Gottesdienst zum Sonntag Kantate von Joachim Knab, Emmendingen

  1. Sonntag nach Ostern, Kantate, 10.5. 2020

Diesen Gottesdienst hat Pfarrer Joachim Knab aus Emmendingen vorbereitet.

 

Gott, hier bin ich/sind wir, in der Gewissheit, dass auch Du bei mir /uns bist. So feiere ich/so feiern wir in deinem Namen Gottesdienst. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Psalm 98

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil kundwerden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet! Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König! Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist. Amen

 

Gebet

Du wunderbarer Gott, gut, wieder hier zu sein.

Bei dir öffnet sich ein Raum, in dem ich sein kann, wie ich bin. Bei dir öffnet sich eine Welt, die mich aus dem Alltäglichen herausholt und Neues zeigt. Bei dir höre ich Wohltuendes und nehme die Klänge einer anderen Welt wahr. Da beginnt auch meine Seele zu singen und zu klingen. Und mein Mund stimmt ein, vielleicht leise oder sogar nur mit belegter Stimme, aber um dich zu loben. Höre meine Stimme, mein Gott.  Amen.

 

Lied: EG 302 Du meine Seele singe

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön

Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;

Ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

 

Lesung: 2.Chronik 5 (in Auswahl)

 

Salomo rief die führenden Leute von Israel nach Jerusalem. Sie sollten dabei sein, wenn die Bundeslade des HERRN auf dem Berg Zion, zum Tempel gebracht wurde. Und so kamen im 7. Monat des Jahres alle Israeliten in Jerusalem zusammen. In diesem Monat wurde auch das Laubhüttenfest gefeiert. Als alle versammelt waren, hoben die Leviten die Bundeslade hoch und trugen sie hinauf zum Tempel. Zusammen mit den Priestern brachten sie auch das heilige Zelt hinauf mit all seinen geweihten Gegenständen. Auch die Sänger der Leviten waren gekommen. Sie trugen Gewänder aus feinem weißen Leinen und standen mit Zimbeln, Harfen und Lauten an der Ostseite des Altars. Bei ihnen hatten sich 120 Priester aufgestellt, die auf Trompeten spielten. Zusammen stimmten die Sänger und Musiker ein Loblied für den HERRN an. Begleitet von Trompeten, Zimbeln und anderen Instrumenten sangen sie das Lied: »Der HERR ist gütig, seine Gnade hört niemals auf!« Während sie sangen, verließen die Priester wieder den Tempel, und es kam eine Wolke auf ihn herab. Und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das ganze Haus.

 

Predigt:  Sie können die ganze Predigt hören über diesen Link:

https://youtu.be/p9Nnox_kQZ0

 

mal ehrlich, wann und wo hast du das letzte Mal gesungen? Fällt es dir spontan ein? Ich spreche jetzt nicht von denen unter uns, die zu den 14 Millionen! Zeitgenossen gehören, die in ihrer Freizeit aktiv Musik machen oder in einem Chor singen. Obwohl für Euch das Musikmachen derzeit ja leider auch wegfällt. Man hat statistisch festgestellt, dass die meisten Menschen im Fußballstadion oder in der Kirche singen. …

Unser guter Schöpfer hat hier – so meine ich – eine besondere Gabe und auch Begabung in unsere Herzen gelegt. Eine Gabe, die uns helfen kann den Himmel wieder zu finden. Deshalb gehören Glaube und Musik so untrennbar zusammen. Leider können die himmlischen Töne in einem Menschen auch verstummen. Dennoch: Martin Luther spricht es aus: Der schönsten und herrlichsten Gabe Gottes eine ist die Musica, damit man viel Anfechtung und böse Gedanken vertreibt.“ Wer bräuchte das nicht? …  Mir haben Menschen erzählt, wie sie den offenen Himmel erleben z.B., wenn sie das „Halleluja“ aus Händels „Messias“ hören. Könntest du die Musik jetzt abrufen und lossingen? In diesem Moment, als die Musik erklang, sagen sie, hatten sie keinen Zweifel in ihren Herzen, ob es diesen großen Gott gibt. „Halleluja, denn Gott, der Herr, regieret allmächtig…er regiert auf immer und ewig. Halleluja.“ Andere werden durch Taize-Lieder im Gottvertrauen gestärkt: „Laudate omnes gentes…Lobpreist ihr Völker alle.“ Sie erfahren die Nähe zu Gott fast körperlich. Wieder andere berichten mir von ihren Erlebnissen mit neueren Anbetungslieder: „Wer auf Gott vertraut, braucht sich nicht zu fürchten vor den Schrecken der Nacht und der Einsamkeit … Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten bei Tag und bei Nacht.“ Und die Angst sei von ihnen gewichen. Sie konnten beruhigt sich hinlegen und schlafen und ihr Leben in Gottes Hand geben. Ich finde das so wichtig gerade in Zeiten, in denen man bedroht ist. Wie jetzt zu Corona-Zeiten. Singen hilft, mich meines Gottes und seiner Hilfe zu vergewissern, Anfechtung zu vertreiben. Und wenn dann noch andere miteinstimmen, dann bestärkt es doppelt. Es wundert mich nicht, dass jemand mir sagte: „Für mich war das so, als würde ich schon ein Stück des Himmels erleben.“ …

Wie lange hatte König David innerlich mit Gott gerungen, ihm ein Haus bauen zu dürfen. Er wollte ihm nach den vielen Kämpfen seines Lebens dort in Ruhe begegnen und anbeten. Doch Gott hat es ihm nicht erlaubt. Sein Sohn, König Salomon erst durfte nach Davids Tod den Tempel bauen. Sehr tragisch!  Im 2. Chronikbuch Kapitel 5 wird nun von dem großen Tag der Einweihung des neuen Tempels berichtet.  Die von David lange zuvor gesammelten, heiligen Gerätschaften und Utensilien samt Bundeslade und Gesetzestafeln wurden feierlich in den neuen Tempel gebracht. Es war einer der ergreifendsten Gottes-dienste in der Geschichte Israels. Der Gesang und die Harfenmusik vieler hundert Männer, dazu noch 120 Priester mit ihren Trompeten, war so gewaltig, dass die Herrlichkeit Gottes nicht nur zu hören, nein sogar zu fühlen war. Sie war mit Händen zu greifen. So sehr erfüllte der himmlische Glanz den irdischen Tempel, dass die Priester den Gottesdienst zuerst nicht fortsetzen konnten. Es war Gänsehaut-Atmosphäre, wie der Gesang und die Musik zu einer Einheit zusammen floss, so als wäre es nur eine einzige Stimme. Von dieser Harmonie können wir manchmal nur träumen. Aber es gibt sie. Eine Harmonie, die mehr ist als ein gutes Gefühl, eine Harmonie, die mit dem Heiligen verbindet und jedes Hindernis überwindet. Glaube mir, wenn wir diese Macht aus Gottes Welt besingen, dann stürzt die alte Welt ein und eine neue Lebenswelt um uns her entsteht.

Man kann nicht immer so ein Fest feiern – schon gar nicht so wie Salomon, aber im Gottesdienst brauchen wir trotzdem das Singen und Musizieren, um in die Nähe Gottes zu kommen. Grade nach einer Woche, in der das im Alltag etwas verloren gegangen ist. Es ist pure Seelsorge. Es hilft. Man kann mit Liedern beginnen, die man kennt. Das ist wichtig! Oder mit Liedern, die zur Glaubensgeschichte gehören. Ich denke an „Ein feste Burg ist unser Gott…“ Luther und David hatten wohl ähnliche Erfahrungen mit Gott gemacht. David in jenen schweren Tagen seines Lebens, als er noch nicht König war und er vom vorherigen König Saul bedroht wurde. Wenn mal wieder eine Bedrohung vorüber war und der Stein sprichwörtlich von seinem Herzen fiel, dann verschaffte er sich Luft und dichtete ein neues Lied, so geschehen in Psalm 98: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Diese Lieder sangen weder David noch Luther im stillen Kämmerlein, sie wurden geteilt und mitgesungen, es wurden Ohrwürmer. Aber begonnen hat es im Inneren eines Menschen. … Erleben wir eigentlich heute so wenig mit Gott, dass – Profis ausgenommen – kaum jemand spontan ein neues Lied für Gott singen will? Alte Lieder können gut sein. Ich möchte nicht abstreiten, dass es manchmal sogar gut ist, wenn man sich den Texten und Melodien anderer anschließen kann. Aber verstehen sie unsere Konfis noch? Muss die Erfahrung nicht brandaktuell sein, die man besingt?   Müssten wir nicht zumindest die alten Lieder in unsere Sprache umdichten und auch neue Worte und Melodien finden? Wer mit Gott lebt, der erlebt auch Gott oder er lebt nicht mit Gott! Also, es muss gesungen werden! In welcher Situation auch immer. Ob als Ermutigung oder einfach aus Freude, ob als Trost oder zur Vergewisserung meines Vertrauens zu Gott. Ich brauch dieses Singen, grade wenn mir vielleicht einmal die Worte im Hals stecken bleiben. Anna Magdalena Bach hat genau das gemeint, wenn sie sagte: „Die wirkliche Musik… erwarten wir doch bloß.“ Noch sind wir nicht im Reich Gottes. Noch gibt es Schicksale zu bewältigen, auch heute zu Corona-Zeiten. Leid und Freud, es liegt oft so eng beieinander! Wer könnte hiervon nicht ein Lied singen! Oder wer bräuchte hier nicht dringend ein Lied? Unsere jüdischen Geschwister haben gesagt: „Wenn ihr in Not kommt, dann sprecht nicht: wir wollen einen Krieg fechten, sondern sprecht: der Herr wird für euch streiten und ihr sollt singen.“ Hatte also der Kirchenvater Augustinus doch recht, wenn er formulierte: Wer singt, der betet doppelt.   Amen

 

Liedvorschlag: Da wohnt ein Sehnen

https://www.youtube.com/

watch?v=SRyud7ePKdM

 

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst

  1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.

In Sorge, im Schmerz, sei da, sei uns nahe, Gott.

  1. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht, sei da, sei uns nahe, Gott.
  2. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod, sei da, sei uns nahe, Gott.
  3. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Fürbitten

Guter Gott und Vater, wir sind glücklich, dass es die Musik, das Singen und Tanzen gibt. Wir sind glücklich, dass wir unsere Freude, unsere Hoffnung aber auch unseren Schmerz und sogar die Trauer ausdrücken können. Du hast diese Fähigkeit in unsere Seelen gelegt. Sie hilft uns und tut uns gut.

Wir danken für Chöre, für Solisten und Instrumentalisten, die ihre Gaben zu deinem Lob einbringen. Wir danken für alle, die aus voller Kehle singen oder die still in ihrem Herzen ein Lied bewegen. Gefühle und Emotionen dürfen wir vor dir leben und sie ausdrücken.

Guter Gott, wir denken heute an alle, denen das Singen im Hals stecken geblieben ist. Wir denken vor dir an verbitterte Menschen und an alle, denen niemand ein wohltuendes Lied gelehrt hat, das ihr Herz erfüllen könnte. Wir beten für diejenigen, die denken auf ihre Stimme käme es nicht an.

Guter Gott hab Erbarmen mit deinen Menschen. Vor dir breiten wir die Not aus, die Menschen erleiden und nennen ihre Namen. Aber auch die Namenlosen legen wir dir ans Herz. Öffne du uns einen Klangraum, in dem wir die Melodie unseres eigenen Lebens einbringen und zum Klingen bringen dürfen.   Amen

Vaterunser

 

Segen

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Hebe dein Angesicht über uns und schenke uns Frieden. Amen.

 

_________________________________