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Pfarrer in Kenzingen seit Mai 2012, vorher als Pfarrer in Waldshut (1997-2012) und Riegel (1990-1997), verheiratet, drei erwachsene Kinder, Jahrgang 1960

Hausgottesdienst für den 20.3. Oculi, Predigt über 1.Könige 19,1-8

20.3.22 3. Sonntag der Passionszeit, Oculi

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 391 Jesu, geh voran

Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

 

Soll’s uns hart ergehn, lass uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

 

Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin.

 

Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöt’ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

 

Psalm 25,15-20

 

Meine Augen blicken stets auf den Herrn.

Denn er selbst zieht meine Füße aus dem Netz.

Wende dich zu mir

und hab Erbarmen mit mir!

Denn ich fühle mich einsam

und unglücklich.

Befreie mich von der Angst,

die mir das Herz zusammenschnürt.

Führe mich aus meiner Bedrängnis!

Nimm mein Unglück und Leid von mir!

Schaff alle meine Sünden aus der Welt!

Sieh nur, wie zahlreich meine Feinde sind

und wie abgrundtief sie mich hassen!

Schütze meine Seele und rette mich!

Lass mich keine Enttäuschung erfahren!

Denn bei dir suche ich Zuflucht.

Ehr sei dem Vater …

 

 

Wir sehen die Nachrichten dieser Tage und die Bilder verfolgen uns. Wir bitten dich, du Gott voll Erbarmen: Befreie die Menschen in Krieg und Leid von der Angst, befreie auch uns von der Angst, die uns das Herz zusammenschnürt.

Hilf der zerstrittenen Welt neu anzufangen.

Schaffe alle unsere Sünden aus der Welt,

unsere Selbstgerechtigkeit, unseren Egoismus,

unsere Trägheit zu ändern, was nicht weitergehen kann.

Richte unsere Augen auf dich, Gott. Mach uns bereit, dir zu folgen, Jesus. Lenke das Denken und Handeln auf deinen Frieden und deine Gerechtigkeit. Amen

 

382,1-3 Ich steh vor die mit leeren Händen, Herr

 

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;

fremd wie dein Name sind mir deine Wege.

Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;

mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?

Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

 

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,

mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.

Hast du mit Namen mich in deine Hand,

in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben? Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?

Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

 

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit

und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben.

Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.

Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

 

Predigt

 

Sie schlafen seit drei Wochen in Kellern und Tief-garagen. Wenn sie denn schlafen können in der Unruhe dieser Nächte, in Alarm und Kampflärm. Wenn die Angst vor dem, was noch kommt, sie schlafen lässt, und die Sorge um ihre Angehörigen auf der Flucht und im Kampf.

Die Verzweiflung ist groß und die Hände leer.

mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?

Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?

Ich möchte glauben, komm du mir entgegen.“

Verzweifelt, gehetzt und lebensmüde ist Elia,   aber Gott lässt ihn nicht in seiner Verzweiflung.

Hören wir den Predigttext, 1.Könige 19,1-8:

 

Ahab erzählte Isebel alles, was Elia getan hatte –auch dass Elia alle Propheten des Baal getötet hatte. Daraufhin schickte Isebel einen Boten zu Elia und drohte ihm: »Die Götter sollen mir antun, was immer sie wollen, wenn ich deinem Leben nicht ein Ende setze! Morgen um diese Zeit soll  es dir ergehen wie den Propheten, die du getötet hast!« Da geriet Elia in große Angst. Er sprang auf und lief um sein Leben. So kam er nach Beerscheba an die Grenze von Juda. Dort ließ er seinen Diener zurück. Er selbst ging noch einen Tag lang weiter – tiefer in die Wüste hinein. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. »Es ist genug!«, sagte er. »Herr, nimm nun meine Seele! Denn ich bin nicht besser als meine Vorfahren.« Schließlich legte er sich hin und schlief unter dem Ginsterstrauch ein.

Plötzlich berührte ihn ein Engel und forderte ihn auf: »Steh auf und iss!« Als Elia um sich blickte, fand er etwas neben seinem Kopf: frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser. Er aß   und trank, dann legte er sich wieder schlafen.

Doch der Engel des Herrn erschien ein zweites Mal. Wieder berührte er ihn und sprach:

»Steh auf! Iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!«

Da stand Elia auf, aß und trank und ging los. Durch das Essen war er wieder zu Kräften gekommen. 40 Tage und 40 Nächte war er unterwegs, bis er den Horeb, den Berg Gottes, erreichte.

 

Der Gottesmann ist am Ende.

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Und dann schläft er völlig erschöpft ein.

Schlaf kann so gut und so heilsam sein. Aber Elia ist wie betäubt und noch lange nicht erholt.

Kennen Sie das, wenn man am Morgen wie zerschlagen aufwacht, nicht etwa mit einem Kater, sondern einfach völlig kraftlos und leer?

Elia hat sich verausgabt für Gott. Wie es sein Name sagt, Eli-ja, mein Gott ist der HERR, hat er für den einen und wahren Gott, gegen die Götzen gekämpft. Die Propheten Baals hat er als Lügner entlarvt und dann regelrecht geschlachtet.

Aber seine Gegnerin, Isebel, die phönizische Frau des Königs, ist keineswegs überzeugt.     Sie schwört Rache: „Elia, du bist schon so gut wie tot!“ Und auf einmal befällt ihn Panik, er rennt, rennt um sein Leben, flieht in die Wüste, legt sich lebensmüde unter einen Ginsterstrauch.

 

Es ist genug.

In den letzten zwei Jahren haben wir oft gemeint: „Jetzt reicht es aber. Wir können nicht mehr.“

Angesichts der Not der Ukrainer in den bombar-dierten Städten und auf der Flucht erscheint die Erschöpfung wegen Corona fast übertrieben, obwohl es doch viele hart getroffen hat und sie noch immer an gesundheitlichen, seelischen und wirtschaftlichen Folgen von Corona leiden.

 

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Wir diskutieren gerade wieder, ob ein Mensch das entscheiden darf, sein Leben zu beenden, und vor allem, ob und wie man ihm dabei helfen darf, wie wir zu guten Entscheidungen kommen und dabei Ärztinnen und Ärzte nicht überfordern.

Die Entscheidung eines Menschen respektieren und dennoch alles tun, damit er oder sie leben will – das Leben stärken und nicht den Tod – es ist schwierig, weil jeder Fall besonders ist. Mit dem Versuch eine gute Regelung zu finden kommen wir schnell an unsere Grenze.

 

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Das hebräische Wort für Seele heißt „Schlund“, Näfäsch. Da wo alles, was zum Leben notwendig ist durchgeht: Luft, Nahrung, Wasser, Sprache. Die Seele ist mein Atem, meine Bedürftigkeit. Meine Seele bin ich selbst mit allem, was zu mir gehört, mein Leben in Freude und Schmerz, in Beziehung zu anderen Menschen und auch mein Leben vor Gott. Gott gibt uns den Atem. Gott sorgt für unsere Seele. Unsere Seele ist kostbar für ihn.

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit

und das mich führt in deinen großen Frieden.

Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.

Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete

 

Es ist genug! Herr, nimm nun meine Seele!

Aber Gott widerspricht seinem Propheten.

„Nein, Elia, so nicht!“ Sanft und beharrlich drängt Gott ihn zurück ins Leben.

Ein Engel berührt Elia. Was für eine freundliche, liebe Geste. Und was für eine verlockende Einladung. Es duftet nach Brot, herrlich!

Ein Krug Wasser, köstlich hier in der Wüste.

Steh auf und iss! – aber gerne lässt sich Elia einladen, isst und trinkt – und legt sich wieder  zum Schlafen hin. Gott lässt Elia die Zeit, die er braucht.

Und wieder kommt der Engel des Herrn und berührt Elia. Schon etwas schärfer ist sein Ton:

Steh auf! Iss!  – so knapp wie möglich die Anweisung, und dann: Du hast einen weiten Weg vor dir! – Genug noch hast du des Wegs! übersetzen Buber und Rosenzweig wörtlich.    Gott widerspricht Elias kläglichem Genug.

„Nein, Elia, es ist nicht genug! Genug noch hast du des Wegs! Du hast noch etwas vor, und ich habe eine Menge vor mit dir.“

Elia kommt zu Kräften und läuft los, läuft und läuft, unvorstellbar weit bis an den Gottesberg. Dann wird er Gott auf geheimnisvolle Weise begegnen. Und Elia wird einen neuen Auftrag erhalten.

 

Gott will uns begegnen, wo auch immer wir sind. Was hat Gott vor mit dem Menschen, der von Schmerz und Angst geplagt ist, der nicht mehr kann und nicht mehr leben will?

Was hat Gott vor mit all den Flüchtenden an den Grenzen, auf dem Meer, in den Lagern?

Was hat Gott vor mit Wolodymyr Selenskij und was hat Gott vor mit den alten Männern im Kreml?

Ich weiß es nicht, aber ich bin gewiss: Gott will ihnen allen begegnen. Gott rührt uns an.

Er braucht nicht einmal Engel dafür, aber manchmal sendet er wohl seine Boten zu uns. Gott rührt unsere Seele an und sorgt für sie.

Unsere Seele soll nicht weggeworfen werden, sondern atmen, leben. In guten Beziehungen sollen wir leben und dem Leben vertrauen.

Gott geht nicht gleichgültig hinweg über unsere Schmerzen, über die Kriege, das Leid und das Unrecht. Kein Mensch soll sein Leben wegwerfen oder das Leben anderer vernichten.

„Gib nicht auf, Elia!

Es ist nicht genug mit deinem Leben.

Steh auf! Iss! Genug noch hast du des Wegs.“

Amen

 

Gebet

 

Mit leeren Händen stehen wir vor dir, Gott.

Wir sind erschüttert über das, was geschieht.

Wir verstehen nicht.

Hilf den Menschen in Krieg und Not.

Bewahre sie vor denen, die ihnen Gewalt antun.

Behüte sie in den Luftschutzkellern, auf den Straßen, auf der Flucht.

Wohin führt das? Sei bei ihnen, stärke sie, richte sie auf.

 

Wir bitten für die politisch Verantwortlichen, um Einsicht und Umkehr, um Weisheit und Mut und Geduld.

Hilf ihnen Leben zu schützen und der Gewalt zu wehren.

Um Frieden bitten wir dich für alle Länder der Erde.

Hilf uns, dass wir erkennen, wie sehr wir alle den Frieden brauchen und aufeinander angewiesen sind.

 

Wir bitten dich auch für uns, für Kinder und Erwachsene, die von Albträumen aufwachen, für uns in Sorge und Angst.

Wir bitten für die, die sagen: „Es ist genug. Ich kann nicht mehr.“, für die Erschöpften, Enttäuschten, Verzweifelten, für Menschen in seelischer Not.

 

Wir bitten für deine Kirche in allen Konfessionen.

Hilf der Kirche zur Umkehr und Erneuerung, wo sie Unrecht nicht wahrhaben will, vertuscht oder gar fördert.

Bringe uns zusammen auf dem Weg des Friedens.

Herr, erneuere deine Kirche und fange bei mir an.

Bewahre uns.

 

Vaterunser

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens Stellungnahme zum Ukrainekrieg auf der Basis der friedensethischen Positionierung der Evangelischen Landeskirche in Baden

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“ Das ist die Überzeugung des Ökumenischen Rates der Kirchen, zu dem die Evangelische Landeskirche in Baden gehört.
Seit 2013 versteht sich die badische Landeskirche als eine Kirche auf dem Weg zum gerechten Frieden. Die Landessynode initiierte einen friedensethischen Prozess, der dem Vorrang der Gewaltfreiheit verpflichtet ist. So formulierte die badische Landessynode 2013: „Für Frieden und Versöhnung einzutreten gehört zum Kern des kirchlichen Zeugnisses“.
Auf diesem Hintergrund nehmen wir Verantwortliche für den friedensethischen Prozess in der Evangelischen Landeskirche in Baden Stellung zum Krieg in der Ukraine.
1. Wir rufen die russische Regierung zu einem sofortigen Waffenstillstand und zur Beendigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf.
Die völkerrechtswidrige Invasion der russischen Truppen in die Ukraine ist durch nichts zu rechtfertigen und klar zu verurteilen. Die militärische Gewalt schafft unfassbares Leid bei Zivilbevölkerung, wie auch bei Soldaten und ihren Familien. Sie schafft ein ungeheures Maß an Zerstörung und damit an Armut und verhindert zukünftige Entwicklungschancen.
Die Invasion in der Ukraine steht in der Gefahr, eine noch größere Eskalation der Gewalt bis hin zu einem mit Atomwaffen geführten Weltkrieg auszulösen. Mit Schrecken, großer Sorge und tiefer Betroffenheit nehmen wir die Entwicklungen in der Ukraine wahr.
Wir fordern die russische Regierung auf, die Kampfhandlungen einzustellen, ihre Truppen unverzüglich aus der Ukraine abzuziehen und weiteres Blutvergießen zu verhindern.
2. Wir beklagen das Leid der Opfer und stehen an ihrer Seite.
Die Menschen in der Ukraine sind in höchster Not und benötigen unsere Unterstützung. Wir wollen alles in unserer Macht Stehende tun, ihnen beizustehen: in Form humanitärer Hilfe, durch Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit und im Gebet.
Wir bitten die Gemeinden, Dienste und Werke der Evangelischen Landeskirche in Baden, geflüchtete Menschen aufzunehmen und ihnen die nötige Unterstützung zukommen zu lassen. Dies gilt genauso für Menschen gleich welcher Hautfarbe, Herkunft oder Religion, die aus anderen Kriegs- und Katastrophengebieten nach Europa fliehen.
Wir sind dankbar für die vielen Menschen in unserer Landeskirche, die sich bereits für die geflüchteten Menschen engagieren. Darüber hinaus bitten wir um Spenden für die Katastrophenhilfe und diakonische Arbeit (z.B. Lebensmittel, Medikamente und medizinischen Geräte) für die Menschen in der Ukraine und die ankommenden Flüchtlinge.
Mit großer Achtung und Respekt schauen wir auf jene, die in Russland mutig gegen den Krieg protestieren oder sich weigern, sich daran zu beteiligen. Viele von ihnen wurden verhaftet und erleiden schwerwiegende persönliche Konsequenzen. Wir wollen tun, was wir können, um sie zu unterstützen.
3. Im Gebet bringen wir unsere Klage über den Krieg, unsere Verzweiflung, Hilflosigkeit und Ohnmacht vor Gott.
Im Gebet vertrauen wir unsere Not der Friedens-Bewegung Gottes an und verbinden uns mit allen Menschen, die Frieden suchen. Auch wenn uns in diesen Tagen Zweifel und Mutlosigkeit zu überwältigen drohen: Christi Liebe wird die Mächte des Todes überwinden; darauf vertrauen wir!
In unseren Gebeten bitten wir für die Menschen, die unter Krieg und Vertreibung leiden. Wir danken für alle Zeichen der Solidarität und für allen Mut, der sich dem Unrecht und der Gewalt entgegenstellt. Wir beten, dass Gott die politisch Verantwortlichen in Russland zur Umkehr bringt und dass die Verantwortlichen auf allen Seiten, einen Weg finden, den Krieg schnell zu beenden
4. Der Krieg darf nicht unsere Sprache und unsere Haltungen prägen.
Wir stellen eine Polarisierung und Verrohung in Sprache und Bildern, mitunter eine Verkürzung von Inhalten in privaten Gesprächen, in der öffentlichen Diskussion, den sozialen Netzwerken und auch in den Medien fest. Wir wollen darauf achten, dass die Sprache nicht durch Klischees, Pauschalisie-rungen, Abwertungen und Verabsolutierungen zu einer Rhetorik des Krieges verkommt.
Wir unterscheiden zwischen der russischen Regierung und der russischen Bevölkerung und wehren uns gegen eine Dämonisierung und Pauschalverurteilung russischer Kultur oder russischer Lebensart.
Wir lehnen grundsätzlich jegliche Verurteilungen und Angriffe auf Menschen aus Russland ab. Mit den Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die familiäre Wurzeln in Russland und in der Ukraine haben, ist das Gespräch zu suchen. Wo es weiterhin möglich ist, sind bestehende persönliche, kulturelle und zivilgesellschaftliche Kontakte nach Russland aufrecht zu erhalten. Auch Zeugnisse und Repräsentanten russischer Kultur in unserem Land leisten einen wertvollen Beitrag zur Verständigung.
5. Wir würdigen den bisherigen Weg der Nato- und EU-Regierungen, der russischen Invasion mit entschiedenen, gewaltfreien Maßnahmen zu begegnen.
Es ist richtig und angemessen, dass die NATO versucht, die militärische Eskalation und die Ausdeh-nung des Konflikts auf andere Länder zu verhindern. Die massiven Wirtschaftssanktionen sind als gewaltfreie Form der Reaktion auf den russischen Angriffskrieg zu würdigen. Je besser sie die Verantwortungsträger in der russischen Elite und je weniger sie die breite Bevölkerung treffen, desto zielführender sind sie.
Die humanitäre Unterstützung auch der russischen Bevölkerung (z.B. durch die Lieferung von Medikamenten) soll fortgeführt werden.
Weitere Maßnahmen der NATO sind kritisch daraufhin zu überprüfen, ob sie die Gefahr zur Eskalation in sich tragen. Vor allem die Stationierung offensiver Waffensysteme in der Nähe der russischen Grenze ist hier problematisch.
6. Es gibt verschiedene ethisch begründete Haltungen zu Waffenlieferungen. Wir sehen die Gefahr, dass Waffenlieferungen an die Ukraine die Gefahr in sich tragen, zu einer weiteren Eskalation und einer Verlängerung des Krieges beizutragen.
Jeder Staat und jeder Mensch hat das Recht, sich in Notwehr selbst zu verteidigen. Uns steht es dabei nicht zu, der Ukraine vorzuschreiben, wie sie auf die russische Invasion zu reagieren habe. Die Bitte der ukrainischen Regierung um Unterstützung durch Waffenlieferungen wirft aber die Frage auf, wie wir uns zu Waffenlieferungen durch unsere Regierung positionieren.
Die Verpflichtung, den Opfern von Krieg und Gewalt beizustehen, kann nach Auffassung mancher begründen, die Ukraine mit Waffenlieferungen zu unterstützen.
Es ist jedoch zu fragen, ob Waffenlieferungen dazu beitragen, den Krieg zügig zu beenden oder wenigsten zu einem Waffenstillstand zu kommen. Oder ob sie den Krieg anheizen, zu einer Eskalation der Gewalt führen und eine diplomatische Lösung erschweren. Haben wir nicht in anderen Konflikten schon erlebt, dass Gewalt und Gegengewalt, auch wenn diese legitim ist, eine Spirale der Gewalt antreiben, die schnell außer Kontrolle gerät? Wir sehen die Gefahr, dass es zu einer schrankenlosen Gewaltanwendung und massiven Zerstörungen in der Ukraine kommt. Daher sind auch Positionen legitim, die zur Zurückhaltung bei Waffenlieferungen mahnen.
Aus anderen Beispielen wissen wir, dass aktiver gewaltfreier Widerstand gegen gewaltsame Besatzer erfolgreich sein kann. Gewaltfreier Widerstand fordert weit weniger Opfer und verkürzt die Konfliktdauer – so wissenschaftliche Untersuchungen. Gewaltfreier Widerstand ist auch nach einer erfolgten Besatzung immer noch eine Option. Gegen die russische Invasion gab es in der Ukraine auch gewaltfreie Gegenmaßnahmen, die russische Soldaten sehr verunsichert haben. Den Mut, der hinter solchen Aktionen steht, betrachten wir mit großer Hochachtung.
Es gibt in der Bundesrepublik Deutschland den Grundsatz, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern. Mit dieser Position wurde durch die Entscheidung der Bundesregierung gebrochen und ein Fall geschaffen, der nicht zum Präzedenzfall für andere Krisengebiete werden darf.
7. Um einen Weg zur Beendigung von Kampfhandlungen zu finden, müssen diplomatische Gesprächskanäle offengehalten werden.
Auch wenn Verhandlungen bisher keine spürbaren Erfolge gebracht haben, gilt es, alle Möglichkeiten für eine diplomatische Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen auszuloten und immer wieder neue zu suchen.
Bei der Suche nach Möglichkeiten, die Kampfhandlungen zu stoppen, ist es wichtig, die Geschichte des Konflikts zu berücksichtigen. Dies bedeutet, die Interessen aller Beteiligten (Ukraine, Russland und NATO) miteinzubeziehen und auch die Sichtweisen der anderen Seite auf ihre Wahrheitsmomente hin zu überprüfen.
8. Längerfristig wird es Frieden und Sicherheit in Europa nicht gegen Russland, sondern nur mit Russland und den anderen osteuropäischen Staaten geben.
Offenbar haben sich die westliche Vorstellung von Demokratie, Freiheit, Pluralität, Rechtsstaatlich-keit und Menschenrechten und die Vorstellungen der russischen Machthaber über die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens und der Regierungsgewalt in den letzten Jahren wieder so weit ausein-anderentwickelt, dass es jetzt wieder zu einem harten ideologischen Ost-West-Gegensatz mit den russischen Eliten gekommen ist, wie er vergleichbar in der Zeit des Kalten Krieges herrschte und wie er eigentlich überwunden schien. Die russische Invasion in die Ukraine hat uns diesen Gegensatz, den wir bisher in seiner Schärfe nicht wahrhaben wollten und ihm international nicht genug Aufmerk-samkeit schenkten, unmissverständlich vor Augen gestellt.
Im Zeitalter atomarer Bewaffnung werden Frieden und Sicherheit in Europa auf Dauer nur über eine gemeinsame Friedens- und Sicherheitsordnung zu gewährleisten sein. Deshalb warnen wir davor, sich Frieden und Sicherheit von Aufrüstung zu erhoffen. Vielmehr gilt es, durch diplomatische Initiativen langfristig die Gesamteuropäischen Institutionen zu stärken, auch wenn es hier kurzfristig kaum Ansatzpunkte geben mag. Das Völkerrecht und die internationalen Verträge zur Abrüstung von Massenvernichtungswaffen sind zu stärken. Die Bereitschaft, tiefgreifende ideologischen Differenzen anzuerkennen, auszuhalten und letztlich konstruktiv zu bearbeiten, gehört zu den grundlegenden
Anforderungen an eine vernünftige Politik und eine gesamteuropäische Ordnung. In der Zeit des Kalten Krieges ist dies mit dem Konzept der Gemeinsamen Sicherheit ein gutes Stück gelungen. An diese Erfahrungen wird auch in Zukunft anzuknüpfen sein.
Die von uns mitgetragene Initiative „Sicherheit neu denken“ hat einen Schwerpunkt genau in diesem Bemühen um gemeinsame Sicherheit. Sie ist nach wie vor von großer Bedeutung.
9. Es darf nicht zu einem neuen Militarismus kommen.
Die Bundesregierung plant ein Sondervermögen von 100 Milliarden für Rüstung zu bilden und die Militärausgaben zu erhöhen. Wir drängen darauf, dass einhergehend damit auch für andere brennend wichtige Zukunftsaufgaben wie Klimaschutz, weltweite Gerechtigkeit und Überwindung von Armut, Einhaltung von Menschenrechten und zivile Konfliktbearbeitung ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.
Die deutsche Bundesregierung fordern wir auf, dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten und die in der Eifel lagernden Nuklearwaffen abzuschaffen.
Ein Wettrüsten muss vermieden werden, weil dadurch die ganze Menschheit verlieren wird.
Wir benötigen eine breite und langfristig angelegte gesellschaftliche Debatte, wie wir in Deutschland und Europa unsere Sicherheit gestalten wollen.
10. Wir wollen durch den ökumenischen Dialog einen Beitrag zur Überwindung des Krieges leisten.
Als ökumenisch orientierte Kirche halten wir zusammen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland und dem Ökumenischen Rat der Kirchen die Verbindung zu den Kirchen in der Ukraine und in Russland. Trotz der den Krieg rechtfertigenden, sehr problematischen Haltung des russisch-orthodoxen Patriarchen in Moskau soll der Kontakt zur russisch-orthodoxen Kirche zumindest vorerst nicht abgebrochen werden. Auch hier haben Diplomatie und die Hoffnung auf das einende Wort Gottes Vorrang. Außerdem ist wahrzunehmen, dass es in der russisch-orthodoxen Kirche auch andere Positionen gibt.
Wir hoffen, dass es gelingt die Kirchen in Russland und der Ukraine zu einem gemeinsamen Vorstoß für den Frieden zu bewegen. Wir unterstützen die Vermittlungsbemühungen des Ökumenischen Rates der Kirchen und anderer internationaler kirchlicher Organisationen und hoffen, dass die in diesem Sommer in Karlsruhe stattfindende Vollversammlung des Ökumenischen Rates hierzu einen Beitrag leisten kann.
Fachgruppe Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens in der Evangelischen Landeskirche in Baden, 15.3.2022

Kinder-Kirche

Kinder-Kirche

In der Regel laden wir einmal im Monat zur Kinder-Kirche ein. Der Gottesdienst findet um 11.30 Uhr in der evangelischen Kirche in Kenzingen, Eisenbahnstr. 20, statt. Der Gottesdienst dauert etwa eine halbe Stunde.

Es kommen bis zu 20 Kinder  im Grundschul-und Kindergartenalter zusammen mit Eltern, Großeltern und jüngeren Geschwistern. In der Coronazeit finden in diesen Gottesdiensten auch Taufen statt.

Die nächsten Termine sind:

20. März 11.30 Uhr

10. April 11.30 Uhr

22. Mai 11.30 Uhr

26. Juni 11.30 Uhr

Gebet für den Frieden

Friedensgebet sonntags 18 Uhr:

Der Krieg in der Ukraine und das große Leid dort geht uns allen nahe.

Wir, die beiden evangelischen Gemeinden in Kenzingen und Malterdingen und die katholische Gemeinde Kenzingen,  laden gemeinsam zum Gebet für den Frieden ein.

Der Ort wechselt:

13.3.  18 Uhr  Malterdingen Jakobskirche

20.3. 18 Uhr Kenzingen St.Laurentius-Kirche

27.3. 18 Uhr Kenzingen Evangelische Kirche

3.4.  18 Uhr  Malterdingen Jakobskirche

10.4. 18 Uhr Kenzingen Evangelische Kirche

Hausgottesdienst 1. Sonntag der Passionszeit, Invocavit, 2.Kor 6,1-10

6.3.22    1. Sonntag der Passionszeit, Invocavit

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 347

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

 

Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

 

Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht; dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

 

Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

 

Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, dass uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.

 

Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

 

Ach bleib mit deiner Gnade, Gott, bei den geplagten Menschen in der Ukraine. Unsere Gedanken und Gebete sind bei ihnen, auch in diesem Gottesdienst.

Wir beten den Wochenpsalm Ps 91 nach der Neuen Genfer Übersetzung:

Wer unter dem Schutz des Höchsten wohnt,

darf bleiben im Schatten des Allmächtigen.

Darum sage ich zum Herrn:

»Du bist meine Zuflucht und meine sichere Festung, du bist mein Gott, auf den ich vertraue.«

(Stille)

Ja, er rettet dich wie einen Vogel aus dem Netz des Vogelfängers, er bewahrt dich vor der tödlichen Pest.

Er deckt dich schützend mit seinen Schwingen,

unter seinen Flügeln findest du Geborgenheit.

Seine Treue gibt dir Deckung,

sie ist dein Schild, der dich schützt.

Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht oder vor den Pfeilen,

die am Tag abgeschossen werden,

nicht vor der Pest, die im Finstern umgeht,

nicht vor der Seuche, die mitten am Tag wütet.

Denn du hast gesagt:

»Der Herr ist meine Zuflucht!«

Den Höchsten hast du zum Schutz dir erwählt.

(Stille)

So wird dir kein Unglück zustoßen,

und kein Schicksalsschlag wird dich

in deinem Zuhause treffen.

Denn er hat für dich seine Engel entsandt und ihnen befohlen, dich zu behüten auf all deinen Wegen.

Sie werden dich auf Händen tragen, damit du mit deinem Fuß nicht an einen Stein stößt.

Über Löwen und Ottern wirst du hinwegschreiten, starke junge Löwen und Schlangen wirst du zu Boden treten.

(Stille)

So sagt nun der Herr: »Weil er mit ganzer Liebe an mir hängt, will ich ihn befreien; ich hole ihn heraus aus der Gefahr, denn er kennt meinen Namen.

Wenn er zu mir ruft, werde ich ihm antworten.

In Zeiten der Not stehe ich ihm bei,

ja, ich reiße ihn heraus und bringe ihn zu Ehren.

Ich schenke ihm ein erfülltes und langes Leben

und zeige ihm, wie ich Rettung schaffe.«

 

Ehr sei dem Vater

 

Du, unser Gott, auf den wir hoffen.

Wir denken täglich an die Menschen, die unter dem Krieg zu leiden haben. Sie wissen von den Schrecken der Nacht und den tödlichen Pfeilen. Sie suchen verzweifelt Zuflucht.

Wir sehen die Bilder und hören die Nachrichten und wir klagen dir das große Leid und das schreiende Unrecht.

Wohin führt das noch?

Wie wird der Krieg uns alle verändern?

Wir rufen dich, Gott: Sei uns Zuflucht und Schutz!

Nichts kann uns trennen von deiner Liebe.

Mach den Glauben stark in den Menschen dort in der Ukraine, bei uns, bei allen.

Herr, erbarme dich.

 

Paulus schreibt im 2. Brief an die Gemeinde in Korinth: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2.Kor 5,17)

 

Neue Lieder 180 Meine Hoffnung und meine Freude

 

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke mein Licht,

Christus, meine Zuversicht,

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Die Bilder und Berichte aus der Ukraine sind allgegenwärtig. Es gibt fast nur dieses Thema. Entsetzt hören und sehen wir, was geschieht. Zugleich setzen sich Menschen liebevoll und engagiert für die Flüchtenden ein. Viele helfen selbstverständlich, die vorher verschlossen waren. Staunend sehen wir auch dies, wie menschlich, wie engagiert und selbstlos jetzt viele sind.

Es ist eine extreme, belastende Zeit.

Kann es auch eine Zeit der Gnade sein?

Hören wir den heutigen Predigttext. Paulus wird von Christen in Korinth angegriffen. Er beschreibt seinen Dienst und sein Verständnis als Apostel.

Die Begegnung mit Jesus hat sein ganzes Leben verändert, eine neue Schöpfung, sagt er. Darum kann er sogar die extremsten Belastungen als Zeit der Gnade verstehen.

2.Kor 6,1-10

Wir als Gottes Mitarbeiter bitten euch auch:

Nehmt die Gnade Gottes so an, dass sie nicht ohne Wirkung bleibt. Denn Gott spricht: »Ich habe dich zur rechten Zeit erhört und dir am Tag der Rettung geholfen.« Seht doch! Jetzt ist die rechte Zeit. Seht doch! Jetzt ist der Tag der Rettung.

Wir wollen auf gar keinen Fall Anstoß erregen. Denn unser Dienst soll nicht in Verruf geraten. Vielmehr zeigen wir in jeder Lage, dass wir Gottes Diener sind: Mit großer Standhaftigkeit ertragen wir Leid, Not und Verzweiflung.

Man schlägt uns, wirft uns ins Gefängnis und hetzt die Leute gegen uns auf. Wir arbeiten bis zur Erschöpfung, wir schlafen nicht und essen nicht. Zu unserem Dienst gehören ein einwandfreier Lebenswandel, Erkenntnis, Geduld und Güte, der Heilige Geist und aufrichtige Liebe.                                          Zu unserem Dienst gehören außerdem die Wahrheit unserer Verkündigung und die Kraft, die von Gott kommt. Wir kämpfen mit den Waffen der Gerechtigkeit, in der rechten und in der linken Hand. Wir erfüllen unseren Auftrag, ob wir dadurch Ehre gewinnen oder Schande, ob wir verleumdet werden oder gelobt. Wir gelten als Betrüger und sagen doch die Wahrheit.

Wir werden verkannt und sind doch anerkannt.

Wir sind vom Tod bedroht, und seht doch: Wir leben! Wir werden ausgepeitscht und kommen doch nicht um.

Wir geraten in Trauer und bleiben doch fröhlich. Wir sind arm und machen doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles!

 

Seht doch! Jetzt ist die rechte Zeit. Seht doch! Jetzt ist der Tag der Rettung. – gerade jetzt eine Zeit der Gnade: Wie soll das gehen?

Paulus schreibt von seinem Dienst für Gott – nicht nur von seinem, von unserem Dienst für Gott. Er schreibt nicht nur von sich, sondern von allen Christen. Wir sind Diakoninnen und Diakone, in den Dienst, die Diakonia genommen. Bei Diakonie denken wir an praktische Hilfe für Kinder, Kranke, Flüchtlinge, Alte, Ratsuchende. Diakonia ist auch wörtlich der Dienst bei Tisch: den Tisch decken, Essen austeilen, Spülen und den Müll raustragen. Auch die Verkündigung des Evangeliums ist Diakonia.

Jesus sagt: ich will euch und allen dienen.

Er tischt uns die Gemeinschaft Gottes auf.

Er feiert die Gnade und Vergebung Gottes.

Er lädt ein zum Fest des Glaubens.

Nehmt die Gnade Gottes so an, dass sie nicht ohne Wirkung bleibt. Wie kann das gehen? Vielleicht, indem wir Flüchtlinge aufnehmen und unterstützen. Indem wir beten und spenden. Bestimmt werden auch wir spüren, dass der Krieg wirtschaftliche und praktische Folgen für uns hat.

Gemeinde sind wir, weil Jesus uns ruft, weil er uns neu macht, weil er uns zu seinen Boten macht, zu Dienerinnen und Dienern.

Bevor Wolodymyr Selenskyj Präsident wurde, hat er als Schauspieler gearbeitet und sich über die Politiker lustig gemacht. „Diener des Volkes“ hieß die Serie. Ein Lehrer wird aus Versehen Präsident.

Jetzt ist Selenskyj tatsächlich ein mutiger, von vielen geachteter Diener seines Volkes geworden.

 

Paulus erzählt von der unglaublichen Spannung, in die der Dienst für Gott die Ge-meinde bringt. Er erlebt extreme Belastung und Anfeindung und manchmal zur gleichen Zeit Bestätigung, Ermutigung, Freude, beglückende Gemeinschaft. Ich kann nur staunen. Vieles, was Paulus beschreibt, kann ich von mir oder uns nicht sagen.

Aber wie hören wohl die Christen in der Ukraine solche Sätze: Mit großer Standhaftigkeit ertragen wir Leid, Not und Verzweiflung. Man schlägt uns, wirft uns ins Gefängnis und hetzt die Leute gegen uns auf. Wir arbeiten bis zur Erschöpfung, wir schlafen nicht und essen nicht. Wir werden verkannt und sind doch anerkannt. Wir sind vom Tod bedroht, und seht doch: Wir leben!

Wir geraten in Trauer und bleiben doch fröhlich. Wir sind arm und machen doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles!

Wir sind nicht in der Weise angegriffen, aber wir kennen Zeiten, in denen wir überfordert oder traurig sind, oder belastet von Konflikten ohne Ausweg. Und wir sind in solchen Wüstenzeiten zugleich besonders empfänglich für das, was uns weiterhilft und aufmerksam für jedes gute Zeichen.

Seht doch! Jetzt ist die rechte Zeit.

Zeit der Gnade: Gnade ist nicht so sehr, was uns widerfährt, sondern wie wir damit umgehen. Wie können wir das, was geschieht, einordnen und annehmen?

Wir bleiben in Gottes Hand, was auch geschieht.

Auch diese Kriegstage sind eine Zeit Gottes.  Auch jetzt ist eine Zeit, in der wir uns Gott nah fühlen und Gott uns nahe ist.

 

Beten wir das Bekenntnis der Weltkirchenkonferenz von Vancouver (1983):

 

Mitten in Hunger und Krieg

feiern wir, was verheißen ist:

Fülle und Frieden.

