„Bausachen“ – Predigt über 2.Kor 4,16-5,1

Predigt am 22.4.18 von Andreas Hansen über 2.Kor 4,16-5,1

2.Kor 4,16-5,1: Wir werden nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.

Wer ein Haus hat, dem geht die Arbeit nie aus. Unsere Häuser in Deutschland sind stabil und solide gebaut – „wie für die Ewigkeit“, so sagt man. In anderen Ländern, z.B. in den USA wird leichter, provisorischer gebaut. Das Bedürfnis nach soliden Häusern hatte die Nachkriegsgeneration, weil sie viele Trümmer wegräumen mussten. Das Bedürfnis kennen viele Menschen. Die Städte in Syrien sehen heute so aus wie deutsche Städte nach dem Krieg. Auch in Israel hat das Bauen eine besondere und sehr umstrittene Bedeutung.
Ein festes Haus, ein sicheres Zuhause ist für viele Menschen ein Traum. Schon Kinder bauen begeistert Spielhäuser. Die Sehnsucht nach bleibender Geborgenheit steckt tief in uns. Und doch sind unsere Häuser vergänglich, nur auf Zeit angelegt, wie wir selbst.
Meine Frau und ich, wohnten einmal in einem neuen schönen Haus – aber im Treppenhaus waren die Wände noch nicht verputzt und das Geländer war eine wackelige Holzkonstruktion. Viele Jahre blieb das Haus so unfertig, obwohl die Besitzer fleißige und Ordnung liebende Menschen sind. Ihr Haus blieb eine Baustelle. Anderes war ihnen wichtiger. Heute bewundere ich diese Geduld und diese Freiheit, etwas unvollkommen zu lassen, noch dazu ein so schönes Haus.
Kennen Sie den Drang alles ganz richtig und perfekt zu machen, wie für die Ewigkeit zu bauen? Gründlich soll alles geschehen und möglichst makellos dastehen: Nicht nur das Haus, auch die berufliche Laufbahn, unser Körper, unser Ansehen.
Aber das geht ja gar nicht. Wir mühen uns vergeblich, fertig zu werden, perfekt zu sein oder Häuser zu bauen, die ewig stehen. Unsere Häuser und vieles mehr in unserem Leben bleibt unfertig und unvollkommen wie eine Baustelle. Manches, wovon wir träumten, haben wir nicht erreicht. Wir schließen Kompromisse. Mit manchen Konflikten müssen wir leben, weil es keine Lösung gibt. Wir stoßen an Grenzen. Zum Beispiel unser Körper zeigt uns Grenzen. Wir müssen Einschränkungen und Rückschritte hinnehmen. Vollkommen ist weder unser Haus, noch unser Lebenshaus. Es muss immer wieder renoviert, gestützt, gestärkt, „konfirmiert“ werden.
Paulus vergleicht unser irdisches Haus, unser Leben mit einem Zelt – Luther übersetzt „Hütte“ – da steht Zelt. Ein paar Stangen, Planen, Stricke – die muss man immer wieder neu verankern gegen den Wind und den Regen – ein Zelt fällt im Sturm in sich zusammen – ein Zelt kann leicht abgebrochen und weggebracht werden. So ist unser Leben.
So erlebt Paulus sein eigenes Schicksal. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Er fühlt sich verbraucht und erschöpft. Er hat schon so viel Enttäuschungen, Angriffe, Rückschläge und Prügel einstecken müssen. Paulus ist krank oder behindert – er deutet es nur an. Sein Lebenshaus ist nicht perfekt. Es hat Risse und Schäden. Es ist zerbrechlich wie ein leichtes Zelt. Trotzdem ist Paulus keineswegs resigniert. Seine Kräfte nehmen ab.
Aber er sagt: Davon lasse ich mich nicht klein kriegen. „Wir werden nicht müde.“ Denn Paulus erlebt gleichzeitig eine ganz andere, gegensätzliche Entwicklung. Er schreibt: „wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert – gleichzeitig wird das, was ich zukünftig sein werde, auf unsichtbare Weise schon jetzt ganz neu in mir begründet und wächst mit jedem neuen Tag.“ Paulus erlebt in sich ein Wachstum, ein Neu- und Starkwerden, eine Hoffnung. Je schwächer er äußerlich wird, desto offener wird er für das Neue, das Gott ihm schenkt und das Jesus in ihm wirkt. Er ist immer enger mit Jesus verbunden. So kann er sagen, er sei  in Jesus Christus. Wenige Verse nach unserem Textabschnitt steht: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
In Christus und das heißt von Ostern her wird alles neu. Von Ostern her gewinnt das Leben. Wir stöhnen noch unter der Last der Vergänglichkeit. Wir erschrecken noch vor dem Tod und haben Angst vor Abschied, Leid und Schmerzen. Paulus aber schreibt: Unsere Trübsal, unsere Bedrängnis wiegt leicht – viel schwerer ist die unfassbare Fülle ewiger Herrlichkeit, die Gott uns schenkt.
Stellen Sie sich vor: Da sitzen Tod und Leben auf einer Wippe. Der Tod macht sich breit mit all seiner düstern Last und lässt grinsend das Leben in der Luft zappeln. Aber das Leben wird schwer und schwerer. Und der dürre Tod wird durch die Luft geschleudert. Das ist unsere Hoffnung seit Ostern: Das Leben hat das größere Gewicht. Es besiegt den Tod. Gott hat schon entschieden: Für das Leben.
Dreimal steht in unserem Text das Wort ewig. Wir können allenfalls ahnen, was ewig und Ewigkeit bedeuten mag. Ewig ist größer, wie eine andere Dimension. Jesus gibt uns die Hoffnung auf ewiges Leben. Der Glaube ist schon berührt von der Ewigkeit Gottes. Gottes Ewigkeit umgibt unser zerbrechliches Lebenshaus. Sie scheint in unser Leben hinein. Paulus erfährt Tag für Tag, dass Gott ihn aufbaut, dass das Leben schwerer wiegt.
Und er hofft auf das ewige Haus, von Gott erbaut, nicht mit Händen gemacht. Unser Lebenshaus gleicht einer Baustelle. Manches ist nicht fertig oder gehörte schon längst renoviert. Und doch fällt in die Zimmer ein herrliches wunderbares Licht. Gottes Ewigkeit umgibt unser Leben.
Wir können das Unfertige und Unvollkommene stehen lassen, den Karrierewunsch, der sich nicht erfüllt hat, den Traum, der ein Traum blieb, die Belastung, das Zerbrechen von Beziehungen, etwas, was unser Leben einschränkt. Gottes Ewigkeit umgibt unser Leben. Schon als Gott uns schuf, zeigte die Waage auf Leben. Er hat sich für uns entschieden.
Wir können frei sein von der Angst Leben zu verpassen, frei von der Angst zu kurz zu kommen, frei von der Angst um uns selbst. Gott schenkt uns ein Ahnen von Ewigkeit, Licht, das in unser Lebenshaus fällt. In der Liebe, die uns bewegt, in allem, was wir liebevoll tun, erfahren wir, was Ziel und Sinn unseres Lebens ist.„Wir haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.“

Der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen