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Pfarrer in Kenzingen seit Mai 2012, vorher als Pfarrer in Waldshut (1997-2012) und Riegel (1990-1997), verheiratet, drei erwachsene Kinder, Jahrgang 1960

Mt 3,13-17 Predigt 11.1.25 Andreas Hansen

Auf dem Weg mit Gott kam das Volk Israel einst an den Jordan. Lange waren sie in der Wüste umhergeirrt. Sie waren fast umgekommen und wurden doch bewahrt. Sie waren Gott untreu geworden, und doch hat Gott ihnen vergeben. Hier, kurz vor dem Schritt in das gelobte Land starb der, der sie geführt hatte: Mose – wie konnte es jetzt weitergehen? Nur im Vertrauen auf Gott und in Treue zu seinem Wort, seinem Gebot.

Unsere gefährliche, konfliktüberladene Weltlage kommt mir auch vor wie ein Wüstenweg, und ich frage mich, wie es weitergehen kann.

In der Gegend am Jordan ist Johannes der Täufer zu finden. In Scharen kommen die Leute zu dem seltsamen Mann aus der Wüste. „Kehrt um!“, ruft er ihnen zu. „Lebt, wie es Gottes Gerechtigkeit entspricht, ändert euer Leben, denn Gottes Reich ist nah!“ Er übt heftig Kritik, aber er weckt auch Hoffnung. Sie lassen sich taufen als Zeichen der Vergebung und des Neuanfangs. Hier setzt unser Predigttext ein, Mt 3,13-17:
Auch Jesus kam aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
Johannes wehrte sich entschieden dagegen: »Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?«
Aber Jesus gab ihm zur Antwort: »Lass es jetzt geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alle Gerechtigkeit erfüllen.«
Da ließ er es geschehen. In dem Augenblick, als Jesus nach seiner Taufe aus dem Wasser stieg, siehe, da öffnete sich über ihm der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und siehe, aus dem Himmel sprach eine Stimme: »Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.« 

Johannes sieht die vielen Leute und Jesus mitten unter ihnen. Es ist eine harte Zeit. Sie leiden unter dem Unrecht und der Unterdrückung der römischen Besatzung und sie sind doch selbst nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Sie leben in Angst und Not und sie gehen doch selbst gleichgültig am Elend anderer vorbei. Sie sehnen sich nach Erlösung und missachten doch Gottes Gebot. „Ändert Euer Leben – oder es ist alles zu spät.“ So droht und drängt Johannes. Aber er tauft hier am Jordan, denn er sieht die Chance für einen Neuanfang mit Gott.
Nur: Warum will Jesus getauft werden?
Der braucht doch keine Vergebung. Der folgt doch ganz und gar Gottes Wort. Johannes kennt Jesus – Jesus war sein Schüler.
Lass es jetzt geschehen! Es ist richtig so,
denn wir sollen alle Gerechtigkeit erfüllen
.
Alle vier Evangelisten erzählen von der Taufe Jesu, aber nur Matthäus begründet sie so: wir sollen alle Gerechtigkeit erfüllen – Jesus sagt wir. Er stellt sich nicht über andere, auch nicht über Johannes. Er steht bewusst und mit Absicht mitten unter den Sündern. Kann man sagen: Jesus ist einer von denen, die Vergebung brauchen? Das wurde entschieden abgelehnt. Aber hier ist Jesus mitten unter den Leuten, bereit zu lernen, bereit auf dem Weg mit Gott zu gehen, bereit die Taufe zur Vergebung der Sünden zu empfangen. Matthäus hat Jesus den Immanuel genannt, den Gott mit uns (Mt 1,18-25) – wir hörten davon an Weihnachten. Dieser Immanuel ist wirklich mit uns. Er sagt wir, und meint es so.
Sein erstes Ziel ist: alle Gerechtigkeit zu erfüllen.
Gerechtigkeit ist kein ausgewogenes Ergebnis von Tarifpartnern, kein Gerichtsurteil und nicht in einer noch so guten Definition wirklich zu erfassen.
Gerechtigkeit geschieht zwischen Menschen und zwischen Gott und Mensch – oder sie wird eben verfehlt und geschieht nicht. Es geht um Treue, Vertrauen, Gemeinschaft.
Bestimmt meint Jesus damit die Thora, Gottes Gebot, und er will kein Iota, kein Strichlein von ihr fallen lassen, er will sie vielmehr zu ihrer vollen Bedeutung gelangen lassen.
Jesus selbst erfüllt die Gerechtigkeit, wenn er gütig und großzügig handelt, wenn er Gebeugte aufrichtet und Gelähmten Kraft gibt, wenn er vergibt und beschenkt und fröhlich macht.
Er nennt sich selbst sanftmütig und von Herzen demütig (Mt 11,28) – wir hätten ihn vielleicht gerne etwas härter. Er will selbst nicht der Erste sein, sondern der Diener aller (Mt 20,27) – wir wollen oft lieber vorne stehen. wir sollen alle Gerechtigkeit erfüllen – das ist sein Ziel und so lebt er.
Wir merken spätestens bei seiner Bergpredigt, wie fremd uns Gerechtigkeit sein kann.

Johannes staunt über Jesus mitten unter den Sündern. Und dann gibt es noch viel mehr zum Staunen: Der Himmel öffnet sich. Gottes Geist kommt zu Jesus, bestätigt ihn, bestärkt ihn und beflügelt ihn. Es folgt eine Liebeserklärung Gottes: mein geliebtes Kind, an dem ich Freude habe.
Heißt das nun: Gott erhöht Jesus?
Jesus ist doch nicht einer von uns?
Er steht zwar mitten unter den Sündern, aber er ist doch völlig anders?
Nein. Gleich danach erzählt Matthäus davon, wie Jesus in der Wüste versucht wird, und noch am Kreuz verspotten ihn seine Gegner: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann steig doch herab vom Kreuz.“ (Mt 27,40) Er ist wirklich der Immanuel, auf unserer Stufe, vertraut mit unserer Not und unserer Schwäche.
Auf unserem Weg mit Gott geht Jesus mit uns.
Er ist in dieser zerrissenen Welt voll Leid, Gewalt und Unrecht. Und er stellt sich bewusst auf die Seite der Opfer. Die sich nach Gerechtigkeit sehnen, nennt er selig und verspricht ihnen Gerechtigkeit (Mt 5,6).
Er ist bei uns, wenn wir voll Sorge fragen, wie es weitergehen soll. Und er sagt, wie Johannes: Kehrt um, ändert euer Leben, denn Gottes Reich ist nah (Mt 4,17).
Jesus verspricht den Getauften Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Mt 28,20). Die Liebeserklärung Gottes gilt auch uns, denn wir sind seine Kinder. Amen

Hebr 13,8+9a Predigt und Gottesdienst zum 31.12.25, Andreas Hansen

Orgelvorspiel
644 Meine Zeit steht in deinen Händen
Votum
Gruß
Nach eigenem Bekunden hat Peter Strauch das Lied „Meine Zeit steht in deinen Händen“ mitten in einem burnout, einer Erschöpfungsdepression, geschrieben.
Ein festes Herz wünschen wir uns, dass wir den Heraus-forderungen der Zeit gerecht werden, Schwieriges klar sehen und damit richtig umgehen, dass wir mutig die Wahrheit sagen, dass wir vertrauen. Gib mir, gib uns ein festes Herz – unsere Bitte für das neue Jahr.

Psalm 121
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe? 
Meine Hilfe kommt vom HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat. 
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht. 
Siehe, der Hüter Israels schläft
noch schlummert nicht. 
Der HERR behütet dich;
der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, 
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts. 
Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele. 
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit! 

Ehr sei dem Vater

Wir danken dir, unser Gott, für dieses Jahr, das nun zu Ende geht. Wir danken dir für schöne Erlebnisse und Begegnungen, für das, was uns geglückt ist, für die Menschen, denen wir in Liebe und Freundschaft verbunden sind. Wir danken dir für den Frieden in unserem Land.
Vieles ist uns gegeben. Hilf uns, es dankbar zu sehen.
Es ist nicht selbstverständlich, dass wir gesund und geborgen sind. Es ist kostbar, dass wir in Freiheit, Demokratie und Frieden leben.
Du, Gott, kennst auch unsere Sorgen und unsere Not.
Hilf uns Entscheidungen zu finden in dem, was unklar und bedrängend ist. Stärke uns für das, was wir tun müssen.
Vergib uns, dass wir so oft nur uns selbst und unsere Wünsche sehen.
Jesus Christus, du sagst uns zu, alle Tage bei uns zu sein. Steh uns auch im neuen Jahr bei.
Dir vertrauen wir uns an. Amen

NL 180 Meine Hoffnung und meine Freude

Lesung Römer 8, 31-39
Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 
Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 
Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. 
Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?
Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 
Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 
Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. 

Halleluja

Credo (Dietrich Bonhoeffer)
Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer
nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

65 Von guten Mächten

„gib mir ein festes Herz!“
– erschöpft von mühsamen Zeiten,
von Kräften, die den Mut nehmen und alle Anstrengung sinnlos erscheinen lassen,
wund von feindseligen Gegnern,
die immer mächtiger werden.
„gib mir ein festes Herz!“ – wir können gut nachvollziehen, was einen angegriffenen Menschen bewegt, und das Lied mitsingen.
Wir bitten selbst um ein festes Herz,
bitten für uns persönlich und für uns alle in dieser Zeit. Peter Strauch vertont Psalm 31 – auch dort ist die Beterin oder der Beter zutiefst angegriffen und bekennt doch:
meine Zeit steht in deinen Händen, oder wörtlicher in deiner Hand sind meine Zeiten, also gute wie schwere Zeiten in Gottes Hand.
„gib mir, gib uns ein festes Herz!“ – das ist unsere Bitte an diesem Abend. Was uns verunsichert und angreift, die vielfältigen Herausforderungen fühlen sich für manche überwältigend an.
Der Predigttext, zwei Verse am Ende des Hebräerbriefes, bietet uns eine Antwort an:
Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancher-lei und fremde Lehre umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade. (Hebr 13,8+9a Luther)
Und noch einmal in der Basisbibelübersetzung:
Jesus Christus ist derselbe – gestern und heute und für immer. Lasst euch nicht irreführen durch vielfältige fremde Lehren. Denn es ist gut, dass euer Herz durch Gottes Gnade gefestigt wird.

Das Herz wird gefestigt – passiv, es widerfährt einem Menschen oder uns. Es geschieht von Gott her, durch Gottes Gnade. Paulus sagt dazu: Gott gibt uns seinen Heiligen Geist ins Herz (2.Kor 1,22).

Ein Mensch strahlt trotz schwerer Krankheit Lebensfreude und Zuversicht aus. Er kann alles Schöne umso intensiver und dankbarer genießen und schenkt uns durch seine Haltung Trost und Hoffnung – es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde.
Viele lassen sich durch den wachsenden Rechtsextremismus nicht entmutigen, sondern sie tun sich zusammen, informieren andere, organisieren Versammlungen, wie bei uns im Februar gesche-hen, und stärken die Demokratie – es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde.
Wir erleben Gemeinschaft. Sie ist gewachsen in unserem Kirchengemeinderat, im Posaunenchor,
in der Kantorei und in der Kinder-Kirche – es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde.
Ich bewundere die Menschen in der Ukraine, die auch nach fast vier Jahren Krieg mit allen Opfern und Einschränkungen nicht resignieren und um ihre Freiheit kämpfen – es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde.
Denken Sie an Ereignisse in diesem Jahr, die Ihr Herz gefestigt haben, die Glauben, Hoffnung und Liebe geweckt haben, die Sie mit Dank erfüllen!
Vielleicht war es, wie Bonhoeffer schrieb, dass Gott aus Bösem Gutes entstehen ließ. Gott lässt uns durch seinen Geist klarer sehen, Schönes entdecken, staunen, glauben. Das geschieht nicht ständig aber immer wieder.

Lassen wir uns auch im nächsten Jahr nicht umtreiben und irreführen durch mancherlei und fremde Lehre! Das haben wir gar nicht nötig.
Was uns umtreiben oder irreführen will, kann vieles bedeuten – ich verstehe es so, wie wenn in den Psalmen von Feinden die Rede ist, die die Beterin angreifen und ihm oder ihr nachstellen.
Aber weder die Lügen der Mächtigen, noch ihre Drohungen und Hassbotschaften können uns wirklich aus der Bahn werfen.
Weder Streit noch Misserfolg, weder Schmerz noch Trauer, keine Macht der Welt kann uns von der Liebe Gottes trennen.
Das alles greift uns sehr wohl an und macht uns zu schaffen, sowohl die bösen und zerstörerischen Kräfte in der Welt, als auch das Leid und Unglück, das uns persönlich trifft.
Manches davon wird wohl geschehen und mehr oder weniger schlimm sein. Aber es ist gut und heilsam, es ist ein köstlich Ding, wenn Gott unser Herz fest macht und wir Gottes Liebe glauben können.
Gottes Liebe gilt, selbst dann, wenn wir den Angriffen nichts entgegensetzen können, wenn unser Herz nicht fest ist, sondern nur verzagt, wenn wir nicht tapfer glauben, sondern nur zweifeln, wenn wir am Ende sind.
Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, aber nicht jedem Menschen ist das gegeben.
Darum ist die angemessene Haltung für uns zu bitten: „Gib mir ein festes Herz!“,
und die Betonung ist wichtig, dass durch Gottes Gnade und nur durch Gottes Gnade unsere Herzen gefestigt werden.

Zum Schluss der Satz, der wie eine Formel klingt: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Das bedeutet nicht, dass Jesus für immer erstarrt ist wie ein Insekt im Bernstein.
Im Gegenteil: Jesus macht die Bewegungen unseres Lebens mit. Jesus Christus ist treu, gestern, heute und für immer. Jesus bleibt sich treu und er bleibt uns treu in allem, was sich in diesem Jahr geändert hat und im nächsten ändern wird. Gott bleibt uns zugewandt.
Christus wird auch in Ewigkeit, am Ziel aller Wege bei uns sein. So können wir getrost in das neue Jahr gehen. Amen
64, 1-3+6 Der du die Zeit in Händen hast (alternative Melodie 363)

Abendmahl

Gestärkt durch deine Gaben gehen wir in das neue Jahr.
Wir danken dir und preisen dich, du, unser Gott
in Christus, unserem Bruder und Herrn.
Wir danken dir für die 14 Kinder und Erwachsenen,
die im Jahr 2025 getauft wurden. Sei bei ihnen mit deinem Heiligen Geist – stärke ihren Glauben.
Wir danken für die 20 Konfirmandinnen und Konfirmanden, die gesegnet wurden und die 10 Jugendlichen, die sich gerade auf die Konfirmation vorbereiten – behüte sie und lass Glauben und Vertrauen wachsen.
Von 26 Menschen mussten wir Abschied nehmen – tröste und stärke die Trauernden.
Wir bitten dich für unsere Gemeinde, für alle rund 2200 Glieder unserer Gemeinde und für ihre Angehörigen,
für unsere Partner im Kooperationsraum, für die katholischen Geschwister und die Freunde in unserer Partnergemeinde Sundhouse – baue deine Kirche,
sei bei ihr in dieser Zeit großer Umbrüche.
Wir bitten dich für unsere Stadt und für unser Land –
hilf uns Frieden, Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit, zu schaffen und zu bewahren.
Wir bitten um Frieden für alle Menschen.
Segne und behüte uns alle. Amen

NL 158 Ich sage Ja

Abkündigungen:

321 Nun danket alle Gott
Segen
Orgelnachspiel

Jes 9,1-6 Predigt 28.12.25 Andreas Hansen

Vor der Predigt singen wir EG 37,1-4 Ich steh an deiner Krippen

Auf einmal stehen die Hirten im Licht. Licht umstrahlt sie, als der Engel zu ihnen kommt.
Sie erschrecken tief vor dem Lichtglanz Gottes.
Wo es finster war, ist auf einmal Licht, wie am Anfang aller Zeit.
Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne. In dem Kind in der Krippe leuchtet uns Gottes Liebe entgegen. O Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. Können wir uns darauf einlassen?
Düster sieht die Welt für viele aus, übermächtig und bedrängend sind die Probleme. Ist es wahr, was wir an Weihnachten feiern?
Jesaja schreibt über seine Zeit: Vor lauter Wut über den Hunger verfluchen sie ihren König und ihren Gott. Da ist nichts als Not, Finsternis und bedrückende Dunkelheit. (Jes 8,22f) Und dann folgt die Verheißung, die wir heute hören: (Jes 9.1-6)
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held,
Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.

Ist es wahr? Kann das sein: Gott hier bei uns?
Das ist doch unfassbar.
Viele zweifeln und glauben nicht.
Damals bei Jesaja starren sie auf ihre düstere Gegenwart.
700 Jahre später sehnen sie sich wohl nach einem Messias, von Gott gesandt, aber ist das nicht doch nur ein schöner Traum? Der Mann aus Nazareth hat viele begeistert, aber die Römer haben kurzen Prozess mit ihm gemacht.
Und heute?: Machen wir Christen uns eine heile Welt vor? „Schaut doch, wie die Welt ist!“ Viele halten Weihnachten für eine schöne Geschichte ohne realen Hintergrund. Ja, Gott ist unfassbar, viel zu groß für unser Denken und Verstehen.
Das weiß Jesaja. Und doch vertraut er: Gott wird seinem Volk Licht schenken. Gott, der das Licht schuf, kann uns aus der Dunkelheit herausreißen.
Der Evangelist Lukas erzählt, er bringt in eine Geschichte, was er von Jesus glaubt.
Auf einmal stehen die Hirten im Licht Gottes. Sie verstehen nicht – wie könnten sie auch? – sie sind erschüttert und dann außer sich vor Freude: Euch ist heute der Heiland geboren!
Gott kommt zu uns – wir sind eingeladen, das zu glauben.
Gott ist hier. Gott lässt sich ein auf die Welt mit allem Düsteren, das Menschen plagt.
Lassen wir die Glaubensgeschichte des Lukas und die Verheißung Jesajas zu uns sprechen!

Ein Kind, ein Neugeborenes, so hilflos und schutzbedürftig, so zerbrechlich, das kleine Wesen. Und das soll Gottes Sohn sein?
Gott, der Ewige, so winzig und schon jetzt ein Opfer der Mächtigen seiner Zeit?
Ja, sagt Lukas, genau das entspricht ihm, ihm, der am Kreuz sterben wird. So lässt er sich ein auf uns.
In dem Kind in der Krippe kommt Gottes Sohn. Alle Engel brechen darüber in Jubel aus.
Uns ist ein Kind geboren, jubelt Jesaja.
In der düsteren Zeit sieht er schon den Retter auf Davids Thron. Königsnamen gibt er ihm.
Wunder-Rat oder „Wunderplaner“: Trotz allem, was die Welt verdüstert, hat Gott Gedanken des Friedens und nicht des Leides über uns (Jer 29,11), gibt er Zukunft und Hoffnung.
Karl Barth sagte 1958 in einer Predigt: Die Weihnacht ist ja nicht der Geburtstag eines Menschen, der vor langer Zeit gelebt hätte, dann gestorben und dahingegangen wäre und dem man dann wohl alle hundert Jahre ein Jubiläum bereiten würde. Ja, der hat freilich einmal gelebt und ist gestorben – und wie! – aber der ist auch auferstanden von den Toten, der lebt und regiert und redet und ist in dieser Stunde hier in unserer Mitte, einem Jeden von uns viel näher als er es sich selber ist.
Wunder-Rat heißt: die Herren der Welt gehen, aber Gott regiert, Christus regiert.
Gott-Held, besser starker Gott: der starke Gott in einem schwachen Baby.
Ewig-Vater verweist auf Gottes Treue. Friede-Fürst: das Joch der Unterdrückung und der Schlagstock werden zerbrochen, Zeichen des Krieges, dröhnende Stiefel und blutverschmierte Mäntel werden verbrannt.
Gott kann und will uns aus aller Dunkelheit reißen. Gott kommt zu uns in dem Kind von Bethlehem. Zukunft und Hoffnung schenkt er.
Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden. (EG 37,2)
Der Heiland ist geboren für uns.
Wir sind eingeladen ihm zu vertrauen.
Amen

Mt 1,18-25 Predigt zum Christfest, Andreas Hansen

Predigttext Mt 1,18-25
Zur Geburt von Jesus Christus kam es so:
Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt.
Sie hatten noch nicht miteinander geschlafen.
Da stellte sich heraus, dass Maria schwanger war –
aus dem Heiligen Geist.
Ihr Mann Josef lebte nach Gottes Willen, aber er wollte Maria nicht bloßstellen. Deshalb wollte er sich von ihr trennen, ohne Aufsehen zu erregen. Dazu war er entschlossen. Doch im Traum erschien ihm ein Engel des Herrn und sagte: »Josef, du Nachkomme Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen. Denn das Kind, das sie erwartet, ist aus dem Heiligen Geist.
Sie wird einen Sohn zur Welt bringen. Dem sollst du den Namen Jesus geben. Denn er wird sein Volk retten:
Er befreit es von aller Schuld.«
Das alles geschah, damit in Erfüllung ging, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: »Ihr werdet sehen:
Die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Dem werden sie den Namen Immanuel geben«, das heißt: Gott ist mit uns.
Josef wachte auf und tat, was ihm der Engel des Herrn befohlen hatte: Er nahm seine Frau zu sich. Aber er schlief nicht mit Maria, bis sie ihren Sohn zur Welt brachte. Und er gab ihm den Namen Jesus.

„Und was ist mit Josef?!“, bricht es aus Matthäus heraus. „Du erzählst wunderbar, Lukas, aber über zwei Kapitel schreibst du nur, was Maria denkt und macht. Was ist mit Josef? Ohne ihn geht es nicht.“ „Hihi, es ging ja ohne ihn,“ lacht Markus. „aber ich beschränke mich lieber auf die Zeit, als Jesus gepredigt hat und sage gleich am Anfang, dass er Gottes Sohn war.“ „So einfach nur ein Stichwort genügt mir nicht. Ich will so erzählen, dass die Leute verstehen, wie Gott erfüllt, was er gesagt hat, wie Gottes Wort weitergeht. Und nicht nur Maria muss das Wunderbare glauben, auch Josef.“ „Ja, das ist es: Das Wort Gottes wird Fleisch, ein Mensch, aber die Menschen nehmen es nicht auf. Ich beginne mit einem Gedicht.“ „Das versteht doch keiner, Johannes.“, brummt Lukas. „Matthäus, du hast Recht. Bei allen muss es ankommen, alle sollen glauben. Aber schreib du ruhig aus Josefs Sicht.“
Eine Konferenz der vier Evangelisten gab es bestimmt nicht, aber sie erzählen jeder auf seine Weise vom Wunder, dass Gott in dem Menschen Jesus zu uns kommt.

