„der mich stark macht“ Predigt über 1.Tim 1,12-17

Predigt am 12.6.16 von Andreas Hansen über 1.Tim 1,12-17

im Gottesdienst wird der Küster Volker Pixberg aus seinem Amt verabschiedet; die Kantorei singt; vor der Predigt singen wir das Lied In dir ist Freude

„In dir, Jesus, ist Freude. …Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod.“

Liebe Gemeinde, das ist wie ein guter Raum in Jesus. Ein Schutz-Raum, ein Kraft-Raum. Wir haben Jesus. Wir sind in Ihm. Wir werden gestärkt. Wir wappnen uns. Natürlich gibt es das Böse, das teuflisch Böse, Menschen, die gemein und grausam sind, die Gewalt und Unrecht üben. Gewiss ist die Welt voll Leid. „Unter jedem Dach wohnt ein Ach.“ Inzwischen, nach gut vier Jahren kenne ich viele Häuser in Kenzingen und weiß von manchem Leid. Sicher kennen wir die Macht Sünde: Egoismus, Unglaube, Widerspruch gegen Gott. Und der Tod ist überall. Er kommt uns manchmal sehr nahe und eines Tages werden wir sterben. Warum singen wir: „Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod.“? Wir sind all dem ausgesetzt und bringen selbst auch Böses und Leid in die Welt.                                Und doch haben wir Jesus. Oder besser: Jesus hat uns, wie der gute Hirte sein verlorenes und gefundenes Schaf.     Paulus schreibt: „Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.“  Jesus gibt uns einen Raum, in dem wir trotz allem Vertrauen bekommen und bestehen. Jesus setzt Vertrauen in uns. Jesus gibt uns Kraft.

Hören wir den Predigttext im 1.Timotheusbrief.

Da schreibt jemand im Namen von Paulus und so, als wäre er selbst Paulus. Das war damals ganz üblich, den Namen eines verehrten Lehrers zu benutzen. 1.Tim 1,12-17:

 Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat, Jesus Christus, unserem Herrn; denn er hat mich als vertrauenswürdig angesehen und in seinen Dienst genommen –  ausgerechnet mich, der ich ihn früher verhöhnt und seine Gemeinde mit äußerster Härte verfolgt hatte. Aber er hat sich über mich erbarmt, weil ich in meinem Unglauben nicht wusste, was ich tat. Geradezu überwältigend war die Gnade, die unser Herr mir erwiesen hat, und sie hat in mir einen Glauben und eine Liebe entstehen lassen, wie sie nur durch Jesus Christus möglich sind.   Ja, Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten. Auf dieses Wort ist Verlass; es ist eine Botschaft, die vollstes Vertrauen verdient. Und einen größeren Sünder als mich gibt es nicht! Doch gerade deshalb hat sich Jesus Christus über mich erbarmt: An mir als dem größten aller Sünder wollte er zeigen, wie unbegreiflich groß seine Geduld ist; ich sollte ein ermutigendes Beispiel für alle      sein, die sich ihm künftig im Glauben zuwenden,   um das ewige Leben zu erhalten. Dem König, der in alle Ewigkeit regiert, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, gebühren Ehre und Ruhm für immer und ewig.    Amen.

In so einen hat Jesus Vertrauen gesetzt. So einen wie Paulus hat er in seinen Dienst genommen. Er hat Jesus Christus verhöhnt und seine Gemeinde mit äußerster Härte verfolgt, und ausgerechnet ihm erweist der Herr Gnade. Paulus selbst berichtet schonungslos über seine schlimme Vergangenheit. Sein Schüler betont noch stärker: einen größeren Sünder gibt es nicht. Er war fanatisch und verbohrt, von Hass und Schadenfreude erfüllt, gewaltbereit und menschen-verachtend. Aber das hat Jesus nicht abgeschreckt. Paulus kann nur staunen und jubeln darüber, was Gott aus uns macht. Er weiß, was in ihm steckt und wozu er fähig ist. Er kennt die finstere Seite in sich und in uns. Aber Jesus  hat ihm Kraft gegeben. Jesus hat Vertrauen in ihn gesetzt. Jesus hat Gutes mit ihm vor.

Der erste Satz hat es mir angetan, liebe Gemeinde: Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat, Jesus Christus: to endynamosanti me – als Radfahrer denke ich natürlich an den Dynamo und an den    E-Motor. Das ist, als würde man mit starkem Rückenwind fahren, als würde einen jemand anschieben. Man kommt den Berg hinauf, den  man aus eigener Kraft nie schaffen würde.                                                         Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat, Jesus Christus. Vertrauen ist diese Kraft, die über viele Berge hilft.  Er setzt Vertrauen in mich, in mich, und er weckt Vertrauen in mir. Liebe Gemeinde, der „Vertrauensdynamo“ ist so unendlich wichtig! Wir bleiben auf der Strecke ohne ihn.

Die Zeitungen der vergangenen Woche schrieben viel über Bundespräsident Gauck: Warum war und ist seine Präsidentschaft so geglückt? Viele Menschen schenken ihm Vertrauen und er weiß sich vom Vertrauen der Menschen getragen. Er trifft oft den richtigen Ton. Er spricht mutig an, was schwierig ist. Vor allem weckt der Bundespräsident das Vertrauen, das er selbst in die Demokratie und in die Freiheit setzt.

Das Gegenteil davon sind Politiker, die vor allem Misstrauen säen und sich nur dadurch profilieren, dass sie gegen andere sind. Viele Menschen sind verunsichert. „Stimmt das auch, was die sagen oder was wir in der Zeitung lesen? Geht es denen allen nicht nur um Macht für ihre Partei und Geld in der eigenen Tasche?“ Ein kritischer Blick und die Kontrolle der Mächtigen gehören natürlich zu unserer Demokratie – längst nicht alles ist gut. Aber die meisten Politiker und Institutionen unseres Landes verdienen mehr Vertrauen und Achtung, als ihnen entgegengebracht wird.

Ein Team hat nur Erfolg, wenn wir einander vertrauen und das auch zeigen, wenn wir miteinander auf ein Ziel zugehen und uns auch  den Erfolg zutrauen. Ob das in einer Mannschaft ist, unter Kollegen,     in einer Gemeinde, in einer Partnerschaft: ohne Vertrauen kommen wir nicht weit.               Zum Misstrauen bekommen wir ganz oft Grund: Über einen Kollegen entsteht ein Gerücht. Etwas geht schief und wir tun uns so schwer zu kritisieren und Kritik zu ertragen. Einer ist eitel und will immer selbst das Tor schießen, obwohl ein anderer doch viel besser steht. Oder wir haben Angst davor, was die anderen über uns denken und sagen.  Tausend Fallen und Sollbruchstellen bedrohen unser Miteinander. Es ist alles andere als leicht, einander zu vertrauen. Es ist ein Geschenk, es ist beglückend, wenn ein Paar einander über Jahrzehnte vertraut, wenn eine Mannschaft wirklich ein starkes Team wird, wenn Kollegen einander stärken und aufhelfen und miteinander Erfolg haben.

„Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat, Jesus Christus, unserem Herrn; denn er hat mich als vertrauenswürdig angesehen und in seinen Dienst genommen.“ Da ist eine Kraft, die weit größer ist als wir und uns über viele Berge hilft. Da ist ein Herr, der uns Vertrauen schenkt, obwohl wir ihm oft widersprechen. Er spricht uns gerecht. Er befähigt uns für sein Team. Er will uns. Er nimmt uns in seinen Dienst und hat Gutes mit uns vor. Wir sehen und erleben „Teufel, Welt, Sünd oder Tod“. Wir wissen, dass Böses und Leid auch durch uns geschehen, das wir Sünder sind. Und doch schenkt Jesus uns Vertrauen und gibt uns Kraft, dass wir bestehen.

Gott sei Lob und Dank!

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen