1.Kor 15,20-28 Predigt Ostersonntag 26 Andreas Hansen

Nun ist Christus aber vom Tod auferweckt worden, und zwar als Erster der Verstorbenen. Denn durch einen Menschen kam der Tod in die Welt.
So bringt auch ein Mensch die Auferstehung der Toten. Weil wir mit Adam verbunden sind, müssen wir alle sterben. Weil wir aber mit Christus verbun-den sind, werden wir alle lebendig gemacht.
Das geschieht für jeden nach dem Platz, den Gott für ihn bestimmt hat: Als Erster wird Christus auferweckt. Danach, wenn er wiederkommt,
folgen alle, die zu ihm gehören. Dann kommt das Ende: Christus übergibt Gott, dem Vater, seine Herrschaft. Zuvor wird jede andere Herrschaft, jede Gewalt und jede Macht vernichtet.
Denn Christus muss so lange herrschen, bis Gott ihm alle seine Feinde zu Füßen gelegt hat. Der letzte Feind, den er vernichten wird, ist der Tod.
Denn alles hat Gott ihm zu Füßen gelegt.
Das bedeutet: Alles ist ihm unterworfen.
Eines ist jedoch offenkundig: Davon ist der ausgenommen, der ihm alles unterworfen hat – Gott. Sobald ihm nun alles unterworfen ist, wird auch der Sohn selbst sich unterwerfen: Er wird sich Gott unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat. Das geschieht, damit Gott alles umfasst
und in allem gegenwärtig ist.
(1.Kor 15,20-28)

Ganz und gar nicht leer war das Grab des früh verstorbenen Tutenchamun. Bei der schönen Mumie fanden sich unter tausenden anderen Grabbeigaben die königlichen Sandalen. Im Fußbett der Sandalen sind Darstellungen von Gefangen. Neun Bögen symbolisieren die feindlichen Mächte, die Ägypten unterworfen hat.
Der als Gott verehrte König durfte auf seinen Feinden herumtrampeln – eine Vorstellung, die manchen heutigen Möchte-gern-Königen gewiss gefallen würde. Sie trampeln ja zu gerne auf anderen herum. https://egypt-museum.com/sandals-of-tutankhamun/

Der HERR sprach zu meinem Herrn: »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege.« Der rätselhafte Psalm 110 ist der im Neuen Testament am häufigsten zitierte Text des Alten Testaments. Gott macht die Feinde zum Fußschemel. Jesus, nach jüdischem Verständnis König David, sitzt neben Gott und regiert. Er sitzt zur Rechten Gottes – bis in unser Glaubensbekenntnis hat es der Psalm geschafft. Der tief gedemütigte und entwürdigte Gekreuzigte sitzt nun neben Gott. Seine Füße tragen noch die Nägelmale, aber sie stehen auf den Feinden. Denn alles hat Gott ihm zu Füßen gelegt. … jede andere Herrschaft, jede Gewalt und jede Macht (wird) vernichtet.

Ostern ist ein erster Schritt, ein Anfang
Jesus ist wahrhaftig auferstanden.
Nun beginnt eine neue Zeit.
Was an Ostern geschah, geht weiter.
Was jetzt beginnt, wird alles verändern.
Paulus verweist auf den allerersten Anfang.
Er stellt Adam und Christus einander gegenüber. So kann er beschreiben, wie sehr sich alles wandeln wird. Adam ist der Mensch, der sterben muss, nicht nur der erste Mensch, jeder Mensch. Wir alle sind Adam. Schon der Name verweist auf die Adama, die Erde, von der er genommen ist und zu der er einmal wird. Adam steht auch für den Menschen, der schuldig wird und über andere Böses und Leid bringt. Adamsmenschen sind wir.
Christus ist der neue Mensch.
Weil wir mit Adam verbunden sind, müssen wir alle sterben. Weil wir aber mit Christus verbunden sind, werden wir alle lebendig gemacht.
Unsere Zukunft ist die von Christusmenschen.
In Christus werden wir erweckt zum Leben.
Noch aber ist es nicht so weit. Noch herrscht der Tod und wir erleben seine Macht. Tagtäglich sehen wir, wie der Tod und seine Helfer regieren.
Es ist verstörend, wie das Morden immer weiter geht. Und nicht nur auf den Schlachtfeldern, auch in den sogenannten sozialen Netzwerken werden Menschen so verletzt, dass manche verzweifeln. Viele Beziehungen sind vergiftet durch Gewalt und Habgier. Wenn Paulus von den Mächten und Gewalten spricht, denke ich an diese bösartige Seite des Menschen. Die Starken trampeln auf den Schwächeren herum. Und wenn wir selbst die Starken sind, sind wir kaum besser. Rücksichtslos zertrampeln wir z.B mit unserem viel zu großen ökologischen Fußabdruck die Schöpfung, oder wir nutzen wirtschaftliche Vorteile, unter denen andere leiden – wir mischen mit im Spiel der Mächte und Gewalten.

Nun ist Christus aber vom Tod auferweckt worden.
Ostern ist der Anfang vom Ende des Todes.
Der erste entscheidende Schritt ist getan.
Wir jubeln schon jetzt und feiern seinen Sieg.
Und wenn wir betroffen sind von Leid und Abschied und Tod, tröstet uns die Hoffnung über Tod und Grab hinaus.
Es ist schon entschieden, wer das letzte Wort behält. Mit Jesu Tod am Kreuz schien alles, was er getan hatte, null und nichtig, aus und vorbei.
Aber seit Ostern ist sein Tod noch ermutigender als es sein Leben schon war.
Den Frauen am Grabe wird aufgehen: im Tod, war Christus nicht allein. Gott selber ist mit ihm in den Tod gegangen. Der lebendige Gott hat Licht in das Dunkel des Todes gebracht. Das unerbittliche Nein des Todes ist verschlungen in Gottes Ja.
Ostern ist der Anfang vom Ende des Todes.

Paulus zieht einen großen Bogen. Wie einen Kampf beschreibt er, was er erwartet. Christus wird alle Herrschaft, Macht und Gewalt vernichten.
Alle Feinde Gottes werden zunichte.
Zuletzt verliert der Tod selbst seine Macht.
Jesus sitzt zur Rechten Gottes, aber er trampelt nicht auf anderen herum. Er nutzt seine Macht nicht aus und bereichert sich auf Kosten anderer.
Christus besiegt alle Macht, um sie abzugeben.
Er gibt alle Macht zuletzt an Gott, denn Gott soll alles in allem sein.
So kommt ans Ziel, was mit Ostern begonnen hat.
Manche wollen hier eine Hierarchie sehen, so als gäbe es eine Abstufung der Macht zwischen Gott, dem Vater und Jesus.
Paulus geht es um das Ende aller zerstörerischen Macht, aller Todesmacht.
Wenn Gott alles in allem ist, siegt die Liebe: Gottes Liebe bleibt,
sie behält das letzte Wort über diese Welt und über uns,
Gottes Liebe, aus der alles geworden ist,
die Liebe Christi, der die Welt erlöst,
Gottes Liebe in uns, Gottes Geist.
Wir sind Adamsmenschen. Wir sind begrenzt und oft fern von dem, was wir sein sollen.
Aber wir gehören schon jetzt zu Christus,
dem Gekreuzigten und Auferstandenen,
der zur Rechten Gottes sitzt.
Alle Gewalt, alle ungerechte Herrschaft,
alle böse Macht wird ein Ende haben.
Gott wird abwischen alle Tränen,
und der Tod wird besiegt sein.
Wir sehen nicht weg von dem, was uns und anderen Sorgen macht. Wir schließen nicht die Augen vor der unheimlichen Macht des Todes.
Aber wir leben schon jetzt im Licht der
Auferstehung Jesu.
Wir müssen alle sterben.
Nichts ist so sicher wie der Tod, todsicher.
Und doch: Der Tod behält nicht das letzte Wort.
Das Leben hat seit Ostern einen „ungeheuren Vorsprung“ (Kurt Marti).
Der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen