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Hausgottesdienst zum 28.2.21 Jesaja 5,1-7

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Neue Lieder 116: Da wohnt ein Sehnen

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

 

Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz, sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain

 

Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain

 

Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod  sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain

 

Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain

 

Ein Sehnen wohnt in uns, dass alles ganz und heil und gut wird, dass nichts uns trennt und eng macht.

Der 2. Sonntag der Passionszeit lenkt unseren Blick auf das was nicht gut ist, was zwischen uns steht, zwischen uns Menschen, zwischen uns und Gott. Der Name des Sonntags ist eine Bitte: Reminiscere – „gedenke!“ – die Beterin, der Beter des 25. Psalms bittet Gott sich zu erinnern.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.

 

Gott, du bist barmherzig.

Ja, aber wir sind oft nicht barmherzig,

wir sind nicht gütig und bereit zu vergeben.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit.

Wie oft halte ich anderen vor,

was sie meines Erachtens falsch machen.

Wie oft spreche ich, laut oder im Stillen,

ein Urteil über einen Mitmenschen.

Wie oft bin ich selbst nicht bereit,

etwas in meinem Leben zum Besseren zu ändern.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit.

Sieh nicht auf meine selbstgerechtes, hartes Tun. Lehre mich deine Barmherzigkeit.

Erbarme dich. Amen

 

Psalm 25,1-8

Nach dir, Herr, verlangt mich.

Mein Gott, ich hoffe auf dich;

lass mich nicht zuschanden werden,

dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.

Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret;

aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.

Herr, zeige mir deine Wege

und lehre mich deine Steige!

Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!

Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und      an deine Güte,

die von Ewigkeit her gewesen sind.

Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend

und meiner Übertretungen,

gedenke aber meiner nach deiner          Barmherzigkeit,

Herr, um deiner Güte willen!

Der Herr ist gut und gerecht;

darum weist er Sündern den Weg. Amen

 

Lied 343 Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ

Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ,

ich bitt, erhör mein Klagen;

verleih mir Gnad zu dieser Frist,

lass mich doch nicht verzagen.

Den rechten Glauben, Herr, ich mein,

den wollest du mir geben,

dir zu leben,

meim Nächsten nütz zu sein,

dein Wort zu halten eben.

 

(Predigttext: Jesaja 5,1-7, Zürcher Übersetzung)

 

Mitten auf dem Markt steht Jesaja und singt. Jesaja ist kein Unbekannter damals in Jerusalem. Schon oft hat er seine Mitbürger mit heftiger Kritik und spektakulären Aktionen schockiert. Er läuft nackt durch die Stadt, um allen zu zeigen, wohin die verfehlte Politik führen wird. Er gibt seinen Kindern Namen, die Unheil ankündigen. Jesaja stellt sich wie ein Bänkelsänger hin und fängt an:

Erlaubt, dass ich singe von meinem Freund, das Lied meines lieben Freundes von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg, an steiler Höhe, überaus fruchtbar. Und er grub ihn um und befreite ihn von Steinen, und er bepflanzte ihn mit edlen Reben, und in seiner Mitte baute er einen Turm, und auch eine Kelter schlug er darin aus. Und so hoffte er, dass er Trauben trage, doch er brachte stinkende Fäulnis hervor.   Ja, so ein Weinberg macht Arbeit. Man hat das ganze Jahr zu tun. Der Freund scheut wirklich keine Kosten und Mühen. Alles ist perfekt. Doch das Ergebnis ist enttäuschend, ja, widerwärtig.

Noch etwas anderes klingt im Hintergrund mit: Ein Liebeslied. Der Weinberg ist ein erotisches Bild. Der Freund bereitet seine Hochzeit vor. Alles hat er für seinen Weinberg, also seine Braut getan – vergebliche Liebesmühe!

Plötzlich ändert Jesaja seine Rolle. Er ist nun selbst der Winzer, der enttäuschte Bräutigam:

Und nun, Bewohner von Jerusalem und Männer aus Juda, richtet doch zwischen mir und meinem Weinberg. Was bliebe noch zu tun für meinen Weinberg, das ich nicht getan hätte? Wie konnte ich hoffen, er würde Trauben tragen – stinkende Fäulnis hat er hervorgebracht!

Die Anklage steht. Die Zuhörer sollen urteilen. Aber Jesaja ist so aufge-bracht. Er spricht selbst das Urteil – jetzt ist er ein Richter, und was für einer!

Und nun erlaubt, dass ich euch wissen lasse, was ich mit meinem Weinberg mache: Seine Hecke ausreißen, dann soll er kahl gefressen werden; seinen Zaun einreißen, dann soll er zertreten werden. Und ich habe ihn zur Verwüstung freigegeben, er wird nicht geschnitten werden und nicht behackt, und Dornen und Disteln werden aufsprießen in ihm. Und was die Wolken betrifft, so werde ich Befehl geben, keinen Regen mehr auf ihn fallen zu lassen.                                                             Der Weinberg des Herrn der Heerscharen ist das Haus Israel, und die Männer aus Juda sind, was er aus Leidenschaft gepflanzt hat. Und er hoffte auf Rechtsspruch, doch seht: Rechtsbruch! Und auf Gerechtigkeit, doch seht: Schlechtigkeit!

Zuletzt singt wohl wieder der Freund über den Besitzer des Weinbergs. Nun ist klar:  der aus Leidenschaft und Liebe gepflanzte Weinberg ist sein erwähltes Volk Israel und Juda. Aus einem Liebeslied wird eine Ankla-ge, eine zornige Strafankündigung, eine Klage. So viel Liebe hat Gott geschenkt und erntet Ablehnung, Gleichgültigkeit. Am Ende ist da nur Rechtsbruch, das Recht des Stärke-ren, der sich um jeden Preis durchsetzt, und „Schlechtigkeit“ – eigentlich steht da Geschrei über Unrecht, der Hilferuf der Opfer von Gewalt.

Gott tobt vor Zorn. Er reißt alles nieder.

Den lebensnotwendigen Regen verhindert er. Das ist nicht der liebe Gott, von dem wir gerne reden. Das ist eine düstere Seite Gottes. Die wollen wie am liebsten nicht wahrhaben.

Gott erwartet Gerechtigkeit von uns.  Er ist zornig über das Unrecht.

Er leidet mit denen, die vergeblich um Hilfe rufen.

Was macht Gott und seinen Propheten damals so zornig? Wir müssen nur  weiter lesen: Wehe denen, die Haus an Haus reihen, die Feld an Feld rücken, bis kein Platz mehr ist und bis ihr allein noch im Herzen des Landes wohnt. (V.8) Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse (V.20) Die aus einem Schuldigen einen Gerechten machen gegen Bestechung und Gerechten ihre Gerechtigkeit absprechen! (V.23)   Die Reichen werden immer reicher. Das Recht wird mit Füßen getreten. Habgier, Korruption, Lüge, Gewalt, Leben auf Kosten der Armen und Wehrlosen.  Was damals Gottes Zorn erregt, klingt leider furchtbar aktuell. Beispiele:

Unsere Kleider sind billig, weil die, die sie nähen, Hungerlöhne verdienen. Ein Lieferkettengesetz sollte mehr Gerech-tigkeit schaffen. Aber es wurde auf Drängen vieler fast wirkungslos gemacht.

Der Inselstaat Vanatu ist Gastgeber des Weltgebetstages: Dort im Südpazifik erleben die Menschen immer stärkere Stürme, die alles verwüsten, der steigende Meeres-spiegel bedroht sie – Folgen des Klimawandels.

Oder die Verteilung des Impfstoffs:  Die WHO warnt davor, dass Corona-Impfungen vor allem reichen Ländern zugutekommen. Es drohe ein katastrophales moralisches Versagen.

Wir nehmen die Missstände meist erst wahr, wenn sie uns selbst treffen. Aber mehr und mehr wird uns bewusst, wie alles zusammen-hängt. Es war schon immer so: Wer anderen Böses antut, wird irgendwann auch selbst von den Folgen getroffen. Gott sieht das Unrecht und er hört das Hilfegeschrei.

Sein Zorn ist die andere Seite seiner Liebe.  In leidenschaftlicher Liebe schenkt uns Gott so viel Gutes und wird doch immer wieder enttäuscht.

Lange hat man Jesajas Weinberglied gegen Israel gedeutet nach dem Motto: „die sind so böse, dass Gottes Zorn sie trifft – wir sind ja die Guten“. Heute können wir uns für diese Auslegungs-tradition nur schämen.

Wir sind gemeint.

Gott ist zornig über das Unrecht. Er stellt sich an die Seite der wehrlosen Opfer. Für sie klingt Jesajas Lied verheißungsvoll. Er erschreckt seine Zuhörer. Er will sie wachrütteln: „Macht die Augen auf! Seht, was geschieht! So kann es nicht weitergehen. Gott wartet auf Gerechtigkeit.“

Und doch: Gott stellt sich nicht gegen uns.   Er liebt sein Volk noch immer.

Er liebt uns noch immer.

Kurt Marti dichtete:

Manchen bin ich einiges,

    einigen bin ich vieles schuldig geblieben.

    Und die Zeit läuft davon.

    Wessen Liebe kann das noch gutmachen?

    Die meine nicht.

    Nein, die meine nicht.   

Gottes Liebe macht gut,

was sein Zorn strafen muss.

Wir Christen glauben: Gott selbst setzt sich in Jesus dem Unrecht und der Schuld aus. Auch Jesaja kennt andere Töne:                                                            An jenem Tag: ein anmutiger Weinberg! Singt von ihm! Ich, der Herr, bin sein Hüter, ich tränke ihn alle Zeit. Damit man ihn nicht heimsucht, hüte ich ihn bei Nacht und bei Tag. (27,2f)

Wir täuschen uns nicht über die Wirklichkeit in unserer Welt, über die Schuld, die auch uns trifft.

Aber wir sehen auf Gott, dessen Liebe gut macht, was wir schuldig bleiben.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit, … gedenke meiner nach deiner Barmherzigkeit!

Amen

 

Neue Lieder 170 Kreuz, auf das ich schaue

 

Kreuz, auf das ich schaue, steht als Zeichen da;

der, dem ich vertraue, ist mir in dir nah.

 

Kreuz, zu dem ich fliehe aus der Dunkelheit;

statt der Angst und Mühe ist nun Hoffnungszeit.

 

Kreuz, von dem ich gehe in den neuen Tag,

bleib in meiner Nähe, dass ich nicht verzag.

 

Lehre uns barmherzig zu sein, Gott, barmherzig zu den Menschen, die zu uns gehören, gerecht und barmherzig zu allen Mitmenschen und zu deiner Schöpfung.

Hilf uns umzukehren, wo wir anderen

hart und herzlos begegnen. Hilf uns, dass wir Unrecht wahrnehmen und beim Namen nennen. Befreie uns, wo wir in Schuld und Unrecht verstrickt sind.

Wir bitten für unsere Kranken, für die, die pflegen und heilen, für die Angehörigen von Kranken und Pflegebedürftigen.

Wir bitten um Weisheit, Kraft und Geduld für Politikerinnen, Richter, Polizisten, Lehrerinnen.

Wir bitten für alle, die erschöpft und bedrückt sind von den Folgen der Pandemie.

Wir bitten für unsere Gemeinde, für unsere Konfis, für Familien mit Kindern, für die Einsamen, für die Trauernden.

 

Vaterunser

 

Gott, segne uns und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

21.2. Invokavit

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied EG 445,1-3

Gott des Himmels und der Erden,

Vater, Sohn und Heilger Geist,

der es Tag und Nacht lässt werden,

Sonn und Mond uns scheinen heißt,

dessen starke Hand die Welt

und was drinnen ist, erhält:

 

Gott, ich danke dir von Herzen,

dass du mich in dieser Nacht

vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen

hast behütet und bewacht,

dass des bösen Feindes List

mein nicht mächtig worden ist.

 

Lass die Nacht auch meiner Sünden

jetzt mit dieser Nacht vergehn;

o Herr Jesu, lass mich finden

deine Wunden offen stehn,

da alleine Hilf und Rat ist für meine Missetat.

 

„Lass die Nacht auch meiner Sünden, Herr mit dieser Nacht vergehn“ – so beginnt die dritte Strophe des eben gehörten Liedes.

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre“ – so heißt der Wochenspruch für dies Woche (1.Joh 3,8)

Wir müssen es nicht Teufel nennen, aber das Böse gibt es und es trifft uns mit seiner Macht. Wir bitten Gott, dass das Böse uns nicht beherrschen kann.

 

Beten wir den Psalm dieser Woche, Psalm 91

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt

und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht

und meine Burg, mein Gott, auf den ich

hoffe.

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers

und von der verderblichen Pest.

Er wird dich mit seinen Fittichen decken,

und Zuflucht wirst du haben unter seinen

Flügeln.

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,

dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,

vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,

vor der Pest, die im Finstern schleicht,

vor der Seuche, die am Mittag Verderben

bringt.

Denn der Herr ist deine Zuversicht,

der Höchste ist deine Zuflucht.

Es wird dir kein Übel begegnen,

und keine Plage wird sich deinem Hause

nahen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

dass sie dich auf den Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein

stoßest.

 

Neue Lieder 147 Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht,

es hat Hoffnung und Zukunft gebracht;

es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten,   ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

 

Du, unser Gott, auf den wir hoffen, dein Schutz ist stärker  als unsere Angst, größer als alle Macht, und deine Liebe reicht weiter als unser Leben. Errette uns vor dem, was lauernd uns bedroht, vor dem, was uns entkräftet und krank macht. Bewahre unsere Wege und schick deine Engel, wenn wir auf  falsche, böse Wege geraten. Amen

Das Motto unseres Konfirmandenjahres heißt: „Gott ist treu. Der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“ (2.Thess 3,3) Dazu habe ich euch ein Bild gegeben, der Michael am Eingang der Kirche von Schwäbisch Hall, wie er einen Drachen bekämpft. Das Böse soll hier nicht herrschen.

Und doch ist Böses in der Welt. Es ist nicht so ein niedlicher kleiner Drache, wie auf dem Bild, auch kein Teufel, wie immer man ihn sich vorstellen mag.  Es ist eine Macht, die in der Welt und in uns selbst Schlimmes anrichtet. Jesus selbst setzt sich dem Bösen aus – darum denken wir jetzt an seinen Weg bis zum Tod am Kreuz.

Unser Predigttext steht im Johannesevangelium (13,21-30):

Als Jesus das gesagt hatte, war er im Innersten tief erschüttert. Er erklärte ihnen: »Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten.« Da sahen sich die Jünger ratlos an und fragten sich: »Von wem spricht er?«

Einer von seinen Jüngern, den Jesus besonders liebte, lag bei Tisch an der Seite von Jesus. Ihm gab Simon Petrus ein Zeichen. Er sollte Jesus fragen, von wem er gesprochen hatte. Der Jünger lehnte sich zurück zu Jesus und fragte ihn: »Herr, wer ist es?« Jesus antwortete: »Es ist der, für den ich ein Stück Brot in die Schüssel tauche und dem ich es gebe.« Er nahm ein Stück Brot, tauchte es ein und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot. Sobald Judas das Brot genommen hatte, ergriff der Satan Besitz von ihm. Da sagte Jesus zu ihm: »Was du tun willst, das tue bald!« Von den anderen am Tisch verstand keiner, warum Jesus das zu Judas sagte. Weil Judas die Kasse verwaltete, dachten einige, dass Jesus zu ihm gesagt hatte: »Kauf ein, was wir für das Fest brauchen.« Oder sie dachten: Jesus hat ihm aufgetragen, den Armen etwas zu geben. Als Judas das Stück Brot gegessen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.

 

Einer von euch wird mich verraten. Ausgerechnet einer aus dem innersten Kreis der Freunde wird zum Verräter. Ist das nicht entsetzlich, wenn ein eng Vertrauter einen hintergeht? Wenn ein Nachbar hinter meinem Rücken Schlechtes über mich verbreitet.  Wenn ein Freund mich im Stich lässt. Wenn nach dem Ende der DDR viele in ihren Stasiakten lesen und erkennen mussten, dass ein Spitzel in der eigenen Familie oder im Kirchenge-meinderat war. Wenn der Mensch, dem ich in Liebe verbunden bin, mich betrügt. Einer von euch – der Verrat ist eine bittere Erfahrung. Jesus ist zutiefst erschüttert.

Keiner der Jünger kommt um Jesus zu trösten.  Sie schauen einander an, ratlos, misstrauisch: „Wer kann das sein? Wem traue ich das zu?“

Dann haben sie das Interesse verloren und essen und trinken weiter. Keiner geht darauf ein, dass Jesus so fertig ist. Gleichgültigkeit kann auch sehr wehtun.

Simon Petrus gibt dem Jünger an Jesu Seite ein Zeichen, dem Lieblingsjün-ger, den nur der Evangelist Johannes erwähnt. „Frag ihn, wen er meint!“ So erfahren diese beiden, aber noch nicht andern Jünger, wer der Verräter ist.

 

Ist alles wieder gut, wenn man nur den Schuldigen hat? Die ganze Abscheu und Wut trifft Judas. Schon im Neuen Testament und besonders bei Johan-nes ist das zu spüren. Judas ist später verzweifelt und erhängt sich. In der Alten Kirche hat am sich seinen Tod genüsslich und grausam ausgemalt. „Judas ist schuld!“ Man hofft, sich selbst zu entlasten, wenn man einen Schuldigen ausmacht. „Der war das – ich bin unschuldig.“  Das können wir täglich im Kindergarten und bis ins Parlament beobachten. Dieses Spiel haben wir alle schon gespielt. Davon leben die Verschwörungsmythen. Und zu allen Zeiten bis zu den Querden-kern und Neonazis wird „Judas“ zum Teufel in Person erklärt – die Juden als Schuldige an jeder Pest und Not.

 

Judas gehört zu uns. Auch die anderen Jünger haben Jesus im Stich gelassen. Simon Petrus hat in der gleichen Nacht dreimal geschworen Jesus nicht zu kennen. Die Kirche ist kein Verein reiner, frommer, untadeliger Menschen. Wir sind nicht unschuldig. Wir sind auch in dieser Nacht.

Wer weiß, vielleicht wollte Judas sogar Gutes bewirken, als er Jesus verriet. Der Teufel bringt Gut und Böse durcheinander.

Kein Mensch kann von sich sagen: „Ich bin immun gegen alles Böse.“

 

Judas gehört zu uns. Er sitzt am Tisch Jesu. Er ist Jesus vertraut und lieb.

Jesus reicht ihm, nur ihm einen Bissen, eine herzliche Geste. Und Jesus weiß, wie es Judas ums Herz ist, als er allein in die Nacht hinausgeht. Hat Jesus ihn nicht geradezu aufgefordert zu tun, was er vorhat?

Soll es so sein? Ist Judas´ Verrat gar notwendig für den Weg zum Karfreitag und zu Ostern? Das bleibt rätselhaft.

Jesus hat Menschen, die ihm Böses antaten, Gutes getan. „Vater, vergib ihnen!“ Er reicht Judas das Brot, tunkt es vorher in die Schüssel, damit es gut schmeckt. Ich meine, er vergibt auch Judas. Jesus hört nicht auf Judas zu lieben.

Jesus hat nicht geschrien „Der ist schuld!“Er hat selbst die Last der Schuld ertragen, hat sich dem Bösen ausgesetzt, es sich antun lassen.

Wir beginnen die Passionszeit.

Da erinnern wir an den Leidensweg Jesu und an Leid und Böses in der Welt. Wir sehen uns selbst mit etwas Abstand, sehen auch unsere Nachtseite.

Es ist so, als ob wir direkt neben Judas am Tisch Jesu sitzen. Das ist schwer zu ertragen. Aber da ist Jesus, der den Weg auch für mich geht.

Er reicht Judas das Brot. Er reicht auch mir Brot und Wein und  gibt mir seine Gemeinschaft, seine Vergebung, seine Hoffnung. Amen

 

Neue Lieder 217 Wir gehn hinauf nach Jerusalem

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem

in leidender Liebe Zeiten

und sehen, wie einer für alle stirbt,

um uns einen Platz zu bereiten.

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem.

Wer will bei dem Herren bleiben

und kosten von einem so bittern Kelch?

Die Angst soll uns nicht von ihm treiben.

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem,

das Opfer der Welt zu sehen,

zu spüren, wie unsere Not vergeht,

und unter dem Kreuze zu stehen.

 

Wir gehn hinauf nach Jerusalem,

zur Stätte der ewgen Klarheit.

Wo Leiden und Ohnmacht in unsrer Welt,

da finden wir Christus in Wahrheit

 

Gott, du zeigst uns, was gut und heilsam ist.

Steh uns bei, dass wir in Belastungen deine Nähe erfahren.

Wir beten für alle,

die regieren und urteilen,

die forschen und lehren,

die lernen und planen,

die helfen und heilen.

Bewahre sie, Gott,

dass sie geduldig bleiben,

sensibel und bescheiden.

Wir beten für alle,

die sich fürchten,

für die, die krank sind und einsam

und für die Sterbenden.

Sei du bei ihnen in deiner Liebe.

 

Vaterunser

 

Gott, segne uns und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

 

 

Hausgottesdienst 14.2.21

 

Gottesdienst für den 14.2.2021

Pfarrer Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Der Sonntag vor der Passionszeit heißt Estomihi nach Psalm 31,3:

Sei mir ein starker Fels.

Ein starker Fels: da finde ich Halt, einen sicheren Stand, da wirft mich so leicht nichts um.

Sei du mein Fels, Gott, in dieser ungewissen Zeit, wenn fraglich wird,    worauf ich mich verlasse. Bewahre mich davor, dass ich stürze.   Du bist mein Fels – ich danke dir.

Wir schauen auf den Psalm dieser Woche, Psalm 31.

 

EG 275,1+4+7 Ein Lied nach Ps 31 von Martin Luther

In dich hab ich gehoffet, Herr; hilf, dass ich nicht zuschanden werd noch ewiglich zu Spotte. Das bitt ich dich:  erhalte mich in deiner Treu, mein Gotte.

Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort, mein Schild, mein Kraft – sagt mir dein Wort –, mein Hilf, mein Heil, mein Leben, mein starker Gott  in aller Not; wer mag mir widerstreben?

Preis, Ehre, Ruhm und Herrlichkeit sei Vater, Sohn und Geist bereit’, Lob seinem heilgen Namen. Die göttlich Kraft  mach uns sieghaft durch Jesus Christus. Amen.

 

Psalm 31,2-17

Herr, auf dich traue ich,

lass mich nimmermehr zuschanden werden,

errette mich durch deine Gerechtigkeit!

   Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!

   Sei mir ein starker Fels und eine Burg,

   dass du mir helfest!

Denn du bist mein Fels und meine Burg,

und um deines Namens willen

wollest du mich leiten und führen.

   Du wollest mich aus dem Netze ziehen,

   das sie mir heimlich stellten;

   denn du bist meine Stärke.

In deine Hände befehle ich meinen Geist;

du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

   Ich hasse, die sich halten an nichtige

   Götzen;

   ich aber vertraue auf den Herrn.

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst

und kennst die Not meiner Seele

   und übergibst mich nicht in die Hände des     

   Feindes;

   du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Herr, sei mir gnädig, denn mir ist angst!

Mein Auge ist trübe geworden vor Gram,

matt meine Seele und mein Leib.

   Denn mein Leben ist hingeschwunden in  

   Kummer und meine Jahre in Seufzen.

Meine Kraft ist verfallen durch meine Missetat,

und meine Gebeine sind verschmachtet.

   Allen meinen Bedrängern

   bin ich ein Spott geworden,

   eine Last meinen Nachbarn

   und ein Schrecken meinen Freunden.

Die mich sehen auf der Gasse,

fliehen vor mir.

   Ich bin vergessen im Herzen wie ein Toter;

   ich bin geworden wie ein zerbrochenes

   Gefäß.

Denn ich höre, wie viele mich verleumden:

Schrecken ist um und um!

   Sie halten Rat miteinander über mich

   und trachten danach, mir das Leben zu   

   nehmen.

Ich aber, Herr, hoffe auf dich

und spreche: Du bist mein Gott!

Meine Zeit steht in deinen Händen.

   Errette mich von der Hand meiner Feinde

   und von denen, die mich verfolgen.

Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht;

hilf mir durch deine Güte!

 

Es ist, als ob die Beterin oder der Beter um Vertrauen ringt und immer neue Angriffe erlebt. Da ist Zuversicht und Lebensfreude, und auch größte Bedrängnis und Angst – beides beschreibt der Psalm mit starken Bildern.

Wir benutzen Psalmen. Das dürfen wir. Es sind Gebrauchstexte. Sie laden uns ein zu probieren, wie man Hemd anprobiert oder von einem Gericht kostet. Ich darf auswählen, das eine nehmen, anderes lassen, wie ein Feinschmecker. Erspüren wir, was zu uns passt, was uns herausfordert, was uns gut tut.  Wir gewinnen Sprache, Worte für Gott, für unseren Glauben, Worte, die Hoffnung wecken, trösten, wie ein Kompass sind. Der Psalm oder vielleicht ein Vers daraus wird mein Gebet, das mich zu Gott führt, das mir lieb und wichtig wird und mich prägt.

In deine Hände befehle ich meinen Geist.

In deine Hand lege ich mein Leben.

Gewiss wirst du mich befreien.

 

Gregor Linßen hat ein Lied zu diesem Vers geschrieben: (Ps 31,6)

Herr, in deine Hände lege ich  meinen Weg, begleite mich.

Herr, in deine Hände lege ich meine Zeit, erbarme dich.

Herr, in deine Hände lege ich meine Angst, erhöre mich.

Herr, in deine Hände lege ich dir mein Herz, erfülle mich.

Herr, in deine Hände lege ich meinen Schmerz, erlöse mich.

Die Feinde machen sich breit und engen das Leben ein. Sie stellen Fallen, greifen an, mobben. Sie greifen an wie die Truppen die Straßen von Yangon in Myanmar oder in Moskau oder Minsk.

Sehr unterschiedlich können die Feinde sein: Mitschüler, die einen zum Opfer von Spott und Gemeinheiten machen, ein Kollege, der falsche Anschuldigungen verbreitet, jemand, der einem das Leben schwer macht.

Feinde können auch etwas ganz anderes sein: ein Konflikt, der immer wieder aufbricht und wehtut, eine Krankheit, die das Leben einschränkt, dieses widerliche Virus, das uns alle schon viel zu lange einschränkt, etwas, das mir die Kraft nimmt, eine Sorge, die mir den Schlaf raubt, eine Trauer, eine Angst,  was mich angreift – und ich kann es nicht einfach wegschieben, es nimmt immer wieder viel zu viel Raum ein, dieser mein Feind.

Der Psalm klagt über die Feinde und das, was sie anrichten. Wie einem vertrauten Freund sagen wir Gott, was uns bedrängt. Einfach loswerden, was wir auf dem Herzen haben, was Wut und Angst und Schmerz auslöst. Das ganze Elend klagen. Das darf drastisch und übertrieben sein – so sind wir ja bedrängt und fühlen uns angegriffen.

Aber bei der Klage bleibt es nicht. Die Feinde machen sich breit, aber du lässt mich nicht in ihrer Hand. Sie werfen ein Fangnetz über mich, aber du ziehst mich heraus.

Gott gibt den Raum, in dem ich leben und mich entfalten kann. Ein Schutzraum, eine Zuflucht:   Du bist mein Fels, meine Burg. Meine Zeit steht in deinen Händen. Wörtlich: in deiner Hand sind meine Zeiten, meine Zukunft, auch meine Geschichte, nicht der üblen Nachrede und den Lügen überlassen, bewahrt, in deiner Hand sind meine Zeiten.

Ein Freiraum: du stellst meine Füße auf weiten Raum. Du hast mich nicht dem Feind überlassen. Du hast mir weiten Raum gegeben, wo ich mich frei bewegen kann.

 

Der Psalm ist realistisch: Es gibt für jede und jeden von uns das, was uns angreift und das Leben schwer macht, die Feinde, die sich so gerne breit machen. Der Psalm ist auch voll Hoffnung: du bist mein Fels, du stellst meine Füße auf weiten Raum, meine Zeit steht in deinen Händen.

Und der Psalm lädt ein: In deine Hände befehle ich meinen Geist.  In einer neuen Übersetzung:  In deine Hand lege ich mein Leben. Wer so betet, entscheidet sich für Gott. Er oder sie vertraut sich Gott an. Dazu lädt uns der Psalm ein: Dass wir uns Gott anvertrauen.

Wir wissen nicht, wie die nächsten Wochen und Monate werden. Es wird auf jeden Fall anders sein als vor dieser Pandemie. Sie ist ein Feind, der uns seit einem Jahr zusetzt, uns von allen Seiten bedrängt, uns müde macht, viele in Trauer und Verzweif-lung stürzt. Aber was auch geschieht: Gott hält uns. Ihm will ich mehr als alles vertrauen:

In deine Hände befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

In deine Hand lege ich mein Leben. Gewiss wirst du mich befreien.  Du bist doch ein treuer Gott. 

Amen

 

Herr, in deine Hände lege ich meinen Geist, erwecke mich.

Herr, in deine Hände lege ich meinen Dank, ich glaube an dich.

 

Gott, zu dir rufe ich,

hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;

ich kann es nicht allein.

In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht,

ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht,

ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe,

ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden,

in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld,

ich verstehe deine Wege nicht,

aber du weißt den rechten Weg für mich.

 

In deine Hand lege ich mein Leben und auch das der Menschen, an die ich denke und für die ich bete.

Bewahre die, die sich mutig den Feinden entgegenstellen

in Myanmar, in Belarus, in Russland.     Stärke sie und uns alle im Vertrauen,   in der Zuversicht.

Die Pandemie wird unsere Welt verändern. Der Klimawandel fordert uns heraus.

Hilf, dass wir das Nötige und Richtige tun, nicht resignieren, nicht ausweichen.

Behüte alle, die bedrängt und in Ängsten sind, in Krankheit, in seelischer Not, in Überforderung, in Trauer, erschöpft und mutlos.

Sei bei deiner Kirche und den Menschen in unserer Gemeinde: Bei dir finden wir Geborgenheit und Freiheit. Du stellst unsere Füße auf weiten Raum.

In deiner guten Hand bleiben wir, was auch geschieht.

 

Vaterunser

 

EG 644  Meine Zeit steht in deinen Händen

 

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.

Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Sorgen quälen und werden mir zu groß.

Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein?

Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.

Vater, du wirst bei mir sein.

Meine Zeit steht in deinen Händen.

 

Gott, segne uns und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

 

 

Hausgottesdienst für den 31.1.21

 

Gottesdienst für den 31.1.2021

Pfarrer Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Evangelisches Gesangbuch 440,1

All Morgen ist ganz frisch und neu

des Herren Gnad und große Treu;

sie hat kein End den langen Tag,

drauf jeder sich verlassen mag.

 

Ich möchte mich ja darauf verlassen, Gott,                  dass deine Gnade kein Ende hat.                                 Ich möchte den Tag frisch und neu beginnen.             Aber im Moment reimt sich Morgen auf Sorgen. Die große Sorge überschattet fast alles.               Fast jedes Gespräch dreht sich darum.

 

440,2

O Gott, du schöner Morgenstern,

gib uns, was wir von dir begehr´n:

Zünd deine Lichter in uns an,

lass uns an Gnad kein´ Mangel han.

 

Du bist Licht, du schenkst Licht,                                       Gott, du schöner Morgenstern,                                       Gott, Licht meines Lebens.                                                Sei auch jetzt mein Licht,                                                      meine Hoffnung, meine Stärke.                                     Im Dunkel unsrer Nacht, entzünde das Feuer,           das nie mehr verlischt, das nie mehr verlischt.

 

Neue Lieder 59 „Im Dunkel unsrer Nacht“

Im Dunkel unsrer Nacht, entzünde das Feuer,

das nie mehr verlischt, das nie mehr verlischt.

(Text: Theresa von Avila, 16. Jh., Musik: Jaques Berthier, Taizé)

 

Wir bitten Gott, wie Theresa von Avila: Im Dunkel unsrer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt. Wir bitten Gott für Menschen im Finstern, Menschen, die keinen Mut und keine Kraft mehr haben aus ihrem Leben etwas zu machen, Menschen, die verachtet werden, weil sie anders sind, die eine andere Hautfarbe haben oder die mit einer Behinderung umgehen müssen.

Viele von uns empfinden die Ungewissheit, das Leid, die Gefahr der Pandemie wie eine dunkle Nacht. „Es reicht. Mehr geht jetzt nicht.“ Dabei wissen wir wohl, dass andere weit schlimmer betroffen sind.

Hören wir Verse aus dem 2. Korintherbrief (4,6-10):

Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«, der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen. 

Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz wie zerbrechliche Gefäße, denn es soll deutlich werden, dass die alles überragende Kraft, die in unserem Leben wirksam ist, Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt. Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein, und doch werden wir nicht erdrückt. Oft wissen wir nicht mehr weiter, und doch verzweifeln wir nicht. Wir werden verfolgt und sind doch nicht verlassen; wir werden zu Boden geworfen und kommen doch nicht um.

Auf Schritt und Tritt erfahren wir am eigenen Leib, was es heißt, am Sterben Jesu teilzuhaben. Aber gerade auf diese Weise soll auch sichtbar werden, dass wir schon jetzt, in unserem irdischen Dasein, am Leben des auferstandenen Jesus teilhaben.

Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß, klagt eine Beterin oder ein Beter im Psalm (Ps 31,13).  Paulus hat Verfolgung, Unglück, Krankheit und Leid erfahren. Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein. Wir werden zu Boden geworfen. Erst im Rückblick kann er sehen, dass es doch weiterging, als er nicht mehr weiter wusste. Im Dunkel der Nacht begegnet er Jesus, der das Dunkel teilt.     Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß und sehe auf den zerschlagenen Herrn am Kreuz.

Im Dunkel unsrer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt. Ich möchte nicht zu schnell sagen: „Alles wird gut.“ Ich möchte das Dunkel und die Menschen im Dunkel wahrnehmen, nicht vertrösten, nicht vertuschen. Klage, Ungeduld, Enttäuschung, Wut – nichts muss verschwiegen werden. Gott hat unser Dunkel geteilt.                          Ich möchte nicht daherreden, dass die Pandemie doch auch eine Chance sei,  nein sie ist einfach ein großer Mist, sie bringt Mühe, Leid und Elend, sie macht viele aggressiv und verzweifelt. Wir hoffen: es bleibt nicht finster. Im Dunkel unsrer Nacht entzündet Gott das Feuer.

Gott, der Schöpfer, hat gesagt: Licht soll aufstrahlen. Er lässt es in unseren Herzen hell werden. Wir erkennen seine Herrlichkeit in Jesus Christus.

 

Die Theologin Gunda Schneider-Flume schrieb ein Büchlein mit dem Titel „Leben ist kostbar. Wider die Tyrannei des gelungenen Lebens.“

Die ersten Sätze lauten: Leben ist kostbar, zum Genießen und zur Freude. Auch die Brüche und Verkehrungen, die Zerstörungen und Gefährdungen können die Freude am Leben nicht verdrängen. Etwas vom Schöpfungsmorgen und von Auferstehung schwingt mit bei der Freude über Leben wie bei der Geburt eines Kindes. Aber Leben kann auch Fluch sein, zu schwer zum Tragen, nur noch Klage provozierend.

Die „Tyrannei des gelungenen Lebens“ ist unser Alltag: Wir stehen unter Erfolgszwang. Man muss etwas aus sich machen. Ängste, Konflikte, Misserfolge verschweigen wir. Schwäche, Krankheit, Behinderung, Tod verdrängen wir. Wir können gar nicht fassen, wenn ein Unglück uns trifft. Aber das Leben gelingt ja nicht immer. Es muss nicht gelingen und ist dennoch kostbar.

Gott lässt uns seine Herrlichkeit auf dem Angesicht Jesu Christi sehen. Wir sehen keinen strahlenden König, nein, wir sehen das Haupt mit der Dornenkrone. Gott setzt sich dem Dunkel aus. Paulus ist in allem, was ihn bedrängt und angreift, mit Jesus verbunden, mit Jesus am Kreuz und mit dem Lebendigen im Licht des Ostermorgens. Gott gibt Licht in unsere Herzen, österlichen Glanz, kostbar wie ein Schatz. Aber wir sind wie zerbrechliche Gefäße und müssen mit unseren Dunkelheiten leben. Wir tragen einen Schatz von Gott in uns. Gott selbst gibt uns ein Licht ins Herz. Unser Leben ist kostbar. Gott, der uns das Leben geschenkt hat, er spricht uns an, er sagt ja zu uns und liebt uns. Das ist das Feuer, das nie mehr verlischt, ein Licht in unserem Herzen. Amen

 

 

Für das Licht danke ich dir, mein Gott,

für das Licht, das beglückend und schön aufleuchtet,

für das, was unser Herz hell macht,

für Liebe und Freundschaft.

Für dein Licht danke ich dir, Jesus Christus,

dass du unser Dunkel teilst,

dass du in allem bei uns bist,

für dein österliches Licht.

Ich bitte dich für alle, die im Dunkel sind,

für die Kranken,

für alle, die sie pflegen und begleiten,

für die Mutlosen und Verzweifelten,

für die, die um ihr Auskommen fürchten müssen,

für alle, die Geduld und Zuversicht verlieren.

Ich bitte für die Jugendlichen, für überforderte Familien, für Trauernde, für Einsame.

Sei bei ihnen allen mit deinem Licht.

Segne, stärke, bewahre uns, Gott. Amen

Vaterunser

 

Gott, segne uns und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

 

 

Evangelisches Gesangbuch 410,1

Christus, das Licht der Welt. Welch ein Grund zur Freude! In unser Dunkel kam er als ein Bruder. Wer Ihm begegnet, der sieht auch den Vater. Ehre sei Gott, dem Herrn!

Gottesdienst für den 24.1.21

  1. Sonntag nach Epiphanias| 24. Januar 2021

Barbara Müller-Gärtner,
Pfarrerin in Elzach-Oberprechtal

Wir feiern unseren Gottesdienst – verbunden mit anderen und verbunden mit Gott –
im Namen Gottes des Vaters, der uns nahe ist;

des Sohnes, in dem die Nähe Gottes zu uns Menschen anschaulich wurde;

des Heiligen Geistes, der uns miteinander verbindet. Amen.

Lied: EG 293 Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all
https://www.youtube.com/watch?v=GhUwa0Hx_hE

  1. Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all,/ lobt Gott von Herzensgrunde,/ preist ihn, ihr Völker allzumal,/ dankt ihm zu aller Stunde,/ dass er euch auch erwählet hat/ und mitgeteilet seine Gnad/ in Christus, seinem Sohne.
  2. Denn seine groß Barmherzigkeit/ tut über uns stets walten,/ sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit/ erscheinet Jung und Alten/ und währet bis in Ewigkeit,/ schenkt uns aus Gnad die Seligkeit;/ drum singet Halleluja.

Gebet: Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich, GOTT. Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich.
DU stellst meine Füße auf weiten Raum, GOTT.
So ermöglichst du mir, zu leben und frei zu sein.
Gib mir von deiner Weite, Gott, dass ich auch anderen Raum gewähre; auch wo sie ganz anders sind und anders leben als ich.
Darum bitte ich in Jesu Christi Namen. Amen

Lesung aus Ruth 1 (Gute Nachricht):
Es war die Zeit, als das Volk Israel noch von Richtern geführt wurde. Weil im Land eine Hungersnot herrschte, verließ ein Mann aus Betlehem im Gebiet von Juda seine Heimatstadt und suchte mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen Zuflucht im Land Moab. … Während sie im Land Moab waren, starb Elimelech und Noomi blieb mit ihren beiden Söhnen allein zurück. Die Söhne heirateten zwei moabitische Frauen, Orpa und Rut. Aber zehn Jahre später starben auch Machlon und Kiljon, und ihre Mutter Noomi war nun ganz allein, ohne Mann und ohne Kinder. Als sie erfuhr, dass der Herr seinem Volk geholfen hatte und es in Juda wieder zu essen gab, entschloss sie sich, das Land Moab zu verlassen und nach Juda zurückzukehren. Ihre Schwiegertöchter gingen mit. Unterwegs sagte sie zu den beiden: »Kehrt wieder um! Geht zurück, jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr vergelte euch alles Gute, das ihr an den Verstorbenen und an mir getan habt. Er gebe euch wieder einen Mann und lasse euch ein neues Zuhause finden.« Noomi küsste die beiden zum Abschied. Doch sie weinten und sagten zu ihr: »Wir verlassen dich nicht! Wir gehen mit dir zu deinem Volk.« Noomi wehrte ab: »Kehrt doch um, meine Töchter! …« Da weinten Rut und Orpa noch mehr. Orpa küsste ihre Schwiegermutter und nahm Abschied; aber Rut blieb bei ihr. Noomi redete ihr zu: »Du siehst, deine Schwägerin ist zu ihrem Volk und zu ihrem Gott zurückgegangen. Mach es wie sie, geh ihr nach!« Aber Rut antwortete: »Dränge mich nicht, dich zu verlassen. Ich kehre nicht um, ich lasse dich nicht allein. Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da will auch ich sterben; dort will ich begraben werden. Der Zorn des Herrn soll mich treffen, wenn ich nicht Wort halte: Nur der Tod kann mich von dir trennen!« Als Noomi sah, dass Rut so fest entschlossen war, gab sie es auf, sie zur Heimkehr zu überreden. So gingen die beiden miteinander bis nach Betlehem.

Gedanken zum biblischen Text für den Sonntag
Was ist das mit Noomi und Rut und Orpa? Was haben sie mit mir, mit uns zu schaffen?

Meine Antwort für heute: mir sind sie Lehrerinnen in Sachen Freundschaft und Unterstützung und Liebe über Grenzen hinweg.
Erstaunlich. Denn das Leben meint es nicht gut mit ihnen, mit der Familie: Da ist Hunger. Die Not macht Noomi und ihren Mann zu Wirtschaftsflüchtlingen. Was haben die beiden an dieser Stelle Glück! Sie schaffen es über die Grenze!
Mir stehen die Bilder vor Augen von den ungezählten Menschen auf der Flucht in unseren Tagen. Die meisten scheitern an unseren Grenzen. Die einen sterben, die anderen hausen in furchtbaren Lagern. Sie fragen nach unserer Unterstützung, betteln um menschenwürdigen Umgang, Versorgung, Barmherzigkeit!
Noomi und ihr Mann haben es da besser: Über der Grenze im fremden Land Moab finden sie ein Zuhause und ihr Auskommen. Obwohl der Mann stirbt bleibt Noomi als Witwe mit zwei Söhnen. Die Söhne scheinen sich heimisch zu fühlen. Sie heirateten Frauen aus Moab. Als die Männer sterben, sind sie kinderlose Witwen.

Ich muss an Laika denken, die Frau aus „Jugoslawien“. In meinem Heimatdorf hat sie mit ihrem Mann Arbeit gefunden. Ende der 70er Jahre war das. Sie war sehr jung. Und dann verunglückte der Mann tödlich. Sie bleibt hier; mit ihrem kleinen Sohn; hat Arbeit. Laika gehört ins Dorf. Da lebt sie bis heute mit ihrem Sohn und seiner Familie.
In Moab entscheidet sich Noomi anders. Von jetzt auf gleich in ihrer Zeit sind die drei Frauen mittellos, rechtlos – weil ohne Mann.
Noomi hält nichts mehr in dem fremden Land. Ihre beiden Schwiegertöchter Orpa und Rut wollen sie begleiten. Doch Noomi wird klar: in Israel werden ihre Schwiegertöchter die Fremden sein. Sie gibt die beiden frei für bessere Chancen in der eigenen Heimat.

Heimat oder fremdes Land? Beziehungen, Bindungen, Freundschaften machen viel. So wie bei den Dreien. Von Küssen und Tränen wird erzählt. Am Ende hört Orpa auf ihre Schwiegermutter. Sie bleibt in Moab, ihrem Land, ihrer Kultur, ihrer Familie. Gut so.
Rut entscheidet sich anders: „Dränge mich nicht… Ich gehe nicht weg von dir! Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott“. Rut geht eine eigene feste Verbindung mit ihrer Schwiegermutter ein: „Nur der Tod kann mich von dir trennen”, sagt sie.

Rut, der Name bedeutet Freundschaft. Die Freundschaft der beiden Frauen gründet sich auf Achtung und Gegenseitigkeit. Beide binden sich aneinander in ihren Schwächen und Stärken: Die Ausländerin Rut braucht die einheimische Noemi, um Fuß zu fassen. Die alternde Noomi braucht die Fürsorge und den Schutz der Jüngeren. So kann es gehen, das neue Leben. Rut und Noomi erzählen von Freundschaft, Liebe, Achtung und Unter-stützung; und davon, wie sie Grenzen überwinden. Im Glauben und Gottvertrauen der Älteren gründen sie ihr Leben. So nehmen sie ihr Schicksal in die eigenen Hände. Die beiden sind klug und so handeln sie auch. Glauben Gott auf ihrer Seite: Gott, der auch aus dem Schlimmsten noch Gutes entstehen lassen kann und will. Ihrer Trauer über ihre Männer und der Aussichtslosigkeit setzen sie ihre Freundschaft und ihre Unterstützung entgegen. Vereint und mit dem Segen Gottes schaffen sie es tatsächlich, Grenzen zu überwinden, Unmögliches wird wirklich. (Lesen Sie die Geschichte doch mal zu Ende): Rut bekommt einen Sohn. Das Matthäusevangelium sagt, sie wird zur Urgroßmutter von König David, bekommt so einen Platz im Stammbaum von Jesus.

Viele unserer Familiengeschichten, nicht nur aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, auch von heute, wissen von außergewöhnlichen, unterstützenden Beziehungen zu berichten. Unter Frauen: Großmüttern und Tanten, Schwiegermüttern, Töchtern und Schwestern, Freundinnen. Nicht nur unter Frauen. Aber da ganz oft. Frauen unserer Kirchengemeinde erzählen so auch von den Anfängen der Gemeinde in Elzach: den Flüchtlingen und Einheimischen, von den neuen Verbindungen seither, in Elzach und anderswo immer wieder: Menschen mit großem Gottvertrauen und der Bereitschaft sich aneinander und miteinander zu verbinden und zu verbünden! In der Not, im Glück und in Trauer, über die Grenze von Lebensweisen, fremd oder heimisch – sie glauben: Gott legt seinen Segen auf Freundschaft und Miteinander, da ganz besonders. Amen. So sei es!

Lied EG 395 Vertraut den neuen Wegen
https://www.youtube.com/watch?v=8ZbC0PfEY8c
1. Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

  1. Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.
  2. Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Fürbitten:

Gott ich lobe und preise dich! Du hast jeden von uns einzigartig geschaffen. Was für ein Geschenk, was für eine Aufgabe! Du spiegelst dich in uns? Ja! Ich freue mich und es lässt mich fragen:

Gott, ich erlebe mich und die Welt doch oft so anders, nicht gott-ähnlich:

Da sind harte und enge Grenzen, kurze Sicht auf meine Einstellungen; ich fälle trotzdem Urteile mir und anderen gegenüber.
Das bringe ich vor dich – Wandle es in deine Weite.

Gott, da sind viel Unglück und Leid, Im-Stich-gelassen-Werden, Enttäuschung und Wut, die in Gewalt oder Aufgeben sich zeigen; da sind Hilfsbe-reitschaft aber auch ohnmächtiges Schulterzucken; So oft stecken wir fest.
Ich bringe dir die unter uns und an anderen Orten, die schwer erkrankt sind, ihre Angehörigen, die Ärztinnen und Therapeuten, die für sie beten;
Unsere ganze Ohnmacht, was uns beugt und lähmt, bringe ich vor dich – wandle sie in Stärke von dir.

Gott, wir fragen, was ist angemessen von den Maßnahmen gegen Corona? Mitten in Angst einerseits und in Sorglosigkeit andererseits.
Wandle du das verlorene Zutrauen, in Bereitschaft, für unsere Entscheidungen Verantwortung zu übernehmen. – StilleWas noch offen geblieben ist, bringen wir vor dich, Gott, mit den Worten Jesu:
Vaterunser im Himmel geheiligt werde …

Segen – Sie können dabei Ihre Hände öffnen:
Gott segne und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Gottesdienst zum 17.1.21 , 2. Sonntag nach Epiphanias

 

Lied EG 74,1+2+4

 

Du Morgenstern, du Licht vom Licht,

das durch die Finsternisse bricht,

du gingst vor aller Zeiten Lauf

in unerschaffner Klarheit auf.

 

Du Lebensquell, wir danken dir,

auf dich, Lebend’ger, hoffen wir;

denn du durchdrangst des Todes Nacht,

hast Sieg und Leben uns gebracht.

 

Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht,

führ uns durch Finsternis zum Licht,

bleib auch am Abend dieser Welt

als Hilf und Hort uns zugesellt.

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Stellen Sie sich vor, Sie begegnen Jesus. Die Evangelien berichten davon, wie es vielen ergangen ist.

Sie merken sofort: Dieser Mensch versteht mich. Er kennt mich – und das tut mir gut.

Nathanael staunt über Jesus. „Du siehst mich, wie ich bin.“ Und Jesus sagt zu ihm: „Du wirst noch viel größere Dinge zu sehen bekom-men! Amen, amen, das sage ich euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen.“ (Joh 1,50f)

 

Wir beten:

Verschlossen, Gott,

verschlossen sind wir oft,

eingeschlossen in Sorgen und Ängste.

Oft kreisen wir um uns selbst.

Wir nehmen einander nicht wahr.

Wir gehen hart und gleichgültig miteinander um.

Öffne uns, Gott.

Lass uns Jesus sehen –

so viel Liebe gibt er uns.

Gib uns offene Augen,

Verständnis füreinander.

Der Himmel öffnet sich.

Wir vertrauen dir.

Schenk uns diese Klarheit, diese Freude, trotz allem, was uns Sorgen macht. Amen

 

Jesus hat gefastet und sich ganz Gott zugewandt. Er hatte einen Blick für das, was Menschen plagt. Dem Leid ist er niemals ausgewichen. Aber Jesus hat auch gern gefeiert und den Himmel mit einem großen Fest verglichen. „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ heißt eines der neuen Lieder.

 

Neue Lieder 2: Eingeladen zum Fest des Glaubens

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten sie den Spuren Jesu, folgten sie dem, der sie rief, und sie wurden selbst zu Boten, das der ruf wie Feuer lief:

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

Und so kamen die in Scharen, brachten ihre Kinder mit, ihre Kranken, auch die Alten, selbst die lahmen hielten schritt.

Von der Straße, aus der Gosse kamen Menschen ohne Zahl, und sie hungerten nach Liebe und nach Gottes Freudenmahl.

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

Und dort lernten sie zu teilen Brot und Wein und Geld und Zeit; und dort lernten sie zu heilen Kranke, Wunden, Schmerz und Leid; und dort lernten sie zu beten, dass dein Wille, Gott, geschehe; und dort lernten sie zu leben, dass das Leben nicht vergehe.

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

 

Wir hören den Predigttext,

Johannes 2,1-11:

Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt. Auch die Mutter von Jesus nahm daran teil. Jesus und seine Jünger waren ebenfalls zur Hochzeitsfeier eingeladen.

Während des Festes ging der Wein aus. Da sagte die Mutter von Jesus zu ihm: »Sie haben keinen Wein mehr!« Jesus antwortete ihr: »Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.«

Doch seine Mutter sagte zu den Dienern: »Tut alles, was er euch sagt!«

Dort gab es auch sechs große Wasserkrüge aus Stein. Die Juden benötigten sie, um sich zu reinigen. Jeder Krug fasste zwei bis drei Eimer. Jesus sagte zu den Dienern: »Füllt die Krüge mit Wasser.« Die füllten sie bis zum Rand. Dann sagte er zu ihnen: »Schöpft jetzt etwas heraus und bringt es dem Festmeister.« Sie brachten es ihm. Als der Festmeister einen Schluck davon trank, war das Wasser zu Wein geworden. Er wusste natürlich nicht, woher der Wein kam. Aber die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten Bescheid. Da rief der Festmeister den Bräutigam zu sich und sagte zu ihm: »Jeder andere schenkt zuerst den guten Wein aus. Und wenn die Gäste dann angetrunken sind, folgt der weniger gute.   Du hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.«

Das war das erste Zeichen. Jesus vollbrachte es in Kana in Galiläa.

Er machte damit seine Herrlichkeit sichtbar und seine Jünger glaubten an ihn.

 

„Weihnachten findet statt“ – so steht es auf unserer Kirchenzeitung im Advent. Natürlich und jetzt gerade: Weihnachten findet statt.

Aber es war so anders: Kein Gesang in vollen Kirchen, überhaupt keine Live-Gottesdienste bei uns. Kinder und Enkel kamen nicht. Ist uns mitten in den Festvorbereitungen sozusagen der Wein ausgegangen?

Nein. Weihnachten hat stattgefunden, das Fest der Liebe Gottes findet statt.

Der Wein wird knapp, wenn wir auf das starren, was uns lähmt, wenn wir uns selbst überfordern, wenn wir resignie-ren. So vieles geht im Moment nur mühsam, wie der Start der Impfkam-pagne. Aber trotz dieser zehn Monate geht noch so viel.

Der Wein wird knapp, wenn wir uns von den Schreihälsen und Hetzern bestimmen lassen.

Wie gut, dass nach der Räumung des Capitols von den Randalierern die Zeremonie der Wahlbestätigung fortgesetzt wurde.

„Ihr werdet den Himmel offen sehen“ sagt Jesus zu seinen Jüngern, und gleich darauf zeigt der Evangelist Johannes Jesus und seine Jünger bei der Hochzeit.

Der Wein droht auszugehen. Endet das Fest in einer peinlichen Blamage?

Was ist das für eine seltsame Geschichte: Wir erfahren nichts vom Brautpaar und der Familie. Jesus fährt seine Mutter unfreundlich an. Am Ende gibt es viel zu viel vom allerbesten Wein.

Vom Fest des Glaubens erzählt Johannes, also von Jesus und allen, die er einlädt.

Es beginnt am dritten Tag, am Tag der Auferstehung, Ostern. Wenn seine Stunde gekommen ist, ist für alle mehr als genug da. Woher kommt nur diese Fülle – woher, wenn nicht von Gott selbst? Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade (Joh 1,16).      Jesus ist der Bräutigam – da kann keiner fasten (Mk 2,18-20).

Es ist Hochzeit, Zeit der Freude mit Jesus.

Jesus macht seine Herrlichkeit sichtbar

und seine Jünger glauben an ihn.

Johannes schreibt nicht einfach, was geschehen ist. Er schreibt vom Fest des Glaubens.

Das Fest findet statt. Der Wein droht auszugehen – aber nein: es ist doch mehr als genug da!

Schauen wir genau hin: Das Fest findet statt, weil sie tun, was Jesus sagt, und weil sie ihm vertrauen.

Das Fest unseres Glaubens findet statt.

Jesus schenkt aus seiner Fülle den Wein für das Fest und auch Brot des Lebens (Joh 6) und lebendiges Wasser (Joh 4).

Johannes schreibt für Menschen, die ängstlich auf fast leere Krüge starren.

„Ob das noch reicht?

Ob wir es schaffen?

Ob der Kirche alle Menschen weglaufen?

Ob wir die Krise überstehen?“

Ihnen und uns schreibt Johannes.

Er legt seinen Rat Maria in den Mund:

Tut alles, was er euch sagt!

Hört auf Jesus!

Lest wieder und wieder und immer weiter seine Worte! Hört, was euch gilt!

Vertraut ihm! Amen

 

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten wir den Spuren Jesu, folgten wir dem, der uns rief, und wir werden selbst zu Boten, dass der Ruf der gilt, der lief:

Refrain: Eingeladen zum Fest des Glaubens, ….

Wir beten:

Du lädst mich ein, Jesus, zu deinem Fest.

Hilf mir, deine Spuren in meinem Leben zu erkennen.

Zeige mir Schritte, wie es gelingen kann, meinen Glauben zu stärken. Mach mir Mut dir zu vertrauen.

Hilf mir anzunehmen, dass nicht mein, sondern dein Wille geschehe.

Bewahre mich vor Resignation.

Hilf mir, offen zu sein für überraschen-de Wendungen, auch wenn Angst, Sorge und Zweifel noch so groß sein mögen.

Gott, sei bei uns allen. Wir bitten dich um deinen Segen, wenn wir zufrieden und dankbar sind. Wir bitten dich um deinen Segen, wenn wir traurig, krank, mutlos oder einsam sind.

Bewahre unsere Kranken. Stärke alle, die sich um Kranke kümmern.

Behüte die Menschen auf der Flucht und in den Lagern, in Kliniken und Intensivstationen, in seelischer und leiblicher Not.

Behüte die, die sich für andere einsetzen.

Lass uns auf dein Wort hören, Jesus.

Mach uns bereit für das, was du uns sagst.

Gib uns allen Geduld und Zuversicht.

 

Vaterunser

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

Hausgottesdienst für den 3.Januar 2021

  1. Sonntag nach dem Christfest, Lk. 2, 41-52,

Pfr.iR Hanns-Heinrich Schneider, Kenzingen

 

Lied 45  1+3  Herbei, o ihr Gläubigen

 

Herbei, o ihr Gläub’gen,

fröhlich triumphieret,

o kommet, o kommet

nach Bethlehem!

Sehet das Kindlein,

uns zum Heil geboren!

O lasset uns anbeten

den König!

 

Kommt, singet dem Herren,

singt, ihr Engelchöre!

Frohlocket, frohlocket,

ihr Seligen: „Ehre sei Gott

im Himmel und auf Erden!“

O lasset uns anbeten

den König!

 

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Weihnachten und Sylvester sind vorüber, wir sind in einem neuen Jahr angekommen. Ein schwieriges Jahr liegt hinter uns. Weihnachten und Sylvester waren mit  Auflagen verbunden und all das, was bisher in unserem Leben selbstverständlich war, musste auf den Prüfstand gestellt werden. Wir feiern unseren Gottes-dienst gegen alle Resignation und Sorge.

 

Guter Gott! Wir danken dir, dass wir diesen Gottesdienst in einem neuen Jahr unseres Lebens miteinander  feiern dürfen. Wir stehen mit unseren Kindern, Familien und Freunden vor einem neuen Jahr. Trotz aller Herausforderungen des vergangenen Jahres  schauen wir dankbar zurück und zugleich voller Zuversicht nach vorn. Lass gelingen, was wir uns vornehmen, wenn es dem Zusammenleben aller Menschen dient. Begleite uns in dieses neue Jahr unseres Lebens mit deinem guten Geist, dem Geist der Hoffnung und des Vertrauens, dem Geist der Liebe und des Friedens durch unseren Bruder und Herrn Jesus Christus.

 

Predigttext Lukas 2,41-52

Die Eltern von Jesus gingen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem. Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie ihn zum ersten Mal mit. Nach den Festtagen machten die Eltern sich wieder auf den Heimweg, während der junge Jesus in Jerusalem blieb. Seine Eltern wussten aber nichts davon. Sie dachten, er sei irgendwo unter den Pilgern. Sie wanderten den ganzen Tag und suchten ihn dann abends unter ihren Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie am folgenden Tag nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Endlich am dritten Tag entdeckten sie ihn im Tempel. Er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und diskutierte mit ihnen. Alle, die dabei waren, staunten über sein Verständnis und seine Antworten. Seine Eltern waren ganz außer sich, als sie ihn hier fanden. Die Mutter sagte zu ihm: »Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich überall gesucht und große Angst um dich ausgestanden.« Jesus antwortete: »Warum habt ihr mich denn gesucht? Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?«

Aber sie verstanden nicht, was er damit meinte. Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazareth zurück und gehorchte ihnen willig. Seine Mutter aber bewahrte das alles in ihrem Herzen. Jesus nahm weiter zu an Jahren wie an Verständnis, und Gott und die Menschen hatten ihre Freude an ihm.

Maria und Josef haben es schwer, sie sind ganz außer sich! Ihr Ältester hat sich der Kontrolle der Eltern entzogen und hat sich seinen Weg in Jerusalem gesucht. Er ist in der Pubertät, wie alle Kinder in seinem Alter.  Dazu ist ja die Pubertät da, dass Kinder sich von ihren Eltern und umgekehrt Eltern sich nach und nach von ihren Kindern lösen, sich frei lassen. Das ist aber einfacher gesagt, und – wie wir sehen – in der Wirklichkeit recht schwer.  Eltern meinen immer ihre Kinder beschützen zu müssen, was umgekehrt die Kinder gerade in diesen Jahren gar nicht mehr wollen und sich dagegen auflehnen. Die Pubertät ist also keine Erfindung der Neuzeit.

Die Klage über Frechheit, Begehrlichkeit und Zügellosigkeit, sowie den Zerfall von Sitte und Moral junger Menschen  durchzieht die Weltliteratur seit altersher. So heißt es in einer Keilschrift um 2000 v.Chr aus Ur in Chaldäa.  „Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“ „Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen, so klagt der Philosoph Aristoteles im 4. Jahrhundert v. Chr. Und Sokrates klagt ebenfalls im 4. Jahrhundert: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“  Und sogar in der Bibel – beim Propheten Micha – heißt es: „Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter steht wider die Mutter, die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter“ (Micha 7,6).

Sehr schnell war man früher dabei, unseren nachweihnachtlichen Text vom Ende her zu lesen, denn Lukas schreibt diese Kindheitsgeschichte Jesu ja erst viel später und im Rückblick auf das Leben Jesu. Doch damit werden wir weder den Eltern Maria und Joseph noch dem heranreifendem Jesus gerecht. Die Weihnachtserzählungen sind abgeschlossen, wobei Matthäus noch die Flucht nach Ägypten erwähnt. Und dann hören wir eine ganze Weile nichts mehr aus der Biografie Jesu.

Kindheitserzählungen Jesu finden wir nur noch in den außerbiblischen Schriften, den Apokryphen. Da wird Jesus „als übermütiges Kind mit manchmal bengel- und flegelhaftem Benehmen dargestellt, das seine Macht und Wunderkraft erst zügeln lernen muss. Von Anfang an steht aber die Überlegenheit des Knaben seinen Lehrern gegenüber im Mittelpunkt“, was wohl in einer Beziehung zum 12-jährigen Jesus im Tempel steht. Damit sehen wir einen ganz normalen Jungen vor uns, der kurz davor ist, erwachsen zu werden.

Dieser Blick auf Jesus ist, wenngleich für manche von uns ungewöhnlich, doch von großer Bedeutung. Maria war nie die madonnengleiche Frau mit blonden lockigen Haaren, wehenden Gewändern und einem Heiligenschein um sich herum. Josef, ihr Mann, war nie der alte Mann am Krückstock und das Kind in der Krippe war ein Kind wie jedes andere Kind auch, zu dem Gott sein Ja gesagt hat. Es musste gestillt und gewickelt werden und raubte den Eltern den Schlaf. Jesus, der Gottessohn wurde für uns ein Mensch, ein Mitmensch.

Und das schildert uns Lukas in seiner Weihnachtsgeschichte bis hin zum 12-jährigen Jesus im Tempel. Und weder Maria und Josef, noch Jesus selbst blieb in diesem Miteinander erspart, was auch andere Eltern mit ihren Kindern und Kinder mit ihren Eltern durchmachen.  Heute 2000 Jahre später, sehen wir unsere Geschichte einmal aus Sicht der Eltern und dann aus der Sicht ihres Sohnes Jesus.

Denken wir einmal kurz an das Märchen von Rapunzel. Die  Zauberin verschließt Rapunzel als junges Mädchen in einem hohen Turm, um sie für sich behalten zu können und verliert sie dann schließlich doch. So ergeht es natürlich auch Maria und Josef. Sie wollen ihr Kind halten und verlieren es letztlich doch.

Sie folgen den Geboten ihrer Väter und Mütter im Glauben und pilgern zum Passafest nach Jerusalem, doch Jesus sucht sich seinen Weg im Festgetümmel, um Gott nahe zu sein. Die Eltern erleben das in größter Sorge, ja „sie waren ganz außer sich“ vor Angst. Martin Luther selbst sagte 1543 sinngemäß zu unserem Text, dass Jesus es durchaus verdient hätte, gezüchtigt zu werden, wenn es eben nicht Jesus gewesen wäre: „Aber Christus war der Herr: Wo es nötig war, gehorchte er, wo nicht, gehorchte er nicht, um so zu zeigen, dass er nicht nur Marias, sondern Gottes Sohn ist. Sie meinten das Kind behüten zu müssen, doch das Kind, fast erwachsen geworden, spielt nicht mehr mit. Das ist, man kann es nicht anders sagen, eine Provokation Jesu. Denn was hätte es Jesus gekostet, seinen Eltern kurz Bescheid zu sagen, wohin er geht? Schon an diesem Text zerbricht das Bild vom „lieben Herrn Jesus“. Jesus war nicht einfach lieb und wurde es auch nie.

Dass dann später einmal von ihm gesagt wird, dass in seiner Gegenwart „die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert…“ (Mt. 11,5+6), das können seine Eltern hier und heute bei ihrer Wallfahrt nach Jerusalem natürlich noch nicht sehen. Sie sind in ihrer Angst um ihren Sohn gefangen.

Und Jesus? Jesus läuft ja nur augenscheinlich seinen Eltern weg. Ihm ist hier in Jerusalem an der Pforte zum Erwachsenwerden aber etwas ganz anderes wichtig und dem folgt er. „Aus seiner Sicht `verliert´ er seine Eltern nicht, er lässt sie ganz einfach weiterziehen und sucht sich seinen eigenen Standort.“  Hier erleben wir mit, wie Jesus selbst durch sein Verhalten das moralische Gebot den Eltern zu gehorchen, in Frage stellt. Jetzt geht es ihm an diesem Ort um seine Gottesbeziehung. Es beginnt für den Jungen seine eigene innere Auseinandersetzung mit seinem Glauben, es geht um sein Denken, sein Fragen, sein Suchen – und darum gehört er in diesem Augenblick in den Tempel zu den Glaubensgelehrten. Manche von ihnen werden ihm später das Leben schwermachen.

Wir sehen heute mit unserem Blick auf den 12-jährigen Jesus, wissen um seine spätere Botschaft, hören ihn auch aus seinen Taten heraus und glauben, dass er für uns zum Christus geworden ist. Aber so, wie wir kaum Kindheitsgeschichten kennen, so wenig wissen wir um die Jahre, die er nun in seinem Elternhaus lebt und – wie es erzählt wird – seinen Eltern „gehorsam“ war.

Wir kommen gerade vom Weihnachtsfest her, das so ganz anders war, als die Weihnachtsfeste, die wir zuvor in unserem Leben erleben durften. Wir haben ein Jahr hinter uns gelassen, dass es in sich hatte: Das Coronavirus hat wohl einen jeden von uns gefordert. Wir mussten lernen, uns mit Masken zu bewegen, Abstand zu halten, selbst zu den Menschen, die uns nahestehen und sehr viel stärker auf Hygiene zu achten. Und all das nehmen wir mit in das neue Jahr hinein, das nun vor uns liegt mit. Es gibt Menschen unter uns, die all das nicht (mehr) aushalten, die Quer-denken, weil sie nicht an die Gefahr durch das Virus glauben und meinen durch die Regierungen belogen und durch die Presse manipuliert zu werden.

Was tun? Wie gehen wir als Christen mit unserer Botschaft hoffnungsvoll in ein neues Jahr – wohl wissend – dass uns weitere Herausforderungen erwarten. Von Jesus wird erzählt, dass die Menschen schließlich „ihre Freude an ihm hatten“.  Ja, wir sehen heute nicht mehr den 12-jährigen Jungen in seiner Pubertät, sondern sehen, dass uns in diesem Menschen Gott selbst begegnet, was mit seiner Geburt zuvor schon in der Krippe im Stall begann.

Dietrich Bonhoeffer formulierte im Nachdenken über die Herausforderungen seiner Zeit „einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte“, in die wir uns vielleicht auch in unserer Gegenwart gut einfinden können: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Genau in diesem Vertrauen dürfen wir darum  mit einer `fröhlichen Zuversicht´ in die uns geschenkte Zukunft hineinleben und gehen und das gilt gerade auch für das Jahr 2021. Amen.

 

 

Herr guter Gott! Wir danken dir für dein gutes Wort in dem uns Jesus Christus als Mensch und Gott begegnet. Dabei ist es tröstlich zu erfahren, dass die Welt Jesu keine andere Welt als unsere eigene war, dass es auch damals schon Sorgen und Probleme in den Familien gab, die durch deinen guten Geist gelöst werden konnten. Wir beten darum, dass jedes Kind seinen Weg ins Leben findet und alle Eltern ihre Kinder geistvoll auf diesem Weg begleiten können. Wir beten um inneren und äußeren Frieden für alle Menschen, die einen Weg in Ihr Leben suchen unter Beachtung von Menschenwürde und Menschenrechten.

Väterlicher und so mütterlicher Gott, so können wir gar nicht anders, als dir für alle Menschen unter uns zu danken, die uns mit ihrem Glauben ein Vorbild sind und die sich in unserer Gemeinde und Kirche mit ihrem Engagement einbringen. Vor dir bringen wir nun auch voller Dankbarkeit alle Menschen in Erinnerung, die uns den Weg zu dir vorangegangen sind, wir beten aber auch für uns selbst, für unsere Gemeinde, für unsere Freunde in Sundhouse, für unsere katholischen Mitchristen, für unsere kleine Stadt und für die ganze Welt. Schenke allen Menschen weltweit eine fröhliche Zuversicht, wenn Sorgen und Angst sie quälen.

Und alles, was uns noch bewegt, bringen wir vor dich, Gott, in dem wir gemeinsam beten:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 

Lied 65,7

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

 

Gott erhalte uns in gegenseitiger Liebe und schenke uns Freunde und Frieden mit allen Menschen.

Gott segne uns als Boten seiner Liebe, damit alle Welt ein glaubwürdiges Zeugnis unseres Glaubens erfahren kann.

Gott sei bei uns und unseren Familien in guten und an schweren Tagen.

Es segne und behüte euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige. Der Vater, der Sohn, und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

 

Hausgottesdienst zum 31.12.2020

 

Gottesdienst für den 31.12.2020

Pfarrer Andreas Hansen, Kenzingen

 

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Wir beten mit Psalm 121:

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom HERRN,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

Der HERR behütet dich;

der HERR ist dein Schatten

über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

Der HERR behüte dich vor allem

Übel, er behüte deine Seele.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit! Amen

 

Hüter unseres Lebens, wir sehen zurück auf dieses Jahr. Wir sehen die Herausforderungen, die es uns und vielen Menschen gebracht hat.

Du warst und bist bei uns in Leid, in Anspannung und Angst.

Wir sehen auf das, was uns gelungen ist, auf glückliche, erfüllte Zeit und danken dir.

Wir haben auch Chancen vertan und sind schuldig geworden an anderen Menschen und an dir. Vergib uns und nimm von unseren Schultern, was uns belastet.

Begleite uns in das neue Jahr, stärke uns für unsere Aufgaben und behüte uns vor allem Bösen, behüte unsere Seele. Amen

 

Lied 64, 1 Der du die Zeit in Händen hast

 Der du die Zeit in Händen hast,

Herr, nimm auch dieses Jahres Last

und wandle sie in Segen.

Nun von dir selbst in Jesus Christ

die Mitte fest gewiesen ist,

führ uns dem Ziel entgegen.

 

Predigtgedanken

Das Jahr geht zu Ende. Viele Proble-me sind nicht gelöst. Viele Aufgaben warten. Es gibt noch so viel mehr als die Pandemie, die alles beherrscht.

Der Klimawandel, die Not der Flüchtlinge, die Gefahr des Terrors, Angriffe auf unsere Demokratie – die Liste ist lang. Wir bringen zu Gott, was in diesem Jahr geschah, was die Welt bewegt hat und auch das, was für uns persönlich wichtig war.

Wir bringen unseren Dank für alles, was schön war, und wir bringen die Last dieses Jahres, Sorge und Leid zu Gott. Gott hat die Zeit in Händen. Gott kann die Last dieses Jahres in Segen wandeln. Aber er nimmt uns die Last nicht einfach ab.

Wir lesen den Predigttext, Verse aus dem 2. Buch Mose (13,20-22). Gott führt und begleitet sein Volk auf dem Weg in das Gelobte Land:

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie bei Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Gottes Volk ist auf dem Weg in die Freiheit. Sie brechen auf aus Ägypten, dem Land der Sklaverei. Schlimme Erfahrungen von Unterdrückung und Leid liegen hinter ihnen. Es war unendlich schwer, den Pharao zu überzeugen, dass er sie gehen lässt. Es ist auch für sie selbst schwer, sich zu lösen, das Alte hinter sich zu lassen, Gott zu vertrauen und aufzubrechen. Nun sind sie am Rand der Wüste, an der Schwelle, vor dem Ungewissen.

Jahr für Jahr lesen Juden diese Geschichte so, als wären sie selbst dabei, heute am Rand der Wüste, heute herausgefordert zu vertrauen.

„Vertrauen, dieses schwerste ABC“ (Hilde Domin) Immer neu müssen wir es lernen.

In einer Wolken- und Feuersäule geht Gott seinem Volk voraus. Gott ist da, aber man kann ihn doch nicht greifen. Gott ist da und ist doch anders, anders als das Licht des Tages und anders als das Dunkel der Nacht. Gott wahrt den Abstand. Er geht voraus.

Und sein Volk muss auf Gott schauen und kann nicht stehen bleiben. Sie dürfen nicht auf das starren, was sie erschreckt. Auf Gott sollen sie sehen und seinen Weg gehen.

Das neue Jahr wird gut, wenn wir Gott vor Augen haben und ihm folgen.

Wie machen wir das? Unser Licht und unser Wegweiser ist Jesus, sein Vertrauen zum Vater, seine Liebe zu den Menschen.

Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. (Hebr 12,2)

Wir treffen Entscheidungen auf unserem Weg. Wir sagen ja oder nein zu einer Aufgabe oder auch zu einem Menschen. Wir tragen Entschei-dungen, z.B. wenn ein Angehöriger krank ist oder im Sterben liegt.

Dietrich Bonhoeffer schrieb: „Den Weg zu wissen, auf dem rechten Weg zu sein, erleichtert niemals Verantwortung oder Schuld, sondern erschwert sie.“

Gott geht uns voraus. Er trägt uns nicht einfach. Wir müssen gehen und die Last von Aufgaben und Entscheidungen tragen. Aber Gott ist da.

Bei Tag und Nacht“ heißt es dreimal in diesen Versen. Bei Tag und Nacht kann sein Volk auf sein Zeichen sehen. Bei Tag und Nacht können sie wandern.

In keinem noch so dunklen Moment des vergangenen Jahres hat Gott uns allein gelassen. Keinen Augenblick könnten wir sein ohne ihn.

Ich bin da“ – so stellt Gott sich dem Mose ganz am Anfang vor.

Ich bin bei euch alle Tage“, so sagt Jesus zu uns.

Einen langen, schweren Weg durch die Wüste muss das Gottesvolk gehen, einen Weg mit Umwegen, Gefahren und Mühen.

Später werden die Propheten gerade von dieser Zeit schwärmen. Hier haben sie erfahren, wie nahe Gott ist.

Wir werden auch im nächsten Jahr Umwege machen und auch in Wüsten geraten.

Krankheit kann so eine Wüste sein oder Sorge, Angst, Trauer, Not.

Manchmal schicken wir einander in die Wüste, wenn wir Menschen allein lassen, sie ablehnen oder mit ihnen herumstreiten.

Oder wir werden uns selbst zur Wüste, überfordern uns, verlieren uns, quälen uns selbst.

Ich wünsche Ihnen und mir selbst, dass wir dann nicht ziellos und bis zur Erschöpfung umherirren.

Ich wünsche uns, dass wir den Blick zu Gott und zu Jesus hin wenden.

Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Gott ist da. Er geht mit uns in dieses neue Jahr und durch unsere Wüsten

 

Lied 64, 2+5

Da alles, was der Mensch beginnt,

vor seinen Augen noch zerrinnt,

sein du selbst der Vollender.

Die Jahre, die du uns geschenkt,

wenn deine Güte uns nicht lenkt,

veralten wie Gewänder.

 

Der du allein der Ewge heißt

und Anfang, Ziel und Mitte weißt

im Fluge unsrer Zeiten:

bleib du uns gnädig zugewandt

und führe uns an deiner Hand,

damit wir sicher schreiten.

 

Wir beten:

Am Ende dieses Jahres beten wir zu dir, du, unser Gott, und loben dich.

Du begleitest uns durch die Jahre.

Du rufst uns in deine Gemeinschaft.

Nie lässt du uns allein.

Du bist da für dein Volk.

Du schenkst dich uns in Jesus Christus.

 

Steh uns auch im kommenden Jahr bei, wenn wir herausgefordert und auch wenn wir überfordert sind,

wenn Leid und Unglück uns treffen,

wenn wir meinen, allein zu sein.

Wir bitten für alle, die von der Pandemie betroffen sind, die Kranken, die Sterbenden, die Trauernden, für alle, die in Not geraten. Gib denen Kraft und bewahre sie, die helfen und pflegen und begleiten. Wir bitten für unser Land, für alle, die Entscheidun-gen treffen und Verantwortung tragen. Und wir beten für die Völker und Länder, die stärker von der Not betroffen sind.

Hilf uns an unserem Ort füreinander einzustehen. Wir bitten für deine Schöpfung. Hilf uns umzudenken und umzukehren, weniger zu verbrauchen, achtsamer mit deinen Gaben umzugehen.

Wir bitten für unsere Familien und Freunde und nennen die Menschen, um die wir uns Sorgen machen.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.

Du bist bei uns, Vater im Himmel. Du schenkst uns deine Gemeinschaft, dein Leben, Jesus, unser Herr. Von dir getröstet und behütet gehen wir in das neue Jahr.

 

Vaterunser

 

Lied 65,1+2+7

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr.

 

Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.

Zwischen den Zeiten – Hausgottesdienst zum Christfest 2020

Lied EG 35

Nun singet und seid froh, jauchzt alle und sagt so: Unsers Herzens Wonne liegt in der Krippe bloß und leucht´ doch wie die Sonne in seiner Mutter Schoß. Du bist A und O, du bist A und O.

Wo ist der Freuden Ort? Nirgends mehr denn dort, da die Engel singen mit den Heil´gen all     und die Psalmen klingen im hohen Himmelssaal. Eia, wär´n wir da, eia, wär´n wir da.

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Fürchtet euch nicht!  Siehe, ich verkündige euch große Freude! Euch ist heute der Heiland geboren. Wir  feiern einen Hausgottesdienst zum Christfest. Der Retter ist geboren. Gott wird Mensch für uns. Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.

 

Wir preisen dich, Gott, gemeinsam mit Christinnen und Christen in aller Welt. Du kommst in die Welt – so sehr liebst du sie.                  Wir hören den Jubel und denken zugleich an die, denen nicht zum Jubeln zumute ist, die traurig sind und voll Sorge. Du kommst in die Welt und willst mit uns tragen, was uns bedrückt. Christus, unser Bruder, du kommst in Armut, nicht in Glanz und Herrlichkeit.

Wir preisen dich Gott, der du lebst und Leben schenkst, durch Christus, unseren Bruder, unseren Heiland,  in der Kraft des Heiligen Geistes. Amen

 

Lesung Jes 52,6-10

Mein Volk soll meinen Namen erkennen an jenem Tag, dass ich es bin, der spricht: „Hier bin ich!“

Wie lieblich klingen die Schritte  des Freudenboten auf den Bergen, der Frieden verkündet, der gute Botschaft bringt, der Rettung verkündet, der zu Zion spricht: Dein Gott ist König!

Horch, deine Wächter haben die Stimme erhoben, allesamt jubeln sie, denn mit ihren Augen werden sie sehen, wie der Herr zurückkehrt nach Zion.

Freut euch, jubelt allesamt, ihr Trümmerstätten Jerusalems! Denn der Herr hat sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst.

Vor den Augen aller Nationen hat der Herr seinen heiligen Arm entblößt, und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.

Lied EG 36,1+5+6+9

Fröhlich soll mein Herze springen

Dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen.

Hört, hört, wie mit vollen Chören

Alle Luft laute ruft: Christus ist geboren!

 

Nun er liegt in seiner Krippen,

Ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen:

“Lasset fahr’n, o liebe Brüder,

Was euch quält, was euch fehlt; ich bring alles wieder.”

 

Ei so kommt und lasst uns laufen,

Stellt euch ein, groß und klein, eilt mit großen Haufen!

Liebt den, der vor Liebe brennet;

Schaut den Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet.

 

Die ihr arm seid und elende,

Kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände.

Hier sind alle guten Gaben

Und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben.

 

1920 schrieb Friedrich Gogarten: “Das ist das Schicksal unserer Generation, dass wir zwischen den Zeiten stehen. Wir gehörten nie zu der Zeit, die heute zu Ende geht. Ob wir je zu der Zeit gehören werden, die kommen wird?”

„Zwischen den Zeiten“ – so nannten namhafte Theologen damals vor hundert Jahren eine Zeitschrift und so schätzten sie ihre Zeit ein: nach der Erschütterung des Ersten Weltkrieges –      der Optimismus und Fortschrittsglaube einer Generation war zerschlagen. Aber die Autoren waren bereit sich von Gottes Wort ansprechen und herausfordern zu lassen.

Zwischen den Zeiten stehen wir auch jetzt, wund von diesem Jahr, unsicher, müde. Zwischen den Zeiten stehen wir immer, wenn Entscheidungen, Abschiede, Krisen uns herausfordern. Resignieren wir nicht! Lassen wir uns ansprechen von Gott! Sein Volk soll ihn erkennen, wenn er spricht:   „Hier bin ich!“ Wir wollen ihn hören und sehen in dem Kind.

