Lätare 2010

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Lätare, Gottesdienst zur Visitation, Apostelgeschichte 15; 36,41 und 16,4-5

 


 

Begrüßung:

 

Liebe Gemeinde! Mit diesem Gottesdienst beenden wir die Visitationswoche, in der wir sehr intensiv darüber nachgedacht haben, wie es um unsere Gemeinde steht, was miteinander geschafft werden konnte und was wir uns für die Zukunft vornehmen. So begrüßen wir Herrn Dekan N.N., Frau N.N., Herrn N.N. und Herrn N.N. sehr herzlich in unserer Mitte. Dass Gott uns alle jeden Tag neu in seinen Dienst beruft und wir jeden Tag „mit dem Anfang anfangen“ dürfen, das wollen wir uns heute noch einmal mit dem biblischen Wort und durch den guten Geist unseres Gottes zusagen lassen.

 

Herr, zeige mir den richtigen Weg, damit ich in Treue zu dir mein Leben führe!

Lass es meine einzige Sorge sein, dich zu ehren ...! (Psalm 86,11)

 

 

 

Predigttext:

 

Nach einiger Zeit sagte Paulus zu Barnabas: »Lass uns noch einmal alle die Orte besuchen, in denen wir die Botschaft Gottes verkündet haben! Wir wollen sehen, wie es den Brüdern und Schwestern geht!«... Er zog durch Syrien und Zilizien und stärkte die Gemeinden im Glauben... In allen Städten, durch die sie kamen, übergaben sie den Gemeinden die Vorschriften, die die Apostel und Gemeindeältesten in Jerusalem erlassen hatten, und sie ermahnten sie, danach zu leben. So wurden die Gemeinden in ihrem Glauben gefestigt, und täglich schlossen sich ihnen weitere Menschen an.

 

 


Liebe Gemeinde!

 

Visitation: Offensichtlich reicht es nicht, einfach nur da zu sein! Die Gemeinden sind gegründet, Paulus könnte seine Hände in den Schoss legen und zufrieden auf sein Missions-Werk schauen, aber er weiß um die vielfachen Bedrohungen der jungen Kirche. So macht er sich erneut auf den Weg, um nach seinen Glaubensgeschwistern zu schauen, sie zu stärken und ihren Glauben zu festigen, wo dieser durch die heidnische Umwelt in Frage stand. Wachstum war angesagt, denn die Botschaft Jesu sollte schließlich die ganze Welt erreichen.

 

„Gegen den Trend wachsen zu wollen...“, so wird es in dem Impulspapier des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland „Kirche der Freiheit – Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“ 1) gefordert. „Gegen den Trend wachsen zu wollen“, das scheint also für die Kirche keine so ganz neue Erfahrung zu sein. Und doch gibt es da Unterschiede zwischen der jungen Kirche – damals - und dieser, unserer Kirche im 21. Jahrhundert. Die junge Kirche war die Kirche des Gekreuzigten und Auferstandenen und in seiner Nachfolge eine Kirche der Solidarität mit den Leidenden, den Schwachen, all jenen, die gesellschaftlich nur allzu gern ausgegrenzt wurden und es war eine Kirche des Protestes gegen den Tod und die Todesstrukturen der Welt. Gottes Widerwort gegen den Tod. Diese Botschaft wurde gehört, sie kam an.

 

Wenn wir heute dieses Wort aus dem Impulspapier hören, dass die Kirche „gegen den Trend“ wachsen möchte, so klingt das in vielen Ohren, wie ein Wort der Wirtschaftsverbände und der Wirtschaftspolitiker: Steuern runter, Wachstum rauf, so einfach ist das. Doch die Antwort darauf, wie das denn geschehen und vor allem auch finanziert werden soll, bleibt offen. Auf unsere Kirche übertragen heißt das möglicher Weise an einem neuen babylonischen Turmbau mitwirken zu wollen, denn für uns bleibt ja zu allererst zu fragen: Wachsen wohin? Geht es angesichts rückläufiger Geburtenzahlen und höherer Sterbequoten um ein zahlenmäßiges Wachsen unserer Gemeinden? Wie sollte das möglich sein? Oder muss das Wachsen ganz anders gesehen werden?

 

Aus dem Reisebericht des Paulus hören wir: „... So wurden die Gemeinden in ihrem Glauben gefestigt...“, und wodurch? Weil er „die Gemeinden im Glauben stärkte...“ Für uns gilt von daher zu erkennen, „dass die Kirche, als Gemeinschaft der Heiligen, Trägerin der Mission Gottes ist, Instrument und Werkzeug der Mission Gottes in der Welt... Gottes Mission sucht sich die Kirche, zieht sie hinein in seine Mission; ... die Kirche existiert um der Mission Gottes willen...“ 2) Das macht unseren Auftrag deutlich und entlastet zugleich, denn zuallererst ist Gott selbst der Handelnde, der uns, wo wir von unserem Glauben überzeugt sind, mit hinein nimmt in sein großes Werk der Versöhnung, der Achtsamkeit, der Fürsorge für all jene Menschen, die ihn, Gott, nötig haben, denen es an Gesundheit, Freiheit oder Hoffnung in welcher Form auch immer mangelt. „Gegen den Trend wachsen zu wollen“, kann eigentlich nur so verstanden werden, dass wir geistlich wachsen und uns jeden Tag neu in den Dienst Gottes nehmen lassen. Auch für eine Kirche der kleineren Zahlen gibt es keinen Grund zur Resignation, bedenken wir doch nur von welchen Zahlen Paulus ausgehen musste. Wo wir geistlich wachsen, wird Gott in der Welt gehört werden und nur darauf kommt es an, für Gott, für uns selbst und für alle Menschen, die unseren Gott und uns brauchen.

„Wellness“, so wurde es einmal sehr mutig gesagt ist „das Lernziel eines jeden Gottesdienstes.“ 3) Wellness, ein Werbebegriff, soll das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden steigern. Und mit diesem Begriff kann für alles von Hotelangeboten über Müsli bis zu Socken geworben werden. Wer verdienen will, wirbt mit Wellness. Wo es um geistliches Wachstum, in der Modesprache gesprochen, auch um Wellness gehen soll, muss die Kirche, also wir Christen, Angebote machen, in denen Gott in die Welt und unter die Menschen kommen kann. Ja, in unserer Gemeinde kann man sich wohl fühlen - in unseren Gottesdiensten, den Gesprächs- und Besuchsdienstkreisen, in dem breit gefächerten Angebot der Kirchenmusik. In der vielschichtigen Arbeit mit und für unsere Kinder und Jugendlichen, den kulturellen Angeboten für Kirchenferne oder auch für unterschiedliche Generationen.

 

Paulus visitiert seine Gemeinden, auch wenn es diesen Begriff so natürlich noch nicht gab. Aber unser kleiner Textausschnitt berichtet von einer solchen Visitationsreise. Und wieder sind wir in der Mitte unserer Gemeinde angekommen, denn in der vergangenen Woche hatten wir Gäste des Kirchenbezirks bei uns zu Gast, die unsere Gemeinde in all ihren Aktivitäten kennen lernen wollten, die uns beraten haben, die nach der Vergangenheit ebenso fragten, wie nach der Zukunft unserer Gemeinde. Visitation: Es ist kein billiges Lippenbekenntnis, wenn ich sage: Wir dürfen in unserer Gemeinde von Herzen dankbar sein für die vielen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind der Grund, die Basis dafür, dass wir nun auch voller Zuversicht in die Zukunft hinein gehen dürfen, im Vertrauen darauf, dass Gott uns auch weiterhin in seinen Dienst nimmt, so wie wir sind mit all unseren Stärken, mit all unseren Schwächen. Gott segne und behüte unsere Gemeinde, er segne und behüte seine Kirche in der Welt. Amen.

 

 

 

 

Literatur:

 

1) „Kirche der Freiheit – Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhun-

dert“, in: www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf

2)  Schäfer, K., Was verstehen wir unter Mission, Vortrag auf der Frühjahrstagung

der Konferenz Evangelischer Polizeiseelsorgerinnen und Polizeiseelsorger,  Schwerin, 2010, S. 9

3)  Weimer, M., Der Stachel des Befehls, Vortrag, Saarbrücken, 2007, S. 4^

Stählin, G., Die Apostelgeschichte, in: Das Neue Testament Deutsch, 2. Band,

Göttingen, 1965

 

 

 

Wir weisen darauf hin, dass Sie alle unsere Predigten im Internet nachlesen können. Sie finden sie unter:

 

http://www.evangelische-kirchengemeinde-kenzingen.de – oder:

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