Konfirmation 2019

Predigt am 2.6.19 von Andreas Hansen über Joh 6,66-69

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

ein knappes Jahr über habe ich euch auf eurem Weg begleitet. Das war schön für mich, zu sehen, wie ihr euch in diesen Monaten verändert habt. Rund 14 Jahre dauert euer Lebensweg bisher.

Eure Eltern und Paten erinnern sich bestimmt an die ersten Schritte, als ihr laufen lerntet, oder an die Eingewöhnung im Kindergarten oder den ersten Schultag. Aber Eltern muss man irgendwann beibringen, dass man kein Kind mehr ist. Die Kinderzeit ist vorbei. Die Konfirmation ist eine Station auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen. Wir beten für euch auf diesem Weg. Wir danken Gott für euch und bitten um seinen Segen für euch.

Jede und jeder von euch fragt: „Wohin geht mein Weg? Was will ich erreichen? Wie will ich leben?“ Die vielen Jugendlichen, die jeden Freitag für eine neue Klimapolitik demonstrieren, die zeigen uns: Ihr Jugendlichen fragt nicht nur nach euch selbst. Ihr wollt auch in einer gerechten Welt leben, in der wir und alle Menschen, alles Leben eine Zukunft haben.

„Wohin geht mein Weg und wohin geht für uns alle ein guter und gerechter Weg?“ – ich hoffe, ihr bleibt wach und aufmerksam und stellt Fragen  und gebt euch nicht zu schnell zufrieden.  Ich hoffe, ihr geht mit Mut und Zuversicht weiter und traut euch etwas zu, z.B. eine Aufgabe im Roten Kreuz, bei der Feuerwehr oder vielleicht lasst ihr euch irgendwann aufstellen für die Wahl zur Bundestagsabgeordneten oder zum Stadtrat, oder viele, viele andere Möglichkeiten. Ich traue euch zu, dass ihr euch für andere einsetzt und etwas bewirkt. Und ich hoffe, ihr traut euch selbst ganz viel Gutes zu.

Aber was hat das mit der Konfirmation zu tun? Unser Thema in diesem Jahr hieß: Mit Gott auf dem Weg. Wir beten für euch und segnen euch, weil wir euch dieses Vertrauen wünschen: „Gott ist bei mir und bei uns. Auf allen meinen Wegen geht Gott mit. Ob ich für das Klima demonstriere oder mich bei der Feuerwehr engagiere,   ob ich einen Beruf ergreife, einem Menschen Liebe und Treue verspreche oder Kinder erziehe, wohin auch immer mein und unser Weg geht, Gott geht mit mir und mit uns.“

Wir sind gespannt, wohin euer Weg geht, gespannt und voll guter Zuversicht für euch. In einem eurer selbst geschriebenen Glaubensbekenntnisse heißt es: „Auch wenn wir manchmal zweifeln, glauben wir doch an Gott. In seinen Händen sind wir geborgen und nicht allein. Glauben wir an Gott, sind wir stark. Sind wir stark, geht es uns gut. Geht es uns gut, sind wir glücklich.“  Das wünschen wir euch so sehr, dass ihr stark und glücklich seid und dass ihr glauben könnt.

Andere waren vor uns auf dem Weg mit Gott.  Wir schauen auf ihre Wege und lesen darüber in der Bibel. Gestern ging es um Maria Magdalena, heute um Simon. Im Johannesevangelium steht:   Von da an zogen sich viele seiner Jünger von ihm zurück und begleiteten ihn nicht mehr. Da fragte Jesus die Zwölf: »Wollt ihr etwa auch weggehen?« – »Herr, zu wem sollten wir gehen?«, antwortete Simon Petrus. »Du hast Worte des ewigen Lebens, und wir glauben und haben erkannt: du bist der Heilige, den Gott gesandt hat.« (Joh 6,66-69)

Das sind starke Worte, ein klares Bekenntnis. Beeindruckend! Für Simon steht absolut fest:    „Ich gehe mit dir, Jesus.“ Darum nennt Jesus ihn Petrus, der Fels. Den wirft nichts um. Er steht wie ein Fels in der Brandung.

„Ach, Simon Petrus, wir wissen doch, auch du bist umgefallen. Als Jesus verhaftet wird, bekommst du es mit der Angst zu tun und sagst: „Ich kenne den nicht.“ Dreimal verleugnest du deinen Freund, deinen geliebten Herrn.“
Die Bibel erzählt eben keine Heldengeschichten, in denen die Starken immer stark sind und die Guten immer gut – so sind wir ja nicht.  Ganz offen heißt es hier, einige Jünger verlassen Jesus. Oder es wird in der Bibel erzählt, wie die Jünger streiten, wer von ihnen den besten Platz bekommt. Von denen, die den Auferstandenen sehen, zweifeln einige. So ist auch Simon Petrus keineswegs immer felsenfest stark und im Glauben sicher.  „Wollt ihr auch weggehen?“ fragt Jesus. Er drängt seine Jünger nicht. Er schreibt ihnen nichts vor. Aber Jesus möchte sehr, dass seine Jüngerinnen und Jünger weiter mit ihm gehen.    Er wartet auf ihre Antwort und freut sich über das, was Petrus sagt. Wir sind mit Gott auf dem Weg und mit Jesus auf dem Weg, aber da ist Freiheit. Schaut noch einmal auf unsere Tauben! Sie stehen für den Heiligen Geist. Der ist frei und der macht frei. Gott schenkt uns Glauben. Wir bitten ihn, dass wir glauben, hoffen, lieben können. Er sehnt sich danach, dass wir weiter mit ihm gehen, aber er zwingt uns nicht.    Er wartet auf unsere freie Antwort. Jesus sagt nicht: „Wenn ihr mit mir geht, dann seid ihr immer stark und glücklich.“ Sein eigener Weg ist hart. Keinem Menschen bleibt Leid erspart. Ihr wisst schon gut, wie schwer unser Leben sein kann: wenn wir traurig sind, wenn wir streiten und angegriffen oder gemobbt werden, wenn wir mit Misserfolgen fertig werden müssen, und vieles andere mehr. Jesus sagt nicht: „Geht nur mit mir, dann ist das Leben einfach.“ Aber immer wieder können wir lesen, wie Jesus den Menschen Mut gibt. Er heilt einen, der schon gar nicht mehr glauben kann, dass er je wieder laufen kann. Er spricht Menschen an, die einsam sind. Er gibt schuldig Gewordenen eine Chance. Jesus lässt die Leute spüren: Gott ist uns nah. Gott hilft uns auf. Jesus gibt den Menschen Mut und Selbstvertrauen und Zuversicht. Er hat auch zu Simon gesagt: „Komm mit mir. Du sollst mein Freund sein.“, obwohl Simon meinte: „Ich passe gar nicht zu dir. Du bist Gott so nah und ich überhaupt nicht.“ Aber jetzt ist aus dem einfachen Fischer ein eng vertrauter Freund von Jesus geworden. Aus Simon wird Petrus, der Fels. Jetzt meint Simon: „Wir bleiben bei dir, Jesus. Nur du sagst uns Worte des ewigen Lebens. Du weißt, wo es lang geht. Du weißt, was Zukunft und Leben verspricht. Du, Jesus, kennst alle Höhen und Tiefen des Lebens. Durch dich finden wir das ewige, das wahre Leben. Darum bleiben wir bei dir.“

Wohin geht euer Weg? Wir wissen es nicht, wie glücklich und leicht oder wie schwer und leidvoll er sein wird. Aber Gott geht mit euch. Ihr könnt euch auf ihn verlassen. Er ist uns in Jesus ganz nah.  Ihm könnt ihr vertrauen.

Und dann ist es, wie in dem englischen Lied, das wir gleich singen: „Lead me on, I am yours. Use my life to bless the world.“ Gott segnet euch und ihr sollt ein Segen sein für eure Mitmenschen, für unsere Welt. Amen