Hausgottesdienst zum 4.Advent von Pfr. Wehrstein, Herbolzheim

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! (Philipper 4,4.5b)

Lied: Wir sagen euch an den lieben Advent (EG 17,1-4)

1) Wir sagen euch an den lieben Advent, sehet, die erste Kerze brennt!  Wir sagen euch an eine heilige Zeit. Machet dem Herrn den Weg bereit! Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.

2) Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die zweite Kerze brennt. So nehmet euch eins um das andere an, wie auch der Herr an uns getan! Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.

3) Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die dritte Kerze brennt. Nun tragt eurer Güte hellen Schein weit in die dunkle Welt hinein. Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.

4) Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die vierte Kerze brennt. Gott selber wird kommen, er zögert nicht. Auf, auf, ihr Herzen, werdet licht. Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.

 

Gebet

Es sind nur noch wenige Tage, Herr, bis wir Weihnachten feiern. So recht will sich nicht bei allen die Freude einstellen.

Die Einschränkungen der letzten Wochen und Tage gehen auf unser Gemüt.

Doch in uns regt sich Widerstand. Der Wunsch ist stark in uns, dass auch dieses Weihnachten ein fröhliches zu Herzen gehendes Fest wird. So bitten wir Dich um Deine Nähe, die es in unseren Herzen hell macht und unsere Stimmung lichtet.

In der Stille sagen wir Dir, wofür wir deine Nähe, dein Licht brauchen. Stille. Amen.

Predigtgedanken ‚Impfstoff der Hoffnung‘

Ist Ihnen nach ‚O du Fröhliche‘ zu Mute? Die vierte Kerze wird heute an unserem Adventskranz entzündet. Noch vier Tage, dann ist Heilig Abend. Und dann, und dann würden wir nor-malerweise in einer hell erleuchteten, mit Kerzen geschmückten Kirche, eng gedrängt sitzen, und am Ende lautstark singen: ‚O du Fröhliche‘.

Jetzt ist aber vieles davon wegge-sperrt. Harter Lockdown. Vom Abstand halten bis zur Ausgangssperre. Die gute Stimmung fährt herunter und die Sorgen steigen wieder nach oben. Was wird mit meiner Arbeitsstelle? Werde ich mich anstecken? Wie bekomme ich meine Kinder zu Hause ausreichend beschäftigt? Droht mir als Seniorin Einsamkeit? Eskaliert der Streit zu Hause?

Und was wird an Heilig Abend sein? Feier im kleinen Kreis? Gottesdienste in eingeschränktem Format? Vielleicht noch nicht einmal eines von Beidem? Und dann wird es erschallen, das ‚O du Fröhliche‘, und ich befürchte, dass so mancher an der Zeile ‚Welt ging verloren‘ hängen bleiben wird. Wird es so sein, wird es so kommen?

Der große Hoffnungsträger ist der Impfstoff. Bald wird er da sein. Monate wird es dauern, bis die Impfungen uns Erleichterungen schenken. Wenn es gut geht, ist es nächste Weihnachten vorbei. Hoffentlich werden die Verluste menschlich und finanziell nicht zu groß sein. Aber wie wirksam ist der Impfstoff tatsächlich? Wie viel Hoffnung kann er uns einimpfen?

Denn mit dem Virus kam uns zugleich nahe, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Dass mein eigenes Leben sich von heute auf morgen ändern kann. Und nicht nur meines, sondern das der ganzen Nation und sogar der Welt zerbrechlich und verletzlich sind wird. Das Virus hat als Reaktion Solidarität und Egoismus hervorgebracht. Und immer wieder neu Sorgen, Konflikte, die tiefer liegen, die zum Teil vorher da waren, vor dem Virus. Und die bleiben werden, auch nach dem Impfstoff.

Wie viel Hilfe, wie viel Hoffnung bringt der Impfstoff?

An Heilig Abend wird uns ein ganz anderer Impfstoff verabreicht. Ein Impfstoff der anders, der tiefer ansetzt. In unsere Lebensbahnen wird eine besondere Dosis Gott eingeimpft. Im Johannesevangelium (Kap.1,1) heißt es: ‚Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.‘ Gott impft sich, impft seine Liebe in die Welt hinein. Seine Anwesenheit fließt durch die Bahnen dieses Universums, aber auch in unsere Blutbahnen hinein.

Am vierten Advent singen wir: ‚Wir sagen euch an den lieben Advent, sehet, die vierte Kerze brennt. Gott selber wird kommen, er zögert nicht. Auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht. Freut euch ihr Christen, freuet euch sehr! Schon ist nahe der Herr.‘

Und darin schließt sich unmittelbar der Gesang von ‚Macht hoch die Tür‘ an. Gott kommt zu uns. Er impft uns ein Heil und Leben, das er mit sich bringt, er impft uns Hilfe, Sanftmütigkeit, Barmherzigkeit ein.

Nein, gegen das Coronavirus werden wir nicht geimpft, aber gegen das, was da tiefer liegt. Wir werden gegen die Angst geimpft, verloren zu gehen. Gott bringt Heil und Leben. Angst bedeutet Enge, Gott bedeutet Ausblick und Weite. Das letzte Wort hat immer Gott, nicht das, was Du befürchtest. Selbst wenn es eintritt, hat Gott das letzte Wort: Heil und Leben wird es sein.

Wir werden auch gegen die Einsamkeit geimpft. Gott selber wird kommen. Wenn keiner dir anruft, wenn die Familie an Heilig Abend nicht kommen kann, wenn du in deinem Wohnzimmer viel zu oft allein sitzt, wenn gewohnte Begegnungen untersagt sind. Gott wird da sein. Im Herzen. Schließ die Augen und blick in Dich und… es werde licht.

Ja Gott impft uns auch Kraft ein zum Aushalten und Liebe zum Verändern. Er ist ein Impfstoff, der hilft, mit den berechtigten Sorgen, mit den negativen Gedanken, mit dem ‚Welt ging verloren‘, besser bestehen, umgehen zu können. Jeden Tag, Schritt für Schritt. Oft habe ich schon Menschen sagen gehört: ‚Ich weiß nicht wie ich da durchgekommen bin, aber irgendwie habe ich Tag für Tag Kraft geschenkt bekommen.‘

Ist Ihnen nach ‚O du fröhliche‘ zu Mute? Ich glaube, dass viel davon abhängt, ob wir uns von Gottes Liebe impfen lassen. Sicher, es ist ein Impfstoff, der immer wieder aufzufrischen ist. Vielleicht sogar Tag für Tag. Aber der Wirkstoff ist da, sofort zugänglich, für alle, ohne Einstufungen, er ist Jahrtausende lang erprobt, bei Milliarden von Menschen. Nebenwirkungen wie solidarisch, gerecht, barmherzig sein, sind erwünscht. Die Hauptwirkung aber ist Leben, Liebe, Heil. So singe ich gerne heute am 4. Advent mit Blick auf unser Land, unsere Städte, unsere Dörfer:

‚O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

Und vielleicht singe ich dann doch an Heilig Abend trotz Lockdown mit gleichzeitig weit geöffneten Herzen:   ‚O du Fröhliche‘. Das wäre ein echtes Geschenk. Amen.

Lied: (EG 1) Macht hoch die Tür

1) Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

2) Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

3) O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

 

Fürbittengebet

Wir danken dir Gott, dass Du uns so nahe kommst. Dass Du uns Hoffnung und Liebe und Kraft einimpfst.

Lass Hoffnung hineinfließen zu allen, die nicht mehr weiterwissen, die sich um sich selbst qualvoll drehen, die glauben, mit dem Tod ist alles aus.

Lass Liebe hineinfließen zu allen, die einsam sind, die miteinander nicht mehr können, die zueinander hartherzig geworden sind.

Lass Kraft hineinfließen zu allen, die angesichts der erlebten Einschränkungen zweifeln, ob sie den Anforderungen gerecht werden können. Die trauern. Und zu denen, die müde zu Bett gehen und nicht wissen wie sie den kommenden Tag überstehen können.

Breite dich aus in dieser Welt, die so zerbrechlich ist, sei Tröster früh und spat und Hoffnungsanker, der Freud und Wonne bringen kann.

Amen.

 

Vaterunser

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten

über uns und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.