Mitten in Drangsal und Tyrannei

feiern wir, was verheißen ist:

Hilfe und Freiheit.

Mitten in Zweifel und Verzweiflung

feiern wir, was verheißen ist:

Glauben und Hoffnung.

Mitten in Furcht und Verrat

feiern wir, was verheißen ist:

Freude und Treue.

Mitten in Hass und Tod

feiern wir, was verheißen ist:

Liebe und Leben.

Mitten in Sünde und Hinfälligkeit

feiern wir, was verheißen ist:

Rettung und Neubeginn.

Mitten im Tod, der uns von allen Seiten umgibt, feiern wir, was verheißen ist

durch den lebendigen Christus.

 

Amen

 

Lied 789.7 Bleib mit deiner Gnade bei uns

 

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr, Jesu Christ,

ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott

 

Bleib mit deiner Gnade bei den Menschen im Krieg,

in der Ukraine, in Syrien, im Jemen, in vielen Ländern der Erde und zum Teil seit vielen Jahren.

Bewahre die vielen, die unschuldig Opfer

von Krieg und Gewalt werden.

Steh den Menschen in ihrer Angst bei.

Behüte die Flüchtlinge.

Bleib mit deiner Gnade bei uns.

 

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr, Jesu Christ,

ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott

 

Wir bitten dich für alle, die politische Verantwortung tragen, die entscheiden und verhandeln, um Weisheit und Mut. Wir bitten für die Journalistinnen und Journalisten, für die medizinischen und andere Helfer, für alle, die an wichtigen Stellen bleiben und nicht fliehen.

Hilf uns für die Menschen da zu sein.

Mach uns bereit, Einschränkungen anzunehmen.

Bewahre unsere Lieben und uns alle.

Bleib mit deiner Gnade bei uns.

 

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr, Jesu Christ,

ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott

 

Vaterunser

 

 

Lied 430,1+2 (Mel: Befiehl du deine Wege)

Gib Frieden, Herr, gib Frieden,

die Welt nimmt schlimmen Lauf.

Recht wird durch Macht entschieden,

wer lügt, liegt obenauf.

Das Unrecht geht im Schwange,

wer stark ist, der gewinnt.

Wir rufen: Herr, wie lange?

Hilf uns, die friedlos sind.

 

Gib Frieden, Herr, wir bitten!

Die Erde wartet sehr.

Es wird so viel gelitten,

die Furcht wächst mehr und mehr.

Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein.

Hilf, wenn wir weichen wollen,

und lass uns nicht allein.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst 27.2.22 Predigttext Mk 8,27-35

 27.2.22     Sonntag vor der Passionszeit

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 275,1+2+4

In dich hab ich gehoffet, Herr;

hilf, dass ich nicht zuschanden werd

noch ewiglich zu Spotte.

Das bitt ich dich: erhalte mich

in deiner Treu, mein Gotte.

 

Dein gnädig Ohr neig her zu mir,

erhör mein Bitt, tu dich herfür,

eil, bald mich zu erretten.

In Angst und Weh ich lieg und steh;

hilf mir in meinen Nöten.

 

Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort,

mein Schild, mein Kraft – sagt mir dein Wort –,

mein Hilf, mein Heil, mein Leben,

mein starker Gott in aller Not;

wer mag mir widerstreben?

 

„hilf, dass ich nicht zuschanden werd“– wie viel wird im Krieg zuschanden. Wir sind tief erschrocken über den Krieg in der Ukraine. Wir klagen Gott das Leid und das Unrecht dieser Tage. Gott kennt die Not der Welt und die Not unserer Seele.

 

Ps 31

Herr, auf dich traue ich,

lass mich nimmermehr zuschanden werden,

errette mich durch deine Gerechtigkeit!

Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!

Sei mir ein starker Fels und eine Burg,

dass du mir helfest!

Denn du bist mein Fels und meine Burg,

und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.

Du wollest mich aus dem Netze ziehen,

das sie mir heimlich stellten;

denn du bist meine Stärke.

In deine Hände befehle ich meinen Geist;

du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,

dass du mein Elend ansiehst

und kennst die Not meiner Seele

und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;

du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Errette mich von der Hand meiner Feinde

und von denen, die mich verfolgen.

Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht;

hilf mir durch deine Güte!

Ehr sei dem Vater …

 

Auf dich hoffen wir, Herr, unser Gott,

sei uns ein starker Fels, eine Burg, eine Hilfe.

Zu dir kommen wir.

Du weißt, was uns angreift und plagt wie Feinde.

Dir bringen wir die Sorge um den Frieden,

wenn wir sehen, was in der Ukraine geschieht.

Wohin führt dieser Krieg? Was bedeutet er für die Menschen in der Ukraine und in ganz Europa?

Dir bringen wir, was uns bedrängt, auch unsere ganz persönlichen Fragen und Nöte. Stell unsere Füße auf weiten Raum – gib uns innere Ruhe und Freiheit für das, was uns herausfordert.

Sei für die, um die wir uns sorgen, und sei für uns

ein starker Fels und eine Burg.

Erbarme dich über uns

 

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,

sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

 

Neue Lieder 217 Wir gehn hinauf nach Jerusalem

Wir gehn hinauf nach Jerusalem

in leidender Liebe Zeiten

und sehen, wie einer für alle stirbt,

um uns einen Platz zu bereiten.

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem.

Wer will bei dem Herren bleiben

und kosten von einem so bittern Kelch?

Die Angst soll uns nicht von ihm treiben.

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem,

das Opfer der Welt zu sehen,

zu spüren, wie unsere Not vergeht,

und unter dem Kreuze zu stehen.

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem,

zur Stätte der ewgen Klarheit.

Wo Leiden und Ohnmacht in unsrer Welt,

da finden wir Christus in Wahrheit

 

Predigttext Mk 8,27-35

Jesus zog mit seinen Jüngern weiter in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er sie:  »Für wen halten mich eigentlich die Leute?« Sie antworteten: »Manche halten dich für Johannes den Täufer, andere für Elija. Wieder andere meinen, dass du sonst einer der alten Propheten bist.« Da fragte er sie: »Und ihr, für wen haltet ihr mich?« Petrus antwortete: »Du bist der Christus.« Jesus schärfte ihnen ein: »Sagt niemandem, wer ich bin!«

Danach begann Jesus seinen Jüngern zu erklären, was Gott mit ihm vorhatte: »Der Men-schensohn wird viel leiden müssen. Die Ratsäl-testen, die führenden Priester und die Schriftge-lehrten werden ihn wie einen Verbrecher behan-deln. Sie werden ihn hinrichten lassen, aber nach drei Tagen wird er vom Tod auferstehen.«

Das sagte er ihnen ganz offen. Da nahm Petrus ihn zur Seite und fing an, ihm das auszureden. Aber Jesus drehte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus streng zurecht: »Weg mit dir, Satan, hinter mich! Dir geht es nicht um das, was Gott will, sondern um das, was Menschen wollen.«                                                                    Dann rief Jesus das Volk und seine Jünger zu sich. Er sagte: »Wer mir folgen will, darf nicht an seinem Leben hängen. Er muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg folgen. Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.     Wer sich aber zu mir und der Guten Nachricht bekennt und deshalb sein Leben verliert, wird es erhalten.

 

Gottes Reich ist nah. Kehrt um und glaubt an das Evangelium (Mk1,15). Das sagt Jesus. Das ist der Kern seiner Botschaft. Er ruft die Menschen zu Gott. Er heilt Kranke und zeigt das Reich Gottes. Wir malen uns das aus: Jesus schenkt den Armen Hoffnung; er holt Menschen zurück in die Gemeinschaft; er richtet die auf, die niederge-drückt sind. Wir lesen davon im Evangelium und stellen uns das schön vor. Und darum glauben sie an ihn: „Du bist der, der die neue Zeit bringt. Du führst uns in die schöne Stadt Gottes. Du bist der Christus, der Messias.Gottes Reich ist nah. Das spüren sie. Das hoffen sie.

Und jetzt?

Jetzt macht sich Jesus auf den Weg nach Jerusalem. Der Menschensohn wird viel leiden müssen. Er redet von Leid, Verurteilung, Tod.

Unerträglich für Simon Petrus und immer wieder auch für uns schwer zu verstehen, kaum fassbar.

„Es muss sein.“, so sagt er. „Es ist Gottes Wille.“

Warum? Warum muss sein Leidensweg sein?

Was ist Gottes Wille?

Es ist nicht der Wille Gottes, was in der Ukraine geschieht. Krieg ist nicht Gottes Wille, sondern ein Verbrechen aus gottloser Machtgier und zynischer Menschenverachtung. Leid und Not sind nicht Gottes Wille. Das Böse und das Unrecht sind nicht Gottes Wille, aber sie sind in dieser Welt, und oft scheint es, als könnte das Böse sich unbegrenzt austoben. Es ist zum Verzweifeln, wenn man sieht, was in der Welt geschieht und wie brutal unsere Welt ist.

So sind wir Menschen. Wir sind ja verstrickt in das Unrecht der Welt. Wir kaufen russisches Gas und Waren, die von den unterdrückten Uiguren in China gefertigt werden. Wir verbrauchen zu viele Rohstoffe. Wir kümmern uns kaum darum, unter was für schrecklichen Arbeitsbedingungen unsere Kleider genäht werden. Wir erschrecken vor dem Bösen, das in diesen Tagen geschieht, aber wir sind auch verstrickt in das Böse und keiner ist frei davon. Vieles, was wir tun, ist nicht Gottes Wille. Alle sind schuldig geworden, schreibt Paulus. Keiner ist gerecht. (Römer 3)

Unsere Welt ist zum Verzweifeln, so hart und böse, so ungerecht und voll bitterem Leid.

Und Gott? Gott setzt sich der Welt mit all ihrer Bosheit aus. Jesus wird leiden, verurteilt und verworfen werden, am Kreuz sterben. Da, am Kreuz leidet und stirbt Gott selbst.

Wir gehn hinauf nach Jerusalem, zur Stätte der ewgen Klarheit. Wo Leiden und Ohnmacht in unsrer Welt, da finden wir Christus in Wahrheit.

Jesus weicht dem Leidensweg nicht aus, wie es Petrus will, wie auch wir wollen.

Ein starker Jesus wäre uns recht, einer, der mit einem Schlag den Krieg beendet und das Böse vernichtet. Aber so ist Jesus nicht. Petrus hat ihn gerade als Messias, Christus angesprochen, aber Jesus identifiziert sich nicht mit dem machtvollen Retter. Er nennt sich selbst Menschensohn – so nimmt er das Leid der Menschen an.

Petrus ist entsetzt. Er will nicht, dass sein Chris-tus leidet. Was soll aus der schönen Hoffnung auf Gottes Reich werden, wenn Jesus stirbt? Petrus herrscht Jesus an, steht da wörtlich. Jesus weiß, was Petrus lockt. Er hat ja selbst die Hoffnung geweckt: ein Leben in Frieden, Gerechtigkeit …

Aber sein Weg zum Frieden geht nicht ohne das Kreuz. Jesus fährt Petrus an – wieder das gleiche Wort: er herrscht ihn an: Weg mit dir, Satan!  – wohl kennt Jesus selbst das menschliche Sehnen nach einem bequemen Weg. Scharf weist er Petrus zurecht, und lädt ihn zugleich wieder ein: hinter mich! – so hat Jesus ihn ganz am Anfang in gerufen (Mk1,17) und jetzt wieder: „hinter mich! Du sollst mir folgen. Ich will dich bei mir.“

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem, das Opfer der Welt zu sehen, zu spüren, wie unsere Not vergeht, und unter dem Kreuze zu stehen.

Jesus wird zum Opfer. Ohne Schuld wird er verurteilt. So opfert er sich selbst. So erträgt und überwindet Gott das Böse. Gottes Reich ist nah; die Not der Welt vergeht, weil Gott selbst sich dafür einsetzt. Dietrich Bonhoeffer schreibt: Das Leiden muss getragen werden, damit es vorüber-geht. Entweder die Welt muss es tragen und daran zugrundegehen oder es fällt auf Christus und wird von ihm überwunden. So leidet Christus stellvertretend für die Welt. (D.B. Nachfolge, S.84)

Ich kann mich gut mit Petrus identifizieren: Ich will diesen Leidensweg doch nicht. Aber vor dem Leid in der Welt kann ich die Augen nicht verschlie-ßen. Die täglichen Todeszahlen der Pandemie öffnen mir die Augen, und jetzt sehen wir wieder auf das große Leid des Krieges. Nein, auswei-chen können wir nicht.

Wer mir folgen will, darf nicht an seinem Leben hängen. Er muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg folgen. Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.  Wer sich aber zu mir und der Guten Nachricht bekennt und deshalb sein Leben verliert, wird es erhalten.  

Was heißt es heute für uns, Jesus nachzufolgen?

Ich glaube, das müssen wir in dieser schwierigen  Zeit neu lernen. „Wohin rufst du uns, Jesus?

Wo dürfen wir die Augen nicht verschließen?

Wie sollen wir uns zu dir und zum Evangelium bekennen?“

Das Kreuz auf sich zu nehmen bedeutet, dass wir uns darauf einlassen, was uns beschränkt. Eine Krankheit kann das sein, eine Lebenssituation, eine Herausforderung. wir lassen uns darauf ein – wir stellen uns unter das Kreuz. Gerade so wenden wir uns dem Leben zu. Wir hoffen, dass Jesus uns den Blick schärft und das Herz wach hält für das Leid, das uns angeht. Und wenn es darauf ankommt, hoffen wir, dass Gottes Geist uns Kraft, Liebe und Besonnenheit gibt.                Er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Neue Lieder 217 – siehe oben

 

Im Vertrauen auf die Liebe und Fürsorge Gottes vertrauen wir ihm unsere Bitten und unsere Anliegen an:

 

Wir bitten dich für die Menschen in der Ukraine, die sich unverschuldet mit Krieg und Gewalt konfrontiert sehen; wir beten für alle, die entsetzt und wütend sind über das rechtswidrige Vorgehen der russischen Regierung und den rücksichtslosen Angriff der russischen Armee.

 

Wir bitten für alle, die Angst haben um ihre Familien und Angehörigen und davor, dass die Situation noch mehr eskaliert; wir bitten dich für die, die ratlos und hilflos sind und in ihrer Verzweiflung nicht wissen, wie es weitergehen soll.

 

Wir bitten dich für alle, die Macht und Einfluss haben und ringen um die richtigen Entscheidungen, wie man auf das völkerrechtswidrige Vorgehen reagieren soll. Wir bitten für die, die sich auf der ganzen Welt mühen um Gerechtigkeit und Frieden.

 

Steh denen bei, die auf der Flucht sind vor den Schrecken des Krieges und die in ihrer Not nicht wissen, wohin sie gehen sollen und wo sie in Sicherheit sind.

 

Bewahre uns davor, in unserer Welt zu Streit und Unfrieden beitragen, mit dem Finger auf andere zu zeigen, Schuld zuzuweisen und zu verurteilen. Mach uns bereit unsere eigene Position und unser Verhalten zu überdenken.

 

Wir bitten für unsere Kranken und alle, die sich um sie sorgen, für die Trauernden, für die Überforderten.

Nimm dich ihrer und unser aller gnädig an,

du, unser Gott. Behüte und bewahre uns alle.

Vaterunser

 

Hören wir noch einmal die Zusage: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

 

Lied 430,1+2+4 (Mel: Befiehl du deine Wege)

Gib Frieden, Herr, gib Frieden,

die Welt nimmt schlimmen Lauf.

Recht wird durch Macht entschieden,

wer lügt, liegt obenauf.

Das Unrecht geht im Schwange,

wer stark ist, der gewinnt.

Wir rufen: Herr, wie lange?

Hilf uns, die friedlos sind.

 

Gib Frieden, Herr, wir bitten!

Die Erde wartet sehr.

Es wird so viel gelitten,

die Furcht wächst mehr und mehr.

Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein.

Hilf, wenn wir weichen wollen,

und lass uns nicht allein.

 

Gib Frieden, Herr, gib Frieden:

Denn trotzig und verzagt

hat sich das Herz geschieden

von dem, was Liebe sagt!

Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt, und mach aus uns ein Zeichen

dafür, dass Friede siegt.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Ukraine, Aufruf des Landesbischofs

Aufruf von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh an die Gemeinden anlässlich des Kriegs in der Ukraine

 

Es herrscht Krieg mitten in Europa. Wir sind mit unseren Gedanken und Gebeten bei den Menschen in der Ukraine, die um ihr Leben fürchten. Auch bei uns haben viele Menschen Angst vor dem Krieg. Sie suchen Trost und Ruhe, aber auch Gelegenheit, um mit anderen innezuhalten und sich zu orientieren.
Ich bitte alle Gemeinden unserer Landeskirche: Halten Sie Ihre Kirchen in diesen Tagen offen und bieten Sie Gesprächsmöglichkeiten an! Laden Sie ein zu Friedensgebeten! Suchen Sie dabei auch den Kontakt zu Menschen aus den betroffenen Regionen, von denen viele in unserem Land leben.
In der Ukraine haben schon nach wenigen Stunden Krieg viele Menschen ihre Sicherheit und ihr Zuhause verloren. Wir beklagen die ersten Verletzten und Toten. Schon am ersten Tag sind nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge über 100.000 Menschen auf der Flucht Richtung Westen.
Helfen Sie helfen! Die Diakonie Katastrophenhilfe ruft zu Spenden für die Menschen in der Ukraine auf. Bis zuletzt haben die Verantwortlichen in den Hilfsorganisationen gehofft, dass der Krieg noch verhindert werden könnte. Doch gleichzeitig haben sie sich gemeinsam mit den lokalen Partnerorganisationen darauf vorbereitet, den Menschen schnell und effektiv zu helfen, wenn es zum Krieg kommt. Es geht um Nahrung und Unterkunft im Land; außerdem sollen in den Ländern an der Westgrenze der Ukraine Lager entstehen, in denen Flüchtlinge aufgenommen und versorgt werden können.
Die Menschen in der Ukraine brauchen unsere Hilfe! Deshalb bitte ich Sie um Spenden und Kollekten für die Diakonie Katastrophenhilfe:
Evangelische Bank
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Ukraine Krise

Hausgottesdienst 20.2.22 Predigt über Jes 55,6+8-12a

20.2.22     2.Sonntag vor der Passionszeit

Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied 452,1+2+4

 

Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

 

Er will, dass ich mich füge. Ich gehe nicht zurück. Hab nur in ihm Genüge, in seinem Wort mein Glück. Ich werde nicht zuschanden, wenn ich nur ihn vernehm. Gott löst mich aus den Banden. Gott macht mich ihm genehm.

 

Er will mich früh umhüllen mit seinem Wort und Licht, verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht; will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag. Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.

 

Gebet

In deinem Wort habe ich mein Glück.

Dass du mich ansprichst, mein Gott,

dass ich dein Wort hören kann,

das ist wunderbar.

Der Lärm in mir, der Lärm um mich herum

ist oft zu groß.

Vieles dringt auf mich ein und lenkt mich ab.

Viele Stimmen und Botschaften verlangen Gehör.

Mach mich ruhig und bereit, in all den Stimmen

dich und dein Wort an mich zu hören.

Dein Wort will helle strahlen,

wie dunkel auch der Tag.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte

und ein Licht auf meinem Weg.

Sag mir dein gutes Wort,

Trost in dem, was mir zu schaffen macht,

Hilfe in dem, was mich ratlos macht,

Ermutigung in der Sorge und Angst.

Dein Wort ist ein Licht auf meinem Weg.

Du bist mein Licht.

Amen

 

Lied 199

 

Gott hat das erste Wort.

Es schuf aus Nichts die Welten und wird allmächtig gelten und gehn von Ort zu Ort.

 

 

Gott hat das erste Wort.

Eh wir zum Leben kamen, rief er uns schon mit Namen und ruft uns fort und fort.

 

Gott hat das letzte Wort,

das Wort in dem Gerichte am Ziel der Weltgeschichte, dann an der Zeiten Bord.

 

Gott hat das letzte Wort.

Er wird es neu uns sagen dereinst nach diesen Tagen im ewgen Lichte dort.

 

Gott steht am Anbeginn, und er wird alles enden. In seinen starken Händen liegt Ursprung, Ziel und Sinn.

 

Predigt Jes 55,6+8-13

 

Wie werden wir auf diese Zeit zurücksehen?

Was meinen Sie: wie werden wir in fünf oder zehn Jahren die Coronazeit sehen?

Auf jeden Fall wird uns die Erfahrung prägen. Vieles ist im Fluss. Vielleicht stellen wir gerade wichtige Weichen: für das Klima, für unser Verhältnis zu Russland, für die Demokratie in unserem Land, auch für die Kirche – wir leben in einer Zeit der Entschei-dungen. Wir sind herausgefordert, viele auch überfordert und müde. Mitten im Fluss der Ereignisse sehen wir das Ganze noch nicht.

Wie werden wir auf diese Zeit zurücksehen?

 

Eine tiefe Krise im 6.Jahrhundert vor Christus prägt das Bewusstsein und den Glauben Israels.

In dieser Zeit schreibt Jesaja:

Sucht den Herrn, jetzt ist er zu finden!

Ruft zu ihm, jetzt ist er nahe!

In diesem „jetzt ist er nahe“ klingt die Begegnung des Mose mit Gott an. Ein Dornbusch brennt und verbrennt doch nicht. Eine Stimme erklingt. Gott spricht Mose an. Der Ewige sucht den Menschen.

Jetzt lässt Gott sich finden, jetzt, in der Zeit der Krise und höchster Anspannung. Und wie? In seinem Wort. Jesaja schreibt weiter:

So lautet der Ausspruch des Herrn:

Meine Pläne sind anders als eure Pläne

und meine Wege anders als eure Wege.

Wie weit entfernt ist doch der Himmel von der Erde! So fern sind meine Wege von euren Wegen und meine Pläne von euren Plänen.

Regen oder Schnee fällt vom Himmel und kehrt nicht dahin zurück, ohne die Erde zu befeuchten. So lässt er die Pflanzen keimen und wachsen. Er versorgt den Sämann mit Samen und die Menschen mit Brot.                             So ist es auch mit dem Wort, das von mir ausgeht: Es kehrt nicht wirkungslos zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will.                       Was ich ihm aufgetragen habe, gelingt ihm.

Voll Freude werdet ihr aus Babylon fortziehen

und wohlbehalten nach Hause gebracht werden.

 

Gott sieht das Ganze. Wir sind verwirrt und oft überfordert auf der Suche nach guten Wegen.

Ein sicherer Weg aus der Pandemie nach dem ganzen Hin und Her, das uns alle nervt. Ein Weg zum Frieden in den Konflikten und Machtspielen. Ein Weg zur Abwendung der Klimakatastrophe.

Wege des Gesprächs und der demokrati-schen Kultur gegen die Spaltung der Gesellschaft und den Hass.

Wir sehen all diese Wege noch nicht,

aber es gibt sie.

Gott sieht das Ganze und das Ziel.

Er will uns leiten durch sein Wort.

Wie der Regen so kommt sein Wort, ein guter Regen, der die Erde fruchtbar und lebendig macht, Worte von Gott, die nicht wirkungslos bleiben.  Gottes Volk soll wohlbehalten in die Freiheit und nach Hause ziehen. Sie sollen in Frieden leben.

Es ist wie es am Anfang der Pandemie an vielen Häusern zu lesen war: „Alles wird gut.“

Jesaja will seinem Volk und uns den Blick weiten. Noch sehen wir nicht das Ganze.

Gottes Wege sind höher als unsere.

Gottes Gedanken kennen wir nicht.

Vermutlich sind unsere Hoffnungen und Ziele viel zu sehr nur auf uns bezogen. Der Kreis ist weiter.

Aber jetzt, genau jetzt ist die Zeit Gott zu suchen, in Gottes Wort zu suchen und zu forschen, unsere enge, kurze Sicht zu weiten.

Wir werden auf diese Zeit zurücksehen und Gott danken. Amen

 

Neue Lieder 147

 

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht;

es hat Hoffnung und Zukunft gebracht;

es gibt Trost, es gibt Halt

in Bedrängnis, Not und Ängsten,

ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

 

 

 

 

Gebet

 

Du, unser Gott, hab Dank für dein Wort. Danke für die vielen Wege, auf denen du zu uns sprichst. Danke auch für manches harsche Wort, das uns wieder auf den richtigen Weg setzt.

Wir bitten dich: Komm zu uns mit deinem Wort. Komm in unsere Familien und Nachbarschaften.

Hilf uns, deine Nähe in unserem Leben zu erkennen.                                                            Gib uns deinen Geist, dass wir unser Leben nach deinem Wort gestalten.

Hilf uns zu guten Entscheidungen und führe uns auf einem guten Weg.

Lass uns offen auf unseren Nächsten schauen, in gegenseitigem Respekt miteinander umgehen und voller Zuversicht unsere Aufgaben angehen.

Gebiete den Kriegstreibern ein Ende. Lass sie die gegenseitige Abschreckung einstellen zugunsten eines fairen und respektvollen Blicks auf das jeweils andere Land und in Verantwortung für die Menschen in ihren Ländern.

Ermutige diejenigen, die enttäuscht und verzagt sind. Tröste die Traurigen. Hilf uns, durchzuhalten in diesen Zeiten und auszuhalten, was uns das Leben schwer macht. Richte uns immer wieder auf. Wir bitten dich für unsere Kranken.

Steh deiner Kirche bei, dass wir dein Wort hören und es in guter Weise weitersagen. Wir bitten dich für unsere katholische Nachbargemeinde und für die Gemeinde in Sundhouse. Wir bitten für deine Kirche in aller Welt, besonders dort, wo sie verfolgt und unter Druck sind.

Gemeinsam beten wir weiter mit Jesu Worten:

Vaterunser

 

Lied 421

 

Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.

 

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen

Hausgottesdienst 13.2.22 Predigt zu Jeremia 9,22f

 13.2.22     3.Sonntag vor der Passionszeit

Andreas Hansen, Kenzingen

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied 452,1+2+4

Er weckt mich alle Morgen,

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmrung Pforte

ist er mir nah und spricht.

 

Er spricht wie an dem Tage,

da er die Welt erschuf.

Da schweigen Angst und Klage;

nichts gilt mehr als sein Ruf.

Das Wort der ewgen Treue,

die Gott uns Menschen schwört,

erfahre ich aufs Neue so, wie ein Jünger hört.

 

Er ist mir täglich nahe

und spricht mich selbst gerecht.

Was ich von ihm empfahe,

gibt sonst kein Herr dem Knecht.

Wie wohl hat’s hier der Sklave,

der Herr hält sich bereit,

dass er ihn aus dem Schlafe

zu seinem Dienst geleit.

 

Wir liegen vor dir im Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel 9,18b)

So heißt der Bibelvers für diese Woche, der Wochenspruch. Wir vertrauen, dass Gott Gutes mit seiner Welt und mit uns vorhat. Lasst uns mit den Seligpreisungen Jesu beten.

Glückselig sind die, die wissen,

dass sie vor Gott arm sind.

Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Glückselig sind die, die trauern.

Denn sie werden getröstet werden.

Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind. Denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.

Glückselig sind die, die hungern und dürsten

nach der Gerechtigkeit. Denn sie werden satt werden.

Glückselig sind die, die barmherzig sind.

Denn sie werden barmherzig behandelt werden.

Glückselig sind die, die ein reines Herz haben.

Denn sie werden Gott sehen.

Glückselig sind die, die Frieden stiften.

Denn sie werden Kinder Gottes heißen. Glückselig sind die, die verfolgt werden,

weil sie für Gottes Gerechtigkeit eintreten.

Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Ehr sei dem Vater …

 

Du guter Gott, wir sollen glücklich, ja selig sein. Das willst du für uns. Wir sollen Salz der Erde und Licht der Welt sein. Das traust du uns zu.                        Wir schauen auf die Woche, die hinter uns liegt und sehen vieles, was nicht gut ist in unserem Leben und in der Welt. Was wir tun müssten, was sich ändern müsste, kommt uns kaum erreichbar vor. Jesus, nimm uns mit, mit deiner Hoffnung. Wecke deine Kraft in uns. Amen

 

Lied 346,1-3

Such, wer da will, ein ander Ziel,

die Seligkeit zu finden;

mein Herz allein bedacht soll sein,

auf Christus sich zu gründen.

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,

sein heilger Mund hat Kraft und Grund,

all Feind zu überwinden.

Such, wer da will, Nothelfer viel,

die uns doch nichts erworben;

hier ist der Mann, der helfen kann,

bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil,

uns macht gerecht der treue Knecht,

der für uns ist gestorben.

 

Ach sucht doch den, lasst alles stehn,

die ihr das Heil begehret;

er ist der Herr, und keiner mehr,

der euch das Heil gewähret.

Sucht ihn all Stund von Herzensgrund,

sucht ihn allein; denn wohl wird sein

dem, der ihn herzlich ehret.

Predigt:

Glücklich, ja selig seid ihr. Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten! Mit einer großen Ermutigung beginnt Jesus seine Predigt.

Mit einer großen Ermutigung beginnt unser Leben als Christenmenschen. Gott sagt bei unserer Taufe zu uns: Du bist mein Kind. Dich habe ich lieb. Dich will ich segnen. Gott richtet uns auf.

Gott macht uns Mut.

Mut können wir gut gebrauchen. Denn wen nennt Jesus selig? Die Friedensstifter, die Gewaltlosen, die nach Gerechtigkeit hungern und dazu auch die Traurigen, die Verfolgten. Wir schauen in unsere Welt und es ist schier zum Verzweifeln. Haben Sie die Dokumentation über die schreckliche Verfolgung der Uiguren in China angesehen? Ob es dieses Volk in 20 Jahren wohl noch gibt, oder ob die Chinesen es ganz auslöschen werden? Überall sind die Diktatoren auf dem Vor-marsch, werden Menschen unterdrückt und auch die Natur wird rücksichtslos verbraucht und zerstört.

Wie kommen wir da nur heraus?

Der Predigttext richtet unseren Blick auf den Propheten Jeremia. Er kündigt den Untergang Jerusalems an, aber er wird nicht ernst genommen, sondern verfolgt und fast umgebracht. Jeremia erlebt die durch und durch korrupte,  ungerechte, kurzsichtige Politik seiner Zeit und dann die schreckliche Vernichtung durch die Babylonier. Gewalt und Unrecht regieren. Die Welt ist am Abgrund. Wird Israel das überleben?

Mitten im größten Schrecken sagt Jeremia:

So spricht der Herr:

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit,

ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke,

ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne,

dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit,

Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden;

denn solches gefällt mir, spricht der Herr.

(Jer 9,22f )

Die Lage ist zum Verzweifeln. Israel ist in seiner Existenz bedroht, damals im 6.Jahrhundert vor Christus, und immer wieder: Als die Römer im 2. Jahrhundert alle Juden aus ihrem Land vertrieben, in den Gewaltorgien gegen Juden im Mittelalter und am brutalsten im 20. Jahrhundert durch die deutsche Vernichtungspolitik.

Und trotzdem sagt Gott: Mir gefallen Barm-herzigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Ich bin der Herr und setze Barmherzigkeit, Recht, Gerechtigkeit auf der Erde durch. Gewalt und Unrecht behalten nicht das letzte Wort.

 

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit,

ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke,

ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

Die selbstgefälligen, verlogenen Auftritte der Diktatoren der Welt sind kaum zu ertragen.  Sie sind berauscht von sich selbst und sie verhöhnen ihre Gegner und ihre Opfer.

So wie Gerhard Schröder Putin hinterherhechelt, sind auch wir fasziniert von Macht, Reichtum und Glamour.                           Erfolg, Weisheit, Geld sind nicht an sich schlecht – wir zeigen schließlich auch gern, was wir haben und können. Aber alles wird verkehrt, wenn wir uns nur auf uns selbst verlassen, allein auf unsere Weisheit und Stärke und Reichtum setzen. Jeremia sieht die Wurzel allen Übels darin, dass seine Zeitgenossen Gott nicht kennen.       Vielleicht pflegen sie sogar ein wenig religiöses Brauchtum, aber in Wahrheit wollen sie von Gott nichts wissen.

Wer sich so gottvergessen selbst rühmt, nimmt Weisheit, Stärke und Reichtum als sein eigenes Werk wahr. Ich selbst mache mein Glück. Dann bin ich auch das Maß aller Dinge. Die Selbstvergötzung macht rücksichtslos. Was mir dient, ist wichtiger als die Interessen anderer, wichtiger als das Recht des Mitmenschen und das Recht der Schöpfung. Ein Weg in den Abgrund.

 Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er wirklich klug sei und mich kenne.

Gott kennen heißt: Unsere Weisheit, Stärke und Reichtum sind nicht unser Werk. Gott verdanken wir alles, was wir wissen und können. Und mit den uns anvertrauten Gaben setzen wir uns ein. Wir verbinden Weisheit mit Güte, wir setzen Stärke und Besitz für gerechte Verhältnisse ein.

Jeremia ermutigt sein Volk und uns:

„Gott hat das letzte Wort. Verlasst euch darauf!  Seine Barmherzigkeit, sein Recht und seine Gerechtigkeit setzen sich durch. Resigniert nicht! Und setzt euch ein mit all eurer Kraft!“

Jesus traut uns viel zu und ermutigt uns:

Glückselig seid ihr. Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten!

Eine Welt voll Güte, Recht, Gerechtigkeit gefällt Gott. Das ist sein Ziel.

Dafür steht er ein und dafür macht er uns Mut. Amen

 

Lied 662

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die Ängste, für die Sorgen,

für das Leben heut und morgen:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die Wahrheit einzustehen

und die Not um uns zu sehen:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die Zeit, in der wir leben,

für die Liebe, die wir geben:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die vielen kleinen Schritte,

Herr, bleib du in unsrer Mitte:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Gebet

 

Du, Gott, liebst Güte und Gerechtigkeit.

Du findest dich nicht ab mit Krieg und Unrecht.

Du gibst die Welt nicht verloren, obwohl wir oft vor den Problemen resignieren.

 

Wir bitten dich um Frieden zwischen den Völkern.

Der Aufmarsch der Truppen an den Grenzen der Ukraine macht uns Angst. Bewahre die Menschen vor dem Leid, das der Krieg bringt. Gib den Verantwortlichen und gib uns Weisheit und Mut umzukehren und zu versöhnen.

 

Wir bitten dich um Gerechtigkeit. So viele Menschen leiden unter staatlicher Gewalt. Sie werden unterdrückt und verfolgt. Sie dürfen ihre Meinung nicht sagen und leben in ständiger Angst. Wir bitten für die Uiguren in China, für die Menschen in Belarus, in Myanmar – es sind viele Länder, in denen furchtbares Unrecht geschieht.

Wir bitten für die Bewahrung der Schöpfung. Hilf uns umzukehren, weniger zu verbrauchen, bewusster zu leben, dass wir nicht sinnlos Energie und Rohstoffe verschwenden, dass wir nicht unsere Umwelt durch Müll und das Klima durch CO2 belasten.

 

Hilf uns in dieser Phase der Pandemie. Noch immer sterben täglich so viele. Wir bitten für die Kranken, für Kinder und Jugendliche in Quarantäne, für die vielen, die sich für die Opfer der Krankheit einsetzen.

Gib uns Weisheit und Mut, dass wir die richtigen Schritte gehen und möglichst alle von dem überzeugen, was nötig ist. Bewahre uns davor, dass wir wegen der Coronamaßnahmen in heillosen Streit geraten.

 

Wir bitten für deine Kirche, unsere Gemeinde, für unsere Partnergemeinde in Sundhouse und für unsere Nachbarn in der katholischen Gemeinde. Schenk uns Weisheit und Mut, dass wir deine Kirche sind und leben, wie es dir entspricht.

 

Vaterunser

Lied 170

Komm, Herr, segne uns,

dass wir uns nicht trennen,

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

 

Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

 

Frieden gabst du schon,

Frieden muss noch werden,

wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden. Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen –

die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

 

Komm, Herr, segne uns,

dass wir uns nicht trennen,

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen