles, was nicht gut ist in unserem Leben und in der Welt. Was wir tun müssten, was sich ändern müsste, kommt uns kaum erreichbar vor. Jesus, nimm uns mit, mit deiner Hoffnung. Wecke deine Kraft in uns. Amen

 

Lied 346,1-3

Such, wer da will, ein ander Ziel,

die Seligkeit zu finden;

mein Herz allein bedacht soll sein,

auf Christus sich zu gründen.

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,

sein heilger Mund hat Kraft und Grund,

all Feind zu überwinden.

Such, wer da will, Nothelfer viel,

die uns doch nichts erworben;

hier ist der Mann, der helfen kann,

bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil,

uns macht gerecht der treue Knecht,

der für uns ist gestorben.

 

Ach sucht doch den, lasst alles stehn,

die ihr das Heil begehret;

er ist der Herr, und keiner mehr,

der euch das Heil gewähret.

Sucht ihn all Stund von Herzensgrund,

sucht ihn allein; denn wohl wird sein

dem, der ihn herzlich ehret.

Predigt:

Glücklich, ja selig seid ihr. Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten! Mit einer großen Ermutigung beginnt Jesus seine Predigt.

Mit einer großen Ermutigung beginnt unser Leben als Christenmenschen. Gott sagt bei unserer Taufe zu uns: Du bist mein Kind. Dich habe ich lieb. Dich will ich segnen. Gott richtet uns auf.

Gott macht uns Mut.

Mut können wir gut gebrauchen. Denn wen nennt Jesus selig? Die Friedensstifter, die Gewaltlosen, die nach Gerechtigkeit hungern und dazu auch die Traurigen, die Verfolgten. Wir schauen in unsere Welt und es ist schier zum Verzweifeln. Haben Sie die Dokumentation über die schreckliche Verfolgung der Uiguren in China angesehen? Ob es dieses Volk in 20 Jahren wohl noch gibt, oder ob die Chinesen es ganz auslöschen werden? Überall sind die Diktatoren auf dem Vor-marsch, werden Menschen unterdrückt und auch die Natur wird rücksichtslos verbraucht und zerstört.

Wie kommen wir da nur heraus?

Der Predigttext richtet unseren Blick auf den Propheten Jeremia. Er kündigt den Untergang Jerusalems an, aber er wird nicht ernst genommen, sondern verfolgt und fast umgebracht. Jeremia erlebt die durch und durch korrupte,  ungerechte, kurzsichtige Politik seiner Zeit und dann die schreckliche Vernichtung durch die Babylonier. Gewalt und Unrecht regieren. Die Welt ist am Abgrund. Wird Israel das überleben?

Mitten im größten Schrecken sagt Jeremia:

So spricht der Herr:

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit,

ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke,

ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne,

dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit,

Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden;

denn solches gefällt mir, spricht der Herr.

(Jer 9,22f )

Die Lage ist zum Verzweifeln. Israel ist in seiner Existenz bedroht, damals im 6.Jahrhundert vor Christus, und immer wieder: Als die Römer im 2. Jahrhundert alle Juden aus ihrem Land vertrieben, in den Gewaltorgien gegen Juden im Mittelalter und am brutalsten im 20. Jahrhundert durch die deutsche Vernichtungspolitik.

Und trotzdem sagt Gott: Mir gefallen Barm-herzigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Ich bin der Herr und setze Barmherzigkeit, Recht, Gerechtigkeit auf der Erde durch. Gewalt und Unrecht behalten nicht das letzte Wort.

 

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit,

ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke,

ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

Die selbstgefälligen, verlogenen Auftritte der Diktatoren der Welt sind kaum zu ertragen.  Sie sind berauscht von sich selbst und sie verhöhnen ihre Gegner und ihre Opfer.

So wie Gerhard Schröder Putin hinterherhechelt, sind auch wir fasziniert von Macht, Reichtum und Glamour.                           Erfolg, Weisheit, Geld sind nicht an sich schlecht – wir zeigen schließlich auch gern, was wir haben und können. Aber alles wird verkehrt, wenn wir uns nur auf uns selbst verlassen, allein auf unsere Weisheit und Stärke und Reichtum setzen. Jeremia sieht die Wurzel allen Übels darin, dass seine Zeitgenossen Gott nicht kennen.       Vielleicht pflegen sie sogar ein wenig religiöses Brauchtum, aber in Wahrheit wollen sie von Gott nichts wissen.

Wer sich so gottvergessen selbst rühmt, nimmt Weisheit, Stärke und Reichtum als sein eigenes Werk wahr. Ich selbst mache mein Glück. Dann bin ich auch das Maß aller Dinge. Die Selbstvergötzung macht rücksichtslos. Was mir dient, ist wichtiger als die Interessen anderer, wichtiger als das Recht des Mitmenschen und das Recht der Schöpfung. Ein Weg in den Abgrund.

 Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er wirklich klug sei und mich kenne.

Gott kennen heißt: Unsere Weisheit, Stärke und Reichtum sind nicht unser Werk. Gott verdanken wir alles, was wir wissen und können. Und mit den uns anvertrauten Gaben setzen wir uns ein. Wir verbinden Weisheit mit Güte, wir setzen Stärke und Besitz für gerechte Verhältnisse ein.

Jeremia ermutigt sein Volk und uns:

„Gott hat das letzte Wort. Verlasst euch darauf!  Seine Barmherzigkeit, sein Recht und seine Gerechtigkeit setzen sich durch. Resigniert nicht! Und setzt euch ein mit all eurer Kraft!“

Jesus traut uns viel zu und ermutigt uns:

Glückselig seid ihr. Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten!

Eine Welt voll Güte, Recht, Gerechtigkeit gefällt Gott. Das ist sein Ziel.

Dafür steht er ein und dafür macht er uns Mut. Amen

 

Lied 662

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die Ängste, für die Sorgen,

für das Leben heut und morgen:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die Wahrheit einzustehen

und die Not um uns zu sehen:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die Zeit, in der wir leben,

für die Liebe, die wir geben:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die vielen kleinen Schritte,

Herr, bleib du in unsrer Mitte:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Gebet

 

Du, Gott, liebst Güte und Gerechtigkeit.

Du findest dich nicht ab mit Krieg und Unrecht.

Du gibst die Welt nicht verloren, obwohl wir oft vor den Problemen resignieren.

 

Wir bitten dich um Frieden zwischen den Völkern.

Der Aufmarsch der Truppen an den Grenzen der Ukraine macht uns Angst. Bewahre die Menschen vor dem Leid, das der Krieg bringt. Gib den Verantwortlichen und gib uns Weisheit und Mut umzukehren und zu versöhnen.

 

Wir bitten dich um Gerechtigkeit. So viele Menschen leiden unter staatlicher Gewalt. Sie werden unterdrückt und verfolgt. Sie dürfen ihre Meinung nicht sagen und leben in ständiger Angst. Wir bitten für die Uiguren in China, für die Menschen in Belarus, in Myanmar – es sind viele Länder, in denen furchtbares Unrecht geschieht.

Wir bitten für die Bewahrung der Schöpfung. Hilf uns umzukehren, weniger zu verbrauchen, bewusster zu leben, dass wir nicht sinnlos Energie und Rohstoffe verschwenden, dass wir nicht unsere Umwelt durch Müll und das Klima durch CO2 belasten.

 

Hilf uns in dieser Phase der Pandemie. Noch immer sterben täglich so viele. Wir bitten für die Kranken, für Kinder und Jugendliche in Quarantäne, für die vielen, die sich für die Opfer der Krankheit einsetzen.

Gib uns Weisheit und Mut, dass wir die richtigen Schritte gehen und möglichst alle von dem überzeugen, was nötig ist. Bewahre uns davor, dass wir wegen der Coronamaßnahmen in heillosen Streit geraten.

 

Wir bitten für deine Kirche, unsere Gemeinde, für unsere Partnergemeinde in Sundhouse und für unsere Nachbarn in der katholischen Gemeinde. Schenk uns Weisheit und Mut, dass wir deine Kirche sind und leben, wie es dir entspricht.

 

Vaterunser

Lied 170

Komm, Herr, segne uns,

dass wir uns nicht trennen,

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

 

Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

 

Frieden gabst du schon,

Frieden muss noch werden,

wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden. Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen –

die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

 

Komm, Herr, segne uns,

dass wir uns nicht trennen,

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen