Jesaja 29, 17-24 Predigt im Gottesdienst in Kenzingen am 23.8.26 Andreas Hansen

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Jes 42,3 , Wochenspruch für die Woche ab dem 23.8.
Was gerade noch so glimmt, ein Betrieb kurz vor der Pleite, ein Mensch am Ende seiner Kraft, eine völlig zerrüttete Beziehung, das ist für den Knecht Gottes noch lange nicht am Ende. Wie ein geknicktes Rohr, zerbrochen, mutlos, so fühlt sich Israel nach der Zerstörung des Tempels und der Verschleppung vieler ins Exil. Aber Gott lässt ihnen sagen: Fasst neuen Mut, fangt neu an, denn ich bin bei euch.
Wo wir keine Chance mehr sehen und aufgeben wollen, da gibt Gott Hoffnung.

EG 447,1-4+6 Lobet den Herren
Votum
Gruß

Ps 147
Lobet den Herrn!
Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding,
ihn loben ist lieblich und schön.
Der Herr baut Jerusalem auf
und bringt zusammen die Verstreuten Israels.
Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind,
und verbindet ihre Wunden.
Er zählt die Sterne
und nennt sie alle mit Namen.
Unser Herr ist groß und von großer Kraft,
und unermesslich ist seine Weisheit.
Der Herr richtet die Elenden auf
und stößt die Frevler zu Boden.
Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten,
die auf seine Güte hoffen.

Ehr sei dem Vater …

Du heilst die zerbrochenen Herzen und verbindest die
Wunden, du gnädiger und barmherziger Gott.
Sammle und heile, was zerbrochen ist bei mir, bei uns.
Wehre uns, wenn wir resignieren,
wenn wir über einen Menschen denken,
„aus dem wird doch sowieso nichts“,
wenn wir unserem Land und seinen Politikern
nichts Gutes zutrauen,
wenn wir lamentieren über Krisen und Bedrohungen,
aber nichts dagegen unternehmen.
Du bist groß und von großer Kraft.
In deinem Namen und mit dir können wir viel mehr,
können wir Neues schaffen und die Resignation überwinden.
Richte uns auf, wenn Trauer und Angst uns bedrücken.
Auf deine Güte hoffen wir. Erbarme dich über uns.

Kyrie

Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen,
aber meine Gnade soll nicht von dir weichen
und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen,
spricht der Herr, dein Erbarmer.

Ehre sei Gott in der Höhe …

EG 272 Ich lobe meinen Gott

Du, unser Gott, du kannst Menschen heilen
und vollbringen, was wir nicht zu hoffen wagen.
Öffne unsere Ohren, dass wir dein Wort annehmen.
Rühre unsere Zungen an, dass wir einstimmen in das Lob derer, die dich preisen.
Durch unseren Herrn Jesus Christus in der Kraft des
Heiligen Geistes.
Amen

das Evangelium des Sonntags, eine Heilungsgeschichte aus Mk 7:
Jesus verließ die Gegend von Tyrus wieder und ging über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Zehnstädtegebiet. Dort wurde ein Mann zu ihm gebracht, der taub war und kaum reden konnte; man bat Jesus, ihm die Hand aufzulegen. Jesus führte ihn beiseite, weg von der Menge. Er legte seine Finger in die Ohren des Mannes, berührte dann dessen Zunge mit Speichel, blickte zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Mann: »Effatá!« Das bedeutet: Öffne dich! Im selben Augenblick öffneten sich seine Ohren, seine Zunge war gelöst, und er konnte normal reden.
Jesus verbot den Leuten, jemand etwas davon zu sagen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Die Menschen waren vor Staunen ganz außer sich. »Wie gut ist alles, was er getan hat!«, sagten sie. »Er gibt sogar den Tauben das Gehör und den Stummen die Sprache wieder.«

Ich will den Herrn loben allezeit. Halleluja!

EG 383 Herr, du hast mich angerührt

Predigt:
Herr, du hast mich angerührt (EG 383).
Jesus legt seine Finger in die Ohren des Tauben und berührt seine Zunge mit Speichel – so schildert Markus die Heilung – ein wenig eklig kommt es mir vor, aber es wirkt. Alle, die Jesus berührten, wurden gesund, schreibt Markus auch einmal (6,56). Sogar die Berührung seines Gewandsaumes heilt (5,27-31). Sie bringen die Kinder zu ihm, damit er sie anrühre (10,13). Wenn der heilige Gott oder sein Sohn einen Menschen berührt, ist Heilung möglich und noch viel mehr.

Jesaja hat eine Vision vom Thron Gottes (Jes 6) Die Engel jubeln: Heilig, heilig, heilig ist Gott. Jesaja meint: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen. Aber einer der Engel berührt seine Lippen mit einer glühenden Kohle. So wird Jesaja zum Propheten Gottes – wieder so eine Berührung. Jesaja soll predigen und weiß doch: Sie hören nicht auf seine Worte. Das Volk Gottes ist taub oder stellt sich taub. Sie verachten Gott und seine Gebote. Jesaja sieht Unglück kommen, Verwüstung und Unfreiheit. Er schreibt: Wehe denen, die ihre Pläne vor dem Herrn verbergen! Sie handeln im Schutz der Dunkelheit und denken: „Wer sieht uns schon? Wer achtet auf uns?“ (29,15) – wie ein Kind, das sich die Augen zuhält und denkt: „Mama sieht mich nicht.“
„Das Jesajabuch ist von der Überzeugung getragen, dass Gott spricht und sich mitteilt.“ (Andreas Schüle, Das Jesajabuch heute lesen, S. 28) Gott will sein Volk erreichen, berühren, heilen. Obwohl die Menschen nichts von Gott hören wollen und lieber in ihr Unheil rennen, blitzt immer wieder im Jesajabuch Hoffnung auf. Ein solcher Hoffnungsschein ist der heutige Predigttext,
Jesaja 29, 17-24:

Nicht wahr? Es dauert nicht mehr lange,
dann wird das Libanongebirge zu fruchtbarem Land. Das ist so dicht bewachsen wie ein Wald.
Dann können diejenigen, die taub waren, wieder hören und die Worte des Buches verstehen.
Die Blinden können wieder sehen und werden aus Dunkelheit und Finsternis befreit.
Die Erniedrigten haben ihre Freude am Herrn,
die Armen jubeln über den Heiligen Israels.
Denn es ist aus mit den Gewalttätern,
die Schwätzer sind am Ende.
Vernichtet sind alle, die Böses im Sinn hatten.
Niemand verleumdet mehr andere vor Gericht
oder stellt dem eine Falle, der im Tor Urteile fällt.
Keiner bringt den Unschuldigen grundlos um sein Recht.
Darum spricht der Herr, der Abraham befreit hat,
zu den Nachkommen Jakobs:
Jetzt braucht sich kein Israelit mehr zu schämen,
niemand muss mehr blass werden vor Schreck.
Wenn sie die Kinder sehen, die ich ihnen schenke,
werden sie meinen Namen heilig halten.
Sie werden den Heiligen Jakobs heilig halten
und den Gott Israels verehren.
Dann kommen die Verwirrten zur Einsicht,
und die Aufsässigen lassen sich belehren.

Gott hat einen grünen Daumen.
Üppiges Grün sprießt auf Höhen, die entwaldet waren, fruchtbare, blühende Gärten, wo sich die Wüste ausbreitete.
Unvorstellbares ist möglich. Gott ist nah.
Umweltfrevel gab es schon in der Antike:
Die Berge des Libanon waren einst bewaldet. Alles Holz wurde rücksichtslos verbraucht, bis nur noch verkarstete, wüstengleiche Flächen blieben. So kann es nicht bleiben. Gott hat fruchtbares Land geschaffen – so muss es wieder werden, so kann es wieder werden.
Ich bin erschrocken, als ich vor ein paar Tagen in Freiamt sah, wie vertrocknet die Wiesen auch dort oben sind. Überall sieht man die Schäden von Hitze und Trockenheit in den Wäldern. Flüsse und Bäche trocknen aus. Ein Funke genügt und schon brennen große Flächen. Die vielen Meldungen über große Brände sind besorgniserregend.
Wie geht diese Entwicklung weiter?
Jesaja sagt: „Gott ist nah. Gott will und wird seine Schöpfung heilen. Gebt nicht auf! Resigniert nicht! Sagt nicht: „Es hat ja doch keinen Sinn. Wir können nichts tun.“! Geht nicht gleichgültig und achtlos mit der Natur um! Versucht mit allen Mitteln, das Leben zu bewahren und falsches und schädliches Verhalten zu beenden!“

Gott ist auf der Seite der Erniedrigten, der Opfer von Unrecht und Gewalt.
Gott liebt das Recht und die Wahrheit.
Der israelische Polizeiminister meint, man solle täglich 30-40 Palästinenser umbringen, die nicht verdienten zu leben. Ob in Polen zur Zeit der Pis-Regierung, in Ungarn unter Orban, in Erdogans Türkei, in den USA, oder im Wahlprogramm der AFD für Sachsen-Anhalt: Überall wollen Rechtsextreme die Justiz beherrschen und die Medien für ihre Zwecke einschränken. Menschenverachtend grenzen sie diejenigen aus, die anders sind, die ihnen nicht passen. Sie wollen die dunklen Seiten der Geschichte aus dem Bewusstsein verdrängen und alle auf ihren Nationalismus einschwören. Sie schüren Hass und Gewalt und verbreiten Lügen.
Jesaja aber sagt: „Es ist aus mit den Gewalttätern, die Schwätzer sind am Ende. Vernichtet sind alle, die Böses im Sinn hatten. Niemand verleumdet mehr andere vor Gericht oder stellt dem eine Falle, der im Tor Urteile fällt. Keiner bringt den Unschuldigen grundlos um sein Recht.
Gott ist nah. Gott setzt das Recht durch. Gott will und wird den Opfern zu ihrem Recht verhelfen. Gebt nicht auf! Resigniert nicht! Sagt nicht: „Es hat ja doch keinen Sinn. Wir können nichts tun.“! Lasst euch nicht einschüchtern von den Feinden von Freiheit und Demokratie! Wiedersprecht den Lügen! Seid nicht gleichgültig, wenn sie gegen Ausländer hetzen, antisemitisch daherreden, Frauen wieder in alten Rollen drängen wollen, zum Hass gegen queere Menschen aufrufen! Schützt das Recht jedes Menschen!“

Ist das, was Jesaja schreibt, ein Wunschtraum, eine Illusion? Verschließt er die Augen davor, wie die Welt eben ist? Woher nimmt Jesaja die Gewissheit, dass die Welt sich ändern könnte, dass sie sich schon ganz bald wandeln wird? Jesaja antwortet:
„Gott selbst spricht zu uns,
Gott, der Abraham befreit hat,
Gott, der Einzige und der Ewige,
Gott, unser Schöpfer, der Heilige Jakobs.
Ich sehe die Welt, wie sie ist.
Ich mache mir und euch nichts vor.
Ihr macht euch etwas vor, wenn ihr meint,
alles geht einfach immer weiter,
die Zerstörung der Natur geht weiter,
Kriege, Unterdrückung und Unrecht gehen weiter, weil die Welt eben so ist, wie sie ist.
Nein, so kann und wird die Welt nicht bleiben.
Denn Gott selbst spricht uns an und ist uns nah.
Gott selbst berührt uns,
dass wir nicht mehr taub sind für sein Wort,
dass wir seine Worte verstehen.“
Jesajas Gewissheit kommt von Gott.
Gott ist heilig.
Gott hat sein Volk befreit, erlöst.
Was Gott will, geschieht.
Gott hat die Welt erschaffen hat und will sie zurechtbringen.

Wir sind herausgefordert. Wir müssen uns entscheiden, wem wir glauben.
Glauben wir denen, die sagen, „so ist die Welt eben – man kann nichts machen“?
So reden auch die Gewalttäter und Schwätzer – von Gott und seiner Gerechtigkeit wollen sie nichts wissen.
Oder glauben wir Gott und seinem Wort?
Glauben wir, dass Gott seine Welt zum Guten verändert.
Geheiligt werde dein Name – so beten wir mit Jesus und mit allen frommen Juden.
Alle Menschen sollen und alle werden Gott erkennen. Sie werden auf Gott hören. Sie werden verstehen, wie gut Gott es mit seiner Schöpfung und mit den Menschen meint. Jesus redete von der nahen Herrschaft Gottes, vom Himmelreich.
Jesaja meint: „Sie werden den Heiligen Jakobs heilig halten und den Gott Israels verehren.“
Gott will uns berühren.
Gott will heilen und zurechtbringen.
Du bist heilig, du bringst Heil,
bist die Fülle, wir ein Teil
der Geschichte, die du webst,
Gott, wir danken dir, du lebst.

Amen

Neue Lieder 125 Du bist heilig

Du, Gott, kannst uns Schwerhörigen die Ohren öffnen. Lass uns dein Wort hören und dir folgen.
Du kannst uns die Augen öffnen und uns aus unserem Dunkel ins Licht führen. Lass uns die Welt sehen,
wie sie ist und wie sie nach deinem Willen sein soll.
Bewahre uns vor Resignation, Gleichgültigkeit und Selbstgerechtigkeit.
Steh denen bei, die in Angst und Not und Sorge sind.

Wir bitten für alle Menschen, die in Kriegen leben.
An so vielen Orten der Welt bangen Menschen täglich, ob sie am Leben bleiben, ob ihre Angehörigen noch leben, ob sie ein Auskommen und ein Dach über dem Kopf haben. Die Kriege entfalten einen unheilvollen Sog zu mehr und mehr Gewalt. Wir beten zu dir, du, Gott des Friedens und der Gerechtigkeit. In Not und Bedrängnis schütze jedes deiner Menschenkinder!

Mach ein Ende mit den Gewalttätern und den Schwätzern, mit denen, die Wahrheit in Lüge verkehren, mit den Feinden von Menschenrechten und Gerechtigkeit.
Öffne unsere Ohren für dein Wort. Mach uns, mach alle bereit umzukehren, dass wir uns einsetzen für eine gerechte Gesellschaft, in der jeder Mensch sein Recht bekommt und Achtung erfährt.
Bewahre uns davor, dass wir uns zum Hass verleiten lassen.

Hilf, dass wir dich heiligen, Gott, indem wir Frieden und Versöhnung und Gemeinschaft suchen in unserem Kreis, in Familie und Beruf. Tröste unsere Kranken und stärke alle, um die wir uns sorgen.
Wir bitten dich für unsere Gemeinde, für alle, mit denen wir im Glauben verbunden sind, in unserem Koopera-tionsraum und in unserer Kirche, bei unseren katholischen Nachbarn und in unserer Partnergemeinde.
Bewahre uns, Gott.

Vaterunser

Neue Lieder 198 Unser Gott hat uns geschaffen

Segen