(Wir singen vor der Predigt Lied EG 117 Der schöne Ostertag)
Was für ein Jubel: Er ist erstanden, erstanden, erstanden!
Die Welt ist eine andere, seit Jesus auferstanden ist. Die Macht des Todes erscheint ungeheuer, aber das Leben hat gesiegt.
Die Mächtigen der Welt toben sich aus, aber sie sind bloßgestellt, entzaubert, lächerliche Figuren.
Im Namen Gottes protestieren wir gegen den Tod und alle Todesmacht.
Im Namen Gottes entzaubert Jesaja, der Prophet, die Mächtigen seiner Zeit.
Die Weltmacht Babylon hat Israel vernichtet. Der Tempel und die Stadt Jerusalem sind Trümmerhaufen. Ein Teil des Volkes ist nach Babylon verbannt. Das Land sieht vielleicht nicht so schrecklich aus wie die Städte nach den Kriegen unserer Zeit, aber es ist in seinen Grundfesten erschüttert. Was damals geschieht, ist für Israel die größte vorstellbare Katastrophe.
Sie fragen: „Was wird aus uns? Hat Gott uns vergessen? Haben wir uns zu Unrecht auf Gott verlassen?“
Jesaja widerspricht der Verzweiflung, der Resignation vor den Mächtigen und ihrem Geprahle, dem Zweifel an Gott.
Hören wir den Predigttext Jesaja 40,26-31:
Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen,
und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.
Alles hat Gott geschaffen.
Gott schenkt das Leben.
Er gibt die Kraft wieder aufzustehen wie Adler, zu laufen und nicht matt zu werden.
Keinen Schritt können wir tun ohne Gott.
Jesaja zeigt auf den Himmel, die Sterne. „Weißt du wie viel Sternlein stehen?… Gott, der Herr, hat sie gezählet, dass nicht eins von ihnen fehlet.“
In Babylon und Ägypten verehrte man Sonne, Mond und Sterne als Götter, als himmlische Kräfte, die unser Leben lenken, unheimliche, beängstigende Mächte, denen wir hilflos ausgeliefert sind.
Jesaja entzaubert diese Vorstellung.
Auch die Sterne sind Gottes Geschöpfe.
Der Glaube an den einen Gott ist befreiend.
Der riesige, weite Himmel muss euch keine Angst machen. Ihr seid nicht den Kräften des Himmels ausgeliefert. Ihr gehört nicht den Mächten und Gewalten. Ihr gehört allein Gott, eurem Schöpfer.
Denn es ist nur ein Gott. Er hat alles geschaffen. Er zählt die Sterne und hält sie in ihrer Bahn.
Eine enorme Befreiung: Was die Menschen in Angst versetzte, entpuppt sich als Lampen, Lampen, die Gott an den Himmel hängt.
Es ist nur ein Gott, ein Schöpfer. Nichts, was in der Welt ist, kein Geschöpf hat göttliche Macht.
Nicht einmal die Sterne können die Bahn ändern, die Gott ihnen gegeben hat.
Um wie viel kleiner müssen da die Menschen erscheinen, die sich doch so gerne Macht anmaßen und sich selbst vergöttern.
Mir fällt Heinrich Heines Gedicht Belsatzar ein: „Jehowa, dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon.“ Und wenig später ist es aus mit ihm. Eine Botschaft für die großen und kleinen Diktatoren aller Zeiten.
Nur zu gerne reißen wir Menschen Macht an uns und überschreiten unsere Grenzen. Ich verzichte auf Beispiele. Wir sehen sie täglich in den Nachrichten, die sich als Herren der Welt gerieren und von Macht wie betrunken sind.
Auch wir spielen zuweilen mit der Macht und verlieren die Maßstäbe. Davon zeugen die Berichte von Gewalt in Familien, Mobbing in Schulen und Betrieben, digitalem Missbrauch und vielem mehr.
Wie befreiend ist es, wenn der Missbrauch von Macht und wenn die Verbrechen beim Namen genannt werden, wenn die, die sich Macht über andere anmaßen, entzaubert und begrenzt werden – ihre Macht ist endlich.
Auch sie sind nur Menschen.
Gott wird dem Unrecht ein Ende setzen.
Im Gottesdienst finden wir die rechten Maßstäbe, wenn wir Gott loben und nicht Menschen vergöttern oder sie maßlos fürchten.
Wir erkennen unsere Grenzen. Wir entzaubern die Götzen Macht, Erfolg, Leistung, Wachstum um jeden Preis.
Menschen, die Tausende umbringen lassen oder androhen, eine ganze Zivilisation zu vernichten – was für eine wahnsinnige Anmaßung gegen Gott.
Gott rückt unsere Maßstäbe zurecht – darum feiern wir Gottesdienst.
Gott richtet uns auf, damit wir nicht müde werden.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?
Jesaja formuliert derb: Warum sagst du, mein Recht geht meinem Gott am Hintern vorbei? – so oder noch derber müsste man übersetzen.
„Wie es uns geht, ist Gott doch sowas von egal!“
Viele können diese Klage nachvollziehen.
Jesaja meint: Nein, Gott lässt euch nicht aus den Augen, auch wenn ihr ihn jetzt nicht versteht. Er lässt seine Geschöpfe nicht allein. Keinen Schritt, keinen Atemzug können wir tun ohne Gott. Du kannst nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand.
Und Gottes Schöpferhandeln, Gottes Kreativität hört nicht auf. Gott ist die Quelle des Lebens.
Nie Gehörtes, nie Gesehenes kann wahr werden. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.
Freilich besteht die ungeheure Herausforderung Israels damals und vieler Menschen bis heute.
Sie verstehen nicht, warum es ihnen so mies geht. Sie klagen, mein Recht geht meinem Gott am Hintern vorbei.
Es ist noch lange nicht alles gut. Übermächtig erscheinen der Tod und seine Helfer.
Und Gott macht nicht, was er könnte.
Gott räumt nicht einfach beiseite, was uns plagt.
„Die Quelle des Lebens ist unverfügbar. Gott kann sich zurücknehmen, sich entziehen und seinen Geschöpfen Raum und damit Freiheit gewähren.
Dieser Entzug Gottes hinterlässt … schmerzhafte Lücken und Schwächen, die zweifeln lassen.“ (Rainer Stuhlmann, GPM)
Darum beklagt sich Israel damals bei Gott. Sie können nicht verstehen, dass Gott sie in ihrem Elend warten lässt.
Jesaja nennt sie auch Jakob und erinnert an den, der mit Gott gestritten hat.
Für Jesaja ist das nur eine begrenzte Phase.
Nur zeitweise entzieht sich Gott.
Die Wende sieht Jesaja schon kommen.
Aber: Gottes Verstand ist unausforschlich.
Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.
Das könnten wir sein: Menschen, die auf Gott harren, ungeduldig warten, manchmal schwach sind und voller Zweifel.
Harrende sind Menschen voll ungestillter Sehnsucht. Unser Glaube ist nicht fertig.
Wir laufen keineswegs wie Glaubenskraftprotze durch unser Leben. Manchmal schleppen wir uns nur recht müde und matt voran.
Gott, der Schöpfer, die Quelle des Lebens, kann uns aus ihrer, seiner ungebrochenen Kreativität neue Kraft geben, dass wir auffahren mit Flügeln wie Adler, dass wir laufen und nicht matt werden, dass wir wandeln und nicht müde werden.
„Ja Herr, wir danken dir. Gott, wie lobsingen dir.
Heilig, dein Name! Wir beten dich an.“ (EG 629)
Amen