Predigt über Apg 6,1-7 im Gottesdienst am 30.8.26, Kenzingen, Andreas Hansen

Orgelvorspiel
EG 440 All Morgen ist ganz frisch und neu

Votum
Gruß
Jesus sagt: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Schwestern und Brüdern, das habt ihr mir getan. Wie werden wir einander gerecht? In unserem persönlichen Miteinander und in der großen Politik: Wie werden wir einander und gerade den Schwachen gerecht?
Psalm 112 ist der Psalm dieser Woche – ein kunstvolles Loblied auf den gerechten Menschen. Er schöpft seine Kraft zum Guten aus dem Vertrauen zu Gott. Beten wir gemeinsam:

Halleluja!
Glücklich ist, wer zum Herrn gehört
und seine Gebote voller Freude befolgt.
Dessen Kinder werden im Land angesehen sein,
man lobt sie als eine aufrechte Generation.
Wohlstand und Reichtum sind in seinem Haus zu finden,
und seine Gerechtigkeit bleibt für immer bestehen.
Im Dunkeln ist er ein Licht für aufrechte Menschen.
Gnade, Barmherzigkeit und Liebe strahlt er aus.
Gut ist der Mensch, der schenkt und verleiht.
Bei seinen Geschäften hält er sich an das Recht.
Ja, wenn er sich daran hält, wird er nie scheitern.
Immer wird man daran denken, wie gerecht er ist.
Böse Gerüchte braucht er nicht zu fürchten.
Er bleibt standhaft, er vertraut dem Herrn.
Er zeigt sich unbeugsam, er kennt keine Angst.
Am Ende wird er auf seine Feinde herabsehen.
Er verteilt Spenden unter den Armen.
Seine Gerechtigkeit steht fest für immer.
Sein Ansehen wächst und wird in Ehren gehalten.
Der Frevler sieht es und ärgert sich.
Er knirscht mit den Zähnen, es nützt ihm nichts.
Die Wunschträume der Frevler werden zerplatzen.

Ehr sei dem Vater

Erhabener Gott, dein Herzschlag ist Barmherzigkeit.
Du thronst im Himmel und bist doch ganz unten,
bei den Armen. Du lässt dich nicht abhalten von dem, was uns oft abschreckt, von der Hässlichkeit der Not,
von Dreck, Gestank, verrohtem Umgang.
Du siehst dein Ebenbild in jedem Menschen.
Du achtest, wie tapfer und großherzig Menschen sind.
Lehre uns Barmherzigkeit, Gott, dass wir genau hinsehen und uns anrühren lassen vom Los der Geplagten, der Verlierer. Verbinde uns mit ihnen in Respekt. Stärke uns durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Erbarme dich.
Kyrie

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Ehre sei Gott in der Höhe

EG 272 Ich lobe meinen Gott

Himmlischer Vater,
sende uns deinen Heiligen Geist,
dass wir glauben und dir in allem vertrauen,
dass wir die lieben, die du uns anvertraust,
das wir die Liebe Jesu Christi erkennen.
Erhöre uns Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen

Das Evangelium des Sonntags ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter in Lukas 10:

Da kam ein Schriftgelehrter und wollte Jesus auf die Probe stellen. Er fragte ihn: »Lehrer, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme?« Jesus fragte zurück: »Was steht im Gesetz? Was liest du da?« Der Schriftgelehrte antwortete: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken.« Und: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.« Jesus sagte zu ihm: »Du hast richtig geantwortet. Halte dich daran und du wirst leben.«
Aber der Schriftgelehrte wollte sich verteidigen. Deshalb sagte er zu Jesus: »Wer ist denn mein Nächster?«
Jesus erwiderte: »Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho. Unterwegs wurde er von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn bis aufs Hemd aus und schlugen ihn zusammen. Dann machten sie sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Nun kam zufällig ein Priester denselben Weg herab. Er sah den Verwundeten und ging vorbei. Genauso machte es ein Levit, als er zu der Stelle kam: Er sah den Verwundeten und ging vorbei.
Aber dann kam ein Samariter dorthin, der auf der Reise war. Als er den Verwundeten sah, hatte er Mitleid mit ihm. Er ging zu ihm hin, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn in ein Gasthaus und pflegte ihn. Am nächsten Tag holte er zwei Silberstücke hervor, gab sie dem Wirt und sagte: ›Pflege den Verwundeten! Wenn es mehr kostet, werde ich es dir geben, wenn ich wiederkomme.‹
Was meinst du: Wer von den dreien ist dem Mann, der von den Räubern überfallen wurde, zu Nächsten geworden?« Der Schriftgelehrte antwortete: »Der Mitleid hatte und sich um ihn gekümmert hat.« Da sagte Jesus zu ihm: »Dann geh und mach es ebenso.«

Gott ist die Liebe. Wir preisen dich, Gott. Halleluja!

Credo

NL 116 Da wohnt ein Sehnen tief in uns

In der Apostelgeschichte erzählt Lukas über die Anfänge der christlichen Gemeinde. Die kleine Gruppe derer, die an Jesus Christus glauben, wächst erstaunlich schnell und wird zu einer großen Bewegung. Lukas zeichnet die Entwick-lung in wenigen entscheidenden Schritten nach. Natürlich idealisiert Lukas, aber er lässt auch die Konflikte nicht aus. Apg 6,1-7:
In dieser Zeit wuchs die Zahl der Jünger stetig.
Doch bald wurden in der Gemeinde Klagen laut.
Sie kamen von den Griechisch sprechenden Mitgliedern, die aus anderen Ländern zugezogen waren. Die warfen den Hebräisch sprechenden Einheimischen vor, ihre Witwen bei der täglichen Speisung zu übergehen. Daraufhin beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und sagten: »So geht das nicht! Wir können doch nicht
die Verkündigung von Gottes Wort vernachlässi-gen und selbst bei Tisch dienen. Brüder und Schwestern, wählt aus eurer Mitte sieben Männer aus. Sie sollen einen guten Ruf haben und vom Geist Gottes und von Weisheit erfüllt sein. Ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen, wir aber werden beim Gebet und dem Dienst des Wortes bleiben.“
Der Vorschlag fand die Zustimmung der ganzen Versammlung. Sie wählten Stephanus, einen Mann mit festem Glauben und erfüllt vom Heiligen Geist. Hinzu kamen Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, ein Grieche aus Antiochia, der zum jüdischen Glauben übergetreten war. Diese sieben ließ man vor die Apostel treten. Die beteten für sie und legten ihnen die Hände auf. Das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wuchs immer weiter.

Kennen Sie das Haus zum Engel in Emmendingen in der Karl-Friedrich Straße kurz vor dem Tor?
Es war früher ein Gasthaus aber jetzt zeigt das blaue Kronenkreuz, dass hier die Diakonie zuhause ist. Da finden Sie die Tagespflege der Diakoniestation, die vielfältigen Beratungsdienste von Schwangerschaftskonflikt- bis zur Schuldner-beratung. Da wird die Schulsozialarbeit und die Gruppe für Menschen in psychischen Notlagen organisiert und vieles mehr. Um die Ecke ist noch eine große Einrichtung der Diakonie, das Senio-renheim Metzger-Gutjahr-Stiftung. In Kenzingen finden Sie das blaue Kronenkreuz an unserem Kindergarten – auch das ist Diakonie.
Die Diakonie ist mit rund 33000 Einrichtungen und etwa 1,25 Mio. Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Sie steht im Dienst des Menschen. Sie achtet jeden Menschen. Sie versteht sich als Anwältin der Schwachen und Schwächsten. Ohne Diakonie und ihre katholische Schwester Caritas sähe es düster aus in unserem Land. Diakonie ist Kirche. Kirche ist Diakonie. Der Dienst am Nächsten gehört zur Kirche Jesu Christi. Jede und jeder einzelne kann seinem Mitmenschen zum Nächsten werden, wie es Jesus in seinem Gleichnis erzählt. Wir alle sind gerufen, dass wir nicht wegsehen, sondern aufmerksam sind für Not oder einen Konflikt, dass wir uns unterbrechen lassen und helfen, wo wir können. Das kann ein freundliches Wort für jemand sein, eine Spende für in Not Geratene oder ehrenamtlicher Einsatz um zu helfen.
Wir brauchen aber auch viele, die professionell heilen, pflegen, retten, beraten und begleiten.
Lukas erzählt vom Schritt von der individuellen, spontanen Hilfe hin zu organisierter Diakonie.

Klagen wurden laut, oder in Luthers Deutsch: es erhob sich ein Murren. Wo immer Menschen zusammen sind, entstehen Konflikte. Das ist normal. Und es ist wichtig, dass jeder und jede „murren“ darf, dass Probleme nicht verdrängt werden oder dass es gar verboten wird, dass jemand einen Missstand beklagt. Wir sehen ja, wie es brodelt, wenn es heißt: „Man darf nichts sagen“ Unser evangelisches Verständnis ist: Jede und jeder darf „murren“, und dann schauen wir, was los ist.
Die Witwen der griechischen Juden werden benachteiligt – ein Verteilungskonflikt und wohl auch ein Konflikt zwischen zwei Gruppen, den Einheimischen in Jerusalem und den Zugezogenen. Die Stimmung in der Gemeinde ist mies und den Betroffenen geht es schlecht.
Die Apostel machen nicht einfach weiter. Störungen haben Vorrang. Sie rufen eine Versammlung ein und machen den Konflikt zum Thema. Gut so! Sie machen einen Vorschlag, dem alle zustimmen können. Das wird nicht so schnell gegangen sein, wie es bei Lukas klingt. Bestimmt brauchen sie Zeit zum Reden und Zuhören, Nachdenken und Diskutieren. Aber am Ende steht ein konsensfähiger Beschluss: Die ungerechte Verteilung von Essen oder Unterstützung kann so nicht weitergehen. Jemand muss dafür sorgen, dass es gerecht zugeht. Die Apostel können das nicht leisten und darum wird für diese Aufgabe ein neues Amt geschaffen. Die griechischen Namen zeigen, dass sie Leute auswählen, die selbst Zugezogene sind, die kennen die Situation der Betroffenen.

Zuerst muss ich ein wenig murren: Natürlich ginge es heute gar nicht, dass sieben Männer gewählt werden und keine einzige Frau. Außerdem: Warum verliert Lukas kein weiteres Wort darüber, ob es den betroffenen Frauen durch dem Beschluss wirklich besser ging? Geht es gar nicht um sie? Dennoch: Was Lukas berichtet, ist auch für die Kirche heute wegweisend.
Da ist ein Konflikt, eine neue Herausforderung.
Damals verändert sich die Gemeinde durch das schnelle Wachstum – heute beschäftigt uns das Gegenteil. Sie nehmen die Fragen ernst und er-arbeiten gemeinsam mit allen eine Lösung. Sie halten fest: Verkündigung und Gebet sind unsere zentrale Aufgabe. Das gilt auch heute: Kirche ist da, wo das Evangelium verkündet wird und die Sakramente gereicht werden, meinten die Refor-matoren. Der Gottesdienst und die Verkündigung können ganz unterschiedliche Formen haben, aber sie sind unverzichtbar dafür, dass wir Kirche Jesu Christi sind. Auch wenn wir weniger Pfarre-rinnen und Pfarrer haben werden, weniger Gemeindeglieder und weniger Mittel, werden wir beten, Gottes Wort hören, singen und feiern.
Darum bleiben die Apostel damals bei ihrem Dienst.
Aber Kirche ist auch Diakonie, wenn sie Jesus folgen will – auch daran halten wir fest.
Kirche ist immer auch „Kirche für andere“.
Unser Blick und unser Einsatz für die Schwachen sind wichtig für unsere Gesellschaft. Diakonie und Caritas sind verflochten mit dem Staat. Sie mischen sich ein und engagieren sich, wenn es darum geht, Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen. Im Moment schauen die Vertreterinnen und Vertreter der Diakonie sehr genau auf die Reformvorhaben der Regierung zu Rente, Pflege und Gesundheitsvorsorge. Sie betonen die Würde und das Recht von Kranken, Alten, Menschen mit Behinderung, Flüchtlingen, Menschen in Not, Bedürftigen jeder Art. Jesus hat nicht akzeptiert, dass Menschen an den Rand gedrängt wurden. Er hat sich beonders denen zugewandt, die verachtet wurden.
Als Diakone kommen für die Apostel nur Leute in Frage, die einen guten Ruf haben und vom Geist Gottes und von Weisheit erfüllt sind, die wie Jesus jeden Menschen achten. Auch das Amt der prakti-schen Nächstenliebe hat einen geistlichen Grund – die Diakone werden mit Gebet und Segen in ihr Amt eingeführt. Auch heute erwartet die Diakonie als Arbeitgeberin eine Haltung von ihren Mitarbei-tenden, die nicht ihrem Menschenbild widerspricht.
Vor einigen Tagen berichtete die ARD von einer Diakonie-Mitarbeiterin in Niedersachsen, die gekündigt wurde, weil sie für die AfD kandidiert.
„Unsere christlichen Werte stimmen nicht mit den Themen überein, für die diese Kandidatin antritt. Und deswegen sind wir der festen Überzeugung, dass so eine Mitarbeiterin in unserem Haus, im Umgang mit zu schützenden Personen, nichts zu suchen hat“, sagte Roman Mölling, Sprecher der Mission:Lebenshaus. Der Fall wird die Gerichte beschäftigen. Aber es ist richtig, dass eine menschenverachtende Haltung unserem Glauben und damit auch der Ausrichtung der Diakonie widerspricht.
Lukas betont am Schluss: Das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wuchs immer weiter.
Zahlenmäßig waren die Christen nur eine winzige Gruppe. Zahlenmäßig sind auch wir heute unbedeutend. Aber auch heute können wir eine lebendige, blühende Gemeinde sein.
Zukunftsfähig ist die Kirche, wenn sie am Wesentlichen festhält
– Lukas nennt es Verkündigung und Gebet –
wenn sie beweglich bleibt und wie die Apostel damals die Herausforderungen ihrer Zeit annimmt
und wenn sie in ihrer Diakonie Jesus folgt.
Amen

NL 93 Wo Menschen sich vergessen

(Abendmahl)

Jesus Christus, du hast dich in diesem Mahl mit uns verbunden. Durchdringe uns mit deiner Kraft, präge unser Wollen, Denken und Tun, dass dein Wille geschehe.

Wir bitten dich für alle Menschen, die in Not geraten:
In Arbeitslosigkeit und Unglück,
in Armut, angewiesen auf Unterstützung,
in persönlichen und familiären Krisen,
in seelischer und körperlicher Krankheit,
als Opfer von Missbrauch und Gewalt.
Lass uns wahrnehmen, welche Belastung manche tragen.
Mach uns bereit, anderen Menschen zum Nächsten zu werden.
Wir bitten für die, die sich für andere einsetzen,
in der Pflege, als Angehörige von Kranken und Sterbenden, als aufmerksame Mitmenschen.
Wir bitten für die, die in der Diakonie arbeiten,
als Alten- und Krankenpflegerinnen und Pfleger,
in heilenden, beratenden, pädagogischen Berufen.

Wir bitten für die, die unter Krieg und Unterdrückung leiden und für alle die Verwundete, Flüchtlinge und verwaiste Menschen versorgen.

Wir bitten dich für unsere Gemeinde, dass Glauben wächst, dass wir dir folgen und einander lieben, dass unsere Kinder und Jugendlichen dein Wort kennen lernen und in der Gemeinde zuhause sind, dass alle Menschen in unserer Gemeinde Geborgenheit und Stärkung erfahren.
Segne, was wir tun. Bewahre uns und unsere Lieben.
Deiner Liebe vertrauen wir uns an. Amen
Kollekte für unsere Gemeinde

Dank an alle, die mit dem freiwilligen Gemeindebeitrag unsere Gemeinde unterstützen.

EG 170 Komm, Herr, segne uns

Segen
Orgelnachspiel