Verantwortung, Predigt über 4.Mose 11

Predigt am 15.3.20 von Andreas Hansen über 4.Mose 11

Ökumenischer Gottesdienst zum Thema Verantwortung. Die Predigt wurde nicht gehalten, da der ökumenische Gottesdienst wegen der Corona-Virus-Epidemie abgesagt wurde

Zu Beginn des Gottesdienstes wird an die Berufung Moses erinnert. Er lässt sich nur widerwillg von Gott in den Dienst nehmen. Es wird ein schwerer Weg für Mose, bis er die Israeliten davon überzeugt, dass Gott sie in die Freiheit führen will, bis der Pharao endlich nachgibt und sie ziehen lässt, bis sie die ägyptischen Streitwagen hinter sich im Meer versinken sehen. Es bleibt eine schwere Last für Mose auf dem Weg durch die Wüste mit dem murrenden Volk. Hören wir, wie Gott ihm hilft, als er an seiner Aufgabe verzweifelt, eine Lesung aus 4.Mose, Numeri 11:

Mose aber hörte, wie das Volk weinte, eine Sippe wie die andere, ein jeder am Eingang seines Zelts. Und der Zorn des HERRN entbrannte heftig, und es missfiel Mose. Und Mose sprach zum HERRN: Warum gehst du so übel um mit deinem Diener, und warum finde ich keine Gnade in deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? Habe denn ich dieses ganze Volk empfangen, oder habe ich es gezeugt, dass du zu mir sagst: Trage es an deiner Brust, wie der Wärter den Säugling trägt, in das Land, das du seinen Vorfahren zugeschworen hast? Woher soll ich Fleisch nehmen, um es diesem ganzen Volk zu geben? Denn sie weinen vor mir und sagen: Gib uns Fleisch, damit wir essen können! Ich allein kann dieses ganze Volk nicht tragen, denn es ist zu schwer für mich. Wenn du aber weiter so an mir handeln willst, töte mich lieber, wenn ich Gnade gefunden habe in deinen Augen, damit ich mein Unglück nicht länger ansehen muss.
Da sprach der HERR zu Mose: Versammle mir siebzig Männer von den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie die Ältesten des Volks und seine Aufseher sind, und nimm sie mit zum Zelt der Begegnung, und sie sollen sich mit dir hinstellen. Dann werde ich herabkommen und dort mit dir reden und von dem Geist, der auf dir ruht, nehmen und auf sie legen, und sie sollen mit dir die Last des Volks tragen, so musst du sie nicht mehr allein tragen.

Möchten Sie mit Mose tauschen?
Möchten Sie ein Mose sein?
Eine Frau Merkel oder ein Herr Kretschmann?
Wenn das Volk auf seinem Weg durch die Wüste nicht weiter weiß, fragen sie Mose. Das ist schon was, wenn alle zu einer oder einem aufschauen und die oder der kann sagen, wo es langgeht.
Andrerseits kann es für Mose oder Merkel auch ganz schnell unangenehm werden.
Die Leute stehen vor ihren Zelten und jammern. Das ganze Volk beklagt sich bei Mose. „Du hast uns hierher geführt! Du bist schuld an unserer Misere!“
Wir haben an unsere Kirchengemeinderäte und Pfarrgemeinderäte gedacht und uns darum für das Thema „Verantwortung“ entschieden. Da lassen sich Leute aufstellen und wählen. Da sind Menschen bereit für andere zu entscheiden, gemeinsam mit dem Pfarrer die Gemeinde zu leiten, Verantwortung zu tragen.
Jetzt hat uns die Corona-Krise eingeholt. Auf einmal tappen wir alle durch unbekanntes Land wie das Volk Israel durch die Wüste.

Ich möchte als erstes danken. Ich möchte denen danken, die ihren Kopf hinhalten, wie man sagt, denen, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Ein Amt kann Freude machen, aber es kann auch sehr schnell eine Last sein. Danke an euch Kirchengemeinderäte und Pfarrgemeinde-räte, an alle, die in der Gemeinde Ämter und Ver-antwortung übernehmen und den Kopf hinhalten. Danke an unsere Stadträte und den Bürgermeister und alle bis zu Merkel und Kretschmann, die jetzt sicher ihre Verantwortung als Last empfinden.
Es ist mühsam ein Volk durch unbekanntes Land, durch die „Wüste“ zu führen. Die Verantwortlichen verdienen Unterstützung und Achtung.
In der aktuellen Situation gilt umso mehr, dass wir Drohungen, Beleidigungen und Intrigen gegen sie nicht zulassen können.

Mose schlägt Wut und Ablehnung entgegen.   Allen Ernstes sehnen sie zurück nach Ägypten. Das Land der Sklaverei erscheint ihnen als ein Ort der Sicherheit und des geregelten Auskommens. Gott hat das Volk befreit und sie vor Feinden, Durst und Hunger bewahrt. Mose hat sie gut geführt. Aber das ist vergessen. Sie wollen Fleisch. Alle stehen vor den Zelten und jammern und beschimpfen Mose.
So steht es in der Bibel. So beschreibt Israel sich selbst mit einer gehörigen Portion Humor. In der Wüste zu verzweifeln, weil der Speisezettel zu eintönig ist – das ist lächerlich. Es grenzt an Hysterie, wie sie da stehen und jammern.  Ihre Wut auf „die da oben“, auf Mose und Gott, ist völlig unangemessen und führt in die Sackgasse.
Gott schenke uns, dass wir den Humor nicht verlieren! Gott gebe uns, dass wir uns selbst ab und zu mit etwas Abstand ansehen und dass wir uns nicht anstecken lassen von Hysterie! Gott gebe uns, dass wir in allen Herausforderungen dieser Tage ruhig bleiben und nicht das rechte Maß aus dem Blick verlieren!
Israel kann über sich selbst lachen. Sie können auch den großen Mose in seiner menschlichen Schwäche sehen. Jetzt wird ihm die Last der Verantwortung zu groß. Er kann nicht mehr. Mose ist überfordert und wünscht sich sogar zu sterben.
Erschöpfungsdepression wird sein Zustand von Ärzten genannt, Burnout. Auch die ganz Großen kommen an ihre Grenze. Wir sind alle nur Menschen. Was heute viele plagt, wird schon damals ernst genommen.
Gott nimmt uns ernst und geht auf Mose ein. Er entlässt ihn nicht aus seiner Verantwortung. Aber er bringt ihn dazu Aufgaben zu delegieren. Auch Mose hat unangemessen auf die Herausforderung reagiert: „Ich muss allein dieses ganze Volk tragen“? – das stimmt doch gar nicht.  „Nie hast du, Mose, das Volk getragen. Denn auch du trägst nur so viel, wie Gott dir die Kraft gibt.“
Mose muss seine Sichtweise ändern. Gott gibt ihm eine neue Perspektive. Mose muss lernen im Team zu leiten, Verantwortung zu teilen. 70 Älteste tragen jetzt mit ihm die Entscheidungen und übernehmen Managementaufgaben. Mose lernt. Alle, die Verantwortung tragen, sollen lernen. Wir wachsen in unsere Aufgaben hinein. Und wir brauchen das Team, die anderen, die mitdenken, mitentscheiden, mitbeten. Keine und keiner trägt allein die Gemeinde. Wir alle sind darauf angewiesen, dass Gott uns den Geist gibt, dass er uns befähigt und begabt zu unserem Amt und zu unserer Verantwortung.

Zuletzt möchte ich an einen Satz voll Zuversicht erinnern. Er steht im Psalm 68 und heißt:
„Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft und auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tod errettet.“
Lasst uns nicht jammern und hysterisch werden, sondern die Herausforderungen annehmen, die Last der Verantwortung tragen. Wir haben viel Grund zuversichtlich zu sein: „Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tod errettet.“ Amen