Fröhlich soll mein Herze springen – ach, wirklich? Lieblich klingen die Schritte des Freudenboten – so anders als resolute Schritte eines machtvoll Auftretenden oder gar dröhnende Stiefel von Soldaten.

Die Herzen sind zu Jesajas Zeit eher schwer, Jerusalem in Trümmern, der Tempel eine Ruine, das Volk fern von zuhause. Aber so soll es nicht bleiben. Eine neue Zeit kommt. Gott kommt. Hört ihr nicht schon die lieblichen Schritte seines Boten? Hört doch, was er verkündet: Frieden, eine frohe Botschaft, Rettung. Das ist eigenartig, nicht wahr? Sie sitzen noch in der Verbannung und Jerusalem liegt in Trümmern. „Zwischen den Zeiten“ heißt für sie in gespannter Erwartung hören auf die frohe Botschaft, ganz nah. Noch ist der Frieden, die Rettung nicht verwirklicht, aber wir gehören zu der Zeit, die kommen wird.

Himmlische Freudenboten kommen zu den Hirten, und die werden nun ihrerseits zu Freudenboten. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft laute ruft: Christus ist geboren! Lasst euch mitreißen von der Freude, dass Gott zu uns kommt! Eine neue Zeit beginnt. Frieden für die zerrissene, geplagte Welt. Gott brennt vor Liebe. Er will bei uns sein, unser Leben teilen, uns retten. Neue Perspektiven erschließen sich. Ein Neuanfang wird möglich. Fröhlich soll mein Herze springen!  Wir gehören zu der Zeit, die kommen wird.

Die ihr arm seid und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände. Bei Jesaja klingt es so: Freut euch, jubelt allesamt, ihr Trümmerstätten Jerusalems! Jubelnde Trümmer, Elende, die wieder glauben können – „Gott kommt in die Trümmer“ (Isolde Karle) Die schlimmen, leidvollen Erfahrungen werden nicht einfach beiseite gewischt, als ob nichts wäre. Gott kommt gerade dorthin, wo Schmerz und Elend und auch Schuld uns niederdrücken. Sicher hätten wir in diesem Jahr manches besser machen können. „Wir werden einander viel zu verzeihen haben.“ Das stimmt. Was wir erlebt und erlitten und getan haben,  bleibt ein Teil unseres Lebens. Es lässt sich nicht auslöschen. Die Trümmer sollen jubeln.  Gott sieht unsere Last, die Trümmer und Ruinen unseres Lebens. Er geht nicht darüber hinweg. Das Volk Israel hofft, dass Jerusalem wieder aufgebaut wird und es heimkehren darf. Wir hoffen, dass aus den Leidensgeschichten,  aus dem, was uns erschreckt, aus Krisen, Schuld und Erschütterungen Neues entsteht.

Wir schauen auf das Kind in der Krippe. So klein macht sich Gott, so machtlos und dem Leben ausgeliefert. So ist er ganz bei uns. Wir sehen im Kind in der Krippe auch schon den leidenden Gott, der sich für uns hingibt. Wir sehen, wie sehr Gott uns liebt.

Wir stehen zwischen den Zeiten. Vielleicht wird mit diesem Jahr wirklich vieles anders – das wissen wir nicht. Das Gefühl von Umbruch und Krise beherrscht viele. Wir stehen zwischen den Zeiten, aber die Geburt Jesu markiert eine neue Zeit.

Hört die lieblichen Schritte des Freudenboten!

Er verkündet Frieden, Rettung, frohe Botschaft.

Hören wir! Sehen wir auf den, der kommt!

So viel will er für uns tun. So viel schenkt er uns.

Alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.

Amen

 

37,1+4

Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben;

ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.

Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,

Herz, Seel und Mut, nimm alles hin

und lass dir’s wohlgefallen.

 

Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;

und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.

O dass mein Sinn ein Abgrund wär

und meine Seel ein weites Meer,

dass ich dich möchte fassen!

 

Wir stehen an deiner Krippe, du, unser Gott, so nah. Mit allem, was dieses Jahr uns gebracht hat, stehen wir vor dir. Wir sehen auf dich. Wir hören auf die Freudenboten. Wir hoffen auf dein Wort vom Frieden, von Heil und Rettung. Hilf uns, zuversichtlich weiterzugehen, nicht zu resignieren und bitter zu werden. Wir wissen nicht, was das neue Jahr bringt und wie wir aus dieser Krise herausgehen, aber wir wissen: Du gehst mit uns. In allem, was geschieht: Du bist bei uns.

Wir bitten dich für alle, die von der Pandemie hart getroffen sind, die erkrankt sind, die Angehörige verloren haben, die extrem gefordert sind in ihrem Beruf, die ihre Arbeit oder ihr Auskommen verloren haben.

Wir bitten für unser Land und für die Welt um Frieden, um gerechte Entscheidungen, um Einsicht und Versöhnung in Konflikten, um Bewahrung in Not.

Ja, alle Enden der Erde sollen dein Heil sehen. Schenke ihnen und uns allen Glauben. Behüte unsere Lieben. Bewahre uns.

Vaterunser

37,9

Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen: dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So lass mich doch dein Kripp´lein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.

 

Gott, segne und behüte uns. Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Hebe dein Angesicht über uns und schenke uns Frieden. Amen.

 

 

 

 

Gottesdienst an Heiligabend

Heiligabend 2020

Sie können den Gottesdienst, den wir in der Kirche feiern, zuhause für sich allein oder gemeinsam mit anderen lesen. Sie stehen in der Gemeinschaft aller Christinnen und Christen. Er, dessen Fest wir feiern, verbindet uns.

 

Wir feiern Weihnachten.

Wir feiern Jesus Christus.

Gott hält keinen Abstand – er ist uns nah.

Alles trägt Jesus mit uns, unser ganzes Leben.

Wir feiern Weihnachten und danken Gott, der uns so sehr liebt.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab. Wir sollen nicht verloren sein. Wir sollen leben.

Lied 27,1-3 Lobt Gott, ihr Christen

Lobt Gott, ihr Christen alle gleich,

in seinem höchsten Thron,

der heut schließt auf sein Himmelreich

und schenkt uns seinen Sohn,

und schenkt uns seinen Sohn.

 

Er kommt aus seines Vaters Schoß

und wird ein Kindlein klein,

er liegt dort elend, nackt und bloß

in einem Krippelein, in einem Krippelein.

 

Er äußert sich all seiner G’walt,

wird niedrig und gering

und nimmt an eines Knechts Gestalt,

der Schöpfer aller Ding, der Schöpfer aller Ding.

Wir feiern unseren Hausgottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 Wir kommen zu deinem Fest, Gott, mit allem, was uns beschäftigt, was uns keine Ruhe lässt, was uns Sorgen macht – all das bringen wir mit.

Die Welt feiert deine Geburt.

Nicht in strahlendem Glanz kommst du, sondern in Armut und Elend.

Du weißt, wie die Welt ist, und lässt dich doch auf sie ein.

Du liebst die Welt. Du nimmst uns an.

Wir werden deinem Willen und unseren Mitmenschen oft nicht gerecht, auch nicht denen,

die wir doch lieb haben.

Wir sind gefangen in der Sorge um uns selbst. Schwach ist unser Vertrauen.

Aber du nimmst uns an.

Du kommst zu uns.

Wir preisen dich.

Deine Liebe schenkst du uns in Jesus.

Wir sollen Frieden finden.

Die Wunden der Welt sollen heilen.

Wir feiern dein Fest, Gott. Amen

 

Wir lesen das Weihnachtsevangelium Lk 2,1-20:

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

 

Predigtgedanken

Die Hirten laufen los. Unbedingt müssen sie wissen, ob es wahr ist. Sie wollen es sehen. Stimmt das, was der Engel sagt? Es wäre so schön. Sie machen sich auf die Suche.

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Finden, was wir suchen, das ist ein Glück. Gott sucht uns. Und Gott erreicht und findet uns. Darüber jubelt der ganze Himmel.

In diesem Jahr ist uns überdeutlich bewusst, wieviel wir verlieren können: unsere Gesundheit, Menschen, die wir lieb haben, unser Auskommen, Möglichkeiten miteinander zu feiern. Zuversicht und Vertrauen können wir verlieren. Fast alles können wir verlieren. Das macht uns traurig und es macht uns Angst. Wir denken an die vielen Menschen, die traurig sind, weil sie vieles, was sie lieb hatten, verloren haben.

Wir können sogar Weihnachten verlieren – wenn wir nicht wissen, was das soll. Wenn uns der Sinn dieses Festes nicht erreicht, die Worte und Zeichen keinen Sinn für uns haben.

Fast alles können wir verlieren, aber eines bleibt: Was auch geschieht, Gott gibt uns nicht verloren. Gott findet uns. Es bleibt seine Liebe zu uns.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab. Wir sollen nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Wir gehen nicht verloren für Gott. Gott schickt seine Boten, die Engel. Gott kommt selbst in Jesus Christus in die Welt, die er so sehr liebt.

Ich hatte eine kleine Engelsvision: Mit den Drittklässlern wollten wir zu Weihnachten ein Spiel in der Turn- und Festhalle aufführen. Viele der Kinder wollten Engel sein, und wir haben einfach für alle Engelskronen gebastelt. Dann saßen da vor mir über 20 Kinder mit Engelskronen, und ich dacht: Das stimmt ja! Wir alle können Botinnen und Boten Gottes werden, Engel.

Wir haben in diesem Jahr erlebt, wie wir füreinander sorgen. Viele gute Begegnungen haben Mut gemacht.

Die Hirten erzählen die frohe Botschaft. Auch sie werden zu Engeln. Machen wir es wie die Hirten: Erzählen wir, was uns über dieses Kind gesagt ist! Der Heiland ist geboren.

Gott liebt uns.

Er gibt uns niemals verloren.

Amen

 

Du, Gott, bist größer als unsere Vorstellungen, erhabener als unsere Worte, höher als unser Verstehen, und doch bist du uns nah, ganz anders als die Mächtigen dieser Welt. Du kommst zu uns in dem Kind in der Krippe. Wir bitten dich: Bleib bei uns und geh mit uns, in allem, was uns angreift.

Bei dir, Jesus, sind wir in guten Händen. Halte und bewahre uns und alle, die wir lieben. Beschütze die, um die wir uns Sorgen machen. Wir bitten dich für die vielen Menschen, die unter dem Virus und seinen Folgen leiden, für die Kranken und alle, die sie pflegen, für die Trauernden, die Einsamen, die in Not geraten sind. Ihnen allen, uns allen gib Kraft, Geduld und Zuversicht. Du bist auch bei denen, die überfordert und verzweifelt sind, und bei denen, die am Rand stehen und übersehen werden.

Wir bitten für die, die regieren. Steh ihnen bei, wenn sie schwere Entscheidungen treffen. Schenke ihnen Weisheit und Mut. Lass dein Licht auf die Völker scheinen. Wir bitten um Gerechtigkeit und Frieden für alle Menschen.

Sei den Menschen besonders nahe, die traurig und bedrückt sind, denen, die belastet sind von Sorge und Streit, Menschen in seelischer Not, in Obdachlosigkeit, Menschen, die niemanden haben.

Wir bitten für deine Kirche. Das Wort vom Kind in der Krippe, deine frohe Botschaft soll alle erreichen. Durch uns alle zeige den Menschen deine Güte und Liebe.

Vaterunser

Lied 44 O du fröhliche

O du fröhliche, o du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit!

Welt ging verloren, Christ ist geboren:

Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit!

Christ ist erschienen, uns zu versühnen:

Freue, freue dich, o Christenheit!

 

O du fröhliche, o du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit!

Himmlische Heere jauchzen Dir Ehre:

Freue, freue dich, o Christenheit!

 

Gott, segne und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Hebe dein Angesicht über uns

und schenke uns Frieden.

Amen.