Auf dem Weg nach Emmaus, Erzählung zu Lk 24,13-35, Taufgottesdienst an Christi Himmelfahrt

Auf der staubigen Straße, die von Jerusalem kommt, wandern wir zu zweit. Heute noch wollen wir nach Emmaus kommen, zurück nach Hause, und vor allem weg aus der Stadt, weg von allem, was dort geschehen ist.  Wir sind traurig. Wir starren vor uns hin. Nur manchmal muss ich seufzen. „Hach!“

„Denk einfach nicht mehr dran.“, sagt Kleopas.

„Du denkst doch selbst an ihn. Ich kann nichts machen. Warum musste er so enden, am Kreuz, wie ein Schwerverbrecher?“

„Ja, warum nur. Er war doch unschuldig und musste so sehr leiden. O weh!“, seufzt jetzt auch Kleopas. Er wischt sich eine Träne aus dem Auge.

Auf einmal ist dieser Fremde da. Er geht neben uns her „Worüber redet ihr? Warum seid ihr so traurig?“                              Ich schaue ihn an und erkenne ihn nicht. Das ist er, aber wir sind beide wie blind, als würde uns jemand die Augen zuhalten.

„Worüber wir reden? Du kommst doch auch  aus Jerusalem. Bis du der Einzige, der nicht mitbekommen hat, dass Jesus gestorben ist, von Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt?“ „Und wir haben so sehr auf ihn gehofft“ – Kleopas weint schon fast wieder. „Alles sollte besser werden, und jetzt? – was wird nun ohne ihn? Haben wir uns so getäuscht in Jesus?“   Ich sage: „Heute morgen hörten wir auch noch,   sein Grab ist leer – was soll das denn bedeuten? Ich versteh gar nichts mehr.“

Der ganze Jammer bricht aus uns heraus, unsere Enttäuschung und Verzweiflung. Er lässt uns reden, geduldig, dann erst beginnt er zu erzählen.

Ich schaue Kleopas an. Gebannt hört er dem Fremden zu, er staunt. Es geht mir genauso.    Alles ist klar und gut, was er über Gott sagt.          Er spricht von Gottes Weg mit uns und von der Bibel. Mein Herz wird froh, wenn er redet. Stundenlang könnt ich ihm zuhören. Ich schaue Kleopas an. Er lächelt.

Dann sind wir da, in Emmaus. Wir bleiben vor unserem Haus stehen. Er will weitergehen. „Bleib doch bei uns!“ sage ich. „Bleib doch hier bei uns. Es wird ja schon dunkel.“

Er geht mit uns hinein. Wir richten das Essen und setzen uns. Jesus nimmt das Brot. Er dankt Gott dafür. Er bricht das Brot in Stücke und reicht es uns. In dem Moment gehen uns die Augen auf.           Wir sehen ihn. Es ist Jesus! Wirklich Jesus!Im gleichen Augenblick, als wir ihn erkennen,    ist Jesus verschwunden.

„Jesus lebt! Es stimmt: er ist wirklich auferstanden.“ „Hast du das auch gespürt auf dem Weg? Mir war, als würde mein Herz brennen.“ „Komm schnell! Das müssen wir den andern erzählen.“

Wisst Ihr, ich denke oft an den Weg nach Emmaus. Wenn etwas Trauriges geschieht und ich bedrückt bin. So ist es uns ja gegangen. Alles war grau und leer. Gott war so weit weg, als ob es ihn gar nicht wirklich gibt.  Aber Jesus war da. Wir haben ihn nur nicht sehen können, bis uns die Augen aufgingen. Glaubt mir: Ich habe ihn gesehen. Er lebt.

Jesus ist bei Gott und Jesus ist auch bei uns. Darum feiern wir Christi Himmelfahrt, diesen Tag heute.

Jesus sagt uns: „Ich bin bei euch, wenn zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind.“

Und er sagt: „Ich bin bei euch in Brot und Wein, wenn ihr an mich denkt.“

Und er sagt auch: „Ich bin bei euch, wenn ihr einen Menschen aufnehmt und ihm helft – es ist, als ob ihr mich aufnehmt und mir helft. Ich bin bei euch in diesem Menschen neben euch.“

Manchmal denke ich: Vielleicht ist Emmaus gar nicht weit weg. Und ich bitte ihn: „Geh wieder mit uns nach Emmaus! Jesus du bist doch da. Herr, bleibe bei uns! Rühr unsere Herzen an! Sag uns Worte von Gott, die in uns brennen! Öffne uns die Augen!“ Amen