Hausgottesdienst 13.2.22 Predigt zu Jeremia 9,22f

 13.2.22     3.Sonntag vor der Passionszeit

Andreas Hansen, Kenzingen

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied 452,1+2+4

Er weckt mich alle Morgen,

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmrung Pforte

ist er mir nah und spricht.

 

Er spricht wie an dem Tage,

da er die Welt erschuf.

Da schweigen Angst und Klage;

nichts gilt mehr als sein Ruf.

Das Wort der ewgen Treue,

die Gott uns Menschen schwört,

erfahre ich aufs Neue so, wie ein Jünger hört.

 

Er ist mir täglich nahe

und spricht mich selbst gerecht.

Was ich von ihm empfahe,

gibt sonst kein Herr dem Knecht.

Wie wohl hat’s hier der Sklave,

der Herr hält sich bereit,

dass er ihn aus dem Schlafe

zu seinem Dienst geleit.

 

Wir liegen vor dir im Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel 9,18b)

So heißt der Bibelvers für diese Woche, der Wochenspruch. Wir vertrauen, dass Gott Gutes mit seiner Welt und mit uns vorhat. Lasst uns mit den Seligpreisungen Jesu beten.

Glückselig sind die, die wissen,

dass sie vor Gott arm sind.

Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Glückselig sind die, die trauern.

Denn sie werden getröstet werden.

Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind. Denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.

Glückselig sind die, die hungern und dürsten

nach der Gerechtigkeit. Denn sie werden satt werden.

Glückselig sind die, die barmherzig sind.

Denn sie werden barmherzig behandelt werden.

Glückselig sind die, die ein reines Herz haben.

Denn sie werden Gott sehen.

Glückselig sind die, die Frieden stiften.

Denn sie werden Kinder Gottes heißen. Glückselig sind die, die verfolgt werden,

weil sie für Gottes Gerechtigkeit eintreten.

Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Ehr sei dem Vater …

 

Du guter Gott, wir sollen glücklich, ja selig sein. Das willst du für uns. Wir sollen Salz der Erde und Licht der Welt sein. Das traust du uns zu.                        Wir schauen auf die Woche, die hinter uns liegt und sehen vieles, was nicht gut ist in unserem Leben und in der Welt. Was wir tun müssten, was sich ändern müsste, kommt uns kaum erreichbar vor. Jesus, nimm uns mit, mit deiner Hoffnung. Wecke deine Kraft in uns. Amen

 

Lied 346,1-3

Such, wer da will, ein ander Ziel,

die Seligkeit zu finden;

mein Herz allein bedacht soll sein,

auf Christus sich zu gründen.

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,

sein heilger Mund hat Kraft und Grund,

all Feind zu überwinden.

Such, wer da will, Nothelfer viel,

die uns doch nichts erworben;

hier ist der Mann, der helfen kann,

bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil,

uns macht gerecht der treue Knecht,

der für uns ist gestorben.

 

Ach sucht doch den, lasst alles stehn,

die ihr das Heil begehret;

er ist der Herr, und keiner mehr,

der euch das Heil gewähret.

Sucht ihn all Stund von Herzensgrund,

sucht ihn allein; denn wohl wird sein

dem, der ihn herzlich ehret.

Predigt:

Glücklich, ja selig seid ihr. Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten! Mit einer großen Ermutigung beginnt Jesus seine Predigt.

Mit einer großen Ermutigung beginnt unser Leben als Christenmenschen. Gott sagt bei unserer Taufe zu uns: Du bist mein Kind. Dich habe ich lieb. Dich will ich segnen. Gott richtet uns auf.

Gott macht uns Mut.

Mut können wir gut gebrauchen. Denn wen nennt Jesus selig? Die Friedensstifter, die Gewaltlosen, die nach Gerechtigkeit hungern und dazu auch die Traurigen, die Verfolgten. Wir schauen in unsere Welt und es ist schier zum Verzweifeln. Haben Sie die Dokumentation über die schreckliche Verfolgung der Uiguren in China angesehen? Ob es dieses Volk in 20 Jahren wohl noch gibt, oder ob die Chinesen es ganz auslöschen werden? Überall sind die Diktatoren auf dem Vor-marsch, werden Menschen unterdrückt und auch die Natur wird rücksichtslos verbraucht und zerstört.

Wie kommen wir da nur heraus?

Der Predigttext richtet unseren Blick auf den Propheten Jeremia. Er kündigt den Untergang Jerusalems an, aber er wird nicht ernst genommen, sondern verfolgt und fast umgebracht. Jeremia erlebt die durch und durch korrupte,  ungerechte, kurzsichtige Politik seiner Zeit und dann die schreckliche Vernichtung durch die Babylonier. Gewalt und Unrecht regieren. Die Welt ist am Abgrund. Wird Israel das überleben?

Mitten im größten Schrecken sagt Jeremia:

So spricht der Herr:

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit,

ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke,

ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne,

dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit,

Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden;

denn solches gefällt mir, spricht der Herr.

(Jer 9,22f )

Die Lage ist zum Verzweifeln. Israel ist in seiner Existenz bedroht, damals im 6.Jahrhundert vor Christus, und immer wieder: Als die Römer im 2. Jahrhundert alle Juden aus ihrem Land vertrieben, in den Gewaltorgien gegen Juden im Mittelalter und am brutalsten im 20. Jahrhundert durch die deutsche Vernichtungspolitik.

Und trotzdem sagt Gott: Mir gefallen Barm-herzigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Ich bin der Herr und setze Barmherzigkeit, Recht, Gerechtigkeit auf der Erde durch. Gewalt und Unrecht behalten nicht das letzte Wort.

 

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit,

ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke,

ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

Die selbstgefälligen, verlogenen Auftritte der Diktatoren der Welt sind kaum zu ertragen.  Sie sind berauscht von sich selbst und sie verhöhnen ihre Gegner und ihre Opfer.

So wie Gerhard Schröder Putin hinterherhechelt, sind auch wir fasziniert von Macht, Reichtum und Glamour.                           Erfolg, Weisheit, Geld sind nicht an sich schlecht – wir zeigen schließlich auch gern, was wir haben und können. Aber alles wird verkehrt, wenn wir uns nur auf uns selbst verlassen, allein auf unsere Weisheit und Stärke und Reichtum setzen. Jeremia sieht die Wurzel allen Übels darin, dass seine Zeitgenossen Gott nicht kennen.       Vielleicht pflegen sie sogar ein wenig religiöses Brauchtum, aber in Wahrheit wollen sie von Gott nichts wissen.

Wer sich so gottvergessen selbst rühmt, nimmt Weisheit, Stärke und Reichtum als sein eigenes Werk wahr. Ich selbst mache mein Glück. Dann bin ich auch das Maß aller Dinge. Die Selbstvergötzung macht rücksichtslos. Was mir dient, ist wichtiger als die Interessen anderer, wichtiger als das Recht des Mitmenschen und das Recht der Schöpfung. Ein Weg in den Abgrund.

 Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er wirklich klug sei und mich kenne.

Gott kennen heißt: Unsere Weisheit, Stärke und Reichtum sind nicht unser Werk. Gott verdanken wir alles, was wir wissen und können. Und mit den uns anvertrauten Gaben setzen wir uns ein. Wir verbinden Weisheit mit Güte, wir setzen Stärke und Besitz für gerechte Verhältnisse ein.

Jeremia ermutigt sein Volk und uns:

„Gott hat das letzte Wort. Verlasst euch darauf!  Seine Barmherzigkeit, sein Recht und seine Gerechtigkeit setzen sich durch. Resigniert nicht! Und setzt euch ein mit all eurer Kraft!“

Jesus traut uns viel zu und ermutigt uns:

Glückselig seid ihr. Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten!

Eine Welt voll Güte, Recht, Gerechtigkeit gefällt Gott. Das ist sein Ziel.

Dafür steht er ein und dafür macht er uns Mut. Amen

 

Lied 662

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die Ängste, für die Sorgen,

für das Leben heut und morgen:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die Wahrheit einzustehen

und die Not um uns zu sehen:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die Zeit, in der wir leben,

für die Liebe, die wir geben:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

für die vielen kleinen Schritte,

Herr, bleib du in unsrer Mitte:

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Gebet

 

Du, Gott, liebst Güte und Gerechtigkeit.

Du findest dich nicht ab mit Krieg und Unrecht.

Du gibst die Welt nicht verloren, obwohl wir oft vor den Problemen resignieren.

 

Wir bitten dich um Frieden zwischen den Völkern.

Der Aufmarsch der Truppen an den Grenzen der Ukraine macht uns Angst. Bewahre die Menschen vor dem Leid, das der Krieg bringt. Gib den Verantwortlichen und gib uns Weisheit und Mut umzukehren und zu versöhnen.

 

Wir bitten dich um Gerechtigkeit. So viele Menschen leiden unter staatlicher Gewalt. Sie werden unterdrückt und verfolgt. Sie dürfen ihre Meinung nicht sagen und leben in ständiger Angst. Wir bitten für die Uiguren in China, für die Menschen in Belarus, in Myanmar – es sind viele Länder, in denen furchtbares Unrecht geschieht.

Wir bitten für die Bewahrung der Schöpfung. Hilf uns umzukehren, weniger zu verbrauchen, bewusster zu leben, dass wir nicht sinnlos Energie und Rohstoffe verschwenden, dass wir nicht unsere Umwelt durch Müll und das Klima durch CO2 belasten.

 

Hilf uns in dieser Phase der Pandemie. Noch immer sterben täglich so viele. Wir bitten für die Kranken, für Kinder und Jugendliche in Quarantäne, für die vielen, die sich für die Opfer der Krankheit einsetzen.

Gib uns Weisheit und Mut, dass wir die richtigen Schritte gehen und möglichst alle von dem überzeugen, was nötig ist. Bewahre uns davor, dass wir wegen der Coronamaßnahmen in heillosen Streit geraten.

 

Wir bitten für deine Kirche, unsere Gemeinde, für unsere Partnergemeinde in Sundhouse und für unsere Nachbarn in der katholischen Gemeinde. Schenk uns Weisheit und Mut, dass wir deine Kirche sind und leben, wie es dir entspricht.

 

Vaterunser

Lied 170

Komm, Herr, segne uns,

dass wir uns nicht trennen,

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

 

Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

 

Frieden gabst du schon,

Frieden muss noch werden,

wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden. Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen –

die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

 

Komm, Herr, segne uns,

dass wir uns nicht trennen,

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

 

Segen

 

Gott segne dich und er behüte dich.  

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.  

Gott hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen