Hausgottesdienst zum Sonntag 12.7.

5.Sonntag nach Trinitatis, 12.7.20

Text zum Gottesdienst im Alten Grün für diejenigen, die nicht mitfeiern können oder nachlesen wollen.

452,1+2+4

Er weckt mich alle Morgen;

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte

begrüß’ das neue Licht.

Schon an der Dämmerung Pforte

ist er mir nah und spricht.

Er spricht wie an dem Tage,

da er die Welt erschuf.

Da schweigen Angst und Klage;

nichts gilt mehr als sein Ruf!

Das Wort der ewigen Treue,

die Gott uns Menschen schwört,

erfahre ich aufs neue so wie ein Jünger hört.

Er ist mir täglich nahe

und spricht mich selbst gerecht.

Was ich von ihm empfahe,

gibt sonst kein Herr dem Knecht.

Wie wohl hat’s hier der Sklave –

der Herr hält sich bereit,

dass er ihn aus dem Schlafe

zu seinem Dienst geleit’!

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Ps 139

Herr, du erforschest mich

und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner

Zunge,  das du, Herr, nicht alles wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar

und zu hoch,

ich kann sie nicht begreifen.

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;   wunderbar sind deine Werke;

das erkennt meine Seele.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;

prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,

und leite mich auf ewigem Wege.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist

wie im Anfang, so auch jetzt und immerdar

und in Ewigkeit. Amen

 

Auf dich will ich hören, Gott. Mach mich dazu bereit. So viele reden auf mich ein. Sie wollen meine Aufmerksamkeit, meine Zeit, meine Überzeugung. Ich soll folgen, ein Follower sein, ein guter Kunde. Ich soll mein Leben optimieren, das Beste herausholen.

Auf dich will ich hören. Hilf mir zu unterscheiden. Hilf mir Nein zu sagen, wenn es nötig ist, Ja zu sagen, wenn ich es wagen soll.

Auf dich will ich hören. Begleite mich auf meinem Weg. Leite mich auf ewigem Wege. Amen

EG 361,1+2+4

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt

der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden  gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn;

auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.

Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein

lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir’s nicht;

dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht;

dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn,

wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun.

Predigt über 1.Mose 16

„Ich bin besser als du.“ sagt der Kleine im Kindergarten. Es ist ihm ein tiefes Bedürfnis, größer, schneller, besser zu sein, sich zu vergleichen.

„Ich habe auch einen roten Knopf.“ meinte Kim Yong Un. „Aber mein roter Knopf ist größer.“ entgegnete der Mann im Weißen Haus. Es hört nicht auf. Welcher Kollege hat mehr Klicks für seine Video-Andachten?

Wer hat die besseren Zustimmungswerte, Söder, Merkel, Habeck?

Es macht ja auch Spaß: Täglich schaue ich mir die Auswertung des Stadtradelns an. Wer bringt die meisten Kilometer? Wo steht unser Team?

Es macht Spaß, solange es ein harmloses Spiel bleibt. Aber es gibt auch die gemeine Variante:

„Wir sind besser, und ihr seid nichts wert.“

Und schlimm ist auch die deprimierte Umkehrung.

„Die andern sind besser, und ich bin nichts wert.“

„Der kann sich durchsetzen, und ich bleibe auf der Strecke.“ Ein gefährliches Spiel.

Ich erzähle aus der Bibel:

Abraham und Sara bekommen kein Kind.

Sie warten schon viele Jahre vergeblich – viele wissen, wie schmerzlich das ist. Damals war es noch viel schlimmer. Eine Frau ohne Kinder war nichts. Ein Paar ohne Kinder hatte keine Zukunft.

Sara hat eine ägyptische Sklavin.  Hagar heißt sie.

Sara sagt zu ihrem Mann: „Du siehst, Gott hat mir keine Kinder geschenkt. Aber vielleicht kann ich durch meine Sklavin zu einem Sohn kommen. Ich überlasse sie dir.“ Rechtlich gelten die Kinder der Sklavin als ihre. Abraham macht mit und schläft mit Hagar. Die ägyptische Sklavin Hagar wird also seine Nebenfrau. Und sie wird schwanger. Als sie merkt, dass sie ein Kind bekommt, beginnt sie  ihre Herrin zu verachten. „Ich bin schwanger und du nicht.“ Das tut weh. Sara beschwert sich bei Abraham. Abraham erwidert: „Sie ist deine Sklavin. Mach mit ihr, was du für richtig hältst!“   Sara will Hagar demütigen. Die niedrigsten Arbeiten muss sie verrichten. Sie soll es merken, wer die Herrin ist und wer die Sklavin. Da hält es Hagar nicht mehr aus. Sie läuft davon.

Vieles an dieser Geschichte ist weit weg von uns, eine andere Zeit, eine kaum verständliche Kultur.

Aber den Kern verstehen wir ganz direkt:

„Ich bin besser als du.“ „Du bringst es nicht.“

„Dir werd ich´s zeigen.“

Und Abraham versagt auf ganzer Linie. Davon erzählt die Bibel ganz offen.

Wie geht es nun weiter? Was macht Gott?

Ich lese vor aus 1.Mose 16:

Der Bote des HERRN aber fand sie an einer Wasserquelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur. Und er sprach: Hagar, Magd Saras, wo kommst du her, und wo gehst du hin? Und sie sagte: Vor Sara, meiner Herrin, bin ich auf der Flucht. Da sprach der Bote des HERRN zu ihr: Kehr zurück zu deiner Herrin und ertrage ihre Härte. Und der Bote des HERRN sprach zu ihr:  Ich werde deine Nachkommen reichlich mehren, dass man sie nicht zählen kann in ihrer Menge. Dann sprach der Bote des HERRN zu ihr:

Sieh, du bist schwanger und wirst einen Sohn gebä-ren, und du sollst ihn Ismael nennen, denn der HERR hat auf deine Not gehört. …Da nannte sie den Namen des HERRN, der zu ihr geredet hatte: Du bist El-Roi, Gott sieht mich. Denn sie sprach: Wahrlich, hier habe ich dem nachgesehen, der auf mich sieht. Darum nennt man den Brunnen Brunnen des Lebendigen, der mich sieht. Er liegt zwischen Kadesch und Bered.

Gott ist der El-Roi, der Gott, der mich sieht.

Gott sucht und findet Hagar. Er sieht sie. Er fragt nach ihr. Hagar ist Ausländerin. Sie ist Sklavin.

Und sie staunt: Mich sieht Gott! Nach mir fragt er!

Jede und jeder zählt für Gott.

Für Zeiten der Sklaverei, aber auch für unsere Zeit ist das revolutionär: Jeder Mensch ist Gott wichtig, keine und keiner zu gering. Gott fragt nach uns.

Wir hören täglich die Zahlen: 3 Mio Infizierte in den USA, 80 Mio Flüchtlinge auf der Welt, 1 Mill Hungernde.  Geht ein einzelnes Leben in dieser Schar nicht unter? Ist es nicht belanglos, was irgendein Mensch auf dieser Welt leidet? Für diejenigen, die in Syrien Krankenhäuser bombardieren lassen, zählt ein Leben nicht. Oder für die, die das Virus ignorieren und andere anstecken.

Aber für Gott zählt jede und jeder. Gott sieht mich. Gott fragt nach mir. Wo kommst du her, und wo gehst du hin?  Ich kann nicht davonlaufen: vor meinen Schwierigkeiten, vor meinem Leben, vor mir selbst.

Ich bin an diesen Platz gestellt.

Aber hier will und wird Gott mich segnen.

Hagar bleibt Sklavin – das passt uns heute nicht – aber sie kehrt stolz zurück: Ich bin wichtig für Gott und für meine  Mitmenschen. Gott sieht mich. Hagar muss ihre Herrin Sara nicht mehr verachten oder wegdrängen. Sie muss sich nicht mehr verzweifelt selbst behaupten. Sie ist von Gott angesehen. Sie hat ein Ansehen. Nichts und niemand kann ihr diese Gewissheit nehmen.

Abraham, Sara, Hagar sind keine strahlenden Glaubenshelden. Sie sind vom Leben gebeutelt.      Sie stecken in ihren Zwängen und werden mit ihren Konflikten nicht fertig. So erzählt die Bibel.

So ähnlich sind wir auch.

Gott sieht uns. Gott sieht uns in dieser ungewissen und schwierigen Zeit. Gott weiß um das, was uns belastet und schier zu Boden drückt. Wir haben einen Gott, der uns hilft. Er nimmt selbst Teil an unserem Leben – das erfahren wir durch Jesus.

Hagar muss ihren schweren Weg gehen. Es bleibt ihr nicht erspart. Aber sie geht aufrecht, ein von Gott liebevoll angesehener Mensch.

Gott sieht uns. Wir haben ein Ansehen. Wunderbar!

Der Friede Gottes, der höher ist als unser Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Neue Lieder 130 Du siehst mich

Du siehst mich,

wo ich steh, wo ich geh, wo auch immer ich bin,

auch wenn mein Blick nur suchen kann,

bist du, bist du, bist du mein Gott, denn …

du hörst mich,

wo ich steh, wo ich geh, wo auch immer ich bin,

auch wenn mein Mund nur stammeln kann,

bist du, bist du, bist du mein Gott, denn …

du liebst mich,

wo ich steh, wo ich geh, wo auch immer ich bin,

auch wenn mein Herz nur zweifeln kann,

bist du, bist du, bist du mein Gott.

 

Gebet: Wir müssen nicht besser sein als andere.

Wir können getrost unseren Weg gehen,

von dir angesehen, du, unser Gott.

Bewahre und stärke die, die unter der Last ihres Lebens fast zusammenbrechen, die Überforderten und die Verzweifelten. Hilf ihnen auf. Gib ihnen Zuversicht.

Wir bitten für Menschen, deren berufliche Situation belastend ist oder die sich um ihren Arbeitsplatz sorgen. Wir bitten für überforderte Familien.

Segne und behüte unsere Konfis und ihre Familien, alle, die in den Schulen und in den Kitas sind.

Steh den Menschen bei, die in den Pflegeheimen wohnen und arbeiten. Wir bitten für unsere Kranken, für die Einsamen, für dir Trauernden.

Begleite unsere Gemeinde, deine Kirche, unsere katholischen Mitchristen, die Gemeinde in Sundhouse.

Du siehst uns. Was auch geschieht, du bist bei uns.

 

Vaterunser

 

421

Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.

 

Gott segne dich und er behüte dich.   Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen