Gottesdienst für den 24.1.21

  1. Sonntag nach Epiphanias| 24. Januar 2021

Barbara Müller-Gärtner,
Pfarrerin in Elzach-Oberprechtal

Wir feiern unseren Gottesdienst – verbunden mit anderen und verbunden mit Gott –
im Namen Gottes des Vaters, der uns nahe ist;

des Sohnes, in dem die Nähe Gottes zu uns Menschen anschaulich wurde;

des Heiligen Geistes, der uns miteinander verbindet. Amen.

Lied: EG 293 Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all
https://www.youtube.com/watch?v=GhUwa0Hx_hE

  1. Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all,/ lobt Gott von Herzensgrunde,/ preist ihn, ihr Völker allzumal,/ dankt ihm zu aller Stunde,/ dass er euch auch erwählet hat/ und mitgeteilet seine Gnad/ in Christus, seinem Sohne.
  2. Denn seine groß Barmherzigkeit/ tut über uns stets walten,/ sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit/ erscheinet Jung und Alten/ und währet bis in Ewigkeit,/ schenkt uns aus Gnad die Seligkeit;/ drum singet Halleluja.

Gebet: Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich, GOTT. Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich.
DU stellst meine Füße auf weiten Raum, GOTT.
So ermöglichst du mir, zu leben und frei zu sein.
Gib mir von deiner Weite, Gott, dass ich auch anderen Raum gewähre; auch wo sie ganz anders sind und anders leben als ich.
Darum bitte ich in Jesu Christi Namen. Amen

Lesung aus Ruth 1 (Gute Nachricht):
Es war die Zeit, als das Volk Israel noch von Richtern geführt wurde. Weil im Land eine Hungersnot herrschte, verließ ein Mann aus Betlehem im Gebiet von Juda seine Heimatstadt und suchte mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen Zuflucht im Land Moab. … Während sie im Land Moab waren, starb Elimelech und Noomi blieb mit ihren beiden Söhnen allein zurück. Die Söhne heirateten zwei moabitische Frauen, Orpa und Rut. Aber zehn Jahre später starben auch Machlon und Kiljon, und ihre Mutter Noomi war nun ganz allein, ohne Mann und ohne Kinder. Als sie erfuhr, dass der Herr seinem Volk geholfen hatte und es in Juda wieder zu essen gab, entschloss sie sich, das Land Moab zu verlassen und nach Juda zurückzukehren. Ihre Schwiegertöchter gingen mit. Unterwegs sagte sie zu den beiden: »Kehrt wieder um! Geht zurück, jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr vergelte euch alles Gute, das ihr an den Verstorbenen und an mir getan habt. Er gebe euch wieder einen Mann und lasse euch ein neues Zuhause finden.« Noomi küsste die beiden zum Abschied. Doch sie weinten und sagten zu ihr: »Wir verlassen dich nicht! Wir gehen mit dir zu deinem Volk.« Noomi wehrte ab: »Kehrt doch um, meine Töchter! …« Da weinten Rut und Orpa noch mehr. Orpa küsste ihre Schwiegermutter und nahm Abschied; aber Rut blieb bei ihr. Noomi redete ihr zu: »Du siehst, deine Schwägerin ist zu ihrem Volk und zu ihrem Gott zurückgegangen. Mach es wie sie, geh ihr nach!« Aber Rut antwortete: »Dränge mich nicht, dich zu verlassen. Ich kehre nicht um, ich lasse dich nicht allein. Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da will auch ich sterben; dort will ich begraben werden. Der Zorn des Herrn soll mich treffen, wenn ich nicht Wort halte: Nur der Tod kann mich von dir trennen!« Als Noomi sah, dass Rut so fest entschlossen war, gab sie es auf, sie zur Heimkehr zu überreden. So gingen die beiden miteinander bis nach Betlehem.

Gedanken zum biblischen Text für den Sonntag
Was ist das mit Noomi und Rut und Orpa? Was haben sie mit mir, mit uns zu schaffen?

Meine Antwort für heute: mir sind sie Lehrerinnen in Sachen Freundschaft und Unterstützung und Liebe über Grenzen hinweg.
Erstaunlich. Denn das Leben meint es nicht gut mit ihnen, mit der Familie: Da ist Hunger. Die Not macht Noomi und ihren Mann zu Wirtschaftsflüchtlingen. Was haben die beiden an dieser Stelle Glück! Sie schaffen es über die Grenze!
Mir stehen die Bilder vor Augen von den ungezählten Menschen auf der Flucht in unseren Tagen. Die meisten scheitern an unseren Grenzen. Die einen sterben, die anderen hausen in furchtbaren Lagern. Sie fragen nach unserer Unterstützung, betteln um menschenwürdigen Umgang, Versorgung, Barmherzigkeit!
Noomi und ihr Mann haben es da besser: Über der Grenze im fremden Land Moab finden sie ein Zuhause und ihr Auskommen. Obwohl der Mann stirbt bleibt Noomi als Witwe mit zwei Söhnen. Die Söhne scheinen sich heimisch zu fühlen. Sie heirateten Frauen aus Moab. Als die Männer sterben, sind sie kinderlose Witwen.

Ich muss an Laika denken, die Frau aus „Jugoslawien“. In meinem Heimatdorf hat sie mit ihrem Mann Arbeit gefunden. Ende der 70er Jahre war das. Sie war sehr jung. Und dann verunglückte der Mann tödlich. Sie bleibt hier; mit ihrem kleinen Sohn; hat Arbeit. Laika gehört ins Dorf. Da lebt sie bis heute mit ihrem Sohn und seiner Familie.
In Moab entscheidet sich Noomi anders. Von jetzt auf gleich in ihrer Zeit sind die drei Frauen mittellos, rechtlos – weil ohne Mann.
Noomi hält nichts mehr in dem fremden Land. Ihre beiden Schwiegertöchter Orpa und Rut wollen sie begleiten. Doch Noomi wird klar: in Israel werden ihre Schwiegertöchter die Fremden sein. Sie gibt die beiden frei für bessere Chancen in der eigenen Heimat.

Heimat oder fremdes Land? Beziehungen, Bindungen, Freundschaften machen viel. So wie bei den Dreien. Von Küssen und Tränen wird erzählt. Am Ende hört Orpa auf ihre Schwiegermutter. Sie bleibt in Moab, ihrem Land, ihrer Kultur, ihrer Familie. Gut so.
Rut entscheidet sich anders: „Dränge mich nicht… Ich gehe nicht weg von dir! Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott“. Rut geht eine eigene feste Verbindung mit ihrer Schwiegermutter ein: „Nur der Tod kann mich von dir trennen”, sagt sie.

Rut, der Name bedeutet Freundschaft. Die Freundschaft der beiden Frauen gründet sich auf Achtung und Gegenseitigkeit. Beide binden sich aneinander in ihren Schwächen und Stärken: Die Ausländerin Rut braucht die einheimische Noemi, um Fuß zu fassen. Die alternde Noomi braucht die Fürsorge und den Schutz der Jüngeren. So kann es gehen, das neue Leben. Rut und Noomi erzählen von Freundschaft, Liebe, Achtung und Unter-stützung; und davon, wie sie Grenzen überwinden. Im Glauben und Gottvertrauen der Älteren gründen sie ihr Leben. So nehmen sie ihr Schicksal in die eigenen Hände. Die beiden sind klug und so handeln sie auch. Glauben Gott auf ihrer Seite: Gott, der auch aus dem Schlimmsten noch Gutes entstehen lassen kann und will. Ihrer Trauer über ihre Männer und der Aussichtslosigkeit setzen sie ihre Freundschaft und ihre Unterstützung entgegen. Vereint und mit dem Segen Gottes schaffen sie es tatsächlich, Grenzen zu überwinden, Unmögliches wird wirklich. (Lesen Sie die Geschichte doch mal zu Ende): Rut bekommt einen Sohn. Das Matthäusevangelium sagt, sie wird zur Urgroßmutter von König David, bekommt so einen Platz im Stammbaum von Jesus.

Viele unserer Familiengeschichten, nicht nur aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, auch von heute, wissen von außergewöhnlichen, unterstützenden Beziehungen zu berichten. Unter Frauen: Großmüttern und Tanten, Schwiegermüttern, Töchtern und Schwestern, Freundinnen. Nicht nur unter Frauen. Aber da ganz oft. Frauen unserer Kirchengemeinde erzählen so auch von den Anfängen der Gemeinde in Elzach: den Flüchtlingen und Einheimischen, von den neuen Verbindungen seither, in Elzach und anderswo immer wieder: Menschen mit großem Gottvertrauen und der Bereitschaft sich aneinander und miteinander zu verbinden und zu verbünden! In der Not, im Glück und in Trauer, über die Grenze von Lebensweisen, fremd oder heimisch – sie glauben: Gott legt seinen Segen auf Freundschaft und Miteinander, da ganz besonders. Amen. So sei es!

Lied EG 395 Vertraut den neuen Wegen
https://www.youtube.com/watch?v=8ZbC0PfEY8c
1. Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

  1. Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.
  2. Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Fürbitten:

Gott ich lobe und preise dich! Du hast jeden von uns einzigartig geschaffen. Was für ein Geschenk, was für eine Aufgabe! Du spiegelst dich in uns? Ja! Ich freue mich und es lässt mich fragen:

Gott, ich erlebe mich und die Welt doch oft so anders, nicht gott-ähnlich:

Da sind harte und enge Grenzen, kurze Sicht auf meine Einstellungen; ich fälle trotzdem Urteile mir und anderen gegenüber.
Das bringe ich vor dich – Wandle es in deine Weite.

Gott, da sind viel Unglück und Leid, Im-Stich-gelassen-Werden, Enttäuschung und Wut, die in Gewalt oder Aufgeben sich zeigen; da sind Hilfsbe-reitschaft aber auch ohnmächtiges Schulterzucken; So oft stecken wir fest.
Ich bringe dir die unter uns und an anderen Orten, die schwer erkrankt sind, ihre Angehörigen, die Ärztinnen und Therapeuten, die für sie beten;
Unsere ganze Ohnmacht, was uns beugt und lähmt, bringe ich vor dich – wandle sie in Stärke von dir.

Gott, wir fragen, was ist angemessen von den Maßnahmen gegen Corona? Mitten in Angst einerseits und in Sorglosigkeit andererseits.
Wandle du das verlorene Zutrauen, in Bereitschaft, für unsere Entscheidungen Verantwortung zu übernehmen. – StilleWas noch offen geblieben ist, bringen wir vor dich, Gott, mit den Worten Jesu:
Vaterunser im Himmel geheiligt werde …

Segen – Sie können dabei Ihre Hände öffnen:
Gott segne und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.