Bombacher Weinfest 2010
34. Bombacher Weinfest, Jesus Sirach 31, 22-31
Höre, mein Sohn, und verachte mich nicht und du wirst schließlich meine Worte begreifen. Bei all deinem Tun sei bescheiden, so wird dich kein Schaden treffen. Wer bei Tisch anständig ist, wird gelobt, sein guter Ruf steht fest. Wer sich bei Tisch schlecht benimmt, wird öffentlich beschimpft, sein schlechter Ruf steht fest.
Auch beim Wein spiel nicht den starken Mann! Schon viele hat der Rebensaft zu Fall gebracht. Wie der Ofen das Werk des Schmiedes prüft, so ist der Wein eine Probe für die Zuchtlosen. Wie ein Lebenswasser ist der Wein für den Menschen, wenn er ihn mäßig trinkt. Was ist das für ein Leben, wenn man keinen Wein hat, der doch von Anfang an zur Freude geschaffen wurde? Frohsinn, Wonne und Lust bringt Wein, zur rechten Zeit und genügsam getrunken. Kopfweh, Hohn und Schimpf bringt Wein, getrunken in Erregung und Zorn. Zu viel Wein ist eine Falle für den Toren, er schwächt die Kraft und schlägt viele Wunden. Beim Weingelage nörgle nicht am Nachbarn herum, verspotte ihn nicht, wenn er heiter ist. Sag zu ihm kein schmähendes Wort und streite mit ihm nicht vor den Leuten!
Liebe ökumenische Gemeinde,
liebe Freunde des Bombacher Weinfestes!
Was 220 Mal in der Bibel vorkommt, kann nicht nebensächlich sein: Der Wein! Der Weinstock kommt immerhin 51 Mal vor. Wenn ich nun die fünfte Predigt – in fünf Jahren hintereinander - zu einem Bombacher Weinfest halten darf, dann fühle ich mich fast ein wenig unter Leistungsdruck. Schließlich weiß ich, die Bombacher und ihre Gäste erwarten etwas, was über einen ganz normalen Sonntagsgottesdienst hinaus geht. Wir wissen um den Ernst auch mit diesem Gottesdienst vor Gott zu stehen, das lässt keine heitere Oberflächlichkeit zu, andererseits muss ein Gottesdienst wie dieser, etwas von der Lebensfreude und der Dankbarkeit für die überaus guten Gaben der Schöpfung widerspiegeln.
Wie könnte man über den Wein reden, der doch einen so hohen Stellenwert in der Bibel besitzt und dabei bierernst bleiben? Und so erinnere ich – um eine Brücke zu schlagen - noch einmal an das Ende des letzten Gottesdienstes zum Bombacher Weinfest 2009, wo Vikar Christian Breunig einen griechischen Kirchenvater zitierte, der sagte: "Es ist besser, in aller Demut Wein zu trinken als in Hochmut Wasser." Und so wünsche ich Ihnen aus diesem Geist heraus, dass den Bombacher Gastgebern auch in diesem Jahr der Wein für ihre Gäste nicht ausgeht und damit uns allen der gute Geist dieses traditionsreichen Festes.
Es gibt ja im Leben viele Anlässe, Feste zu feiern: Einmalige, wie eine Hochzeit, bestimmte Jubiläen oder ein besonderer Erfolg. Andere dagegen kehren immer wieder, so lange wir leben, wozu unsere Geburtstage gehören, aber auch Feste wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten, vielleicht nicht ganz so wichtig, aber eben doch wichtig genug, ist das Bombacher Weinfest. Es erinnert uns mit einem ökumenischen Gottesdienst jedes Jahr erneut daran, dass der Wein und der Glaube sich überhaupt nicht trennen lassen, feiern wir doch jede Eucharistie mit Brot und Wein. Gerade so sind wir doch an den Grund unseres Glaubens in unserer Mitte erinnert, was immer mit Dankbarkeit, Fest und Freude zu tun hat.
Und schlagen wir die Bibel auf, aus der wir ja als Christen angesprochen sind, so finden wir da immer wieder Berichte von Festen und Feiern, von Essen und Trinken, von der Lebensfreude, die sich gerade im Wein ausdrückt. Schon sehr früh wurde der Wein als eine der ältesten Kulturpflanzen auch zu kultischen Zwecken genutzt und so unerlässlich das Wasser für uns, ja für alles Leben in der Welt ist, die Kraft und Vielfalt des Weines hat es in seiner Wirkung nicht.
„Erdig, samtig, vollmundig – wo diese Worte fallen, weiß jeder: Hier wird vom Wein gesprochen. Wohl kein zweites Getränk kennt wie der Wein eine ganz eigene Sprache. Sicher, man kann auch über Bier und vielleicht sogar über Mineralwasser fachsimpeln und auch Kaffee ist nicht gleich Kaffee, doch der Wein entführt den Menschen in eine eigene Welt, in einen Kosmos aus Geschmacksnoten und Düften, aus Farben und Stimmungen. Er hat – wie ein lebendiges Wesen! – einen Körper, es gibt jungen und alten Wein, trockene Typen und blumige Charaktere, und ganz am Ende seines Daseins steht, wie bei uns Menschen, der Abgang. Doch der Weg bis zum Abgang ist weit...“ 2), so wurde es einmal in einem Büchlein zu „Wein- und Festgeschichten der Bibel“ gesagt. Es ist also kein Wunder, dass der Wein auch in der weiten Welt des Glaubens so bedeutsam ist.
Wir hörten eben einen kleinen Text aus dem biblischen Buch „Jesus Sirach“. Es findet sich innerhalb der apokryphen Schriften der Bibel und ist daher, gerade in evangelischen Bibelausgaben, oft gar nicht enthalten. Daher werden Texte der Apokryphen auch nur selten gepredigt. Heute soll aber ganz bewusst ein solches Wort unser Nachdenken begleiten:
Das Buch Jesus Sirach gehört zur jüdischen Weisheitsliteratur. Es ist das einzige Buch der Spätschriften, dessen Autor bekannt ist: Jesus, der Sohn Sirachs aus Jerusalem... Das Buch enthält vor allem Lebensregeln in Form von Spruchweisheiten. Als höchste Weisheit gilt es hier, das Gesetz Gottes zu halten... Jesus Sirach begegnet mit dieser Abhandlung einem aktuellen Problem für seine jüdischen Zeitgenossen, dem Eindringen hellenistischer Philosophie in die hebräische Lebenswelt. Er möchte den jüdischen Glauben bewahren und versucht, die populäre griechische Philosophie damit zu verbinden... Im Hauptteil des Buches sind Weisheiten zum menschlichen Leben und seinen Alltagsproblemen gesammelt.... 3)
Hören wir noch einmal hinein in unseren kleinen Text, der uns fast ein wenig an die Sprichworte unserer Großeltern erinnert, die auf Holztellern und auf Tücher gestickt in der Küche an der Wand hingen:
Höre, mein Sohn, und verachte mich nicht und du wirst schließlich meine Worte begreifen. Bei all deinem Tun sei bescheiden, so wird dich kein Schaden treffen. Wer bei Tisch anständig ist, wird gelobt, sein guter Ruf steht fest. Wer sich bei Tisch schlecht benimmt, wird öffentlich beschimpft, sein schlechter Ruf steht fest.
Auch beim Wein spiel nicht den starken Mann! Schon viele hat der Rebensaft zu Fall gebracht. Wie der Ofen das Werk des Schmiedes prüft, so ist der Wein eine Probe für die Zuchtlosen. Wie ein Lebenswasser ist der Wein für den Menschen, wenn er ihn mäßig trinkt. Was ist das für ein Leben, wenn man keinen Wein hat, der doch von Anfang an zur Freude geschaffen wurde? Frohsinn, Wonne und Lust bringt Wein, zur rechten Zeit und genügsam getrunken. Kopfweh, Hohn und Schimpf bringt Wein, getrunken in Erregung und Zorn. Zu viel Wein ist eine Falle für den Toren, er schwächt die Kraft und schlägt viele Wunden. Beim Weingelage nörgle nicht am Nachbarn herum, verspotte ihn nicht, wenn er heiter ist. Sag zu ihm kein schmähendes Wort und streite mit ihm nicht vor den Leuten!
Unendlich weise wird die ganze Bandbreite an Möglichkeiten vor uns ausgebreitet, die der Wein uns schenken kann, zugleich aber vor übermäßigem Genuss gewarnt. Einerseits ist er wie ein „Lebenswasser“ für den Menschen, denn was ist das für ein Leben, „wenn man keinen Wein hat, der doch von Anfang an zur Freude geschaffen wurde!“, andererseits: Zu viel getrunken, verursacht er „Kopfweh“ und wird zu einer „Falle für den Toren“. So geht es auch hier um das rechte Maß, wie so oft im Leben. Es ist ein Beispiel dafür, dass Mäßigung Gewinn bedeuten kann, ein Mehrwert an Lebensfreude und –Genuss, wogegen der Überfluss, die Maßlosigkeit, genau das Gegenteil bewirken. Das alles hat nur wenig mit schaler, langweiliger Moral zu tun, aber sehr viel mit Verstand und Einsicht, die das Leben reich machen und Erfüllung schenken.
Dieses doppelte Gesicht, das sich in vielen Dingen des Alltags finden lässt, wird gerade am Beispiel des Weines sehr gut deutlich. Auch die Medizin kann heilen, helfen und doch ebenso töten; Arbeit schenkt Freude, kann aber auch Krankheit und Leid verursachen; Ein See zum Baden ist bei großer Hitze einfach nur toll, aber wir können, wenn wir unsere Kräfte überschätzen auch darin untergehen. Es gibt unendlich viele Beispiele für die beiden Seiten einer Sache. So gilt es, sich auszuprobieren, an Grenzen zu gehen, ohne sie zu überschreiten. Für ein Fest, wie wir es hier feiern, geht es darum, sich mit Freunden zu treffen, um auch mit guten Weinen dann Lebensfreude zu erfahren, ohne sie umschlagen zu lassen in Aggressivität und Gewalt.
Ein interessantes Beispiel für ein solches Abwägen: „Anfang Februar (2006) versammelte man sich im Gotteshaus nicht zum Gebet, sondern um acht Rot- und Weißweine kennen zu lernen. Das berichtete die in Mainz erscheinende ‘Allgemeine Zeitung’. Im Pfarrgemeinderat sei die Frage, ob ein Gotteshaus der richtige Ort für eine solche Weinprobe sei, lange erörtert worden. Schließlich habe man sie `mit Ja beantwortet`, erklärte die Leiterin des Organisationsteams vor der Zeitung...
Ein Weinexperte und ein Professor für Neues Testament gestalteten den Abend. Orgelbegleitung gab es auch... Nach dem Lob für den Wein versuchte der Ortspfarrer, ..., die Würde des Gotteshauses zu retten. Diese werde durch die Weinprobe gewahrt, versicherte der Geistliche, denn `der Erlös ist für die Außensanierung der Kirche bestimmt´. Sprach’s und gab der `meditativen, spirituellen´ Benefiz-Aktion seinen Segen. Die geplante Renovierung wird 100.000 Euro kosten. Geld hat bekanntlich keinen Mundgeruch – und auch keine Alkoholfahne.“ 4)
Da komme ich fast in Versuchung, Sie einmal in meine Kirche einzuladen! Den Wein würde ich organisieren. Die Spenden sollten Sie dann einbringen..., denn auch wir haben einiges zu renovieren!
Der “Praeceptor Germaniae“, also der „Lehrer Deutschlands“, wie der Reformator, Philipp Melanchthon, in seiner Zeit genannt wurde, sagte einmal: „Weintrinken mit Maß und ein liebliches Mädchen genießen: Das ist, in Gemeinschaft mit Gottesfurcht, das süßeste Leben...“ 5) Ganz in diesem Sinne wünsche ich Ihnen nun auch weiterhin einen gesegneten Sonntag, ein fröhliches Weinfest, unbeschwerte Gespräche in netter Gesellschaft und – wie immer hier in Bombach - gute Weine, mit Freude und Verstand getrunken. Amen.
Literatur:
1) Breunig, C., 33. Bombacher Weinfest 2009, Liturgie
2) Voss, F., Wein – und Festgeschichten der Bibel, Stuttgart, 2005, S. 9
3) in: http://www.die-bibel.de/wissen/inhalt-und-aufbau/spaetschriften-des-at/jesus-sirach/
4) http://www.kreuz.net/article.2751.html
5) Melanchthon, Ph., Der Lehrer Deutschlands, Hrsg. H.-R.Schwab,
München, 19972, S. 194
Wir weisen darauf hin, dass Sie alle unsere Predigten im Internet nachlesen können. Sie finden sie unter:
http://www.evangelische-kirchengemeinde-kenzingen.de – oder:
http://www.predigten.de/ (Powersearch anklicken, Text oder Name eingeben)