Was ist mit Josef? Er schaut seine Verlobte an und sieht ihr an, was los ist. Ein Blick, und sie versteht, was er entdeckt hat. Zutiefst verletzt wendet sich Josef ab. Kein Wort. Er muss allein sein. „Warum, Maria? Warum ein anderer? Wie kannst du mir das antun!“ Josef ist traurig. Seine Maria! Und bald wollten sie heiraten. Er beschließt sie zu verlassen. Er könnte sie anklagen – das Gesetz gäbe ihm das Recht – aber das will er nicht. Sollen die Leute denken, was sie wollen. Um seine Ehre geht es ihm nicht.
Dann träumt Josef – und als er aufwacht, ist alles anders.
Kann man einem Traum glauben? Ihm fällt Jakobs Sohn ein, der wie er Josef hieß, und dem Gott Träume schenkte, damit er seine Familie und viele andere gerettet hat.
Ja, manchmal schickt Gott Träume. Aber ein Kind aus dem Heiligen Geist – wie soll das gehen?
Immerhin kannte der Engel im Traum die Bibel.
Eine Jungfrau wird schwanger. Ja, so kann man Jesaja lesen – vielleicht ist aber nur eine junge Frau gemeint.
Josef fragt sich: Was will Gott, dass ich mache? Hat er mir wirklich diesen Traum geschickt?
Erwartet Maria ein Kind und hat mich doch nicht betrogen? Kann das sein?
Und was ist, wenn mein erster Gedanke stimmt und sie mich betrogen hat: Will ich sie verlassen?
Dann geht er zu Maria.
Er nimmt sie in den Arm.
Er sagt: „Unser Sohn soll Jesus heißen.“
In ihm ist es hell und leicht: „Immanuel – Gott ist mit uns. Ja, was auch sein wird: Gott ist mit uns.“

Maria bewegt die Worte in ihrem Herzen, die ihr von diesem Kind gesagt werden – und das macht auch Josef.
Maria lässt sich ein auf Gottes Wort, mir geschehe, wie du gesagt hast – und das macht auch Josef.
Josef wird oft belächelt und meist als alter Mann dargestellt. Aber Josef steht keineswegs wie ein alter Depp neben der Krippe und neben Maria. Josef entscheidet sich für Maria und für den Weg, den der Engel im Traum ihm gezeigt hat.
Gott ist mit Josef.
Er wird wieder träumen, wie der Sohn Jakobs.
Er wird mit Gottes Hilfe seine Familie und viele andere retten.
Gott hat sich Josef anvertraut. Jesus wird sein Kind und er sein Vater. Das ist Glauben: Annehmen, dass Gott in unser Leben kommt, Sich-Einlassen auf das Wunder.
Josef und Maria sind die ersten, die glauben, was wir bekennen: „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“.
Die Jungfrauengeburt kann missverstanden werden. Sie wurde gründlich missverstanden.
Sie bedeutet nicht, dass Jesus ein Übermensch oder ein Halbgott wäre. Jesus ist ein Mensch wie wir.
Jungfrauengeburt heißt auch nicht, dass Sexualität etwas Schlechtes ist und dass Jungfräulichkeit irgendwie „heilig“ ist. Dieses Missverständnis hat verheerend gewirkt. Es entspricht nicht dem, was in der Bibel steht.
Ob wir nun die Jungfrauengeburt wörtlich nehmen, oder ob wir sie als metaphorische Ausdruck verstehen: Gott allein entscheidet, in Jesus zu uns zu kommen. Gott ist in diesem Menschen Jesus der „Immanuel“ – Gott ist mit uns, Gott ist bei uns.
Jesus ist der ganz und gar menschliche Sohn seiner Mutter Maria. Aber dass in Jesus Gott zur Welt kommt, geschieht ausschließlich durch Gott.
Ohne dieses Geheimnis ist christlicher Glaube nicht vorstellbar.

Ich möchte mich neben Josef stellen
und von ihm lernen.
Ich möchte Gott in meinem Leben annehmen.
Jesus ist der „Immanuel“ – Gott ist bei uns.
Ich weiß nicht, was sein wird. Vieles macht mir Angst. Aber Gott ist bei mir, Gott ist bei uns.
Wie lange werde ich gesund sein? Gott ist bei mir.
Was wird aus unserem Land, aus Europa, aus Freiheit und Demokratie? Gott ist bei uns.
Gott ist Antwort und Ziel.
Gott ist Liebe und Geborgenheit.
Gott ist auch Aufgabe und Forderung:
ihm zu antworten, für ihn da zu sein, für den Mitmenschen, für die Schöpfung da zu sein.
Ich möchte mich neben Josef stellen und glauben. Amen

Predigt über 2.Kor 1,18-22 am 21.12.25 Andreas Hansen

Lesung vorher: Lk 1,26-45 und gemeinsam das Loblied der Maria Lk 1,46-55

Alles in mir jubelt vor Freude, ruft Maria.
Das Kind in Elisabeths Leib hüpft vor Freude.
Gott kommt zu uns – was für eine Freude.
Freude über Christus will Paulus seinen Gemeinden vor allem bringen (2.Kor 1,24).
Aber das geht manchmal gehörig schief –
so wie mancher Familienstreit ausgerechnet an Weihnachten eskaliert. Wir kennen das.
Es gibt Streit in Korinth. Paulus hatte einen Besuch versprochen und konnte dann doch nicht. Die Korinther dachten, er hat uns versetzt, er hält sein Wort nicht – er konnte ja nicht mal eben per Handy Bescheid geben. Man sollte meinen, das ist kein Grund zu streiten, aber es ist wohl der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das Verhältnis zwischen Paulus und den Korinthern ist zerrüttet. Dabei ist es Paulus so wichtig, dass sie ihm vertrauen und noch mehr: dass sie Gott vertrauen. Ich lese 2.Kor 1,18-22 – Paulus schreibt:
Bei der Treue Gottes: Keines unserer Worte an euch bedeutet gleichzeitig Ja und Nein.
Wir – das heißt: ich, Silvanus und Timotheus –
haben bei euch Gottes Sohn, Jesus Christus, verkündet. Und von dem gilt: Er war nicht Ja und Nein zugleich, sondern er ist das Ja in Person.
Durch ihn sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat. Auf ihn berufen wir uns,
wenn wir zu Gottes Ehre »Amen« sagen.
Gott selbst ist es, der uns gemeinsam mit euch
im Glauben an Christus festigt.
Er hat uns gesalbt und uns sein Siegel aufgedrückt und hat uns den Heiligen Geist als Vorschuss ins Herz gegeben.

Ein Ja ist ein Ja. Es gilt. Wir verlassen uns darauf.
Aber ach: unser Ja ist eben nicht immer eindeutig.
Wir werden schwach, wir missverstehen, wir irren uns, wir sind selbst nicht mehr so überzeugt und im schlimmsten Fall: wir lügen und täuschen.
Zweie haben Ja zueinander gesagt. Ein Leben lang sollte es halten. Und dann sind sie doch enttäuscht voneinander, tun einander weh, werden sich fremd – fast ein Drittel der Paare nehmen ihr Ja zurück und lassen sich scheiden.
Jemand beginnt mit Begeisterung seinen Beruf, hat Erfolg, kommt voran, aber dann wird der Druck immer höher, er muss Misserfolge und Flauten einstecken, er ist erschöpft und fragt sich: Habe ich doch die falsche Stelle oder den falschen Beruf?
Ein Konfirmand sagt bei der Konfirmation ja zum Glauben, aber dann geraten Glaube und Gott aus dem Blick.
Wir fragen uns ganz oft, ob wir einer Zusage, einem Versprechen, einem Ja vertrauen können:
Versprechen der Werbung, Worte vor Gericht, Wahlkampfversprechen und Koalitionsvereinbarungen, die vielen Infos in den sogenannten sozialen Medien, internationale Verträge. So furchtbar oft ist ein Ja nicht ein Ja, ein Versprechen nichts wert, eine Zusage eine Lüge. Seitdem auch in den Kirchen Fälle von sexualisierter Gewalt bekannt wurden, haben auch hier viele Menschen das Vertrauen verloren. Können wir überhaupt jemandem trauen?
Wenn wir ehrlich sind mit uns selbst: Ist unser Ja immer hundertprozentig? Wie oft enttäuschen wir jemand anderes? Und wie oft trauen wir uns selbst nicht über den Weg? Paulus schreibt: Keines unserer Worte an euch bedeutet gleichzeitig Ja und Nein. Paulus ringt um das Vertrauen der Christen in Korinth.
Ein Ja ist ein Ja – es gibt ein Ja, auf das können wir uns absolut und unbedingt verlassen. Gott sagt Ja zu uns. Jesus Christus ist das Ja in Person.
Ich möchte einmal den großen Karl Barth zitieren. Er schreibt über das Ja Gottes zu uns, zu seinem Geschöpf: Indem er (Gott) Ja sagt zu ihm (seinem Geschöpf), ist Ja zu ihm gesagt: ohne Wenn und Aber, ohne Hintergedanken und Vorbehalt, nicht vorläufig, sondern abschließend, nicht in halber, sondern in ganzer, nicht in zeitlicher, sondern in ewiger Treue. Die Frage, ob dieses Ja gelten oder nicht gelten könnte, die Sorge, wie man sich dieses Ja allenfalls verschaffen oder erhalten könnte, die Verzweiflung angesichts der immer wieder sichtbar werdenden völligen Unmöglichkeit, von sich aus diesem Ja zu leben – das Alles liegt, indem Gottes Wahl (sein Ja) sich ereignet hat, nicht mehr vor, sondern (…) nur noch hinter seinem Geschöpf. Es ist bejaht, es hat gar kein anderes Leben mehr als das Leben aus dem Ja, so gewiss Gott Gott ist. (Karl Barth, Kirchliche Dogmatik, II,2, S.32f)
Gottes Ja zu uns gilt unbedingt.
Das können wir sehen an Jesus Christus.
Gott setzt sich selbst für uns ein. Gott verspricht sein Ja, trotz all unseres Nein. Durch Jesus Christus sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat. Auf ihn berufen wir uns, wenn wir zu Gottes Ehre »Amen« sagen.
„Amen“ kommt aus dem Hebräischen: Ämunah heißt Treue, das Verb aman vertrauen, glauben.
„Amen“ – wir vertrauen auf Gottes Ja in Christus.
Und wir erfahren es auch in uns selbst.
Gott hat uns den Heiligen Geist als Vorschuss ins Herz gegeben. Der Heilige Geist ist nicht wolkig und unklar. Ganz im Gegenteil: er wirkt konkret in unserem Leben. Wir sind so unzuverlässig, schwach, selbstsüchtig, und doch wirkt Gottes Geist in uns:
Zwei haben Ja zueinander gesagt, sie haben es schwer, enttäuschen einander und halten das Ja dann doch durch, nicht aus Feigheit oder Bequem-lichkeit, sondern in Freiheit und trotz aller Mühe.
Da erfüllt eine oder eine ihren oder seinen Beruf und setzt sich ganz ein: Wie schön, wenn wir Lehrerinnen und Lehrer erleben, die ihre Sache mit Herzblut machen – wie viel haben sie uns mitgegeben. Oder in jedem Beruf, an jedem Platz: als engagierte Handwerkerin, Arzthelferin, Künstler, Kaufmann, Ingenieurin – wir spüren, wie ernst jemand seinen Beruf nimmt und Gutes schafft.
Der Geist schenkt uns Kraft, unser Ja durchzuhalten, Phantasie und Mut für neue Schritte, Glauben trotz allem Zweifel. Der Geist wirkt in aller Unvollkommenheit und Fragwürdigkeit, die uns eigen ist.
Wir enttäuschen einander. Unser Ja ist zweifelhaft. Mit unseren Versprechen und mit unserer Treue ist es nicht weit her.
Und doch schenkt uns Gott durch seinen Geist, dass wir über uns selbst hinauswachsen.
In unsere Herzen gibt Gott seinen Geist.
In unseren Händen, in unseren Worten, unserem Tun, Verstehen und Vertrauen wirkt Gottes Geist.
Ein Vorschuss ist dieses geschenkte Gelingen, die glücklichen Momente, in denen wir in unserem Leben, in dieser Welt schon spüren, wie wunderbar das große, göttliche Ja ist.
Gott ist so heilig und groß. Und Gott sagt Ja zu uns in dem kleinen Kind, dessen Geburt wir feiern.
Amen

Predigt Römer 13,8-12 Andreas Hansen

Unser Predigttext für diesen 1. Advent steht im Römerbrief von Paulus in Kapitel 13:
Bleibt niemandem etwas schuldig, außer einander zu lieben! Denn wer seinen Mitmenschen liebt, hat das Gesetz schon erfüllt. Dort steht: »Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht begehren!« Diese und all die anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst »Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!«
Wer liebt, tut seinem Mitmenschen nichts Böses an. Darum wird durch die Liebe das ganze Gesetz erfüllt.
Ihr wisst doch, dass jetzt die Stunde schlägt!
Es ist höchste Zeit für euch, aus dem Schlaf aufzuwachen. Denn unsere Rettung ist näher als damals, als wir zum Glauben kamen.
Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht schon an.
Lasst uns alles ablegen, was die Finsternis mit sich bringt. Lasst uns stattdessen die Waffen anlegen, die das Licht uns verleiht.

Wir stehen vor riesengroßen Herausforderungen.
Wo wir auch hinsehen, ist die Lage unklar und die Probleme groß. Gerade ist die Weltklimakonferenz gescheitert. Die USA legen einen Plan vor, der die Ukraine zur Kapitulation zwingen und ganz Europa bedrohen würde. In unserem Land ist wie in vielen anderen Ländern die Demokratie in Gefahr. Demokratische Parteien zerlegen sich selbst zur Freude der Feinde der Demokratie. Soziale Systeme drohen zu scheitern. Eine Menge an Baustellen, nicht wahr? Auch die Kirche ist eine Baustelle – vieles muss sich verändern.
Ich empfinde den Druck, den so viele Probleme erzeugen. Ich mache mir Sorgen und finde die vielen Baustellen furchtbar ermüdend. Geht es Ihnen ähnlich? Dazu kommen noch unsere ganz persönlichen Probleme, ob wir nun 14 sind oder 50 oder 75 – jeder und jede hat noch das eigene Päckchen und viele meinen: Das reicht mir schon und ich höre lieber gar keine Nachrichten mehr.

Vor großen Herausforderungen sehen sich damals auch die Christen in Rom. Was Paulus in diesen Versen schreibt, rührt an zwei Fragen: Was sollen wir tun? Und was dürfen wir hoffen?
Auf die erste Frage – was sollen wir tun? – gibt Paulus eine Antwort, die zuerst einfach oder zu einfach erscheint: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst! So wie Jesus konzentriert Paulus die Fülle der biblischen Gebote auf dieses Zentrum: Liebe deinen Nächsten – das finden wir im sog. Alten Testament und das ist für alle Juden zentral. Nebenbei sagt Paulus: Zwischen jüdischem Gebotsverständnis und dem Ethos Christi besteht kein Gegensatz. Alle Gebote lassen sich in dem einen fassen. Paulus zählt einige der Zehn Gebote auf. Dann schließt er: Wer liebt, tut seinem Mitmenschen nichts Böses an. Und auf einmal wird das naive und zu großartig klingende Wort „Liebe“ sehr konkret. Wer liebt, lebt nicht auf Kosten kommender Generationen oder auf Kosten der Armen in der Welt – da geht es z.B. um unseren Verbrauch von Ressourcen, oder darum, wo und was wir kaufen, wem unser Preisvorteil schadet, aber auch um Generationengerechtigkeit in der Rentenfrage.
Wer liebt, rechnet damit, dass das eigene Verhalten anderen schaden kann, dass wir alle verletzlich sind und aufeinander achten müssen.
Natürlich machen wir es uns gerne einfach und zeigen auf andere, die doch viel mehr Schuld an der Misere haben. Paulus rät dazu, dass jede und jeder bei sich beginnt, die Möglichkeit erwägt, dass sein Handeln Böses bewirken kann und das nach Kräften vermeidet. Wir schätzen uns selbst realistisch ein. Was wir tun, kann für andere böse sein oder Gottes Schöpfung schaden.
Wer liebt, tut seinem Mitmenschen nichts Böses an. Kein einfaches Gebot, aber in Zeiten großer Herausforderungen umso nötiger.

Und was dürfen wir hoffen? Was dürfen wir hoffen, wenn die Mächtigen immer hemmungsloser Unrecht tun, wenn so viele Probleme uns ratlos und müde machen und das eigene Päckchen uns schon schwer genug drückt? Paulus meint:
Ihr wisst doch, dass jetzt die Stunde schlägt!
Es ist höchste Zeit für euch, aus dem Schlaf aufzuwachen. Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht schon an.

Die Nacht ist am schwersten zu ertragen, bevor das erste Licht sich zeigt. Aber Paulus ist voll Zuversicht: Die Nacht geht zu Ende – Gott ist uns nah mit seinem Licht.
Jesus sagte: Gottes Reich ist nahe – kehrt um!
Wir feiern im Advent, dass der Tag kommt.
Wir zünden kleine Lichtlein an und hoffen, dass Gott ein großes Licht in die Welt bringt, ein Licht, das alle und alles erhellt, ein himmlischer Glanz wie bei den Hirten auf dem Feld.
Die Nacht geht zu Ende – wir dürfen hoffen, dass Gottes Tag anbricht. Hoffen ist nicht ein schönes Gefühl oder gar eine Flucht aus der Wirklichkeit. Im Gegenteil: die Hoffnung stellt sich den Herausforderungen der Nacht. Lasst uns alles ablegen,
was die Finsternis mit sich bringt. Lasst uns stattdessen die Waffen anlegen, die das Licht uns verleiht.

Waffen des Lichts? Vielleicht finden Sie und findet Ihr das anstößig, so ein militärisches Bild. Mir fällt der Song „Krieger des Lichts“ der Gruppe Silbermond ein mit dem Refrain: Lasst uns aufstehn Macht euch auf den Weg An alle Krieger des Lichts An alle Krieger des Lichts
Wo seid Ihr Ihr seid gebraucht hier

Kennt Ihr das Lied? – es ist etwa so alt wie Ihr Konfis.
Wir sind gebraucht als Kriegerinnen und Krieger des Lichts. Wir sind gebraucht als Menschen, die sich einsetzen, die nicht die Hände in den Schoß legen. Wir warten nicht nur auf bessere Zeiten, wir tun schon jetzt etwas, damit die Welt heller wird.
„Krieger des Lichts“ würden wir uns selbst wohl nicht nennen. Aber das können wir sein. Z.B wenn Ihr Euch zum Kirchengemeinderat wählen lasst und die Gemeinde leitet, damit Menschen von Gott hören und Gottesdienste feiern können und Gemeinschaft erleben.
Wir alle können „Krieger des Lichts“ sein, die Waffen des Lichts anlegen – Glaube und Liebe und Hoffnung – und trotz aller Herausforderung zuversichtlich dem Tag entgegen gehen.
Im Norden Grönlands ist es seit Ende Oktober finster. Vier Monate lang sieht man die Sonne nicht. Wenn es wieder soweit ist, Ende Februar, begrüßen die Inuit die ersten Sonnenstrahlen mit lautem Jubel. Was für ein Fest ist das Licht der ersten noch kurzen Tage! „Steht auf! Das dürft ihr nicht verpassen!“ Ich sehne mich schon nach wenigen düsteren kalten Tagen nach Licht.
Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht schon an.
Wunderbar! Amen

Predigt über Ex 13,20-22 zum 31.12.24 Andreas Hansen

Große Herausforderungen hat das Jahr uns gebracht. Viele sind erschöpft von der Masse an schlechten Nachrichten und ungelösten Fragen.
Wohin wir auch schauen auf die Politik, die Wirt-schaft, die wachsenden Folgen des Klimawandels – überall müssten wir vorankommen, die Dinge zum Besseren wenden und zusammenhalten. Noch dazu drücken jede und jeder seine persönlichen Sorgen. Wie gehen wir weiter?
Der Predigttext lenkt unseren Blick auf das Volk Gottes am Rand der Wüste: (Ex 13,20-22)

Von Sukkot brachen die Israeliten auf und lagerten sich in Etam am Rand der Wüste.
Der Herr ging ihnen voran.
Tagsüber ging er in einer Wolkensäule voran,
um ihnen den Weg zu zeigen – nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten.
So konnten sie Tag und Nacht gehen.
Jeden Tag führte eine Wolkensäule das Volk,
und jede Nacht führte es eine Feuersäule.

Sie müssen durch die Wüste hindurch, so wie wir unseren Problemen nicht ausweichen können.
Es wird kein leichter Weg, dem Klimawandel angemessen zu begegnen, den Krieg zu beenden und wieder aufzubauen, für Pflege und Kinderbetreuung und soziale Gerechtigkeit zu sorgen.
Es ist kein leichter Weg, alt zu werden, krank zu sein, mit Konflikten in der Familie umzugehen.
Ein erster Schritt ist, sich einzugestehen, wie die Lage ist, nicht zu beschönigen. Wenn die Politiker im Wahlkampf nicht von den Zumutungen reden, die uns allen bevorstehen, dann sind sie unglaubwürdig. Wenn wir die Augen vor Problemen verschließen, werden sie umso größer. Also brechen wir auf wie das Volk Israel!
Sie haben eben das Land der Sklaverei verlassen, aber frei sind sie noch lange nicht. Machen wir uns auf den Weg in das neue Jahr und durch unsere Wüsten.

In einer Wolken- und Feuersäule geht Gott seinem Volk voraus. Gott ist da, aber man kann ihn nicht greifen. Gott ist da und ist doch anders, anders als das Licht des Tages und anders als das Dunkel der Nacht. Die Wolken- und Feuersäule wird später zum Schutz gegen die Ägypter.
Gott ist da. „Ich bin da für dich“ – so erklärt Gott Mose seinen heiligen Namen.
Wir glauben an einen Gott, der uns begleitet.
Wir Christen hören zugleich auf das Versprechen des Auferstandenen: Ich bin bei euch alle Tage.
Heinrich Heine dichtete über die Säule:
Seines Volkes Licht und Leuchte
Eine wunderbare, große
Feuersäule des Gesangs
Die der Schmerzenskarawane
Israels vorangezogen
In der Wüste des Exils.

Gott zieht voran auf den leidvollen Wüstenwegen seines Volkes immer wieder. Heine verbindet die erste Erfahrung des Auszugs aus Ägypten mit dem Exil und mit seinen eigenen schmerzlichen Erfahrungen. Gott ist da – wir spüren seine Nähe in der Feuersäule das Gesangs in Liedern, Gebe-ten und Festen des Glaubens wie Weihnachten. Gott geht mit uns.
Vergewissern wir uns, dass Gott da ist!
„Bei Tag und Nacht“ heißt es dreimal in zwei Versen. Bei Tag und Nacht kann sein Volk auf sein Zeichen sehen. Bei Tag und Nacht können sie wandern. In keinem noch so dunklen Moment des vergangenen Jahres hat Gott uns allein gelassen. Keinen Augenblick waren wir ohne ihn.
Und wir brauchen einander: Dass wir uns gegenseitig stärken, miteinander singen, beten und handeln.
Wie gut war es im Frühjahr zu erleben: Wir sind viele, die gemeinsam gegen die unsäglichen Pläne von Remigration einstehen! Wie gut tut es, gemeinsam für Frieden zu beten, gemeinsam zu hoffen!
Wir kommen weiter, das Jahr wird gut, wenn wir Gott vor Augen haben und ihm folgen.
Unser Licht und unser Wegweiser ist Jesus:
sein Vertrauen zum Vater, seine Liebe zu den Menschen.
Vertrauen und Liebe!
Viele wollen das Vertrauen untergraben: Terroristen mit ihren Anschlägen, die russischen Trolle mit ihrer Propaganda, rechtsextreme Demokratiefeinde. Auf vielen Kanälen wird gelogen und zum Hass angestachelt.
Lassen wir uns darauf nicht ein!
Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe, heißt die Jahreslosung 2024.
Kommen wir mit Liebe weiter in unseren Problemen und in den Fragen unserer Zeit?
Ja, nur liebevoll lassen sich Probleme lösen:
In Achtung und Verständnis füreinander, in Geduld und Fehlertoleranz, in Ehrlichkeit und Respekt für jeden Mitmenschen, in Überwindung von Egoismus, Machtgier, Rechthaberei.
Paulus hat das so beschrieben: Die Liebe ist geduldig. Gütig ist sie, die Liebe. Sie ist nicht unverschämt. Sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie ist nicht reizbar und trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht, wenn ein Unrecht geschieht. Sie freut sich aber, wenn die Wahrheit siegt.
Liebe heißt: wir wollen zusammenhalten, weil wir nur so vorankommen. Dazu sind wir bereit und Gott geht uns voran. Diese Bereitschaft ist nicht gefühlsduselig, sondern ein nüchternes Programm um einander zu ertragen trotz aller Gegensätze. Diese Liebe ist z.B. ein Wegweiser für einen fairen und aussagefähigen Wahlkampf, für eine Koalition von Demokraten, für gemeinsame Wege in schwierigen Entscheidungen. Ich glaube nicht, dass der Weg des Vertrauens und der Liebe einfach ist. Manchmal gilt es zuerst, das Böse und die Gewalt zurückzudrängen wie etwa im Fall der angegriffenen Ukraine. Aber dann müssen wir es wieder versuchen mit dem Wagnis Vertrauen und der Bereitschaft zusammenzuhalten.
Nur so kommen wir voran.
Wie gehen wir weiter im neuen Jahr?
Indem wir auf Gott schauen, uns seiner Nähe vergewissern und sie feiern, auch jetzt gleich im Mahl unseres Herrn.
Und indem wir Vertrauen und Liebe wagen in allen unseren Problemen.
Amen

Predigt über Joh 1,1-5.9-14 Christfest 2024 Andreas Hansen

Joh 1,1-5.9-14:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
Dasselbe war im Anfang bei Gott.
Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht,
und ohne dasselbe ist nichts gemacht,
was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.
Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus menschlichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

„Wie war Weihnachten?“ So werden wir gefragt oder fragen selbst und meinen damit unser Fest.
An Weihnachten treffen wir die Menschen, die wir lieben. Andere sind an Weihnachten sehr allein. Konflikte, Krisen, Wendepunkte werden uns an Weihnachten besonders bewusst.
Zum ersten Mal Weihnachten mit den Enkeln oder Weihnachten nach einem Abschied. Oder zum ersten Mal in der neuen Wohnung. Oder das Weihnachten vor der OP. Trotz allem Trubel ist das Fest ein Anlass zur Besinnung: „Was macht mein Leben aus? Wofür bin ich dankbar? Was macht mir zu schaffen? Was erhoffe ich mir?“
Wie ist dieses Weihnachten für die Christen in Syrien – 10 % der Syrer sind Christen in vielen sehr alten Konfessionen. Wie ist Weihnachten im dritten Kriegswinter in der Ukraine? Wie ist unser Weihnachten nach dem Ampel-Aus, vor der Wahl, nach dem Anschlag in Magdeburg?

Aber eigentlich ist Weihnachten doch das, was damals in Bethlehem geschah, was wir gestern hörten.
Der Evangelist Johannes meint: Was wir feiern, hat noch viel früher seinen Grund,
vor allem, was ist, im Anfang.
Johannes beginnt sein Evangelium anders als Lukas, Matthäus und Markus. Er zieht einen weiten Bogen bis zur Erschaffung der Welt.
„Im Anfang“? Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. … Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Jeder denkt sofort an das erste Buch der Bibel.
Alles entsteht so, wie Gott spricht. Himmel und Erde, der Kosmos, Zeit und Licht, alles, was wir beschreiben oder auch nur erahnen können, ist erschaffen von Gott, ins Leben gerufen durch Gott. Gott ist der Grund des Seins.
Johannes schreibt: Schöpfung und Menschwerdung, beides hat den gleichen Ursprung in Gott. Vor aller Zeit ist das Wort bei Gott.
Schon immer sind Jesus und Gott eins.
In Gottes Schöpferwort ist bereits die Geburt Jesu enthalten. Anfang und Ende, Himmel und Erde, alles ist von diesem Wort umfasst.
Es ist derselbe Schöpferwille in allem, was ist.
Von allem Anfang an ist Gott der Welt liebevoll zugewandt.
Gottes Liebe kommt zu uns in Jesus Christus.
So sehr liebt Gott die Welt, dass er sich uns zuwendet, sich hingibt und schenkt in Jesus.
Das ist so überwältigend, dass man sagen konnte: Gott ist die Liebe. – oder mit Luther: „Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe, der von der Erde bis an den Himmel reicht.“ Von allem Anfang an glüht und leuchtet, wärmt und belebt Gottes Liebe.
Gottes Liebe erreicht uns. Das Wort wird Fleisch, Mensch. Gott teilt unser Leben:
Ob wir Weihnachten in Syrien, in der Ukraine
oder hier in Deutschland feiern.
Ob wir das Fest still und allein begehen
oder umgeben von vielen geliebten Menschen.
Ob das Fest harmonisch und fröhlich verläuft
oder Streit und schlechte Laune herrschen.
„Wie war Weihnachten?“ – Weihnachten ist wunderbar, und es hört nicht auf, wenn Krippe und Baum längst abgeräumt sind. Wir feiern das Fest der Liebe Gottes, die immer schon da war und immer da sein wird.

Im Anfang war das Wort. Gott spricht.
Voll Freundlichkeit spricht Gott uns an.
Aber er trifft auf Unverständnis, Gleichgültigkeit, Ablehnung.
Das Wort war in der Welt, und die Welt ist durch das Wort gemacht; und die Welt erkannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Johannes ist fassungslos: Wie kann es sein,
dass Menschen taub sind für das Wort von Gott?
Dass sie sich gleichgültig abwenden oder wütend widersprechen?
Wir wissen, wie schrecklich Worte missverstanden werden, wie manchmal keinerlei Verständigung möglich ist und jeder nur hört, was er hören will.
Wir wissen, wie vernichtend Worte sein können, wie lieblos, verletzend und verlogen Menschen sprechen können, und wie verheerend Worte voll Hass wirken. Gott setzt sich der Ablehnung aus, dem Widerspruch, dem Hate-Speech.
Dennoch und gerade jetzt sagt Gott sein menschenfreundliches Wort, seine Love-Speech in Jesus, seinem geliebten Sohn.
Glücklich stellt Johannes fest: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden. Macht! Power! Gott stärkt diejenigen, die dem Wort vertrauen. Sie lassen sich ein auf sein Wort und werden Kinder Gottes, Geschwister Jesu.
Worte können vernichtend sein, Worte können aber auch ein Leben lang leuchten und Kraft geben. Lehrpersonen können erzählen, wie gute Worte Kinder zum Strahlen bringen können. Dass mir jemand etwas zutraut, weckt mein Selbstver-trauen. Dass mir jemand seine Sympathie oder gar seine Liebe sagt, macht mich glücklich.
Jesus verkörpert Gottes Liebe. Gott sagt uns sein Liebeswort und bringt die Welt zum Leuchten. Wir sahen seine Herrlichkeit – die Herrlichkeit, der Glanz, das Licht Gottes im Angesicht Jesu: Liebevoll sieht Jesus uns an. Liebevoll sieht Gott die Welt an, obwohl so vieles nicht gut ist.
Gottes Glanz mitten in unserer Welt, so wie sie eben ist, dass sie geheilt wird von Hass und Gewalt. Gottes Wort voller Gnade und Wahrheit
hier bei uns, so wie wir eben sind, dass wir selig werden, starke, liebevolle Kinder Gottes.
Halleluja. Amen

Predigt über Jes 9,1-6 Christvesper 2024 Andreas Hansen

Auf einmal stehen die Hirten im Licht. Licht umstrahlt sie, als der Engel zu ihnen kommt. Sie erschrecken tief vor dem Lichtglanz Gottes.
Wo es finster war, ist auf einmal Licht, wie am Anfang aller Zeit.
Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne. (EG 37,3) In dem Kind in der Krippe
leuchtet uns Gottes Liebe entgegen. O Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.
Können wir uns darauf einlassen, oder sind das nur Worte?
Düster sieht die Welt für viele aus, übermächtig und bedrängend sind die Probleme. Ist es wahr, was wir an Weihnachten feiern, oder ist es Fake?
Jesaja schreibt über seine Zeit: Vor lauter Wut über den Hunger verfluchen sie ihren König und ihren Gott. Da ist nichts als Not, Finsternis und bedrückende Dunkelheit. (Jes 8,22f) Und dann folgt die Verheißung, die wir heute hören: (Jes 9.1-6)

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.
Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift,
wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
Denn uns ist ein Kind geboren,
ein Sohn ist uns gegeben,
und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter;
und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held,
Ewig-Vater, Friede-Fürst;
auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.

Ist es wahr? Kann das sein: Gott hier bei uns?
Das ist doch unfassbar.
Viele zweifeln und glauben nicht.
Damals bei Jesaja starren sie auf ihre düstere Gegenwart.
700 Jahre später sehnen sie sich wohl nach einem Messias, von Gott gesandt, aber ist das nicht doch nur ein schöner Traum? Der Mann aus Nazareth hat viele begeistert, aber die Römer haben kurzen Prozess mit ihm gemacht.
Und heute?: Machen wir Christen uns eine heile Welt vor? „Schaut doch, wie die Welt ist!“ Viele halten Weihnachten für eine schöne Geschichte ohne realen Hintergrund.
Ja, Gott ist unfassbar, viel zu groß für unser Denken und Verstehen.
Das weiß Jesaja.
Und doch vertraut er: Gott wird seinem Volk Licht schenken. Gott, der das Licht schuf, kann uns aus der Dunkelheit herausreißen.
Der Evangelist Lukas erzählt, er bringt in eine Geschichte, was er von Jesus glaubt.
Auf einmal stehen die Hirten im Licht Gottes. Sie verstehen nicht – wie könnten sie auch? – sie sind erschüttert und dann außer sich vor Freude: Euch ist heute der Heiland geboren!
Gott kommt zu uns –
wir sind eingeladen, das zu glauben.
Gott ist hier. Gott lässt sich ein auf die Welt mit allem Düsteren, das Menschen plagt.
Lassen wir die Glaubensgeschichte des Lukas und die Verheißung Jesajas zu uns sprechen!

Ein Kind, ein Neugeborenes, so hilflos und schutzbedürftig, so zerbrechlich, das kleine Wesen. Und das soll Gottes Sohn sein?
Gott, der Ewige, so winzig und schon jetzt ein Opfer der Mächtigen seiner Zeit?
Ja, sagt Lukas, genau das entspricht ihm,
ihm, der am Kreuz sterben wird.
So lässt er sich ein auf uns.
In dem Kind in der Krippe kommt Gottes Sohn. Alle Engel brechen darüber in Jubel aus.
Uns ist ein Kind geboren, jubelt Jesaja.
In der düsteren Zeit sieht er schon den Retter auf Davids Thron. Königsnamen gibt er ihm.
Wunder-Rat oder „Wunderplaner“: Trotz allem, was die Welt verdüstert, hat Gott Gedanken des Friedens und nicht des Leides über uns (Jer 29,11), gibt er Zukunft und Hoffnung.
Karl Barth sagte 1958 in einer Predigt: Die Weihnacht ist ja nicht der Geburtstag eines Menschen, der vor langer Zeit gelebt hätte, dann gestorben und dahingegangen wäre und dem man dann wohl alle hundert Jahre ein Jubiläum bereiten würde. Ja, der hat freilich einmal gelebt und ist gestorben – und wie! – aber der ist auch auferstanden von den Toten, der lebt und regiert und redet und ist in dieser Stunde hier in unserer Mitte, einem Jeden von uns viel näher als er es sich selber ist.
Wunder-Rat heißt: die Herren der Welt gehen, aber Gott regiert, Christus regiert.
Gott-Held, besser starker Gott: der starke Gott in einem schwachen Baby.
Ewig-Vater verweist auf Gottes Treue.
Friede-Fürst: das Joch der Unterdrückung und der Schlagstock werden zerbrochen, Zeichen des Krieges, dröhnende Stiefel und blutverschmierte Mäntel werden verbrannt.
Gott kann und will uns aus aller Dunkelheit reißen. Gott kommt zu uns in dem Kind von Bethlehem. Zukunft und Hoffnung schenkt er.
Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden. (EG 37,2)
Der Heiland ist geboren für uns.
Wir sind eingeladen ihm zu vertrauen.
Amen